Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

new Horizons (3)

von JaneS
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Chris Fehn Corey Taylor Craig Jones Joey Jordison OC (Own Character) Sid Wilson
04.04.2022
11.08.2022
44
260.020
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
04.04.2022 5.887
 
Versprechen




Fiepen. Das war das Erste, was ihm auffiel, dieses penetrante Fiepen in seinen Ohren. Es war wie das schrille Kreischen einer Geige, hoch frequentiert und Glas zum Splittern bringend laut fiepte es in seinem Kopf, dann spürte er Druck. Unglaublich hohen Druck, der auf seiner Brust lag und auch seinen Arm zurecht rückte. Vollkommen benebelt und wie ausgeschaltet durch dieses Fiepen versuchte er, die Augen zu öffnen, doch sein Körper gehorchte diesem stillen Wunsch nicht so richtig, stattdessen setzte Schmerz unvermittelt hart und heftig ein. Sein Bein, es schmerzte wie die Hölle, der Schmerz aber war wie ein Konter gegen das Fiepen, welches sich für wenige Millisekunden absenkte und ihm Zeit zum Atmen schenkte. Ein Atemzug, tief und röchelnd, diese Luft ausatmend und gar nicht richtig wahrnehmend, wie sich sein Oberkörper dabei hob und senkte atmete er noch einmal hastig ein. Luft, er brauchte die Luft, das half ihm, den Nebel zur Seite zu drücken und dieses Fiepen in den Griff zu kriegen, welches ihm sonst den Schädel sprengen würde. Doch das alles, dieser ganze Vorgang dauerte eindeutig zu lange, Sekunden verstrichen, in denen er nur ein- und ausatmete und nicht richtig zu sich kam. „Öffne deine Augen schon, du Blindfisch musst die Welt um dich herum doch sehen können.“, bat eine Stimme ihn, die ihm auch durchaus vertraut vorkam, doch seine Augen gehorchten ihm noch immer nicht so recht, stattdessen flatterte sein Blick in das grelle Licht und autsch, das war ja fast noch schlimmer zu ertragen als der Schmerz in seinem Bein. „Benny, mach die Augen auf. Du gehörst nicht in diese Zwischenwelt, du musst leben.“, sagte diese Stimme nun schon eindringlicher, weshalb er wieder einatmete und diesen Luftzug sehr viel deutlicher wahrnahm als die anderen zuvor. Welche Zwischenwelt? Wo war er, was war denn überhaupt geschehen? Und warum war alles so schwer, so voller Schmerz und warum zum Himmel noch eins verstummte dieses Fiepen nicht? „Du hast zu viel Blut verloren, der Schnitt an deinem Bein war zu tief und hat eine große Arterie verletzt. Das Fiepen kommt von der Explosion, aber Ben, kämpfe. Denk an deine Kinder, denk an Jules. Du musst kämpfen. Deine Zeit ist noch nicht gekommen, ich kann dich nicht mitnehmen. Ich bin hier, um dir zu helfen, also krieg deinen Arsch hoch, du Blindfisch von einem Blödmann und mach endlich deine beiden Guckerchen auf!“, schimpfte Amy ihn an und das war ein Tonfall, gegen den er sich wehren wollte, doch er konnte nicht sprechen. Atmen konnte er, selbst das fiel unglaublich schwer und tat weh. Sein Bein brannte wie die Höllenfeuer und dieses Fiepen machte einen wahnsinnig, woher kam nur dieser ekelhaft penetrante Ton? Und was zum Geier redete Amy da von einer Explosion?„Benjamin, mein Schatz, ich bin hier bei dir. Wir sind hier, du bist nicht allein, aber Amelia hat Recht. Du musst kämpfen, sei stark und gehe einen Schritt nach dem anderen. Erinnere dich an dich selbst, dann an die Kirschblüte, die ich dir schenkte. Erinnere dich an das Leben und kämpfe, mein Engel, du schaffst das, ich weiß es.“, murmelte nun eine andere Stimme sehr viel sanfter und weicher, melodischer und etwas tiefer als Amelias Stimme, weshalb er es erneut versuchte. Er versuchte ja, die Augen zu öffnen, seiner Mom wollte er nämlich ins Gesicht sehen, wollte ihr zeigen, dass er kämpfte. Und es gelang ihm so halbwegs, beim dritten oder vierten Anlauf nahm er tiefer Luft als zuvor und strengte sich an, aus dem Flattern wurde ein halber Augenaufschlag und aus dem grellen Weiß um ihn herum drangen Schemen hervor, verschwommene Schatten, die sich da über ihm bewegten. „Gut so, du machst das gut. Atme weiter, konzentriere dich auf deinen Herzschlag, Benjamin. Und dann öffne die Augen, ich bin hier und halte deine Hand, so lange ich kann.“, murmelte seine Mutter und in der Tat spürte er die wärmende Berührung einer Hand an seinen Fingern, was ihm die nötige Ruhe schenkte, um sich zu konzentrieren. Das fiel unglaublich schwer und kostete eine Menge Kraft, dennoch atmete Ben tief ein und auch wieder aus, sehr viel ruhiger und nicht mehr ganz so röchelnd. Sein Herzschlag war der nächste Punkt, dort lag der Druck auf seiner Brust, kam das durch ihn selbst? Nein, irgendwas drückte da auf ihn drauf, deshalb fiel ihm das Atmen also so schwer! Dennoch konzentrierte er sich statt auf dieses schrille Fiepen in seinen Ohren mal auf sein Herz, das wild und unkontrolliert galoppierte und dann mal ebenso unkontrolliert stolperte und eine Pause einlegte. „Du weißt, wie du es beruhigen kannst, mein Engel. 