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Honey and Darling

Kurzbeschreibung
OneshotRomance, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
21.03.2022
21.03.2022
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Ich stand am Fuß der Treppe, rief meiner Freundin zu, dass ich hier war, um sie abzuholen. Fröhlich lächelnd rannte sie auf die Treppe zu und joggte die ersten paar Stufen herunter. Den Regenschirm, den sie heute Morgen auf dem Schulweg über unseren Köpfen aufgespannt hatte und der immer noch nass war, in der linken Hand.

Ales geschah, wie in Zeitlupe; sie stolperte, sie ließ den Regenschirm fallen, er landete vertikal auf der nächsten Stufe, spannte sich auf, versperrte mir die Sicht.
Ein lauter Schrei ertönte und erstickte darauf. Die Geräusche wurden dumpf, als ich auf die Treppe zu rannte. Ich schrie den Spitznamen, den ich ihr gegeben hatte. Honey.
Sie lag, mit dem Kopf voran, auf den letzten Stufen, am Fuß der Treppe, nur wenige Meter von mir entfernt. Ihr hübscher Hals war von ihrem schwarzen, nun blutbeschmierten Regenschirm durchbohrt worden. An ihrem Nacken sah man die lange Spitze herausschauen. Ihre Brille lag, zertreten, ein Stück weiter oben.
Die einzelne Träne, die nun langsam meine Wange herunterlief, tropfte schließlich auf den Boden und vermischte sich mit dem Blut in der Lache unter ihr, die sich immer weiter ausbreitete und in welcher ich mittlerweile stand.
Ich wusste, dass auf dieser steilen Treppe, früher, oder später, ein Unglück passieren würde.

Nachdem ich drei Wochen später wieder in der Schule gewesen war und mich, allein, ohne Honey, auf dem Heimweg befand, hörte ich schnelle Schritte hinter mir und wenig später tippte mich jemand an der Schulter an. Gänsehaut breitete sich auf meinem gesamten Körper aus. Was er denn wolle, fragte ich meinen Klassenkameraden, der neben mir lief. Ob ich noch darüber nachdachte, was auf der Treppe passiert war, wollte er wissen. Nein, ich denke nicht an das Unglück, warum sollte ich, fragte ich und lief weiter. Aber ob es denn nicht furchtbar traurig für mich wäre, harkte er nach. Ich lachte nervös. Ja, das ist schon traurig sagte ich in Gedanken.
Er ließ nun endlich von mir ab und rannte zu seinen Freunden zurück, wahrscheinlich, um darüber zu tratschen. Aber etwas hatte ich ihm nicht erzählt. Ich hatte ihm nicht gesagt, dass ich sie immer sehe, nachts, in meinen Träumen. Ich denke immer an sie. Wenn ich allein nach Hause gehe, wenn ich meine Hausaufgaben mache, immer und bei allem.
In meinen Träumen sagt sie, dass ich zu ihr kommen solle.

Komm her Darling!

Ich hatte immer versucht, ihr zu sagen, dass ich nicht konnte. Aber sie wollte wieder nicht nachgeben.
Also hatte ich angefangen, im Internet zu suchen. Im Inkognito-Modus, es sollte niemand wissen. Das war jetzt Honeys und mein Geheimnis. In der Nacht erzählte ich ihr immer davon, was ich gelesen hatte. Beim Hausaufgabenmachen versteckte ich immer mein Handy hinter der Lektüre, die wir lasen. Das Buch hätte ihr bestimmt gefallen!

Nun stand ich hier, schloss meine Augen. Meine Haare peitschten mir, bei dem stürmischen Wetter, immer wieder ins Gesicht.
"Ich kann nicht.", flüsterte ich vor mich hin und sie erschien vor meinem inneren Auge. Sie lächelte und sagte: "Wir springen zusammen, Darling, ja?!"
Und ich breitete die Arme aus.

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~Josie Laswon
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