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Als ich von dir träumte

von Jessindia
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P16 / FemSlash
Böse Königin / Regina Mills Emma Swan
13.03.2022
13.03.2022
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6.741
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Emma ging auf Reginas Haus zu und hob wie jedes Mal den Kopf an, um es in seiner ganzen Größe zu erfassen. Sie blieb vor dem Treppenabsatz stehen. Hier war sie Regina zum ersten Mal begegnet. Damals war Regina abweisend gewesen, doch im Laufe der Zeit war ihr Umgang mit Emma milder geworden. Als sie sich verabschiedetet hatten, kurz bevor Regina das Pergament mit dem Fluch zerstörte, hatte Emma einen letzten Blick von ihr wahrgenommen. Er war durchdringend gewesen und ungewöhnlich liebevoll.

Als Hook ihr gestern den Trank gab und ihre Erinnerungen an Storybrooke zurückkehrten, war es für sie ein Schock gewesen. Sie sah sich plötzlich mit ihrer echten Vergangenheit konfrontiert. Es löste sich für sie ein Rätsel auf, was jedoch neue Fragen hervorgebracht hatte. In dem einen Jahr in New York hatte sie jede Nacht wiederkehrende Träume gehabt. Nie erinnerte sie sich an bestimmte Details, nur ein Gesicht trat immer aus dem Nebel hervor, das von Regina. Regina mit ihren dunkelroten Lippen und dem rabenschwarzen Haar.

Erst hatten Emma diese Träume Angst gemacht, denn sie kannte die Frau nicht. Wieso träumte sie jede Nacht von einer Fremden? Doch schon bald hatte sie sich darauf eingelassen. Vielleicht hatte ihr Unterbewusstsein ja eine Botschaft für sie. Ihre Begegnungen wurden intensiver. Erst hatte die Frau ihr nur zugelächelt, doch schon bald kam sie Emma ganz nah, berührte ihren Arm und flüsterte ihr in einer Sprache zu, die sie nicht verstand, doch die Worte klangen wunderschön, wie ein Lied aus einem fremden Land. Emma war jeden Morgen mit einem Gefühl der Geborgenheit erwacht. Selbst wenn sie abends aufgewühlt oder traurig ins Bett gegangen war, hatte die Gewissheit sie beruhigt, dass die Frau da sein würde und ihr durch ihre Nähe und ihrer sanfte Art immer Zuversicht schenkte.

Als sie mit Hook und Henry vorhin in der Stadt angekommen war, hatte sie als erstes ihre Eltern aufgesucht. Doch nun wollte sie Regina unbedingt persönlich sagen, dass sie und Henry hier waren und vor allem, wollte sie Regina wiedersehen.

Mit großen Schritten ging sie auf die Haustür zu und klingelte. Es war bereits spät. Regina arbeitete zwar immer lange, doch um diese Zeit war sie sonst Zuhause gewesen, um für sich oder zwischendurch auch für Henry zu kochen.
Die Tür ging auf und Regina stand vor ihr.
»Emma?«
Emma versuchte zu lächeln, doch für einen Moment blieb ihr die Luft weg. Ein Jahr lang schien es unmöglich gewesen zu sein, je herauszufinden, wer diese Frau aus ihren Träumen war. Als sie gestern erfuhr, dass sie sich bereits kannten und viele wichtige Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit teilten, fühlte sich das alles so unwirklich an. Doch nun stand Regina wirklich vor ihr. Sie war noch blasser als sonst und der schwarze Hosenanzug verstärkte diesen Eindruck noch.
»Hi. Ich bin wieder da und ihr anscheinend auch.«
Regina machte einen Schritt auf sie zu. Einige Herzschläge lang starrte sie Emma ungläubig an. Plötzlich schlang Regina die Arme um sie und zog sie ganz nah an sich.
Emmas Körper versteifte sich. Mit allem hätte sie gerechnet, nur nicht damit. Regina hatte sie noch nie umarmt.
»Du …« Emma schluckte ihre Worte hinunter. Sie wollte einen Scherz machen, wollte Regina fragen, ob sie nicht nur das letzte Jahr, sondern auch die Jahre davor vergessen hatte, aber die Art, wie Regina sie berührte, hinderte sie daran.
Ihre Hände lagen auf Emmas Rücken und ihr Gesicht war Emmas Hals so nah, dass sie ihren Atem auf der Wange spüren konnte. Unter dem feinen Stoff ihres Blazers konnte Emma die Muskelstränge von Reginas Armen spüren. Ihr gefiel es, wie fest Regina sie hielt. Doch ihre Atmung war unruhig.
Vorsichtig hob Emma eine Hand, sie zögerte, doch dann strich sie ihr langsam über den Rücken. Sie wartete einige Augenblicke und Regina atmete einige Male tief ein und wieder aus. Sie schien sich etwas zu beruhigen.
»Ist alles okay mit dir?«
Regina löste sich von ihr, dabei glitten ihren Hände über Emmas Rücken.
»Vielleicht jetzt ja.«
Was sollte das bedeuten?
Regina machte einen kleinen Schritt zurück und blickte über Emmas Schulter. Emma hatte eine Ahnung, wen sie suchte. »Regina, ich bin allein zu dir gekommen. Henry ist auch in der Stadt. Aber als Hook mich aufsuchte, hatte er nur ein einziges Fläschchen mit Zaubertrank. Dieser brachte mir meine wahren Erinnerungen zurück. Henry hat nur die Erinnerungen, die du uns geschenkt hast.«
Reginas Lippen war leicht geöffnet und um ihre Augen lagen Schatten. »Ich verstehe.« Sie sah Emma direkt in die Augen. »Wie lange bist du schon hier?«
»Seit heute Mittag. Ich war erst bei meinen Eltern, doch dann wollte ich unbedingt zu dir. Ich wollte nicht, dass du von jemand anderem von unserer Rückkehr erfährst.«
»Das ist … das ist sehr freundlich von dir.« Fahrig strich sich Regina eine Haarsträhne hinter ihr Ohr.
So ein Verhalten kannte Emma nicht von ihr. Regina war sonst beherrscht und bewahrte in jeder Situation ihre Contenance. Nun ja, oder sie schleuderte direkt einen Feuerball auf jemanden zu. Gerade wirkte sie unsicher und sehr verletzlich.
Emma berührte ihren Arm und schluckte.
Sie konnte endlich nach der Frau greifen, die für sie ein Jahr lang nur ein Bild aus ihren Träumen gewesen war. Doch es ging hier gerade nicht um sie. Regina schien es schlecht zu gehen. Vielleicht konnte Emma ihr helfen.
»Regina, was ist los? Ich weiß, dass alle sehr durcheinander sind. Für euch ist ein Jahr vergangen und ihr könnt euch an nichts erinnern, das muss sehr verwirrend sein, aber …« Sie wollte sagen, aber du hast nie vor etwas Angst, doch das stimmte natürlich nicht. Regina hatte immer Angst gehabt, Henry zu verlieren. Sie beendete ihren Satz deswegen mit  »… aber du siehst aus, als würde dich noch viel mehr beunruhigen.«
Regina griff nach ihrer Hand und hielt sie fest. »Emma, niemand kann sich an das eine Jahr erinnern. Aber ich weiß noch genau, was ich in dieser ganzen Zeit gefühlt habe. An jedem einzelnen Tag. Für uns alle sind nur ein paar Wimpernschläge vergangen, aber ich …« Reginas Stimme fing an zu zittern und Emmas Magen durchfuhr ein Stich.
»Komm, wir gehen erstmal rein.«
Sie liefen in den Flur und Emma schloss die Tür. Sie folgte Regina in das Wohnzimmer und drückte sie sanft an ihrer Schulter auf das edle Sofa. »Ich hole uns etwas zu trinken. Ich darf doch an den Schrank, oder?«
»Bitte.«
Emma schüttete ihnen einen großen Schluck Whisky in die Gläser und stellte diese auf dem Tisch ab, dann setzte sie sich neben Regina und betrachtete ihr von Sorgenfalten durchzogenes Gesicht.

