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Rosen haben Dornen

von Georgina
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Het
03.04.2022
03.04.2022
1
5.193
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„Nimm die Fäuste hoch, Lia! Und hör auf zu tänzeln wie ein Pinguin. Du willst sie besiegen und ihr nichts vortanzen. Wenn du so weiter machst, kannst du dich demnächst mit meiner Mutter zum Blümchen pflücken verabreden.“
„Vielleicht mach' ich das auch“, keuchte Emilia sarkastisch und wechselte in eine aktive Abwehrhaltung. Sie versuchte ihre Gegnerin mit High-Kicks und Kopfschlägen außer Gefecht zu setzen, jedoch ohne einen Treffer zu landen.
Mai war ein Tier im Kampf, ganz im Gegensatz zu Emilia. Ihr Vorteil lag in ihrer Schnelligkeit und Agilität, sie hielt sich fern von reinen kraftbasierenden Techniken und kämpfte vorzugsweise passiv. Doch heute wusste sie ihre Stärken nicht zu nutzen. Sie ging stetig in die Offensive und Vernachlässigte ihre Deckung. Bis sie schließlich auch der nächste Schlag traf, wie von Thors Hammer persönlich. Volltreffer.
Den harten Aufprall spürte Emilia so gut wie gar nicht, zu sehr war sie mit den Sternchen beschäftigt, die in ihrem Sichtfeld herumtanzten.
„Knockout“, rief der Ringrichter und beendete den Kampf.
Emilia lag auf ihrem Rücken in der Mitte des Rings, schweißgebadet und zutiefst frustriert. „Scheiße“, zischte sie und verpasste dem Boden einen kräftigen Fausthieb.

Nach einer heißen Dusche in den Gemeinschaftskabinen der Frauen tapste sie mit nackten Füßen in die Umkleide zurück. Der schwüle Wasserdampf folgte ihr in den Raum, der von der Hitze aus der anliegenden Dusche aufgewärmt worden war. Bis auf Erika, ihre seither einzige Freundin in Japan, leistete den beiden Frauen niemand Gesellschaft. Die meisten befanden sich noch in der Halle, um zu trainieren. Ihr war dieser Umstand nur recht, denn seit sie ihm Ring so vermöbelt worden war, konnte sie auf Sticheleien gut verzichten. Die meisten in dieser Sportschule waren altgediente Veteranen und durchweg Meister ihres Faches, sie als Amateur bekam da den ein oder anderen Spruch auf die Nase gebunden.
Emilia beschwerte sich nicht länger über die Niederlage. Immerhin war sie mit Fairness zustande gekommen. In ihren Augen war es Zeitverschwendung sich über solche Nichtigkeiten zu echauffieren. Solange man aus ihnen lernte, waren es keine Niederlagen sondern Bereicherungen für die eigenen Fähigkeiten.

„Wenn Yoma dich das nächste Mal so anpöbelt, solltest du ihm richtig in den Hintern treten. Mal sehen, wie lange er  mit seiner Wampe aufrecht stehen kann." Erika ahmte mit übertriebenen Gesten den dicken Trainer Yoma nach, der es genoss, seine Schüler zur Schnecke zu machen. Niemand in ihrem Kurs für Mixed Material Arts konnte diesen Kerl leiden, Emilia am allerwenigsten. Und offensichtlich beruhte dieser Umstand auf Gegenseitigkeit. Für ihn war sie vermutlich nur ein kleiner Fisch.
Während Erika weiter über ihren Trainer witzelte, sprang Emilia mit einem Satz von der Bank und konterte den abwesenden Yoma: „Jo, Yo“, grunzte sie, straffte selbstsicher ihre Jacke und hob ihr Kinn. „Wenn du ein Problem mit mir hast, dann zeig' ich dir, wie ein Pinguin tänzelt.“ Gen Ende wandte sich die gut improvisierte Showeinlage in albernes Gekicher. „Und wenn du mir noch einmal ein Häppchen wie Mai in den Ring schickst, verspeise ich euch beide zum Frühstück.“
Die beiden Frauen begannen zu lachen. So laut, wie sie, war selten jemand, vor allem nach einem vierstündigen Training. Doch sie amüsierten sich blendend, schienen den Muskelkater gänzlich ausblenden zu können, bis schließlich die Tür zur Umkleide aufschwang.

„Hey! Alles cool?“, Mai betrat die Umkleide in noch vollausgestatteter Sportmontur und nassgeschwitzt von ihrem Training. Das Gelächter erstickte im Keim der freundschaftlichen Rivalität. Emilia starrte unwillkürlich auf die feinen Konturen an Mais entblößtem Bauch, die ihre durchtrainierten Muskeln andeuteten. Niemand in ihrem Kurs trug jemals mehr als eine kurze Hose und einen Sportbustier, ganz zum Entzücken des Trainers. Etwas versucht hatte er bislang jedoch noch nicht. Anstarren genügte fürs Erste.
Emilia konnte nicht leugnen, dass sie neidisch war auf Mais Körper und ihre Disziplin im Kampf. Denn diese Frau war von besonders ehrgeiziger Natur, gab im Ring immer ihr Bestes und war stets freundlich zu ihren Mitstreiterinnen. Auch wenn Emilia erst vor Kurzem von ihr auf den Deckel bekommen hatte, schätzte sie Mai. Solch ein kollegiales und faires Milieu fand man selten, gerade in Kampfsportschulen, in denen Leistungsdruck die Tagesordnung diktierte.
„Ja, alles cool“, antwortete Emilia mit einem schmalen Lächeln. „Der Trainingskampf hat echt Spaß gemacht.“
„Danke. Find' ich auch“, erwiderte Mai und verließ die Kabine. Die Tür schwang hinter ihr zu, doch für Emilia stand eine Rechnung dennoch offen. Sie verfolgte die sich ausschwingende Tür mit strengem Blick und zog ihre Lederjacke zurecht: „Nächstes Mal bist du dran. Dann mach ich dich alle.“

