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Die Verwandlung

von PsychP
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich / P12 / Gen
15.04.2022
15.04.2022
11
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15.04.2022 1.341
 
Es war ein warmer Frühlingssamstag im Jahr 2012 als der 30-jährige Terry mit seiner Frau und seinem 2-jährigen Sohn einen Ausflug ins Donautal machte.
Terrys Leben war nicht schlecht, aber er hatte viele Probleme. ADHS, Kopfschmerzen, seit Geburt immer wieder kehrende Rückenschmerzen, wenig Freunde, wenig Spaß am Leben, aber er hatte einen sicheren Job und es reichte zum Leben.

An einer Aussichtplattform tobte ein junges Mädchen dicht am Rand. Diese Stelle war nur mit einem Querbalken gesichert und genau hier passierte etwas, was das Leben der jungen Familie für immer verändern sollte.
Als das kleine Mädchen einem Schmetterling hinterher jagte rutschte es auf einem glatten Stein ab und unter den Balken. Terry selbst Vater eines kleinen Kindes rannte los und wollte den Arm des Kindes packen, was er auch schaffte. Mit der einen Hand hing er an einer Baumwurzel, die langsam aus der Erde rutschte, am anderen Arm hing und zappelte das kleine Kind. Der Vater des Kindes reagierte als erstes und riss seine Tochter an sich. Für Terry war es zu spät. Als endlich andere Passanten die Situation erfassten und ihn hochziehen wollten, gab die Baumwurzel auf. Terry rutschte den 150 m hohen Abhang nach unten.
Seine Frau brach weinend zusammen, sein Sohn schrie immerzu nach ihm. Allen war klar, dass er das niemals überlebt haben könnte.
Zur gleichen Zeit und wie durch ein Wunder kletterten 70 m unter der Absturzstelle 2 Bergsteiger an Seilen den Berg hoch und hörten die Schreie.
Sie sahen Terry runterrutschen und reagierten ebenso instinktiv. Ohne daran zu denken, dass auch er abstürzen könnte, schwang sich einer der beiden am Seil so fest er konnte nach links und bekam den Arm des fallenden Terry zu fassen. Durch das doppelte Gewicht lösten sich die Haken langsam aus dem Berg aber dank der Hilfe des 2. Bergsteigers, der die beiden im letzten Moment an sich zog, hielten die Haken. Mit letzter Kraft schafften es die Bergsteiger sich und den geschwächten Terry 10 m abzuseilen, so sie dann auf einer kleinen Plattform zum Stehen kamen. Der eine Bergsteiger hatte sich so verkrampft, dass er Terry nicht mehr loslassen konnte. Der andere schnappte sich Terrys Handy und rief dessen Frau an, um diese zu beruhigen. (glücklicherweise war die Tasche, in der das Handy steckte, fest verschlossen.) Dann befestigte er weitere Haken um sie und band sie alle 3 fest. Während dessen setzte sich ein Rettungsprozess in Gang, wie er an dieser Stelle des Donautals noch nie stattgefunden hatte. Einer der Besucher oben auf der Plattform hatte bereits die Bergwacht informiert. Der Rettungshubschrauber des DRK Tuttlingen war bereits zu hören, ebenso 2 Krankenwägen. Einer der Rettungskräfte rief Terry auf dessen Handy an. Denn diese Nummer hatten sie ja. Terry teilte dem Sanitäter mit, dass er seine Zehen nicht mehr spüren würde,  seine linke Seite schmerzte, seine rechte Hand verkrampft und er hätte viele Schürfwunden von den scharfkantigen Felsen, die aber nicht schlimm seien. Seine Retter waren so weit OK. Der eine, der ihn fest hielt hatte Muskelkrämpfe, die sich beheben lassen würden. Der andere kam mit dem Schrecken davon.
Der Helikopter lies langsam 2 Mitarbeiter der Bergwacht an einem Seil herunter. Die Rettungskräfte brauchten alle Kraft um Terry aus der Umklammerung des Bergsteigers zu befreien, dann hingen sie ihn in einen Rettungskorb. 2 Stunden nach dem Unglück konnte Terry endlich seine Familie in die Arme schließen.



Glück im Unglück
Nun begann ein sehr intensiver Kampf um Terrys Gesundheit, die ihren Höhepunkt mit einem Todesfall erreichen sollte.
Der Vater des kleinen Mädchens war der Klinikleiter einer kleinen orthopädischen Privatklinik in Bodmann. Er selbst war Unfallchirurg Professor Dr. Becker, dessen Frau ausgebildete Psychologin, die Familie sehr vermögend und das war Terrys Glück.
Als erstes wurde Terry mit dem Krankenwagen in das Privathaus des Arztes gebracht und dort untersucht, da der Weg zum Krankenhaus sehr weit war. Terrys Schnittwunden wurden versorgt und er bekam schmerzstillende Mittel. Terrys Sohn spielte mit dem kleinen Mädchen im Garten. Hier war es Sympathie auf den ersten Blick. Mit ihren 7 Jahren wusste das Mädchen sehr wohl, was Terry getan hatte und sie liebte den kleinen Jungen dafür.
Terrys Frau wurde von der Psychologin versorgt. Sowohl medikamentös als auch mit Gesprächen.
Nach einer sehr langen intensiven Massage-eindrehen und einer krampflösenden Spritze konnte Terry tatsächlich seine Zehen wieder bewegen.
Die Chance nicht im Rollstuhl zu landen wuchsen. Durch das abrupte Ziehen an seinem Arm beim Fallen war jedoch sein gesamter Rücken verdreht und die Muskeln verzogen. Er konnte keinen Schritt laufen und hatte unsägliche Schmerzen.
Der Arzt überwies ihn in seine Privatklinik. Bis er aber tatsächlich dahin durfte, mussten einige Vorkehrungen getroffen werden. Die Klinik behandelte normalerweise nur die oberen 10.000 die Reichen und Berühmten. Diese wollten unter sich sein. Es musste erst mit den Patienten und dem Personal abgesprochen werden. Die Tatsache, dass Terry sein Leben aufs Spiel setzte, um die Tochter des Klinikleiters zu retten sorgte dann dafür, dass es mit Auflagen klappte: Er musste eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, dass er nichts was er in der Klinik gehört oder mitbekommen hatte, ausplaudern durfte. Er durfte über keine Patienten reden, erst mal keinen Besuch empfangen, sein Zimmer nicht verlassen……. Aber und das war das Gute, er bekam die beste ärztliche Versorgung, die es in diesem Gebiet gab. Im Laufe der Behandlung wurde sogar ein Rückenspezialist aus Ungarn für ihn eingeflogen, der später sein Freund und sein erster eigener Patient werden sollte.
Die erste Nacht verbrachte Terry jedoch im Gästezimmer des Professors. Seine Hände konnte er nicht benutzen, aufstehen ebenso nicht. Den Hals konnte er kaum drehen. Seine Frau und sein Sohn fuhren abends nach Hause und er bekam Besuch von der Psychologin. Diese sollte ihn die nächsten Wochen durch diese schwierige Lebensphase begleiten.
Der erste Anruf, den er nach dem Gespräch machte, war seine Mutter anzurufen. Er klang müde und fertig. Die Schmerzmittel drangen langsam in jede Phase seines Körpers, aber da im Krankenhaus absolutes Handy- und Telefonverbot herrschte, (jedes Gespräch musste von den Ärzten genehmigt werden, da sich die Patienten erholen sollten) wollte er dieses sehr persönliche Gespräch lieber noch allein erledigen. Bereits wenige Minuten später rutschte ihm jedoch das Handy aus der Hand. Auch diese Muskeln gaben nach. Kurz vor dem Einschlafen brachte ihm der Arzt dann noch einen Nachttopf und legte ihm danach einen Katheter, damit Terry die Nacht durchschlafen konnte.
Dank der starken Dosis Schmerzmittel fiel er dann irgendwann in einen sehr unruhigen Schlaf.
Zum Frühstück musste er gefüttert werden. Er konnte die Hände nicht benutzen.
Dann rief der Chefarzt Terrys  Chef an und schilderte ihm dessen Lage. Er verschönte nichts.
Die Frage, wann Terry wieder zur Arbeit kommen würde, beantwortete der Professor ganz offen und ehrlich mit: „Ich weiß es nicht. Im Moment kann er weder Arme noch Beine richtig bewegen. Er schätze aber mindestens 10-12 Wochen und ob dann Stunden oder schon den ganzen Tag,  stehe noch in den Sternen.“ Gleichzeitig bat Terry ihn aber nicht zu sagen, warum das passiert sei. Er wolle nicht in der Zeitung als Held kommen.
Trotzdem widmeten ihm die regionalen Zeitungen einen Artikel. Er war „Der tragische Held vom Donautal, der bereit war sein Leben zu opfern, um das Leben eines Kindes zu retten.“ Dass die Geschichte nichts mit der Wahrheit zu tun hatte, dass er dachte, er könne sich festhalten und sich und das Kind retten wurde nicht erwähnt.
Um 9 Uhr kam dann seine Frau, der man ansah, dass sie nicht geschlafen hatte und brachte ihm frische Wäsche. Sie wusch ihn, zog ihn um und fütterte ihn.
Trotz seiner verzweifelten Lage war Terry aber klar, dass er eines Tages wieder laufen könnte.
Am Nachmittag war dann im Krankenhaus alles vorbereitet und er wurde per Krankenwagen in die Klinik gebracht. Da Terry im Moment isoliert war (er durfte als „einfacher Bürger“ zwar behandelt werden, aber keinen Besuch empfangen), hatte er den ganzen Sonntag Zeit zum Nachdenken. Abends legte man ihm das Handy auf den Bauch und er konnte so lange mit seiner Frau telefonieren, bis er einschlief. Für ihn war das Wichtigste, dass er keinen Hirnschaden davontrug.
 
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