70 Schläge in der Minute, zähl mit mir mit. Du musst nicht sprechen, denk dir die Zahlen ruhig und konzentriere dich nur auf dich und meine Stimme, mein Schatz. Zusammen schaffen wir das, mach die Augen auf und sieh mich an, Benny.“, bat seine Mom erneut und deshalb blinzelte er, lauschte ihrer Stimme und zählte in Gedanken mit ihr mit, gleichzeitig versuchte er, sich selbst zu beruhigen und in den Griff zu kriegen. Und es gelang ihm, die Augen kurz zu öffnen und zu seiner Mom zu linsen, die über ihn gebeugt auf dem Boden kniete und den Druck auf seine Brust ausübte, sie drückte immer und immer wieder auf ihn drauf, als würde sie ihn beleben wollen. „Gut so.“, murrte Amy auf der anderen Seite und wiederholte damit die Aussage seiner Mom, doch Ben schloss angestrengt auf das Zählen konzentriert die Augen nur wieder und fühlte sich schrecklich erschöpft, das war furchtbar anstrengend. „Was hat Colbey dir beigebracht, Benny?“, fragte Amy und rüttelte an seinem Arm herum, etwas piekste ihn und deshalb öffnete er wieder die Augen, um Amy anzusehen, die ihm da weh tat. Er sah nur ihren Umriss und ihren Schatten, alles war verschwommen durch das viel zu grelle Licht hier. Colbey, wer war Colbey, von wem redete Amelia denn überhaupt? Fragen konnte er nicht, es entwich ihm nur ein geröcheltes Stöhnen und ein Husten, weshalb er wieder zu seiner Mom linste und sie fragen wollte, von was Amy da quatschte. Und seine Mom berührte seine Stirn, dieser Schatten da schien zu lächeln und näher zu kommen, denn sie beugte sich weiter herab und nun erkannte er die Schemen ihrer so weichen und braunen Augen. „Erinnere dich an dich selbst, Ben. Atme, lass dein Herz schlagen. Erinnere dich an die Kirschblüten. Und dann wirst du dich an die Magnolien erinnern, an die Rosen und die Lilien und auch an die Nelken, diese Blumen sind dein Wegweiser. Ich bin bei dir, hab keine Angst vor dem Leben, mein Engel. Sieh mich an, sieh mir in die Augen und erinnere dich.“, bat diese Frau ganz sanft und weich, dabei berührte sie seine Stirn wieder und half ihm irgendwie, aber durch die Berührung wurde er noch ruhiger und konnte den Schmerz sowie das Kreischen dieser Geige kurz abschalten. Und der Schemen da, dieser Umriss, er wurde für eine kurze Sekunde ganz klar, nun sah er ihre super tollen braunen Augen und wie liebevoll sie ihn anlächelte. Doch da saß nichts eine Mom, da saß eine Frau, die er sehr liebte und mit der er sein Leben hatte verbringen wollen, oder? Rote Haare, so dunkel wie reife Kirschen, ja, er erinnerte sich dunkel und zaghaft an diese Frau, die ihm so viel bedeutete. Jules, den Namen hatte Amy vorhin benutzt, oder? Ja, das musste ihr Name sein, Jules. Mit der Erkenntnis rauschte es dann durch ihn durch wie ein Wasserfall, Colbey, Lilly, Diego, oh Gott die Kinder! Und damit atmete er wieder ein, allerdings richtig und körperlich, nicht nur mental. „Wunderbar, Ben, kämpfe!“, bat seine Mom da neben ihm und ja doch, er sog die Luft selbstständig tief in die Lungen und spürte das Leben in sich, spürte den Schmerz und die Angst, es nicht zu schaffen und zu sterben. Nein, die ganze Zeit über war er halb tot abgedriftet gewesen und hatte nur in Gedanken all diese Dinge getan, nun atmete er aus und hustete, ehe er noch einmal tief Luft holte und blinzelte. Und da waren Stimmen, um ihn herum waren nicht nur Amy und seine Mom, da waren noch viel mehr Leute. Reale Leute, die ihn hier versorgten und offenbar wiederbelebten, denn er schloss die Augen und öffnete sie wieder, um einer Pflegerin ins Gesicht zu blinzeln, die ihre langen schwarzen Haare zu einem Zopf gebunden trug, der über ihre Schulter fiel und ihn dabei an der Hand kitzelte. „Wir haben ihn!“, sagte diese Pflegerin, die ihm eine Atemmaske ins Gesicht drückte, wo war er und was war passiert? „Wah...was...wo?“, röchelte er aus und griff nach dieser Frau, die ihm die Hand auch gab und ihn ansah. „Bleiben sie ganz ruhig, sie befinden sich in einem Krankenwagen und auf dem Weg ins Medical Care. Wir haben sie gefunden und versorgen ihr Bein. Können sie mir sagen, wie sie heißen?“, fragte diese Frau ihn und drückte sich auf ihn drauf, da Ben sich aufsetzen wollte. Das ging nicht, alles tat ihm weh und großer Gott, auch wenn es hier nicht mehr so grell war und er nun auch links von sich einen jungen Mann mit blutigen Handschuhen ausmachen konnte, so war er irgendwie total im Arsch. „Sir?“, fragte diese Frau ihn wieder und richtete die Atemmaske, Ben schüttelte aber nur erledigt den Kopf und ließ sich wieder auf diese Trage sinken, er hatte für so einen Blödsinn hier keine Kraft mehr. „Sir? Er driftet ab, Vitalfunktionen sind stabil, Sauerstoff liegt bei knapp 88 Prozent. Jungs, wie geht es dem Bein?“, fragte sie, doch den Rest bekam Ben gar nicht mehr mit. Es interessierte ihn auch schlichtweg nicht mehr, denn mit geschlossenen Augen konzentrierte er sich auf sich selbst. Benjamin Phillip war sein Name, er war noch 26 Jahre alt. Geboren worden war er in Ankeny, das war ein Stadtteil von Des Moines in Iowa, daran erinnerte er sich. Seine Haare waren rabenschwarz, genau wie die seiner Mom. Seine Augen aber waren eisig Blau, irisierend und kalt wie die der Fehns, alle Fehns hatten mit ganz wenigen Ausnahmen nur diese typisch blauen Augen. Seine Mom hieß Elá mit Vornamen, sie
war eine gebürtige Deutsche und war einen Tag nach seiner Geburt gestorben, er hatte sie nie im Leben auch nur einmal umarmen dürfen. Aber sie war ihm trotzdem nahe, sie hielt seine Hand, so lange sie konnte und durfte, ja das tat sie immer. Und sie half ihm, sich zu erinnern, Rosen und Kirschblüten, das waren ihre Lieblingsblüten gewesen. Und Lilien, die hatte sie auch sehr gemocht. Sein Dad war Christopher Michael Fehn, ebenfalls in Ankeny geboren und aufgewachsen hatte der Mann später eine Karriere als Rockmusiker hingelegt, ehe er selbst dann in dieses Leben gepurzelt war und sein Dad für ihn alles aufgegeben hatte. Seine Eltern liebten ihn, mehr als das, er wusste das. Die Lieblingsblüten seines Dads waren Magnolien und Kirschblüten, Jules trug diese Blüten als Tattoos auf dem Unterarm in der Beuge, daran erinnerte er sich auch. Jules, sie war ebenso eine gebürtige Deutsche, sie hatte ihm die Augen für die Wunder dieser Welt geöffnet, oh ja das hatte sie. Und sie hatte ihn geheiratet, spontan und voller Innigkeit hatten sie sich geschworen, einander stets zu lieben und zu achten, zu ehren und das, bis das der Tod sie scheiden möge. Der Tod, war er tot? Nein, er spürte Emotionen, wenn er an diese Menschen dachte, er spürte Leben in sich, wenn er einatmete. Diese Maske drückte ihm auf die Nase, weil sie schief saß. Da war Druck an seinem Arm, ebenso fuhrwerkte da jemand an seinem Bein herum, auch das spürte er. Im Tod konnte man nichts mehr spüren, oder doch? Amy hatte gesagt, er würde sich in einer Zwischenwelt befinden, wo er nicht sein dürfte oder hingehörte, war er also vielleicht nur knapp dem Tod entkommen? Was genau war geschehen, warum fiepten seine Ohren so? Eine Explosion, davon hatte Amy doch auch etwas gefaselt. Ja, leise und schwammig erinnerte Ben sich an das Blut an seinem Bein, welches einfach nicht hatte aufhören wollen zu strömen wie irre. Eine Arterie war bei dem Autounfall verletzt worden, das Blech der Abdeckung hatte sich in sein Bein gedrückt, damit war er noch einige Meter weit gehumpelt, ehe der Schmerz ihn in die Knie gezwungen hatte. Colbey war da gewesen, hatte ihm das Bein abgebunden und die Scherbe gezogen, Colbey hatte ihn nicht aufgegeben und um ihn gekämpft. „...‘ch lieb di… ch…“, brummte er halb ohnmächtig und erinnerte sich an diesen Abschied, er erinnerte sich an das Auto und dann war alles nur noch ein schwarzer Knall, der ihm die Ohren fiepen ließ. Ein schwarzer Knall, er ihn zu Amy und seiner Mom in diese Zwischenwelt katapultiert hatte, offenbar mit Hyperschallgeschwindigkeit, so wie ihm die Ohren sausten. Aber das war doch Blödsinn, er war schon einmal in dieser Welt zwischen dem Leben und dem wahrhaftigen Tod gewesen, damals hatte seine Mom ihn an der Kirschblüte riechen und damit einem Atemzug tätigen lassen, der ihm das Leben gerettet hatte. War er also vielleicht doch nur knapp dem Tod entkommen, ein zweites Mal schon? „Schlaf, mein Liebling. Wir sind hier bei dir, wir passen auf dich auf. Ruhe dich aus und sammele deine Kräfte.“, bat die Stimme seiner Mom und das war doch eine hervorragende Idee, Schlaf war genau das, was er brauchte. „...kay…“, murmelte er noch und ließ sich in einen schwarzen, traumlosen und tiefen Schlaf fallen, wo er kein Fiepen mehr hörte, keinen Schmerz mehr spürte und für den Moment vergaß, wer er war und warum das Leben für ihn noch nicht vorbei sein konnte.

