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Stroke of fate

von bicoxsam
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Angst / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller OC (Own Character)
23.03.2022
18.06.2022
5
6.569
2
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23.03.2022 1.316
 
Hansi war nervös. Es war schon wieder 7:35 Uhr und Familie Hubert kam wieder nicht in die Gänge. War ja mal wieder typisch! Genervt schnaufte er aus dem Fenster und sein Blick fiel direkt auf die perfekt bepflanzten Blumentöpfe vor der massiven Holztür .
Die Frühlingssonne erkämpfte sich den Weg durch die dicken Wolken, schien jedoch momentan noch kräftig. Doch ein Blick in den Himmel verriet, dass bald eine dicke, dunkle Wolke kommen wird, welche die Sonne bedecken und die Erde somit in den Schatten stellen würde. Wenigstens hatte das düstere Winterwetter ein Ende und es ging Richtung Sommer. Hansi freute sich schon darauf, wenn die mächtigen Strahlen der Sonne gewinnen und sein Gesicht berührten. Wie sehr er das doch liebte!
Ungeduldig drückte Hansi wieder auf die Hupe. Jeden Morgen das gleiche Spiel! Immer musste er zehn Minuten lang hupen, bis die drei endlich aus dem Haus kamen! Hubert konnte von Glück reden, dass er eine nette Nachbarschaft besaß, nicht so wie er!
Knack! Die Haustür öffnete sich und das erste Mitglied der Familie trat heraus. Es war Milo, der Sohn seines Partner und Freundes Hubsi und dessen Frau Anja. Milo war 14 und recht groß für sein Alter. Der Junge sah aus wie Hubsi, hatte jedoch Anjas warme, braune Augen geerbt. Charakterlich war er eine komplette Mischung seiner Eltern. Mal war er verschlossen wie Hubsi, mal freundlich wie Anja. Heute trug er weiße Sneaker, eine Jeans und ein verwaschenes, lila T-Shirt, welches von einer blauen Sweatjacke verdeckt war. Lässig hatte er seinen schwarzen Rucksack nur auf der rechten Schulter sitzen. Stöhnend und genervt ließ sich Milo auf den Rücksitz des Streifenwagens nieder, wo er direkt nach seinem Handy griff und wild darauf herum tippte.
Hinter ihm kam Lilia aus der Tür, die zehnjährige Tochter des Ehepaares. Das hübsche Mädchen ging auf dieselbe Schule wie Milo, allerdings erst in die fünfte Klasse. Lilia trug heute eine graue Strumpfhose, einen knielangen, feinen Cordrock und dazu einen passenden, grauen Strickpullover. An ihrem Hals entdeckte Hansi ihren Glücksbringer, eine feine, goldene Kette mit einer kleinen Katze als Anhänger. Auch an ihren Ohren blitzten goldene Ohrringe, die wohl auch eine Katze als Motiv aufwiesen. Ihre langen blonden Haare, die sie eindeutig von Anja geerbt hatte, fielen wie flüssiges Gold auf ihre Schultern. „Servus Mama!“, rief sie mit ihrer hellen Stimme noch einmal ins Haus. Hansi musste grinsen. Lilia war von allen Huberts sein Liebling. Sie war immer gut gelaunt und strahlte vor sich hin, was ihre blauen Augen hervorhob. Sie liebte die Natur und die Tiere, weshalb sie die meiste Zeit draußen verbrachte. Ihr Optimismus passte perfekt zu ihrer Neugier und ihre kindliche Vorstellung hatte den beiden auch schon einige Male bei ihren Fällen geholfen. Lilia setzte sich ebenfalls auf die Rückbank des Wagens, wo sie ihre vollgepackte, dicke Schultasche auf ihren Schoß nahm. Im Gegensatz zu Milo schaute sie aus dem Fenster.
Schließlich traten noch Anja und Hubsi aus dem Haus. Die Ehe der beiden bestand im Grunde genommen nur noch auf dem Papier, das wusste er von Lilia und Milo, die alle beide sehr viel und offen redeten. Hansi, und auch der Rest des Reviers, vermuteten, dass die beiden nur der Kinder wegen noch nicht die Scheidung eingereicht hatten. Eigentlich schade, da die beiden ins Hansis Augen noch immer das Traumpaar sind. Doch die eisigen Blicke, mit denen sie sich morgens verabschiedeten, sprachen für sich.
Hubsi setzte sich neben seinen Kollegen auf den Beifahrersitz. Wie immer hatte er die Arme verschränkt und sein Atem ging stoßweise. Das war wohl der Beweis, dass es wohl wieder einen Streit zwischen den beiden gegeben haben muss.
„Aha, Familie Hubert hat’s a endlich gschafft“, sprach Hansi zu Hubsi, welcher ihm nur einen bösen Blick zu warf. „Schau net so bleed! Mir miassen los!“, brummte er unfreundlich.
Die Uhr zeigte tatsächlich schon 7:40 Uhr an und Schul- und Dienstbeginn waren um 8:00 Uhr. Wenn sie nicht Ärger vom Girwidz bekommen wollten, müssten sie jetzt eindeutig los…

Am Nachmittag saß Hubsi an seinem Schreibtisch und spielte gelangweilt an seinem blauen Locher herum. Der Streit von heute Morgen ging ihm immer noch durch Mark und Bein. Anja hatte ihm vorgeworfen, dass er sich nicht für seine Familie interessiere und deshalb immer zu spät zum Abendessen kommen würde. Absoluter Blödsinn! Er liebte seine Familie über alles, doch sein Job forderte viele Opfer, leider. Daraus hatte sich, wie immer, ein heftiger Streit entwickelt, den sie allerdings so still wie möglich führten, damit die Kinder auch nichts mitbekamen. Hubsi wusste selber nicht einmal, wie es soweit kommen konnte. Seit Monaten schlief er im Gästezimmer und seit Monaten stritten sie sich ununterbrochen, dabei liebte er doch seine Familie mehr als sich selbst!
Sein Handy klingelte und unterbrach so seinen Gedankengang. Hansi schaute ebenfalls von seinem Computer hervor, an welchem er wahrscheinlich verzweifelt versuchte, ein Spiel zu verstehen. Hubsi zog das klingelnde und vibrierende Gerät aus seiner Hosentasche und seufzte, denn die Anruferin war Anja. Die hatte ihm gerade noch gefehlt! Eigentlich arbeitete sie nur morgens und bei Notfällen, seitdem sie ihre Kinder hatten. Es musste also zweifellos etwas Privates sein. Hatte sie etwa schon wieder vergessen, wie man Nudeln kochte?
„Was is los?“, fragte er genervt ins Telefon. Allerdings hörte er nur ihren unregelmäßigen Atem, welcher zwischendurch von einem Schluchzen unterbrochen wurde. Alle seine Alarmglocken läuteten und sein Herzschlag beschleunigte sich um ein Vielfaches. „Franz…“, hörte er, dann wie sie aufschluchzte und dann eine Pause einlegen musste. „Franz… du musst sofort herkemma, alloine…“, verlangte sie.
Der Ton ihrer Stimme sorgte für eine Gänsehaut bei ihm. Noch nie in seinem Leben hatte er sie so reden gehört. Diese Mischung aus Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Angst und vor allem Panik war so erschreckend, dass er das wohl nie vergessen würde. In seiner Magengrube war eine bleierne Schwere. „Was? Wieso? Is was passiert“, hakte er nach.
Er hörte, wie sie ihre Nase hochzog. „Hier… hier wurd einbrochen… und… und… die Kinder san nimmer do.“
Hubsi hatte das Gefühl, ab ob sein Herz stehenblieb. Ohne sich zu erklären, schnappte er sich seine Lederjacke und rief seinem Kollegen zu: “Gib mir die Autoschlüssel!”, und streckte seine Hand danach aus. Verwundert sah ihn Hansi an und erwiderte: “Im Streifenwagen!” Schnell eilte Hubsi zum Auto und fuhr mit quietschenden Reifen auf den Hof. Nur wenige Minuten später erreichte er seine Einfahrt und kaum stand der Wagen still, öffnete der Polizist die Autotür und sprang heraus. Anja stand schon in der Tür und der Schock stand ihr ins Gesicht geschrieben. Vergessen war der Streit von heute Morgen und Hubsi nahm seine Frau in seine Arme. Hinter ihr war das reinste Chaos. Die Jacken der Familie lagen auf dem Flur verteilt und dazwischen Schuhe, Mützen und andere Accessoires. Beschützend nahm Hubsi Anjas Hand und trat in die Stube. Auch hier war ein großes Durcheinander. Die Schranktüren und Schubladen waren offen und der Inhalt lag auf dem Boden verstreut. In den anderen Zimmern, auch in den Zimmern der Kinder, sah es genauso aus.
Vorsichtig setzte sich Hubsi mit seiner Frau auf die Ofenbank. Anja zitterte am ganzen Leib und Hubsi sprach sanft auf sie ein. “Ois wird wieder gut! Erzähl amol von Anfang an”, dabei strich er ihr zärtlich die Tränen von den Wangen. Allmählich fasste sich Anja wieder und sah ihn überrascht an. So liebevoll war er schon lange nicht mehr mit ihr umgegangen. Vielleicht war ihre Ehe doch noch nicht am Ende? “I bin um oins wie immer hoam gfahrn und hab die Tür aufgschlossn. I hab sofort des Chaos gesehn und wollt auch glei aufm Revier anrufn, aber dann hab i den Zettel da gfunden.” Blass und voller Angst reichte sie ihm einen aus einem Block gerissenen Zettel, auf dem mit Druckbuchstaben stand: “Ich habe deine Kinder. Gib mir zurück, was mir gehört und ihnen wird nichts geschehen. Aber wenn du mich suchst, dann sind die Süßen so tot wie damals die meinen.”
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