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Where words fail, music speaks

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Familie / P12 / Gen
OC (Own Character) Tom Hiddleston
29.03.2022
24.11.2022
19
85.582
4
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24.11.2022 4.043
 
„Meinst du, du bist soweit?“ Jenny drehte sich eher steif nach hinten um. Tom stand hinter ihr und sie hatte sich leicht an ihn gelehnt in der Hoffnung, dass deine Berührung sie etwas ablenken konnte. Sie war sich nicht mehr sicher, ob diese doch eher rabiate Idee ihrer Freunde wirklich das wahre für sie war. Aber sie hatte zugestimmt. Bisher hatte sie auch gedacht, dass es ihr helfen würde, wenn Tom und Natalie bei ihr waren. „Wir sind hier, Jen. Dir wird nichts passieren.“, versicherte ihre Schwester sie und legte ihre Hand auf Jennys Schulter. In den letzten 1 ½ Wochen war Jenny weiterhin immer wieder im Grasbüschelkostüm hinter der Bühne gestanden und es war ihr deutlich schwergefallen, aber sie hatte es tatsächlich bis auf die Bühne geschafft und hatte nach einer Sekunde der leichten Panik, während sie langsam nach oben gefahren wurde, es tatsächlich geschafft auf die Bühne zu treten und das Stück mit ihren Freundinnen zu performen. Jenny war danach vor lauter Aufregung beinahe umgekippt, aber sie war stolz auf sich gewesen, dass sie es tatsächlich geschafft hatte. Und dann, waren Keitu, Ryesha und Donna auf diese unheimlich schlechte Idee mit der ‚Schocktherapie‘, wie sie es nannten. In ihrer Euphorie des ersten Erfolgs hatte Jenny zugestimmt, war dann aber doch unruhig geworden und sowohl Tom als auch Natalie hatten darauf bestanden für sie da zu sein. Jetzt stand sie hier, ohne Grasbüschel Kostüm, aber dennoch auf dem Weg auf die große Bühne des Lyceum auf die gerade ca. 2000 Leute im Auditorium blickte. Keitu und die anderen waren auf die Idee gekommen, dass es doch auch einmal Zeit war die Leute hinter der Bühne zu ehren und nicht immer nur das Ensemble und den Regisseur. Sie hatten geplant nach der Verabschiedung einmal jede Abteilung auf die Bühne zu rufen und ihnen denselben Applaus zukommen zu lassen den sie immer bekamen. Die meisten empfanden das sicherlich als nette Geste und hatten keinerlei Probleme damit raus auf die Bühne zu treten, aber Jenny brauchte dabei noch sichtlich Unterstützung. Tom hatte ihr sogar angeboten mit ihr auf die Bühne zu kommen, aber Jenny hatte nur abgewunken und erklärt, dass das doch ziemlich seltsam wirkte, wenn jemand mit auf die Bühne kam, der doch offensichtlich nichts mit der Produktion zu tun hatte. Außerdem hatte sich Celise bereiterklärt als Dance Supervisor zusammen mit Jenny auf die Bühne zu treten, daher würde sie nicht allein sein. Außerdem würden alle, die vor ihr auf die Bühne gerufen wurden auch schon dort stehen. Aber für einen kurzen Moment würde sie mehr im Fokus stehen als je zuvor und das bereitete ihr Probleme. „Ich muss so weit sein.“, antwortete sie Tom nur wenig überzeugt. Bis zur Aufzeichnung des Finales waren es nur noch 6 Wochen und bis dahin durfte man vor allem in ihrer Stimme keine Anzeichen von Panik mehr hören. Sie musste ihre Angst zwar nicht vollkommen ablegen, sie musste allerdings so klein geworden sein, dass sie sie nicht mehr davon abhielt vor vollkommen Fremden zu singen. Dafür musste sie so oft wie möglich auf der Bühne die Erfahrung machen, dass niemand sie auslachte.

