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Unverhofft kommt oft! Die Unbekannte aus Konoha

von Nahidala
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Het
Kakashi Hatake OC (Own Character)
14.04.2022
01.02.2023
26
87.852
14
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24.01.2023 2.937
 
"Kakashi, wie oft denn noch? Dir sollte ich das eigentlich nicht ständig sagen müssen! Kein Wunder, dass deine Genesung so lange dauert! Du solltest wirklich zurück in dein Zimmer gehen!", ermahnte ihn Tsunade schon leicht genervt, da es nicht das erste und auch nicht das zweite Mal war, dass sie ihn auf sein Zimmer schicken musste. Kurz seufzte sie und fügte noch in deutlich sanfterer Tonlage an:
"Keine Sorge, … du bist der Erste, der von mir erfährt, wenn sie wieder aufwacht!"
Auf eine Antwort brauchte sie nicht zu hoffen, was sie erneut seufzen ließ.
“Außerdem stehen noch ein paar Untersuchungen an. Wenn die allerdings, entsprechend meinen Erwartungen, positiv ausfallen, kannst du morgen entlassen werden!”

Es waren nun schon zwei Wochen vergangen, seit Kakashi, Raya und die anderen von ihrer Mission zurückgekehrt waren. Während Asuma und Gai nach einem Tag, der mehr oder weniger nur der Kontrolle diente, wieder entlassen wurden, hatten Raya und Kakashi nicht so viel Glück gehabt. Zwar hätte Kakashi höchstwahrscheinlich schon nach einer Woche entlassen werden können, doch da er Tag und Nacht an Rayas Krankenbett saß und nicht einmal mehr, um zu schlafen, in sein eigenes Zimmer zurückgegangen war, war daraus entsprechend nichts geworden.
Auf einem Stuhl sitzend und lesend kurierte es sich eben nicht so gut aus, wie schlafend im Bett.
Nur was blieb ihm denn groß übrig. An erholsamen Schlaf war nicht zu denken. Die Sorgen um Raya waren einfach zu groß. Sie war, seit sie auf dem Schlachtfeld in Ohnmacht gefallen war, nicht wieder aufgewacht. Sogar die Ärzte konnten sich mittlerweile keinen Reim mehr daraus machen. Sie war eigentlich schon längst über den Berg. Die Wundheilung war ebenfalls schon verhältnismäßig weit vorangeschritten, auch wenn ihr die große Narbe quer über dem Bauch wohl für immer bleiben würde. Ein überaus kleiner Preis in Anbetracht der Geschehnisse.
Doch trotz allem, blieben ihre Augen geschlossen und das machte Kakashi mit jedem voranschreitenden Tag wahnsinniger.
Die Meisten hätten dabei gar nicht bemerkt, dass ihn etwas beschäftigte, doch wer ihn kannte, konnte es in ihm förmlich brodeln sehen. Er war innerlich so unruhig und aufgewühlt wie noch nie, was sich allerdings mehr in seiner Aura als in seinem Verhalten widerspiegelte.
Einen klaren Gedanken konnte er ebenfalls schon seit Tagen nicht mehr fassen, was kein Gefühl war, das er mochte.

Mehrmals täglich erkundigte er sich, ob die Untersuchungen Neuigkeiten gebracht hätten, doch er bekam jedesmal nur ein ratloses Kopfschütteln als Antwort. Es war zum Haare ausreißen.
So kamen Tag ein, Tag aus die Ärzte und auch Tsunade bei Raya vorbei, um nach ihr zu sehen und sie zu untersuchen. Zumeist verfolgte Kakashi das ganze Still aus einer Ecke im Raum, denn schließlich wollte er nicht im Weg sein. Auch sonst stellte er keinen unnötigen Anspruch an ihre Nähe. Am Ende stünde er nur im Weg und das hätte ihm gerade noch gefehlt.
Einzig wenn Besuch vorbeikamen, gab er den Platz an Rayas Bett zwar frei, doch blieb er meist in unmittelbarer Nähe. Da Raya zur Zeit nicht sehr Gesprächig war, war es Kakashi, an den man sich in den letzten Tagen wandte, wenn man über Rayas aktuellen Zustand informiert werden wollte. Meist kam der Besuch aber nicht nur, um Raya zu sehen, sondern auch, um sich nach ihm zu erkundigen. Jeder wusste wo man Kakashi aktuell fand und das nutzten vor allem Gai und Asuma aus, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. So konnten sie mit einem Besuch beide sehen, sowohl Raya als auch Kakashi.
Neben Asuma und Gai, war es noch Sakura, die immer mal wieder nach Raya sah. Mal weil Tsunade sie schickte, mal aus eigener Motivation heraus. Einer der Besucher, mit dem Kakashi definitiv nicht gerechnet hatte, war Kagasaki. Als diese das erste Mal schüchtern das Krankenzimmer betrat, nahm Kakashi automatisch seine Kampfhaltung ein, doch stellte er schnell fest, dass sie in friedlicher Absicht kam.
Doch trotz seinen erfolgreichen Bemühungen, so normal und zulänglich wie immer zu wirken, war es Tsunade, die ihn bereits zwei Mal beobachten konnte, wie er an Rayas Bett saß, ihre Hand mit seinen fest umklammerte und irgendetwas murmelte. Tsunade mutmaßte nur, dass er wahrscheinlich darum bat, dass sie wieder aufwachen sollte, doch es brach ihr förmlich das Herz, ihn so zu sehen.
Selbstverständlich blieb Tsunade Kakashi nie lange verborgen und sobald er sie bemerkt hatte, stand er wortlos auf, legte Rayas Hand wieder behutsam neben sie, um dann beiseite zu treten und Tsunade Platz zu machen.

Jetzt schickte sie ihn allerdings nicht nur zurück in sein Zimmer, sondern nach Hause. Denn wie sie bereits sagte, stand seine Entlassung an und ab dann würde er nicht mehr Tag ein, Tag aus an Rayas Bett wachen können.
Bei dem Gedanken durchfuhr seine Brust sofort ein unangenehmes Ziehen, doch die Pflicht rufte. Missionen erledigten sich schließlich nicht von alleine. Tsunade war sich allerdings sicher, dass sie ihn hier dennoch jeden Abend finden würde und auch, dass sie ihn nahezu jeden zweiten Abend zu seinem eigenen Wohl von hier verscheuchen musste. Irgendwann musste schließlich auch ein Kakashi Hatake mal ruhen und so kam er höchst widerwillig Tsunades Aufforderung wortlos nach.
Gerade als er die Türklinke mit seiner Hand berührte, hörte er das Rascheln einer Bettdecke im Hintergrund. Augenblicklich fror er in seiner Bewegung ein und hörte nochmals ganz genau hin, um sich zu vergewissern. Es war schwer, weitere Geräusche ausfindig zu machen, wo sein klopfendes Herz doch alles zu übertönen schien. Aber es gelang ihm.
Da war es wieder! Kein Zweifel!
Wie ein Blitz drehte er sich um und ließ das Bett nicht mehr aus den Augen, während er langsam an Tsunade vorbei zum Fußende des Bettes ging, wo er auch stehen blieb.
Beide fixierten nun Raya mit ihren Blicken, die den Kopf mit verzerrtem Gesicht von links nach rechts drehte, um dann langsam die Augen zu öffnen.

Das grelle Licht der Deckenlampe blendete Raya, weshalb sie, nach absoluter Dunkelheit, pures Licht erblickte, welches in ihren Augen brannte wie Feuer. Es dauerte eine Weile, doch dann wurden die stark verschwommenen Umrisse immer klarer, bis sie eindeutig erkennen konnte, dass sie auf eine Zimmerdecke starrte. Eine Zimmerdecke, die sie definitiv nicht kannte. Wie in Zeitlupe richtete sie sich auf und musterte zuerst ihre Hände, welche sie immer wieder herumdrehte, um sich zu vergewissern, dass sie weder träumte, noch die Kontrolle über ihren Körper verloren hatte. Der bereitete ihr zwar Schmerzen, aber keine, die sie als besorgniserregend einstufen würde. Es war lediglich ein Zeichen, dass sie lebte und das war ein gutes Zeichen. Doch es war noch zu früh, als dass sie irgendwelche Emotionen hätte empfinden können. Geistesabwesend hob sie nun den Kopf und sah sich langsam im Raum um. Tsunade sah währenddessen besorgt zu Kakashi, der mit verschränkten Armen den Blick nicht von Raya abwandte. Tsunade hätte eigentlich mit einer eindeutigen Reaktion von ihr gerechnet, wenn sie Kakashi sehen würde, doch sie blickte einfach durch ihn hindurch, als wäre er gar nicht da. Rayas Blick blieb schließlich bei Tsunade hängen und sie legte fragend den Kopf schief.