Vier Monate später:
„Drück hier unten hin. Komm schon, du schaffst das, noch einmal und hol tief Luft!“, sagte die Hebamme, deren Name Ben zwar nicht kannte, aber das war egal. Catalanas Hand haltend und sie dabei halb stützend, da sie in der Hocke saß und ganz erschöpft von den Wehen war, konzentrierte er sich auf das Wesentliche und das war nun mal die Schwangere, die gerade ein Baby bekam und sich gegen ihn lehnte, derweil die Presswehe ihr die Luft abschnürte. „Ich bin bei dir, Catalana. Ich halte deine Hand, so lange ich kann. Press, sie ist gleich da. Komm schon, Mama.“, bat er und kniete sich hin, sodass Catalana mit dem Rücken gegen seine Brust fiel und er mit beiden Händen ihren Bauch berühren konnte. Sie ließ seine Hand nicht los, klammerte sich seit mehr als vier Stunden an ihn und kämpfte mit jeder Wehe immer mehr, das alles kannte er ja schon. Und sie wurde laut dabei, sie schrie den Schmerz heraus und seufzte, stöhne erschöpft, als die Presswehe endlich kurz innehielt, um ihr Luft zu schenken. „Wunderbar, noch einmal, Luft holen und gib Gas, na hopp.“, murmelte er ihr zu und sah über ihre Schulter, die Hebamme hatte ihr vorhin schon dieses Hemdchen ausgezogen und ihr lediglich so ein komisches Mulltuch-Schlauchding um die Brust gezupft, sodass sie ansonsten ganz nackt hier vor ihm saß und die Hebamme das Kindchen sehen konnte. Catalana störte sich nicht daran, stattdessen drückte sie mit aller Kraft und half nach, indem sie mit seinen Händen zusammen von oben auf ihren Bauch drückte, der steinhart war und sich rhythmisch zusammen zog. „Weiter, weiter, weiter, los Catalana und noch einmal. Luft holen, ihr macht es spannend.“, meinte die Hebamme und grinste ihn an, Ben nickte und strich Catalana die langen Haare mit der freien Hand aus der verschwitzten Stirn, ehe sie sich wieder krümmte und die Luft gespresst ausatmete. Hier im Kreißsaal des Medical Care gingen offenbar alle davon aus, das Catalana seine Frau sei, hieß sie ja seit einiger zeit ebenfalls Fehn mit Nachnamen. Ihm war das Schnuppe, es hatte ihm die Türen zum Kreißsaal geöffnet und ließ ihn sein Versprechen einhalten, er durfte Catalana bei der Geburt unterstützen und blieb bei ihr, so wie sie sich das von ihm gewünscht hatte. „Ich sehe Haare, Catalana. Wunderbar dunkle Haare. Drück weiter. Drei, Zwei und das Köpfchen ist fast durch. Atme, tief in den Bauch hinein, Liebes. Genau, tief einatmen.“, bat die Hebamme und lachte ihn wieder an, Ben hingegen sah an Catalana herab und sah eigentlich nichts als die blutigen Handschuhe der Hebamme. „Una vez más!“ (Noch einmal!), seufzte Catalana und presste, mit aller Kraft und mit der letzten bisschen Reserve offenbar, denn sie stützte sich komplett an ihm ab. Würde Ben ihr irgendwie helfen können, er würde es tun, doch mehr als sie stützen war im Moment nicht drinnen, deshalb hielt er sie fest, hielt ihr Bein, welches zitterte von der Anstrengung und küsste ihre Wange liebevoll, sie machte das doch alles ganz großartig und tapfer mit. „Puedes hacerlo, estoy orgulloso de ti. La veo, ella está aquí con nosotros.” (Du schaffst das, ich bin stolz auf dich. Ich sehe sie, sie ist gleich bei uns.), murmelte Ben und hielt sie weiter fest, derweil sie drückte und sich mit der freien Hand nun an der Hebamme fest krallte. „Wenn die Wehe vorbei ist, dann möchte ich, dann du da oben nach dem Tuch greifst und dich daran ein wenig aufrechter ziehst. Du sitzt zu tief. Mister Fehn, kommen sie mal hierher, halten sie Catalana. Ich helfe mit dem Tuch, so wird das hier nur unnötig länger dauern.“, bat die Hebamme dann und erhob sich, zog dabei die Handschuhe aus und was, er sollte da jetzt vor Catalana knien? Etwas unsicher ließ er das Mädel los und rutschte auf dem Boden herum, sodass er ihr frontal zwischen die Beine sehen konnte. Himmel, also, so hatte er das bei Lilly auch noch nicht gesehen, aber egal, er wollte da sein und helfen und Catalana nicht noch unsicherer werden lassen. „Oh Dios!“, seufzte die werdende Mama, die sich nun mit beiden Händen in eines der von der Decke hängenden Tücher wickelte und sich daran festhielt, ehe sie sich mit den Beinen abdrückte und bei der Presswehe ein Stück weit aufstand. „Höher, Catalana, halte dich hier fest. Ich hab dich, drück den Rücken durch und press!“, bat die Hebamme hinter Catalana, die gerade einen Stuhl herbei zog, um der Schwangeren eine Stützte zu geben. Die Frau hatte das Augenmerk nicht bei der Geburt, Ben hingegen schon und er sah hier, was da gerade abging. Catalana richtete sich auf, zog sich hoch und drückte dabei so fest es ging, durch die veränderte Position flutschte die Geburt dann auch irgendwie schneller, sodass Ben die Hände bei der Sache hatte und Catalana ansah. „Wenn sie kommt, dann landet sie in meinen Armen. Press, Mama. Du schaffst das, gleich… gleich…. Oh du Himmel.“, murmelte er und fing das Kindchen halb auf, Catalana stöhnte und beugte sich vornüber. „Ich hab sie, ich hab Solea. Oh du mein Gott, ich hab sie.“, fügte er überwältigt davon an und hatte das Köpfchen ja gleich schon berührt, nun war das Kind etwas schneller als geplant geboren, die Hebamme kam eilig um Catalana herum und nahm ihm das blutige Bündel Menschlein ab. „Hoppla, das ging jetzt sehr fix. Setz dich, Catalana, ruh dich kurz aus. Hier, deine Tochter. Seht sie euch an.“, bat die Frau und na, das Baby hätte er jetzt auch auf Catalanas Brust legen können, stattdessen blinzelte Ben gegen die Tränen an und rutschte näher zu der frisch gebackenen Mama mit ihrem Kind hin, die sich nun beide zum ersten Mal sahen. „Sieh sie dir an, sie ist wunderschön! Du hast es geschafft, Catalana, ich bin so stolz auf dich. Auf euch beide, du bist endlich bei uns. Hi, du kleiner Sonnenschein. Hey Solea.“, murmelte er und gluckste mit Catalana mit, derweil die Hebamme offenbar einen Arzt verständigt hatte und sich um die Nachgeburt kümmerte, die noch kommen musste. „Oh mi querido. Tiene la piel oscura, Ben, tan oscura como la mía. Gracias por traer mi milagro al mundo!” (Oh mein Schatz. Sie hat dunkle Haut, Ben, so dunkel wie meine eigene. Ich danke dir, du hast mein Wunder auf die Welt geholt!), seufzte Catalana ihm entgegen und ließ sich erschöpft mit der Stirn an seine sinken, sodass sie zusammen zu dem Kind sehen konnten, welches munter vor sich hin quäkste. „Ella es tan hermosa como su mamá. Te dije que me quedaré contigo y te ayudaré en lo que pueda. Cumplo mis promesas, querida. Mira qué pequeños son sus pequeños dedos.” (Sie ist genauso wunderschön wie ihre Mama. Ich hab dir gesagt, ich bleibe bei dir und helfe, wo ich nur kann. Ich halte meine Versprechen, Liebes. Sieh, wie winzig ihre Fingerchen sind.), antwortete er und drückte Catalana gleich nochmal einen glücklichen Kuss auf die Backe, ehe er aufstand und dem Arzt Platz schaffte, der Solea nun untersuchen würde, derweil Catalana versorgt werden musste. „Ich bin so überglücklich, dass du bei mir bist, Ben.“, seufzte das Mädel aus Kolumbien und  strahlte ihn total erledigt an, derweil die Hebamme da nun an ihr herum doktorte und der Arzt mit einer Schwester zusammen ihm eine Schere entgegen hielt. „Ich danke dir, Catalana, dass du mir dieses Erlebnis schenkst.“, murmelte er und nahm die Schere, um die Nabelschnur zu durchtrennen und der Schwester zu zunicken, die ihm das Bündel voll Glück in die Arme legte. „So, hier. Vorsichtig, ihr Köpfchen. Auf zum überglücklichen und blutigen Papa.“, meinte diese Frau und darüber gluckste er gleich nochmal, sah aber zu dem Baby hinab und war glückselig. Vor fast 4 Monaten wäre er bei einem Angriff des Kartells fast gestorben, mal wieder. Sie hatten ihn wiederbelebt und aufgrund des hohen Blutverlustes hatte er fast volle drei Tage nur geschlafen, ehe er langsam aber sicher zu sich gekommen war. Und nun, trotz des knapp entronnen Todes, hielt er ein Wunder in seinen Armen, das neue Leben hier schenkte doch der ganzen Familie Hoffnung. „Hi du kleine Maus. Ich bin so glücklich, dass ich das hier erleben darf, ich darf dich neben deiner Mama als Erster begrüßen. Wie wunderschön du bist, du kleine Kartoffel.“, brummte er und darüber gluckste Catalana neben ihm auf, sie beobachtete ihn und ließ sich ihr Baby zeigen. „Kommen sie, Mister Fehn, säubern wir die Maus mal, vermessen und wiegen sie, ehe sie dann mal ihre erste Windel anziehen darf. Wissen sie, wie das geht oder soll ich ihnen dabei helfen?