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2022 04 16 Heimweh [by Lifegamer]

Kurzbeschreibung
CrossoverAllgemein / P12 / Gen
16.04.2022
16.04.2022
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Tag der Veröffentlichung:16.04.2022
Titel der Geschichte: Heimweh
Song: “Heimweh” von Die Lochis
Autor: Lifegamer
Kommentar des Autors: Ich habe mir erlaubt, zwei Fandoms zusammen zu bringen. Und die Hälfte eines ehemaligen Zwillingspaares auftreten zu lassen.


Heimweh


'Himmel, war ich auch mal so verspielt? Die sind frech, ob sie das nicht nur auf der Bühne sind? Ah, das Gekreische der Mädchen, also wenn mein Bruder und ich die Mädchen zum kreischen brachten, war das eher - ah.'
Der rotschopfige junge Kerl grinst erinnerungsselig. Und versinkt im nächsten Moment in purer Traurigkeit. Sein zweites Ich, gestorben in einer beschissenen Schlacht, profan von Mauerwerk erschlagen, welches ein beschissener Riese einfach mit der Hand vom Gemäuer fegte, sein Bruder, den er in seinem Kopf hat, er fragt nicht nach den kreischenden Mädchen. Sie beide, sein Bruder nur als gelegentliche Stimme im Hinterkopf, hatten sich einfach eine Auszeit genommen. Nachdem George seinem jüngeren Bruder Ron einfach die Geschäftsleitung ihres mühsam aufgebauten und umgehend wieder erfolgreichen Ladengeschäfts in die Hände gab. Das Gefühl einfach weit weg von dem nun schon eine ganze Weile beendeten Irrsinn eines dummen Krieges zu sein und seine alles überwältigende Trauer in den Griff zu bekommen, das war das Ziel seiner langen Reise. Eine Reise die ihm dank dem Schweigen der Bankangestellten bei Gringotts möglich wurde. Jede Nacht in einem anderen Bett. Jede Nacht in einem Hotel der nächstliegenden Stadt. Und niemals einen Kontakt, der auf irgendeine Weise seine Heimat näher hätte bringen sollen, als er es für sich ausgehalten hätte. George lächelt verhalten. Schnell wurde es zur Obsession. Einfach dorthin zu gehen wo es laut war. Wo er in den Massen der Feiernden untergehen konnte. Konzerte, egal ob es berühmte Künstler der Muggel waren, oder weniger bekannte. Egal, ob man sich eher in Leder mit Nieten, Ketten und in Jeans kleiden sollte, oder leger, wie für die Teilnahme an einem sportlichen Ereignis. George musste auch immer wieder an seinen alten Schulleiter denken. Dem Musik als Magie erschien. Egal ob man das Schullied so hoch und falsch wie nur möglich singt, oder hell und klar, wie man Lieder singen sollte. 'Das mit dem hell und klar ist relativ … ', George grinst. Seine Stimme hat er in den vergangenen zwei Jahren bei Besuchen in ausländischen Pubs geübt. Besoffen hat er sich am besten gefallen. Und das mitsingende Publikum, dem war es auch egal. Man sang aus purem Spaß. Da konnte schonmal ein Kinderlied zum Saufsong werden und die schwimmenden Entlein im Whisky ersäuft werden. 'Der Hübsche dort auf der Bühne ist auch älter geworden … ', und unvermittelt versinkt George in neuer Nachdenklichkeit. Dieser Band, zwei Sänger, ebenso Zwillinge wie er und Fred, ist er in den letzten Jahren mehr oder minder gefolgt. Wegen dem einen Hübschen. Der zwar die vielfältigen Avancen seines weiblichen Publikums zur Kenntnis nimmt, die Show jedoch spätestens zum Konzertende vorbei ist. George stemmt sich in die Höhe. Auch das Konzert hier wird nur noch wenige Minuten andauern. Zeit für ihn sich zum schlafen in sein Hotel zu begeben. Von dem aus er wie jeden Morgen, genau zwei Möglichkeiten hat. Genau wie in dem einen heute wieder gehörten Song, zum nächsten Hotel weiterzureisen. Oder zurück nach Hause. Dieser verdammte Song, heute rührte dieser ihn irgendwie an.

Ein Taxi bringt den rotschopfigen Mann zu seinem Hotel. George verabscheut die Übernachtungseinrichtungen, die nichtmal mehr einen Nachtportier haben. Geschweige denn wenigstens eine kleine Bar für den Nachttrunk. Ein kleines Restaurant, in dem man am nächsten Morgen, wenn es sich so ergibt auch zum späten Vormittag, ein Frühstück erhält. Und nachdem der Taxifahrer bezahlt ist, kaum ausgestiegen lenken ihn seine Schritte in die zu später Stunde erst recht nur noch spärlich beleuchtete Bar. Dort wartet der letzte Drink des Tages auf ihn.
Den Einlass muß er nur kurz anblinken, dazu ein kleiner Geldschein, der ungesehen in der Brusttasche des Türhüters verschwindet, warum auch immer die Bar heute schon geschlossen sein soll, George interessiert absolut nicht, wer das Etablissement für privat gemietet haben könnte. Sein Platz, wie gemacht für ihn, ist die Seite der Bar, die wie eine eigene Nische wirkt. In der man unbeachtet und in aller Ruhe sein Getränk genießen und seinen Gedanken nachhängen kann.

***


„Bruderherz, gib´s endlich zu. Der Typ dort drüben, umsonst verfolgst du diese Band bestimmt nicht.“, die Stimme im Kopf des Rotschopf. Der nur kurz den Kopf gehoben hatte, sich gerade fragend, ob er sich nicht noch einen zweiten Drink gönnen sollte. Diese kleine Bar ist eine der wenigen, die so gemütlich eingerichtet wurden, das man sich, das er sich richtig wohl fühlt. Und als George hochschaute, vielleicht auf diese Bewegung reagierend, wird einer der privaten Gäste zur abendlichen Stunde aufmerksam. Roman schüttelt kurz unmerklich den Kopf. Für einen Moment sah er Augen, die sich deutlich aus dem gewohnten Irrsinn ihrer Konzerte hervorhoben.

***


„Du, das hier ist zwar privat, aber deswegen mußt du nicht einsam hier herumsitzen. Komm rüber. Wir feiern gerade unseren Abschied. Ab morgen gehen wir, mein Bruder und ich neue Wege.“, staunend schaut George den Typ an, den er vor kaum einer Stunde noch auf einer Bühne hatte singen hören. Genau den, der seines Wissens nicht irgendwie liiert ist, wie dessen Zwilling. Dessen Name George jetzt nicht einfällt. Und er schätzt sich glücklich, das dieser Roman ihn nicht weiter anschaut, einfach seine Einladung mit etwas Druck seiner Hand auf George seiner Schulter nachhilft. Und die Hand dort kommt George sehr vertraut vor. Obwohl er sich an keine Gelegenheit erinnern kann, das ihm mal ein Kerl die Hand derart auf der Schulter platzierte.

„Bin Roman, das hier ist mein Brüderlein Heiko und der Rest, na unsere Band … “
„Bin George und, ähm … “
„Brich dir keinen ab George, hock dich hin, wie hat dir das Konzert gefallen?“
„Woher willst du wissen … ?“
„George, so nen Rotschopf wie dich kann man gut orten. Du bist nicht zum ersten Mal auf einem unserer Konzerte. Also stoß mit uns auf die Heimreise an.“
„Welche Heimreise … ?“
„Na, wir wollen nur noch nach Hause. Ausspannen. Chillen. Relaxen. Neue Ideen in Ruhe suchen. Du schaust so aus, oh, wo kommst du eigentlich her? Dein Akzent, na ich würde mal auf Old England tippen … “
„So´n Rotschopf gehört eher nach Irland. Welcher Song hat dir am Besten gefallen, George?“, Heiko mischt sich ein. Ihm fiel auf, das der fremde Kerl irgendwie merkwürdig auf das deutliche Heimweh der Zwillinge reagiert. Und George nimmt das Angebot für den Themenwechsel gern an. Obwohl, der nachgefragte Song sofort zum Thema zurückführt.

„Ähm, Fivehundred miles from home. Quatsch - 'Und irgendwann find ich den Weg nach Hause. Leg mich auf die Couch, Licht geht aus und die Welt auch … “, George trägt als Antwort die Verszeilen vor und wird sich erst danach bewusst, wieso er eigentlich genau diese Zeilen statt des Songtitels brachte. Und fühlt sich gleichzeitig wohl in dieser Runde. Was vielleicht an dem halben Arm liegt, den ihm Roman über die Schulter legte.
„Großer, du kannst ja richtig gut singen. Wollen wir … ?“, meint Heiko und mit einem Mal verschiebt sich für George die Realität vollständig. Den Text dieses Songs der Zwillinge kennt er auswendig. Nur …

'If you miss the train I'm on, you will know that I am gone  … ' - und …
'You can hear the whistle blow a hundred miles … ' - setzt Roman fort.

George schaut den anderen Burschen verwundert an. Für derartige Übereinstimmung in den Gedanken war in einem früheren Leben Fred zuständig. Derselbe Fred, der ihm gerade ins Ohr zwickt, weil er ja fortsetzen soll …

'A hundred miles, a hundred miles … ' - zuerst noch mit einem sperrigen Frosch in der Kehle, dann jedoch …
'…  hundred miles, a hundred miles … ' - und da keiner einsetzt …
'You can hear the whistle blow a hundred miles … ' - bringt George noch den Rest der Strophe.
Die Freundin von Heiko nimmt einen Schluck aus ihrem Glas …

Aus Fernweh wird Heimweh
Vermisse mein Zuhause
Will heim gehen
Bin überall
Doch Irgendwas fehlt …


George hebt ihr sein Glas entgegen …

Not a shirt on my back, not a penny to my name
Lord, I can't go a-home this a-way
This a-way, this a-way, this a-way, this a-way
Lord, I can't go a-home this a-way


Georg merkt gar nicht das er singt. Wieviel Gefühl er in die einfachen Worte bringt. Und nach dieser allein gesungenen Strophe …

'If you miss the train I'm on, you will know that I am gone. You can hear the whistle blow a hundred miles ... ' - singen alle vier die eine Strophe. Für George wird endgültig deutlich, das die hier ihn einfach in ihre Runde eingebunden haben. Als eigentlich doch Fremden.

Als man nach einem Happen essen, nach dem einen oder anderen Glas und ein wenig rund um die Welt quatschen sich einig ist, ein letztes Mal für heute zusammen zu singen, klingt aus vier Kehlen der eine Song. Den George als seinen Lieblingssong dieser Band bezeichnet hatte. Man ist sich einig, morgen geht es nach Hause.

Ende



als Grundlage wurde verwendet: Heimweh
und für den anderen Song: 500 Miles

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