„Unsere Dance und Musical Supervisor Celise Hicks und Jennifer Jones!”, rief Shaun auf der Bühne aus und Jenny konnte nicht mehr reagieren bevor Celise sie auch schon an der Hand griff und mit sich zog. Hinter sich hörte sie nur ein „Du schaffst das!“ von Natalie die genauso aufgeregt schien wie ihre kleine Schwester. Jenny und Celise traten von der Seite auf die Bühne und die gleißenden Scheinwerferlichter ließen sie einen Moment erblinden. Als ihre Augen sich an das helle Licht gewöhnt hatten sah sie allerdings die Menge direkt vor ihr wie sie alle standen und klatschten. Sie waren sicherlich nicht für Jenny aufgestanden, aber es tat wirklich gut einmal zu sehen, wie einem eine Masse zujubelte und nicht auslachte. Durch das Licht im Innenraum des Auditoriums konnte sie auch in die Gesichter der ersten paar Reihen blicken und das bestärkte sie noch mehr in dem Wissen, dass diese Leute sie keineswegs auslachten, sondern sich freuten, ihr dankten, dass sie dieses Musical Tag für Tag am mit am Leben hielt. Dennoch merkte sie noch dieses nervöse Kribbeln in ihren Knochen das sie am liebsten hätte zur Flucht ansetzen lassen. „Und, um sie davon zu überzeugen, dass nicht nur wir aus dem Ensemble wissen, was wir tun, werden unsere beiden Supervisor jetzt etwas zum Besten geben.“ Jenny rutschte förmlich das Herz in die Hose. Alle coolness die sie bisher gehabt hatte, verging in einem einzigen Augenblick. Beinahe etwas panisch sah sie an die Seite wo Tom und Natalie standen, beide leicht geschockt, aber voller unterstützender Zuversicht. Zu Jennys großem Glück bemerkte Celise die plötzliche Anspannung in ihrer Kollegin und gab ein Zeichen, dass sie beginnen würde. Anscheinend hatte sie von der ganzen Sache durchaus gewusst, denn anderes konnte Jenny sich nicht erklären, dass sie direkt wusste, was sie tanzen sollte. Jenny hingegen war gar nicht richtig in der Lage sich etwas zu überlegen. Am liebsten wäre Jenny in diesem Moment von der Bühne gerannt und einfach nie wieder zurückgekommen, so sehr sie diese Arbeit am Musical auch liebte. Das konnte sie einfach nicht durchstehen.

Isabell, eine der Regieassistentinnen, die vor ihr auf die Bühne geholt worden waren, die Assistentin sie bei ihrer ersten Panikattacke dabei gewesen war, merkte anscheinend die ansteigende Unruhe in Jenny und trat neben sie und legte einen Arm um ihre Schulter. Für einen Moment wollte Jenny sich dagegen wehren, immerhin wollte sie nicht, dass die ganzen Menschen sahen, dass sie unruhig war, aber dann merkte sie wie sehr sie diese einfache Unterstützung erdete. Ins hier und jetzt wieder zurückholten und dazu führten, dass der Jubel des Publikums sich nicht in ihrem Kopf in Gelächter verwandelte, was gar nicht da war. „Sieh mal.“, sagte Isabell direkt an ihrem Ohr und deutete mit ihrem Kopf Richtung Bühnenabgang. Dort stand das gesamte Ensemble auf einmal. Alle hielten kleine Schilder mit Herzen in der Hand. Einerseits versperrten sie Jenny den Fluchtweg, damit sie nicht einfach rennen konnte, andererseits boten sie ihr den Emotionalen support. Erinnerten sie daran, dass sie nicht allein war, dass sie immer eine große Familie hinter sich stehen, hatte die ihr in jeder Situation helfen würde. Und anscheinend hatte zumindest Donna schon damit gerechnet, dass Jenny in der Situation nicht auch noch darüber nachdenken konnte, welches Lied sie nun vor diesem riesigen Publikum singen sollte und hatte auf ein etwas größeres Schild einen Hinweis geschrieben: Shadowland. Außerdem standen Natalie und Tom nun umringt von den anderen und hatten auch Schilder in die Hand gedrückt bekommen mit „Du schaffst das!“ und „Wir lieben dich!“ die sie nun in der Hand hielten und gespannt zusahen, was Jenny tun würde, wenn Celise fertig war.

Als Celise dann nach hinten trat und Jenny mit einem sanften Schubs vor sich schob merkte Jenny wie ihr Mund auf einmal trocken wurde. Es kam ihr so vor als würde kein ml Speichel mehr in ihrer Mundhöhle fließen und als ob ihre Lippen praktisch zusammengeklebt waren. Es kam ihr so vor als wäre es Sekundenkleber und sie würde ihren Mund nie wieder aufbekommen. Sie sah noch einmal zu ihren Freunden und alle sahen sie so hoffnungsvoll an, dass ihre Mundwinkel sich beinahe automatisch leicht nach oben hoben und die Verklebungen zwischen ihren Lippen löste sich. „Jetzt oder nie.“, murmelte sie, holte tief Luft und nickte dann dem Dirigenten unten im Orchestergraben zu, der auch sehen konnte, was für einen Titel Donna für sie geplant hatte. Und dann tat sie das, was wahrscheinlich in ihrem Fall in diesem Moment am besten war. Sie sah einen Moment direkt in die Scheinwerfer, so dass sie das Publikum nicht mehr sehen konnte. Dann hörte sie nur noch das Orchester und wartete auf ihren Einsatz.

Shadowland,
The leaves have fallen,
This shadowed land,
This was our home,

Das leichte Zittern in Jennys Stimme war deutlich zu hören, auch für sie selbst. Sie zitterte in sich und es fiel ihr unheimlich schwer ihre innere Stütze zu halten. In einer kurzen Pause atmete sie noch einmal kurz durch und versuchte sich wieder ins Gedächtnis zu rufen was sie Janique, Moya und auch Keitu erzählt hatte, als sie ihnen hatte helfen wollen sich in Nalas Situation hinzufühlen. Sie spürte die Angst die tief in ihrem Unterbewusstsein verankert war, dachte jedoch daran, dass genau, dass die Situation war, in der Nala sich im Musical befand, wenn sie das Lied sang. Sie war verzweifelt, hilflos und wusste nicht, wie es weiter gehen sollte.

The river's dry,
The ground has broken,
So I must go,
Now I must go,

Sie schloss ihre Augen, dachte an die grüne Savanne Afrikas, an die unendlich erscheinenden Weiten dieser Wildnis. Stellte sich vor dort zu leben und dann mitzuerleben, wie alles verdorrte und austrocknete. Führte sich Bilder von braunem, leblosem Gras und blattlosen, abgestorbenen Bäumen, von Trockenheit zerrissenem Boden vor. Darin Tiere und Menschen die verzweifelt versuchten in diesem Elend noch etwas Essbares zu finden. Erinnerte sich an die Bilder, die sie so oft im Fernsehen sah von Knochendürren Kindern mit aufgeblähten Bäuchen, augenscheinlich noch beinahe Babys aber eigentlich schon so alt, dass sie bald in die Schule hätten gehen können. Mütter die verzweifelt versuchten ihre Kinder am Leben zu erhalten, die ihre letzte Nahrung ihren Kindern gaben, obwohl sie selbst drohten zu verhungern.

And where the journey may lead me,
Let your prayers be my guide,
I cannot stay here, my family,
But I'll remember my pride,

I have no choice,
I will find my way,
Lea halalela,
Take this prayer,
What lies out there?
Lea halalela,

Jenny hörte das Rascheln hinter ihr und erst dann fiel ihr auf, wie auf einmal das gesamte Ensemble, inklusive einer auf Krücken laufenden Janique, hinter sie traten und den Chorteil des Liedes mitsangen. Mit einem festen Druck legte Dave den Arm um Jennys Schulter, küsste die Seite ihres Haaransatzes und reichte ihr ein kleines Mikrophon, damit sie nicht auf einmal in der Masse des Ensembles unterging. Sie sah deutliche Tränen in den Augen ihrer Freunde als sie sich kopfschüttelnd zu ihnen umdrehte. Einerseits, um das Publikum auszublenden, andererseits, um mit dem wunderbaren Gefühl der Unterstützung zu arbeiten, dass auch in dem Lied eine große Rolle spielte.

And where the journey may lead you (me),
Let your prayer be your (my) guide,
Though it may take you (me) so far away,
Always (I'll) remember your (me) pride,

Giza buyabo, giza buyabo,
(Let this prayer be your guide) I will return, I will return, Beso bo,
(Though it may take you so far away) Giza buyabo, I will return,
(Always remember your pride) Giza buyabo, oh giza buyabo,

Beso bo, my people, beso bo.

Mit einer stolzen Geste, in der sie ihren linken Arm auf 9 Uhr hob und ihren Unterarm um 90 Grad nach oben anwinkelte und ihre geschlossene Faust, Handfläche nach vorne gerichtet, drehte sie sich wieder zum Publikum. Nach einem Moment wo alle Luft zu holen schienen stürmte auf einmal das gesamte Ensemble auf Jenny zu, schloss sie in einer Traube aus Jubel und Erleichterung ein, dass sie den Applaus des Publikums kaum hören konnte. Erst als Donna die anderen dazu brachte Jenny wieder loszulassen und ihr die Möglichkeit zu geben sich vor dem Publikum zu verbeugen merkte sie Gesangslehrerin wie ihr alle zujubelten und für sie applaudierten. Ihre Gesichter erfüllt von freudigem Lächeln bis zu purer Begeisterung. „Merk dir das. Merk dir genau das.“ Sagte Donna zu ihr und führte Jenny dann von der Bühne zu Natalie und Tom. Natalie hatte feuchte Rinnsale auf ihren Wangen, hielt ein Taschentuch und Tom hatte einen Arm um sie gelegt. Sobald er sah, dass Jenny auf sie zu kam, lies er Natalie jedoch los und kam direkt auf Jenny zu soweit er konnte, ohne vom Auditorium aus gesehen werden zu können. Auch in seinen Augen konnte sie deutliche Spuren davon sehen, dass die Situation auch in ihm Gefühle ausgelöst hatte. In dem Moment in dem Jenny in Reichweite seiner Arme kam, ergriff er sie auch schon und zog sie zu sich und bedeckte ihre Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss. Der Kuss und der Stress und die Erleichterung brachte Jenny beinahe dazu, dass sie den Boden unter ihren Füßen verlor, aber Tom hielt sie so sicher und fest, dass ihr nichts passieren konnte. „Das war ein einmaliges Erlebnis.“, flüsterte er ihr zu und küsste dann noch einmal stolz ihre Stirn und führte sie von der Bühne herunter. Sie war dankbar dafür, denn ihre Beine fühlten sich immer noch schwammig und unzuverlässig an. Aber sie spürte deutlich das leicht euphorische Gefühl in sich das sich langsam in ihrem Körper ausbreitete. Es war das gleiche Gefühl wie bei einer Achterbahn. Das Hochgefühl, wenn man sich getraut hatte nach einer nervenaufreibenden Zeit in der Schlange in den Wagen zu steigen und trotz der im Unterbewusstsein verankerten Zweifel dennoch die Abfahrt überlebt hatte. Jenny fühlte sich auch als hätte sie gerade etwas überlebt was ihr Unterbewusstsein zuvor noch als Lebensbedrohlich empfunden hatte. Sie spürte das Blut in ihren Ohren rauschen, wie es das Adrenalin durch ihren Körper beförderte. Sicherlich hatte dieses Erlebnis nicht die Angst genommen, aber es hatte ihr gezeigt, wie es sein konnte, wenn sie auf einer Bühne stand und sie war stolz auf sich, dass sie es, wenn auch gezwungenermaßen, geschafft hatte. Ebenso dankbar war sie ihren Freunden dafür, dass sie sie in das kalte Wasser geschmissen hatten, ihr einfach gezeigt hatten, dass sie das Schwimmen nie verlernt hatte auch wenn eine heftige Welle sie einmal in die Tiefe gerissen hatte. Sie konnte dagegen anschwimmen, konnte die Energie der Welle nutzen und sie in etwas Gutes verwandeln.