“, fragte die Schwester, was witzig sein sollte, Ben hingegen grunzte nur. „Das hier ist Nummer Neun im Bunde, ich denke, ich komme klar. Zweimal Zwillinge hab ich mitgemacht, Solea, und Jake nicht zu vergessen sowie Sebastián und Valeria. Da schaffen wir beide es doch, dir winzige Söckchen auf diese kleinen Knubbelzehen zu ziehen, hm? Die Familie will dich sehen, sie warten alle schon auf dich.“, konterte er und darüber hob sogar der Arzt den Blick, alles musterte ihn erst einmal, ehe sie zu Catalana sahen. „Wie alt sind sie denn, junger Mann, das sie so viele Kinder haben?“, fragte der Arzt, worüber Ben grinste und sich das Kind mal abnehmen ließ. „Ich bin 27 geworden vor zwei Monaten. Und wissen sie, die nächsten Zwillinge kommen auch heute oder Morgen, also, ich habe definitiv alle Hände voll zu tun.“, antwortete er und verwirrte den Kerl noch viel mehr, der ihn nun unverhohlen geschockt ansah. „Madre de Dios.“, murmelte Catalana darüber und schmunzelte über ihn, Ben zwinkerte ihr zu und nickte zu Solea, sodass der Arzt das Baby mal verwirrt anblinzelte. „Ich hab fünf Kinder mit meiner Exfrau. Eine Adoptivtochter kommt dazu. Eine Nichte, einen Neffen und meine Schwester bekommt heute oder Morgen ebenfalls Zwillinge, also nicht alle von mir.“, brummte Ben deshalb leise und schaffte
Klarheit, der Arzt nickte beim vermessen des Kindes und grinste ihn unsicher an. „Ah, und nun kommt also Nummer Sechs dazu? Die erste eigene Tochter?“, fragte der Mann ihn, ehe Ben Solea wieder entgegen nahm, um sie vorsichtig auf die Waage zu legen. „Sie ist meine Nichte, nicht meine Tochter. Catalana ist meine Schwester.“, antwortete er nun ruhig und das schaffte Ruhe im Kreißsaal, selbst die Hebamme sah nur hin und her. Ihn belustigte die Verwirrung nur, sein Hauptaugenmerk lag bei dem Kind und nicht bei den Verwandtschaftsgraden hier.

Mit Solea im Arm und Catalana an der Hand lief er ganz langsam aus dem Kreißsaal heraus und führte die beiden in ein Stillzimmer hinein, wo sie sich mal in Ruhe begrüßen und beschnuppern durften. Catalana war fix und fertig durch die langen Wehen, Solea hingegen lag friedlich in seinem Arm und war in eine mitgebrachte Kuscheldecke eingewickelt, die Diego dem Kind gekauft hatte. „So, hier rein, schätze ich. Kommst du hoch?“, fragte Ben und half Catalana stützend in das Bett hinein, wo sie sich endlich mal entspannen konnte. „Si, gracias. Sie ist so friedlich, ist das normal?“, wollte Catalana von ihm wissen, während Ben ihr das Kind gab und ihr half, dieses komische Schlauchding mal auszuziehen. Hier stand ihre Tasche, darin waren ihre frischen Kleider, die würde sie nun gleich mal überziehen können. Diese Netzhöschen waren zwar nützlich, aber nun, bequem waren die eigenen Sachen trotzdem. „Ihr seid beide durch die Anstrengung der Geburt erschöpft, Catalana. Leg sie an deine Brust, lass sie trinken. Ihr werdet dadurch vermutlich beide einschlafen, genieße die ersten Stunden mit ihr, so gut du kannst. Ich bin hier und ich bleibe bei dir. Warte, ich helfe dir. Lilly hat immer versucht zu stillen, aber es wollte einfach nie klappen. Bei Zwillingen ist das so eine Sache, Emmchen und Max hatten einen sehr kräftigen Appetit und wollten die Brust einfach nicht, die Milch aus den Flaschen schmeckte ihnen offenbar besser. Schau, dass sie die ganze Brustwarze im Mund hat, hilf ihr ein bisschen dabei. Und schon schmatzt sie, siehst du?“, murmelte er und stellte die Tasche für Catalana in greifbare Nähe, ehe er ihr dabei half, das Baby mal richtig anzudocken. Lilly hatte es bei allen fünf Kindern versucht, es hatte nie geklappt. Aber als Papa war er natürlich immer mit an der Front gewesen und hatte sich das alles auch zeigen und erklären lassen, Ben kannte die Kniffe und Tricks und konnte nun hier auch behilflich sein. „Benjamin, Todavía no lo tengo del todo. Eres algo especial para mí, me alegro mucho de que estés con los dos y los saludé con tanto cariño. La trajiste al mundo cuando esa mujer no estaba mirando. Cómo puedo compensarte por esto? Y me ayudarás si no sé qué hacer? Nunca he criado a un bebé, no sé tantas cosas.” (...ich habe es noch nicht so ganz verstanden. Du bist etwas Besonderes für mich, ich bin sehr froh, dass du bei uns beiden bist und sie so liebevoll begrüßt hast. Du hast sie auf die Welt geholt, als diese Frau nicht hinsah. Wie kann ich das wieder gut machen? Und wirst du mir helfen, wenn ich nicht weiter weiß? Ich habe noch nie ein Baby erzogen, ich weiß so viele Dinge nicht.), murmelte Catalana ihm zu und sah mit ihren müden braunen Augen zu ihm auf. Schmunzelnd strich Ben dem Baby dabei über das Köpfchen und nickte, ehe er die Decke über die Beine der jungen Mama warf und ihren Arm mit dem Kind mal mit diesem Stillkissen hier abstützte. „Ich habe es dir schon einmal gesagt, Catalana, du musst nichts davon wieder gutmachen, was man dir schenkt. Du schenkst uns doch Freude und Zukunft mit diesem Kind, bereicherst die Familie mit deiner Anwesenheit und deinem Lachen. Dank dir durfte ich zum ersten Mal eine Geburt so miterleben, das war ein Erlebnis für mich, welches ich niemals vergessen werde. Es ist, wie ich es schon einmal vor längerer Zeit gesagt hab, sie könnte auch meine Tochter sein, hätten wir beide nicht aufgepasst in jener Nacht. Und so will ich mich um sie kümmern, sie wird jetzt schon sehr geliebt. Ruht euch beide aus, Catalana und mach dir keine Gedanken, du hast Familie und Freunde, die dir helfen. Ich geh mir einen Kaffee besorgen und lass euch beide kurz allein, die Hebamme sollte ja gleich nochmal hier rein schneien. Bis gleich, ja?“, bat er und küsste Solea auf den Kopf, ehe er Catalana einen Kuss auf die Stirn drückte und die beiden einkuschelte, sodass sie in Ruhe einander kennenlernen konnten. Jules rief ihn seit 20 Minuten und wollte wissen, was los war, deshalb würde er den Bereich der Entbindungsstation nun mal verlassen und die Familie mit seinem blutigen Shirt schocken, waren sie ja alle hier und warteten nur auf die Nachricht, das Solea und Catalana wohlauf waren. Aus der Tür schleichend winkte er Catalana nochmal und schob sich die Karte für den Bereich hier in die Hosentasche, sonst kam er nicht mehr zu ihr, ehe er die Schwingtür öffnete und durch den Korridor schlich. Hinter vier anderen Türen schrien Frauen in den Geburtswehen, schrien Babys, die gerade das erste Mal geatmet hatten. Mit einer Gänsehaut der Freude davon verließ Ben schließlich die Station durch die große elektronische Tür und sah auf, da sich Jules direkt vom Stuhl erhob und ihn musterte. „Himmel, wie siehst du denn aus?“, fragte Lilly nur und hüpfte auf, weil Ben an sich herab sah und die Schultern zuckte. „Ist sie da?“, fragte sein Dad und dann fing das Gemurmel an, einzig Jules spähte zu der Tür hinter ihm und begann wunderschön zu lächeln. „Stolze 51 Zentimeter, dunkle Haut, dunkle Haare und das war ein Erlebnis, das werde ich niemals vergessen. Sie hat das Kind im Stand bekommen, Solea fiel mir praktisch in die Hände hinein! Sie ist da, Dad, und sie ist kerngesund und ein kräftiges kleines Würmchen!“, erklärte Ben und gluckste, weil Lilly kiekste vor Freude und sich den Mund zu hielt, waren sie ja immerhin im Krankenhaus. „Oh Gott sei Dank. Geh rein, Kreißsaal Drei, Ben. Mila und Damian sind da, sie hat nach dir gefragt. Geh, sie ist übernervös.“, erklärte sein Dad, der ihn nun endlich mal umarmte und was, Mila war hier? „Drei Babys an einem Tag? Oha, das ist auch für mich dann neuer Rekord. Ha, sie ist übernervös? Ich dachte, Dee kippt aus den Latschen, na dann gehe ich mal Hallo sagen. Besorgt mir einen Kaffee, das wird ein blutiger Tag. Schon wieder.“, sagte Ben dazu und lachte, weil Jules ihm an den Arm tupfte und ihn mahnend ansah. „Wir trinken einen Kaffee für dich mit, je nachdem, wie lange das dauert. Falls wir nicht hier sind, sind wir in der Caféteria, Amigo. Sag ihr, dass ich da bin, ich gratuliere ihr nachher dann eventuell selbst.“, meinte Diego und umarmte ihn ebenso, aber nichts da, er brauchte einen Kaffee und zwar jetzt. „Wartet noch zehn Minuten, bitte. Mila wird einen Kaiserschnitt haben, die schmeißen mich aus dem Kreißsaal raus. Und Catalana wird schlafen, sie war sehr erschöpft. Ich bin sofort wieder da und dann rauchen wir zusammen eine Kippe. Drei Babys an einem Tag, puh was geht denn hier eigentlich ab?“, konterte er und ließ Diego damit los, der darüber gluckste und ihn zur Tür zurück drückte. Kaffee und Kippe, ja das war zu verlockend. Nur kurz Hallo sagen, Dee ein wenig mit dem blutigen Look schocken und dann dieses freudige Ereignis hier feiern, heute würde er gleich drei Kinder in der Familie begrüßen dürfen, das war ja wunderbar! „Geh, Ben. Wir werden auf dich warten.“, meinte Jules, die ihn zur Tür begleitet hatte und blieb dann stehen, weil er diese Karte vorzeigen musste, um Einlass zu bekommen. „Bis gleich, Liebling.“, sagte er und drückte ihr einen kurzen Kuss auf, ehe er den Korridor zurück huschte und diesen Kreißsaal mit der Nummer Drei suchte. Die Tür dort stand auf, eine Schwester lief heraus und deshalb spitzte Ben in das Zimmer hinein, offenbar hatte man Mila gerade die PDA gelegt und bereitete sie somit auf die Operation vor. „Sieh an, sieh an, wen man hier so alles trifft.“, sagte Ben und grinste, weil Damian zur Tür sah und ihn dann erschrocken musterte. „Benny? Oh Benny, was machst du denn hier im Kreißsaal? Ich hab Dad nach dir gefragt, er meinte, du wärst bei Catalana.“, fragte Mila in ihrem schicken Hemdchen und hob die Hand, sodass Ben unerlaubterweise das Zimmer betrat und an dieses halbrunde Bett trat, wo er Milas Hand ergriff und ihr so sagen konnte, das Solea geboren worden war. Drei Wochen zu früh, aber putzmunter und kerngesund. „Offenbar arbeitet er als unangemeldeter Geburtshelfer, so wie er aussieht. Hast du nach deinem neuerlichen Ausfall vor einigen Monaten beschlossen, eine Umschulung vom Dolmetscher zur Hebamme zu machen oder was?“, fragte Damian ihn und zupfte dabei sein Shirt an der Schulter an, Ben begann zu lachen und zu nicken. „Crash-Kurs im Fach Geburt, es musste ja schnell gehen. Ich kann ja jetzt nicht Jahre studieren, wenn ein Kind darauf wartet, auf die Welt zu kommen. Solea ist geboren und ich fing sie sozusagen auf, Mama und Kind sind putzmunter und liegen genau gegenüber im Stillzimmer. Und ihr Vier, habt ihr heute den Termin?“, konterte er gut gelaunt, strich dabei Mila über die Haare und sah, wie sie das Gesicht verzog, sie hatte Wehen. „Nein, eigentlich haben wir in drei Tagen den Termin, aber die Babys haben es eilig. Es geht Fruchtwasser ab, zwar nur geringfügig, aber offenbar reicht das, um die Wehen auszulösen. Sie klagt seit Stunden über immer schlimmer werdende Schmerzen und deshalb sind wir hier. Sollte die Fruchtblase platzen, dann sind wir vorbereitet und es geht direkt in den OP. Sollte sie nicht platzen ist das auch egal, denn es geht direkt in den OP. Ben, ich werde heute Vater.“, erklärte Damian nervös, er hielt Milas Hand liebevoll und stützte seine Frau, die sich den Bauch hielt und seufzte. „Ich habe nicht mehr genügend Ressourcen, um die beiden zu versorgen, Benny. Zu wenig Fruchtwasser, zu wenige Nährstoffe über die verkalkte Plazenta. Sie wollen kommen, ich kann es ganz deutlich spüren. Oh tut das weh.“, seufzte Mila und drückte ihre Hände dabei, Ben nickte und berührte mit der freien Hand ihren Rücken vorsichtig, wo die Schläuche der PDA über ihre Schulter geklebt worden waren. „Dann lass sie kommen. Und sagt denen, das es eilt. Du hast Eröffnungswehen, Mila, das wird noch sehr viel heftiger und schlimmer, sollten die es auf eine normale Geburt ankommen lassen. Wie herum
liegt Gracie denn nun?“, fragte er, Mila seufzte wieder und riss dann die Augen auf, um an sich herab zu sehen. „Hab ich mich gerade nass gemacht?“, murmelte sie und hob dieses Hemdchen, Damian sah auch zwischen ihre Beine und ihn dann an. „Grünes Fruchtwasser, das wird allerhöchste Zeit. Nein, hat es Plopp gemacht? Dir ist die Fruchtblase entweder gerissen oder geplatzt. Dee, ruf die Hebamme oder die Schwestern hier herbei, es wird Zeit. Ich sehe euch nachher, als frischgebackene Eltern dann. Hey, shh, alles wird gut werden, vertrau den beiden und vertrau dir selbst. Ihr schafft das, wir warten oben auf der Station, okay? Viel Glück euch Vieren, ich muss hier raus, bevor sie mich raus schmeißen.“, sagte er und drückte Mila vorsichtig, ehe er Damian an sich zog und den Kreißsaal dann verließ, hier wurde er nicht gebraucht, denn Mila war in den besten Händen und Damian bereit für die Vaterrolle in seinem Leben. Aufregend, bei Catalana ins Zimmer spitzend sah Ben, dass sie schlief, deshalb schloss er die Tür wieder und sah zu, wie der Arzt und zwei Krankenschwestern ins Zimmer von Mila huschten. Drei Babys an einem Tag, die Familie wuchs sehr rasant. Und er war dankbar, denn er durfte es noch erleben und helfen, Ben war nur knapp dem Tod entronnen und durfte nun hier sein, hatte er ein solches Glück verdient?
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast