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Die Grotte der Welt

von Klybneeka
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAngst, Familie / P18 / MaleSlash
Cormac McLaggen Harry Potter James Sirius Potter
10.04.2022
23.06.2022
4
10.661
3
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23.06.2022 2.671
 
VII.



«Das, was ich mit Dad immer mache

Echohaft zischten die Worte durch seinen Verstand und schickten ein Schockgefühl durch seinen Körper. Kurz musste er eingenickt sein, schläfrig von der feuchten Wärme, die ihn in einen dicken, traumähnlichen Schleier einhüllte und seine Sinne benebelte. Nur dumpf vernahm er das Prasseln von Wasser.

Das lange, massive Unterteil hatte sich um seinen Körper gekringelt und hielt ihn fest, während ihre Oberkörper und Arme ineinander verschlungen ruhten, Herzschlag an Herzschlag. Schwer fühlten sich seine Augen an, doch er öffnete sie, wenn auch langsam und nur mit Mühe. Irgendwie hatte er erwartet, in ein schlafendes Gesicht zu blicken, doch stattdessen starrten ihn die leuchteten, blutroten Perlen an, sodass er vor Entgeisterung ruckartig zusammenzuckte.

Wie lange hatte James ihn so schon angestarrt?

«Hey, du bist ja wach,» murmelte er und versuchte unbeholfen, sich aus dem Griff des Schwanzes zu wickeln. Der lange Muskel entspannte sich und zog sich in einer feinen Bewegung langsam zurück und erst jetzt wurde Cormac bewusst, dass er noch immer nur sein Adamskostüm trug.

Die Erinnerung kam wuchtig zurück, wie eine peitschende Welle, die ihn ertränken wollte und zugleich erfüllte ihn hässliche Scham. Niemals hätte er James berühren dürfen, niemals.

Es war nicht richtig, schon gar nicht in seiner Position. Ein Auror, der sich die Umstände eines hilflosen Geschöpfes zu eigen machte, nein, das wollte er nicht sein und doch...

«James, es...es tut mir leid.» Selten musste er nach Worten suchen, Stottern war ihm fremd. Doch nun, da er sich seines Fehlers so schmerzlich bewusst wurde, brachte er kaum einen Ton heraus. James indes schenkte ihm tausend Fragezeichen aus unschuldigen Augen heraus.

«Das hätte niemals passieren dürfen,» lautete die genuschelte Antwort, und zugleich stemmte er sich auf und ließ den Blick wandern, in der Hoffnung, seine Klamotten irgendwo zu erspähen. Unweit fand er seine Unterhose, und direkt daneben zumindest mal das schwarze Rippenshirt, welches er unter des Uniformblusons getragen hatte. «Es tut mir aufrichtig leid, ich wollte das nicht.»

Auch James stemmte sich etwas auf, noch immer das Gesicht gesprenkelt mit Fragenzeichen und seiner eigenen, blauen Körperflüssigkeit, die sich in einem eingetrockneten und brüchigen Film über Lippen und Kinn zog. Instinktiv rieb sich Cormac mit dem Handrücken über den eigenen Mund, um danach auf eine blaugefärbte Hand zu schauen. Kopfschüttelnd biss er sich auf die Unterlippe – verdammt nochmal aber auch, was hatte er sich da nur geleistet.

Rasch fand er die restlichen Klamotten zusammen, streifte sie sich über und versuchte seine Aurorenuniform einigermaßen respektabel herzurichten. Den Bluson stopfte er sich mit zitternden Händen in die Hose.

«Was ist denn los? Hab ich etwas falsch gemacht? Ich verstehe nicht...» Die Worte des Jungen klangen so unschuldig ehrlich, dass es Cormac fast das Herz zerriss. Ein Beweis mehr, dass gegenseitiges Einverständnis nicht alles war, worauf es in solchen Momenten ankam.

«Nein, du hast nichts falsch gemacht, ganz und gar nicht,» begann er seufzend und hielt für eine Sekunde inne. Kurz zog er in Betracht, sich wieder neben James plumpsen zu lassen, doch er entschied sich dagegen. Jetzt galt es, angemessene Distanz zu wahren. «Es ist nur...wir hätten, also ich hätte niemals, also.» Mental mahnte er sich zu Contenance. «Wir hätten niemals miteinander schlafen dürfen.»

