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The Beauty Of Basket

von Yuno
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kise Ryōta Midorima Shintarō OC (Own Character) Takao Kazunari
11.04.2022
04.12.2022
29
75.941
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Dieses Kapitel
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24.11.2022 3.411
 
Die Stimmung des Basketballklubs der Shūtoku Oberschule stimmte erschreckend passend mit dem Wetter überein, dass seit einigen Tagen in Tokio herrschte. Es war Mitte Juni; mit anderen Worten der Monat der Regenzeit, von vielen auch die fünfte Jahreszeit genannt. Beinahe unaufhörlich schienen Regentropfen vom Himmel herabzufallen und jetzt, da die Temperaturen aufgrund des Sommerbeginns stiegen, brach auch das ein oder andere Gewitter über sie hinein. So wie an diesem Nachmittag.

Zwar konnte Midorima wieder problemlos am Training teilnehmen, doch es herrschte noch immer ein bitteres Gefühl der Enttäuschung unter den Jungen. Sie waren erwachsen genug, um niemanden die Schuld zu geben – es gab schlichtweg keinen Schuldigen. Und sollten sie nach einem suchen wollen, mussten sie anfangen, alles auf die Goldwaage zu legen: angefangen bei Midorimas Verletzung, bis hin zu Maruyamas letzten Wurf.

„Wir spielen noch ein Spiel vor dem Ende. Midorima, du wirst dich nicht drücken und deine Körbe werfen – ich habe dir schon drei egoistische Entscheidungen heute gestattet!“, rief Miyaji durch die Halle und klatschte in seine Hände. „Takagi, Yuba, Midorima, Arisawa und ich bilden ein Team. Maruyama, Takao, Iwasaki, Kato und Ishida bilden das andere Team. Wer nicht zugewiesen wurde, fängt mit dem Dehnen an!“, wies der Kapitän seine Mannschaft an. Schnell wurden die Überwürfe angelegt und die Positionen eingenommen. Trainer Nakatani warf den Ball für die Jungen hoch und pfiff das letzte Spiel des Tages an.

Obwohl er sich auf das Spiel zu konzentrieren versuchte, war Shintarō mit seinen Gedanken ganz woanders. Dass er seine drei egoistischen Handlungen bereits aufgebraucht hatte, nervte ihn. Bisher hatte sich jedes Mal einen bis zum Ende des Trainings aufgehoben, doch heute traf ihn seine schlechte Laune besonders hart. Nachdem er zu einem seiner Würfe gekommen war, drehte er sich wie immer weg vom Korb, um bereits in die Verteidigung überzugehen. Auf dem Weg fiel sein Blick auf die Tribünen, die schon wieder leer waren. Für seinen verlorenen Blick bekam er einen Klaps auf den Hinterkopf von Miyaji. „Hier spielt die Musik!“, ermahnte der Kapitän ihn genervt. Selten war Shintarō so sehr nach reihern zumute, wie in diesem Moment. Sein heutiger Tag ließ sich wieder mit einem Wort zusammenfassen: Scheiße.

Das Gewitter war mittlerweile weitergezogen, die Regenwolken waren allerdings geblieben und vergossen nach wie vor unaufhörlich Niederschlag. Unter ihrem transparenten Regenschirm ging Akira fast schon gemütlich die Straße entlang. Würde sie laufen, würde Schlamm an ihre Strumpfhose spritzen, was sie zu vermeiden versuchte. Vor allem, da sie damit seit Beginn der Regenzeit zu kämpfen hatte. Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet ihr zudem, dass sie noch ein wenig Zeit hatte. Abgesehen davon... Sie wollte das, was ihr bevorstand, noch ein wenig hinauszögern.

Sie blickte durch ihren Schirm in den Himmel. Die Regentropfen prasselten förmlich auf die durchsichtige Kunststoffschicht, die sie trocken hielt. Generell war sie jemand, der den Regen auch nicht besonders schätzte, doch es gab eine Ausnahme: Sommerregen. Das kühle Nass, das auf die vom Sommer erhitzten Körper fiel… Das war ein wunderbares Gefühl. Müsste sie nicht gleich in einem angemessenen Zustand vor eine Gruppe von Leuten treten, hätte sie mit dem Gedanken gespielt, den Schirm einfach zusammenzuklappen und das Regenwasser auf ihrer Haut zu genießen.

Ihr Weg führte sie zu der Sporthalle, in welcher der Basketballklub der Shūtoku trainierte. Dass der Eingang zumindest ein kleines bisschen überdacht war, kam ihr sehr gelegen. Sie zog ihren Schirm zusammen und ließ diesen an der Seite stehen, sowie sie aus ihren Schuhen schlüpfte, ehe sie in die Halle eintrat. „Entschuldigt die Störung“, sprach sie zu den Jungen, die gerade allesamt auf dem Boden saßen und sich dehnten. Es war eine fast automatische Reaktion, dass sie zuallererst zu Shintarō sah. Zwar hatte sie ohnehin die Aufmerksamkeit von jeden auf sich gezogen, doch der Blick, den sie mit dem grünhaarigen Shooter austauschte, war irgendwie…besonders. „Yoshida-san“, hörte sie den Trainer sagen, ehe er sich leicht verneigte. „Herr Nakatani“, erwiderte sie ebenso höflich die Geste.

Irgendetwas stimmte da nicht. Da war sich Shintarō sicher, während er sich dehnte und noch immer zu Akira sah, die etwas leiser mit seinem Trainer sprach. Ihre Worte konnte er nicht verstehen… Jedenfalls hatte Akira einen ungewöhnlichen Auftritt hingelegt. Normalerweise kam sie immer zeitig zum Training, nur einmal hatte sie dieses versäumt. Zudem wirkte sie heute formaler, als er es jemals zuvor gesehen hatte. Ihre braunen Locken waren hochgesteckt, sie selbst trug eine weiße Bluse, gesteckt in einen schwarzen Rock. Hatte sie geschäftlich zu tun gehabt? Sie trug auch Armbanduhr und Kreolen, sowie weiteren dezenten Schmuck. „Shin-chan, halt den Mund besser zu, sonst sabberst du noch“, hörte er Takao keck neben sich flüstern. Miyaji und Maruyama, die das ebenfalls gehört hatte, lachten sich deshalb ins Fäustchen. Shintarō stierte daraufhin den Fußboden vor sich an, während seine Augenbraue gefährlich zuckte.

„Darf ich kurz um eure Aufmerksamkeit bitten? Ich weiß, ihr seid gleich fertig, aber ich wollte euch auch nur für einen kurzen Moment sprechen.“ Akira wandte sich den Jungen des Klubs zu und hatte unterstreichend ihre Hände einmal zusammengeschlagen. „Ich wollte mich von euch verabschieden. Und euch noch einmal herzlich danken. Ich habe das letzte Gemälde beendet und heute alle Werke abgegeben. Sie werden jetzt von dem Prüfungsamt meiner Fachschaft kontrolliert, aber das ist für euch nur nebensächlich. Auf meinen Antrag hin werden die Gemälde ab dem siebten Juli für eine Woche in der Geidai ausgestellt. Ich würde mich freuen, wenn ihr sie euch ansehen würdet… Dafür habe ich auch extra Tickets mitgebracht. Bitte nimmt euch so viele ihr mögt, ich habe mehr als genügend bekommen.“ Aus der schwarzen Handtasche, deren Träger auf ihrer rechten Schulter ruhten, zeigte sie einige Bänder mit dazugehörigen Karten vor, ähnlich der Pässe, die Mitarbeiter der Presse trugen.

Er hatte es gewusst. Sein ungutes Gefühl ließ ihn nicht im Stich… Der unausweichliche und nicht herbeigesehnte Moment, in welchem sich Akira von der Shūtoku verabschiedete, war eingetreten. Hätte er noch eine freie Handlung übrig, dann hätte er sich jetzt verzogen… Er wollte sich das nicht anhören, wie sie mit dem Basketball und der Shūtoku abschloss… Denn er wusste nicht, was es für ihn und sie privat bedeutete. Sie hatten erheblich viel Zeit auf die Weise miteinander verbracht, indem Akira nach dem regulären Training länger geblieben war und sich mit ihm unterhielt. Anfangs noch sehr oberflächlich und größtenteils mit Takao, doch im Laufe der Zeit war es fast zur Gewohnheit geworden.

„Jedenfalls werde ich einen Plan, wo genau die Ausstellung ist, sowie die Karten hier zurücklassen. Bleibt also nur noch eins übrig…“ Die Hände fest um die Träger der Tasche gelegt, die sie vor sich hielt, verbeugte sie sich tief vor den Jungen des Basketballklubs. „Habt vielen Dank.“ Sie wirkte so fröhlich, was Shintarō nicht sonderlich gut aufs Gemüt schlug. Sein Blick schweifte über seine Teamkameraden; Takagi, der sich verlegen den Nacken rieb; Takao, der ebenfalls fröhlich vor sich hin grinste; Iwasaki, dem die Hitze von der leichten Schmeichelei ins Gesicht gestiegen war und selbst Miyaji zog ein viel zu zufriedenes Gesicht!

„Gut… Dann hoffe ich, man sieht sich bei der Ausstellung. Und irgendwann einmal.“ Akira hatte sich wieder aufgerichtet, nickte noch einmal dem Trainer freundlich zu, ehe sie auf einer der Bänke sowohl den Lageplan der Geidai als auch die vielen Karten ablegte.

„Jungs, aufstellen“, hörte sie die strenge Stimme Miyajis, woraufhin sie sich etwas überrascht umdrehte. In Reih und Glied stand sie nun den Oberschülern gegenüber, die sich ihr gegenüber verneigten. „Vielen Dank!“, sprachen sie unisono, ehe sie sich wieder aufrichteten. Da wurde ihr ja richtig warm ums Herz! Wer hätte gedacht, dass sie diesen Klub so sehr ins Herz schließen würde… Ach, so war das nun einmal in kreativen Branchen. Man setzte sich lange mit etwas oder jemandem auseinander und ehe man sich versah, wollte man am Ende nur ungern wieder gehen. „Ihr seid zu freundlich“, lächelte sie und blinzelte etwas schneller, um zu verhindern, dass ihr noch Tränen in die Augen stiegen. „Viel Erfolg euch“, wünschte sie den Jungen und winkte ihnen zum Abschied. Und so schnell wie sie die Turnhalle betreten hatte, so schnell hatte sie diese auch wieder verlassen.

„Los, wir sind noch nicht fertig mit Dehnen!“, sprach Miyaji streng und trieb sein Team dazu an, weiterzumachen. „Das gilt auch für dich, Midorima! Setz dich auf deinen Arsch und mach deine Übungen!“, schnauzte der Kapitän, am heutigen Tage von dem Verhalten des Grünhaarigen wirklich angepisst. Shintarō ballte seine Hände zu leichten Fäusten. Dieser Tag war so überaus scheiße, dass der Frust über die Niederlage beim Interhigh in seinen Augen schon wieder verflogen war.

„Midorima!“, ertönte die Stimme des Trainers und der Shooter wusste, dass er sich jetzt eine Predigt anhören konnte. „Ich gestatte dir heute eine Extrahandlung.“ Die Worte Nakatanis kamen unerwartet. Wirklich unerwartet, denn ursprünglich war er es gewesen, der diese Regelung mit den drei egoistischen Handlungen eingeführt hatte, um Midorimas exzentrische Art zu bändigen. „Bitte, was?“, fragte Miyaji, in dem Glauben, sich verhört zu haben. Im selben Moment brach Takao in schallendes Gelächter und versuchte sich zusammenzureißen, indem er seine Hände auf seinen Mund presste. Das Lachen seines Freundes hätte gar nicht passender kommen können… Shintarō blickte mit einem leichten, hämischen Lächeln auf seinen Kapitän nieder, der kurz davor war, zu explodieren. „Ich werde jetzt gehen“, sprach der Shooter, verbrauchte damit seine vom Trainer gewährte Extrahandlung und ging so selbstgefällig aus der Halle, wie es der Basketballklub noch nie zuvor gesehen hatte.

Mit gemischten Gefühlen war Akira auf dem Weg zu ihrem Wagen, der etwas weiter weg als sonst stand. Die Straßen waren so gut wie leer; es war auch immer noch am Regnen, wodurch es ungewöhnlich Dunkel zu dieser Uhrzeit wirkte. Ihren geschlossenen Regenschirm schwenkte sie ein wenig hin und her, während sie das Gefühl des Regens genoss. Jetzt, da sie ohnehin niemanden mehr treffen würde, konnte sie sich auch ihrem Verlangen von vorhin hingeben. Dachte sie zumindest. Das plätschernde Geräusch von schnellen Schritten, die auf dem Boden aufschlugen und ihr immer näher kamen, ließ sie stutzig werden. „Akira…“ Sie drehte sich um und erblickte Shintarō, der noch in Sportkleidung, bis auf die Straßenschuhe, vor ihr stand. Er war etwas außer Atem, wenn sie das richtig sah… Scheinbar war er ihr schnell gefolgt.

Sie bemerkte seinen irritierten Blick auf ihren geschlossenen Regenschirm, während der Regen auf sie beide niederprasselte. „Nun…“, fing sie an und lachte leise, „ich mag das Gefühl von warmen Sommerregen.“ Trotz dieser Erklärung spannte sie den durchsichtigen Schirm und hielt diesen über sich und dem Oberschüler. „Ich würde dich darauf hinweisen, dass du wirklich ungewöhnliche Eigenarten hast“, entgegnete er und nahm ihr den Regenschirm ab, um diesen zu halten. Diesen Kampf durch den Größenunterschied konnte er nicht mitansehen. „Doch, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“, führte er seine Erklärung zu Ende. Erneut verließ ein leises Lachen Akiras Lippen. „Shintarō, ist alles in Ordnung? Warum so offen und fast schon… Selbstironisch?“, fragte sie, da sie seine Reaktion doch ein wenig wunderte.

Kaum hatte sie gewitzelt, wirkte er wieder schon wieder angespannt. Seine Lippen hatte er zu einem geraden Strich gepresst, während er ernst zu ihr hinabsah. Er brauchte nichts sagen, sie sah, dass ihm etwas Sorgen bereitete. Vermutlich in Bezug auf sie selbst. Und wie sie ihn kannte, sträubte er sich, es auszusprechen. Das war keine gute Kombination.

„Shintarō, was auch immer dir auf dem Herzen liegt, sag es ganz einfach“, versuchte sie ihn zu ermutigen. Doch eine Antwort darauf blieb aus. Stattdessen wandte er seinen Blick einfach nur ab, sah auf die Straße, auf welcher die Regentropfen bereits plätscherten. „Wusstest du, dass man den Geruch, der bei Niederschlag in der Luft liegt, Petrichor nennt?“ Und damit startete er einen mehr oder minder guten Versuch, vom Thema abzulenken.

„Möchtest du mir gerade erzählen, dass du das Ende deines Trainings übersprungen hast und mir hinterhergelaufen bist, um mir mitzuteilen, dass man den Geruch bei Niederschlag Petrichor nennt?“ Sie runzelte ihre Stirn etwas. Mittlerweile kannte sie den jungen Mann vor ihr gut genug, um sagen zu können, dass er sich gerade ein wenig zum Idioten machte. Was umso ungewöhnlicher war. Denn Midorima Shintarō machte sich eigentlich nie zum Idioten. Sie griff mit ihrer linken Hand nach seiner rechten, die nicht den Schirm hielt. Das schien etwas auszulösen, denn plötzlich zog er seine Hand weg. „Wieso tust du das?“, verlangte er zu wissen und sah wieder ernst zu ihr hinab. Da seine Brille dadurch rutschte, schob er diese wieder hoch.

„Ist das nicht offensichtlich? Weil ich dich mag“, erwiderte sie sanft. Allmählich schwante ihr, was ihm durch den Kopf ging und wieso er sie aufgesucht hatte. „Wenn du mich magst, dann würdest du nicht meine Hand halten. Das ist viel zu intim, selbst für jemand so aufgeschlossenen wie dich.“ Und ihre Vermutung schien sich immer mehr zu bestätigen. Hatte sie ihn während des Spiels der Shūtoku und Seirin so sehr damit aus dem Konzept gebracht? Das war ihr in der Zwischenzeit gar nicht aufgefallen. „Worauf möchtest du hinaus, Shintarō?“, fragte sie sanft nach. Er schien sich immer noch zu sträuben, doch schließlich seufzte er tief und schloss für einen Moment die Augen. Ein paar Sekunden vergingen, in denen sie lediglich die Atmosphäre des prasselnden Regens und – wie sie heute gelernt hatte – dessen Geruch, Petrichor, genoss.  

„Du sagst, du würdest mich mögen. Deine Handlungen und Gesten lassen mich aber vermuten, dass du mich nicht einfach nur magst, sondern…“ Er war so unglaublich schlecht in diesen Dingen, dass es ihn schon ärgerte. Seine Unbeholfenheit erfüllte ihn mit Scham, die Situation an sich brachte ihn in Verlegenheit… Ganz zu schweigen, von seinen klopfenden Herzen und schwitzenden Händen – glücklicherweise war letzteres aufgrund des Regens und seiner zum Teil nassen Kleidung nicht zu erkennen. „Deine Gesten irritieren mich. Sie lassen mich glauben, du hättest tiefere Gefühle für mich, auch wenn du das nicht sagst. Ich weiß damit nicht umzugehen…“ Er hoffte doch sehr, ihm würde jetzt nicht die Hitze ins Gesicht steigen. Das wäre die Krönung, das i-Tüpfelchen. Doch abgesehen davon, schnürte es ihm den Hals zu. Was auch immer sie jetzt sagen würde, würde ihm Gewissheit beschaffen. Allerdings rechnete er bereits fest damit, dass es ebenso eine schmerzliche Erfahrung für ihn werden würde.

Und das, obwohl sich sein Glücksgegenstand des Tages, ein roter Flummi, in seiner Tasche befand und sein Horoskop ihm einen relativ guten Tag vorausgesagt hatte.

„Das eine schließt das andere doch nicht aus, oder?“ Überrascht von ihrer Antwort fand sein Blick wieder den ihren. Ihre Antwort war vager, als er angenommen hatte… Aber auch positiver. Ihr Lächeln ihm gegenüber war warm und sie wiederholte ihre Geste, indem sie nach seiner Hand griff. Dieses Mal ließ er sie gewähren. „Vor fast drei Monaten begegnete ich unweit von hier einem überaus ungewöhnlichen jungen Mann. Ich hatte mit mir selbst ausgemacht, nie wieder eine Oberschule betreten zu wollen. Dennoch wartete ich an jenem Nachmittag im April auf dem Gelände einer Oberschule auf meine Freundin, die mich ein wenig sitzengelassen hatte. Und während ich wartete, sprach mich ein Oberschüler an, dem meine Anwesenheit auf dem Schulgelände wohl missfiel. Ein etwas überkorrekter Schüler, mit grünem Haar und Brille. Von meiner Freundin dann erzwungen, verbrachten wir den Nachmittag gemeinsam, was zweifelsohne etwas sonderbar, vielleicht sogar unangenehm war. Ich schrieb jenes Treffen als einmaliges Erlebnis ab. Doch dann begegnete ich ihm wieder… Und wieder… Und wieder. In dem kompletten Ballungsraum um Tokio leben mehr als dreißig Millionen Menschen und dennoch hat sich das Schicksal dazu entschlossen, dass ich aus irgendeinem Grund immer wieder diesem jungen Mann begegne.“ Akira schloss kurz ihre Augen und erinnerte sich mit einem Lächeln an die vergangenen drei Monate zurück. Diese Zeit würde sie für immer im Herzen tragen.

„Unsere Professionen sind so unterschiedlich und unsere Berührungspunkte waren so gering… Sich in dieser Stadt erneut zu begegnen, wenn man miteinander nichts zu tun hat, ist ein Wunder. Ich habe es sehr genossen und geschätzt, dich kennenlernen zu dürfen, Shintarō. Dich kennenzulernen, mich mit dir anzufreunden… Letztendlich sogar, mich in dich zu verlieben.“

Kaum hatte das letzte Wort ihre Lippen verlassen, spürte Shintarō seine Haut prickeln, verursacht durch die Gänsehaut, die sich bei ihm ausbreitete. Wenngleich es ein angenehmes Gefühl war, beruhigte es seine Nerven in keiner Weise. Im Gegenteil! Wenn das so weiter ging, dann würde er hier noch an Herzversagen krepieren. „Was sagst du da?“, fragte er noch immer ungläubig. Seine Augen mussten so groß wirken, so überrascht wie er sie geweitet hatte. Er… Er konnte es einfach nicht fassen, dass Akira ihm ihre Liebe gestanden hatte. Er hatte sich diese Situation herbei gewünscht, jetzt verhielt er sich wie der letzte Depp, indem er es nicht glauben konnte. „Ich sagte, dass ich dich liebe“, wiederholte Akira ihre Worte, dieses Mal jedoch mit einem leisen Lachen.

Es war nicht seine Frage, die sie amüsierte, wie er feststellen durfte. Nein, ihm war doch tatsächlich die Hitze ins Gesicht gestiegen! Wie unangenehm… Er wollte seinen Blick abwenden, doch er konnte nicht. Als hätte er die Kontrolle über seinen Körper verloren, stand er einfach nur da, gefangen von ihrem warmen Blick und ihren sanften Worten. Sie liebte ihn… Akiras Neckereien waren ihm nicht unbekannt, doch dies war keine davon. Er wurde tatsächlich geliebt, von Yoshida Akira… Er, der von anderen als zu exzentrisch angesehen wurde, als dass sich jemals jemand auf ihn einlassen würde. Er, der sich selbst als zu eigentümlich betrachtete, als dass er je eine Frau finden würde, die sein Interesse wecken würde. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll…“ Shintarō wusste es wirklich nicht. Akira hatte so schöne Worte gefunden, ihre gemeinsame Zeit zu beschreiben, um ihre Liebe zu erklären. Ihm hingegen… Ihm wurde das erste Mal in seinem Leben die Liebe gestanden und raubte ihm sowohl Atem als auch Stimme.

„Es ist vollkommen in Ordnung, wenn du dich nicht bereit dazu fühlst, mir eine Antwort zu geben. Ich denke, dass es eine falsche Herangehensweise ist, sofort alles erzwingen zu müssen. Manchen Dingen muss man einfach Zeit geben.“ Akira stand zwar hinter dem, was sie sagte, doch natürlich würde sie sich hier und jetzt eine Antwort wünschen. In vielerlei Dingen war sie gelassen, doch Herzensangelegen ließen auch eine Yoshida Akira nicht kalt. Sie spürte das schnelle Klopfen ihres Herzens in ihrer Brust, nervös hatte sie seine Hand wieder losgelassen, um sich durch einzelne Strähnen ihres Haares zu fahren. Die Nervosität beim Offenbaren der eigenen Gefühle konnte wohl niemand gänzlich abschütteln. Ebenso wenig die Angst, abgewiesen zu werden.

„Du bist viel zu zuvorkommend, Akira“, murmelte Shintarō daraufhin. Es hatte etwas Gutes, wenn die eigene Verlegenheit einem bereits die Hitze ins Gesicht getrieben hatte: Man konnte nicht noch mehr erröten. Zumindest versuchte sich Shintarō seine Situation so schönzureden. „Es wäre unfair dir gegenüber, nichts zu sagen, nachdem du mir dein Herz offenbart hast. Wenngleich ich gestehen muss, dass ich wohl keine so treffenden Worte wie du finden kann…“

Akira musste sich eingestehen, dass Midorima Shintarō nicht darin versagte, sie zu überraschen. Zwar hatte sie sich gewünscht, dass auch Shintarō sein Herz offenbarte, doch gerechnet hatte sie damit nicht. Schließlich wusste sie, wie schwer ihm das fiel… Auf der anderen Seite zeigte er ihr bereits auf diese Weise, was sie ihm bedeutete.

„Ich mag dich ebenfalls sehr, Akira. Nein, ich will sagen, dass ich dich ebenfalls liebe“, er atmete etwas erleichtert aus, nun, da er es ausgesprochen hatte. „Ich habe nie danach gesucht und ich hatte auch nie das Bedürfnis mich zu verlieben. Aber du bist eine Ausnahme, ein besonderer Mensch… Du bist liebenswert, Akira.“ Genauso hatte er all die Monate über sie gedacht und für sie empfunden. Schon bei ihrem ersten Treffen war ihm aufgefallen, wie besonders dieser Mensch war, der vor ihm stand. Yoshida Akira, die Kunststudentin und Stipendiatin an der Geidai, Schülerin des berühmten Malers Hayashi Sousuke… Ganz gleich von welchem Blickwinkel man sie betrachtete, sie war einzigartig. Und deshalb wusste Shintarō, dass wenn es nicht sie war… Er auch keine andere wollte.

„Ich habe hiernach auch nicht gesucht. Ich war zufrieden mit meinem Leben und glücklich. Jetzt aber möchte ich es nicht mehr missen.“ Eine wohlige Wärme hatte sich in ihrer Brust ausgebreitet, nachdem sie Shintarōs Geständnis gehört hatte. Sie war den einen Schritt nach vorne getreten, der zwischen ihnen lag, ehe sie die Arme um ihnen legte. Zu ihrer Überraschung war sein weißes Shirt an seinem Rücken durchnässt – er musste den Regenschirm mehr über sie gehalten haben. Allein dieser Umstand stimmte sie glücklich. Dies, und die Tatsache, dass er seinen freien Arm ebenfalls um sie legte.

Es war dieser Regentag im Juni, an welchem Yoshida Akira und Midorima Shintarō im Stillen und Heimlichen ein Liebespaar wurden.
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