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Where words fail, music speaks

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Familie / P12 / Gen
OC (Own Character) Tom Hiddleston
29.03.2022
10.01.2023
22
96.698
4
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
29.03.2022 4.541
 
Hallo!

Ich heiße euch herzlich bei meiner neuen FF willkommen. Ich dachte mir nachdem ich jetzt ein bisschen für Loki geschrieben habe, könnte ich mich auch mal an seinem Darsteller Tom Hiddleston versuchen und da ist mir die Idee für dieses FF gekommen. Ich hoffe sie gefällt euch und ich würde mich sehr freuen wenn ihr fleißig Reviews schreibt, denn die halten die Motivation zum Schreiben hoch ;-)

Also, es geht los.
Alles Liebe, eure Neffi

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Der Regen prasselte mit einem lauten Rauschen aus dem grauen Himmel herunter und ließ keinen Flecken der für diese Uhrzeit noch recht leeren Straßen trocken. Auch wenn es noch einige Minuten waren, bis die meisten Büros und Geschäfte ihre Türen schlossen, waren doch normalerweise schon mehr Pendler unterwegs zurück zu den Bussen und U-Bahnen, die sie nach einem langen Arbeitstag wieder aus der hektischen Hauptstadt Großbritanniens herausbrachten. Allerdings, schien der plötzlich aufgetretene Platzregen dafür gesorgt zu haben, dass es den meisten nun doch nicht mehr so wichtig war, möglichst früh an den Haltestellen anzukommen, um noch einen Sitzplatz zu ergattern. Nur wenige mutige, oder besonders wetterfeste Menschen waren auf den Bürgersteigen zu sehen. Verzweifelt versuchten sie mit ihren Schirmen gegen den Wind anzukommen, um nicht vollkommen durchnässt an ihrem Ziel anzukommen.

„Verdammte Scheiße!", hallte auf einmal die verärgerte Stimme einer jungen Frau durch die schmale Burleigh Street. In ihrer Hektik hatte sie den Mann übersehen, der durch den Lieferanteneingang eines Restaurants getreten war und hatte ihn mit sich zu Boden gerissen. Weiter fluchend richtete sie sich auf und half auch dem sich entschuldigenden Koch auf. Als die gestresste Frau den Dreck von ihren Kleidern schlagen wollte seufzte sie laut auf, ihr Mantel und ihre Hose waren klitschnass und sie hatte weder die Zeit, noch die Möglichkeit sich noch umzuziehen. Gehetzt sah sie auf ihre Armbanduhr und sah, dass es nur noch wenige Minuten waren, bis der Bus, den sie erwischen musste an der ungefähr 150 Meter entfernten Haltestelle abfahren würde.


Ein lautes Rauschen kündigte einen starken Windstoß an und die dunkelhäutige Britin war einen Augenblick zu langsam, um den in der Gasse konzentrierten Windstoß davon abzuhalten, die Papiere in ihrer Tasche herumzuwirbeln und chaotisch auf die nasse Straße zu wehen. „Verflucht!", schrie sie verärgert aus und versuchte verzweifelt den Schaden so gering wie möglich zu halten und ihre Dokumente vor den Wassermassen zu retten. Leider hatte das äußerst wenig Erfolg, da die Straßen durch den bereits lange anhaltenden Starkregen mindestens Fingerbreit unter Wasser standen und die Druckertinte bei den ersten Dokumenten schon begann zu verwischen. Innerlich verfluchte die junge Frau sich dafür, dass sie in der Eile, die sie gehabt hatte, nicht daran gedacht hatte, zumindest eine Klarsichtfolie um die Dokumente zu legen, immerhin war so ein Regen nicht gerade ungewöhnlich in England.


„Jenny!", rief dann eine angestrengte Männerstimme und die durchnässte und deutlich genervte Frau drehte sich in die Richtung um, aus der die bekannte Stimme ihren Namen gerufen hatte. Es war David, einer ihrer Kollegen und, wie es aussah, hatte sie ihr Smartphone auf der Arbeit liegen lassen und er war so nett gewesen ihr hinterherzueilen und es ihr zu bringen. Ungläubig seufzte Jenny und nahm David mit einem dankenden Blick das Smartphone aus der Hand. „Solltest du nicht besser noch mal reinkommen, und dich umziehen?", schlug der glatzköpfige Afro Amerikaner ihr mit einem eher besorgten Blick vor und wollte sie schon zurück zur Stage Door des Lyceum Theatre bringen. „Ich muss in 2 Stunden in Bovingdon sein." Nicht zum ersten Mal, fragte Jenny sich, ob es wirklich so klug gewesen war, den Job anzunehmen, den ihre Freundin Anna ihr angeboten hatte und nun ständig zwischen London und Bovingdon hin und her zu pendeln.


„Hey, mach dich nicht verrückt. Sobald alles läuft, wirst du bestimmt weniger zu tun haben.", versuchte David die hektische Frau zu beruhigen, indem er sie an beiden Armen packte und sie somit etwas einrahmte. Die beiden kannten sich, seitdem sie gemeinsam das erste Mal mit dem Bus auf den Weg zu ihrer neuen Arbeit im Lyceum Theatre gewesen waren. David hatte gerade den Job als Hyäne Banzai angenommen und Jenny hatte nach ihrem Studium und einigen kleineren Jobs ihre erste große Anstellung als Vocal Coach bekommen. „So war es doch bei uns auch. Am Anfang kam uns alles chaotisch vor und wir hatten Angst, dass wir uns niemals zurechtfinden werden, und jetzt ist alles Routine." Sie war tatsächlich froh, dass sie sich in den letzten 3 Jahren so gut in ihren Jobs eingefunden hatten und sie, entgegen ihrer ersten Befürchtungen, wunderbar in das bestehende Ensemble integriert hatten, wobei das in der familiären Atmosphäre auch nicht sonderlich schwer war.


„Ich muss los, Dave.", keuchte sie erschrocken, als plötzlich der rote Doppeldecker mit der Nummer 91 an ihr vorbeifuhr. „Danke dass du mir das Handy gebracht hast! Wir sehen uns morgen!", bedankte Jenny sich im Davonlaufen bei ihrem Kollegen. Eigentlich hatte sie auf ihrer knapp 1 ½ stündigen Reise nach Bovingdon die Papiere durchgehen wollen die man ihr zugemailt hatte, aber dank ihres kleinen Missgeschicks war nur noch die Hälfte davon lesbar und sie hasste es so wichtige Dinge auf dem kleinen Display ihres Smartphones lesen zu müssen, meistens verrutschte sie dabei in den kleinen Zeilen und bekam davon sogar Kopfschmerzen. Wenn sie jedoch nicht gänzlich unvorbereitet in das letzte Treffen vor den Vocal Trainings gehen wollte, würde ihr wohl oder übel nichts Anderes übrigbleiben.


Als sie sich gerade in den harten und unbequemen Sitz des charakteristisch roten Doppeldeckerbusses gesetzt hatte, leuchtete auf einmal das Display ihres Smartphones auf. Es war eine Nachricht ihrer Freundin Anna, Daves Ehefrau. Weißt du schon wen du betreuen wirst? Anna hatte selbst drei Jahre lang für das Filmstudio von Bovingdon als Vocal Coach gearbeitet und war dort eigentlich immer Glücklich gewesen, allerdings hatte sie ja auch nicht nebenbei noch einen Job beim Musical für, den sie hin und her hatte pendeln müssen. Sie hatte nur schweren Herzens ihre Arbeit niedergelegt um endlich mit Dave eine Familie gründen zu können.


Du weiß genau, dass ich es dir nicht sagen dürfte, selbst wenn ich es schon wüsste. Antwortete Jennifer nur auf die neugierige Frage ihrer Freundin. Sie konnte sich noch genau an diverse abendliche Telefonate mit Anna erinnern in denen sie rätselnd vor dem Fernseher gesessen hatte und mit ganz England zusammengeraten hatte, wer hinter den von Nicola Atkinson und ihrem Team so wundervoll gestalteten Kostümen steckte. Anna hatte in den letzten 3 Staffeln jeweils die Hälfte der Talente gesanglich so geschult, dass selbst die schlechtesten Sänger sich nicht gänzlich blamierten und jetzt sollte Jennifer in ihre großen Fußstapfen treten.


Den Versuch kannst du mir ja wohl schlecht verübeln. Das konnte sie tatsächlich nicht, und das nicht nur aus dem verständlichen Grund, dass man neugierig war, wer hinter den Masken steckte, sondern auch weil es immer schwer war sich von einem Job zu lösen bei dem man eigentlich mit viel Herzblut dabei gewesen war. Noch vor zwei Wochen hatten Anna und ihre Freundin zusammen bei einem Italiener im Covent Garden gesessen und Anna hatte ihrer Freundin alle Informationen über die neuen Kollegen und deren Vorlieben gegeben, die ihr eingefallen waren.


Nach einer kurzen Fahrt zum Bahnhof stieg die Gesangslehrerin aus dem sich langsam füllenden Bus und ging sicher, dass sie kein einziges ihrer Dokumente zurück lies. Sie wollte sich erst gar nicht ausmalen in welche Schwierigkeiten sie kommen würde, wenn die vertraulichen Informationen über die neue, noch nicht einmal angekündigte Staffel von ‚Masked Singer' an die Öffentlichkeit kommen würde. Sicherlich verschickten die Producer der Serie deswegen alles per Mail, so vermieden sie, dass man wichtige Informationen irgendwo liegenließ, oder sie im Regen zerstört wurden. Der einzige Lichtblick war, dass sich noch nicht so viele Pendler im Bahnhof befanden und sie sich somit einen Platz unter dem Dach des Bahnsteiges sichern konnte, während sie auf den Zug wartete, der sie nun die weiteste Strecke transportieren würde. Spätestens im Zug würde sie sich dann den Anhängen der vertraulichen E-Mail widmen, in der sie endlich erfahren würde welche Kostüme sich ihre Schützlinge ausgesucht hatten. Sie war überrascht darüber gewesen, dass man den Teilnehmern eine kleine Auswahl an Kostümen bereitstellte und diese dann individuell aussuchen konnten, welches Kostüm ihrer Sicht nach am besten zu ihnen passte. Noch vor wenigen Wochen hatte Jenny, wie wahrscheinlich der Rest der Nation angenommen, dass die Kostüme schon vorher fest vorgeschrieben wurden und die Teilnehmer keinerlei Einfluss mehr darauf hatten.


Wenn es jedoch die Teilnehmer waren, die sich die Kostüme aussuchten, konnten diese vielleicht auch der Gesangslehrerin erste Hinweise darüber geben, wer ihre Schützlinge sein könnten. Ebenso war sie gespannt, was das Team vom Kostümdesign sich ausgedacht hatte, denn auch die Kostüme waren immer ein Highlight der Show und nicht nur einmal hatte Jenny sich gefragt, wie die Talente unter diesen Kostümen überhaupt hatten singen können. Sicherlich würde das auch eine ihrer Herausforderungen sein, immerhin hatte sie es hier teilweise mir vollkommenen Laien zu tun, die keine Ahnung davon hatten wie man während dem Singen Luft einsparte. Kaum hatte sie sich daher in den Massen von einsteigenden Pendlern einen Sitzplatz im Zug ergattert, öffnete sie die E-Mail App auf ihrem Smartphone und drehte sich so zum Fenster, dass ihr Sitznachbar nicht auf ihr Display sehen konnte, wobei sie stark bezweifelte, dass den älteren Herren neben ihr irgendetwas interessiert hätte was vor 1980 im Fernseher gelaufen war.


Wie auf allen Dokumenten des Studios war immer nur von den Teilnehmern, oder Talenten die Rede und der jungen Gesangslehrerin war mittlerweile auch durchaus bewusst, dass sie zu den wenigen Auserwählten gehörte, die zumindest bald von der Hälfte der Teilnehmer wissen würde, wer unter den Masken steckte. Sie war deutlich gespannt darauf, wen die Casting Abteilung in dieser Staffel hatte verpflichten können. Leider waren die Namen der Charaktere nicht gerade sehr verräterisch und wahrscheinlich hätten sich hinter dem ‚großen bösen Wolf', dem ‚chinesischen Drachen', dem ‚Cupcake', dem ‚Mandrill' und dem ‚Erdmännchen' praktisch jeder verbergen können. Als sie jedoch die ersten Kostümentwürfe in einer Datei öffnete und sah wie eingeschränkt ihre Schüler tatsächlich sein würden und mit welchen Massen an Gewicht sie sich würden rumschlagen müssen wurde ihr auf einmal klar, warum in den letzten Staffeln selbst manche Profisänger ihre Töne nicht hatten halten können. Wahrscheinlich hätten es selbst die Kostümerprobten Darsteller des ‚König der Löwen' nicht ohne genaue Atemanleitung geschafft unter dem ein oder anderen Kostüm ihre Töne zu halten.


„Am besten ich probier' es selbst einmal aus.", murmelte die junge Frau gedankenverloren vor sich hin und ignorierte dabei gekonnt die verwunderten Blicke des alten Mannes neben ihr, der wahrscheinlich denken musste, dass die Jugend heutzutage äußerst unfreundlich und seltsam war. Dann ging sie ihre Unterlagen weiter durch und war beinahe geschockt zu sehen, dass einige der Trainingsstunden, die sie in den nächsten Wochen mit ihren Schützlingen abhalten musste, genau auf ihre normalen Proben mit dem ‚König der Löwen' Ensemble gelegt worden waren, oder zumindest so, dass sie unter keinen Umständen genug Zeit gehabt hätte von Bovingdon nach London oder umgekehrt zu kommen, nicht mit dem Auto und schon gar nicht mit dem Zug. Verärgert überlegte sie, wie sie Fleur, der junior Assistentin der Produzenten, klarmachen konnte, dass es für sie keine Option war, ihr Ensemble einfach im Stich zu lassen. Sie war sich zwar im Klaren, dass sie für ihr Ensemble durchaus ersetzbar und nicht lebensnotwendig war, aber sie wollte dennoch klar machen, dass es ihr wichtig war, dass auf ihre Wünsche Rücksicht genommen wurde. Sie wollte klar machen, dass sie, wenn sie diesen Job für das Fernsehstudio auch sehr gerne machte, nicht darauf angewiesen war, und dass sie sich auch nicht so behandeln ließ.


Um dieses Problem nicht erst vor allen ausdiskutieren zu müssen, suchte sie sich aus einer früheren Mail direkt die Nummer von Fleur heraus und versuchte sie zu erreichen. Leider schien die Assistentin bereits so sehr beschäftigt zu sein, dass nur ihr Anrufbeantworter antwortete, aber Jenny gab nicht auf und schickte der Assistentin zumindest die Bitte, um einen dringenden Rückruf. Als sie ihn erhielt war der Zug gerade durch den Bahnhof in der Nähe des Berühmten Wembley Stadions gefahren und auch wenn es schon dunkel war, konnte man erkennen, dass es endlich aufgehört hatte zu regnen. „Fleur? Hier ist Jennifer, Jennifer Jones. Die Gesangslehrerin.", Die Frau am anderen Ende der Leitung hatte in den letzten Tagen und Wochen wohl mit so vielen Menschen gesprochen, ob telefonisch oder persönlich, sie schien keinerlei Kapazitäten mehr zu haben sich an irgendwelche Namen zu erinnern, denn es brauchte noch einige Anläufe, bis Jenny endlich klar gemacht hatte wer um einen Rückruf gebeten hatte. Sie schilderte der noch recht jungen Assistentin ihre Lage und es beruhigte sie zu hören, dass ihre Gesprächspartnerin anscheinend ein durchaus offenes Ohr für ihr Dilemma hatte, auch wenn es sicherlich nur ein vergleichsweise kleines Problem war. Wie Jenny erfahren hatte, war wohl im letzten Moment noch ein Teilnehmer ausgefallen und man hatte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um einen adäquaten Ersatz zu finden. „Hör zu, wir haben mit Michael gesprochen und er hat uns zugesagt, dass er dich für die Aufzeichnungen freistellen wird." Das war zwar nicht das gewesen, was Jenny hatte hören wollen, aber es beruhigte sie, dass das Fernsehteam sich zumindest die Mühe gemacht hatte die Termine mit der Regisseurin des Musicals abzusprechen.


„Die Trainings finden nicht hier statt, sondern in London. Die Teilnehmer werden zu dem Studio gebracht, in dem sie mit dir und Dean arbeiten werden und werden dann wieder abgeholt." Jenny war erfreut zu hören, dass Dean anscheinend außerhalb der Dreharbeiten ein Tanzstudio in London besaß und der Choreograph sich bereit erklärt hatte dieses auch für ihr Training bereitzustellen. So würde Jenny nur wenige Minuten von einem Job zum nächsten brauchen und hatte in Zukunft nicht mehr so viel Druck. Dank den Veränderungen durch die Pandemie in den letzten Jahren war es mittlerweile so, dass die meisten Zwischenbesprechungen mit den Producern digital abgehalten wurden und Jenny nach dem heutigen Abend erst wieder zu den Generalproben vor den Aufzeichnungen nach Bovingdon würden reisen müssen. So war es gewährleistet, dass vor allem an Punkten, wie dem Gesangstrainerin, bei dem die Teilnehmer ja nicht von Anfang an in ihrer Maske steckten, möglichst wenige Leute anwesend waren und das Geheimnis um die Kandidaten so gut wie möglich geschützt wurde.


Eine Stunde nachdem sie in den Zug gestiegen war - mittlerweile waren die meisten Pendler schon längst ausgestiegen und nur noch vereinzelte Passagiere warteten darauf auch endlich zu Hause anzukommen – verließ auch Jenny den Zug wieder und war überrascht als sie am Bahnsteig zwei in schwarz gekleidete Männer abholten. Die junge Britin war zwar auch in den letzten Tagen öfter hier gewesen und war auch immer so empfangen worden, aber so richtig daran gewöhnen konnte sie sich nicht. Einerseits gab ihr die Anwesenheit dieser, wie Security aussehenden Männern Sicherheit, andererseits fühlte sie sich jedes Mal, als hatte sie etwas angestellt und würde nun für ihre Strafe abgeholt werden. Als sie die Männer vor 3 Wochen das erste Mal hier gesehen hatte, war ihr regelrecht das Herz in die Hose gerutscht, weil sie dachte, sie würde für irgendetwas festgenommen werden.


„Na Jungs,", versuchte sie die Situation etwas zu lockern, doch ihre Begleiter ließen sich keineswegs auf ihre Konversation ein. Auch wenn sie keines der Talente war, waren die Security-Mitarbeiter doch dazu angehalten stets zu Schweigen, egal mit wem vom Team sie zu tun hatten und auch sie als Vocal Coach müsste sich, sobald die Trainings begonnen hatten daran gewöhnen mit einfach niemandem aus dem restlichen Drehteam über ihre Schützlinge zu sprechen. Selbst ihren Eltern und ihrer Freundin Anna durfte sie kein Sterbenswort sagen und das war wahrscheinlich das, was ihr am schwersten fallen würde, hatten sie und Anna doch, seit sie sich damals in der Uni kennengelernt hatten, fast alles miteinander geteilt.


Die eigentlich nur 10-minütige Fahrt vom Bahnhof in Hemel Hemstedt zum ehemaligen Bovingdon Airfield zog sich durch ihre schweigenden Begleiter für die sonst kommunikative Frau wie Kaugummi und je länger sie in dem schwarzen Kleinwagen saß, desto langsamer kam ihr die Fahrt vor. Wahrscheinlich hätte sie genauso gut neben dem Auto herlaufen, oder es sogar anschieben können und sie wären schneller an ihrem Ziel angekommen. Erst als sie bereits auf der langen Start- und Landebahn angekommen waren schien der Fahrer endlich das Gaspedal gefunden zu haben und fuhr etwas schneller. Was nun anders war als auf der Menschenleeren Landstraße war für Jenny ein Rätsel. In der Tat war der kleine Schwarze Ford, den sie gerade durch die Windschutzscheibe in ihre Richtung fahren sehen konnte, das einzige Auto das sie gesehen hatte, seit sie das Dorf Bovingdon verlassen hatten.


Erst als sie selbst vor der extra für die Filmstudios gebauten Halle, in der sich 3 Fernsehstudios -inklusive der Technik für eine mobile Eisfläche- befanden, angekommen war erfuhr sie von der ihr entgegeneilenden Fleur, dass man sie absichtlich hingehalten hatte. Anscheinend hatte ihr Vocal Coach Kollege Mark noch einige Anmerkungen gehabt vor den Trainings und hatte die Hallen erst später als erwartet verlassen können. Jenny hatte ihren Kollegen Mark nur einmal kurz kennengelernt, bei ihrem ersten Meeting mit den Producern war er dabei gewesen. Danach hatte man die beiden strikt voneinander getrennt, da sie für die Geheimhaltung der Serie äußerst empfindliche Punkte waren. Wenn Jenny und Mark sich nach dem kommenden Gespräch ausgetauscht hätten, dann hätten sie beide gewusst wer alle Teilnehmer der neuen Staffel waren und diese Information hatten tatsächlich nur 3 Menschen aus dem ganzen verantwortlichen Team. Noch nicht einmal die beiden für das Casting verantwortlichen wussten wen der andere hatte bekommen können.


„Wenn wir gleich drin sind, wird dir Daisy sagen, wer deine Masken sind, dann gibt sie dir den Trainingsplan." Obwohl Jenny alles andere als Unsportlich war, hatte sie Schwierigkeiten mit der Junior Assistentin mitzuhalten, die wie ein aufgescheuchtes Huhn in Richtung des Halleneingangs ging. Wie die Blondine dabei noch Luft zum Reden hatte, war Jenny ein Rätsel. Nach all der Geheimhaltung, die Jenny in den letzten Wochen mitbekommen hatte war es für sie kein Wunder, dass ihr auf dem Weg durch die Studios zwar der ein oder andere Mitarbeiter entgegenkamen, aber keiner von ihnen auch nur in irgendeiner Weise auf sie reagierte. Es herrschte bis auf das Klappern und Klirren von einigen Gegenständen und leisen Rufen aus einem der Studios beinahe gespenstische Stille. Jenny hatte mitbekommen, dass morgen wieder eine Aufzeichnung von ‚Dancing with the Stars' stattfinden würde und sie nahm an, dass die Techniker gerade dabei waren sicherzugehen, dass alles an seinem Platz war.


Im zweiten Stock der Halle wurde Jenny dann in einen kleinen Besprechungsraum gebracht, der eher an das Innere eines Baustellencontainers erinnerte als an das Innere eines Filmstudios, aber durch ihre Arbeit hinter den Kulissen von Musicals konnte sie auch das nicht mehr erschrecken. Sie setzte sich also an den kleinen Tisch und blickte auf die Wand, an der noch einmal alle Kostüme festgepinnt waren. Wenn sie ehrlich war, hatte sie keine Ahnung, wie das Team das für die Kostüme zuständig war diese Detailreichen und Aufwendigen Kostüme in so kurzer Zeit herstellen konnten. Bis zur ersten Aufzeichnung waren es gerade noch 4 Monate und wenn sie als Laie sich die Kostüme so ansah, hatte sie nicht den blassen Schimmer, wo sie hätte anfangen sollen. Aber von allen Kostümen hatte es ihr der Mandrill am meisten angetan. Gedanken verloren stand sie wieder auf und trat näher an die Skizzen für den Mandrill heran. Je näher sie dem Bild kam, desto beeindruckter war sie. Nicht nur, weil er so angelegt war, dass der Star unter dem Kostüm ständig in gebückter Haltung würde singen müssen und somit die Stimme sehr eingeschränkt sein würde, sondern auch weil Jenny ja durch ihre Arbeit im König der Löwen selbst mit einem Mandrill im Team arbeitete. Nie im Leben hätte Thendiva in diesem Kostüm Tag ein Tag aus die wunderbare Performance abgehen können, wie sie es mit ihrem, im Vergleich, einfachen Kostüm auf der Bühne des Lyceum Theatre tat.


„Eindrucksvoll oder?", unterbrach sie dann eine freundliche Brünett in ihren Überlegungen und sie wand sich von den Kostümen ab. „Es wird eine Herausforderung werden, das ist sicher." Lachend setzten sich die beiden Frauen wieder an den Tisch und Daisy breitete ihre Unterlagen vor sich aus. Sie hatte die letzten Wochen damit verbracht mit verschiedenen Agenturen zu telefonieren, Terminpläne zu synchronisieren und Abläufe zu koordinieren, damit sowohl das Geheimnis um die Teilnehmer als auch die Trainingspläne und Aufzeichnungen so stattfanden, dass es für keinen der Teilnehmer zu Problemen kommen würde. Einige Agenturen hatten aufgrund er Zeiten absagen müssen und bei manchen hatte es sogar noch Last Minute Absagen gegeben die Daisy wohl sehr ins Schwitzen gebracht hatten. Aber letztendlich hatte die hartnäckige Talentsucherin es geschafft das perfekte Team zusammenzustellen.


„Ich werde dir jetzt die einzelnen Teilnehmer nennen, aber es wird nichts schriftliches dazu geben. Keine Bilder, keine Notizen und das ist auch das einzige Mal, dass wir die Teilnehmer beim richtigen Namen nennen. Sonst sind es immer die Masken-Namen.", prägte ihr Daisy nochmal ein und Jenny war so bemüht dem schnellen Redefluss ihres Gegenübers zu folgen, dass sie nicht mehr tun konnte als zustimmend zu nicken. Daisy stand von ihrem Platz wieder auf und ging zur Wand mit den Kostümen. „Ich denke nicht, dass es der Fall ist, aber, wenn du jemanden nicht kennst, kannst du mir nach der Präsentation Fragen zu ihnen stellen, die du für deinen Bereich wissen musst, ansonsten, merk dir die Namen und Google sie." Ein leichtes Lächeln huschte über die sonst angespannte Mimik der Frau und auch Jenny lies ihre Mundwinkel etwas nach oben wandern. Sie war wirklich gespannt mit wem sie würde zusammenarbeiten dürfen.


„Also, ich denke wir fangen beim Mandrill an, immerhin scheint der es dir angetan zu haben." Daisy blickte noch einmal kurz auf ihre Notizen und eröffnete Jenny dann, dass unter dem Mandrill der ehemalige Fussballprofi Wayne Rooney stecken würde, doch bevor Jenny weiter über ihn nachdenken konnte sprang Daisy auch schon weiter zur Hummel, hinter der sich die Schauspielerin und Komikerin Dawn French verstecken würde. Der ebenfalls aufwendige chinesische Drache würde von dem Sänger der ehemaligen Band Strangelove Leben eingehaucht bekommen. Für die Komiker würde Dawn French dann noch Unterstützung von Jack Whitehall bekommen, der sich für seine Auftritte wohl selbst am besten mit dem Erdmännchen hatte identifizieren können und Jenny war überrascht zu hören, dass Chicago Darstellerin Claire Sweeney unter dem Cupcake stecken würde.


„Für deinen letzten Schützling habe ich am härtesten kämpfen müssen, da er wirklich ziemlich viele Termine zu haben scheint. Aber wir konnten es schaffen alles so zu Takten, dass es Momentan keinerlei Schnittpunkte zu anderen Projekten gibt." Jenny war froh, dass Daisy anscheinend bei diesem Star etwas länger ausholte, so hatte der beinahe platzende Kopf der Britin zumindest einen kleinen Moment Zeit sich zu erholen. „Ich habe ihn selbst schon in einer Videokonferenz kennenlernen dürfen und er ist wirklich ein echter Gentleman." Das Lächeln wurde immer breiter und Jenny fragte sich, ob nicht etwas mehr als berufliche Euphorie dahintersteckte. „Unter dem Wolfskostüm wird sich Tom Hiddleston verstecken." Daisy warf ihre Hände in die Luft, so als müsste jeden Moment ein Feuerwerk daraus hervorschießen, aber ließ die Arme direkt sinken als sie merkte, dass ihr Gegenüber nur halb so euphorisch war.


Es war nicht so, dass Jenny den Schauspieler nicht kannte, oder nicht mochte. Sie hatte ihn in seinen bekanntesten Filmen gesehen und hatte ihn auch schon singen hören, aber so euphorisch wie Daisy war sie nicht. Er sah gut aus und aus seiner Stimme konnte man sicherlich noch das ein oder andere herausholen, aber sonst kannte sie den Mann nicht und sie konnte sich nicht erklären wie gerade jemand wie Daisy, die wahrscheinlich Tag ein Tag aus damit konfrontiert war, dass viele der Stars nicht so waren wie es in ihrem Filmen und Interviews den Anschein machte, so begeistert war. Wer konnte schon genau sagen, wie dieser in Hollywood und bei den Fans beliebte Schauspieler hinter den Kulissen war? Am besten war es wohl, wenn Jenny einfach vollkommen unvoreingenommen auf diese ganze Sache zuging und abwarten würde, wie sie mit ihren ihr nun zugeteilten Schützlingen würde arbeiten können.


Im Anschluss an diese Offenbarung informierte Daisy die Gesangslehrerin noch darüber, dass man sich nach den Treffen zwischen Jenny und den Teilnehmern öfter zusammensetzen würde, um ein Set zu erstellen und darüber nachzudenken, welche Lieder gesungen werden würden und, in wie weit man mit Bühnenshow und Choreographie dazu beitragen konnte, das Publikum auch bei nicht so gutem Gesang zu überzeugen.


„Ach so!", rief Daisy dann aus als Jenny sich gerade zum Gehen hatte erheben wollen, da sie angenommen hatte, dass die Besprechung nun zu Ende war. Dann schob die geheimnisvoll grinsende Frau ihr eine Aktenmappe herüber und für Jenny war es beinahe so als würden sie beim Geheimdienst arbeiten und nicht bei einem Fernsehsender. Fragend sah sie Daisy an, die anscheinend äußerst zufrieden mit sich war, dass sie das in ihren Augen unerwartete wirklich für den Schluss aufgehoben hatte. Nur zögerlich schlug Jenny die Mappe auf während sie sich wieder hinsetzte. In der Mappe befanden sich 6 weitere Kostüme die ohne Zweifel auf die von den Stars ausgewählten Kostüme zugeschnitten waren.


„Die Produktion hat sich für das Halbfinale etwas Besonderes einfallen lassen, um auch einmal euer Talent zu zeigen." Daisy sah Jenny an als würde sie einen Luftsprung der Gesangslehrerin erwarten, doch der kam nicht, denn Jenny wollte ihren Ohren doch noch nicht so recht trauen und wartete lieber ab, damit Daisy ihre pessimistischen Gedanken lügen strafte. „In der zweiten Runde des Halbfinales, werden du und Mark mit den Masken die noch im Rennen sind ein Duett singen." Kopfschüttelnd und den Blick nach oben gerichtet verfluchte Jenny wen auch immer dafür verantwortlich war, dass ihre selbst erdachten ‚Worst-Case-Szenarios' meistens auch eintraten. „Ich bin Vocal Coach, keine Sängerin.", gab sie sich vor Daisy zusammenreißend zu bedenken, doch für Daisy schien das keinen sonderlich unterschied zu machen. In ihren Augen war jeder, der einigermaßen Töne halten konnte dazu in der Lage zu singen. Von lähmendem Lampenfieber hatte sie anscheinend noch nie gehört. Allerdings fühlte Jenny sich auch nicht in der Lage dazu jetzt schon zu sagen, dass sie keineswegs bereit war vor die Kameras zu treten, egal ob in Kostüm oder nicht. Das hatte sie einmal bei einer Schulaufführung gemacht und sich dabei vollkommen Lächerlich gemacht. Damals hatte sie sich geschworen nie wieder vor einem Publikum zu singen.


Nach diesem Schock war sie froh, die Halle mit dem Studio ohne weiteren Small Talk halten zu müssen wieder verlassen zu können, denn er saß tief. So tief, dass sie selbst während der langen Zugfahrt zurück nach London nicht anderes tun konnte, als nach draußen in die Dunkelheit zu starren und sich Gedanken darüber zu machen, wie sie nun aus der ganzen Nummer wieder herauskommen sollte, oder wie sie zumindest die Producer davon würde überzeugen können, dass es sicherlich keine gute Idee war sie und ihren Kollegen Mark auf die Bühne zu zerren.


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Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch mal bei der Lieben LilorienSilme für die Jahrelange Unterstützung und Freundschaft bedanken. Du warst von Anfang an dabei ;-)
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