Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

... 'till the End

von Miss-N
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Alexandra Rietz Daniela Stamm Gerrit Grass Michael Naseband OC (Own Character) Robert Ritter
10.03.2022
13.08.2022
35
49.813
1
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
06.08.2022 1.404
 
„Lachst du mich aus?“ fragte er verwundert.
„Nein!“ antwortete ich schnell. „Natürlich nicht. Entschuldige.“ Knapp erklärte ich ihm mein Vorhaben.
„Es ist schön da.“ Erzählte er, woraufhin ich nickte. Zwar war ich noch nicht dort gewesen, aber die Bilder waren vielversprechend.
Aus dem Hintergrund bekam ich mit, dass wohl etwas passierte und der nächste Einsatz anstand. Robert verabschiedete sich wie erwartet und legte auf.

Mein Laptop leuchtete mich an. >Buchen< stand auf dem Button, auf den ich nur noch tippen musste.
Aber dann wäre meine Chance das Wochenende in München oder sonst wo mit Robert zu verbringen weg. Warum machte ich mir darüber Gedanken? Hatte er überhaupt frei? Würde er mit mir wohin fahren wollen? Immerhin machte er keinen Hehl daraus, dass er mich küssen wollte. Nochmal. Und die letzten Tage haben wir seine freie Zeit fast komplett zusammen verbracht. Und wenn er das Wochenende frei hätte, bestünde ja rein theoretisch die Möglichkeit… aber weiter wollte ich nicht denken. Das waren Hirngespinste, und denen wollte ich nicht weiter nachgehen. Zudem war die Reihenfolge der Fragen, wie sie in meinem Kopf auftauchten eine – meiner Meinung nach – falsche Reihenfolge. Zuerst sollte ich darüber nachdenken, ob er das überhaupt wollen würde, eher noch, ob ICH das wollen würde, und nicht, ob er da frei hat.

Kino – ok, klar
Kuscheln – auch ok
Küssen – okee
In einem Bett schlafen – naja… grenzwertig ok.
Aber ein Urlaub? Nicht ok. Viel zu viel. Und viel zu schnell.
Wir kannten uns ja immer noch nicht richtig. Zwar haben wir viel geredet und uns ausgetauscht, aber dafür, dass seit unserem ersten Aufeinandertreffen gerade mal ein paar Wochen vergangen sind, war das eigentlich alles viel zu schnell irgendwie.


Der Tag plätscherte weiter vor sich hin. Ich suchte mir noch einmal die Website der Firma raus, bei der ich anfangen würde und auch meine Unterlagen um mich darauf vorzubereiten.
So wirklich konnte ich mich darauf nicht konzentrieren und schob den Kram wieder an die Seite. Stattdessen holte ich mir ein Buch aus dem Schlafzimmer und fing an zu lesen.
Aber auch darauf konnte ich mich nicht konzentrieren. Genervt legte ich den Thriller nach ein paar Seiten, von denen ich kein einziges Wort wiedergeben konnte, an die Seite.

Die Uhr zeigte mittlerweile 19 Uhr. Wo war denn die Zeit geblieben? Kurz versuchte ich den Nachmittag noch einmal aufzurollen, musste aber feststellen, dass ich wohl einen Großteil davon in irgendwelchen Tagträumen verbracht hatte. ‚War eigentlich ganz schön da.‘ dachte ich schmunzelnd.
Mein Tablet meldete sich, und erinnerte mich daran, dass ich die Buchung noch abschließen musste. „Ach ja.“ Seufzte ich. Aber so richtig wusste ich immer noch nicht, was ich tun sollte.
Mein Finger schwebte über der Taste. Ein Klick bis zum nächsten Urlaub. Andererseits sollte ich meine neue Wahlheimat auch lieber noch etwas besser kennenlernen. Ich klickte den Tab weg und suchte mir eine Sightseeingtour mit dem Bus raus. Grundsätzlich konnte man vieles auch mit den gängigen Öffis erkunden, aber eine echte Sightseeingtour brachte auch noch ein paar Infos ein, was auch in meinem Job nicht ganz verkehrt war zu wissen. Aber diese Tour brauchte ich nicht buchen, da gab es spontan immer genug Tickets.

Bei jedem Geräusch im Treppenhaus spitzte ich die Ohren. Aus irgendeinem Grund erwartete ich, dass Robert vor der Tür stehen würde. Aber wieso sollte er auch kommen? Wir waren nicht verabredet, noch waren wir zusammen. Und selbst dann hätte eine Absprache stattgefunden wie das mit dem Treffen laufen würde.


POV Robert:

Ich war gerade mit Michael mitten in einem Einsatz, als mein Handy klingelte. Da es auch Alex hätte sein können, schaute ich kurz auf das Display. Es war eine Nachricht von Alice. Da ich mitten in einer Zeugenbefragung steckte, stellte ich das Klingeln auf Stumm und steckte das Telefon zurück in meine Jackentasche. Still betete ich, dass es kein Notfall war. Aber da ihr Psycho-Exfreund hinter Gittern saß, befürchtete ich so etwas eher weniger. Und wenn es wirklich dringend wäre, hätte sie mich angerufen. Oder im Büro, wo immer jemand von uns war.

Als wir zurück im Büro waren rief ich sie an sobald ich konnte.
Schmunzelnd stellte ich fest, dass sie sich wohl wegen meines Anrufs erschrocken hatte. Aber ich freute mich ihre Stimme zu hören.