„Soll ich dich nach Hause mitnehmen?“, fragte sie ihre Mitbewohnerin, als sie vor dem Eingang an ihrem Motorrad standen.
„Ich muss noch ins Latte. Heute bin ich für die Spätschicht eingeteilt.“
„Okay, soll ich dich dann kurz dort absetzen?“
„Aber gerne doch“, willigte die Studentin ein und setzte sich hinter Emilia. Derweilen startete diese den Motor und reichte Erika ihren Helm. Sie nahm ihn stirnrunzelnd entgegen. „Willst du etwa schon wieder ohne Helm fahren?“
„Da ist doch nichts dabei. Ich fahr schon seit Langem Motorrad und nicht zum ersten Mal ohne Helm. Das machen viele.“ Erika hob eine ihrer filigranen Brauen. Dort, wo Emilia aufgewachsen war, mochte dies sicher so sein, Japan war allerdings nicht bekannt für seine Toleranz im Straßenverkehr. Ihre Beifahrerin akzeptierte den Helm letztendlich ohne Widerstand, denn sie wusste, dass sich ihre Freundin nicht so leicht bekehren ließ.
„Beschleunige aber bitte nicht wieder so sehr in den Kurven, Lia.“
Emilia sah ihr Gesicht hinter dem Helm zwar nicht, konnte sich aber allzu gut vorstellen, dass sie darunter einer Leiche Konkurrenz machen musste. Bei ihren letzten Ausflügen mit dem Motorrad hatte Erika ihren Mageninhalt beinahe geleert. Sie konnte sich nur zu gut an ihr grünangelaufenes Gesicht erinnern.
Ein mitfühlendes Kichern wich ihr über die Lippen: „Na gut, mach' ich nicht. Versprochen“, und fuhr behutsam los.

Angekommen am Hintereingang des Cafe-Lattes, war Erika die Erste, die abstieg. Beinahe Panisch. Ihre Knie schlotterten wie Espenlaub und als sie den Motoradhelm absetzte, erlebte Emilia ein Deja-Vu. Unter dem Helm lugten blassgrüne Wangen hervor, die sich immer wieder vor Übelkeit aufblähten. Dabei war sie, wie versprochen, in den Kurven langsamer gefahren.
„Bis morgen früh“, würgte die Gelegenheitsmaid und schleppte sich in Richtung Eingang.
„Ja. Viel Spaß.“ Emilia sah Erika mit gerunzelten Augenbrauen hinterher. Die Arme hat aber auch 'nen schwachen Magen, schwirrte es ihr durch den Kopf, als ihre Freundin die Tür erreichte. Im gleichen Augenblick tauchte ein bekanntes Gesicht hinter ihr auf.

„Nanu, was ist denn los, Erika?“
„Motorradfahren bekommt ihr nicht gut“, antwortete Emilia für ihre taumelnde Freundin, die sich an den Wänden des Personaleingangs entlangkämpfte. Misaki sah ihr mitleidig hinterher.
Emilia schürzte derweilen ihre Lippen zu einem Lächeln, stützte sich mit dem Unterarm am Lenker ab und ihr Kinn auf ihre Faust.
„Hast du in den Kurven wieder beschleunigt?“
„Nein, dieses Mal nicht. Sie hat mich ausdrücklich darum gebeten.“
Die Maid schüttelte verständnislos den Kopf und warf den Müllsack, für welchen sie herausgekommen war, in die Tonne. „Nach dem fünfzigsten Mal als Beifahrer sollte ihr doch wohl klar sein, dass ihr Magen da nicht mitmacht.“
Ein Schmunzeln huschte Emilia über die Lippen: „Das Gleiche habe ich ihr auch gesagt.“
Misaki seufzte kommentarlos, wandte sich dann aber mit einem Lächeln an die junge Frau.
„Ich gehe ihr lieber hinterher. Meine Schicht ist noch nicht vorbei. Komm doch das nächste Mal für einen Kaffee herein.“
„Ich denk' drüber nach.“ Ein breites Grinsen schlich sich auf ihre Züge. Misaki war immer so freundlich zu ihr, obwohl Emilia diese unbekümmerte Art an sich hatte, die sie bei anderen auf die Palme brachte. „Einen schönen ersten Schultag wünsche ich dir morgen.“
„Ja, danke. Dir auch.“ Misaki winkte ihr mit einem schmalen Lächeln zu, ehe sie die Tür hinter sich zuzog.

Der erste Schultag an einer neuen Schule, das stand morgen für Emilia an. Und sich dafür zu begeistern, fiel ihr kläglich schwierig.
Sie zog ihre gepolsterten Handschuhe über ihre Finger und ihren Helm über ihren Kopf. Hinter diesem konnte man immerhin ungeniert Grimassen schneiden. Im Straßenverkehr ein Luxus, den sie sekündlich ausnutzte, denn so manchen Autofahrern würde sie am liebsten die Reifen aufstechen.
Seufzend startete sie den Motor und rollte langsam aus der Seitenstraße des Cafe-Lattes.

An der Kreuzung kurz vor der Hauptstraße, tastete sich Emilia ganz den Regeln entsprechend an die Fahrbahnmarkierung heran. Obwohl sie sich auf der Vorfahrtsstraße befand, wollte sie kein Risiko eingehen. Japan hin oder her, erst gestern hatte es auf eben dieser Kreuzung einen Unfall gegeben, weil ein Fahrerneuling die Vorfahrt nicht beachtet hatte.
Sie schaute vorschriftsgemäß nach links und rechts, sah nirgendwo Scheinwerfer und überquerte die Fahrbahn. Sie hörte in letzter Sekunde noch das Quietschen von durchdrehenden Reifen, ehe ein kräftiger Stoß von der Seite ihr Motorrad ins Schleudern brachte. Vor ihren Augen wurde die Sicht fleckig, schwarze Ringe flimmerten immer wieder auf und von außen drangen dumpfe Rufe durch ihren Helm. Mehr Eindrücke nahmen ihre Sinne nicht wahr.
Ihr Herz hämmerte im Marathon gegen ihren Brustkorb. Etwas schnürte ihr die Lunge zu und sie geriet in panisches Keuchen.
Wie auf Knopfdruck wurde ihr Bewusst, was geschehen war. Sie riss ihren Helm von ihrem Kopf und fand sich wieder in einem unerträglich grellen Licht. Stimmen wuselten um ihre Ohren herum, doch sie konnte außer Umrissen nichts erkennen. Emilia führte ihre Hand vor ihre Stirn, um sich vor dem Licht zu schützen. Der Himmel hörte sich in ihren Vorstellungen immer ganz anders an.

Eine Menschentraube hatte sich um sie versammelt, sie selbst saß auf steinhartem Asphalt, mit dem Hintern im Dreck. „Was zum-“, brachte sie noch hervor, bevor sie plötzlich auf die Beine gehievt wurde.
„Miss, sind Sie verletzt?“
„Geht es Ihnen gut?“
„Können sie meine Hand sehen? Wie viele Finger zeige ich hoch?“
Emilia sah in die verschiedensten Gesichter fremder Personen, sie alle redeten auf sie ein. Obwohl sie einzelne Wortfetzen aufschnappte, konnte und wollte sie niemandem zuhören. Am liebsten hätte sie vor Wut alle angeschrien, sie sollten sie gefälligst in Ruhe lassen, doch sie war noch zu überrumpelt vom Schock, als dass sie einen Pieps hätte herauspressen können.
„Nun lassen Sie der jungen Frau doch ein bisschen Luft zum Atmen.“
Ein sanfter Griff umfasste ihre Schulter und führte sie einige Schritte von der Meute fort. „Geht es Ihnen gut? Können Sie mich verstehen?“
Emilia nickte bloß und sah sich in der Umgebung um. Neben ihr stand eine weiße Limousine, hinter ihr hatte sie die Menschenmenge zurückgelassen, von der nach wie vor unruhiges Gerede hinüberhallte, und direkt inmitten der kleinen Kolonne lag ihr Motorrad.

„Oh Gott, mein Bike“, rief sie schockiert und vergrub ihre Finger in ihrem Haaransatz. „Welcher Idiot hat mich angefahren?“
Sie malte sich die bösesten Beschimpfungen aus, die sie in ihrem Leben gehört, gelernt und bereits angewendet hatte, um sie gegen den Vollidiot einzusetzen, der nicht in der Lage war mit Abblendlicht zu fahren.
Ein Räuspern ertönte neben dem Mädchen: „Das war mein Fahrer. Ich bitte innigst um Verzeihung.“
Mit geweiteten Augen wirbelte sie herum. Glänzend goldene Augen blickten auf sie hinab, umrahmt von dichten, dunklen Wimpern. Vor ihr stand ein junger, blonder Mann. Seinem schneeweißen Anzug und der ebenso saubergeleckten Limousine zufolge, war er nicht von irgendwo. Doch alles woran Emilia denken konnte, war ihr Fahrzeug. Sie begegnete dem Blick des Jungen mit Argwohn. Wie konnte er so ruhig bleiben? War irgendetwas an ihrem Gefährt beschädigt, würde sie die volle Kostenentschädigung fordern. Ihre Zündschnur war beinahe gänzlich abgebrannt und ohne einen unverzüglichen Schadensersatz würde die Bombe platzen.

„Ich übernehme die volle Verantwortung für dieses Unglück-“
„Das will ich hoffen. Dieses Motorrad war nicht billig.“ Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust und stemmte ihr Gewicht auf ein Bein, ihre Augen bohrten sich in die ihres Gegenübers.
„Nein, das habe ich gesehen. Eines von der Marke Suzuki dürfte auch weitere Unfälle überstehen. Dieses Mal hat es immerhin schon eine Kollision ohne Kratzer überlebt. Sehen Sie selbst.“ Er deutete mit einem aufbauenden Lächeln in Richtung des auf der Straße liegenden Motorrads. Es stimmte, was er sagte; die Seitenspiegel sowie die Scheinwerfer waren unbeschädigt und Kratzer oder Dellen konnte sie genauso wenig erkennen. „Du hast recht“, erwiderte Emilia trocken ohne den Blick von ihrem Fahrzeug abzuwenden. „Glück gehabt.“ Sie späte hinüber zu der weißen Limousine, von der sie angefahren wurde. „Deinem Benz geht es dafür ein wenig schlechter.“ Mit einem Nicken deutete sie auf die Motorhaube, an welcher vor dem Unfall ein Mercedes-Stern angebracht war. Ein kurzer Stumpf lugte noch hervor. Der Rest lag nun neben dem zertrümmerten Scheinwerfer auf der rechten Seite. Das und die verbogene Stoßstange waren allerdings die einzigen sichtbaren Schäden an der Limousine. Dieser Gefahrensituation waren scheinbar beide Parteien glimpflich entkommen. Möglicherweise gab es ja so etwas wie einen großmütigen Straßenverkehrs-Gott.

Emilia sah zurück zu dem jungen Mann, der nach wie vor neben ihr stand, seine Gesichtszüge verrieten nichts über seinen tatsächlichen Gemütszustand. Nicht einmal seine Gedankengänge hätte sie erahnen können. Er wirkte ungerührt, als hätte jemand lediglich einen schlechten Witz gerissen.
Als auch er seinen Blick wieder ihr zuwandte, wurde sein Lächeln eine Spur mitfühlender. „Das ist kein Problem. Der Schaden ist minimal, wenn man bedenkt, was Ihnen hätte passieren können.“
„Mir geht's gut“, Emilia zuckte lediglich mit den Schultern. „Und genau aus diesem Grund werde ich jetzt nach Hause fahren, bevor das Schicksal anders entscheidet und ich doch noch überrollt werde. Ich verzichte auf eine Anzeige.“
„Sehr großherzig von Ihnen, Miss.“
In dem Moment, in dem sie sich abwandte und in Begriff war, ihren Motorradhelm zurück an seinen vorgesehenen Platz zu setzen, hörte sie das Klingeln der Eingangstür des Maid-Latte. Sie drehte sich um.

„Ach du Schreck, was ist denn hier passiert?“, die Besitzerin des Ladens kam hinausgestürmt und vier weitere bekannte Köpfe lugten aus der Eingangstür heraus, darunter befand sich der ihrer Freundin Erika. Die Chefin des Maid-Latte rannte in Emilias Richtung, nachdem sie sie erkannte. Aufgebracht rief sie in ihrem gewohnt sorgenvollen Ton: „Oh Gott, Emilia! Alles in Ordnung? Hast du einen Unfall gebaut?“
Angesprochene war reichlich überrumpelt von der fürsorglichen Art der jungen Geschäftsführerin und noch mehr von der Tatsache, dass sie ihren Namen noch auf dem Schirm hatte. Sie hingegen hatte nach bereits fünf Minuten ihres ersten Besuchs im Maid-Latte den Namen von Erikas Chefin vergessen.
„Ehm… ja, alles ok. Danke.“  Sie hätte sich gerne auf persönlichere Art für ihre Sorge bedankt, aber ohne ihren Namen zu kennen empfand sie dies als ziemlich unangenehm.
Die Geschäftsführerin ergriff ihre Hand und drückte sie so fest sie konnte. „Möchtest du noch auf einen Kaffee oder ein Glas Wasser mit hineinkommen? Brauchst du vielleicht etwas zum Kühlen?“
„Eh… nein, danke.“ Die Situation wurde Emilia von Sekunde zu Sekunde unangenehmer. Sie konnte in der Hand, die von der Ladenbesitzerin zerquetscht wurde, ihren schneller werdenden Puls spüren, so als würde man sich den Zeigefinger einklemmen. Sie hasste es im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu stehen.
„Bist du sicher? Mit einem Autounfall ist nicht zu spaßen, du solltest zum Arzt gehen“, schaltete sich auch Misaki dazu, die im Stechschritt, gefolgt von Erika, auf sie zu kam.
Der Schwall an Hilfsbereitschaft und Fürsorge von allen Seiten erschlug die junge Frau wie ein Steinschlag. Wenn ihr vorher schon die Worte im Hals stecken geblieben waren, kam ab diesem Zeitpunkt ganz bestimmt nichts Produktives mehr heraus. Dabei wollte sie einfach nur nach Hause, immerhin begann morgen ihr erster Schultag in aller Frühe. Sie schluckte schwer. Sollte sie alles schnell mit einem „Alles ist in Ordnung, Tschüss“ abtun oder die Hilfe entgegennehmen? Sie wollte ungern unhöflich gegenüber den Leuten sein, die ihr so offenherzig ihre Hilfe anboten.

Misaki stapfte weiter schnurstracks auf sie zu. Als diese jedoch ihre Augen hob, um den Mitverantwortlichen an diesem Unfall ebenfalls zu begutachten, wirkte es auf Emilia so, als würde die Maid versteinern. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie den blonden Jungen an, welcher noch passiv am Geschehen teilnahm. Jedenfalls hatte er sich seither nicht vom Fleck bewegt.
Emilias Blick flog immer wieder von dem fremden Jungen zur Maid. Für einen Moment sah es so aus, als würde Misaki gleich die Flucht ergreifen und so fragte sie sich automatisch, ob dies einen näheren Zusammenhang mit dem Unfallverursacher hatte. Auf einmal entspannte sich ihre Miene etwas, doch dafür schlich sich etwas anderes in sie hinein. Emilia interpretierte es als Groll. Ein weiteres Mal war sie von dem Beistand aller um sie herum überrascht, ein wenig gerührt sogar, doch die Wut auf den Jungen war für ihren Geschmack zu voreilig. Immerhin war er bisher sehr freundlich zu ihr gewesen und gefahren war sein Chauffeur.

„Igarashi“, konnte sie Misaki knurren hören und passend zu ihrem Ton verengten sich auch ihre Augen. Sie schien ihn zu kennen.
Der Junge, allem Anschein nach Igarashi, wirkte im Gegensatz zu ihr erfreut. Sein Lächeln schien noch breiter geworden zu sein. „Es freut mich, dich zu sehen, Ayuzawa!“ Und er kannte sie. Die Stimmung um sie herum hatte sich auf einen Schlag deutlich gewandelt. Sie wirkte angespannt und auf eine Art ziemlich feindselig. Es wurde von Mal zu Mal unangenehmer.
„Hast du sie mit Absicht angefahren, Igarashi?“ Misakis Abneigung war mittlerweile so präsent, dass die junge Frau neben den beiden ein wenig zusammenschrumpfte. Sie wollte aus dieser Situation so schnell wie möglich raus. Stress war eines der Dinge auf dieser Welt, die sie am allerwenigsten ausstehen konnte. Doch zu ihrem Bedauern, schienen die Wogen nicht einmal im Ansatz geglättet zu sein, denn dieser Igarashi versuchte, offensichtlich zu Misakis Missfallen, in äußerst schmeichlerische Weise sich selbst zu erklären. Nein, diese Konversation hatte gerade erst begonnen. „Wie könnte ich. Es liegt mir fern meinen Mitbürgern Leid anzutun. Mein Fahrer war heute schon viel Unterwegs, möglicherweise ist er erschöpft und hat daher nicht gänzlich auf den Verkehr Acht gegeben.“
„Wie nachlässig von dir“, blaffte Misaki zurück.
Das Ende dieser Unterhaltung oder gar diese Situation schien noch lange nicht in Sicht, daher entschied Emilia, sich einfach zu verabschieden. „Also ich werde an dieser Diskussion nicht mehr teilnehmen. Danke für eure Hilfe, aber mir geht es gut. Ich bin müde und fahr' jetzt nach Hause. Einen schönen Abend noch.“
Sie machte auf dem Absatz kehrt und verließ das Schlachtfeld. Als sie jedoch bemerkte, dass sie mehr sprintete als ging, verringerte sie ihre Geschwindigkeit. Es sollte nicht zu auffällig sein.
„Sollte Ihnen doch etwas fehlen, melden Sie sich bitte bei meinem Assistenten. Ich möchte auch wirklich sicher sein, dass sie unversehrt sind“, konnte sie die seidige Stimme des Igarashi-Jungen noch sagen hören. Ohne sich umzudrehen antwortete Emilia mit einem schlichten: „Klar, mach ich“, und hievte ihr Motorrad vom Boden. Unerwartet kam ihr ein weiterer junger Mann zur Hilfe. Sein Auftreten war ebenso elegant und adrett wie das des Blondhaarigen, mit dem Unterschied, dass er sich weniger konfrontativ gezeigt hatte. Bis jetzt war er ihr nicht einmal aufgefallen. Seiner Kleidung nach zu urteilen gehörte er zu dem Igarashi-Jungen, doch in das Geschehen hatte er sich seither nicht eingemischt. Ein stummer Beobachter.
Um Beihilfe zu leisten, ergriff der dunkelhaarige Junge die andere Seite des Lenkers und zog daran, bis das Fahrzeug wieder auf beiden Rädern stand. Ohne Zögern schwang Emilia ihr Bein über das Gefährt und zog sich den Helm über ihren Kopf.

„Hier sind meine Kontaktdaten, für den Fall, dass sie doch noch Verletzungen auffinden.“ Den Jungen, der sich mit diesem Satz als Igarashis Assistent herausgestellt hatte, zierte ein steinernes Lächeln, als wäre es ihm ins Gesicht gemeißelt worden. Er drückte ihr eine kleine, schwarze Visitenkarte in die Hand, auf welcher alle Kommunikationswege aufgezeigt waren. Über den Informationen stand in geschwungenem Gold „Maki Dining“. Als Emilia von dem Kärtchen aufsah, begegnete ihr lediglich das undurchdringliche, einstudierte Lächeln wieder. Seine schmalen Augen ließen kaum Fantasie übrig, um abschätzen zu können, was er gerade dachte oder fühlte. Genau wie bei Igarashi.
Mit einem abschätzenden Blick erwiderte sie sein starres Lächeln, ehe sie das Visier ihres Helms hinunterklappte und den Motor anließ.
„Gut, Danke“, sagte sie noch beiläufig, bevor sie davonpreschte. Sie gab so viel Gas, dass sie nach nur wenigen Wimpernschlägen eine gute halbe Meile zwischen sich und den Ort des Geschehens brachte.




So hatte sich Emilia ihren ersten Schultag nicht vorgestellt.
Als ihre Großmutter sie auf diese Schule geschickt hatte, war ihr bewusst gewesen, dass es sich bei den Schulgebühren um eine ganze Menge Geld handeln musste. Immerhin hatte diese alte Hexe seit jeher versucht, sie auf ein privates Internat zu schicken. Aber mit etwas derartigem, wie die Myabigaoka, wurden ihre Interpretationen von „Teuer“ schließlich doch noch gesprengt.

Sie saß im Unterricht für Wirtschaftskunde, ganz hinten in der letzten Reihe direkt neben dem Fenster. Normalerweise sah man weniger, je weiter hinten man seinen Hintern platzierte, doch die Sitzbänke waren wie eine Treppe angereiht, so wie man es aus einem Vorlesungsraum in der Universität kannte. Jeder Millimeter des Gebäudes schrie ganz deutlich das Wort „Geld“. Selbst die Unterrichtsfächer waren vollgepackt mit diesem einen Thema. Ja, an dieser Schule erzog man reichgeborene Kinder dazu noch reicher zu werden; wie sie ihr Wissen über globalpolitische Zustände gegeneinander ausspielen konnten, um in der Nahrungskette weiter aufzusteigen. Vermehre das Geld, das du bereits besitz, bis du ganz oben in der Hierarchie angekommen bist.

Ihr Lehrer für Wirtschaftskunde redete ununterbrochen über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und dem Westen. Zur Hilfe nahm er den Projektor, der in der Wand hinter Emilia eingebaut war, um seinen Monolog mit Bildern von Japan, Europa und Amerika anschaulicher zu gestalten.
Emilia kam es vor, als würden alle Schüler mit gespitzten Ohren seinem Vortrag lauschen und die wichtigen Informationen über Handelsbeziehungen zu anderen Ländern in sich aufsaugen. Dabei nützte dieses Wissen ihnen gar nichts, wenn sie nicht über die richtigen Kontakte oder die internationale Bekanntheit verfügten. Selbst Emilia wusste das und sie war nicht einmal scharf darauf ihr Geld zu vervielfältigen. Das war nur eine andere Art von Stress, mit welcher sie ebenso wenig am Hut haben wollte.

Als es endlich zur Pause läutete, war sie die erste, die ihre Sachen zusammengekramt hatte und aus dem Raum verschwunden war. Geredet hatte sie heute mit niemanden, abgesehen von dem Wachmann, der ihr gesagt hatte, dass man vor dem Eingangstor nicht parken durfte. Ja, diese Schule besaß Wachleute, die um die gesamte Anlage herum zu jeder Tages- und Nachtzeit patrouillierten.
Bei dem Gedanken an die Situation in der Früh verdrehte Emilia die Augen. Wie kleinlich. So ein großes Gelände und dann durfte man nicht einmal dort parken, wo das Motorrad nicht störte. Möglicherweise befürchtete der Kerl, dass ein Fahrzeug, halb so groß wie ein Auto und doppelt so klein wie eine Limousine, das Ambiente der Schule niederschlug. Sollte dies tatsächlich der Grund sein, würde sie ab sofort ihr Motorrad aus Trotz dort parken.

Emilia rieb sich über ihre trockenen Augen. Gestern Abend waren noch zwei Polizisten bei ihr gewesen, um ihr eine Standpauke darüber zu halten, man dürfe nach einem Verkehrsunfall nicht den Unfallort verlassen. Dementsprechend wenig Schlaf hatte die neue Schülerin bekommen, da sie noch einige Dokumente auszufüllen hatte.
Wie jedes Lebewesen stieß auch sie an ihre Grenzen, wenn sie nicht ausreichend davon bekam. Es sorgte vielmehr dafür, dass sie sich ein weiteres Mal mit mehr Druck über ihre Augen rieb. Der erste Schultag und schon war sie von allem und jedem genervt. Die Tatsache, dass der Mitverantwortliche des Unfalls nicht einfach nur irgendein wohlhabender Wicht war sondern der Erbe des berüchtigten Igarashi-Konzerns, hatte Emilia am Vorabend noch einmal eine Stunde zusätzlich an Schlaf geraubt. Die Informationen hatte sie zum einen von der Polizei und zum anderen aus Recherchegründen. Einen kleinen Teil trugen Erinnerungen dazu bei. So erinnerte sie sich an die Worte ihrer Großmutter: „Vergiss nicht, Herr Igarashi und unsere Familie sind einander bekannt. Ihm gehört die Schule, auf die du gehen wirst. Also hinterlasse bitte einen anständigen Eindruck.“
Genau so hatte sie es formuliert.