Es beschämte ihn, diesen Satz überhaupt aussprechen zu müssen. Kalt und scharf wie ein Messer kratzte er an seinem Ego und spülte nur noch mehr Ekel in sein System. Hinzu kam der in seinem Kopf immer wiederhallende Satz «Das, was ich immer mit Dad mache.» Der kalte Schauer, der eisig im Gleichklang des Wasserfalls über seinen Rücken lief, wollte nicht aufhören.

James neigte seinen Kopf etwas, sah ihn fast hilflos an. «Ich mag es, jemanden so nah bei mir zu haben.»

Ein dicker Kloß bildete sich in Cormacs Hals. Die Worte drangen wie Dornen in sein Inneres und er fühlte sich in seiner Entscheidung, James hier unten rauszuholen, bekräftigt. Ein so junger Mensch, der das Leben noch vor sich hatte, durfte einfach nicht für den Rest des Lebens einsam in einer Grotte versauern.

Spontan fiel ihm das Anwesen seiner Eltern ein. Das hatte er vor ein paar Jahren geerbt, obgleich er sich davon zumeist fernhielt. Ab und zu schaute er vorbei, um nach den Portraits und Hauselfen zu sehen, doch die machten dort allesamt ihr Ding und schienen zufrieden. Doch es könnte vorübergehend James' neues Zuhause werden. Einen riesigen Pool gab es – zwar bot der nicht annährend so viel Schwimmfläche wie dieser See hier, doch das ließ sich mit ein bisschen Magie schnell ändern. Mental strukturierte Cormac das Anwesen um – ein riesiges Wasserlabyrinth konnte es werden, mit Zugängen zur heimischen Bibliothek, sowie raus in die Gartenanlage. James würde frische Luft atmen und die Natur kennenlernen können – Vögel, Insekten, Pflanzen! Allesamt Tiere würde er ihm kaufen, Gehege erschaffen, durch welche er schwimmen könnte.

Natürlich war er sich darüber im Klaren, dass auch das nur ein vorübergehender Zustand sein sollte – immerhin wollte er James nicht hier rausholen, um ihn dann gleich in den nächsten Käfig zu stecken. Doch ein Anfang sollte es sein und mehr, als Harry und Ginny jemals für diese einsame Seele getan hatten.

Mit zusammengepressten Lippen zwang sich Cormac zu einem Lächeln. Er durfte James jetzt nicht das Gefühl von Abneigung vermitteln. «Das war wirklich schön.» Die Zeit Buße zu tun, sie würde kommen, aber icht zu Lasten James'. Denn so wie er da lag, die Augen flehend an ihn gerichtet, da verdiente er es nicht, jetzt auch noch für den Fehler anderer bestraft zu werden. Nein, James sollte sich gewertschätzt und geliebt fühlen.

Offensichtlich erleichtert, leuchteten James' Augen direkt auf. «Ich mag dich, Cormac.» Der Junge rührte sich etwas, sein Unterleib setzte sich in Bewegung. Aus dem Augenwinkel sah Cormac, wie sich die Schwanzspitze zu ihm auf Kopfhöhe schlängelte und damit begann, sanft über seine Wange zu streichen. Warm und glitschig fühlte sie sich an. Sachte legte er eine Hand darauf, um sie weiter ans Gesicht zu drücken. «Und ich mag dich.»

«James?» Cormac erschrank ob der plötzlichen Stimme, die durch die Grotte hallte.

Harrys Stimme.

Ertappt ließ er ruckartig von der Flosse ab und schaute durch den Wasserfallschleier, wo er am anderen Ufer nur schwache Umrisse flimmernd wie bei einem Daumenkino wahrnehmen konnte. Was machte Harry hier? Erst gestern hatte er ihn doch im St.-Mungos besucht.

«Dad?» Auch James schien überrascht. «Dad, ich bin auf dem Weg!» Mit diesen Worten robbte sich der kleine Raubfisch einen knappen Meter weiter zum prasselnden Vorhang, ehe er hindurchpreschte und planschend ins Wasser eintauchte.

«Fuck!», zischte Cormac heiser. Wieso musste Harry auch gerade jetzt auftauchen? Wieso? Er zupfte noch einige Male an seiner Uniform, ehe auch er den Rückweg antrat, zurück nach vorne, dort, wo der Grotteneingang lag. Als er hinter dem Wasserfall heraustrat, sank sein Herz ein paar Etagen, als er sah, wie sich Vater und Sohn in den Armen lagen. Harry, am Rande des Sees kniend, hatte seine Arme fest um James geschlungen, welcher sich mit der enormen Kraft seines wulstigen Anhängsels bojenhaft aus dem Wasser drückte.

Der Anblick besaß einen fahlen Beigeschmack, denn der Gedanke, dass Harry seinem eigenen Sohn bereits näher gekommen war, befremdete ihn nicht nur, sondern löste puren Ekel aus. Ekel vor Harrys Schamlosigkeit, Ekel vor der Skrupellosigkeit, den eigenen Sohn hier unten einsam und alleine verkümmern zu lassen, nur, um sich an ihm bereichern zu können. Wut kochte deshalb in ihm auf, bereits angestachelt von Frustration über das eigene Fehlverhalten, doch er musste sich zusammenreißen und Ruhe bewahren. Jetzt zu eskalieren, brachte niemandem etwas.

Sich den Beiden nähernd, überhörte er Harrys Worte und blieb wie angewurzelt stehen, als der im selben Augenblick hochsah und die Augen in Cormacs bohrte.

«....bist du denn so blau im Gesicht?» Harrys Stimme verstummte allmählich, während sein Daumen über das Kinn seines Sohnes fuhr. Cormacs Herzschlag setzte für einen Moment aus, als ihm dämmerte, dass auch er noch Spuren von James im eigenen Gesicht tragen musste. Seine Hand schnellte hoch, um sich übers Gesicht zu fahren, doch zu spät. Harry musste bereits das Offensichtliche erkannt haben, denn in Windeseile ließ er von James ab und erhob sich. Der nussbraune Pullover, auf dessen Vorderseite ein hellgrünes H eingestickt war, klebte von der vorigen Umarmung feucht an seinem Oberkörper.

«Ich hätte es wissen müssen,» fauchte Potter mit zusammengeballten Händen. «Ich hätte es einfach wissen müssen!» Fest schnaufend und scheinbar bereit, auszuholen, kam er ein paar Schritte auf Cormac zu. Defensiv hob er die Hände, um den potentiellen Angreifer zu beschwichtigen, denn der nahm Fahrt auf.

Dass Harry ab und zu ausrastete, das war auf der gesamten Strafverfolgungsetage bekannt. Wobei Ausraster noch nicht einmal der richtige Ausdruck dafür schien, nein, eher Aussetzer, in denen er kurzzeitig die Kontrolle verlor, sämtliches Interieur zum Beben brachte und die Kollegen tief hinter ihre Schreibtische trieb. Nie hatte es jemand angesprochen, zumindest nicht, dass Cormac wüsste. Harry Potters Launen wurden geduldet, immerhin war er der Auserwählte.

Und so zeichnete sich auf dem Antlitz des Mannes ein vertrautes Schauspiel ab, bei welchem die Augen hinter den dicken Brillengläsern milchig wurden, sich die Stirn in tiefe Zornesfalten legte und die Lippen aufzuckten, um die darunterliegenden Zähne zu fletschen.

«Harry, bitte -»

«Nein! Ich war so dumm, so dumm, dir meinen Sohn anzuvertrauen. Ha, ich, ich hätte es doch wissen müssen, dass du deine dreckigen Finger nicht von ihm lassen kannst. Du fickst alles, was nicht bei Drei auf dem Baum ist, wie hätte es da bei James anders sein können, eh?»

Harrys Zeigefinger presste sich schmerzhaft in Cormacs Brust, doch er hielt stand, obgleich Harry ihm so nah kam, dass er dessen heißen Atem auf dem Mund spüren konnte. Seine Gedanken überschlugen sich, denn er wollte etwas entgegnen, doch die Worte trafen den sowieso schon wunden Nerv. Vor seinem geistigen Auge spielten sich die vielen Instanzen ab, in denen er von Kollegen und Freunden schief angeschaut wurde - «Kann es sein, dass du ein Problem hast, McLaggen?» - «McLaggen, hör endlich mal auf den Ladies hinterherzuschauen und konzentrier dich!» - «Ich schäme mich manchmal für dich, Sohn

«Schon damals hast du die Griffel von Hermine nicht lassen können! Glaub mir, ich hätte dich schon längst gefeuert, wenn es mir der Minister nicht so schwer machen würde. Dabei hab ich ihm damals direkt von deiner Schmuddelsammlung erzählt, die du im Spind aufbewahrst, um dir in der Pause einen zu wichsen.»

Der Finger bohrte sich fester in ihn hinein, während die Worte seinen Verstand schmerzhaft penetrierten. Schamesröte musste ihm ins Gesicht steigen, denn er spürte, wie Stirn und Wangen zu glühen begannen. Noch immer stand er nur sprachlos vor Harry. Erwidern konnte er nichts, denn letztedlich hatte der Mann doch recht. Es stimmte – alles.

«Dad, lass ihn.»

James kam herübergeschwommen und schaute zu ihnen hinauf. Ruhig klangen die Worte, doch in den Augen funkelte rote Bedrohung. So rot, dass sogar das letzte Bisschen weiße Farbe der Augäpfel gänzlich verschwunden war.

Der Druck auf seiner Brust löste sich, Harry sah hinab zu seinem Sohn.

Zunächst glaubte Cormac, die Situation hätte sich gelegt, doch als Harry urplötzlich seinen Zauberstab zog und auf James zielte, erschrak er. Flugs schüttelte er auch seine Waffe aus dem Ärmel, gerichtet auf Harry.

«Hey, hey! Was soll das, Harry? Nimm den Zauberstab runter!», befahl er laut und mit fester Stimme, denn das Alpha-Posaunen eines Auroren konnte er sogar in tiefster Trauer kinderleicht herunterrattern.

«Jetzt nicht McLaggen!», war die zischende Antwort seines Vorgesetzten. Bereit für Protest öffnete Cormac den Mund, doch James kam ihm zuvor. Noch weiter türmte er sich vor ihnen auf; ein paar Meter hinter ihm durchbrach das Ende seiner Flosse die Oberfläche und schlug ein paar Mal klatschend auf. Wasserspritzer des aufgewühlten Gewässers benetzten ihre Gesichter und Cormacs Puls raste. Was ging hier vor sich? Was war plötzlich mit James los?

«Glaubst du, du könntest dich mit deinem Holzstäbchen einschüchtern, Harry?» Die spitzen Beißerchen des Jungen blitzten in einem schlemischen Lächeln auf, während er sich in einem großen Bogen überbeugte wie die götterjagende Midgardschlange höchstpersönlich und Harry bedrohlich anfunkelte. Er streckte die Arme weit aus und sofort setzte sich der See um ihn herum in Bewegung, als brodelte es unter ihr.

«Verschwinde Tom, verschwinde!» kreischte Harry, doch obgleich die Spitze seines Zauberstabes aufglühte, sandte er keinen Fluch aus.

Tom?

Der Junge neigte den Kopf fragend zur Seite und verzog die Lippen zu einem kindlichen Schmollen, doch die Geste war nur aufgesetzt. «Ich soll verschwinden? Wieso verschwindest du nicht?»

Die Höhle begann zu beben. Es rumpelte und pumpelte, danach folgte ein markerschütternder Schrei. Tief, aber doch grell, sodass er in den Ohren wehtat. Cormacs Augen suchten nach dem Ursprung und mit Schrecken sah er, wie sich die Sphinx am Nordufer begann zu räkeln, ehe sie das das Maul erneut zu einem Schrei aufriss. Gemächlich, aber dennoch mit Schwung stemmte sie sich daraufhin mit ihren Pfoten auf.

Na prima.

Das Haupt der Steinkreatur stieß bröckelnd gegen die Decke, doch davon zeigte sie sich nicht beeindruckt. In ihrer Gemächlichkeit machte sie vorerst keinen gefährlichen Eindruck, doch man wusste nie mit dieser Art der Magie.

«James, bitte, hör auf!» Cormac trat ein paar Schritte näher, doch langsam und mit nötiger Vorsicht, um dem Jungen zu signalisieren, dass er keine böse Absicht hatte. Dabei hielt er den Zauberstab noch immer auf Harry gerichtet, dessen ausgestreckte Hand zitterte.

«Harry, runter mit dem Zauberstab,» fügte Cormac weitaus leiser hinzu. Er bemerkte, wie Harry kurz zu ihm rüberschielte, doch keine Anstalten machte, der Aufforderung zu folgen.

Eine Auseinandersetzung hier unten, das konnte nicht gut gehen. «Runter!», knurrte er erneut. «Du verärgerst ihn!»

Krachend und polternd ächzte indes die Sphinx weiter voran – scheibar nahm sie direkt Kurs auf sie. Dabei eckte sie an, schleifte schweres Gestein mit über den kieseligen Boden.

«Hör auf ihn, Harry. Hör auf den Mann, der so viel besser ist als du. Der mehr Mitgefühl besitzt, mehr Verständnis zeigt. Hör auf den besseren Gryffindor, den besseren Küsser, den besseren Vater! Hör auf ihn!» James' Stimme klang plötzlich fremd, tiefer und rauchiger und unwillkürlich fragte sich Cormac: war dies etwa die Stimme von Tom Riddle? Doch die Zeit, darüber nachzudenken, blieb ihm nicht. Es knackte – knack, knack – und kaum wollte er seinen Augen trauen!

Aus dem zarten Rücken des Jungen pressten sich scharfe Zacken, ähnlich wie Drachen sie besaßen. Entlang der Wirbelsäule riss seine Haut auf und gewährte den Hautwüchsen somit den nötigen Platz. James' Gesicht verzog sich kurz zu einer schmerzverzehrten Miene, doch schnell fing er sich und starrte wieder grinsend herab.


oOo



Tom war wütend. Nicht nur wütend, sondern «wütend». Ein brodelnder Vulkan wäre angesichts seiner brennenden Rage erkaltet, dessen war er sich sicher. Sollten sie doch alle zur Hölle fahren, aber ganz besonders Dumbledore. Wie sehr er diesen Mann doch hasste. Hinterlistig war er, ihm konnte man nicht trauen. Doch jeder mochte ihn, alle blickten auf zu ihm und lauschten gespannt seinen pseudo-philosophischen Reden, die nur unnötig Sauerstoff verbrauchten. Aber irgendwann, ja, da würde er es dem alten Mann heimzahlen, es ihm richtig zeigen. Jawohl.

Ein Seufzer entwich ihm, dann zog er tief die salzige Rosenluft ein. Hier unten in der Grotte hatte er wenigstens mal seine Ruhe; keine jammernden Mitschüler, keine hochwohlgeborene Lehrerschaft, die meinte, ihn mit ihren engstirnigen Empfehlungen behelligen zu müssen. Hier unten gab es nur ihn und die Welt.

Die Welt, die irgendwann einmal seine sein sollte.

Dank des alten Slughorns, der den Whiskey trank wie Wasser, hatte er zu Beginn des Semesters endlich das dazugehörige Passwort bekommen, um an diesem Grantler Poseidon vorbeizukommen – Fischbrötchen mit Limonenalgen.

Mit einem tiefen Seufzer knallte er seine Tasche auf den kieseligen Grund am Nordufer und ließ sich daneben im Schneidersitz nieder. Von hier aus hatte er die beste Sicht. Die übergroße Sphinx thronte am Ufer gegenüber, und schaute mit ihren ausgehöhlten Augen ins Leere. Nach der Schule, das nahm er sich vor, würde er einmal Ägypten bereisen.

Und so wanderten seine Gedanken in ferne Welten, weit weg von Hogwarts, weit weg von Großbritannien. Er malte sich die alten Zivilisationen aus, deren Existenzen einzig auf der Gnade verschiedener Götter beruhten. Irgendwann, ja, irgendwann, sollte auch er einmal eine Gottheit sein.
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