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In the Darkness Band 2 Rising Demons

von eiswolf23
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Horror / P16 / Div
Vampire
10.04.2022
25.09.2022
10
61.736
1
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22.09.2022 9.024
 
Scarlett






Was folgte als die Bestie in ihr erwachte war nichts anderes als ein reines Gemetzel. Ja bei ihren ersten zaghaften Schritten in dieses Tal war sie unachtsam gewesen. Das Gelände und die Tageszeit hatten zu Gunsten ihrer Gegner gestanden, sie war fast blind gewesen. Jetzt aber, im tiefen Dunkeln der schwarzen Nacht mit dem Magen voller frischen, warmen Blut war es nun Scarlett die klar im Vorteil war. In der Totenstadt der Moxos lebten mehrere Tausend Menschen, Bauern, Landarbeiter, Steinmetze, Jäger, Fischer, Handwerker, Ärzte, Priester und viele andere auch. Krieger natürlich auch um die Tempel und Paläste zu bewachen, aber hauptsächlich Familien mit kleinen Kindern und Alten. Scarlett spürte ihre Präsenz, die Wärme die von ihnen ausgestrahlt wurde, das ruhige, gleichmäßige Trommeln ihrer Herzen. Hörte ihren Atem. Die ganze Stadt schlief noch, die öffentliche Hinrichtung ihrer Kameraden würde erst in ein paar Stunden zum Sonnenaufgang zelebriert werden. Kein Mond war zu sehen, er war vom Schatten der Erde verschluckt worden. Finsternis hielt ihre Welt fest in ihren Klauen. Das Sternenzelt der Milchstraße wurde von schleierhaften Wolken verdeckt. Alles war schwarz und Dunkel. Die Stunde des Vampirs, das war eine von den Nächten die im Orden als verflucht galten. Zu dieser Zeit zu diesen Wetterbedingungen war es nicht nur extrem gefährlich Faen und kryptische Wesen zu jagen, das war es eigentlich immer, es war sogar fast unmöglich. Ihre scharfen Sinne überwogen die von Menschen, und sogar die von Hunden und Fledermäusen, um ein Vielfaches. Sie war stärker, schneller und verwegener. Ehe sie es überhaupt bemerkten war es schon vorbei. Es war vorbei als es begann. Scarlett tötete mindestens drei Dutzend der Wachen, sie trank nicht ihr Blut oder biss sie auch nur. Nein, aber sie riss ihnen die Glieder aus. Brach ihnen das Genick . Schnitt ihnen die Kehlen mit ihren Krallen auf. Im Orden hatte sie zu töten gelernt. Wichtiger noch als das wodurch war das wie. Die mentale Bereitschaft Leben auszulöschen, Existenzen zu beenden. Scarlett hatte zwar die physische Kraft Knochen wie rohe Eier zu zerbrechen, aber noch hatte ihr die emotionale Kraft gefehlt das Geschrei der Wesen mitanzuhören, denen sie die Knochen brach. Bisher zumindest.

AAAARRRGGGHHH!“ Aber die Moxos hatten Scarlett vor eine ausweglose Situation gestellt. Sie bis zum Äußersten getrieben. Ein wildes Tier ohne Möglichkeit zur Flucht. Ihr war nur noch der Kampf ums Überleben gelassen worden. Also kämpfte sie auch. Sie kämpfte wie nie zuvor, ohne jede Zurückhaltung, angetrieben von Zorn und Schmerz, von Angst, aber geleitet von Entschlossenheit. Sie war zwar kein Mensch mehr aber auch noch kein Tier, kein ganzes, noch nicht zumindest. Sie trieb die Moxos aus ihren Häusern. Sie brüllte und fauchte, zeigte ihnen ihre blanken Reißzähne und Krallen, ihre leuchtenden violetten Augen, schürte blanke Panik unter ihnen. Die Bewohner der Totenstadt flohen in die Wälder und in die Höhlen unter den Bergen die ihnen so vertraut waren. Scarlett fand ihre gefangenen Begleiter und befreite sie einer nach dem anderen “Das waren die letzten. Los jetzt, lauft. Bringt euch in Sicherheit!“

Sie waren alle noch am Leben. Ihre Bewacher hatten sie mit mageren Rationen gerade so am Leben gehalten um sie alle zusammen in einem großen Spektakel zu Ehren ihrer Götter und gottgleichen Könige auf der Spitze der großen Pyramiden zu opfern. Sie waren wie Tiere, nur noch von wenigen Lumpen bekleidet, in Pferchen unweit des Palastkomplexes eingesperrt worden bis Scarlett sie fand. Die Gitterstäbe und Mauern aus Holz und Stein brach sie mühelos auseinander “Wo sind unsere Waffen und unsere Ausrüstung?“ Fragte Hedy. Sie war halbnackt, trug nur noch graue Shorts und ein dazugehörendes Top welches das nötigste verdeckte. Ihre Figur war ausgedörrt, um den flachen Bauch herum war sie mit blauen Flecken bedeckt. Ihre Rippen stachen unter den harten Muskeln hervor. Scarlett konnte mit ihrem scharfen Blick förmlich durch sie hindurch sehen, wie mit einem Röntgengerät, und erkennen das zwei ihrer Rippen gebrochen waren. Das krause Haar stand ihr in wirren Strähnen von unterschiedlicher Länge in alle Richtungen vom Kopf ab. Es war seltsam sie mit nur einem Arm zu sehen. Die Wachen hatten ihr klugerweise auch noch die Prothese mit all den darin befindlichen Waffen entfernt. An ihrer Schulter prangerte nur noch ein metallenes Gelenkstück heraus in dem Hedy ihr Armstück befestigte, so ähnlich wie eine Steckdose fand Scarlett.

“Ich glaub in einem der Lagerhäuser in der Nähe der Gärten durch die wir gekommen sind.“ Sagte Pauline die ein geschwollenes rechtes Auge auf dem Gesicht trug.

“Ihr holt eure Waffen und Uniformen. Ich halte euch den Rücken frei.“ Sagte Scarlett. Mit ihren langen Fangzähnen und blutbesudelten Krallen schreckte sie selbst ihre eigenen Kameraden ab. Niemand, nicht einmal sie selbst, hatte sie je in einer solchen Raserei erlebt. Sie kam sich vor wie ein Hai der in einen Blutrausch verfiel. Ein außer Kontrolle geratener Waldbrand. Ein Kampfhund dessen Leine gerissen war. Niemand konnte sagen zu was sie in diesem Zustand alles fähig war, am aller wenigsten sie selbst.

“Was ist mit der Krone. Wir haben immer noch nicht…“

“Ich hol die Krone.“ Schnitt sie Gerbert grob das Wort ab.

“Schaffst du das denn ganz alleine? Wir können dir helfen.“ Bot ihr Riley an.

“Hierbei brauch Ich keine Hilfe. Besser Ich mach das alleine.“ Sagte Scarlett und ballte die Hände zu Fäusten.

“Sind alle vollzählig?“ Fragte Hagen mit blutender Nase.

“Ich glaube Henry haben sie als Anführer in einen Käfig näher bei den Pyramiden gesperrt.“ Sagte Jakoda. Zwei seiner Vorderzähne waren ihm ausgeschlagen worden sodass er lispelte.

“Ich befrei ihn. Wartet auf uns beim Ausgang der Höhle, wir treffen euch da in zwei Stunden.“

“Scarlett, ist…hat Arthur dir gesagt das…“ Hedy rang nach den passenden Worten, verschluckte sich aber an der Wahrheit die partout niemand laut auszusprechen wagte.

“Ja, hat er.“ Jeder von ihnen wusste worum es bei dieser Mission ging. Jeder von ihnen das das Ziel der Mission viel wichtiger war als sie alle zusammen, um Welten wichtiger. Denn es ging um nicht weniger als die Zukunft der ganzen Welt. Was war da im direkten Vergleich schon ein einziges Menschenleben? Eine Lebensspanne die im großen Ganzen, den Milliarden von Jahren an Erdgeschichte nicht mehr als der Wimpernschlag einer Stubenfliege war die keine ganze Woche zu leben hatte? Sie führten eine Jagd die schon vor weit über Dreitausend Jahren begonnen hatte. Sie wären nicht die ersten gewesen die für das höhere Ziel zu Märtyrern geworden waren und bei weitem auch nicht die letzten. So ist nun mal der Job, dachte sie und versuchte ihre Schuldgefühle zu verdrängen. Scarlett brauchte jetzt ihre Gedanken klar beieinander und vor allem noch genügend Wut im Herzen um es bis zur Grabkammer zu schaffen.

