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Blutige Tiefen

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer, Action / P18 / Mix
01.04.2022
22.04.2022
5
12.375
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01.04.2022 1.252
 
Shayne, Mendri und Faelyrin hatten sich vor der Menagerie des Meisters in Revendreth gesammelt und warteten auf ihre beiden Kameraden. In der Entfernung wirbelte der blutrote Nebelstrom, welcher in den Schlund führte und Faelyrin folgte den Bewegungen mit dem Blick.
Schließlich widmete sie sich Shayne und Mendri. Der Zwerg hatte es sich auf einem der eingestürzten Mauern bequem gemacht und kaute laut schmatzend auf einer Phantasmakeule herum während Shayne einen seiner Pfeile in den Händen drehte.

„Will ich wirklich wissen, wo du die versteckt hattest?“, fragte er angewidert und Mendri schmunzelte unter seinem Bart nur ein wenig.
„Ein Zwerg genießt und schwe-...“

Es war das leise Schaben schwerer Plattenteile einer Rüstung sowie das Schlagen von Lederflügeln, dass die Drei aufhorchen ließ und ihre Köpfe drehten sich in die Richtung der Geräusche.
Nur wenige Meter von der Gruppe entfernt ließ sich ein Nachtelfen Todesritter aus dem Sattel der gepanzerten Fledermaus gleiten, die ihn hergebracht hatte.

„Und?“, fragte Faelyrin hoffnungsvoll und Zerian schüttelte nur den Kopf. Enttäuscht seufzte sie und ließ sich neben Mendri und Shayne auf dem Mauerstück sinken.
„Zu viert werden wir es nicht schaffen Generalin Kaal festzusetzen…“, murmelte sie.
„Hatte unser Vorzeigemönch denn wenigstens einen guten Grund?“, grunzte Mendri und Zerian zuckte mit den Schultern.
„Er hängt im Gasthaus seit Stunden über dem Eimer und hat gerade so die Hühnersuppe drin behalten … reicht dir das als Grund?“

Mendri starrte mit halb geöffnetem Mund auf die Keule in seiner Hand und warf diese schließlich schwungvoll über die Schulter in die Tiefe.

„Danke ich war ohnehin fertig mit dem Essen …“
„Du musstest ja fragen“, sagte Zerian.
„Können wir zurück zum Thema? Uns fehlt jedenfalls dann einer, der Austeilen kann. Uns fehlt die Mannstärke, das auszugleichen.“ Shayne seufzte schwer und entrollte ein Pergament.

Auf dem Papier tauchten verschiedene Worte und Titel auf und wie von Zauberhand verschwanden einige davon sofort wieder oder wurden an anderen Punkten der eingezeichneten Landkarte gezeigt.
„Hilfe brauchen wir von den Anderen der Gilde nicht zu erwarten“, sagte er und studierte die immer wieder aufleuchtenden Namen.
„Richtig. Denen war es ja wichtiger alleine loszuziehen…“, zischte Faelyrin bitter und Zerian verschränkte die Arme vor der Brust.

„Hast du denn etwas Anderes erwartet?“
Ein Augenblick der Stille legte sich um die Gruppe ehe der Todesritter sich wieder an Faelyrin wandte.
„Traust du dir das heute zu?“
In seiner Stimme lag etwas Herausforderndes und die Dämonenjägerin hob langsam den Kopf.
„Bitte?“, fauchte sie.
„Naja, das wird nicht einfach da drin. Nicht das du kalte Füße bekommst und die Flatter machst?“
Der Nachtelf grinste und Faelyrin konnte nicht antworten, da hatte Mendri sie schon an seine Seite gezogen.
„Mach dir mal keine Sorgen, mein Großer. Unsere Fae hier und ich, wir sind zusammen so gut wie einer, der richtig austeilen kann und …“
Faelyrin wollte ihn von sich schieben und presste ihre Hand gegen seine Wange und Schulter.
„Du kannst eff nifff Leugnewn. Wir find quaffi hnggg, einf!“, näselte der Zwerg mit den Fingern der Nachtelfe im Gesicht.
„Das kannst du sowas von knicken!“, blaffte sie.

Zerian schüttelte nur amüsiert den Kopf und beobachtete die beiden.
Mendri zog die Umarmung enger und die Dämonenjägerin japste kurz nach Luft.
„Wir. Sind. Eins!!“, flüsterte er breit grinsend. Faelyrin erkannte, dass es keinen Wert hatte und ließ die Umarmung schließlich knurrend über sich ergehen.

„Herzallerliebst, ihr beiden, nehmt euch ein Zimmer! Aber das löst unser Problem nicht. Was machen wir mit dem fehlenden fünften?“, fragte Shayne schließlich und rollte das Pergament auf seinem Schoß wieder zusammen.
„Wieso fragen wir nicht den da?“ Mendri hatte Faelyrin mittlerweile losgelassen und deutete auf einen etwas verloren wirkenden Draenei, der sich am Eingang des Gefängnisses aufhielt.
Die anderen folgten seinem Fingerzeig mit den Blicken und Zerian hob überrascht eine Braue an.

