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Besorgungen

von Kyojuro
Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
"Normal" Reagan Ronald Alec
01.04.2022
01.04.2022
1
3.317
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Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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01.04.2022 3.317
 
Hallo liebe/r Leser/innen!

Dies ist meine erste Geschichte in diesem Fandom, obwohl ich schon lange was dazu schreiben wollte. Der Osterserienkalender gab mir nun endlich den letzten Schubser~

Daher - diese Geschichte wurde für den bereits genannten Osterserienkalender, organisiert von der lieben SerienjunkieNessa. Schaut also gerne mal dort vorbei und lasst euch von den weiteren Geschichten dort verzaubern :-)

Dieser OS wurde nicht betagelesen und leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit selbst nochmal drüber zu lesen, dies wird auf jeden Fall nochmal nachgeholt x'D

Mein zugeteiltes Wort vom Osterserienkalender war Verdorbene Eier ;')

Viel Spaß beim Lesen!



Ihre kleine Gemeinschaft wuchs von Tag zu Tag immer weiter an.

Terminal City war zu ihrem Gebiet geworden. Seitdem man sie alle gesehen hatte, - in den Nachrichten, auf offener Straße... - hatten die tobenden Mengen vor dem Gebiet kaum abgenommen. Die hohen Zäune waren durch Tritte und Schläge, durch geworfene Gegenstände mit Dellen überzogen. Das sie noch standen war ein kleines Wunder.
Die Zäune waren kein wirklicher Schutz für sie. Das einzige was sie vor der brodelnden Wut der Menschen schützte, war das Terminal City als kontaminiert galt. Für Menschen war es eine Gefahr dieses Gebiet zu betreten.
Zusätzlich hatten alle immer noch zu große Angst vor ihnen, - den Transgenos – als das sie sich einer so großen Menge gegenüberstellen würden. Im Fernseher berichteten sie immer noch über sie, aber selbst das wurde immer schwächer. Vielleicht auch weil sich Logan stets mit seinem Pseudonym als Eyes only einhackte und die Fernsehsender jedes Mal störte, wenn sie weitere Lügen verbreiten wollten.

Alec konnte es ihnen nicht übel nehmen. Bisher gab es nur negative Berichte über Transgenos und es war schwer all das wieder aus den Köpfen der Menschen heraus zu bekommen. Das sie von White noch nicht in die Enge gedrängt wurden war pures Glück für sie alle.

Sie hatten hier ihr zu Hause aufgebaut. Alec vermisste seine Dusche mit heißen Wasser, die Privatsphäre eines eigenen Zimmer und Bettes und die Ruhe vor allerlei Anfragen. Dix führte zu viele Listen mit allem was sie brauchten, - angefangen bei Klopapier, hörte es scheinbar nie auf. All ihre Spezien waren unterschiedlich. Jemand brauchte mehr Wärme, ein anderer die Kälte. Es gab vielfältige Unterschiede, was es schwierig machte jeden zufrieden zu stellen. Mittlerweile hatten sie abgeteilte Bereiche, sie zapften jede Stromleitung an die möglich war, versorgten alle so gut es ging.
Es war schwer vorstellbar, dass sie alle Krieger waren. Man hatte sie erschaffen um zu Kämpfen, man hatte sie dazu ausgebildet. Alec wusste das zu genau, immerhin hatte er über zwanzig Jahre damit verbracht für Manticore zu arbeiten, - ganz ohne schlechten Gewissen oder negativen Gedanken.

Heute sah das anders aus und irgendwann würde er sich dafür bei Max bedanken... Oder auch nicht.

Alec hatte viel gelernt, seitdem er unter den Menschen verweilte, tatsächlich auch ein paar Manieren die er vorher gegenüber Freunden nicht hatte. Max und er waren eine Familie, wie Geschwister die sich ständig neckten, ein Dank wäre... unangebracht.

Es gab andere Personen die mehr einen Dank verdienten.

„Alec!“

Er war sicherlich eine freundlichere Person geworden, seitdem er Manticore verlassen hatte. Alec kam dennoch nicht umhin die Störung seiner Ruhe mit einem lauten Seufzen zu kommentieren. Die Stimme war bekannt und verbunden mit einem Wort – Arbeit!

„Was willst du Dix?“

„Max meinte ich sollte dir eine Liste bringen. Wir brauchen wieder einige Lebensmittel“, begann Dix zu reden, ohne ein stottern oder zögern in der Stimme.

Manchmal passierte es immer noch, dass Alec ein paar Transgenos einschüchterte, ohne es zu wollen. Ein Blick um sie herum reichte aus, um zu erkennen welches Glück er doch hatte. Er sah aus wie ein Mensch, - wie ein besonders attraktiver Mensch. Man erkannte nur anhand des Strichcodes in seinem Nacken, dass er kein normaler Mensch war. Die meisten Transgenos hatten es schwerer, - ihre Gene wurden mit Tiere gemischt, damit sie sich tarnen konnten oder in bestimmten Gebieten besser zurecht kämen.
Hier gab es mehr schuppige Gesichter, als die man von Menschen kannte. Alec kannte viele Geschichten und Hintergründe, wusste wozu man die einen einsetzen wollte, bis Manticore zerstört wurden war. Alec konnte sich unter den Menschen bewegen, ohne direkt aufzufallen. Dennoch war sein Gesicht nicht mehr unbekannt, er musste sich meistens mit Sonnenbrillen und Mützen bedeckt halten, damit es zu keinem Ärger käme.

Er streckte die Hand nach der Liste aus, bekam sie direkt ausgehändigt und warf einen entspannten Blick auf die Aufzählungen. Die meisten Sachen war die, die sie immer brauchten. Neues Wasser für alle, Brot zum Essen oder auch andere Nahrungsmittel. Die meisten davon nicht so schwer aufzufinden, wie manch andere. Milch war wichtig oder andere Kalzium enthaltene Lebensmittel. Er hatte einmal erlebt wie es war, wenn der Kalziumpegel zu niedrig war, - für normale Menschen vermutlich nichts schlimmes, aber es wirkte sich extrem aus, wenn man Max oder er selbst war.

Dix wollte sich bereits verabschieden, vermutlich um direkt weiterer solcher Listen aufzustellen, mit denen sich Alec früher oder später herumschlagen müsste.

„Warte“, mit gerunzelter Stirn starrte er auf den Zettel, im Augenwinkel nahm er wahr wie Dix stehen blieb. „Was ist... verdorbene Eier? Wer zur Hölle braucht denn so etwas?“

Alec verzog etwas das Gesicht. Jeder hier sollte essen was er wollte, aber der Gedanke am Geruch von verdorbenen Eiern war... widerwärtig. Da bekam er direkt eine Gänsehaut und er hatte so vieles miterlebt, dass dies unmöglich sein sollte.

„Die sind für Mave“, antwortete Dix und sein Blick ging in die Richtung eines Transgenos, der erst seit ein paar Tagen hier mit ihnen lebte. Sie war sehr groß und schlank, als hätte man sie in die Länge gezogen, ihr Hals war vielleicht sogar ein Stück länger als es bei Menschen wäre. Sie hatte fleckige Haut und Alec hatte bereits einmal mit ihren Krallen Bekanntschaft gemacht. „Ihre Gene wurden mit einem Marder gemischt und... Marder sind nicht für verdorbene Eier bekannt, aber sie hat wohl nie was anderes bekommen in Manticore und sich daran gewöhnt. Sie will nichts anderes zu sich nehmen als Wasser und verdorbene Eier.“

Manchmal wusste Alec nicht ob man sich über ihn lustig machen wollte, aber in Zeiten wie diesen musste er einfach alles ernst nehmen.

„Na schön, ich schaue was ich... besorgen kann“, murmelte er, mehr zu sich als in die Richtung von Dix, bevor er sein Handy hervorzog, dass er glücklicherweise immer noch hatte – und welches auch funktionsfähig war. „Ich werde in ein paar Stunden zurück sein, dass schafft ihr oder?“

Dix nickte ihm zu, bevor er wirklich ging. Alec erhob sich von seiner Hängematte die mehr improvisiert war als alles andere. Er tippte seine Nachricht zu Ende, schickte sie ab und begann dann den Zettel zusammen zu falten und in seine Jacke zu stecken.

Nun, auf zum Großeinkauf.


~


Er war mit seinem Motorrad schnell unterwegs. Das änderte jedoch nichts daran, wie oft er hin und her fahren musste. Jedes Mal war eine neue Herausforderung. Die Menschenmengen wurden zwar immer weniger, aber einige waren immer noch da. Er musste verschiedene Wege nutzen, um unentdeckt zu bleiben. Er lieferte das Wasser ab, Decken die gefunden wurden, ein paar elektronische Dinger für Logan und einige der bereits gefundenen Nahrungsmittel.
Bisher wusste er nur noch nicht, wie er an verdorbene Eier herankommen sollte. Wann immer er auf Marktplätzen danach fragte, bekam er argwöhnische Blicke zugeworfen, wurde gefragt ob er von irgendeinem Amt kam und wurde mehrmals verjagt. Manchmal wurde er von Äpfeln abgeworfen, die er dann einfach mitnahm.
Glücklicherweise hatten sie Freunde. Kontakte.

Menschen, die auf ihrer Seite standen und helfen würden.

Alec hatte dennoch keine große Hoffnung gehabt, was den Extra-Wunsch anbelangte. Doch das vibrieren seines Handys und die SMS die er zu lesen bekam, weckte neue Hoffnung.

„Das ich mich jemals über verdorbene Eier freuen würde...“, murmelte er zu sich selbst.

Alec ignorierte die Nervosität und seine schwitzenden Hände, als er sich auf den Weg machte. Alles um ihn herum wirkte so zerstört wie immer. Die Stadt baute sich immer besser auf, es wirkte dennoch so grau und zerstört. Man erkannte wie arm die Stadt war, - es gab kaum Autos, die meisten bewegten sich zu Fuß fort oder mit Fahrräder. Doch die Gegend in welche er fuhr war etwas... anders. Es war immer noch grau und es gab Zerstörung um sie herum, doch es war nicht so schlimm wie in vorherigen Bereichen der Stadt.
Er leckte sich die Lippen als er nach oben blickte, etwa dorthin wo er hinmüsste. Die Haustür aufzudrücken war eine Leichtigkeit, normalerweise wurde alles präzise abgeschlossen, doch wenn man ehrlich war... keines der Schlösser war wirklich stabil.
Sein Beine trugen ihn die Treppen hinauf, bis er vor einer Wohnungstür stand. Sie sah aus wie jede andere, nur der Name am Klingelschild war ein anderer.

Ronald.

Er klopfte einige Male gegen die Tür, musste nur eine kurze Zeit warten, bevor sie vor ihm geöffnet wurde. Alec verschleierte alle Gefühle mit einem großspurigen Grinsen auf den Lippen.

„Hast du es echt geschafft verdorbene Eier zu beschaffen, Normal?“

Besitzer und Gründer von JamPony und sein ehemaliger Chef, - Reagan Ronald. Alec erinnerte sich an ihre erste Begegnung und er erinnerte sich auch an die meisten anderen Momente ihres Kennenlernens. Alec würde sogar sagen das sie eine Freundschaft aufgebaut hatten. Er hatte es immer genossen, wie sein Chef zu ihm aufgesehen hatte, wie sie über das Kämpfen und ein paar andere Sachen reden konnte, er hatte sich normal gefühlt, wie ein Mensch. Dafür hatte er auch stets ignoriert, dass sein Chef ihn beinahe immer ansabberte vor Bewunderung.

Oder ihm Spitznamen gab.

Goldjunge, hallte in seinen Ohren wieder. Tatsächlich hörte er das immer seltener, seitdem alles einfach nur schief gelaufen war, - für sie alle.

„Es war nicht einfach, aber ja!“ Normal ging zurück in seine Wohnung, was Alec als Einladung aufgriff einzutreten und die Tür hinter sich zu schließen. „Es ist nicht so viel, aber ich hoffe es wird für ein paar Tage reichen. Normalerweise werden verdorbene Eier direkt aussortiert, aber die Tafel hebt sie immer auf. Manche Menschen gehen das Risiko ein.“

Alec verzog das Gesicht, er hatte den Magen eines Menschen und konnte sich nicht vorstellen verdorbene Eier zu essen. Vor allem wenn er wusste das sie verdorben waren. Das zeigte wohl nur wieder, wie extrem manche Menschen unter der Situation litten.

„Nun, unser Glück“, Alec betrachtete die drei Packungen Eier. Er wusste nicht wie viel Mave essen würde am Tag, aber er hoffte es genügte wirklich für ein paar Tage.

„Also“, Normal starrte ihn mit Skepsis in den Augen an. „Ihr esst also... verdorbene Eier?“

Reagan stellte oft Fragen zu den Transgenos und was sie von normalen Menschen unterschied. Es hatte lange gedauert ihm einen Überblick über alles zu geben und Alec war schon stolz darauf, dass er so geduldig damit war, alles zu erklären. Normal hatte jede Kleinigkeit hinterfragt und das war durchaus anstrengend gewesen.
Trotzdem war Alec nicht nur stolz auf sich selbst, - sondern auch auf seinen ehemaligen Chef. Immerhin war Reagan ein großer Gegner der Transgenos gewesen doch seit dieser ungewollten Geiselname... hatte sich alles verändert. Vielleicht war das der Grund für dieses Gefühl in seinem Körper, dass er vielleicht aus einer vorherigen Beziehung kannte, aber versuchte zu ignorieren.

„Keine Sorge, die sind nicht für uns... nicht direkt zumindest“, Alec trommelte auf den Pappverpackungen. „Wir haben jemand Neues bei uns. Ihre Gene wurde mit denen eines Marders gemischt und scheinbar... Mag sie verdorbene Eier oder besser gesagt, sie weigert sich etwas anderes zu essen. Ich hoffe wir können dem entgegenwirken, aber bis dahin soll sie nicht verhungern! Also wenn du weiter nach dem Zeug Ausschau halten könntest...“

„Ich tue alles für di- euch“, bestätigte Normal, er rieb sich nervös den Nacken bei seinem Versprecher, Alec war davon lediglich etwas belustigt. „Ich gebe Bescheid wenn ich wieder welche bekomme.“

Alec nickte langsam: „Hattest du irgendwelche Probleme? Wegen uns?“

Es wurde sicherlich nicht gerne gesehen, wenn jemand den Transgenos half. Daher waren ihre Treffen immer sehr privat, nicht in der Nähe von JamPony, - am besten nirgendwo, wo man sie sehen konnte. Es ging nicht nur um die Sicherheit von Normal, sondern auch um seine eigene. Doch zumindest könnte sich Alec verteidigen.

„Nein. Alle sind zu fixiert darauf direkt gegen euch zu schießen, ich bin ein niemand.“

„Du bist kein niemand, Normal“, widersprach Alec direkt. „Die meisten Menschen sind einfach nur blinde Idioten.“

Reagan lachte kurz auf: „So wie ich? Es gab eine Zeit da wollte ich euch alle tot wissen.“

Alec winkte entspannt ab, mit einem funkeln im Augen zwinkerte er seinem ehemaligen Chef zu: „Als ob du deinen Goldjungen getötet hättest. Wenn ich es dir erzählt hätte wäre es vielleicht entspannter gewesen.“
Er war sich nicht sicher ob er wirklich eine Röte auf dem Gesicht des älteren Mannes entdeckte, aber wenn es so wäre dann würde es ihn durchaus amüsieren. Vielleicht würde es auch das kribbeln in seinem Bauch verstärken.

„Vermutlich hast du Recht, ja...“

Es blieb still für einen Moment. Normalerweise hatte er damit keine Probleme, doch es wurde seltsam. Eine Anspannung baute sich auf, aber es war eine Art von Anspannung, aus der er nicht mit einem gezielten Tritt raus kam.
„Nun, ich werde dann jetzt gehen... Mit diesem“, er zeigte auf die verdorbenen Eier die er als Stapel hochhob.

„Warte Alec“, Normal rieb sich wieder den Hinterkopf, als würde er seine nächsten Worte mehrmals überdenken. „Ich weiß nicht wie das Essen bei euch ist...“

„Oh, denk besser nicht darüber nach“, der Transgeno verzog das Gesicht wenn er an die alltäglichen Eintöpfe aus Resten dachte oder was sie eben gerade da hatten.

„Nun, möchtest du vielleicht zum Essen hier bleiben?“

Der Mann streckte die Brust nach vorne raus, vielleicht ein Versuch selbstbewusst zu wirken. Alec kam nicht umhin, ihn anzustarren und nach Fehlern zu suchen. Irgendwas verräterisches, was ihn verunsichern sollte, doch da war nichts außer... Reagan, sein unsicherer Chef der ihn stets anstarrte, als wäre er wirklich ein Goldjunge.

Alec ließ seinen Blick in die Richtung der Küche schweifen, er hatte bisher keinen Geruch wahrgenommen, aber er glaubte etwas zu hören. Vielleicht waren das auch nur die Geräusche des Kühlschrankes.

„...warum nicht? Solange ich dich nicht störe?“

„Absolut nicht!“

Vielleicht bekäme er Ärger dafür, dass er so lange weg blieb, aber das war es wert, wenn er dafür das zufriedene Grinsen von Reagan sehen konnte. Nun, etwas gutes zu Essen war auch ein Pluspunkt. Warme Mahlzeiten waren eine Seltenheit und noch etwas, dass Alec stark vermisste.
Sein Blick ging mit den Bewegungen von Reagan, welcher sich an ihn vorbei zur Küche bewegte. Dann widmete er sich wieder der allgemeinen Raumgestaltung. Er hatte kein Auge dafür, aber er hatte Vergleiche – man merkte das Reagan hier lebte und das vermutlich schon einige Jahre. Es war wie das, was Alec als ein zu Hause bezeichnen würde. Er hatte nicht viel Erfahrung mit einem zu Hause, aber so stellte er sich das vor. Zumindest in etwa.

„Ähhh, gibt es irgendwas, dass du nicht isst oder... essen darfst?“, rief Reagan ihn aus der Küche aus zu.

Alec hatte sich mehr in den Raum hinein gewagt und war dabei ein paar eingerahmte Bilder zu betrachten, als er antwortete: „Ich bin nicht wählerisch. Mach einfach was dir schmeckt, dann wird es mir sicherlich auch schmecken!“ Dann griff er direkt nach einem Bilderrahmen und betrachtete die strahlenden Gesichter darauf.

Normal war einfach zu erkennen, wie lange das Bild auch her war, sein Ex-Chef hatte sich kaum verändert. Wer die anderen Personen waren konnte Alec nur erraten. Vielleicht war die etwas ältere Dame seine Mutter und das jüngere weibliche Gesicht könnte seine Schwester sein? Ein Mann im Rollstuhl vielleicht ein Großvater. Eine Familie die beisammen war und Fotos machte, - ob es so etwas heute noch oft gab?
Er stellte das Bild wieder an Ort und Stelle zurück, bevor er sich den Geräuschen aus der Küche näherte und am Türrahmen gelehnt stehen blieb. Der Anblick von Reagan in einer gestreiften Schürze sollte ihn nicht so sehr fesseln, wie er es tat.

„Was genau machst du eigentlich?“, fragte Alec interessehalber nach, auch wenn er nicht mäkelig war.

Reagan zuckte zusammen, doch Alec machte sich nicht viel daraus. Er war darauf trainiert wurden, sich auch leise fortzubewegen, dass machte Attentate einfacher in Missionen. Auch wenn es gerade keine Mission war. Zumindest nicht direkt.

„Ich... mache Steak“, antwortete Normal noch etwas stockend, aber mit einem anschließend leicht dümmlichen Grinsen auf den Lippen. „Du hast wirklich Glück, an Steak kommt man heute nur schwer!“

Alec nickte langsam: „Wo bekommt du all das immer nur her, Normal? Scheint als hättest du bessere Kontakte, als du zugeben magst.“

„Oh, nein, nein“, Reagan schüttelte schnell den Kopf, als wäre es etwas Schlechtes gute Kontakte zu haben. „Ich habe manchmal einfach Glück. Vor allem mit meinen Kunden bei JamPony!“

„Wenn das so ist, dann hättest du mich trotzdem früher zum Essen einladen können!“, meinte er weiterhin neckisch.

„Nun... Ja, dass hätte ich wohl.“ Normal redete so leise und schnell, dass Alec seine Worte nur hören konnte, weil er darauf trainiert war, - nun, er hatte auch die Gene einer Katze in sich, die sicherlich halfen.

Natürlich war sich der Transgeno darüber bewusst, welche Wirkung er auf seine Mitmenschen hatte – oder Mittransgeno. Er war sich sicher das Manticore es darauf ausgelegt hatte, seinen Charme zu verfeinern, um dies als Waffe nutzen zu können. Der Charme blieb eine Waffe, doch eher auf unbewusster Basis. Alec nutzte sie für viele Gelegenheiten, manchmal ging es um Flirts, andere Male auch darum zu bekommen was er wollte.
Gegenüber Normal war es eine Sache, die er selten nutzte. Vielleicht weil er sein Chef gewesen war und sie so selten mal Zeit alleine verbracht hatten, dass es unangenehm hätte werden können. Selbst jemand wie Alec machte sich Gedanken darüber, wie es ihm ergehen würde, - gerade wenn er mit der Person flirten würde, welcher es zu verdanken war, dass er besser Geld verdiente und überall unterwegs sein durfte.

„Wie läuft es so bei JamPony? Ich meine nachdem du ein paar Angestellte verloren hast.“ Sie hatten nie die Zeit gehabt normale Gespräche zu führen, seitdem die komplette Stadt Jagd nach ihnen machte. Da gab es keine Zeit für solche Fragen und Gedanken.

„Oh, frag nicht“, Normal verzog die Miene, dass konnte Alec selbst von seiner Position aus sehen. „Es gibt nichts als Faulpelze mehr! Kein Gefühl für ein Leben das dem Kunden und dessen Zufriedenheit gewidmet ist! Ich dachte, ich hätte das Schlimmste bereits erlebt, aber nein! Es geht noch schlimmer!“

Alec schmunzelte, er hatte oft dabei zugehört wie Normal über seine Angestellten gemeckert hatte, natürlich war er dem meistens außen vor gewesen, weil ihre Beziehung zueinander eine andere war.

„Vielleicht kommt es ja mal dazu, dass du uns alle zurück bekommst“, erwiderte der Transgeno, er betrachtete die kleine Küche und auch wenn es Stühle gab, hob er sich auf den Tisch, beobachtete wie Normal weiter am Steak und den Beilagen arbeitete. „Es könnte noch ein paar Jahre oder Jahrzehnte dauern... aber vielleicht...“

„Ich würde euch alle sofort zurücknehmen, glaub mir!“ Normal warf einen kurzen Blick über seine Schulter, dann wurde der Blick länger. „Alec... es gibt Stühle.“

„Komm schon, auf Arbeit durfte ich auch sitzen wo ich will.“

Er war sich durchaus den Vorzügen bewusst, die er genossen hatte und das nicht nur, weil man es ihm stets gesagt hatte.
Alec versuchte seinen ehemaligen Chef nicht weiter abzulenken, damit es nicht länger als nötig dauern würde, bis es Essen gäbe. Er blieb auf dem Tisch sitzen, beobachtete Normal bei allem was er machte und wann immer der Mann zu ihm sah, schenkte er ihm sein schönstes Lächeln. Alec musste sich bemühen nicht zu kichern, wann immer er bemerkte das Normals Handlungen für einen Moment außer Kontrolle gerieten oder seine Wangen rot wurden.

Was sich auch immer anbahnte war vielleicht nicht ernst zu nehmen und zu gefährlich für die derzeitigen Umstände. Doch seine Brust schien anzuschwellen wenn er daran dachte und deshalb würde er jedes Risiko eingehen.

Selbst wenn er dafür verdorbene Eier als Vorwand nutzen müsste.
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