“Sorg dafür das es nicht umsonst war.“ Befahl ihr Hedy.

Mit stummem Nicken nahm Scarlett ihren Segen für ihre Mission und damit auch ihre Absolution für das was sie getan hatte an. Es musste nicht mehr gesagt werden, Scarlett wusste sowieso ganz genau was Hedy und die anderen ihr sagen würden. Nicht du hast Arthur getötet sondern unser Beruf. Das war es wofür er sich gemeldet hatte. Wofür wir alle uns gemeldet haben. Das war weder tröstlich noch wahr noch änderte das irgendetwas an der Realität. Hedy führte ihren Zug in Richtung der Berge, weg von der Stadt. Scarlett ging zielstrebig genau in die andere Richtung ins Herz dieser Totenstadt. Ich hab mir diesen Job nicht ausgesucht. Ich hab mir dieses Leben nicht ausgesucht! Dachte Scarlett als sie ihren Schritt beschleunigte, er hat mich ausgesucht. Und jetzt bring Ich es zu Ende. Auf echten Widerstand stieß sie kaum noch, einmal von ihren Fesseln befreit wagten es nur noch wenige Wachen sich ihr direkt in den Weg zu stellen. Jeder Versuch dieser wurde von Scarlett erbarmungslos in den Boden geprügelt. Ein paar Giftpfeile flogen einmal nahe an ihrem Kopf vorbei als sie die Stufen zum Sockel der Großen Pyramide erreicht hatte, doch sah Scarlett diese kommen bevor sie überhaupt in der Luft waren. Das frische Blut hatte bei ihr die Wirkung eines Aufputschmittels. Es machte sofort süchtig nach mehr, aber für den Moment machte sie es auch stärker als alle ihre Gegner zusammen. Ihre Reflexe…sie war im Blutrausch! Ein Wolf unter Schafen. Ein Orca der sich auf einen Schwarm Fische stürzte. Ein Untoter unter Lebenden. Die letzte der Moxos die noch stand war keine andere als Juá selbst, die Spionin und Elitekriegerin hatte versucht einen letzten Verteidigungsring vor der Pyramide aufzubauen indem sie eine letzte Kompanie Speerträger mit Waffen aus Obsidianklingen um sich herum versammelte, doch ihr erbitterter Widerstand war vergebens. Die Phalanx der Amazonen wurde von ihr aufgebrochen und die Anführerin schleuderte Scarlett mit voller Wucht gegen genau die Treppe die sie zu verteidigen suchte. Scarlett beugte sich über ihren malträtierten Körper. Juás Magen war von ihren eigenen Rippen durchstochen worden. Scarlett konnte mit ihren scharfen Augen förmlich durch sie hindurch sehen, sie konnte erkennen wie ihr Becken sich mit Blut füllte. Juá ertrank von innen heraus “Bequem?“

“Du jagst etwas hinter her…das…pu…purer Wahnsinn ist.“ Juá zitterte am ganzen Leib. Sie versuchte sich zu bewegen aber ihr Körper gehorchte ihr von Sekunde zu Sekunde weniger. Scarlett konnte förmlich sehen wie ein Organ nach dem anderen aufhörte zu Arbeiten.

“Wenn du es findest…wird es dich zerstören. Euch…alle...“ Ihre Lungen füllten sich mit Blut. Ihre Atmung stockte.

“Na dann stört es dich ja bestimmt nicht wenn wir es uns nehmen.“ Als letzten Akt der Gnade, den ihre Gefängniswärterin eigentlich nicht verdient hatte, umschloss Scarlett Juás Kopf und stieß ihn mit einem einzigen kräftigen Schlag gegen den Stein unter ihr. Der Knochen brach auf und ein einzelner Splitter bohrte sich direkt in ihr Kleinhirn. Sie war sofort tot. Ihre Vergeltung brachte Scarlett nicht den Trost den sie sich erhofft hatte, aber ein wenig half es trotzdem. Ein leises Stöhnen ließ sie aufhorchen. Große Teile der Totenstadt standen bereits in Flammen aber hörte sie das schwache Seufzen ihres Freundes noch aus hundert Metern Entfernung. Sie fand Clark alleine, von seinen Wachen verlassen in einer Zelle, nicht unähnlich derer in welchen ihre Männer gefangen gehalten worden waren. Nur schränkte diese seine Bewegungsfreiheit noch um einiges mehr ein. Der Käfig bestand aus rabenschwarzem Holz mit einer harten, glatten Oberfläche fast wie Metall. Es kostete Scarlett tatsächlich mehr als einen Versuch die Gitterstäbe zu zerreißen, aber lediglich weil sie beim ersten Versuch die Stabilität der Stäbe falsch einschätzte, nicht etwa weil ihre Kräfte schon wieder nachließen. Bei einem Faustischen Pakt gab es keine Retoure, der Vertrag war in Blut geschrieben was hieß das er für die Ewigkeit geschlossen war.

“Henry, los komm hoch. Ich hol dich hier raus.“

Als Anführer war er sogar noch schlimmer misshandelt und gefoltert worden um zu erfahren, wie viele sie waren, worin ihr Auftrag bestand und ob die Gefahr bestand das ihr Verschwinden eine Welle von Rettungsversuchen provozieren würde? Mit einer Klinge, so fein und genau wie ein Skalpell, war ihm an den Oberarmen und den Rippen tiefe Schnitte zugefügt worden welche dann mit einem brennenden Pulver ausgewaschen wurden. Unter seinen Fingernägeln hingen noch die letzten Reste Holzsplitter mit denen sie versucht hatten ihn zu beugen. Scarlett war eine der Menschen die wusste, das Henry Clark zerbrechen würde bevor er such irgendjemanden oder irgendetwas beugen müsste. Er hatte zwischen fünfzehn und zwanzig Kilo Gewicht verloren, sein Bart und Haar waren ungewaschen, verfilzt und verliehen ihm dadurch etwas tierisches. In diesen Zellen sind wir alle zu Bestien geworden, dachte Scarlett als sie ihm auf die Beine zog.

“Mir geht es gut. Wo…wo sind die anderen?“ Er hustete ein wenig Blut und etwas das aussah wie ein abgebrochener Zahn.

“Die sammeln sich bei den Höhlen. Hedy wartet dort auf uns.“ Berichtete Scarlett und sah sich in dem Raum im Westflügel des Palastes, dort wo Henry gefangen gehalten worden war, nach etwas passendem zum Anziehen ab. Clark trug nur noch letzte Reste von Feuchtigkeit und Willkür seiner Aufseher zerfetzter Kleidung. Er zitterte.

“Verluste?“

“Nur…wir…wir haben einen verloren.“ Brachte sie schließlich hervor und half ihm sich gegen die hintere Wand anzulehnen um in den Körben und Truhen in dem Raum der Wachen nach etwas zu suchen das er sich umlegen konnte.

“Wen?“

Scarlett suchte nach den passenden Worten, aber das war längst überfällig, sie musste nur den Kopf in seine Richtung drehen. Henry wusste es als er sie sah. Er verschluckte sich fast an seinen eigenen Worten als er in Scarletts Augen blickte und das violette Leuchten darin erkannte. Er brach beinahe zusammen, seine Augen füllten sich mit Tränen. Er keuchte schwer und vergas zu atmen. Für eine Minute. Für zwei. Dann für drei. Scarlett wollte ihm helfen aber er hielt sie entschieden auf Abstand. Er rieb sich solange die Augen bis sie rot anliefen und schlug dann mit der Faust gegen den Stein an den er sich abstützte “Wir müssen weiter. Die Krone wird irgendwo unter der Pyramide aufbewahrt, das konnte Ich aus dem Gerede der Wachen heraushören.“ Sagte er schließlich und kämpfte sich auf die eigenen Beine zurück. Er wackelte unsicher von einem Fuß zum anderen aber weigerte sich stoisch zu fallen oder sich gar von ihr helfen zu lassen.

“Henry, du…“

“Wir haben eine Mission zu erledigen! Trauern können wir wenn wir wieder zuhause sind.“ Er riss ihr das Hemd und den Poncho den sie für ihn rausgesucht hatte aus den Händen und eilte an ihr vorbei. Scarlett wollte eigentlich noch weiter dagegen protestieren, erkannte aber das ihm in diesem Zustand nicht mit Vernunft oder der Realität zu helfen war. Selbst wenn es ihn umbrachte, das war ihm in diesem Moment wohl egal. Scarlett konnte nur verhindern das es so kam indem sie ihn beschützte. Und Henry hatte Recht, wenn sie denn ohne die Krone zurück nach Hause kehrten, dann war all das hier und viele andere Opfer, völlig umsonst.

“Oben in der Spitze gibt es eine Luke die zu einer Art Treppenhaus führt. Von da an geht es tiefer unter die Erde.“ Mit dem Echolot einer Fledermaus, hetzt schärfer und besser denn je, erkannte sie Hohlräume hinter meterdicken Wänden und unter mehreren Schichten Erde. Scarlett wusste das sie auf einem riesigen Labyrinth standen mit nur einem einzigen Zugang.

“Gut. Wachen?“

“Keine Lebendigen.“

Die Treppen zur Spitze der Pyramide des Jaguars wurde nicht mehr bewacht, die Stadt war verloren. Die Wächter der Krone des Narmer hatten versagt und waren gefallen, jetzt oblag es den neuen Herren der Kleinode sie an sich zu nehmen. Hinter dem Altar, in dem schneckenförmigen Haupt das über der Terrasse erbaut worden war befand sich tatsächlich eine schwere aber bewegliche Steinplatte im Boden. Normalerweise brauchte man mindestens ein Dutzend Mann und einen recht geschickt angelegten Flaschenzug um diese anzuheben. Scarlett aber schaffte das auch gut alleine. Darunter führte sie eine in sich gewundene, schachtelförmige Treppe tiefer ins Herz des Tempels, der Seele der Totenstadt. Es war ein Grabmal. Eine gewaltige Gruft in welcher das Böse selbst eingesperrt worden war. Eine uralte Kraft mit welcher sein Halter den Tod selbst heraufbeschwören konnte. Sie gehörte nicht hier her, nicht in diese Zeit und nicht in diese Welt. Sie mussten vernichtet werden! Oder die Menschheit würde niemals ruhig schlafen können.

“Wo müssen wir lang?“ Fragte Clarke und hielt sich an ihrem Handgelenk fest. Wenn sie ein Haus oder eine Vampirhöhle ausräucherten gingen sie genauso vor: Scarlett ging als erste hinein, sie war Schild und Rammbock zugleich. Sie fing die Attacken der Wachposten ab, sie spähte mit ihren scharfen Sinnen in die Dunkelheit, mehr noch, sie versteckte ihre lebenden Soldaten hinter ihrem eigenen Geruch von Verwesung. Clark ging dabei stets direkt hinter ihr her und gab ihr Deckung. So auch jetzt, aber mehr aus Praxishalber denn in dieser gewaltigen Gruft hier unten gab es kein Licht. Die Fackeln in den dafür vorgesehenen Haltern an den Wänden waren seit Jahrzehnten nicht mehr ausgewechselt worden und schon längst verglimmt. Die Präzision mit welcher die Steine dieses Bauwerks aneinander gefügt worden waren besaß chirurgisches Niveau, durch die Ritzen fiel nicht der kleinste Schimmer Mondlicht. Clark hatte sich zwar einen lodernden Holzscheit mitgenommen, aber was jenseits dieses Schirmes befand konnte selbst Scarlett nur schwer erkennen. Diese Katakomben waren bis oben hin gefüllt mit vollkommener Dunkelheit. Die Moxos trauten sich nicht hier hinunter, der Eingang war mit schweren Toren aus Steinversperrt worden zu deren Öffnung Man eine ganze Armee an Arbeitern brauchte. Die letzten Reste einer menschlichen Duftnote lagen noch in der Luft, winzig kleine Partikel die hier unten in der hermetisch versiegelten Gruft konserviert geblieben waren, wer auch immer diese Grabkammer zuletzt besucht hatte, er hatte es im letzten Jahrhundert getan, so viel konnte sie aus der Spur herauslesen. Die Fährte war noch gut genug erhalten um ihr zu folgen, andernfalls hätte sie dieses Labyrinth in den Wahnsinn getrieben “Da lang…weiter nach rechts…“

Das hier war kein Tempel es war ein Mausoleum, selbst die Luft roch nach Fäulnis und Tod. Die Wände sahen alle gleich aus. Seltsam geriefelte Runen zogen sich in Mustern über die schier endlosen Gänge und Flure die alle miteinander verbunden waren und sogar ineinander nahtlos überzugehen schienen. In immer größer werdenden Abständen Nahm sie die Fährte auf doch ihr Verstand wurde zunehmend schummriger. Scarlett versuchte die Orientierung zu bewahren doch schon als sie über die Türschwelle der versperrten und wieder aufgesprengten Tore getreten waren hatte ein bleierner Geschmack ihre Sinne und Wahrnehmungen betäubt. Scarlett hatte das Gefühl zu schwitzen unter ihrer wenigen Kleidung und doch war ihr auch gleichzeitig kalt. Ein oder zweimal stolperte sie und wäre ohne Clarks Hilfe umgefallen. Scarlett hatte das Gefühl rückwärts zu laufen. Sie sah ihn an, Clarks Augen wirkten gläsern, verirrte Strähnen klebten auf seiner schweißbedeckten Stirn. Er keuchte schwer und sein warmer Atem dampfte in der kalten Luft der unteren Kammern “Ich spüre es auch. Das sind die Moose und Flechten die hier überall in allen Ritzen und Furchen wachsen, die gedeihen prächtig in dieser kühlen feuchten Luft. Sie sondern giftige Düfte ab die alle höheren Lebensformen schier in den Wahnsinn treiben wenn sie diese zulange konsumieren. Sie sind auf Dauer sogar tödlich.“

“Ich weiß nicht…ob Ich den Weg so finden…“

“Doch kannst du. Können wir!“

Er weigerte sich stehen zu bleiben. Dass er den Weg nicht kannte war ihm egal er würde hier unten so lange nach der Krone suchen bis seine Beine unter ihm zusammenbrachen. Scarlett folgte ihm. Ihre Gedanken waren völlig wirr, mit der Fährte hatte sie auch Unmengen an den halluzinogenen Pilzen eingeatmet. Sie glaubte die Wände würden damit beginnen mit ihr zu sprechen. Sie lachten über sie. Dann wurde Scarlett klar dass es Schreie waren. Furchtbare Schreie von Verdammten und verlorenen, die Seelen jener Suchenden die vergebens ihre Leben gegeben hatten um die Krone des Narmer zu finden. In diesem Gewölbe hallten die Schreie der Zehntausend gescheiterten Jäger wieder bis ihre Ohren bluteten und ihr Kopf dröhnte. Sie biss die Zähne fest aufeinander. Sie schlug gegen eine der Wände. Es waren Gesichter von Jaguaren, Krokodilen und anderen Bestien darin gemeißelt worden, grausame Fratzen die sie hämisch anzugrinsen schienen. Sie ignorierte dies solange bis es nicht mehr zum aushalten war und ließ schließlich ihren Zorn freien Lauf. Die Wände waren teils mehrere Zentimeter dick doch die Fassaden, die Zierde und der Schmuck blätterten unter ihren Schlägen ab wie tote Haut. Scherben und Mauerstücke prasselten zu Boden. Ihr Brüllen erschreckte sie selbst. War da überhaupt noch irgendetwas Menschliches in ihr? Falls ja dann würde es nicht überleben wenn sie noch länger hier unten blieben “Clark?“ Scarletts Blick jagte gehetzt hin und her, die Wände waren zu dick um mit ihrer Echoortung durch sie hindurchsehen zu können.

“Henry!?“ Die Scherben der zerschlagenen Gesichter knirschten unter ihren nackten Füßen. Sie wollte ins Zwielicht hinabtauchen um ihn zu suchen verlor allerdings beim Start den Halt und rutschte über den feuchten Böden aus und überschlug sich selbst. Sie riss sich die Arme beim Sturz auf doch Schmerzen spürte sie keine mehr. Zumindest keine körperlichen mehr.

