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Sechs Jahre

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Het
30.03.2022
09.07.2022
35
115.343
7
Alle Kapitel
35 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
30.03.2022 1.121
 
Hallo!

Nach langem Überlegen habe ich mich entschlossen, es doch noch einmal mit dem Posten einer etwas ausführlicheren Geschichte zu versuchen. Das Fandom ist für mich Neuland, aber ich hoffe natürlich, dass ich trotzdem Euren Geschmack treffe.

Auch diesmal muss ich einräumen, dass ich mir alle Personen, die aus den Flavia-Büchern von Alan Bradley bekannt sind, nur ausgeliehen habe. Darüber hinaus gehören Ortsnamen wie Buckshaw und Bishop's Lacey ebenfalls Alan Bradley. Charlotte von Rabensberg sowie ihre Kollegen und Familienmitglieder sind jedoch meine Erfindung.

Der größte Teil der FF spielt etwa um den Zeitraum des 8. Bandes.

Posten werde ich wohl zweimal pro Woche: Mittwoch und Sonntag.

Bevor es jetzt losgeht, möchte ich mich sowohl bei WatchersGoddess als auch bei Mara Abdonnen bedanken. Erstere hat die Geschichte betagelesen, obwohl sie die Bücher von Alan Bradley gar nicht kennt, und letztere hat mir mit ihren Kommentaren das Schreiben erleichtert. Es ist immer wieder schön, solche Unterstützung zu erfahren. Daher vielen Dank!

Nun geht’s endlich los! Über Reviews würde ich mich natürlich sehr freuen.

Liebe Grüße,
Moana





Prolog


Hoch zufrieden mit dem Ausgang ihres Gesprächs verließ Charlotte das kleine Zimmer und schloss die Tür. Anfangs hatte sie gedacht, Dr. Sheffield und Dr. Robinson niemals von sich und ihren medizinischen Fähigkeiten überzeugen zu können, denn obwohl sie ein Studium durchlaufen und mit guten Noten abgeschlossen hatte, war sie immer noch eine Frau. Und Frauen waren in den Augen der meisten Männer nur dafür geeignet, Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen, das Haus sauber zu halten und Kinder zu erziehen. Doch irgendwie war es ihr gelungen, die beiden Ärzte umzustimmen. Sie wollten ihr eine Chance geben.

Lächelnd streifte sich Charlotte die Handschuhe über und sah sich in dem Saal mit den zahlreichen Betten um; ihrer neuen Wirkungsstätte. Bisher war sie nur während ihres Studiums mit echten Patienten in Berührung gekommen. Bei der Diagnosestellung und Behandlung hatte ihr immer ein ausgebildeter Mediziner über die Schulter geguckt. Schon bald würde sie auf sich allein gestellt sein. Wenn sie sich in diesem Beruf behaupten wollte, würde sie sich besonders anstrengen müssen. Fehler durfte sie sich keine erlauben. Charlotte lächelte nachsichtig. Es würde noch lange dauern, ehe Männer bereit sein würden einzugestehen, dass auch Frauen mehr leisten konnten als das, was man ihnen bisher zugestanden hatte.

„Kann ich Ihnen irgendwie helfen, Miss?“ Eine hochgewachsene Krankenschwester kam auf sie zu. Ihr blondes Haar unter der Schwesternhaube hatte sie zu einem ordentlichen Dutt zusammengefasst. Doch auf ihrer Schürze waren die Spuren ihrer stundenlangen Arbeit zu erkennen: Spritzer von Blut und anderen Körperflüssigkeiten.

Charlotte schenkte ihr ein freundliches Lächeln. „Nein, danke.“ Sie wollte sich schon in Bewegung setzen, um zum Ausgang zu gehen, als ihr noch etwas einfiel. „Ich sollte mich vielleicht vorstellen, denn ich werde ab der nächsten Woche hier arbeiten.“

„Dann sind Sie auch Krankenschwester?“ Überrascht zog die andere Frau ihre Augenbrauen in die Stirn, während ihr Blick über Charlottes Gestalt wanderte. Die Skepsis stand ihr ins Gesicht geschrieben.

„Nein.“ Charlotte schüttelte den Kopf. „Ich bin Ärztin. Charlotte von Rabensberg.“ Sie streifte sich den rechten Handschuh ab und streckte der Krankenschwester die nun nackte Hand entgegen.

„Ärztin“, wiederholte die perplex, ehe sie die Geste erwiderte. „Sie wollen hier arbeiten?“ Wieder wanderte ihr Blick an Charlotte hinab.

„Ich weiß, ich sehe nicht so aus.“ Sie trug wieder einmal eines ihrer besten Kleider und ein Sommercape darüber. Ihre Füße steckten in Pumps und auf dem Kopf trug sie einen kleinen Hut.

„Verzeihen Sie, so war das nicht gemeint.“ Die Krankenschwester senkte beschämt den Kopf.

„Das muss Ihnen nicht leidtun.“ Charlotte winkte schmunzelnd ab. „Wie ist Ihr Name?“

„Enid.“

„Enid, ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“

Nun sah die andere Frau wieder auf und lächelte, wenn auch noch etwas verunsichert. „Auf gute Zusammenarbeit.“

„Sagen Sie, Enid, Sie wissen nicht zufällig jemanden, der ein Zimmer vermietet, oder? Ich bin neu in der Stadt und wohne im Moment in einem Hotel. Das möchte ich so schnell wie möglich ändern.“ Auch wenn sie Geld besaß, hatte sie nicht vor, es für solchen Luxus auszugeben.

„Nun ja“, die Krankenschwester zögerte, „ich wüsste schon jemanden, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass Ihnen das Zimmer gefallen wird.“

„Warum lassen wir es nicht darauf ankommen?“ Sie war nicht wählerisch. Obwohl sie aus gutem Hause stammte, hatte sie gelernt, ihre Ansprüche zu senken. Und sie brauchte wirklich dringend eine andere Wohnmöglichkeit.

Enid seufzte kurz auf und nickte dann. „In meinem Haus wäre ein Zimmer frei. Die Krankenschwester, die vorher dort gewohnt hat, hat geheiratet und lebt jetzt mit ihrem Mann zusammen.“

„Würden Sie mir das Zimmer denn vermieten?“ Bisher hatte die Krankenschwester einen freundlichen und zuvorkommenden Eindruck gemacht. Aber Charlotte war dennoch skeptisch, denn meistens rief ihr Nachname früher oder später Argwohn hervor.

„Es ist wirklich winzig und mehr als ein Bett, ein Schrank und ein Tisch steht auch nicht drin“, wandte Enid ein.

„Ich brauche nicht mehr“, versicherte Charlotte. „Wie viel verlangen Sie?“

„Ich wohne dort mit einer anderen Krankenschwester. Claire. Sie hat gerade keinen Dienst.“

Charlotte nickte, entschied sich jedoch, es erst einmal dabei zu belassen. Es war deutlich spürbar, dass der Krankenschwester die Vorstellung, sie bei sich wohnen zu lassen, nicht behagte. Also würde sie sich in den nächsten Tagen in der Stadt umhören, in der Hoffnung, jemanden zu finden, der sie trotz ihrer Herkunft aufnahm. „Ich möchte mich nicht aufdrängen“, erklärte sie der Krankenschwester beschwichtigend. „Falls Sie etwas hören, wäre ich Ihnen aber sehr dankbar, wenn Sie es mich wissen ließen.“

„Das heißt, Sie wollen das Zimmer doch nicht?“

„Ich hatte den Eindruck, dass es Ihnen nicht behagt, mich bei sich aufzunehmen. Was ich verstehen kann. Sie kennen mich nicht.“

Enid zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Claire kannte ich auch nicht, als sie bei mir eingezogen ist. Sie kommt aus Australien.“

„Ein weiter Weg“, bemerkte Charlotte. Wie es schien, war sie nicht die Einzige, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt hatte.

„Ja. Woher kommen Sie?“

Mit dieser Frage hatte sie bereits gerechnet. Auch Dr. Sheffield und Dr. Robinson hatten sie ihr gestellt. „Deutschland.“

Enids Gesicht blieb unbewegt. „Jüdin?“

„Nein. Aber … es war nicht meine Ideologie.“

„Ich will keinen Nazi bei mir im Haus haben.“

„Kann ich verstehen. Aber mit mir würde auch keiner einziehen.“ Charlotte hob die Schultern. „Sie brauchen sich deshalb wirklich keine Gedanken zu machen. Ich finde schon irgendwo ein Zimmer.“ Sie nickte der Krankenschwester zum Abschied zu und wandte sich zum Gehen.

„Sie können das Zimmer haben.“

Überrascht drehte sich Charlotte noch einmal zu Enid um. „Sind Sie sicher?“

Die Krankenschwester zuckte erneut mit den Schultern. „Noch nicht. Aber Sie werden Gelegenheit bekommen, Claire und mich von sich zu überzeugen.“

Charlotte lächelte und reichte Enid noch einmal die Hand. „Ich werde mir alle Mühe geben“, versprach sie. „Vielen Dank!“
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