* * *

Emma war wirklich hier bei ihr.
Regina blickte auf und sah in die hellen grünen Augen, die sie besorgt musterten. In den letzten Stunden hatte sie kaum atmen können, überflutet von den Gefühlen eines ganzen Jahres, doch ohne die Bilder dazu, die diese Empfindungen für sie besser verständlich hätten machen können. Sie wusste nur, dass sie stets eine tiefe Sehnsucht begleitet hatte, die durch nichts zu stillen gewesen war. Ihre Tage hatten aus der Suche bestanden, diese Trauer zu vertreiben, doch stattdessen wuchs ihre Verzweiflung mit jeder Stunde, denn die beiden Menschen, denen diese Sehnsucht galt, schienen für immer für sie verloren zu sein.
Emma streckte eine Hand aus und berührte erneut ihren Arm. »Sag mir bitte, was los ist.« Ihre Finger gruben sich sanft in den Stoff ihres Blazers, als suche auch sie nach einem Halt.
»Als sich gestern der Nebel an der Grenze von Storybrooke verzog, fiel mein erster Blick auf deine Mutter. Sie war schwanger und mir wurde gewahr, dass irgendetwas passiert sein musste und dann …« Regina griff nach dem Glas und umklammert es fest. Auch der Griff von Emma wurde stärker.
»Bitte, erzähl es mir«, sagte Emma leise.
Der sanfte Ton ihrer Stimme berührte Regina tief in ihrem Inneren. Sie blickte zu ihr. »Ich konnte mich an kein einziges Erlebnis erinnern. Aber alle Gefühle waren auf einen Schlag da. Ich durchlebte sie noch einmal innerhalb weniger Minuten. Ich habe Henry so sehr vermisst und … dich. Ich war immer auf der Suche und all die Zeit über allein.«

* * *

Emma war schwindelig. Ihre Gedanken überschlugen sich. Regina hatte sie vermisst? Und gleichzeitig hatte Emma immer wieder von ihr geträumt. War bei der Zerstörung des Fluches etwas schiefgegangen?
Emma zog ihre Hand weg, dafür rückte sie behutsam ein wenig näher zu Regina, so dass sich ihre Beine berührten. Wenn sie Regina gerade nicht ganz bewusst spürte, überkam sie die Sorge, sie könnte sich wieder in Luft auflösen, so wie jedes Mal, wenn sie aufgewacht war.
»Ich habe auch nach dir gesucht.«
Regina blickte sie mit leicht geöffneten Lippen an.
»Wie meinst du das?«
Emma fuhr sich über den Nacken. »Ich habe mich auch auf eine bestimmte Art an dich erinnert. Du warst in meinen Träumen.«
Regina schlug eine Hand vor den Mund. Unerwartet sprang sie auf und Schritt zum Fenster.
Emma sah ihr hinterher.
Reginas Körper ergriff ein Zittern.
Eilig stand Emma auf und ging zu ihr. »Was hast du?«
Regina schaute aus dem Fenster, doch dann drehte sie sich ganz zu ihr um. »Als ich das Pergament mit dem Fluch zerstörte und euch beiden neue Erinnerungen schenkte, erfand ich für euch eine neue Vergangenheit.«
Emma nickte. »So hatten wir es besprochen.«
»Ich wollte, dass es euch gut geht, doch im gleichen Moment tat es so wahnsinnig weh zu wissen, euch nie wieder zu sehen. Ich zauberte eine letzte Erinnerung für dich. Eine an mich.«
Emma schluckte. »Ich verstehe nicht. Warum gabst du sie mir und nicht Henry?«
Regina senkte ihren Blick. »Du warst in den letzten Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens. Als mir klar wurde, dass ich dich nie wieder sehen werde, wurde mir bewusst, dass ich dich immer als viel zu selbstverständlich angesehen habe. Mit einem Mal wollte ich die Verbindung zu dir nicht verlieren, obwohl ich euch gehen lassen musste. Diese Entscheidung war sehr egoistisch von mir.«
»Nein.«
Regina blickte auf und sah sie durchdringend an.
»Die Momente, die ich in meinen Träumen mit dir hatte … sie gaben mir das schönste Gefühl, was ich je empfunden habe. Du hast mich beschützt. Du schenktest mir Stärke. Und obwohl ich immer allein war, fühlte ich mich dennoch geborgen.«
Regina runzelte die Stirn. »Du hattest keinen Partner?«
Emmas Wangen wurden warm. Wenn sie Regina schon so viel erzählt hatte, konnte sie ihr gleich die ganze Wahrheit sagen.
»Ich hatte in dem Jahr ein paar Dates. Mit Frauen.« Sie atmete bewusst ein und wieder aus. »Ich dachte, weil ich so oft von einer fremden Frau träume, die solche Gefühle in mir auslöst, sei das ein Zeichen. Aber ich konnte nicht das finden, was ich suchte.«
»Was hast du gesucht?« Reginas Stimme war plötzlich ganz weich und ihr Tonfall drang in sie, wie das Gefühl von warmen Sommerregen auf nackter Haut.
»Ich suchte dich. Ich habe dich so sehr gesucht, dass ich jede Möglichkeit nutzte, um mich Tagträumen hinzugeben, um dir immer wieder zu begegnen.«
Reginas Lippen begannen leicht zu zittern. »Ich habe dir alles verdorben.«
»Nein. Im Gegenteil. Diese Erinnerung an dich war ein kostbares Geschenk. Aber du hast ein Jahr lang gelitten. Das tut mir so leid.«
»Magie hat immer ihren Preis und ich befürchte, ich habe ihn noch nicht vollends bezahlt.«
»Wie meinst du das?«