“HENRY!“ Blanke Panik ergriff von ihr Besitz. Sie rannte die Gänge rauf und runter, bestimmt in Summe mehrere Kilometer zusammengenommen aber kam sie nicht ein Stück voran. Sie drehte sich im Kreis und würde das auch noch die nächsten Hundert Jahre tun wenn sie nicht einen Weg hier raus fand, aber zuerst musste sie Henry finden doch wie sollte sie das genau anstellen? Sie konnte seine Fährte nicht aufnehmen ohne noch mehr von den Pilzsporen einzuatmen und dadurch endgültig dem Fieberwahn zu verfallen. Spuren fand sie auf dem Steinboden keine. Scarlett stieß ein halbes Dutzend Mal direkt mit dem Kopf vor eine der vielen Wände um sie herum. Sie schrie sich die Lunge aus der Brust aber niemand antwortete ihr. Sie war allein, ganz allein. Abgeschnitten von den anderen und untergegangen in völliger Dunkelheit. Hier gehöre Ich hin, drang plötzlich ein Gedanke in ihren Verstand ein, Hier gehöre Ich hin! Der Gedanke drang in ihren Kopf ein und setzte sich dort fest, breitete sich aus wie ein Virus oder doch eher wie ein Lauffeuer das sie ausbrannte und alles andere in ihr vernichtete bis dieser wenigen Worte zu ihrem letzten klaren Gedanken manifestierten. Du gehörst hier hin. Du bist ein Monster. Eine Untote! Ein Vampir! Der Gedanke ernährte sich von ihrer Furcht und wuchs. Er trug Früchte und verflechtete sich. Du bist tot, das hier ist ein Grab. Finde endlich deine Ruhe. Lass es sein, du zögerst das alles schon viel zu lange hinaus. Scarlett hatte ein Leben gehabt und es war vorbei, gestohlen, aber davor waren ihr einige schöne Jahre vergönnt gewesen. Viele Menschen in der Geschichte hatten nicht einmal halb so viele davon gehabt wie sie. Es gab also keinen Grund für Scarlett sich zu beschweren oder nach noch mehr zu verlangen. Am besten wäre es wenn sie sich einfach hier unten irgendwo ein schönes Plätzchen suchte und sich hinsetzte, um auf das Unvermeidbare zu warten und die letzte Dämmerung über sie hereinbrach. Ihr Instinkt verriet ihr dass es so richtig wäre, gut und natürlich. So war nun mal der Kreislauf des Lebens und dieser uralte Rhythmus hatte auch seine Rechtfertigung.

Scarlett sank auf die Knie, ihre Arme und Beine waren mit kleinen Schnittwunden und Prellungen bedeckt. Sie war sich nicht mal mehr ganz sicher wo oben und wo unten war. Alles schien sich zu drehen und immer noch war da dieses grauenhafte Geschrei das sie niederzudrücken versuchte. Steh auf, aber plötzlich, als sie schon nicht mehr daran geglaubt hatte war da auf einmal noch mehr. Etwas schnitt sich durch das Geschrei der Toten und Verfluchten hindurch und ebnete ihr eine Furche. Na los steh auf! Dein Dienst ist noch nicht vorbei! Du bist noch nicht entlassen Soldat! Etwas an diesem herrischen Ton kam ihr vertraut vor und es weckte in ihr seltsam heimische Gefühle. Auch wenn ihr Fleisch bereits kalt und erstarrt und ihr Blut zu Sand geworden war, so erinnerte sie sich noch immer an die Wärme und Geborgenheit von Zuhause. Und den Wunsch dafür zu kämpfen. Los steh auf! Weiter! Da vorne links. Noch ein bisschen, folge meiner Stimme. Ja. Du hast es gleich geschafft! Diese fremde und doch vertraute Stimme leitete sie, zeigte ihr den Weg bis sie vor einer erneuten Sackgasse stand, aber diesmal war sie nicht mehr allein “Clarke!“ Das lodernde, knisternde Licht der Fackel blendete sie für einen Augenblick doch dann erkannte sie die muskulösen und hartgesottenen Umrisse ihres Freundes und Anführers der ihr weiter den Rücken zugedrehte hielt “Was ist?“

“Da.“ Sagte er knapp und hob den brennenden Holscheit näher an den Felsen hin. Unter dem orangegelben Licht wurden nun Umrisse deutlicher. An einer Stelle der Wand waren die Wurzeln der Bäume über ihnen durch das Erdreich und die Mauern der Grabkammer gebrochen. Ein Vorhang aus versteinerten Wurzeln in einer schmalen Nische zwischen zwei Schlangensäulen. Gespaltene Mäuler starrten auf sie herab. Scarlett sucht in diesem Mosaik, diesem brachialen und doch auch hypnotisierenden Kunstwerk nach einem tieferen Sinn, einer Ordnung, dem Grund für Henrys plötzliches Schweigen. Aber erst ein warmer Luftzug der aus dem Wirrwarr der Wurzeln kam verriet ihr die Antwort. Es raubte auch ihr die Sprache als ihr klar wurde, dass es ein Seufzen war.

“Das ist ein Mensch.“ Sagte sie breitgeschlagen.

“Das ist unser Direktor.“

Clark hielt die Fackel über die Wurzelstränge die sich wie Schlangen um seinen Hals und seine Brust gelegt hatten. Unter den modrigen Resten einer alten Fließjacke stach das Emblemen einer alten Brosche heraus. Sie war einmal aus Gold gewesen, bestand jetzt allerdings fast nur noch aus Rost, allein zusammengehalten von den zwei zersprungenen Rippen zwischen die sie eingeklemmt war. Scarlett erkannte darauf das Symbol einer Kuppel die über einem, auf vier Säulen ruhenden Rundbau stand. Das älteste Siegel der Templer zeigte zwei Ritter auf einem Pferd die beide einen Mann darstellten, den Mönch und den Krieger, die zwei Facetten jedes Ordensmitgliedes. Das trugen einst alle Ritter des Ordens, dieses spezielle Siegel hier doch wurde im Zwölften Jahrhundert von Bertrand von Blanquefort entworfen, dem sechsten Anführer der Tempelritter. Und seit dieser Zeit durfte es nur ein einziger führen, der Großmeister des Ordens “Leutnant Percival Harrison Fawcett.“ Clark sprach den Namen des Mannes aus wie den eines Heiligen, den für sie war Direktor Percy Fawcett eine Legende. Ein Mann der so vielen Mythen enträtselt und in ihren Archiven archiviert hatte das er selbst schon zu Lebzeiten selbst zum Mythos geworden war. Bereits vor seinem dreißigsten Lebensjahr hatte er auf Malta verloren gegangene Abschriften der Schriftrollen vom Totenmeer gefunden welche die Johanniter dort auf der Insel versteckt hatten. Als Offizier des SIS, des Vorgängers des MI6, nahm er in Marokko an einer Landvermessungsmission teil bei der das Grabmal der Aisha la Condesa und an mindestens ein Dutzend weiteren Missionen rund um den halben Erdball zusammen mit solch anderen Legenden wie Henry Rider Haggard und Arthur Conan Doyle, bevor er dann schließlich bei seiner ersten eigenen Expedition in Südamerika die Theorie über die versunkene Stadt Z aufstellte wegen derer sie jetzt alle hier waren. Es kostete ihn sieben Versuche und einen Weltkrieg sie zu finden. Fawcett war nicht nur der Vorgänger des Vorgängers von Dreyfus gewesen, dem derzeitigen Großmeister des Ordens, nein, Dreyfus war Fawcetts Bursche in den Gräben des Ersten Weltkrieges und der einstige beste Freund seines Sohnes Jack Fawcett.

Sigillum Militum Christi de Templo.“ Zitierte Clarke den alten Leitspruch der Templer.

“Siegel der Soldaten Christi vom Tempel. Wir sind das Siegel der Soldaten, der Wächter vom Tempel.“ Übersetzte ihr Direktor, Scarlett verspürte beinahe den Drang sich vor ihm zu bekreuzigen. Mit Arthurs Blut hatte sie auch all sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Empfindungen in sich aufgesogen, damit auch den tiefen Respekt für die Helden und Märtyrer des Ordens.

“Ihr habt euch ja ganz schön Zeit gelassen…“ Krächzte der Schatten von Direktor Fawcett mit heißerer, gequälter Stimme die entfernt an ein Lachen erinnerte. Ein bitteres und trauriges Lachen ohne jede Spur von Leben darinnen.

“Sir Ich, äh…wir…“

Das war etwas mit dem sie nicht gerechnet hatten und mit dem sie nicht so recht umzugehen wussten. Fawcetts längliches Gesicht war bis auf den Schädel zerfurcht, wirres, knochenbleiches Haar hing ihm vom Kopf fast bis zum Boden herab. Er saß wie in einer Art aufrechtstehender Streckbank fest, die Wurzeln hielten ihn dort an der Wand wo sie aufgehängt hatten. Seine dürren Arme waren von Ranken, die dreimal so dick waren wie seine Arme selbst, umschlungen und in unnatürliche Positionen verdreht. Seine Knochen mussten schon vor Jahrzehnten von den Ranken aufgebrochen und dann wieder zusammengewachsen sein, sodass sie nun auf ewig in diesen verdrehten Positionen bleiben würden. Seine Hände waren gar nicht mehr als solche zu erkennen. Seine Finger waren schwarz, mit Moos überwachsen und seine Fingernägel waren zu langen Spiralen verdreht.

“Ihr kommt wegen der Krone.“

“Ja Sir.“ Sagte Henry monoton und schluckte schwer. Er nahm die Fackel etwas zurück, Direktor Fawcetts Augen waren milchig und doch zuckte er zusammen als sie mit dem Licht in Berührung kamen.

“Gut. Sehr gut.“ Stöhnte der Alte der mehr Skelett als Mensch war. Er war eine Schreckensgestallt. Scarlett konnte nicht mehr sagen wo der Baum anfing und sein Fleisch endete. Die Wurzeln hatten seine Haut durchstochen, die Wächter hatten ihm das Fleisch aufgeschnitten und die Wurzelstränge in seine frischen Wunden hineingelegt. Der Baum sog ihm das Blut aus den andern heraus, die Wurzeln klammerten sich wie die Schlingen einer Würgefeile um seine Gebeine herum und erhärteten zu Stein. Diese parasitäre Pflanze hatte ihn fest im Griff, sein Fleisch war ausgedörrt und blätterte allmählich ab wie totes Holz. Er verweste nicht einfach nur, nein, er verrottete. Er wurde von innen heraus aufgefressen. Scarlett dachte darüber nach wo genau sie damit anfangen sollte die Wurzeln herauszureißen aber das war zwecklos. Die hauchdünnen Flechten hatten seine komplette Wirbelsäule fest umschlossen. Ein Team von Chirurgen würde eine mehrere Stundenlange Operation benötigen um seine Knochen von den Ranken zu befreien “Davon befreien kann Ich ihn nicht, aber Ich könnte die Wurzeln hier oben durchtrennen so könnten wir ihn transportieren. Zuhause sehen wir dann weiter.“ Schlug sie vor aber der Direktor lehnte es entschieden ab von hier fortgebracht zu werden.

“Für mich ist es schon zu spät. Ich bin jetzt ein Teil der Mauern geworden die dieses Grabmal stützen. Und Ich will hier auch nicht mehr weg. Ich bin müde. Ich will nach Hause…zu meinen Kindern…meiner Frau…meinen Männern.“ Er sprach fließend Deutsch, doch musste er immer wieder inne halten um zu Atem zu kommen. Doch sobald er versuchte seine Lungen aufzublasen entwich die Luft durch kleine Löcher in seinem Brustkorb, wie durch einen durchsiebten Dudelsack.

“Ich bin einfach nur noch müde. Aber ihr seid schon ganz dicht dran, meine Ritter. Der Weg zur Krone führt den Gang da entlang…zur Kammer der Eule und dann…dann kommt ihr zu einem Säulengang. Da…dahinter liegt das Grab des Königs. Aber gebt Acht…ihr Bester beschützt die Krone.“ Mit kaum sichtbarer Geste hob Fawcett seinen linken Zeigefinger und deutete ungefähr in Richtung des schwarzen Ganges rechts von ihnen. Scarlett hatte bis eben geglaubt das Dunkle sei eine massive Wand gewesen. Seine Gelenke knirschten, die Wurzeln rissen an seinem Fleisch. Er schrie leise auf vor Schmerz, Scarlett erkannte das er keine Zähne mehr hatte, seine Zunge war vertrocknet, Spinnen und kleine Käfer krabbelten aus seinem Rachen heraus.

“Bei der Luft hier unten finden wir den Weg alleine nie.“ Sagte sie sofort und spähte in die Dunkelheit hinab. Ihr Augenlicht war getrübt, ein Nebeneffekt der Pilzsporen wie sie vermutete.

“Ich werde euch führen.“ Sagte Fawcett sofort.

“Sir?“

“Die Moxos haben mich hier aufgestellt und mein Fleisch mit den Wurzeln der Bäume vereint damit Ich hier in der Dunkelheit langsam den Wahnsinn verfalle, damit Ich zu mahnenden, abschreckendem Beispiel werde, aber dadurch haben sie mir auch ungewollt ein neue Möglichkeit offenbart meine Umwelt wahrzunehmen. Als meine Augen in der Dunkelheit allmählich erblindeten, fand Ich in den Wurzeln neue Sinnesorgane. Ich sehe die Welt über uns aber auch die Gänge und Flure hier unten. Ich habe Jahrzehnte damit verbracht sie zu studieren, die Verteidigungsanlagen und Pläne erdacht sie zu überwinden. Ich werde euch den Weg weisen.“

“Wenn wir die Krone aus dem Grab nehmen…“

“Müsst ihr schnell von hier verschwinden, denn das Entfernen des Schatzes, wird einen Mechanismus auslösen der die ganze Totenstadt zerstören wird…um die Diebe mitsamt der Krone unter den Bergen an Trümmern lebendig zu begraben.“ Warnte sie Fawcett eindringlich.

“Gibt es hier einen schnelleren Weg raus? Einen Geheimgang? Die Architekten mussten doch auch wieder irgendwie hier rauskommen, sobald sie die Mauern und Fallen errichtet hatten?“ Hakte Henry weiter nach.

“Die Bauherren dieses Mausoleums, sind noch immer hier. Genauso wie Ich wurden sie erwählt…die…die Krone auf ewig zu bewachen.“

“Kannst du die Wände hier durchschlagen?“ Fragte er Scarlett.

“Mit Mühen, aber das kostet auch seine Zeit.“

“Wir finden schon einen Weg.“ Sagte Henry überzeugt. Er sah den Gang rechts von ihnen hinab und dann wieder in das von Regenwasser zerfurchte Gesicht ihres Direktors “Wir können sie hier trotzdem irgendwie rausholen. Wir können sie retten.“ Beharrte er weiter. In den milchig bleichen Augen von Fawcett spiegelten sich Tränen wieder.

“Wozu noch die Mühen junger Krieger? Ich bin schon viel zu alt fürs Leben, mein Zenit war schon vor fünfzig Jahren erreicht. Keiner meiner Zeitgenossen ist noch da um mich woanders zu begrüßen.“

“Einer schon, ihr Adjutant, Roderick Dreyfus er ist jetzt der Großmeister des Ordens.“ Sagte Scarlett was Fawcett ein überraschend breites Lächeln entlockte.

“Wirklich, Roderick der neue Großmeister! Gut, das ist gut, immerhin hab Ich ihn genau dazu auserwählt. Wenn ihr jetzt gerade wirklich hier seid, und nicht nur der Traum eines alten, dem Wahnsinn verfallenen Narrens, dann muss er seine Sache gut machen. Sagt ihm, das Ich sehr stolz auf ihn bin und ihn in meine letzten klaren Gedanken miteinbezogen habe.“

“Das tun wir Sir.“ Versprach ihm Clark.

“Und sagt ihm auch, er…er soll sehr vorsichtig sein mit…mit der Wahl seiner Ziele. Er könnte sie wirklich einmal erreichen…aber weniges im Leben ist so zerschmetternd wie der Erfolg. Er hat einen Preis. Und der Schrecken für den Preis des Sieges…kennt keine Grenzen.“ Sagte er und sah wehleidig an seiner geschundenen Gestallt herab, was von den Pflanzen noch nicht verschlungen worden war “Sagt ihm das und lasst mich hier unten zurück.“

“Aber Sir…“

“Das war ein Befehl! Ich bin noch immer euer Großmeister und Ich erwarte von euch Gehorsam! Findet die Krone und bringt sie in den Tempel! Macht euch keine Sorgen um mich, Ich finde selbst den Weg nach Hause zurück.“ Scarlett glaubte das dieses letzte Aufgebahren Fawcett alles an Kraft gekostet hatte was er noch in seinen maroden Kadaver aufzubringen vermochte, denn kaum das seine Lippen die letzten Worte ausgesprochen hatten, sank er leblos zusammen. Sein Kopf fiel vornüber, die Glieder bewegten sich nicht mehr. Scarlett konnte weder seine Atmung wahrnehmen noch seinen Herzschlag hören. Er schien wie tot, doch tat er das bereits seit über einem Jahrhundert. Die Moxos hielten ihn mit einer Mischung aus geisterhafter Kontrolle und bestialischem Zorn am Leben, sie verweigerten ihn den erlösenden Segen des Todes. Irgendwie war seine Seele in diesen Mauern gefangen, wodurch er aber für sie zu einem Führer in der Dunkelheit wurde. Da lang! Los, schnell beeilt euch! Seine Stimme drang in ihren Ohren wieder und bereinigte ihre Geister von der giftigen Luft. Durch seine blinden Augen welche die Finsternis kannten gelangten sie zur Kammer der Eule, einer Art Vorsaal dessen Wände mit tausenden von Vogelgesichtern geschmückt waren die sie drohend anstarrten. Fawcett warnte sie das die aufgerissenen Schnäbel der Vögel in Wahrheit Schießscharten waren die mit den Platten am Boden verbunden waren. Scarlett riss einen Teil der Wände heraus und schleuderte ihn auf den Boden. So entstand eine Furche, eine sichere Passage durch die sie bis zur Tür kamen. Einem, mit dicken Baumstämmen, verriegeltes Massiv dass einer Handgranate standgehalten hätte “Die Tür kann Ich aufschlagen, aber die Pforte selbst überschreiten kann Ich nicht.“ Sagte Scarlett.

“Musst du auch nicht, die Krone hole Ich.“ Meinte Henry.

“Aber wenn wir die Tür öffnen wird der Mechanismus scharfgemacht. Dann haben wir nur noch ein paar Minuten Zeit um hier wieder rauszukommen.“

“Eher Sekunden, könntest du es im Zwielichtflitzen hier herausschaffen?“

“Ich kann das noch nicht so gut, Ich müsste anhalten und den Weg auskundschaften.“

“Gut, aber wir müssen es auch gar nicht hier raus schaffen.“ Meinte Clark plötzlich.

“Was? Aber wie sollen wir dann…?“

“Wenn alles um uns herum einstürzt, würdest du das überleben?“

“Nein, das sind mehrere hundert Tonnen Erde und Geröll Wie in Hannas Kessel, das zermalmt mich.“

“Dann wirst du es einfach schaffen müssen. Du alleine nur mit der Krone und Fawcetts Anweisungen, das kann gelingen. Und wenn nicht? Tja, dann wird Hedy eben ein paar Tage lang graben müssen, aber am Ende werden sie die Krone irgendwann finden, sie unseren toten Gebeinen entreißen und dann nach Hause bringen. Wer weiß vielleicht überlebst du es ja doch…dann kann zumindest einer von uns Direktor Fawcetts letzten Befehl ausführen.“

“Aber du wirst das auf gar keinen Fall überleben.“ Warnte sie ihn eindringlich, doch Henry tat dies mit einem leichten Schulterzucken wieder ab.

“Ja, das ist wohl so.“ Sagte er unbekümmert, und Scarlett sah das ihm das nicht einfach nur egal war, das für ihn die Pflicht über alles ging, nein,  nicht nur, er sehnte sich fast sogar danach. Sehnte auch er sich nach Ruhe? Wollte er einfach nur noch schlafen und in Frieden ruhen so wie Fawcett? Henry hatte mittlerweile über die Hälfte seines Lebens im Krieg verbracht, und wenn ein Jahr im Krieg zehn Jahre des Friedens aufwog wie er ihr selbst erklärt hatte, dann reichten die Gräuel die er bereits gesehen hatte für ein ganzes Jahrhundert aus. War er, nach dem Tod seines Ehemannes, einfach fertig mit dieser Welt? Ungewollt erinnerte Scarlett sich an den Mann der sie zum Vampir gemacht hatte, und an seine Worte nachdem sie gestorben war “ Jedes weitere Opfer fühlt sich immer noch wie das Erste an, aber dabei habe Ich schon Tausende verschlungen. Wenn Ich einen Wunsch frei hätte, würde Ich mir wünschen dass du bei mir bleibst. Aber wenn du gehen willst ist das in Ordnung. Manchmal will Ich auch nur noch gehen.“ Eigentlich hätte sie ihn aus voller Inbrunst hassen müssen und das tat Scarlett auch, bis sie zum ersten Mal Hunger bekam. Bis zum ersten mal tötete. Danach empfand sie mit ihrem verstorbenen Peiniger immer noch Zorn, aber auch Mitleid und Wehmut.

“Los, mach die Tür auf Scar.“ Befahl er und trat einen Schritt zur Seite um ihr Platz zu machen. Instinktiv schluckte sie und tat wie er verlangte. Sie riss mit bloßen Händen das Tor zur Grabkammer ein und besiegelte damit ihrer beider Schicksal. Es kostete sie mehr Zeit als erwartet, der Stein war hart und dick, vergleichbar mit den Toren die auch ihre Gefängniszelle im Orden versperrt hatte, aber schlussendlich überwog ihre Wut und ihre neugewonnene Kraft. Das Tor fiel und die Grabkammer des Königs lag offen vor ihr da. Nur der Strich am Boden, die eingezeichnete und geschlossene Grenze hielten sie auf. Für einen Vampir oder Dämon wäre es undenkbar gewesen, die Grenze eines geschlossenen Kreises, wie etwa einer Festung oder auch nur einer geschlossenen Hütte zu überqueren ohne dass der Kreis zuvor durchbrochen oder sie hereingebeten wurden. Henry überschritt sie ohne zu zögern. Im flackernden Schein seiner Fackel ging der Raum in hellem Licht auf. Der Boden war über und über mit Kostbarkeiten bedeckt. Der Pfad zum König war mit einem Meer aus Goldmünzen gepflastert. Dazwischen hoben sich die Kanten und Konturen von Ringen, Arm- und Stirnreifen, Halsketten, Broschen und Ohrringen ab. Möbel aus den seltensten Tropenhölzern geschnitzt und mit verblichenen Farben bestrichen die aber selbst jetzt noch, nach über Siebenhundert Jahren, einen ungefähren Eindruck von der Schönheit vermittelten die sie einst besäßen hatten. Töpfe und Tonkrüge die mit Weihrauch, Gewürzen und Ölen gefüllt waren. Elfenbein von jenseits des Atlantiks. Federschmuck aus dem Federkleid von farbenfrohen Paradiesvögeln. Statuen die ihr bis zur Stirn reichten, oder auch bis zur Decke, aus massiven Gold und Silber. Teller und Becher aus Gold, Messer und Schalen. Dolche aus purem Gold. Schwerter. Schilde. Die Häute von gewaltigen Raubkatzen und die Panzer von fleischfressenden Riesenechsen. Aufeinander gestapelte Goldbaren, genug um damit ein kleines Haus zu bauen. Kisten die überquollen vor Edelsteinen, vor Diamanten und Saphiren, Smaragden und Rubinen. Das Grabmal von Tutanchamun wirkte hierzu, im Vergleich mit dem von Abubakarai II. gerade zu ärmlich. Es stimmte, die Großkönige des Reiches von Mali waren die reichsten Herren ihrer Zeit gewesen, vielleicht sogar der ganzen Geschichte. Ihre üppigen Goldadern ließen ganze Länder in Inflation versinken. Abubakari hatte bei seiner Reise nach Südamerika nur einen winzig kleinen Bruchteil seines königlichen Erbes mitgenommen, doch schon dieses kleine Fragment wog das Bruttoinlandprodukt von mindestens einem Viertel aller Länder der Erde auf.

Es waren Köder, sie sollten mögliche Grabräuber ablenken vom wahren Schatz welcher all diese weltlichen Kostbarkeiten mühelos verblassen ließ. Das Geschmeide und Gespiegel waren nur schnöder Schein für niedere, unwissende Diebe. Wahre Sucher aber wussten dass allein das eine Artefakt wirklich von Wert war, das scheinbar als einziges nicht mit Gold und Juwelen besetzt war. Oben auf dem Podest, am Ende einer breiten Treppe ruhte ein schmuckloser Sarkophag, ein Gefäß aus Ton mit nur einigen wenigen Inschriften darauf die nicht einmal in Arthurs Erinnerungen zu finden waren, das vom äußeren her am ehesten einer riesigen Wachsfigur glich. Die Wände begannen kaum merklich zu zittern, die Erde bebte. Tief im Inneren dieses Tempels waren mit ihrem Eindringen uralte mechanische Vorrichtungen in Gang gesetzt wurden die seit Jahrhunderten schliefen “Scarlett, siehst oder hörst du irgendetwas das nicht hier hergehört? Etwas das lebt?“ Fragte Henry als er vorsichtig die Grenze überschritt.

“Ich weiß nicht so recht, hier in den Wänden stecken uralte Zaubersprüche. Da ist…warte!“ Ihre Haare stellten sich auf. Scarlett wusste das Gefahr drohte, aber sie interpretierte ihre Vorahnungen falsch, beinahe wäre es zu spät gewesen ehe sie ein leises Poltern vernahm “Achtung hinter dir!“

Hinter einem der Berge aus Gold und Silber tauchte plötzlich ein riesiger Schatten auf. Im Schein der Fackel glänzte seine Haut, erst auf den zweiten Blick erkannte Scarlett das es ein Kettenhemd ganz aus kleinen, handgeschliffenen Obsidianstücken bestand. Er schrie und über seinem kahlen Schädel durchschnitt ein hauchdünner Silberstreifen die Dunkelheit. Clark sprang zur Seite, gerade noch rechtzeitig. Das Schneidblatt der Axt zerschlug eine Reihe von Goldtellern in zwei. Clarke rollte sich über den Boden, dabei geriet der Berg an Münzen unter seinen Füßen in Bewegung, eine große Welle rutschte ab und wurde zur Lawine. Ihrem Freund glitt buchstäblich der Boden unter den Füßen weg. Er stöhnte leise und wurde dabei von dem Wächter verfolgt. Scarlett ließ aus ihrer Kehle ein lautes Geistergeheul ertönen “AAAAHHH!!!“ Die Schockwelle riss den Wächter von den Füßen und schleuderte ihn gegen die Wand hinter dem Sarkophag.

“Hol die Krone und komm zurück!“ Flehte sie Henry an, sie trat so nahe an die Pforte heran wie sie nur wagen konnte ohne dass auch nur einer ihrer Zehen die Grenze überschritt. Clark griff sich mit der rechten Hand einen der goldenen Säbel aus einem der Tonkrüge und schritt damit langsam von rechts um den Sarkophag herum. In der linken hielt er weiterhin die Fackel fest.

“Nur keine Panik Scar, den schaff Ich schon.“ Sagte er unbeeindruckt. Er trat um den Sockel auf dem die Gebeine des Königs ruhten herum.

“Er atmet noch, das kann Ich hören!“ Warnte sie ihn.

“Er hat eine große Platzwunde am Kopf, und er…Ich glaube fast, er ist blind. Er trägt eine Augenbinde.“ Sagte Henry überrascht, aber es ergab auch irgendwie Sinn, wenn es keinen Weg hier heraus gab und das Entriegeln des Mechanismus der Fallen sicher sehr aufwendig war, musste dieser Wächter hier sein halbes Leben in der Dunkelheit verbracht haben. Versorgt mit Essen das man ihm mittels eines Flaschenzuges herunter gelassen hatte. Ein Blinder würde sich in der Dunkelheit, in einer Kammer deren Maße er genau kannte besser zurechtfinden als mögliche Eindringlinge. Clark schreckte auf einmal zurück, der Wächter, der beste Krieger des Moxos war urplötzlich wieder aus der Starre erwacht und mit der Axt in der Hand hochgeschnellt. Der Griff seiner Waffe war fast zwei Meter lang, ein wuchtiger Stab der auch ohne Kopf leicht einen Schädelhätte zertrümmern können, er selbst maß noch einen halben Meter mehr. Die Waffe mit dem Schneidblatt aus Obsidian musste ungeheuer schwer sein, für einen Sterblichen, dennoch schwang er sie so blitzschnell und geschickt das Clark große Mühe hatte diesem Hagel an Blitzattacken Parole zu bieten. Unter anderen Umständen hätte Scarlett jederzeit sofort auf Clarks Sieg gesetzt und das ohne zu zögern, doch nach Wochen des Hungers und des peinlichen Verhörs war er am ganzen Körper mit frischen Wunden übersäht, seine Muskeln waren ausgezerrt und sein Geist umnebelt von persönlichen Verlusten der allerschlimmsten Art. Sein Gegner hingegen trainierte seit seiner Geburt für genau diesen Tag, er war ausgeruht und erfüllt von fanatischem Eifer. Das er blind war, stellte nicht wirklich ein Hindernis für ihn dar. Im Gegenteil, der Recke wusste ganz genau wo im Raum er mit Hindernissen rechnen musste, Clark sah nur das was sich innerhalb des Pegels seiner Fackel befand. Der Wächter setzte ihm so unnachgiebig nach das er immer nur kurz sein Umfeld begutachten konnte.

“Nicht so weit nach links! Vorsicht die Goldbaren! Nein, nein weiter nach links!“ Die Decke schien sich zu bewegen. Wie die Zahnräder eines gewaltigen Uhrwerks drehten sich Teile der Decke und der Wände. Ihnen allen lief die Zeit davon

Scarlett wollte noch einen Schrei von sich geben, aber der Wächter hatte aus der ersten Attacke gelernt und achtete darauf Clark zwischen sich und sie zu bringen wie einen lebenden Schild. Der Wächter verfluchte sie in einer fremden Sprache die wie ein Donnern klang. Scarlett wollte ihrem Freund helfen, aber die Grenze konnte sie nicht übertreten. Der Kreis war noch geschlossen und ihr damit die Hände gebunden. Clark landete einige Treffer, er war kampferfahrener und geschickter als sein Gegner, doch dieser trug ein primitives wenn auch sehr wirkungsvolles Kettenhemd und Arm- und Beinschienen welche die meisten Treffer gut abwehrten. Die Axt sauste zu Boden zu Clarks rechter Seite, doch nur um fast im selben Moment wie eine Sense über Erlen zu sausen um Clark die Beine abzuhacken. Ihr Freund sprang darüber hinweg, er zog absichtlich seine Klinge hinter sich her um eine Rinne im Goldfluss zu schneiden. Als er zum Stehen kam riss er die Klinge wieder nach oben. Ein Schwall von Münzen flog im hohen Bogen durch die Luft und fiel wie prasselnder Regen zu Boden. Ein Glockenspiel an klimpernden Münzen, wohl um die Sinne seines Gegners zu verwirren der sich vor allem auf sein Gehör verließ. Doch davon ließ dieser sich nicht beirren, er verfolgte Clark noch immer. Er ist ein Jäger der Dunkelheit. Er folgt der Fackel, der Wärme so wie Ich! Clark musste denselben Gedanken gehabt haben denn er warf seine Fackel weg, und für einen kurzen Moment verwechselte der blinde Wächter sein Ziel mit dem glühenden Holzscheit. Nur für einen Moment drehte er sich zur Seite, präsentierte Clark seine linke Schulter und dieser Moment reichte aus. Clarks Säbel fand seinen Weg über eine der Nähte, dort wo die Panzerung des Wächters schwach war und schnitt ihm tief ins Fleisch. Der Rückschlag des Moxos kam schnell und er kam wild, Clark lenkte den Schlag an sich vorbei und verpasste dem Krieger einen zweiten tiefen Hieb gegen den rechten Oberschenkel. Doch für diesen glimpflichen Schlag öffnete er seinerseits seine Deckung. Und auch sein Gegner ließ keinen Moment tatenlos verstreichen um zuzuschlagen. Das untere Ende des Schafts war stumpf aber im Bogen schlug er Clark damit glatt einen Zahn aus. Er taumelte angeschlagen zurück. Er fiel zu Boden. Scarlett erkannte den Moment auch und füllte die Lungen mit Luft “AAAHHH!!!“

Erfahrung und Willenskraft nutzten wenig wenn Kraft, Ausdauer und Müdigkeit gegen einen waren. Alleine konnte Clark diesen Kampf hier nicht gewinnen “Du musst mich irgendwie reinlassen! Durchbrich den Kreis!“ Schrie sie in einer Mischung aus Flehen und Fordern, rang mit den langen Fingernägeln die zu Krallen ausgewachsen waren. Staub rieselte zu Boden. Aus den Wänden ertönte ein tiefes Brüllen, noch hundertmal lauter als das ihrige. Clark tat es wohl nicht gerne, doch er wusste dass die Mission wichtiger war als jede persönliche Vendetta. Besonders wenn es eine aussichtslose war. Er versuchte wieder aufzustehen, aber es gelang ihm nicht so recht, seine Wade wurde aufgeschlitzt. Am Ende kroch und rannte er auf allen Vieren in Richtung der Tür “AAAAHHH!!!“ Scarletts Lungen brannten, sie kämpfte schon seit mehreren Stunden, die Nacht neigte sich dem Ende zu und so auch ihre Kraft, das konnte sie ganz deutlich spüren. Clark wurde gejagt und sein Verfolgernahm ihre Attacken immer weniger war, hatte Scarlett sein Trommelfeld schon zum Platzen gebracht? “Komm schon! Nur noch ein kleines Stück!“

Clark keuchte und spuckte Blut zusammen mit ein paar Resten seiner Schneidezähne. Er kam auf Knien vor ihr zum Stehen, er holte zum Schlag aus, hinter ihm tat der Wächter das gleiche, seine Axt durchschnitt die Luft. Ein heller Streifen durchtrennte die Dunkelheit und Blut spritzte in hohen Fontänen über die Wände und bis oben an die Decke. Eine rotgefärbte Klinge fiel zu Boden und ein kläglicher Todesschrei übertönte sogar das Rumoren der Maschinen in den Wänden “Bist du okay?“ Fragte Scarlett und wischte sich das Blut von den Fingern.

“Bestens.“ Log Henry und nutzte den Säbel als Stütze um wieder auf die Beine zu kommen. Er hatte zuerst zugeschlagen, nur Sekunden bevor das Schneidblatt der Axt seinen Hals berührt hatte, und der Säbel durchtrennte den Grundstein der Pforte. Es war ein dünner Spalt, nicht mal halb so breit wie ihr kleiner Finger aber der Schutzkreis der Halle war damit durchbrochen. Ihr war damit der Einlass möglich und im Zwielichtflitzen riss sie den Wächter mühelos von den Beinen. Sie strangulierte ihn wie eine Puppe, seine ganze Kraft war nichts im direkten Vergleich zu ihrer. Scarlett riss ihn in Stücke.

“Los komm. Holen wir die Krone.“

Den Deckel des Sarkophags hob siemühelos an, darunter kam eine ausgetrocknete, balsamierte Mumie zum Vorschein. Abubakari II. schenkte ihr mit seinen verrotteten Lippen und den schwarzen Zähnen ein krummes Lächeln. Fast so als freue er sich sie beide zu sehen. Auf seinem Haupt ruhte ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst. Ein Kopfreif fast so breit wie ihre Hand, eine Krone die über und über nur so vor Diamanten und Saphiren stach. Es waren Gravuren aus Silber in das Gold eingearbeitet, Runen in einer Schrift noch Jahrhunderte älter als die Zivilisation über ihnen. Als Clark die Fackel über die Mumie hielt wäre Scarlett fast geblendet worden weil das Licht sich in dem Metall und den Edelsteinen tausendfach spiegelte und brach “Das ist sie.“ Sagte Scarlett hoffnungsvoll.

“Das ist sie nicht.“ Meinte Clarke bitter.

“Was? Aber…?“

“Gold.“ Sagte er.

“Was ist damit?“

“Das ist viel zu weich, hübsch aber schwach.“ Sagte er und trommelte demonstrativ mit den Fingerspitzen dagegen “Die ersten Kronen der Geschichte waren aus Eisen. Sie mussten hart sein. Spröde, aber auch stark und unbeugsam. Das war viel wichtiger als der schöne Schein, Pracht oder Bequemlichkeit.“

“Also, wenn sie das nicht ist, welche ist es dann?“ Scarlett sah sich um, in diesen Bergen an Reichtümern gab es mindestens Fünf Dutzend anderer Kronen, nicht weniger schön, nicht weniger kostbar, nicht weniger eindrucksvoll “Ein Sandkorn in der Wüste.“ Sagte sie monoton. Der Boden jagte ihr elektrische Stöße durch die Fußsohlen bis in die Spitzen ihrer Fingernägel.

“Wo ist der beste Ort um einen Schatz zu verstecken?“ Fragte Clark und sah den König, einen anderen ihrer früheren Großmeister an “Unter einem anderen Schatz.“ Sagte er plötzlich und legte die Fackel zu Boden.

“Los hilf mir! Wir müssen den Sarg hier runter schieben!“ Befahl Clark und stemmte sich gegen den wuchtigen Steinsarkophag.

“Sie ist unter der Mumie?“

“Bewacht vom Großmeister persönlich! Sodass, selbst wenn alles andere in der Kammer gestohlen wird, das wichtigste von allen, unentdeckt bleibt!“

Was Clark große Mühen bereitete war ihr ein Leichts, achtlos und ohne jede Form des Respekts stieß sie den Sarkophag des Königs mit diesem darinnen vom Sockel auf dem er ruhte hinunter. Die Steine darunter zerschlug sie mit den Fäusten. Nach einer mehreren Zentimeterdicken Schicht Mörtel und Granit umfassten ihre Hände in dem Staub und zerbröseltem Gestein etwas Festes. Etwas das hart genug war ihren Hieben zu widerstehen, ohne auch nur einen Kratzer davongetragen zu haben. Scarlett fischte einen schmucklosen, grünroten Reif aus schäbig verarbeiteten Metall heraus und hielt es ins Licht “Das ist die Krone des Narmers, vor der alle Völker auf die Knie fallen.“ Sagte Clark ehrfürchtig und hielt die Fackel näher heran. Es gab keine Zierde, keine Runen, keine Inschriften, keine Insignien des Meisters der dieses Werk erschaffen hatte. Und es gab niemanden, der die Krone je selbst berührt hatte, der die Macht verleugnete die diesem Metall innewohnte. Was Clark als Eisen beschrieben hatte war spröde, rau und unglaublich leicht. Scarlett übte vorsichtig etwas Druck auf den Reif aus um zusehen ob sie ihn zerdrücken konnte, nach kurzem Versuch stellte sie fest das die Kraft von Tausend Vampiren nicht ausreichen würde um der Krone des Narmer auch nur zu schaden.

“Wie kommen wir jetzt hier raus?“ Lenkte sie ihre Euphorie wieder auf die sich bewegenden Wände und die dröhnende Mechanik um sie herum.

“Der da sieht mir nicht so aus als hätte er hier unten großen Hunger gelitten. Irgendwie müssen die da oben ihm Essen hinunter gebracht haben. Los, such nach einer Art Schacht oder Speiselift in den Wänden.“ Er wickelte die Krone in einen Umhang aus roter Seide ein während sie die Wände abtastete.

“Hier drüben ist einer!“ Der Schacht war kaum einen Meter breit und an dessen oberem Ende konnte sie ein Gitter erspähen, aber Zeit und Raum spielten für einen Vampir nur noch eine eher relative Rolle. Und auch wenn es für Sterbliche, die daran nicht gewöhnt waren, eine herbe Tortur bedeutete, war das Zwielichtflitzen ihre letzte Chance. Keine Sekunde zu früh erreichten sie wieder die Oberwelt. Der Boden unter ihnen brach auf, die Erde fiel einfach in einen schier Bodenlosen Abgrund hinein. Die Pyramiden und Tempel wurden verschlungen. Scarlett fand den Weg zurück zu der Höhle hinter dem Wasserfall in der bereits ihre Männer ungeduldig auf sie warteten. Clark ließ das rote Seidenbündel fallen, polternd rollte die Krone über den teils felsigen teils sandigen Boden während er sich übergab. Zwei der Männer nahmen sich ihrer an, während Scarlett eine kalte Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie hatten ihre Ausrüstung zurück und Hedy damit ihre Prothese “Bist du verletzt?“

“Nein. Seht nach Clark.“ Keuchte sie schwer und rang nach Halt. Riley hob das Seidenbündel auf und entrollte die vierte Kleinode des Absoluten.

“Bei allen Dämonen.“ Hauchte er perplex, scheinbar bemüht die Krone nicht einfach fallen zu lassen.

“Wo sind die…die Moxos? Geben sie einfach so auf?“

“Sieh es dir selbst an.“ Meinte Hedy und zog sie wieder auf die Beine hoch “Ohne die Kleinode sind sie nichts.“ Meinte sie und nickte mit abfälliger Genugtuung hinter den Wasserfall der sie von dem Panorama her abschnitt. Scarlett spähte an Hedy vorbei über den Rand der Klippe, unter ihnen im Tal ging die Totenstadt des Abubakaris soeben unter und verschwand von der Landkarte, wodurch das letzte Überbleibsel der Moxos-Kultur, einer Zivilisation die sich mit der der alten Ägypter, Babylonier und sogar Römer messen konnte, aus der Geschichte gebrannt wurde.              
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