Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Talk to me

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Het
19.03.2022
29.11.2022
24
50.779
7
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
19.03.2022 796
 
Blaulicht erhellte immer wieder die Nacht. Zwei Rettungswagen standen vor einem Haus ebenso wie Polizeiautos. Schaulustige hatten sich zusammen gestellt und versuchten einen Blick zu erhaschen. Niemand aus der Nachbarschaft hätte jemals mit so einer Tat gerechnet. Auf einer der Liegen lag ein kleiner Körper. Blut tränkte das kurze Hemd. Der Notarzt kämpfte um das Leben des kleinen Mädchen, an dessen mehrere Geräte angeschlossen waren. Hektisch liefen Polizisten in das Haus oder kamen wieder raus. Einige Männer schüttelten nur den Kopf. Hier und da wurde geflüstert. Spekuliert was passiert war, wie es dazu kam. Das kleine Herz hörte plötzlich auf zu schlagen. Der penetrante Piepton klingelte in den Ohren der Anwesenden. Sofort wurden Reanimationsversuche gestartet. "Wegtreten" erklang eine Stimme. Sekunden später wurde der kleine Körper geschockt. Hoffnungsvoll blickte der Notarzt auf die Linie. Ein weiteres Mal setzte er den Defibrillator an. Der kleine Körper zuckte, doch das Herz fing nicht wieder an zu schlagen. Ein kleiner Mensch hatte diese Erde verlassen. Seufzend schüttelte der Arzt den Kopf. Er konnte nichts mehr für sie tun. Die Schusswunde war zu schwerwiegend. Sie sorgte für innere Blutungen. Löschte ein Leben einfach aus. Gerade als ein weißes Laken über den Kinderkörper gelegt wurde, kam einige der Polizisten aus dem Haus. Sie führten einen Mann in Handschellen ab. Sein Blick war leer, gen Boden gerichtet. Er ließ es über sich ergehen, als sie ihn in den Wagen setzten. Mit einigem Abstand kam ein weiterer Polizist aus dem Haus. Mit ihm ein kleines Mädchen. Blutspritzer hafteten an ihrem Nachthemd, klebten in ihrem Gesicht. Als sie zu der Liege sah, fing sie an zu schreien. Sie riss sich von dem Polizisten los. Ihre nackten Füße rannten über die Straße. Mit voller Wucht prallte ihr kleiner Körper gegen die Liege. "Luna! Luna wach auf! Wach auf! Luna!" rief sie verzweifelt. Die kleinen Hände hatten sich auf den leblosen Körper gelegt. Schüttelten diesen kräftig durch. Heiße Tränen rannen ihr über die dreckigen Wangen. Zwei Arme packten sie und zerrten sie von dem leblosen Mädchen weg. Verzweifelt schrie sie auf. Schlug wild um sich, damit man sie los lies. Sie wollte wieder zu ihrer Schwester. Sie sollte aufwachen. Ihre schützenden Arme sollten sich wieder um sie legen. Ihre sanfte Stimme sollte ihr wieder zuflüstern, dass alles gut werden würde. So wie sie es immer tat, wenn im Wohnzimmer die lauten Stimmen ihrer Eltern stritten. In weiter Ferne klang eine Stimme zu ihr, versuchte sie zu beruhigen. Doch sie wollte sich nicht beruhigen. Sie wollte zurück. Zurück in diese schützenden Arme. Die Arme die sie noch Minuten vorher gerettet hatten. Die Arme, die sie aus dem Weg geschubst hatten. Raus aus der Schussbahn und dafür hatte sie den Schuss kassiert. Er war für sie bestimmt, nicht für ihre Schwester. Sofort kamen dem kleinen Mädchen die Bilder in den Kopf. Bilder die vor wenigen Augenblicken so real waren.
Ihre Eltern hatten sich wieder gestritten. Luna sagte doch, dass sie in ihrem Zimmer bleiben sollte. Doch sie hatte so großen Hunger. Sie wollte sich doch nur ein Stück trockenes Brot holen. Sie wollte nur kurz an ihren Eltern vorbei schleichen. Hin zu der Küche, als sie plötzlich den Knall hörte. Es dröhnte in ihren Ohren. Wie gelähmt blickte sie zu ihren Eltern. Sah die schwarze Waffe in der Hand ihres Vaters. Ein kleiner Rauchschwaden kam noch aus dem Lauf. Die Augen ihrer Mutter waren vor Schock geweitet und doch so unendlich leer. Ihre hellblaues Kleid zog sich mit ihrem Blut voll und bald sackte der leblose Körper in sich zusammen. Ein heller Schrei ertönte und als sie bemerkte, dass sie selbst es war die schrie, schlug sie ihre kleinen Hände auf den Mund. In dem Moment blickten die trüben Augen ihres Vaters zu ihr. "Es tut mir leid" war alles was sie noch von ihm hörte. Der Lauf der Waffe richtete sich auf ihren kleinen Körpe. Pure Panik durchflutete ihre kleinen Venen. Verzweifelt versuchte sie in dem Mann vor sich ihren Vater zu sehen. Doch dieser Mann vor ihr war ihr so komplett fremd. Sie hörte wieder einen Knall. Automatisch zuckte sie zusammen. Ein Ruck ging durch ihren Körper. Schmerzhaft kam sie auf dem Boden auf. Warme Tropfen spritzten ihr ins Gesicht. Voller Schreck blickte sie zu ihrer älteren Schwester. Sah das Blut, welches sich auf den Sachen ausbreitete. Das schwache, schmerzliche Lächeln auf den blasser werdenden Lippen. Sie nahm nicht mehr war wie die Tür aufflog. Wie Männer in das Haus stürmten. Sie wusste nicht wie sie zu ihrer Schwester kam, aber ihre kleinen Hände pressten sich auf die blutende Stelle. "Ich werd für immer bei dir sein" hörte sie die schwache Stimme. Sie spürte die zittrigen Finger an ihrer Wange. Ein letztes Mal bevor sie beiseite genommen wurde.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast