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Can I stay ?

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Harry Styles Louis Tomlinson OC (Own Character)
08.04.2022
30.09.2022
33
59.285
9
Alle Kapitel
42 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.09.2022 1.946
 
Ganz viel Danke für inzwischen 31 Favos. Das ist unglaublich <3




Vor der Wohnungstür blieb Harry stehen, stellte seinen Rucksack ab und atmete zittrig auf.
Es wäre so einfach ohne Abschied aus der Tür zu marschieren, sie hinter sich zuzuknallen und zu verschwinden, und für einen Moment war er versucht genau das zu tun.
Er wollte sich nicht umdrehen, wollte nicht sehen was er zurück ließ, das behagliche Nest, das Louis sich hier geschaffen hatte nicht verlassen um es wieder gegen einen Käfig einzutauschen, der mit seinen vergoldeten Stäben schön war und hell leuchtete, doch im Gegensatz zu einem Feuer im Ofen nur selten wärmte.
Da es selbstverständlich nicht in Frage kam ohne Abschied zu gehen riss Harry sich zusammen und drehte sich um, und wie erwartet traf ihn Lous Anblick wie ein Schlag ins Gesicht.
Da stand er, der kleine Rosenbusch, und sah genauso aus wie er war:
Süß, verwuschelt, bezaubernd… Und ein wenig verdorben, wie das schiefe Grinsen bewies, welches Harry fast in die Knie zwang.

„Du hast mir gerade auf den Arsch geguckt, habe ich Recht ?“ vermutete er lachend, und Louis zuckte mit den Schultern.
„Hättest du an meiner Stelle auch getan.“
„Nein, ich kenne meinen Arsch.“
„Joa. Ich jetzt auch.“
Sie grinsten sich an, doch das Lachen verging Harry schnell wieder.
Er fragte sich ob er Louis heute Abend im Chat anschreiben konnte, oder ob er bis dahin geblockt wurde weil klar geworden war dass er nicht den „verlorenen Jungen“ spielen würde und Louis ihm den Schlafplatz kein zweites Mal zur Verfügung stellen musste.
Dem düsteren Augenblick zum Trotz drängelte sich Clifford an Louis vorbei in den Flur um zu überprüfen ob es etwas zu verpassen gab und wuselte zu Harry, dem ein Kloß in den Hals rutschte als er sich hinunterbeugte um ihn zum Abschied noch einmal zu kraulen.
„Machs gut, Clifford. Du passt gut auf ihn auf bis ich wieder da bin, nicht wahr ?“ nahm er dem Hund ein Versprechen ab bevor er sich wieder aufrichtete.
Louis stand noch immer so süß, verwuschelt und bezaubernd da, und er zog ein Gesicht dessen Ausdruck Harrys Stimmung ziemlich genau wiederspiegelte.
„Oh Gott… Warum guckst du denn jetzt so ?“
„Weil das mein Gesicht ist ?“
“Aber gerade hast du noch nicht so geguckt ! Ich kann nicht gehen wenn du so guckst !“
„Wie soll ich denn sonst gucken ? Das ist mein Gesicht !“
„Louis, ich bitte dich, mach es mir doch nicht so schwer, ich…“

Harry stockte als er draußen ein Auto vorbei fahren hörte, sofort erkannte er den Klang des Motors, der ihn so oft durch die Weltgeschichte kutschierte.
Gleich würde Shelly merken dass sie an ihrem Zielort vorbei gefahren war, würde den luxuriösen Wagen wenden und ihn vor Louis Haus abstellen.
Und dann musste er raus.
Dies waren ihre letzten Sekunden, die letzte Gelegenheit, und auch wenn die Angst davor wieder abgelehnt zu werden an ihm nagte wollte Harry sie nicht ziehen lassen, immerhin bestand die Möglichkeit dass Lou ihn nicht abweisen würde, und wenn doch… Nun, dann musste er sich zumindest keine Vorwürfe machen es nicht wenigstens versucht zu haben.

Mutig trat Harry auf ihn zu, strich ihm mit einem Finger sanft über die Wange und fuhr hinunter bis zu Lous Kinn, wo er seinen Finger parkte und einen Augenblick wartete bevor er sich ihm weiter näherte, langsam, um ihm so lange wie möglich die Gelegenheit zu geben sich zurück zu ziehen, doch nichts geschah.
„Okay ?“ vergewisserte er sich kurz vor seinem Ziel, nur um sicher zu gehen.
Das Schweigen genügte ihm als Antwort, vorsichtig legte er seine Lippen auf Lous, schloss die Augen und bemerkte wie seine Knie weich wurden als er tatsächlich nicht abgewiesen wurde.
„Du wirst mir bestimmt fehlen…“ hauchte er, streifte Louis Lippen abschließend mit seinen und verschloss sie schnell wieder weil er merkte dass er den innigen Kontakt doch noch nicht enden lassen wollte.
Nur noch eine Sekunde, noch ein bisschen bleiben und Lous Wärme spüren, den Kuss noch eine Sekunde länger halten, der so unschuldig daher kam dass es schon beinahe lächerlich war…
„Wir chatten...“ nuschelte Louis undeutlich gegen seine Unterlippe, und Harry löste sich schweren Herzens von ihm.

Das klang immerhin nicht danach geblockt zu werden, war aber bestenfalls ein schwacher Trost.
Er war sich sicher es aus eigener Kraft nicht aus der Tür zu schaffen, jetzt nicht, in einer Stunde nicht, und überhaupt nie mehr, trotzdem kündigte er an: „Ich muss jetzt. Das ist Shellys Auto.“ als das bekannte Motorengeräusch erneut vor dem Haus entlangtuckerte.
Behutsam wollte er Louis von sich schieben um ein letztes Mal in sein hübsches Gesicht zu sehen, doch dieser schlang die Arme fest um seine Hüfte und schmiegte den Kopf an seine Brust.
„Ach, Stachelstrauch… Du hast die ganze Nacht Zeit und wirst erst kuschelig wenn wir uns verabschieden ? Super Timing…“ brummte Harry in seine Haare als er das Kinn darauf abstütze und seinerseits die Umarmung erwiderte.
„Ich habe doch in deinem Arm geschlafen.“ erinnerte Louis ihn, gab ihn unvermittelt wieder frei und trat einen Schritt zurück.
„Ja. Aber ich nicht in deinem. Es macht einen Unterschied ob man kuschelt und zurück gekuschelt wird, oder… Eben nicht. Ich bin eigentlich gerne der kleine Löffel, weißt du ?“
„Also… Das nächste Mal mein Schwanz an deinem Arsch ?“
„Du bist unmöglich ! Hast du gar keinen Sinn für Romantik ?“
„Aber is doch so wenn du der kleine Löffel bist.“ zuckte Louis grinsend mit den Schultern, und Harry kratzte alles an Willenskraft zusammen um den Blick endlich abzuwenden, seinen Rucksack aufzuheben und die Hand an den Türgriff zu legen.

„Guten Morgen Harry. Na, alles gut ? Meine Güte, ist das eine Kälte heute. Was für ein hübsches, kleines Häuschen. Wie kann er sich das leisten ? Du sagtest doch er kann nicht arbeiten weil er irgend so eine Angstgeschichte hat ? Wohnt er da alleine ?“ packte Shelly das verbale Maschinengewehr aus kaum dass die Autotür hinter ihm zugefallen war.
Harry verzichtete darauf zu erwähnen dass der Bewohner des hübschen kleinen Häuschens mindestens ebenso hübsch war und warf einen Blick zurück, den er sich den Weg von Louis Haustür bis zum Auto erspart hatte.
Wehmütig stellte er fest wie Recht sie hatte, Lous Haus war wirklich verdammt hübsch.
Von außen kleiner als es von innen wirkte, mit einem winzigen Fenster in einem winzigen Dach, welches wahrscheinlich zu dem „coolen Dachboden“ gehörte, schneeweiß, mit dunklen, schräg zueinander laufenden Holzbalken quer über die Außenfassade, welche in der Tat an eine Stallung erinnerten und deren Anblick ihn sofort in Gedanken an das knackende Feuer im Wohnzimmer und zu Louis in seinem Arm zurück warf.
Zu seinen blauen Augen, die in Wirklichkeit viel blauer waren als es das Profilfoto hatte vermuten lassen, zu seiner Stimme, die nach geschmolzener Schokolade klang und zu dem durch und durch hinreißenden Anblick, den er heute Morgen abgegeben hatte als er bis zur Nase in seine Decke verkrochen auf dem Sofa vor sich hingefroren hatte weil seine Krankenschwester die Tür zum Garten offen gelassen hatte.

„Alleine mit seinem Hund.“ murmelte Harry abwesend, nur um Shelly endlich eine Antwort zu geben.
„Alles okay ?“
Nein ! Was soll ein Vogel im Käfig wenn er lieber ein Nest hätte ?
„Ja, ich bin müde.“ log er, lehnte den Kopf gegen die Scheibe des Wagens, betrachtete kurz den vorbeiziehenden Gehweg, auf dem er heute Nacht neben Louis entlang zu seinem Haus gelaufen war und schloss niedergeschlagen die Augen.
„Ich frage besser nicht nach, so genau will ichs gar nicht wissen. Schön dass sich die Fahrerei wenigstens gelohnt hat. Dein Kühlschrank war gestern ziemlich leer. Was soll ich dir zu essen organisieren ?“
Widerwillig öffnete Harry die Augen wieder und besann sich auf die Gegenwart, die absolut nichts mit Lou zu tun hatte, sondern mit Shelly, die versuchte ihn zum Reden zu bringen, vielleicht um zu ergründen wie es ihm gefallen hatte mal wieder ein „normaler Mensch“ zu sein, vielleicht um herauszufinden ob wirklich alles okay war, vielleicht auch einfach nur aus Freundlichkeit.