"Tsunade? Was ist hier los? Wo bin ich?"
Tsunade sah bedrückt von Raya zu Kakashi und wieder zu ihr zurück, ehe sie antwortete:
"Du bist im Krankenhaus von Konoha! Nachdem du schwer verletzt ohnmächtig geworden warst, hatte Kakashi dich hierher getragen!"
Kakashi setzte bei Tsunades Ausführung ein freundliches Lächeln auf und hob grüßend die Hand. Raya sah mit zusammengekniffenen Augen fragend zu Kakashi, ehe sie aufgrund der langsam größer werdenden Schmerzen an sich hinunter blickte. Doch sah sie nichts weiter als einen Patientenkittel, den sie gerade nicht vor ihren Besuchern entfernen wollte, um sich zu genauer zu inspizieren.
Nach und nach begann ihr Körper wieder zu funktionieren und auch ihr Kopf begann langsam wieder zu arbeiten, auch wenn sich die Verwirrung hartnäckig hielt.
Skeptisch sah sie zu Kakashi, um dann Tsunade heranzuwinken und sich seitlich zu ihr zu lehnen.
"Sag mal, Tsunade, warum hat mich Kakashi Hatake ins Krankenhaus gebracht? Ich hab doch garnichts mit ihm zu schaffen! Und von was für einer Mission redest du? Ich habe meine letzte doch erfolgreich zuende gebracht und war auf dem Weg zu dir, um Bericht zu erstatten", versuchte sie zu flüstern. Doch Kakashi verstand jedes Wort und Rayas Worte schnitten tiefer als es ein Messer je könnte.
Tsunade sah Raya geschockt an und wusste sofort, was hier los war.
Auch Kakashi stand der Schock ins Gesicht geschrieben und auch er benötigte keine weitere Erklärung für Rayas Verhalten. Seine Gedanken fuhren Achterbahn und auf Anhieb wusste er nicht damit umzugehen. Doch eins stand fest! Egal was war, er würde seine Freunde und vor allem die Person, die er zu lieben gelernt hatte, niemals im Stich lassen.
Tsunade blickte zu Boden und ohne Raya Rede und Antwort zu stehen, wandte sie sich von ihr ab und ging zur Zimmertür. Sie öffnete diese und verharrte im Türrahmen.
"Kakashi! Kommst du bitte kurz."
Dieser nickte und folgte Tsunade in den Krankenhausflur.
Raya blieb derweil mit riesigen Fragezeichen über dem Kopf im Raum zurück.
"Raya hat eine temporäre Amnesie. Das ist bei dem Blutverlust, mit dem sie hier eingeliefert wurde, nicht ungewöhnlich."
Begann Tsunade zu erklären und verschränkte dabei die Arme.
"Ich bin mir sicher, dass ihre Erinnerungen zurückkehren werden, aber ich kann natürlich nicht sagen, wie lange das dauern wird. Es könnten nur ein paar Stunden sein, oder aber auch Wochen. Wer weiß. Auch kann ich nicht sagen, ob sie sich an alles auf einmal erinnern wird, oder ob die Erinnerungen häppchenweise kommen werden. So wie es für mich aussieht, ist ihre letzte Erinnerung jedenfalls kurz vor eurer Begegnung gewesen."
Tsunade sah mitleidig zu Kakashi, der den Blick gen Boden gerichtet hatte, aber trotzdem aufmerksam zuhörte.
"Es tut mir wirklich leid, Kakashi."
Er schüttelte den Kopf und sah wieder auf.
"Muss es nicht. Keiner kann was dafür. Hauptsache ihr geht es soweit gut. Wie verfahren wir jetzt damit? Ich bin mir nicht sicher, ob es klug ist, ihr direkt nach dem sie zu sich gekommen ist, alles zu erzählen. Ich denke, es wird am besten sein, ihr erstmal Zeit zu geben, um ihre Gedanken zu sortieren."
"Stimmt. Das wird wohl am besten sein. Über das Nötigste werden wir sie informieren müssen, aber alles andere hat Zeit. Körperlich ist sie ja eigentlich schon länger wieder fit. Von daher sollte es auch kein Problem sein, wenn sie sich etwas bewegen würde."
Kakashi nickte bestätigend.
Wieder seufzte Tsunade.
"Ich hoffe wirklich, dass sie ihre Erinnerungen schnell zurückerhält. Ich will die Akte von dieser schrecklichen Mission endlich schließen können!", jammerte sie.
