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A Fairy Tale About Pirates And Mermaids

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Fantasy / P18 / FemSlash
Anya Clarke Griffin Lexa Lincoln Octavia Blake Raven Reyes
19.03.2022
30.06.2022
19
29.880
12
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
23.06.2022 1.845
 
Clarke glaubte, vor Erleichterung umzukommen.

Fast die gesamte restliche Nacht hatte sie sich Sorgen gemacht, das Lexa ihre Flucht ansprechen würde, doch das war nicht geschehen. Im Gegenteil, die Kapitänin des Meeresdrachen hatte sich vollkommen autoritär ihr gegenüber verhalten und nicht im Mindesten den Anschein geweckt, dass sie die gestrige Nacht auch nur irgendwie kümmerte.

Einerseits war die Meerjungfrau froh darüber andererseits auch irgendwie traurig. Denn auch, wenn sie wusste, dass ihr der Kuss am besten nichts bedeuten sollte, so… konnte sie nicht anders, als diesen immer wieder vor ihr inneres Auge zu rufen, sich in der Erinnerung daran zu verlieren und ihn wie einen kostbaren Schatz anzusehen. Und das nicht nur, weil es ihr erster, richtiger Kuss gewesen war…

„Na komm, wir machen einen kurzen Abstecher in mein Labor und ich geb dir einen kleinen Crash-Kurs darin, welchen Wesen wir auf jeden Fall ausweichen sollten und welche recht ungefährlich für uns sind.“ Anyas Stimme riss Clarke aus ihren Gedanken, sie blinzelte und blickte dann zur Braunhaarigen, die sie angrinste und ihr kurz zuzwinkerte. „Ich hab doch gesagt, sie wird sich professionell verhalten und den Kuss zwischen euch nicht ansprechen. Naja, zumindest nicht unter Zeugen. Falls sie das Bedürfnis haben sollte, darüber zu reden, wird sie das privat mit dir tun. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür eher gering… Vor allem, wenn ich mir überlege, wie sie mich angesehen hat.“

Anya seufzte kurz, während sie Clarke mit sich winkte. Die Blonde folgte ihr und runzelte die Stirn. „Was meinst du damit?“, wollte die Meerjungfrau wissen. Anya wand sich, sie schien sich sichtlich unwohl zu fühlen. „Ich schätze, ich hab mich ein wenig zu auffällig verhalten. Lexa kennt mich verdammt gut, da sie nicht nur meine Kapitänin ist, sondern zugleich auch meine beste Freundin und das auch schon seit einigen Jahren. Und da ich dich in ihren Augen nicht mit meinem Forschungswissen zugetextet habe und ich mich auch einmal beinahe verplappert habe… ist sie natürlich misstrauisch geworden.“ Anya seufzte erneut und fuhr sich durch ihr wirres, braunes Haar.
„Aber naja, da bin ich selbst Schuld. Ich hätte das Ganze ein wenig weiter voraus denken sollen und auch vorsichtiger sein sollen. Allerdings denke ich, dass ich mich trotzdem ganz gut aus diesem kleinen Chaos heraus winden kann.“

Kurz machte Anya eine Pause, ein trauriges Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Ich mag es zwar nicht, meine beste Freundin anlügen zu müssen, aber das ist im Moment leider noch ein notwendiges Übel. Zumindest, bis sich ihre Sichtweise zu manchen Meereswesen geändert hat.“
Die Braunhaarige sah zu Clarke, die die ganze Zeit über ruhig zugehört hatte und sich selbst ein wenig schuldig dafür fühlte, das Anya solche Schwierigkeiten hatte. Und das schon in der kurzen Zeit, in der sie hier war.
„Das ist sowieso erst einmal weit entfernte Zukunftsmusik. Erst einmal müssen wir dich auf deinen neuen Job als meine kleine Forschungs-Assistentin vorbereiten.“

Nun grinste Anya breit, die vorherige Trauer und Sorge war aus ihrem Gesicht gewichen, als hätte sie niemals existiert und sie zog die blonde Meerjungfrau in ihr Labor hinein bis zu ihrem Tisch und wandte sich dann ab zu einer Wand, an dem ein hohes Regal stand, in dem sich allerlei Bücher tummelten, dazwischen konnte sie auch Notizbücher sehen, zwischen deren Seiten weitere, kleine Zettel hervorblitzten.

„Wow. Das… ist wirklich eine beachtliche Sammlung.“, sagte Clarke und strich mit den Fingern über ein paar der Buchrücken. „Danke.“, meinte Anya stolz und betrachtete die Regale voller Wissen. „Die habe ich alle mühselig auf unseren Reisen besorgt, bei manchen war es wirklich verdammt schwer, sie aufzutreiben. Du kannst dir ruhig hin und wieder mal ein Buch, das dich interessiert, nehmen. Wie ich schon gesagt hatte, Wissen muss geteilt werden und es ist echt schön, mal jemanden zu treffen, der ungefähr so wissbegierig ist wie ich.“

Dabei leuchteten Anyas Augen voller Freude und auch Clarke musste bei diesem Anblick erfreut Lächeln. Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und sah zwischen den Büchern und der Forscherin hin und her.
„Das Angebot nehme ich sehr gerne an. Und… was genau muss ich jetzt wissen, um den Leuten hier eine Hilfe zu sein?“, lenkte die Blonde das Gespräch wieder auf ihre eigentliche Aufgabe. „Oh, richtig, richtig. Ähm… also…“

Anya wuselte zu dem Bücherregal und zerrte eines der Notizbücher hervor. Dann ging sie wieder zu der Meerjungfrau und grinste sie breit an. „Ich würde es mir hier irgendwo bequem machen, weil, auch wenn's nur ein Crashkurs ist, wird es eine Weile dauern.“ Clarke grinste leicht und setzte sich auf einen Stuhl, der in der Nähe eines Tisches stand. Auch die Braunhaarige schnappte sich einen Stuhl, schlug das Notizbuch auf und begann damit, Clarke alles Nötige zu erklären, was sie wissen musste.

Welchen Meereswesen sie definitiv ausweichen mussten – hauptsächlich den riesigen Mutanten, die oft aussahen, als würden sie aus verschiedenen, großen Tieren bestehen – gefräßigen Wesen, wie den Blackstars, die zwar klein waren, aber eben auch sehr gefährlich, Wasserschlangen, die sich mittels winzigen Saugknöpfen an der Schiffswand hinauf bewegen konnten, und vielen weiteren.

Nach knapp zwei Stunden war Anya soweit mit dem Wichtigsten durch und Clarke selbst schwirrte der Kopf. Sie war zwar selbst Teil der Meereswesen, lebte im Ozean, aber dennoch war sie überrascht, welchen Wesen die Menschen hier begegnet sind. Wesen, die selbst sie kaum zu Gesicht bekommen hatte. Nun gut, wenn sie daran dachte, wie selten man sie von zu Hause fort gelassen hatte und beinahe schon mit allen Mitteln dafür gesorgt hat, das sie von ihrer eigenen Welt einfach nichts erfuhr. Ein Leben in einer riesigen Blase, voll von heuchlerischer Sicherheit…

Clarke ballte kurz ihre Hände zu Fäusten, ihre Haarspitzen wurden für eine Sekunde feuerrot, bevor sie wieder das vorherige Ozeanblau annahmen. Sie schüttelte den Kopf und atmete einmal tief durch, sah schnell zu Anya, die zum Glück nichts von Clarkes Ausnahmezustand mitbekommen hatte und ihr Notizbuch gerade wieder zurück ins Regal gestellt hatte.
„Na, glaubst du, du bist bereit, mit mir ein wenig das Meer zu beobachten und mir zu assistieren?“ Die Blonde lächelte und nickte sofort. Sie wäre für jede Art von Ablenkung glücklich, Hauptsache sie müsste nicht mehr an ihr Leben Zuhause denken…

Gemeinsam gingen sie zurück an Deck, wo Clarke plötzlich gegen einen Widerstand lief. Sie stolperte nach hinten und fiel beinahe nach hinten. Allerdings wurde sie fest am Handgelenk gegriffen und ein Stück nach vorne gezogen.
Sofort umgab sie der Duft von salzigem Meer und etwas wildem, das Clarke nicht so richtig beschreiben konnte. „Alles in Ordnung?“

Lexas Stimme erklang nah an ihrem Ohr, sie lag sicher und behütet in den Armen der Piratin und sah zu ihr auf in diese grünen Augen, in denen immer wieder ein Feuer zu glühen schien, wenn sie sie erblickte. „Ich… ja. Alles in Ordnung. Danke, das du mich vor dem Sturz bewahrt hast.“, sagte Clarke etwas atemlos und trat mit rosigen Wangen einen Schritt von Lexa weg. Auch, wenn sie sich am liebsten noch enger an die Braunhaarige geschmiegt hätte…

Lexa trat beiseite, um die beiden Frauen durchzulassen und warf dabei Anya einen prüfenden Blick zu. Diese grinste schelmisch. „Keine Sorge Lex, ich habe Clarke alles Wichtige mitgeteilt, was sie wissen muss. Ich bin mir sicher, dass sie sich super mit mir zusammen da oben machen wird.“ „In Ordnung. Dann will ich euch mal nicht weiter aufhalten.“ Kurz hielt Lexa den Blickkontakt zu der Forscherin, ihre Augen schienen auf einmal etwas bedrohliches, warnendes auszustrahlen. Anya hob dabei nur eine Augenbraue und schüttelte ganz leicht den Kopf, woraufhin Lexa den Blick wieder abwandte.

Clarke hatte dies beobachtet, ihr Blick schwirrte verwirrt zwischen den beiden hin und her. „Was war das denn gerade?“, wisperte sie, als die beiden ganz an Deck traten und zu der Leiter gingen, die hinauf zur Aussichtsplattform führte. Anya lachte leise. „Lexa wollte mir nur auf ihre Art mitteilen, dass ich es unterlassen soll, mit dir zu flirten. Scheinbar gefällst du ihr wirklich sehr, normalerweise markiert sie ihr Revier sonst nicht so stark.“ „W-was?!“, keuchte Clarke, ihre Wangen flammten nun Feuerrot auf.

„Sie findet mich… interessant? Und sie denkt, wir…“ „Wir hätten quasi was miteinander, ja. Oder zumindest dachte sie das. Sie kennt mich und weiß, dass ich mich niemals an jemanden ranmachen würde, an den sie Interesse hegt. Wir sind schließlich auch beste Freundinnen und unter besten Freundinnen ist so etwas nun mal selbstverständlich. Aber keine Sorge, wir werden uns schon nicht deinetwegen streiten oder so. Komm, rauf mit dir.“ Damit schnappte Anya sich ein Seil, das von ganz oben herab neben der Leiter hing und schwang sich daran hinauf.

Clarke war noch etwas durch den Wind, konzentrierte sich dann aber wieder auf die vor ihr liegende Aufgabe und kletterte die Leiter hinauf. Das Kunststück, dass Anya da veranstaltete, würde sie sicherlich nicht wagen. Zwar hatte sie wirklich keine Höhenangst, aber… übertreiben musste sie nun auch nicht.

Als sie schließlich oben angekommen war, reichte Anya ihr ein Fernrohr, das Clarke neugierig in die Hand nahm. Aufgrund des etwas unschlüssigen Gesichtsausdrucks, erkannte die Forscherin direkt, das Clarke nicht wirklich wusste, was sie damit anfangen sollte und erklärte ihr rasch, wie das Fernrohr funktionierte und wozu es diente. Clarke saugte die Informationen begierig auf und sah begeistert durch das Fernrohr über das Meer. Von hier oben hatte sie eine vollkommen andere Sicht auf ihren Lebensraum.

Die Sonne begann langsam, den Himmel in ein Farbenspiel aus rosa, orange und vereinzeltem hellblau zu tauchen, das sich auf der Wasseroberfläche des Ozeans spiegelte. Es war wirklich wunderschön… Clarke blickte auf die recht ruhige Oberfläche des Meeres, versuchte dabei, irgendetwas zu erkennen, jedoch sah sie nichts weiter als Wasser… Oder… nein, da war etwas…

Clarke beugte sich ein wenig weiter nach vorne, presste ihr Auge regelrecht gegen das Fernrohr, und versuchte zu erkennen, was dieser winzige Schatten knapp unterhalb der Wasseroberfläche sein könnte. Plötzlich sprang für eine einzige Sekunde eine zierliche Gestalt aus dem Wasser, bevor es wieder ins kühle Nass abtauchte und nicht mehr zu sehen war.

Clarke lächelte glücklich. Es war eine Wasserfee gewesen. Ein dünnes, winziges Wesen, dessen Haut aus verschiedenen Grün- und Blautönen bestand und längliche, schneeweiße Flügel besaß, mit denen es oberhalb der Meeresoberfläche fliegen konnte. Jedoch nicht für lange, da es eben immer noch ein Meereswesen war.

Die Blonde wandte sich zu Anya, wollte ihr von der Wasserfee erzählen, bei der sie sich sicher war, dass sie nichts über sie wusste, da diese Wesen sehr scheu waren, doch sie kam nicht dazu.

Die Braunhaarige starrte bleich auf eine bestimmte Stelle und fluchte dann lauthals. „Scheiße, verdammte!“ Sie schmiss das Fernrohr regelrecht von sich und schwang sich aufs Seil. „Clarke, komm schnell runter und versteck dich am besten in meinem Labor. Das wird gleich etwas hässlich werden und ich möchte nicht, dass dir etwas passiert.“

Anyas Stimme klang ernst und auch ein wenig gehetzt, während Clarke versuchte, herauszufinden, was genau sie so in Aufruhr gebracht hatte.
Die Blonde riss ihr eigenes Fernrohr in die Richtung, in die Anya zuvor geblickt hatte und erhaschte gerade so das Abbild einer Flagge, auf der ein blutroter Skorpion abgebildet war, bevor Anya sie regelrecht zur Leiter drängte…
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