Mit einem verächtlichen Schnauben holte Emilia ihre Kopfhörer aus der Tasche, um sie sich in die Ohren zu stecken. Da es Bluetooth Stöpsel waren, zückte sie zusätzlich ihr Handy, verband es mit den Kopfhörern und drehte die Musik auf volle Lautstärke.
Während sie den Gang entlanglief scrollte sie durch ihre Nachrichten. Ein verpasster Anruf von „Taylor<3“. Ein verpasster Anruf von „Mama“. Eine E-Mail von „Hexen Oma“. Anstatt WhatsApp zu nutzen versuchten sie auf störende und umständliche Weise Kontakt zu ihr aufzunehmen. Es war 10 Uhr morgens und sie befand sich in der Schule. Warum also anrufen?
Zur Bestätigung, dass sie die Nachrichten empfangen hatte, schrieb sie ihrer Mutter und ihrem Bruder über WhatsApp, ihre Großmutter ließ sie außen vor. Sie würde ohnehin nicht antworten oder verärgert darüber sein, dass sie diesen Messaging-Dienst verwendet hatte.
Emilia beschleunigte unbewusst ihr Schritttempo. Wenn sie vorher schon mit den Nerven am Abgrund stand, dann war ihr Geduldsfaden spätestens zu diesem Zeitpunkt gerissen. Die Rockmusik, die zusätzlich in ihre Ohren dröhnte, bewirkte leider auch keinen beschwichtigenden Effekt.
Plötzlich zog sich ein schlagender Schmerz durch ihre Stirn in ihren Kopf, als sie mit etwas Hartem kollidierte. Ohne Angst auf Verluste pfefferte sie sich ihre Flache Hand gegen die Stirn, was ein lautes Klatschen auslöste und die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sie richtete. Mal wieder.

„So ein verdammter-“ Emilia brach mitten im Satz ab, als sie aufsah und ein bekanntes Augenpaar zurückstarrte. Sofort entfernte sie die Kopfhörer aus ihren Ohren und blinzelte unentwegt zurück. „Ich hab' das Gefühl, du willst mich umbringen“, rutschte es ihr heraus.
Ein amüsiertes Grinsen schlich sich auf die Züge ihres Gegenübers. „Keine Sorge. Das ist ganz gewiss nicht meine Absicht.“
Auch Emilia konnte sich einen belustigten Laut nicht verkneifen. „Da bin ich ja beruhigt. Du hast übrigens eine harte Schulter, Igarashi. Scheint zumindest stabiler zu sein als dein Wagen.“ Sie rieb sich demonstrativ über ihre Stirn, obwohl der Schmerz bereits verflogen war.
In Toras Augen blitzte kurzzeitig etwas auf, dass Emilia nicht deuten konnte. War sie zu direkt oder zu offenherzig gewesen?

„Emilia, richtig? Und weiter?“, umging er ihre Stichelei.
Ihr fiel ein, dass sie und Tora sich gestern gar nicht einander vorgestellt hatten. Da sie keine Anzeige erhoben hatte, schien ihr ein Namensaustausch irrelevant. Nach einer zweiten Kollision allerdings, gehörte es zum guten Ton dazu, sich wenigstens einander vorzustellen. Ihren vollen Namen wollte Emilia trotzdem ungern preisgeben.
„Lia reicht völlig“, sagte sie kurz und knapp. Aus irgendeinem Grund war ihr die Stimmung wieder zu angespannt, darum entschied sie sich diese zu lockern. „Sollten wir zur Sicherheit unsere Versicherungsnummern austauschen? Man redet schließlich immer von einem dritten Mal.“

Noch immer behandelte diese Emilia ihn wie einen Normalsterblichen. Einen gewöhnlichen Jungen aus der Mittelschicht. Etwas, was er ganz und gar nicht war. Es gefiel ihm nicht, dass sie auf diese gleichgültige Art mit ihm umsprang. Gestern Abend war sie Mitverantwortliche des Unfalls und gab sich ebenso unbekümmert wie jetzt. Aber diese Reaktion…
Die Unsicherheit in ihren tiefblauen Augen, nachdem sie ihn erkannt hatte, zeugte von mehr Hintergrundwissen. Gestern war ihr der Name, Igarashi, ganz bestimmt noch kein Begriff gewesen. Es hatte sie regelrecht kalt gelassen, als Misaki seinen Namen ausgesprochen hatte. Nun war es anders.
War sie eine Stipendiatin, die noch nie zuvor etwas vom Igarashi-Konzern gehört hatte? Unterschichtlern konnte man schließlich nur wenig Bildung nachweisen. Wenn dem so war, musste sie recherchiert haben. Und dennoch nutzte sie ihr Wissen nicht, um freundlicher zu sein oder sich bei ihm einzuschmeicheln, wie so ziemlich jeder in seinem Umfeld.
Tora mochte ihr Verhalten nicht, trotzdem war er gewillt das Spiel weiterzuspielen, sein Schauspiel aufrecht zu erhalten. Es war zur Abwechslung mal amüsant, und mehr über sie herauszufinden keine mühselige Arbeit.

Tora setzte sein einstudiertes Lächeln auf. Es war sein ganz persönliches Pokerface. Ein Gesicht, bei dem niemand seine wahren Hintergedanken auch nur erahnen könnte. Er hatte es in seinem Leben als Geschäftsmann perfektioniert. Spielend leicht wickelte er damit jeden um den Finger und wenn dies nicht ausreichte, hatte er noch immer seine Redegewandtheit in Petto.
„Ein Austausch unserer Sozialversicherungsnummern? Was für ein amüsanter Gedanke.“ Er sprach bewusst mit viel Euphorie in der Stimme. Emilia sollte ihm aus der Hand fressen und keinen Verdacht schöpfen. „Sollte uns ein drittes Mal tatsächlich bevorstehen, werde ich ab jetzt auf der Hut sein und aufpassen, dass dir nichts passiert.“ Tora verbeugte sich so tief, dass er ihr beinahe im rechten Winkel gegenüberstand. „Ich mache diese Angelegenheit zu meinem persönlichen Anliegen.“ Er ergriff ihre Hand und hauchte sanft einen Kuss auf ihren Handrücken. Er spürte ihren schneller werdenden Puls, als seine Finger ihr Handgelenk umschlossen.
Die Überforderung, die Emilia gerade zu überwältigen schien, konnte Tora in ihrem Gesicht ablesen, als er sich wieder aufrichtete. Sie stand da mit großen Augen und scheinbar verschluckter Zunge. Eigentlich hatte er einen frechen Kommentar erwartet, doch sie blieb stumm. Er hätte gerne gewusst, was in ihrem Kopf vor sich ging, denn die Verwunderung in ihren Zügen veränderte sich schnell zu einem skeptischen Stirnrunzeln. Auch ihre Hand hatte sie ihm schnell wieder entzogen. Wohlmöglich aus Angst, er könnte die Geschwindigkeit ihres Herzschlags spüren.
Seltsam, denn bisher gab sich dieses Mädchen immer lässig und unbesorgt, schreckte nicht vor mutigen Kommentaren oder unangemessenem Verhalten zurück. Dass sie ein so einfacher Flirt aus der Bahn warf, machte dieses Spiel beinahe ein wenig langweilig.

„Okay“, brachte Emilia schließlich doch noch heraus. Ihre Stirn war nach wie vor in grübelnde Falten gelegt. „Dann hab' ich jetzt wohl einen Schutzengel.“
Toras Grinsen gewann unwillkürlich an Breite. Dieses Mädchen riss Witze, obwohl sie sich unwohl fühlte. Interessant.
„Einen ganz privaten, ja.“
Ein belustigtes Schnauben verließ ihre Lippen und auch ihre Gesichtszüge hellten sich wieder auf. Ihr Lächeln wirkte beinahe provokant auf ihn. „Na dann stoßen wir demnächst wohl wiedermal aufeinander. Bis zur nächsten Kollision, Igarashi.“ Emilia hob winkend die Hand und kehrte um in die Richtung, aus der sie gekommen war.
Tora konnte sich nur unter Mühe ein Kichern verkneifen. „Bis zum nächsten Mal, Lia.“
Sie lief doch tatsächlich in dieselbe Richtung zurück, um der Situation so geschickt wie möglich zu entkommen. Ihr war das erneute Aufeinandertreffen sichtbar unangenehm.
„Das könnte noch spaßig werden, nicht wahr Maki?“




Sooo... das war das erste Kapitel meiner Maid-Sama Fanfiktion. :)
Ich hoffe, dass ich euch damit soweit am Haken habe, und dass ihr mir eure Anregungen oder Kritiken in einem kleinen Review da lasst. Auch Plotideen werden gerne angenommen, wenn ihr coole auf Lager habt und sie in die Story hineinpassen. ;)
Vorweg kann ich versprechen, dass die Kapitel in unregelmäßigen Abständen kommen werden und das tut mir wahnsinnig leid. Ich werde versuchen, sie zügig zu schreiben und dann zu uploaden.

Die Erzählgeschwindigkeit ist in diesem Kapitel noch etwas schnell, aber es wird ab dem nächsten langsamer, wenn sich die Geschichte dann tatsächlich aufbaut. Da ich die Maid-Sama Mangareihe komplett gelesen habe, werde ich selbstverständlich mein gesamtes Wissen darüber in die Geschichte mit einbauen, also spreche ich an dieser Stelle eine deutliche SPOILERWARNUNG aus für diejenigen, die nur den Anime kennen!
Sollte mir die Charakterdarstellung einiger Figuren in euren Augen nicht so gut gelingen, dürft ihr mir das sehr gerne mitteilen. Zum Beispiel ist die Darstellung von Tora ein wirklich mühseliger Akt. Er ist so charismatisch. Aber gerade das macht ihn ja so interessant, nicht wahr?

Die Altersempfehlung ist übrigens nicht grundlos auf 18 gestellt. ;)

Aber jetzt genug von mir und meinen Anliegen, wir lesen uns im nächsten Kapitel! ♥
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