Im Rückspiegel fing er ihren prüfenden Blick auf und zwang sich seiner Stimme einen fröhlichen Klang zu geben obwohl er kein Interesse an einem Gespräch hatte.
„Du weißt was ich mag. Such was aus.“
„Wie wärs mit Sushi ? Das hattest du lange nicht. Ich lasse dir welches bringen wenn du Lust darauf hast ?“
„Ja.“ stimmte Harry gleichgültig zu, dabei war dies ein Aspekt seines Lebens den er tatsächlich sehr zu schätzen wusste.
Man trug ihm gerne den Arsch hinterher um ihn bei Laune zu halten und ihm den Käfig so angenehm wie möglich zu gestalten.
Wollte er etwas musste er es nur sagen und irgendjemand wurde geschickt es ihm zu bringen.
Trotzdem gab es Grenzen.
Würde er Shelly jetzt zum Beispiel mitteilen dass sie das Auto wenden musste weil alles essbare worauf er Lust hatte milchpampiges Müsli neben Louis auf dem Fensterbrett war würde sie ihn fragen ob er noch alle beisammen hatte und ihm mit ein bisschen Pech den Einlauf seines Lebens verpassen, und darauf konnte er gerade wirklich verzichten.

„Stört es dich wenn ich die Scheibe hoch mache ?“ erkundigte er sich höflich als er spürte wie ihr Blick im Rückspiegel schon wieder auf ihm lag.
„Gehe ich euch etwa auf die Nerven, eure Unausgeschlafenheit ?“ gab Shelly lachend zurück, und Harry schüttelte hastig mit dem Kopf.
„Nicht doch. Ich will arbeiten.“ log er ein weiteres Mal, zog zum Beweis seine Schreibmappe unter dem Sitz hervor und hielt sie hoch um Shelly anzuzeigen dass er an unfertigen Songs herumschreiben wollte, was ihm zumindest eine Weile lang Frieden garantierte, da sie wusste dass er gerne Ruhe beim Arbeiten hatte.
„Okay, mach dir keine Umstände, ich fahre sie hoch. Bis dann.“ stimmte Shelly zu, drückte einen Knopf an der Mittelkonsole des Wagens, woraufhin die blickdichte Scheibe nach oben fuhr, die Vorder – und - Rücksitz bei Bedarf voneinander trennte.

Harry warf die Schreibmappe neben sich auf den Sitz, zog sein Handy aus der Tasche und starrte auf den kleinen Bildschirm während er überlegte ob er Louis schreiben sollte.
Einerseits wollte er ihm nicht zu übertrieben auf die Pelle rücken, doch andererseits hatte Louis seinen Kuss zugelassen, und obwohl er so unschuldig und ohne das kleinste bisschen Zunge gewesen war hieß das doch etwas, zumal er diese Annährung während der Nacht im Park von vornherein abgelehnt hatte.
Er tippte und schickte die Nachricht schnell ab bevor er es sich noch einmal anders überlegen konnte.
„Ich weiß dass man nach einem Date mindestens sechs Stunden warten soll bevor man sich meldet, aber manchmal bin ich ein Rebell. Danke dass du mich kein zweites Mal weggeschoben hast. Glaube das hätte ich nicht so locker weggesteckt wie beim ersten Mal.“
Beinahe sofort erschien Louis Antwort auf seinem Handy.

„Hat man dir angesehen.“
„Dann hast du meinen Kuss nur zugelassen weil ich so armselig ausgesehen habe ?“
„Ne, so armselig und sexy ;)“
„Du siehst es nicht, aber ich verdrehe gerade die Augen.“
„Das würdest du in meinem Bett auch tun :)“
„Fängst das jetzt wieder an ? Du bist wirklich unmöglich !“
„Als ob du das nicht mögen würdest ;) Außerdem war das alles, aber kein Kuss.“
„Nein ? Für mich schon.“
„Oha ! Da küsse ich ja meine Schwester leidenschaftlicher. Kommst du heute Abend online ?“
„Nein ! Kannst ja mit deiner Schwester chatten.“
„Red keinen Scheiß, Vögelchen, du stehst doch voll auf mich :D


Lächelnd ließ Harry das Handy sinken. Ja. Ja, er stand auf Louis, und war sich zudem sicher das beruhte auf Gegenseitigkeit, auch wenn er jetzt wieder die große Klappe hatte und Harry wusste dass er cooler tat als er in Wahrheit war.
Seufzend griff er nach seiner Schreibmappe.
Das Gefühl der Frustration weil er zurück in seinen Käfig musste wollte irgendwohin, und die einzige Möglichkeit die ihm blieb ohne sie lauthals hinauszubrüllen und Shelly so den Schreck ihres Lebens einzujagen war sie aufzuschreiben.
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