Über ihre Frage war ich dennoch etwas verwundert. Ob sie wegfahren dürfe.
Ich klärte sie über den Stand der Dinge auf. Natürlich durfte sie weg. Aktuell war alles erledigt und bis es zu einem Verfahren kommen würde, war noch etwas Geduld nötig.
Ich konnte ihren Wunsch nach einem Tapetenwechsel gut nachvollziehen. Zumindest für ein paar Tage um den Kopf wieder klar zu kriegen.
Dass sie das alleine vorhatte wunderte mich nicht, dennoch fand ich die Idee nur so semi-gut. Ja, sie war erwachsen, natürlich. Und offensichtlich wusste sie sich auch immer gut selbst zu helfen, aber wenn sie dieses Wochenende wegfahren würde, vielleicht sogar schon morgen, dann würde ich sie so schnell nicht wiedersehen. Und wenn sie am kommenden Montag ihre Arbeitsstelle antreten würde, wäre das noch ein Faktor mehr sich nicht mehr zu treffen.
Ich bekam keine Antwort auf meine Frage ob sie wirklich alleine fahren würde. Im Gegenteil, ich hörte gar nichts mehr von ihr.
„Ally?“ fragte ich besorgt nach.
„Ja, bin noch dran.“ war das einzige was sie sagte und dann anfing zu kichern.
Etwas verwirrt starrte ich auf den Telefonhörer. Wieso lachte sie jetzt? „Lachst du mich aus?“
„Nein! Entschuldige. Natürlich nicht.“ Ihr Tonfall war immer noch lachend, aber versöhnlich. „Ich wollte nur ein paar Tage weg bevor Montag die Arbeit losgeht.“
Das wusste ich ja schon, und warum sie gelacht hatte, verriet sie mir nicht. Ich nahm es hin. Zwangsweise. Allerdings war sie mir auch keine Rechenschaft schuldig. Ich musste wieder los und somit beendete ich das Gespräch.

Den Rest des Tages spukte mir immer wieder der Gedanke im Kopf herum, dass ich es nicht gut fand, dass sie alleine wegwollte. Warum eigentlich? Okay, der Fall war klar. Ich mochte sie und wollte sie gerne noch näher kennenlernen. Aber ich konnte sie ja schlecht fragen, ob sie mich mitnimmt.
Auch wenn es eigentlich total doof war, checkte ich meinen Dienstplan noch einmal. Samstag und Sonntag frei. Stand das da schon die ganze Zeit so drin? Da kein Änderungsvermerk dabei war und mir auch niemand diesbezüglich Bescheid gesagt hatte, hatte ich es wohl schlichtweg übersehen. Mein Überstundenkonto würde wohl auch noch ein oder wahrscheinlich sogar 2 Tage hergeben.
Ich musste über den Gedanken lachen, der sich gerade in meinem Kopf manifestierte. Als würden wir wirklich gemeinsam in den Urlaub fahren. So ein Quatsch. Wir kannten uns ja immerhin nicht mal richtig.
Zwar hatten wir und schon durchaus über Gott und die Welt unterhalten. Aber von ihrer Vergangenheit wusste ich nicht viel. Und – zugegebenermaßen – gab unser System auch nicht allzu viel über sie her. Außer ein paar Knöllchen von einem Blitzer und nicht ganz ordnungsgemäßem Parken, waren da nur ein paar kleinere relativ unbedeutende Unfälle.
Ich war neugierig, wer sie war. Denn ihr Verhalten deutete darauf hin, dass nicht immer alles Sonnenschein bei ihr gewesen war. Und ich wollte herausfinden, was da gewesen war.
Bisher hatte sie uns nur Kleinigkeiten verraten. Vielleicht hatte sie aber auch nicht ganz die Wahrheit, oder nur die halbe Wahrheit gesagt und ihr Exfreund war schlimmer, als sie angab.
Das wollte ich herausfinden. Das musste ich herausfinden.

Als wir um 20 Uhr langsam dem Dienstende näher kamen ging ich rüber zu Michael. Er sah mir direkt an, dass ich etwas auf dem Herzen hatte. Meistens riss er dumme Sprüche. Heute aber überraschte er mich indem er genau das nicht tat. Ich fragte wegen meiner Überstunden, sagte aber nicht, was ich vorhatte. Eigentlich hatte ich auch noch nichts vor. Nur diese verrückte Idee, die mir im Kopf herum spukte.

Widererwarten bekam ich frei, und hatte somit ein 4 Tage Wochenende vor mir. Das war fast wie Urlaub. Einen Tag musste ich noch arbeiten, da konnte ich dann noch Liegengebliebenes aufarbeiten und dann hieß es guten Gewissens 4 Tage Füße hochlegen.

Gut gelaunt machte ich dann später Feierabend. Meine Uhr sagte 21 Uhr. Abendessenzeit war vorbei. Schade eigentlich.
Im Auto überlegte ich, ob ich nach Hause oder zu Alice fahren sollte. Aber da ich kein Stalker war, schlug ich den Weg zu meiner Wohnung ein.
Aber so würden wir das Urlaubs-Problem nicht gelöst kriegen.
Obwohl ich schon fast angekommen war, lenkte ich noch einmal um und fuhr weiter.

POV Robert Ende.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast