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2022 04 10: Stürmische Seele [by Sira-la]

Kurzbeschreibung
OneshotSchmerz/Trost / P12 / Gen
Ezio Auditore da Firenze
10.04.2022
10.04.2022
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10.04.2022 567
 
Tag der Veröffentlichung: 10.04.2022
Titel der Geschichte: Stürmische Seele
Song: „Der Sturm“ von GLORIA
Autor: Sira-la
Kommentar des Autors: Eine kleine zusätzliche Sequenz nach der Flucht aus Florenz. Vielen Dank an meine Beta-Fee, die beste AC-FF-Autorin, die es gibt <3



Stürmische Seele


Ezio stemmte die Fensterläden auf und erschauderte in der kalten Luft, die ihn traf. Das Geräusch der Regentropfen, die auf die Dachziegel über und unter ihm prasselten, dröhnte in seinen Ohren. Solch ein heftiges Frühlingsgewitter hatte er schon lange nicht mehr erlebt, doch es passte zu den Gefühlen, die in seinem Inneren tobten.
Gestern Abend waren sie in Monteriggioni angekommen, hungrig, müde und mit zerschundenen Füßen. Ezio war seinem Onkel sehr dankbar, dass dieser sie bei sich aufgenommen hatte. Ezio hatte die Nacht geschlafen wie ein Stein. Seine Beine taten weh und er mochte sich nicht vorstellen, wie Claudia oder seine Mutter sich fühlen mussten. Im Gegensatz zu ihm hatten sie die letzten Jahre nicht damit verbracht, durch die Stadt zu rennen oder auf Häuser zu klettern.
Ezio wusste, dass sie großes Glück gehabt hatten, überhaupt aus Florenz entkommen zu sein, und wären sie nicht zufällig auf diesen freundlichen Bauern gestoßen, der sie ein großes Stück auf seinem Karren mitgenommen hatte, hätten sie Monteriggioni wohl nie erreicht. Auch so war es knapp gewesen.
Ezio rieb sich über die Schulter. Vieri de’ Pazzi hatte ihnen an der Grenze zu Siena aufgelauert und obgleich Mario Auditore und seine Söldner ihnen zu Hilfe gekommen waren, hatte Ezio in dem Kampf einiges einstecken müssen. Er lächelte grimmig. Die Prellungen taten weh, keine Frage, aber besser er trug sie als seine Mutter oder Schwester. Vieris Männer hatten nicht gezögert, auch die Frauen anzugreifen, und alleine deswegen würde Ezio Vieri töten, sollten sie sich noch einmal begegnen. Ezio wollte Italien so schnell wie möglich verlassen und seine Familie in Sicherheit bringen. Sein Ziel war Spanien, doch zuerst mussten sie sich erholen.
Ezio spürte Feuchtigkeit auf seinen Wangen. Er hob eine Hand, um sie ärgerlich fortzuwischen, doch dann ließ er die Tränen zu. Vor nicht einmal zwei Wochen hatte er seinen Vater und seine Brüder verloren. Zeit zu trauern hatte er allerdings bisher nicht gehabt. Es war der erste Tag seit der Hinrichtung, an dem Ezio nicht um sein Leben oder das der Frauen fürchten musste. Es war der erste Tag, an dem er den Schmerz wirklich zulassen konnte.
Ezio umklammerte das Holz des Fensterrahmens so fest, dass seine Knöchel weiß hervorstachen. Der Lärm, den der Sturm verursachte, schien lauter zu werden, als Ezio seinen Gefühlen erlaubte, herauszubrechen. Schluchzend kauerte er sich zusammen.
Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als er eine sanfte Berührung an seiner Schulter spürte. Tränen verschleierten seine Sicht, als er aufblickte.
„Claudia“, sagte er mit rauer Stimme, als er seine Schwester erkannte.
Sie kniete sich vor ihn. Auch ihr liefen Tränen über das Gesicht, als sie sich schweigend an ihn kuschelte. Ezio legte seine Arme um ihren schmalen Körper und zog sie an sich. Der Sturm ebbte ab, während die Geschwister gemeinsam trauerten.
Als Ezio schließlich aufstand und die Fensterläden schloss, verschloss er gleichzeitig auch sein Herz. Er würde das Gefühl von Verlust, Schmerz und Angst erst wieder zulassen, nachdem er all jene vernichtet hatte, die seine Familie auf dem Gewissen hatten. Er war Ezio Auditore da Firenze. Und seine Feinde würden lernen, seinen Namen zu fürchten.
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