Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das verräterische Herz

von Mujuchu
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6 / Het
Caroline Fuchs Dr. Anja Licht Franz Hubert OC (Own Character) Sabine Kaiser
31.03.2022
10.04.2022
7
11.515
4
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
31.03.2022 1.343
 
Frau Doktor Fuchs hatte die Auswertung der Smartwatch auf dem Seziertisch ausgebreitet und versuchte die letzten Tage und Stunden des Toten nachzuvollziehen. Der Mann hatte es jeden Tag geschafft seine 10 000 Schritte zu gehen und auch die Blutdruck- und Pulswerte waren im grünen Bereich. Doch als die Pathologin auf das Blatt schaute, das die letzten 24 Stunden abbildete, stutzte sie. Die Werte hatten sich drastisch verschlechtern und insbesondere in der Nacht war es zu Atemaussetzern und Herzrhythmusstörungen gekommen. Die Ärztin konnte sich die Veränderung nicht erklären und runzelte die Stirn. In diesem Moment öffnete sich die Tür zur Pathologie und die beiden Ermittler Hubert und Girwidz kamen herein. “Ah, da sind Sie ja”, begrüßte sie Dr. Fuchs und lächelte die Polizisten an, “schau’n Sie doch mal. Das ist die Auswertung der Smartwatch von Herrn Münch. Er hat sich wirklich Mühe gegeben und ist viele Schritte gegangen. Seine Werte bewegen sich im Normalbereich, aber dann ist irgendetwas passiert.” Sie zeigte auf die Diagramme der letzten 24 Stunden. “In dieser Nacht hat er wirklich schlecht geschlafen und es ging ihm gar nicht gut. Was ist da passiert? War das die Nacht vor dem Mord?”, wollte sie von den beiden wissen. Girwidz tat so, als würde er die Linien und Werte studieren, aber eigentlich hatte er keine Ahnung, was ihm die Auswertung sagen sollte. Hubert dagegen sah verlegen zu Boden und brummte leise: “Die Werte san net vom Münch.” Überrascht schaute Dr. Fuchs ihn an: “Wie meinen Sie das? Von wem sind sie dann?” “Des ist doch wurscht”, entgegnete er ihr und sammelte die Ausdrucke ein. Dann ließ er die Pathologin stehen und verließ den Raum. Dr. Fuchs wandte sich an Girwidz: “Wissen Sie, was er hat?” Reimund Girwidz druckste erst etwas herum, aber dann teilte er seine Vermutung mit der Pathologin: “Ich glaube, Herr Hubert hat sich die Smartwatch des Toten ausgeliehen und in der Nacht getragen. Die schlechten Werte stammen wohl von ihm.” Ohne auf eine Antwort zu warten, folgte er seinem Kollegen und zurück blieb eine nachdenkliche Ärztin.

Kurz vor Feierabend kam Dr. Fuchs überraschend auf dem Revier vorbei. “Frau Fuchs, welche schöne Überraschung!”, begrüßte sie die Revierleiterin, “Was verschafft mir die Ehre?” Die Pathologin begrüßte die Polizeirätin und fragte nach Hubert. “Ich glaube, der sitzt noch ein seinem Büro”, vermutete Sabine Kaiser. Tatsächlich saß der Gesuchte an seinem Schreibtisch, aber er war gerade dabei seine Lederjacke anzuziehen und Feierabend zu machen, als Dr. Fuchs den Raum betrat. “Haben Sie noch einen Moment Zeit, Herr Hubert?”, fragte die Pathologin ihn und setzte sich auf den Stuhl ihm gegenüber. “Eigentlich net”, entgegnete Hubert und machte keine Anstalten sich wieder hinzusetzen. Doch die Ärztin hatte die Auswertung des letzten Tages noch einmal ausgedruckt und legte sie vor ihn auf den Tisch. “Das sind Ihre Werte, Herr Hubert”, kam sie direkt zur Sache, “und die sind nicht in Ordnung. Ich muss Ihnen dringend empfehlen einen Arzt aufzusuchen!” Hubert blockte sofort ab und sagte unfreundlich: “Des geht Sie gar nichts an!” Er nahm das Blatt vom Tisch, zerknüllte es und warf es in den Mülleimer. Noch bevor Caroline Fuchs etwas erwidern konnte, rauschte er aus dem Raum und verließ das Revier.  

Frau Kaiser betrat verwundert das Büro, indem die Pathologin noch immer saß. “Ist was mit dem Herrn Hubert?”, fragte sie und rührte dabei in ihrem Kaffee, “Wollen Sie auch einen?” Caroline Fuchs nickte und so tranken die beiden Frauen gemeinsam einen Kaffee und die Pathologin erzählte der Revierleiterin von der Auswertung der Smartwatch. “Es wird Herr Hubert sicher nicht recht sein, wenn ich mit Ihnen darüber rede, aber die Werte waren wirklich besorgniserregend. Ich mag den Herrn Hubert, denn unter seiner rauen Schale ist er ein mitfühlender und sensibler Mann. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich spreche hier nur als Kollegin und Ärztin und als solche mache ich mir große Sorgen um den Mann.” Sie machte eine kurze Pause, bevor sie weitersprach: “Als der Herr Girwidz noch Revierleiter war, hat er ihn nach dem Weggang von Frau Doktor Licht in Therapie geschickt, aber er hat sich herausgemogelt. Damals war ich zwar noch nicht die hiesige Pathologin, aber wir haben uns in der Klinik kennen gelernt, in der damals eine Frau ermordet wurde.” Sabine Kaiser nickte, denn Sie wusste natürlich, dass ihre Pathologin in einer Klinik für Burnout behandelt worden war, ehe sie die Stelle von Frau Dr. Licht übernahm. Von Huberts Kurztherapie hatte sie jedoch nichts gewusst. “Ach?”, fragte sie deshalb, “wissen Sie auch, was der Grund für diese Therapie gewesen war?” Dr. Fuchs zögerte, doch da sie nicht die behandelnde Ärztin des Kollegen war, hatte sie auch keine Schweigepflicht. Unter diesen Umständen beschloss sie der Revierleiterin alles zu erzählen was sie wusste.

“Ich war ja damals nur eine Zeugin, aber ich konnte mir in den letzten Monaten so einiges zusammenreimen. Dr. Licht war ja die Ex-Frau von Herrn Hubert, wie Sie wissen, und auch wenn sie schon lange geschieden waren, hat ihn ihr Weggang aus Wolfratshausen doch sehr mitgenommen. Herr Girwidz hat ihn damals deshalb zur Therapie geschickt, weil sich ein paar Tage später ein Schuss aus Huberts Dienstwaffe gelöst hatte, während er alleine in seinem Büro saß. Er behauptete zwar, der Schuss hätte sich beim Reinigen der Waffe gelöst, aber es war nicht Huberts Art, seine Waffe zu reinigen. Als ich dann hier als Pathologin anfing, war das kein Thema mehr, aber so viel habe ich dann in der Zeit, in der ich hier arbeite, mitbekommen: Frau Doktor Licht ist wohl der einzige Mensch, auf den er hören würde. “Hm”, machte Frau Kaiser und ihr wurde klar, auf was die Pathologin hinauswollte, “und Sie meinen, wir sollten ihre diese Frau Doktor Licht über die schlechten Werte informieren? Also ich weiß nicht, ist das nicht ein wenig übergriffig?” “Vielleicht”, gab Caroline Fuchs zu und erhob sich dann. “Ich werde mir auf jeden Fall etwas überlegen”, versprach die Revierleiterin, die sich für ihre Untergebenen verantwortlich fühlte, und die beiden Frauen verabschiedeten sich voneinander.

Während für Frau Dr. Fuchs das Thema nun abgehakt war, ließ es Sabine Kaiser nicht los. Sie gehörte zu den Führungskräften, denen ihre Untergebenen nicht egal waren und doch war es ihr nicht aufgefallen, wie schlecht es um den Gesundheitszustand ihres Ermittlers stand. Herr Girwidz, das war klar, brauchte mehr Bewegung, doch er galt eher als Hypochonder und suchte einen Arzt nach dem anderen auf. Riedl hielt sich mit seinem Fahrrad fit und von ihrer einzigen weiblichen Kollegin auf dem Revier wusste sie, dass sie regelmäßig joggen ging. Herr Hubert sah eigentlich fit aus und sie ahnte, dass seine Beschwerden nicht nur physische, sondern vielleicht auch psychische Ursachen hatten.  

Schließlich machte die Revierleiterin ebenfalls Feierabend und gönnte sich einen entspannenden Abend in der Badewanne. Anschließend telefonierte sie lange mit ihrer Freundin Rebecca, die in München wohnte und einmal ihre Assistentin gewesen war. Ein Jahr hatte sie dann noch mit ihr zusammen in Wolfratshausen gearbeitet, bis sie befördert wurde und eine Stelle direkt in München angeboten bekommen hatte. Wie so oft, kam nicht nur Privates zur Sprache, sondern Rebecca fragte auch nach den ehemaligen Kollegen und so erzählte ihr Sabine Kaiser kurz von ihrem aktuellen Fall. Dann erkundigte sie sich bei Rebecca: “Sag mal, erinnerst du dich an unsere ersten Wochen auf dem Wolfratshausener Revier? Was für einen Eindruck hattest du eigentlich damals von Polizeiobermeister Hubert?” “Wieso?”, wollte Rebecca wissen und Sabine konnte ihr Grinsen durch den Telefonhörer spüren, “Interessiert er dich?” “Quatsch”, versicherte sie ihrer Freundin, “ich bin ja eher der lebensfrohe Typ und so ein missmutiger Grantler hätte mir gerade noch gefehlt, und außerdem weißt du ja, dass ich im Moment ein ganz anderes Beuteschema habe!” Sie hörte Rebecca kichern und dann sagen: “Der Riedl hatte mir damals erzählt, dass Herr Hubert nur einem Menschen vertraute und das war seine Ex-Frau, die aber nach irgendeiner schrecklichen Geschichte Wolfratshausen verlassen hatte. Anja Licht hieß sie und war vor Dr. Fuchs die Pathologin.” Sabine Kaiser nickte und wechselte dann das Thema. Noch lange plauderte sie mit Rebecca und dachte nicht mehr an Hubert am Ende dieses Tages.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast