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Stroke of fate

von bicoxsam
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Angst / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller OC (Own Character)
23.03.2022
15.07.2022
6
7.873
2
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31.03.2022 1.150
 
Betroffen sahen sich die beiden Eheleute an. Sie wussten sofort, worauf der Entführer anspielte. “Oh Gott”, stöhnte Hubsi auf und begann im Raum herumzulaufen, “vierzehn Jahr sind des jetzt her! Der muss sei Straf abgsessen ham!” Er war ganz blass im Gesicht und sein Herz klopfte wie wild in seiner Brust. Anja stand auf und nahm seine Hand. “Du meinst...”, begann sie und auch ihr Gesicht hatte jede Farbe verloren. Wieder stiegen ihr die Tränen in die Augen und sie drückte sich hilfesuchend an ihn. Zum ersten Mal seit Monaten schlang er die Arme um sie und küsste sie auf die Stirn. Ihre beiden Herzen hämmerten so in ihren Oberkörpern, dass sie den Herzschlag gegenseitig spüren konnten. Eine Weile standen sie so zusammen, bis sich Hubsi von ihr löste und sie etwas von sich wegschob. Seine Arme lagen auf ihren Schultern und er sah sie durchdringend an: “Des bleibt unter uns! Du woaßt zu was der Gehring fähig is! Koi Wort zu niemandem! Au net zum Hansi! Du rufst in der Schul an und sagst die Kinder sind krank und des gleiche machst auf der Orbeit und bleibst dahoam. I ruf auf’m Revier an und erzähl au was von einer Magen-Darm-Grippe. So hab i die Möglichkeit Nachforschungen anzustellen!” Seine eisblauen Augen sahen sie durchdringend an und sie nickte schwach.
Hubsi nahm sein Telefon und wählte die Nummer der Polizeiwache: “Servus Sonja, i hab schnell hoam miassa, die Anja und die Kinder sind krank. Nix Schlimmes, wahrscheinlich a Magen-Darm-Grippe. Sagst dem Hansi, i bleib den Rest des Tages dahoam und morgen wahrscheinlich au.” Dann wandte er sich an seine Frau: “Such ois raus, was du von damals no hast und weißt. Ois is wichtig!” Noch einmal nahm er sie in die Arme und flüsterte ihr ins Ohr: “Mir schaffet des! I liab di und die Kinder mehr als ois andere auf der Welt! Des darfst du nie vergessn!” Eine Welle der Zuneigung lief ihm durch den Körper und er küsste Anja zum Abschied und streichelte sanft ihr Gesicht. “Danke Franz! I liab di doch a! Mir müsset jetzt zusammenhalten! Wir sind doch eine Familie!”, murmelte sie leise und drückte seine Hand.
Kaum hatte er das Haus verlassen, ging Anja in Gedanken die Ereignisse von damals durch: Hubsi und sie waren frisch verheiratet und sie war schwanger mit Milo gewesen. In einem Geburtsvorbereitungskurs hatten sie vier weitere Paare kennen gelernt, die wie sie auch zum ersten Mal Eltern wurden. Klara und Lars Herrmann aus Münsing, Katrin und Holger Schneider aus Geretsried, Sabine und Henning Heilemann aus Ammerland und eben Kerstin und Kilian Gehring, die wie sie in Wolfratshausen wohnten. Klara und Lars waren nur ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Fiona nach Hamburg gezogen, die Schneiders und die Heilemanns lebten immer noch in der Gegend. Doch Kerstin Gehring und ihr Sohn Richard waren kurz nach der Geburt von einem Einbrecher erschossen worden und Kilian hatte diesen Mann dann im Gerichtssaal vor den Augen des Richters erstochen. Es war Hubsi gewesen, der Kilian schließlich auf dessen Jagdhütte aufgestöbert und verhaftet hatte. Anja dachte mit Schaudern daran, wie hasserfüllt Kilian Hubsi bei der Verhaftung angesehen und gesagt hatte: “Das zahl ich dir heim! Erst schafft es die Polizei nicht einen Serieneinbrecher dingfest zu machen, so dass er meine Familie ermorden kann und dann fällst du mir in den Rücken und nutzt unsere Freundschaft aus um mich zu verhaften. Was hättest du gemacht, wenn es deine Anja und dein Milo gewesen wären, die zu Hause in ihrem Blut lagen?” Sie wusste, Hubsi hätte den Täter auch am liebsten erschossen, doch er glaubte an den Rechtsstaat. Was hatte das Gefängnis mit Kilian gemacht, dass er nun seine Kinder entführt hatte? Und was wollte er zurückhaben? Seine Familie? Das konnten sie doch gar nicht, Kerstin und Richard waren tot und begraben!
Unterdessen fuhr Hubsi zuerst mit dem Familienauto zu der Hütte, in der er damals Kilian verhaftet hatte. Er hatte es sich eigentlich schon gedacht, dass er dort niemand antreffen würde, dennoch war er enttäuscht, als er die Jagdhütte leer vorfand. Das damalige Haus der Gehrings war verkauft worden und er hatte schon herausgefunden, dass dort seit etwa fünf Jahren die Familie Meierling wohnte und war kurz vorbei gefahren. Drei kleine Kinder spielten im Garten und Hubsi war klar, dass Gehring sich nicht dort mit Milo und Lilia aufhalten konnte. Unverrichteter Dinge kehrte er zu Anja zurück. Auf der Fahrt dachte er verzweifelt daran, dass die Faschingsferien kurz bevorstanden. Wie immer hatte er für diese Woche Urlaub eingereicht, da er ein leidenschaftlicher Skifahrer war und damit auch seine Familie angesteckt hatte. Doch nun war alles anders und von einem Moment auf den anderen hatte sich sein Leben auf den Kopf gestellt.

Anja war inzwischen fleißig gewesen und hatte alle Zeitungsartikel von damals zusammengetragen. Sie wusste nicht, nach was Gehring gesucht hatte, doch die Artikel lagen in einem neutralen Umschlag unter einer losen Bohle auf dem Nachboden, damit sie die Kinder nicht in die Hände bekamen. Vergeblich warteten Anja und Hubsi auf ein Lebenszeichen ihrer Kinder. Anja hatte inzwischen herausgefunden, dass die Kinder wohlbehalten in der Schule angekommen waren. Um eins hatten sie sich von ihren Klassenkameraden verabschiedete und waren gemeinsam nach Hause gelaufen, da keiner ihrer Freunde in der Nähe wohnte. Hubsis Elternhaus lag ein Stück in den Wald hinein, denn sein Großvater war Förster gewesen. Kilian Gehring muss im Haus oder im Wald auf die Kinder gewartet haben und es war sicher nicht schwer gewesen, die beiden unbemerkt in ein Auto zu zerren. Noch bevor er zur Hütte gefahren war, hatte sie mit Hubsi die Gegend rund um das Haus abgesucht, aber es waren keine Fuß- oder Reifenspuren zu sehen gewesen und auch keine Anzeichen, dass die Kinder wieder in der Nähe ihres Zuhauses aufgetaucht waren.
“Wolln wir net doch auf’m Revier Bescheid sagn?”, fragte Anja zaghaft und sah ihn mit ihren rehbraunen Augen an, in denen sich die Verzweiflung spiegelte. Doch Hubsi schüttelte den Kopf. “Der Kilian is gar net guat auf die Polizei von Wolfratshausen zu sprechen! Na, des könnt i net ertragen, dass er deswegen unsere Kinder…” Hubsi brach ab, denn er wollte nicht aussprechen, was er dachte. Inzwischen war es dunkel geworden und es gab noch kein Lebenszeichen von Milo und Lilia. “In der Dunkelheit hat es keinen Sinn weiter nach den beiden zu suchen”, meinte Hubsi und versuchte Anja zu trösten, “i glaub net, dass er den beiden was antut. Wahrscheinlich liegen sie schon irgendwo in einem Bett und schlafen.” Doch er glaubte selber nicht daran. In dieser Nacht legte er sich seit langem wieder in sein Ehebett und hielt Anja ihm Arm, bis sie weinend eingeschlafen war. Liebevoll streichelte er ihr Gesicht und flüsterte ihr zu: “I hol dir die Kinder gesund und munter wieder, des versprech i dir!” Doch im Moment hatte er keine Ahnung, wie er das anstellen sollte!
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