„Du willst wirklich einfach so einen Wildfremden fragen?“
„Wieso nicht? Viel Auswahl haben wir ja nicht oder?“, antwortete der Zwerg schulterzuckend. Alle drei schauten schließlich Faelyrin an, die verwirrt von einem zum anderen sah.
„Was?“, fragte sie schroff.

„Na du hast heute das Kommando, also musst du entscheiden“, erinnerte sie Shayne an die Verantwortung, welche die Dämonenjägerin nur ungern trug und deutete mit einem Kopfnicken zu dem Fremden. Missmutig schnaubend stand Faelyrin auf.
„Ist ja gut. Ich geh ihn fragen“, sagte sie zähneknirschend und lief mit steifen Bewegungen auf den Draenei zu.
Sie erkannte, anhand seiner Rüstung und auch dem Wimpel an seinem Gürtel, dass es sich bei dem Fremden wohl um einen Paladin handeln musste.


~♦~



„Beim Licht. Ihr habt mich erschreckt“, sagte er, als Faelyrin sich mit einem Räuspern bemerkbar machte.
Die Nachtelfe zögerte und blickte über die Schulter zu ihren Kameraden.
Hilfe konnte sie wohl nicht erwarten, stattdessen hatten alle drei nur beide Fäuste mit dem Daumen nach oben erhoben und sie seufzte angestrengt.
„Wenn mein Erscheinen euch schon verschreckt hat, ist es vielleicht keine gute Idee, euch zu fragen ob ...“
Der Draenei hob abwehrend die Hände, ehe er sich mit der Faust gegen den Plattenpanzer auf seiner Brust schlug.
„Ihr sprecht hier mit einem Bewahrer und Fürsprecher des Lichts Dämon! Ich kenne keine Furcht, also stellt eure Frage!“, sagte er und plusterte sich regelrecht auf.

Faelyrin rieb sich angestrengt mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel. Sie kannte dieses Gepose von den meisten Fremden, die sie bisher gefragt hatten und gerade die meisten Paladine waren da keine Ausnahme.
„Wir suchen noch einen fähigen Kämpfer, der uns begleiten möchte, um Generalin Kaal aufzuhalten und …“

„Ihr braucht nicht weiter zu fragen. Sie halten eine Naaru in diesen Mauern gefangen! Mein Kolben soll euch gehören!“
Die Dämonenjägerin verzog die Lippen zu einer schmalen Linie und verdrehte die Augen, als er sie erneut unterbrach.
„Euren Kolben will ich nicht, ihr sollt bloß mit draufhauen … Das würde schon ausreichen“, zischte sie.
Sonderlich intelligent schien der Draenei nicht, doch seiner Rüstung nach zu urteilen, wäre er wohl durchaus fähig, genügend Schaden mitzubringen, der ihnen in der Gruppe ansonsten fehlen würde.

Die anderen hatten schließlich langsam zu den beiden aufgeschlossen und Mendri musterte den Paladin eindringlich.
„Ihr seht aus, als könntet ihr auch heilen?“, fragte der Zwerg lächelnd und der Draenei ging ein Stück in die Knie und beugte sich auf seine Augenhöhe.
„Ich bin ein Ritter des Lichtes, ich bin ein Kämpfer und Krieger, dem Heilen habe ich mich nicht verschworen“, erklärte er und Mendri runzelte die Stirn, als der Draenei sich aufrichtete und vorauslief.

Mendris lächeln erstarb und der Zwerg verengte die Augen ein wenig bevor er sich zu Faelyrin wandte. „Was ein Angeber“, nuschelte der Zwerg und die Nachtelfe seufzte.
„Es war ja nicht meine Idee ihn zu fragen“, sagte sie und Mendri brummte.
„Können wir jetzt endlich los?“, drängte Shayne und Zerian klopfte Faelyrin im Vorbeigehen auf den Rücken.
„Viel Spaß. Wenn der Paladin seine Flügel zieht, wird das für dich ungemütlich.“
Sie konnte die freundschaftliche Häme heraushören und sah den anderen fassungslos nach. Als sie das Gefängnis durch ein Loch in der Wand betraten begann sie zu schimpfen: „Wollt ihr mich veralbern? Ihr wolltet doch, dass wir ihn mitnehmen?“
Ihr Protest wurde von den anderen gänzlich ignoriert.

„Wird das heute noch was? Die schnellste von uns braucht natürlich mal wieder eine Extraeinladung“, rief Mendri. Faelyrin warf genervt die Hände in die Luft und folgte den vieren ins Innere der unterirdischen Kerker.
„Ihr macht mich wahnsinnig!“, knurrte sie und betrat die Kammer.

Ihre Freunde warteten bereits und Shayne grinste, Mendri strich sich über den Bart und Zerian zog einen Schleifstein über seine Klinge.
Der Paladin begutachtete währenddessen die Umgebung und die drei anderen gaben ihr einstimmig eine Antwort:

„Voll gerne!“
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