Nach diesem einmaligen Erlebnis fiel es Jenny immer leichter hier und da als Grasbüschel auf die Bühne zu treten und auch wenn sie immer wieder diesen Anflug von Panik und leichter Übelkeit erlebte, der sie für einen Moment zu lähmen drohte, dachte sie immer wieder an diesen einen Abend zurück, an das Gefühl, dass sie es geschafft hatte, die begeisterten Blicke des Publikums und den Stolz, den sie in den Augen ihrer Freunde gesehen hatte. Sie ging viel besser mit der Tatsache um, dass sie für die Show Duette mit den Teilnehmern würde singen müssen und sie hatte auch mehr Motivation diese zu Proben. Die meisten der Duette hatte sie daher bis Mitte Oktober abgeschlossen und arbeitete mit allen außer Tom schon an den Team-Liedern war. Allerdings lag es nicht daran, dass ihre persönliche Verbindung, sie in irgendeiner Form hemmte, sondern es lag eher daran, dass Tom immer wieder mit neuen Ideen kam. Sie hatten gemeinsamen schon mehrere Duette ausprobiert und mittlerweile hatte Jenny den Verdacht, dass Tom einfach gerne mit ihr zusammen sang. Neben ihrem bisherigen Favoriten ‚Say Something‘, hatten sie auch schon ‚I got you babe‘, ‚Something Stupid‘ und ‚Just give me a reason‘ ausprobiert, aber bisher hatte ihnen nur das erste richtig gut gefallen. „Ein Freund hat mir heute ein Video geschickt. Es geht um das Lied ‚All of me‘, als Duett gesungen. Meinst du das würde passen?“, fragte Tom dann als Jenny und er sich in der Mittagspause in einem Café trafen. „Hat ‚dieser Freund‘ zufälligerweise den gleichen Namen wie du und seine Freundin singt das Duett?“, fragte Jenny mit einem Augenzwinkern und Tom sah sie überrascht an. Das Video war schon ziemlich alt und sie wusste wirklich nicht, warum Tom gerade nun darauf gestoßen wurde, aber die hatte es schon mehrmals gesehen und hatte es auch schon mehrmals in der kleinen Musikschule, in der sie vor dem Job beim Musical gearbeitet hatte, mit Schülern einstudiert und gemeinsam gesungen. „Damals war sie noch nicht seine Freundin, da kannten sich die beiden noch nicht einmal.“, bestätigte Tom Jennys Vermutung darüber wer dieser Freund war und sie musste leicht lachen. „Meinst du denn, dass es wirklich sinn macht, noch ein anderes Lied zu probieren?“, fragte Jenny dann und stoppte Toms Euphorie ein wenig. Sie mochte es, wenn er neue Ideen einbrachte, mochte die Art wie seine Augen dabei strahlten und wie sehr er sich mittlerweile dafür begeistern konnte und er sogar Ideen einbrachte, wie die einzelnen Lieder zu der ‚Geschichte‘ passten, die sie beiden sich zur Verwirrung der Jury und der Zuschauer ausgesucht hatten. Dennoch hatten sie kaum noch Zeit. Die ‚Generalprobe‘, an der auch die drei Produzenten teilnahmen, würde in etwas mehr als zwei Wochen stattfinden und sie hatten nur noch 3 Probeeinheiten, um das letzte Lied und eines der Team-Lieder einzustudieren. Zu Jennys Glück sah Tom dieses Argument durchaus ein und stimmte ihr zu, dass es besser war bei dem bereits einstudierten ‚Say Something‘ zu bleiben und sich erst einmal auf die noch übrig gebliebenen beiden Lieder zu konzentrieren.

„Hast du schon Pläne, was du machst, wenn du in zwei Wochen erst einmal frei hast?“, fragte Jenny neugierig, als die beiden sich am nächsten Tag zur nächsten Probe in den Pineapplestudios trafen. Sie wusste, dass beinahe zeitgleich mit dem Ende der Proben auch das Theaterstück das letzte Mal den Vorhang öffnen würde und dass Tom dann, bis auf die Aufzeichnung der Show, mit seiner Arbeit hier in London fertig war. Bisher hatte Jenny noch keinen richtigen Gedanken an das ‚danach‘ verschwendet, aber je näher es kam, desto stärker merkte sie den Wunsch, dass die Aufzeichnung noch weit weg war und sie die Zeit mit Tom noch etwas hätte verlängern können. Sie verstanden sich wunderbar, er brachte sie zum Lachen und amüsierte sich ehrlich über ihre Scherze. Er schaffte es mit ihr erhitzt über Musik und Literatur zu diskutieren und dabei nicht nur ihr seine eigene Meinung und Sichtweise zu erklären, sondern auch ihre anzunehmen und zu akzeptieren. Sie bewunderte seine Fähigkeit sich für Dinge so sehr zu begeistern, dass einen diese Begeisterung auf andere Menschen überschwappte und sie mit sich riss. Sie war fasziniert davon, wie authentisch er doch trotz seiner Bekanntheit geblieben war. Sie spürte wie sehr sie ihn und ihre gemeinsame Zeit vermissen würde, wenn sie erst einmal vorbei war und er wieder zurück in die USA fliegen würde, um dort sein Leben und seine Arbeit fortzusetzen, ohne sie. „Meine Mutter hat Geburtstag und ich dachte mir es wäre doch ein schönes Geschenk, wenn ihr Sohn ausnahmsweise mal nicht nur über’s Wochenende bleibt. Sarah und Hannah kommen auch und feiern etwas mit ihr.“, erklärte er, strich sich dabei jedoch leicht unsicher über den Nacken. „Ich“ er hielt einen Moment inne und biss sich nachdenklich auf seine Lippe. „Meinst du, du könntest dir zumindest das Wochenende frei nehmen und vorbeikommen?“ Sie wollte ihm schon antworten, aber er plapperte vor sich hin, erklärte ihr, dass sie sich dazu nicht verpflichtet, fühlen müsste nur, weil er sie darum bat. „Tom.“, sagte sie und sah ihn abwartend an, damit er merkte, dass er nicht weiterreden musste, sondern sie bereit war ihm zu antworten: „Ich werde mich Michael sprechen, vielleicht kann er mich für zwei Tage entbehren.“ Tom gluckste leicht, war aber erleichtert, dass sie anscheinend kein Problem damit hatte seine Familie kennenzulernen. Er wusste nicht genau, wann es sich dazu entwickelt hatte, dass er das Bedürfnis hatte Jenny seiner Mutter und seinen Schwestern vorzustellen, aber es war so und er fragte sich, ob das bedeutete, dass es für ihn doch zu etwas mehr als einer lockeren Liebschaft geworden war.

„Weinst du etwa?“, fragte Tom dann verwirrt, als er während des Durchsingens ihres gemeinsamen Duetts Jenny genauer ansah und bemerkte, dass etwas auf ihrem Augenlied das Licht der Deckenbeleuchtung brach und auch ihre Stimme verschwörerisch abgeschnürt klang. Mit einer abwinkenden Bewegung wischte Jenny sich die Augen trocken und versuchte vergeblich ein schiefen zu unterdrücken. Sie wusste selbst, dass es beinahe lächerlich war, vor allem, nachdem sie selbst der treibende Punkt gewesen war die ganze Sache locker anzugehen, aber der Gedanke ihn bald zu verlieren stimmte sie unheimlich traurig. „Ich habe mich nur gerade in die Situation von Rose und dem Doctor hineinversetzt, als die beiden sich haben trennen müssen.“, erklärte sie, doch es war unnötig, selbst wenn zumindest etwas Wahrheit darin stecke, konnte Tom genau sehen, dass das nicht der eigentliche Grund für ihren Gefühlsausbruch war. „Er hat sie einfach gehen lassen, hat sie in dieser anderen Dimension gelassen, ohne ihr die Möglichkeit zu geben bei ihm zu bleiben.“, sagte Jenny, ihre Stimme immer mehr ein Schluchzen, während sie sich nicht länger beherrschen konnte. Einen Moment hielt er sie einfach fest und sagte nichts, denn er war verwundert von der heftigen Reaktion, doch dann schien er zu verstehen und er musste ein Lachen unterdrücken. „Wenn du willst, komme ich immer wieder zu dir zurück.“, flüsterte er ihr ins Ohr und küsste ihre Schläfe. Sie löste sich schniefend von ihm und sah ihm in seine Strahlenden Augen. Sie fühlte sich unheimlich lächerlich und schämte sich beinahe vor ihrer Reaktion, aber anscheinend brauchte sie gerade ein emotionales Ventil für den ganzen Stress, den sie während ihrer selbst ausgeführten Angsttherapie erfahren hatte, und gerade war es anscheinend das hemmungslose Weinen.

Nach einer kurzen Pause schafften es die beiden dennoch weiterzumachen und, nach dem Beenden des Duetts, mit dem letzten Lied des Finales zu beginnen, von dem Jenny wirklich inständig hoffte, dass Tom es würde singen können. Nicht nur, weil das bedeuten würde, dass er der Zweitplatzierte sein würde, sondern auch weil sie dieses Leid einfach liebte, seitdem sie es zum ersten Mal im Radio gehört hatte. Es war ein reiner Gute Laune Song und definitiv geeignet, um sie in ihrer Gegenwärtigen Lage etwas aufzuheitern.

I got this feelin' inside my bones
It goes electric, wavy when I turn it on
All through my city, all through my home
We're flyin' up, no ceilin', when we in our zone

I got that sunshine in my pocket
Got that good soul in my feet
I feel that hot blood in my body when it drops (ooh)
I can't take my eyes up off it, movin' so phenomenally
Room on lock, the way we rock it, so don't stop

Überrascht saß Jenny hinter dem Keyboard und beobachtete, wie Tom auf einmal während des Refrains einfach das eingebildete Mikrophon ihr einen eingebildeten Ständer steckte und dann auf einmal begann vor ihren Augen zu tanzen. Als sie seine durchaus talentierten Schrittfolgen sah, graute es ihr vor der gemeinsamen Probe, die die beiden in der nächsten Woche mit Dean haben würden, um eine Choreographie für das Duett einzustudieren. Sie hoffte, dass Dean bedachte, dass sie nur dieses eine Training gemeinsam hatten und er sich nicht allzu komplizierte Schrittfolgen für sie ausgedacht hatte, und das nicht nur für ihr Duett mit Tom, sondern für alle anderen auch. Sie konnte tanzen, aber sie war nicht gut darin sich irgendwelche Schrittfolgen schnell einzuprägen. Tom schien damit aber weniger Probleme zu haben, denn er schien sehr selbstsicher in seinen Bewegungen. „Dann bleibt jetzt nur noch ‚Circle of life‘ oder?“, fragte Tom stolz als die beiden gerade noch rechtzeitig zum Ende der Probe mit dem letzten Finalsong fertig waren. Jenny nickte und schlug ihm vor, dass er vielleicht einfach am nächsten Dienstag vor der Probe ins Lyceum kommen sollte und gemeinsam mit dem Team zu proben. „Und was erzählen wir deinen Freunden, warum ich mitsingen möchte?“, fragte Tom und grinste verschwörerisch, während er seinen Arm um Jennys Schulter legte, um sie näher an sich zu ziehen. Jenny schlug vor, dass man ihren Freunden erklären konnte, dass er sich für ihren Job interessiert und einmal bei den Proben dabei sein wollte. Sie hoffte inständig, dass das ausreichen würde und niemand näher nachfragen würde.

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Für alle die sich unter dem Lied, das Jenny auf der Bühne performt nichts vorstellen kann, ich habe hier mal zwei Videos zusammengestellt:

https://www.youtube.com/watch?v=OPJqaxkBRro
https://www.youtube.com/watch?v=xrsWRcgAvKw&t=1184s

Das erste ist die Orginalversion von "Shadowlands" , wie es auch auf dem Soundtrack des Musicals zu finden ist, das zweite  ab ca. 17:02 die Version wie ich mir vorgestellt hab wie Jenny es in diesem Kapitel singt (auch wenn es tatsächlich Janique singt ;-) ). Wenn man beide zusammenstellt hat man dann das was das Publikum während der 'Schocktherapie' für Jenny hört

Und als kleiner Bonus: Das hier ist Jennys 'Familie'

https://www.youtube.com/watch?v=_6I7UBYOhq4&t=136s
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