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2022 04 15: Ey mein Therapeut, der redet [by Satyrical]

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Himiko Toga
15.04.2022
15.04.2022
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15.04.2022 629
 
Tag der Veröffentlichung: 15.04.2022
Titel der Geschichte: Ey mein Therapeut, der redet
Song:Gonevon Lukas Litt
Autor: Satyrical
Kommentar des Autors: Während ich bei meiner letzten Geschichte relativ schnell ein klares Bild vor mir hatte, sind mir zu diesem Lied ungefähr fünfhundert Ideen durch den Kopf gegangen, von Shigaraki über Dabi, letzten Endes habe ich mich dann aber doch für Toga entschieden - ich werde noch oft genug über die anderen Schurken schreiben.

„Und seit wann verspürst du diesen Drang, Blut zu trinken?“

Gelangweilt ließ Himiko die Beine baumeln. Der Sessel, auf den sie sich gesetzt hatte, war viel zu groß für das sechsjährige Mädchen, verschluckte sie förmlich mit seinen bunten, weichen Kissen und ließ sie sich noch kleiner fühlen als sie es ohnehin schon war.

"Weiß nicht."

Sie sah ihrem Therapeuten nicht in die Augen, das tat sie nie, aber sein gereizter Blick und die Art wie er die Stirn runzelte wann immer sie nicht das antwortete, was er von ihr hören wollte, hatten sich bereits vor langer Zeit in ihr Gehirn eingebrannt.

"Du wirst doch nicht ohne Grund andere Kinder angreifen."

Himiko starrte weiterhin stur auf den mit vielen kleinen Tieren gemusterten Teppichboden. Schweine. Hunde.

"Himiko?"

Schafe. Katzen. Süße kleine Vögelchen, wie den, den sie letztens vor ihrem Haus gefunden hatte.

"Wenn du nicht mit mir redest, dann kann ich dir auch nicht helfen."

Himiko krallte sich in den rosafarbenen Stoff ihrer Hose. Sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Sie hasste es hier. Sie hasste es, wie ihre Eltern sie zweimal in der Woche hier alleine ließen, eine ganze Stunde lang. Und sie hasste es, wie ihr der gruselige Mann immer wieder diese Fragen stellte, auf die sie doch selber keine Antworten wusste. Sie drückte ihr Stofftier eng an sich. Sie hatte den kleinen Stoffhasen schon so lange sie denken konnte, und er hatte ihr immer Trost gespendet, aber heute wartete sie vergeblich auf die Ruhe, die er ihr normalerweise brachte.

"Ich wollte doch nur kurz von ihr probieren..."

"Magst du sie nicht?"

Zum ersten Mal während der Sitzung hob Himiko den Blick, ihre gelben Katzenaugen blickten verwirrt in die grauen ihres Therapeuten und sie legte den Kopf schief.

"Warum sollte ich sie nicht mögen?"

"Du hast ihr wehgetan."

Für einen kurzen Augenblick ratterte es in Himikos Kopf. Dann ließ sie sich im Sessel herunterrutschen, den Stoffhasen noch immer an ihre Brust gedrückt. "Weißt du Herr Therapeut, ich hab da ein Geheimnis."

"Oh?"

"Aber du darfst es keinem weitererzählen!"

Der Therapeut lachte, richtete sich in seinem Stuhl auf und griff nach seinem Kugelschreiber, bereit, endlich etwas zu notieren, was sie weiterbringen würde. "Natürlich."

"Ich bin in Yuki-Chan verliebt!"

"Verliebt?"

"Sie ist so niedlich! Und sie lässt mich auch immer mit ihren Puppen spielen!" Sie sprang förmlich aus dem Sessel, begann in ihren Hosentaschen zu kramen - es war als hätte jemand einem Schalter im Kopf der Sechsjährigen umgelegt. Plötzlich war sie nicht mehr zurückhaltend und leise sondern aufgeregt, laut, konnte kaum stillstehen. Mit einem breiten Grinsen präsentierte sie ihrem Therapeuten das Freundschaftsarmband, was ihr Yuki vor ein paar Tagen geschenkt hatte. Es bestand aus blauen und rosafarbenen Perlen, mit einem weißen Herzanhänger der im Licht schillerte.

"Das hat mir Yuki-Chan geschenkt! Sie-"

"Aber wenn du Yuki-Chan so gerne hast," unterbrach ihr Therapeut, eifrig, endlich einen Durchbruch zu erreichen. "Warum hast du sie dann gebissen? Sie hatte bestimmt große Angst."

Himikos Grinsen verschwand genauso schnell, wie es gekommen war, und das Mädchen ließ sich wieder in den Sessel fallen.

"Weiß nicht."
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