"Wie meinst du das? Asumas, Gais und mein Bericht liegt doch vor? Die Verantwortlichen wurden geschnappt! Was fehlt denn noch?"
"Rayas Stellungnahme. Die Feudalherren wollen unbedingt auch Rayas Bericht darüber, da sie hoffen, dass sie noch weitere nützliche Informationen hat. Bis dahin, hängen sie mir im Nacken und wollen fast täglich wissen, ob es etwas Neues gibt … diese Geier!"
"Ah, ich verstehe. Dann hoffen wir mal um unser beider Willen, dass sich Raya bald wieder an alles erinnern kann."
Tsunade nickte und ging daraufhin, gefolgt von Kakashi, wieder zurück ins Krankenzimmer.

Kaum hatten sie den Raum betreten, konnten sie Raya dabei beobachten, wie sie sich panisch ihren Hals abtastete, um dann hektisch ihre nähere Umgebung abzusuchen.
"Sie ist weg! Wo ist sie nur?", murmelte sie, während ihre Augen immer wässriger wurden.
Ohne ein Wort zu sagen, setzte sich Kakashi in Bewegung und ging auf sie zu. Er kam direkt neben ihrem Bett zum stehen und griff unter Rayas wachendem Blick in seine Hosentasche. Vorsichtig holte er eine filigrane Kette mit einem einfachen Plättchen als Anhänger hervor.
Liebevoll legte er den Kopf auf die Seite, während er ihr die Kette entgegenhielt.
"Suchst du die hier?", fragte er sanft.
Rayas Augen begannen beinahe zu funkeln, als sie mit zittriger Hand ihre Kette entgegennahm. Erleichtert atmete sie aus und hielt sie in ihren Fäusten andächtig an die Brust, bevor sie sich die Kette wieder um den Hals band.
Sie blickte zurück zu Kakashi und lächelte ihn gewohnt liebevoll an.
"Vielen Dank, ich muss sie wohl verloren haben. Sie bedeutet mir wirklich extrem viel! Woher wusstest du, dass sie mir gehört?", wollte sie wissen.
"Intuition", war Kakashis knappe Antwort, die er mit einem schwachen Lächeln untermalte. Er wollte nicht zu viel sagen, zumal er gerade mit Tsunade vereinbart hatte, mit Informationen erstmal sparsam umzugehen und jede andere Antwort hätte definitiv einiges an Erklärung bedingt. Außerdem war ihm gerade nicht unbedingt nach einer Unterhaltung zumute. Tsunade hatte ihm zwar versichert, dass Rayas Erinnerungen zurückkehren würden, was ihn definitiv beruhigte und die Situation deutlich erträglicher machte, ihn jedoch nicht darüber hinwegtrösten konnte, dass er in ihrer Gegenwart vorerst weiterhin auf Abstand bleiben musste. Spätestens nach der letzten Mission fühlte sich das für ihn nämlich schon fast wie eine Strafe an.
Nicht nur einmal hatte er sich bereits vorgestellt, wie sie aufwachte und er sie endlich an sich drücken und küssen konnte. Er hätte es kaum erwarten können, sie wieder in seinen Armen halten zu dürfen, doch jetzt war es soweit und wieder musste er sich in Zurückhaltung üben.
Diese innere Ungeduld war er von sich gar nicht gewohnt, was das Gefühl nicht zwangsläufig angenehmer erscheinen ließ. Es war allerdings eine weitere neue Gefühlsregung, die er dank Raya in sein Emotions Repertoire aufnehmen durfte, weshalb er trotz allem dankbar dafür war.
"Also, Raya! Du bist hier im Krankenhaus, weil du auf deiner letzten Mission schwer verletzt wurdest. Zwar hast du ziemlich knapp überlebt, aber dafür leidest du gerade an einer Art temporärem Gedächtnisschwund. Das ist auch der Grund, weshalb du eine ziemlich große Erinnerungslücke hast und dich zum Beispiel an Kakashi und die Mission nicht erinnern kannst. Aber keine Sorge! Die Erinnerungen werden zurückkommen. Davon abgesehen, gibt es für dich im Moment eigentlich nicht viel mehr zu beachten. Zur Kontrolle musst du zwar noch ein paar Tage hier bleiben, aber körperlich bist du fit genug, um dir wenigstens die Beine etwas zu vertreten, wenn dir danach ist. Mehr musst du vorerst nicht wissen. Alle weiteren Details zu deinem Gesundheitszustand werden dann die Schwestern mit dir besprechen."
Mischte sich nun Tsunade ein und trat neben Kakashi an Rayas Bett.
"Falls du irgendwelche Fragen hast, kannst du dich gerne an mich oder an Kakashi hier wenden", Tsunade klopfte Kakashi dabei auf die Schulter, der nur still nickte.
"Vorerst lassen wir dich jetzt aber etwas alleine!"
Beendete Tsunade ihre Ausführung und verließ zusammen mit Kakashi das Zimmer.
Raya saß währenddessen regungslos in ihrem Bett und schaute den beiden wortlos nach. Selbst noch nachdem die Zimmertür bereits hörbar in ihr Schloss gefallen war, wandte sie den Blick nicht ab und verharrte so vorerst.
Das musste jetzt erstmal sacken. In ihrem Kopf gaben sich tausende Fragen und absolute Leere die Klinke in die Hand.
Unfähig die neugewonnen Informationen zu verarbeiten, ließ sie sich nach einigen Minuten dann doch wieder nach hinten in ihr Bett fallen.

Sie lag noch lange wach im Bett und versuchte sich in ihren Gedanken irgendwie zurechtzufinden, doch wollte es ihr nicht gelingen. Für heute gab sie auf. Morgen war ein neuer Tag und vielleicht brachte der auch neue Erkenntnisse. Es war schließlich ein außerordentlich beklemmendes Gefühl, die Erinnerungen an einige Tage verloren zu haben. Zumindest hoffte Raya, dass es nur ein paar Tage waren. Diesbezüglich war Tsunade nicht sehr präzise gewesen.
Langsam setzte sich Raya wieder auf und ließ ihre Beine schwerfällig an der Bettkante herunter baumeln. Bevor sie sich schlafen legen wollte, musste sie noch die Toilette aufsuchen. Wie lange sie wohl nicht mehr auf der Toilette war? Ein komischer Gedanke, den sie auch kopfschüttelnd gleich wieder aus ihrem Kopf verbannte. Es war auch egal. Zumindest konnte sie so heute noch herausfinden, wie es um ihre Beinmuskulatur bestellt war.
Sie setzte die Füße also vorsichtig auf den Boden und belastete diese nach und nach immer mehr, bis sie schlussendlich stand. Sie stand. Das war schonmal gut. Ein Fuß vor den anderen war jetzt die Devise. Gehen klappte. Etwas wackelig, aber es klappte.
Also tappste Raya vorsichtig in das Badezimmer, um ihre Blase zu entleeren. Dort angekommen, zog ihr Spiegelbild allerdings ihre Aufmerksamkeit auf sich und so blieb sie nach ihrem Toilettengang noch kurz stehen und musterte sich eindringlich. Sie hielt die Luft an und schob den Kittel mit zitternden Händen beiseite. Das Nachthemd, welches sie darunter trug, zog sie vorsichtig nach oben, so dass ihre Körpermitte freigelegt war und was sie sah, verschlug ihr den Atem. Ohne den Blick von ihrem Spiegelbild abzuwenden, fuhr sie vorsichtig mit den Fingerspitzen über die riesige Narbe, die sich quer über ihren Bauch erstreckte. Sie ertastete jede noch so kleine neue Unebenheit auf ihrem Bauch und hätte bei dem Anblick der rosafarbenen Narbe am liebsten losgeweint.
Ich wüsste zu gerne, was passiert ist.
Wehmütig fuhr sie noch ein paar Mal mit den Fingern über ihre Körpermitte, bis sie ihre Kleidung wieder an Ort und Stelle zupfte. Ihr war klar, dass es aktuell nichts brachte. Sie konnte sich an nichts erinnern und so blieb ihr nichts anderes übrig, als es vorerst einfach hinzunehmen.
Enttäuscht ließ sie den Kopf hängen, da diese Erkenntnis sich anfühlte wie ein Schlag in die Magengrube. Ein kräftiger Schlag wohlgemerkt.
Der Weg von der Toilette zurück ins Bett fiel ihr wenigstens schon etwas leichter, was zumindest ein winziger Trost war.
Mit einem letzten andächtigen Blick auf ihre Kette, die das einzige Erinnerungsstück an ihren Bruder darstellte, beendete Raya diesen schrecklichen Tag und schloss die Augen.
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