* * *

Regina schritt auf den Tisch zu und nahm einen großen Schluck Whisky. Er brannte in ihrem Hals und konnte ihr stark klopfendes Herz nicht beruhigen. Emmas Nähe löste die Verzweiflung, die sie vor einer Stunde noch gespürt hatte mit jedem neuen Atemzug auf, dafür begann ein anderes Gefühl in ihr stärker zu werden. Jetzt, wo sie Emma endlich wiedersah und sie so sanft über Regina sprach, begann der Mut in ihr zu wachsen, endlich die Distanz zu überwinden, die sie in den letzten Jahren mit allen Mitteln versucht hatte, zwischen ihnen aufrecht zu erhalten.
Emma hatte ein Jahr lang an sie gedacht.
Aber nur, weil ich es ihr in den Kopf gezaubert habe.
Emmas Erinnerung an sie beruhte auf einem Zauber für den Regina einen bitteren Preis gezahlt hatte und es vermutlich immer noch tat.
Sie hörte Emmas Schritte hinter sich und drehte sich zu ihr um.
»Seit gestern spüre ich eine starke Macht. Etwas Dunkles, das von mir Besitz ergreifen will.«
Emma blieb nur eine Schrittlänge vor ihr stehen und sah sie so besorgt an, dass Regina ihrem Blick auswich.
»Meinst du, in Storybrooke hat sich etwas verändert?«
»Oder jemand. Was ist, wenn diese Macht zu mir gehört und ich in dem vergangenen Jahr wieder zu meinem alten Ich, der bösen Königin, geworden bin?«
Emma schloss die letzte Lücke zwischen ihnen. Sie hob ihre Hände, berührte mit ihren Fingerspitzen Reginas Kinn und drückte ihren Kopf behutsam ein wenig in die Höhe, so dass sie sich direkt ansahen.
»Wenn das so wäre, Regina, würde ich es spüren. Ich kenne dich.« Vorsichtig schob Emma eine Hand unter Reginas Blazer und legte sie auf die Stelle über ihrem Herzen.
»Du hast jetzt ein gutes Herz.«
Regina schüttelte den Kopf. »Ich brauche Gewissheit.« Ihre Stimme war brüchig. Emmas Hand auf ihrem Shirt, ihre Finger über ihrem klopfenden Herz, war eine der schönsten Berührungen, die sie je bekommen hatte.
Emma ließ sie los und machte einen kleinen Schritt zurück.
Bleib bei mir. Halt mich weiter fest. Fast hätte Regina diese Gedanken laut ausgesprochen.
»Du hast etwas Bestimmtes vor, oder?«
Regina schluckte. »Ich muss wissen, ob diese Macht ein Teil von mir ist oder ob sie von jemand oder etwas anderem ausgeht. Dafür muss ich einen Beschwörungszauber aussprechen, doch das geht nur mit einer zweiten Magierin.«
Emma hob die Augenbrauen. »Meinst du damit etwa mich?«
Regina nickte.
Abwehrend hob Emma die Hände. »Ich kann das nicht. Außerdem hatte ich nun über ein Jahr lang nichts mehr mit Magie zu tun.«
»Bitte, Emma. Ich muss wissen, was hier los ist. Allein schon, um die Stadt vor neuen Gefahren, gegebenenfalls vor mir selbst, zu schützen. Wir alle brauchen dich.«
»Du ziehst die Retterinnen-Karte. Das ist unfair.«
Regina schmunzelte. »Ich habe halt so meine Tricks.« Doch im selben Augenblick tat ihr dieser Satz leid, denn einer dieser Tricks hatte dazu geführt, dass Emma anscheinend im vergangenen Jahr allein gewesen war.
»Wenn ich zusagen würde, wie stellst du dir das Ganze vor?«
»Ich brauche dich für eine Nacht.«

* * *

Emmas Hals war mit einem Mal ganz trocken. Dieser Satz löste ein Kribbeln in ihrem Körper aus. Sie hatte so viele Nächte mit Regina verbracht, ohne wirklich in ihrer Nähe sein zu können.
»Okay. Ich kümmere mich um eine Übernachtungsmöglichkeit für Henry. Vielleicht nimmt Hook ihn mit auf sein Schiff, darauf wird Henry sich vielleicht einlassen, auch wenn die beiden sich kaum kennen. Ich komme dann morgen Abend hier her.«
Regina lächelte.
Es war so schön, sie endlich etwas gelöster zu sehen. Dieser eine Tag verschaffte Emma zudem die Möglichkeit, die ganzen Neuigkeiten zu sortieren.
Sie verabschiedeten sich voneinander und Emma eilte zum Hafen um noch mit Hook sprechen zu können. Zum Glück traf sie ihn an und er willigte ein, in der kommenden Nacht auf Henry aufzupassen.

Als Emma in der Pension ankam, fand sie Henry schlafend auf dem Sofa vor. Sie deckte ihn zu und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Leise schlich sie in das Bad. Sie machte sich fertig, zog sich um und huschte in den abgetrennten Schlafbereich.
Sie schlüpfte unter die Decke, schloss die Augen und öffnete sie sogleich wieder. Jetzt, wo der Zauber bei ihr nicht mehr wirkte, würde sie auch nicht mehr von Regina träumen. Dieser Gedanke versetzte ihr einen Stich in den Magen.
Ja, Regina hatte ihr diese Erinnerung in ihre Träume gezaubert, aber Emmas Gefühle hatten sich erst nach einigen Wochen entwickelt und waren intensiver geworden, umso mehr sie sich auf Reginas Wirkung auf sie eingelassen hatte.
Emma drehte sich zur Seite, schob ihre Hände unter das Kissen und kuschelte sich tief in den weichen Stoff. Sie schloss die Augen und dachte an Reginas Umarmung. Es war wunderschön gewesen, sie so nah zu spüren und zu erleben, wie ihre starken Arme sie gehalten hatten. Waren diese Gefühle echt oder verwoben sie sich nur mit denen, die sie nach ihren Träumen gehabt hatte?
Sie musste den morgigen Abend nutzen und diesen Gefühlen nachspüren. Sie musste herausfinden, was sie wirklich empfand, wenn sie länger in Reginas Nähe war.

Emma blickte an sich hinunter. War sie overdressed? Wie zog man sich an, wenn man mit jemanden zum Zaubern verabredet war?
Sie hatte sich für eine enge, dunkelblaue Jeans und eine rote Seidenbluse sowie für ihre neue schwarze Lederjacke entschieden. Die Haare hatte sie mit einem grünen Tuch zu einem Zopf nach hinten gebunden.
Sie klingelte und wenige Augenblicke später öffnete Regina ihr die Tür.
»Emma, wow, ich meine, hi. Du siehst gut aus.«
»Das sagt mir die schönste Frau in der Stadt?« Sie hatte bestangezogenste Frau sagen wollen, aber das andere Kompliment war ihr einfach so über die Lippen gesprungen.
»Bin ich das?«
»Sollen wir einen Spiegel befragen?«
Regina grinste, streckte einen Arm aus und zog Emma an sich.
»Danke, dass du dich darauf einlässt.« Sie neigte leicht den Kopf. »Du riechst gut. Was ist das für ein Duft?«
»Motoröl. Mein Käfer ist auf dem Weg hierher liegen geblieben.«
Regina löste sich von ihr, ließ dabei jedoch ihre Arme nicht los.
»Miss Swan, veräppeln Sie mich?«
Emma lachte. »Ja. Entschuldige. Es ist Parfüm, irgendeines vom Flughafen, weil man da ja traditionell Parfüm kauft, wenn man sich dort aufhält. Ich dachte, ich fühle mich vielleicht etwas magischer, wenn ich einen ungewöhnlichen Duft auftrage. Sorry. Ich plappere. Ich bin nervös.«
Regina ließ ihre Hände hinunter zu Emmas gleiten und drückte sie kurz.
»Nervös? Du?«
»Wieso überrascht dich das?«
»Weil du eine der stärksten Frauen bist, die ich kenne.«
»Das von dir zu hören ist wirklich ein Kompliment, wo du doch schon ein ganzes Königreich regiert hast.«
Regina neigte sich zu ihr und flüsterte: »Nicht regiert. Unterdrückt. Das ist ein feiner Unterschied.«
Sie sahen sich in die Augen und für einen Augenblick sah Emma in Reginas diese Dunkelheit, die sie von früher kannte. Doch einen Moment später lächelte Regina und ihr Blick wurde mild.
»Was macht dich nervös? Du bist die Tochter zweier Märchenhelden und deine Gabe ist sehr stark. Das hast du mir schonmal bewiesen.«
Wenn Regina wüsste, dass sie nicht nur deswegen hier war, sondern auch, um sich über ihre Gefühle klar zu werden.
»Also ist zaubern wie Radfahren?«
»Besser.« Regina legte eine Hand auf Emmas Brustkorb über die Stelle ihres Herzens, so wie sie es gestern bei ihr getan hatte. »Du musst es gar nicht lernen, du musst es nur in dir wecken.«
»Na dann. Bekomme ich hin. Easy peasy.«
»Du kannst deine Jacke gleich anlassen. Wir gehen in den Wald.«
Regina griff hinter sie und nahm ihren Mantel von der Garderobe.
»In den Wald? Ich dachte, du hättest in deinem Haus so etwas wie einen Raum zum Zaubern, so wie manche ein Arbeitszimmer haben.«
»Habe ich, aber es ist nicht aufgeräumt.« Sie grinste.
Emma gefiel es, wenn Regina frech war. Ihre Augen und ihren Mund umspielten dann diese feinen Lachfältchen.
Regina zog sich ihren Mantel über und sie traten nach draußen.
Der Himmel war wolkenverhangen und es wehte ein kühler Wind. Silbrig-grau brach das Mondlicht hervor und wurde sogleich wieder von einer der schnell ziehenden Wolken gedämpft.
»Es ist nicht weit. Wir gehen in das Wäldchen, was an meinen Garten anschließt. Ich habe das Grundstück damals extra deswegen gewählt.«
»Weil du gerne im Wald spazieren gehst?«
Regina neigte sich leicht zur Seite und stupste Emma mit dem Ellenbogen in die Seite. »Wälder sind magische Orte. Die Bäume verbinden die Kräfte von Himmel und Erde. Die eigene Magie wird dort verstärkt. Und man kann unliebsame Personen, die man in Eichhörnchen verwandelt hat, gleich dort aussetzen.«

* * *

Regina betrachtete Emma, die immer noch angespannt wirkte. Auch ihr Scherz hatte sie nicht zum Lachen bringen können.
Regina griff nach ihrer Hand. »Ich tue nichts, was für dich irgendwie gefährlich werden könnte.«
Emma nickte und Regina ließ ihre Hand wieder los.
Gefährlich war es zwar nicht, dennoch hatte sie Emma nicht die ganze Wahrheit gesagt.
Sie brauchte Emma für den Beschwörungszauber, damit sie ein Bild der dunklen Macht hervorrufen konnte, die sie wahrnahm und dafür mussten sie sich an den Händen halten. Doch sie würde diesen Moment auch nutzen, um ihm einen anderen Zauber vorrauszuschicken. Sie würde dadurch für wenige Sekunden spüren können, was Emma fühlte und hätte dann Klarheit über Emmas Empfinden zu ihr.
War Emma heute nur gekommen, weil sie sich als Retterin dazu verpflichtet fühlte? Oder war sie hier, weil sie Regina wirklich helfen wollte? Täuschte sie sich, oder hatte Emma bei ihrer Begrüßung sogar ein wenig mit ihr geflirtet?
Sie hatte lange darüber nachgedacht, welche Erinnerung sie Emma mitgegeben hatte. Sie hatte gewollt, dass Emma sie nicht vergaß. Doch wie waren diese besonderen Gefühle bei Emma entstanden? Hatte Regina vielleicht ihre eigenen Gefühle auf den Zauber übertragen? Das, was sie in dem Moment empfunden hatte, als ihr klar wurde, wie viel Emma ihr in den letzten Jahren schon bedeutet hatte?
»Hey.« Emma blickte sie an. »Jetzt bist du nachdenklich.«
Regina lächelte. »Ich fokussiere mich nur.«
Und das musste sie wirklich. Nicht nur, dass Emmas Anblick in der engen Jeans und mit dem zurückgebundenen Haar sie vorhin fast umgehauen hätte, sie würden sich gleich sehr nah kommen und allein, wenn sie nur daran dachte, begannen ihre Knie weich zu werden.
In den letzten Jahren hatte sie dieses besondere Gefühl in Emmas Nähe immer wieder wahrgenommen und es genauso schnell wieder ignoriert. Darin war sie gut. Gefühle zu verdrängen. Doch nachdem sie diese Welle der Sehnsucht gepackt hatte, die sie anscheinend ein ganzes Jahr lang begleitet hatte, wollte sie diesen Fehler nicht nochmal machen. Sie wollte nun offen sein, für all das, was sie für Emma wirklich empfand.

* * *

Sie verließen den schmalen Pfad der in den Wald führte und Regina strich die herunterhängenden Äste eines großen Busches zur Seite. Sie traten hindurch.
Fünf Bäume standen nah beieinander und selbst Emma, mit ihren kaum vorhandenen Kenntnissen über Zauberei und Magie, spürte die besondere Atmosphäre an diesem Ort. Der kleine natürliche Platz zwischen den Bäumen war behütet, doch sah man nach oben, wirkten die in den Himmel ragenden Baumstämme wie ein Tunnel zu den Sternen.
Regina lächelte ihr zu. »Wir beginnen mit einer Übung. Ich würde damit gerne erst deine Kräfte aktivieren, bevor ich den richtigen Zauber ausspreche.«
»Klar. Zünden wir ein Feuer an oder legen einen Steinkreis?«
Regina biss in ihren schwarzen Handschuh und zog ihn sich, Finger für Finger mit ihren Zähnen von der Hand.
»Du liest wohl zu viele Märchen?«
Emma kräuselte die Nase und versuchte ein Lächeln. Sie würde nun wirklich gerne wissen, was auf sie zukam.
»Alles, was du benötigst, ist in dir. Allerdings brauche ich dich barfuß.«
Emma zog beide Augenbrauen hoch.
Regina schob ein Fuß vor den anderen und hebelte sich aus dem ersten ihrer Stiefeletten.
»Okay. Du meinst das ernst.«
»Die Erde ist voller Energie und so können wir sie besser in uns aufnehmen.«
Emma seufzte, doch Regina zwinkerte ihr zu, so dass sich ihr Unmut sofort auflöste.
Sie zogen ihre Schuhe und Strümpfe aus.
Emma hätte nicht gedacht, dass ein Hosenanzug und nackte Füße so sexy aussehen konnten. Schnell wandte sie ihren Blick von Regina ab und den Baumwipfeln zu.
Regina nahm sie an der Hand und führte sie genau in die Mitte des Baumkreises.
»Ich werde dir etwas näher kommen, ist das in Ordnung?«
Emma nickte. Natürlich war das in Ordnung, so lange ihr gleich eine Zauberbohne aus der Tasche fiel, ein Strudel sie verschluckte und in New York wieder ausspuckte.
Wäre sie doch nur dort geblieben.
Nein.
Sie hatte nur Courage vor ihren eigenen Gefühlen. Sie hatte schon gegen die mächtigsten magischen Wesen verschiedener Welten gekämpft, da würde sie doch jetzt verdammt nochmal den Mut haben um sich ganz und gar auf Regina einlassen zu können.
Regina stellte sich hinter sie. »Wir müssen noch unsere Jacken ausziehen und kremple bitte auch deine Ärmel hoch. Ich brauche den Kontakt zu deiner Haut.«
Und sie brauchte wohl doch eine Zauberbohne.
Emma zog ihre Jacke aus und krempelte die Ärmel ihrer Bluse hoch.
Im Augenwinkel sah sie, dass Regina das gleiche tat.
Regina stellte sich hinter sie. »Eins noch.« Regina berührte ihr Haarband. »Darf ich das lösen?«
Emma nickte.
Reginas Fingerspitzen streiften kurz ihre Kopfhaut. Vorsichtig zog sie das Tuch über ihren Zopf und Emmas langen Haare fielen ihr über die Schultern.
»Dann kann die Energie besser fließen.« Reginas Stimme war nur noch ein Flüstern. Sie stand nun ganz nah hinter ihr, so dass ihre Körper sich berührten.
Regina legte einen Arm um ihre Taille und die Hand auf ihren Bauch. Mit der anderen Hand fuhr sie zwischen ihre Brüste und legte ihre Fingerspitzen über die Stelle ihres Herzens. »Lehn dich an mich.«
Emma verlagerte ihr Körpergewicht und ließ sich gegen Reginas Körper sinken. Der weiche Busen wurde bei jedem Atemzug gegen ihren Rücken gepresst. An ihrem Po spürte sie Reginas Mitte.
»Regina?«
»Ja?«
»Gib mir ein wenig Zeit, bevor wir mit der Übung anfangen.«
»So viel Zeit, wie du brauchst.«
Emma zögerte, doch dann hob sie ihre Hände und legte sie vorsichtig auf Reginas. »Ist das okay?«
»Ja.«
Regina spreizte ihre Finger und Emma fuhr mit ihren dazwischen.
Emma spürte, wie Regina für einen Moment die Luft anhielt, dann schob sie ihren Kopf ein Stück vor und stützte ihr Kinn auf Emmas Schulter.
Emma schloss die Augen.
Lass jetzt alles alte los. Sei ganz und gar hier.
Emma spürte Reginas Herzschlag an ihrem Rücken und wie das Klopfen als sanfte Vibration durch jede Faser ihres Körpers drang.
Ihre Lippen begannen zu zittern.
»Wenn dir kalt ist, kann ich einen Schutzzauber aussprechen.«
»Mir ist nicht kalt. Im Gegenteil. Und dir?«
Regina schüttelte den Kopf. Plötzlich waren ihre Lippen ganz nah an ihrem Ohr. »Aber ich weiß, was gegen ein Zittern hilft.« Sie bewegte ihre Daumen und streichelte Emmas Handrücken. Sachte bewegte sie ihre Finger, berührte mit ihren Fingerspitzen die von Emmas, streichelte über die Ränder ihrer Nägel, über jedes einzelne Fingerglied und fuhr ihre Handinnenlinien entlang.
»Deine Herzlinie ist tief und sie beginnt unter dem Zeigefinger.«
Reginas Berührungen wogten als prickelnder Schauer über Emmas ganzen Körper, über die Arme, ihre Brust und hinab zu ihren nackten Füßen. Emma drückte diese noch tiefer zwischen die kühlen Blätter und auf das weiche Moos.
»Was bedeutet das?«, flüsterte sie.
»Wenn du liebst, liebst du leidenschaftlich und gibst mit allem, was du hast. Und genauso wird sich deine Magie zeigen.«
Emma lehnte ihren Kopf zur Seite, bis sie Reginas weiches Haar an ihrer Wange fühlte und seinen Duft wahrnahm. Es roch nach Rosenblüten und sonnenwarmen Holz.
Nirgendwo wäre sie in diesem Moment lieber.
Das hier hatte nichts mit dem Gefühl zu tun, welches sie nach ihren Träumen gehabt hatte. Dieses war sanft und erregend zugleich. Reginas Duft, ihre Wärme und ihre Energie legten sich wie eine zweite Haut über ihren Körper. Mit einem Mal fühlte sie sich ganz und sie wusste, nicht nur die Suche des letzten Jahres, sondern auch die der Jahre davor, diese Suche endete hier.
»Ich bin bereit.«

* * *

»Streck deine Arme aus und halte deine Handinnenflächen so, dass sie zueinander zeigen.«
Ihre Finger lösten sich voneinander, doch Emma zog ihre Hände nur langsam weg. Sie fuhr mit den Fingern über Reginas Haut und sie packte eine erregende Welle, die sich in ihrer Körpermitte zu einem Feuerball bündelte. Wenn Regina sich nicht beherrschte, würde sie gleich die Bäume in Brand stecken.
Emma streckte ihre Arme nach vorne.
Regina legte ihre flache Hand wieder auf Emmas Bauch. Unter dem dünnen Stoff der Bluse spürte sie die Vibration jeder ihrer Atemzüge.
»Wenn du einatmest, atme so tief in deinen Bauch, bis er meine Hand berührt. Stell dir dabei vor, du ziehst dabei über deine Füße die Energie aus der Erde und lässt sie über deine Arme in die Hände fließen. Deine ureigene Kraft kommt aus deiner Körpermitte, deinem Bauch und deinem Herz. Denk an das stärkste Gefühl, was in dir ist und dann lass es zu, fühle es.«
Emma atmete tief ein und während sie ausatmete, strich Regina mit ihrer anderen Hand über ihren Arm, bis hin zu ihren Fingern.
»Lass die Energie fließen und bündle sie zwischen deinen Händen.«
Emma hatte die Augen immer noch geschlossen.
Wind kam auf.
Die blonden, langen Haare streiften Reginas Gesicht.
Regina neigte sich ganz nah an Emmas Ohr.
»Tu es jetzt. Verwandle die Energie und dein Gefühl in Magie.«
Zwischen Emmas Händen leuchtete eine pulsierende Kugel auf. Sie öffnete die Augen.
»Es hat geklappt.«
Regina lächelte.
»Was mache ich jetzt damit?«
»Alles, was du willst. Wandle es in das, was du gerade empfindest.«
Emma drehte sich etwas zur Seite und die Kugel schoss auf den Boden zu. Es gab eine weiße Rauchwolke und sie standen inmitten von lilafarbenen Glockenblumen.
Regina löste sich von ihr und hob eine Augenbraue. »Beeindruckend.« Sie bückte sich, pflückte eine der Blumen und roch daran. »Das sind meine Lieblingsblumen. Ich wüsste zu gern, woran du gerade gedacht hast.«
Emma fuhr sich durch das Haar und versuchte die tanzenden Strähnen ein wenig zu bändigen. »Vielleicht an den Sommer. Ich weiß es nicht so genau.«
Regina zwinkerte ihr zu. »Du musst es mir nicht sagen. Eine Magierin verrät ihre Geheimnisse nicht. Dieses Gefühl scheint jedenfalls sehr machtvoll zu sein.«

* * *

Wenn du nur wüsstest.
Emma wich Reginas Blick aus und bewegte sachte ihre Zehen. Die Stängel der Blumen kitzelten angenehm. Das Blumenmeer hatte wirklich sie erschaffen?
Sie sah Regina an, die plötzlich angespannt wirkte.
Mit Sicherheit musste sie sich nun auf ihren Zauber konzentrieren und Emma wollte sie nicht stören.
Sie stellte sich ihr gegenüber.
Regina sah sie an. »Bereit?«
»Was muss ich tun?«
»Greif meine Hände und lass unter keinen Umständen los. Spür meine Energie und verstärke sie durch deine. Hab keine Angst, wenn du etwas Unangenehmes, dunkles spürst. Ich muss auch diese Energie herbeirufen, um das Bild heraufzubeschwören, von wem sie ausgeht. Es dauert nicht lang.«
Emma nickte. Sie streckte ihre Arme aus und griff nach Reginas Händen.
»Emma?«
»Ja?«
»Vertraust du mir?«
»Ja, ich vertraue dir.«
Sie sahen sich an.
Regina öffnete kurz ihren Mund, doch sie sagte nichts mehr. Sie drückte sanft ihre Hände, schloss die Augen und begann in einer Sprache zu reden, die Emma nicht verstand, aber sie hatte sie schonmal gehört, in ihren Träumen.
Reginas Körper spannte sich an. Die feinen Muskelstränge an ihren Armen traten hervor und die blauen Flüsse unter ihrer Haut wogten.
Glühende Hitze durchströmte Emmas Hände, erreichte ihre Arme und ihr Herz. Sie atmete tief ein und sandte ihre Energie in Reginas Richtung.
Ein Wirbel bildete sich zwischen ihnen, er schimmerte lila und weiß, doch plötzlich wurde er schwarz. Regina hielt ihre Hände nun ganz fest. Sie öffnete die Augen. »Zeige dich nun!«, rief sie mit tiefer Stimme und in dem Wirbel manifestierte sich ein Bild. Das Bild einer Frau.
Emma starrte in das grüne Gesicht mit dem stechenden Blick. Die Frau sah sie direkt an. Plötzlich hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf. »Das war ein Fehler. Ich kenne nun dein Geheimnis.«
Emma erschrak so sehr, dass sie nach hinten taumelte. Der Energiestrudel floss über sie. Für einen Moment bekam sie keine Luft.
»Emma!«, hörte sie Regina rufen, dann wurde um sie herum alles schwarz.

Emma schlug die Augen auf und blickte direkt in Reginas Gesicht.
»Dem Himmel sei Dank, du bist wach.«
Sie lag auf einem Kissen in Reginas Schoss auf dem Sofa in Reginas Wohnzimmer.
Etwas kühles bedeckte ihre Stirn. Sie tastete danach.
»Was … ist passiert?« Sie wollte sich aufrichten, doch ein stechender Schmerz fuhr durch ihren Kopf.
»Bleib bitte liegen.«
Sanft drückte Regina sie an der Schulter zurück nach hinten und zog ihr das Tuch von der Stirn. Sie legte stattdessen ihre Hand darauf.
»Du glühst immer noch.«
Wie sollte ich nach deiner Umarmung von gerade nicht glühen?
Regina beugte sich vor und reichte ihr einen Becher aus Silber.
»Trink das bitte.«
Emma nahm diesen entgegen, hob vorsichtig ihren Kopf und trank den Becher mit einem Zug leer. Das Gebräu war warm und roch nach Moor und schmeckte leider auch so.
Emma schüttelte sich, doch mit einem Mal entspannte sich ihr Körper.
Sie ließ sich wieder nach hinten sinken.
»Hilft es?«
»Ein wenig. Ich möchte aber nicht wissen, was drin war.«
Regina grinste.
»Mein Kopf tut allerdings noch weh.«
Regina legte ihre Hand wieder auf ihre Stirn.
»Du hast einen Magiekater.«
»Zu viel Magie?«
»Zu viel dunkle Magie für dein reines Herz.«
»Lady, wir waren zusammen dort. Sag mir nicht, du hast den Ausflug besser verkraftet als ich?«
Regina schnalzte mit der Zunge. »Tja nun, ich habe mehr Erfahrung.«
»Ach ja? Es gibt bestimmt etwas, wodrin ich dich toppen kann.«
Regina hob eine Augenbraue an. »Zum Beispiel?«
Emmas Wangen fingen an zu glühen. »Ich gebe gerade nur vor dir an. Mir ist es peinlich, dass ich anscheinend in Ohnmacht gefallen bin.«
»Das muss es überhaupt nicht, denn was uns beide da getroffen hat, das passiert den wenigstens Magiern in ihrem Leben. Das hätte selbst Merlin aus den Schuhen gehebelt.«
Emma runzelte die Stirn, doch selbst das schmerzte. Sie verzog das Gesicht.
»Entspann dich.« Regina strich mit ihren Fingern über ihre Haut und Emma musste aufpassen, dass ihr kein Seufzen entfuhr.
»Das ist schön, was du da machst«, sagte sie leise.
»Und ich finde es schön, wenn du vor mir angeben willst.«
Emma grinste.
»Normalerweise kann bei einem Beschwörungszauber nichts passieren, außer, die Magier sind Blutsverwandte. Dann spürt der oder die Heraufbeschworene, wie ihr geschieht und kann auf diejenigen einwirken, die sie rufen.«
»Da war eine Frau. Ich kenne sie nicht.«
»Ich weiß nun, warum ich diese dunkle Magie so stark wahrnehme und zunächst glaubte, es wäre meine eigene. Die Frau, die sich anscheinend plötzlich in Storybrooke herumtreibt, ist meine Halbschwester. Sie hat mir gedroht. Anscheinend will sie Rache an mir nehmen. Für was auch immer, mit Sicherheit ist meine Mutter daran schuld.«
»Du hast eine Halbschwester? Vielleicht war sie ja die Frau in meinen Träumen.«
Regina schlug ihr gegen die Schulter. »Sei nicht so frech, Swan!«
Emma zuckte zusammen und griff nach ihrer Hand. »Verzeih. Ich necke dich einfach zu gern.«
Sie führte Reginas Hand wieder zu ihrer Stirn, doch diese streckte ihren Zeigefinger aus und fuhr damit Emmas Augenbrauen entlang und strich über ihre Wangen.
»Sommersprossen wie ein Sternenbild«, sagte sie leise.
Der Finger wanderte hin zu ihrem Mund. Regina erstarrte in ihrer Bewegung.
Emma hielt die Luft an.
»Emma. Ich habe vorhin etwas getan, beziehungsweise, ich wollte etwas tun, von dem ich dir nichts gesagt habe.«
Emma atmete wieder aus. Sie war kurz davor gewesen, Reginas Finger mit ihren Lippen zu berühren.
»Was meinst du?«
»Vor dem Beschwörungszauber, da wollte ich einen anderen Zauber aussprechen. Ich wollte eine Verbindung zwischen uns schaffen um zu spüren … was du für mich empfindest.«
Emma setzte sich auf und drehte sich zu Regina um.
»Bitte … es geht dir nicht gut.«
»Doch, deine Hände sind heilend.«
Regina lächelte schwach.
»Ich war auch nicht ganz ehrlich zu dir. Als ich mir noch etwas Zeit genommen habe, vor deinem Zauber, da wollte ich dir ganz nah sein, um zu verstehen, was wirklich in mir vorgeht, ohne die Erinnerungen an meine Träume von dir.«
Regina sah sie durchdringend an.
Emma schluckte. Sie musste wieder von sich ablenken. »Warum hast du den Zauber nicht gesprochen?«
Regina rutschte ein Stück näher, so dass sich ihre Beine berührten. »Ich hielt deine Hände und als du mir sagtest, dass du mir vertraust, floss bereits deine ganze wunderschöne Energie durch mich hindurch und ich fühlte deine Liebe. Deine Liebe zu …«
Trau dich jetzt, Emma.
»Meine Liebe zu dir.«
Regina lächelte und nickte.
»Kannst du das, was du gerade gemacht hast, nochmal machen, mit deiner Hand?«
Regina hob ihren Arm. Ihre Finger zitterten leicht. Sie berührten Emmas Wange.
»Ich weiß auch was gegen ein Zittern hilft.«
Emma neigte sich Regina entgegen, öffnete ihre Lippen leicht und küsste ihre Fingerkuppen.
Reginas schloss die Augen.
Emma nahm den Zeigefinger in ihren Mund und saugte daran. Sie ließ ihre Zunge darüber gleiten und fuhr dann mit den Zähnen über die empfindliche Haut.
Regina stöhnte auf. »Himmel, Emma.« Sie zog ihre Hand weg, beugte sich nach vorne und küsste Emma auf den Mund. Ihre vollen Lippen öffneten sich und ihre Zungenspitze drang in sie.
Emma rang nach Luft. Sie griff nach Reginas Taille, ließ sich nach hinten sinken und zog sie auf sich. »Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich nach diesem Moment gesehnt habe. So viele Stunden, Wochen, Monate hindurch.«
»Und durch so viele Welten«, sagte Regina. »Was hat uns in den letzten Jahren bloß aufgehalten?«
»Wenn man nur in der Ferne sucht, kann man nicht sehen, was vor einem liegt.«
Regina ließ ihren Blick über Emmas Oberkörper wandern. »Und mir gefällt sehr, was ich gerade vor mir sehe. Soll ich unsere Kleidung wegzaubern oder willst du mich ausziehen?«
»Beides bringt mich um.«
Lachend ließ Regina den Kopf auf ihren Brustkorb sinken. »Swan, ich dachte du seist so eine Angeberin.«
»Gut, dass du mich daran erinnerst. Ich wollte dir noch beweisen, dass ich etwas besser kann als du. Ich glaube, ich weiß etwas.« In Windeseile fuhr Emma unter Reginas Shirt, öffnete ihren BH und schob den feinen Stoff der Bluse nach oben.
Regina krallte ihre Hände in Emmas Haar. »Du bist geschickt.«
»Und du verdammt sexy.«
Emma nahm eine der Brustwarzen in ihren Mund.
Regina stöhnte auf. »Ich will dich jetzt nackt in meinem Bett haben.«
»Dann los.«
Eine Rauchwolke hüllte sie ein und als sie sich auflöste waren da nur noch Reginas Hände, ihre Lippen und ihr Duft.

Als Emma die Augen öffnete, war da nur Schwärze. Sie war durch den Sex doch nicht schon wieder in Ohnmacht gefallen?
Etwas kitzelte an ihren Lippen.
Sie lag so eng an Reginas Körper geschmiegt, dass sie ihr Gesicht in Reginas Haar vergraben hatte.
Langsam hob sie den Kopf.
Regina schlief noch. Ihre Haare waren zerzaust und Emma war daran nicht ganz unschuldig.
Ihre Beine waren mit Reginas verschlungen und Reginas Hand lag auf ihrem Oberschenkel.
Emma warf den Kopf in den Nacken und grinste.
Ihr Mächte zwischen Himmel und Erde, ich bin wirklich bei ihr.
Sie betrachtete Regina noch eine Weile, bis sich ihr Magen meldete. Kein Wunder, sie hatten in der letzten Nacht einige Kalorien verbrannt.
Emma bewegte sich, doch da griff Regina nach ihrem Bein und zog es noch näher an ihren Körper. »Ich lass dich nie wieder los, Swan, das ist dir doch hoffentlich klar.«
Emma beugte sich zu ihr und  küsste sie auf die Wange. »Guten Morgen, meine Königin, ich wollte nur das Frühstück für uns machen.«
»Das kannst du, aber ich lasse dich trotzdem nicht los.«
»Ich komme wieder und bleibe, versprochen.«
Regina hob ihren Kopf und gab ihr einen langen Kuss. »Ich gebe dir zehn Minuten, dann sende ich Ritter nach dir aus.«
Emma grinste und sprang aus dem Bett. Sie zog Shirt und Slip über und eilte in die Küche. Sie bereitete Kaffee und Brote zu. Als sie alles auf einem Tablett arrangierte, sah sie ihr Handy auf dem Tisch liegen. Regina musste es dort abgelegt haben, denn im Wald hatte sie es noch in der Hosentasche gehabt. Emma griff danach und sah zwei entgangene Anrufe von Henry.
Sie wählte seine Nummer und nach wenigen Augenblicken ging er dran.
»Mom. Stell dir vor. Ich bin aufgewacht und konnte mich an alles erinnern. An unsere Vergangenheit in Storybrooke und alles davor.«
»Henry! Das ist toll … ich meine, ist es das? Wie geht es dir? Ich kann mich bereits seit gestern erinnern, aber ich wollte dich schützen.«
»Es geht mir gut. Ich habe eine richtig große Familie, das hat mir immer gefehlt. Ich will zu meiner anderen Mom, ich will zu Regina.«
Emma fuhr sich über den Nacken. »Frag Hook bitte, ob er dich zu ihr bringen kann, dann können wir drei zusammen frühstücken. Ich bin nämlich schon bei ihr und wir müssen dir was erzählen.«
»Alles klar, bis gleich.« Er legte auf.
Emma rannte die Treppe hoch und blieb im Schlafzimmer knapp vor dem Bett stehen.
Regina hatte sich aufgesetzt und sah sie mit weit geöffneten Augen an. »Was ist los?«
»Ich habe eben mit Henry gesprochen. Er kann sich an alles erinnern. Wie ist das möglich?«
Regina lächelte. »Ein Kuss wahrer Liebe. Das war wohl unsere Magie.«
Emma ließ sich auf das Bett fallen. »Jetzt will ich erst recht noch mehr von deinen Küssen. Wer weiß, was dadurch noch alles passiert.«
Regina beugte sich zu ihr und lächelte. »Lass es uns herausfinden.«
 
 
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