Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

... 'till the End

von Miss-N
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Alexandra Rietz Daniela Stamm Gerrit Grass Michael Naseband OC (Own Character) Robert Ritter
10.03.2022
01.10.2022
43
61.054
2
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
30.07.2022 1.572
 
Am nächsten Morgen brauchte ich einen Moment und eine kurze Schrecksekunde um mich zu orientieren.
Robert hatte mir den Rücken zugedreht und atmete ruhig vor sich hin.
Nachdem ich nun geschlafen und etwas Abstand zu dem gestrigen Tag bekommen habe, konnte ich noch einmal nüchterner über das Geschehene nachdenken.
Thomas war festgesetzt. Reichte es aus, um ihn wegzusperren? Immerhin lagen Entführung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Nötigung vor. Das war das, was mir spontan dazu einfiel.

Wenn das alles durch war, wollte ich erstmal ein paar Tage weg. Aber mein Job würde nächste Woche anfangen, auch wenn ich dieses Detail gerne verdrängte. Dazwischen lag aber immerhin noch ein Wochenende, das ich vielleicht zu diesem Zweck nutzen könnte.
Es musste ja nicht weit weg sein, es würde ja reichen, einfach ein paar Kilometer bis nach Österreich rein zu fahren, oder zum Bodensee, oder dem Starnberger See. Zumindest für 2 Nächte.

Der Plan gefiel mir und ich setzte mich auf. Mein Handy war wohl noch in Roberts Jacke. Abends hatte ich daran gar nicht mehr gedacht. Vermutlich würde sogar der Akku leer sein. Trotzdem wollte ich einfach mal nachschauen und schwang mich aus dem Bett.
„Wo gehst du hin?“ kam es von unter der Decke hervor. Ich drehte mich wieder um und ein lächelnder Robert schaute mich an und musterte mich.
Ich folgte seinem Blick an mir hinab und zuppelte an dem T-Shirt um es etwas länger zu machen. „Ich wollte nur mein Handy suchen. Schlaf ruhig weiter.“ Dennoch blieb ich stehen. Sein Blick haftete weiter auf mir. „Was ist?“ fragte ich unsicher.
„Nichts. Mein Shirt steht dir.“
„Hm.“ Antwortete ich skeptisch. Ich dachte darüber nach, worauf er hinauswollen könnte und drehte mich wieder zur Tür.
„Ally, warte mal.“ Er sprang förmlich aus dem Bett und ging auf mich zu. Ich wich zurück. „Hey, alles gut, ich tu dir doch nichts.“ Er blieb in etwas Entfernung stehen.
Mir war natürlich klar, dass er mir nichts Böses wollte, aber es gab Verhaltensweisen, die ich nicht abstellen konnte. „Tschuldige.“ Murmelte ich.
„Du brauchst dich nicht entschuldigen. Ich wollte dich eigentlich nur was fragen.“
Ich schwieg. Und ich war gespannt, was er fragen wollte. „Hm?“
„Der Kuss gestern Abend…“
Spontan hielt ich die Luft an. Meine Mundwinkel zuckten nach oben, als ich daran dachte. Aber tatsächlich hoffte ich, dass er es nicht bemerken würde. Doch sah er es. Ich erkannte es an seinem Blick und richtete meinen schnell gen Boden.
„Also, der Kuss…“ fing er erneut an. „Hätten ich das nicht tun sollen?“
Über diese Frage hatte ich mir auch schon Gedanken gemacht. Ich suchte den Blickkontakt und lächelte. „Doch? Ich meine, schon, ja.“ Mir wurde heiß und kalt.
„Hättest du vielleicht Lust auf eine Wiederholung?“
„Wenn ich dabei ohnmächtig werde, belebst du mich dann wieder?“ versuchte ich es mit einem Witz. Allerdings fühlte es sich gar nicht witzig an.
„Dann dürfte ich dich zweimal küssen, also, ja, warum nicht?“ grinste er. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass mein Kreislauf drohte schlapp zu machen. Hilfesuchend trat ich einen Schritt vor und lehnte mich gegen den Mann, der mir gegenüberstand.
„Huch, damit hatte ich nicht gerechnet. Komm, wir setzen uns wieder.“ Er zog mich zum Bett und drückte mich auf die Matratze.
„Sorry.“ Murmelte ich.
„Schon gut. Atme tief durch.“
Ich tat was er sagte und fühlte mich schnell besser. Dass der kleine Kuss mich so aus der Bahn werfen würde, hatte ich nicht erwartet.
„Geht wieder.“ Sagte ich leise und lehnte mich gegen ihn.
„So schlimm, dass ich dich küssen möchte?“ fragte er. Eine Spur von Unsicherheit schwang darin mit.
„Nein. Gar nicht. War nur… etwas viel alles die letzten Stunden. So alles, meine ich.“ Versuchte ich mich irgendwie zu erklären, ohne ihn dabei irgendwie unabsichtlich zu verletzen.
Er nickte verstehend und wir beschlossen erstmal zu frühstücken.
Später fuhren wir zum K11 Büro, wo wir unsere Aussagen zu Protokoll gaben. Robert hatte im Anschluss Dienst und würde direkt dableiben, und ich würde die Tram nehmen um zurück zu meiner Wohnung zu kommen.
Die Aussage fiel mir nicht besonders schwer, da ich die Kommissare kannte. Ich beschränkte mich auf die Fakten und Vorkommnisse des gestrigen Abends und die alten Kamellen ließ ich da, wo sie hingehörten: in der Vergangenheit.
Für eine Mikrosekunde überlegte ich, doch noch ein paar Sachen auszupacken. Aber das würde wieder neue Fragen aufwerfen und die ganze Prozedur vor Ort würde noch länger dauern. Und ich hatte einfach keine Lust mehr.

Robert wollte mich noch mit dem Dienstwagen nach Hause bringen, aber ich lehnte ab. Mal ein wenig Zeit alleine zu verbringen kam mir ganz sympathisch vor. Außerdem konnte mich mir so die Gegend ein wenig ansehen. Das war in letzter Zeit zu kurz gekommen. Auch wenn ich die Stadt schon etwas kannte, entdeckte ich immer wieder etwas Neues. Und in der vergangenen Zeit war ich quasi permanent anderweitig beschäftigt gewesen.
Dank Navi auf dem Handy fand ich den Weg schnell.
Irgendwie war es komisch, in meiner Wohnung zu sein. Und das auch noch alleine.
Erstmal räumte ich etwas auf. Viel gab es nicht zu tun, da ich schon den ganzen Tag etwas rumgewirtschaftet hatte, bevor Robert mich zum Kino abgeholt hatte. Da war ich so nervös gewesen, dass ich auch purer Verzweiflung alles geräumt hatte, was ich finden konnte, was noch keinen Platz in meiner Wohnung gefunden hatte. Daher war jetzt tatsächlich fast alles fertig. Nur ein paar Klamotten lagen noch herum, aus denen ich mein letztes Outfit ausgewählt hatte.

Nach einer kurzen Runde des Wieder-Eingewöhnens machte ich mir etwas zu essen.
Noch 5 Tage, dann würde meine Arbeit beginnen. Gleichzeitig fiel mir auch wieder ein, dass ich ja noch einen kurzen Urlaub machen wollte. Viel Geld war mir zwar nach dem Umzug und allem nicht geblieben, aber für 2 Nächte würde es wohl noch reichen.
Ich holte aus der Schublade, in der ich versucht hatte mein altes Handy zu verstecken, mein Tablet und schaltete es ein. Es brauchte einen Moment um hochzufahren.
Über eine Preisvergleichsseite suchte ich mir eine günstige Unterkunft. Das gestaltete sich zwar schwerer als gedacht, aber irgendwann hatte ich etwas preislich Akzeptables gefunden.

Mit meinem Essen und einem Glas Schorle mit Eiswürfeln starrte ich in den Fernseher. Es lief irgendeine komische Sendung. Ich hatte den Flimmerkasten einfach nur angeschaltet ohne darauf zu achten was dort läuft.
Als sich die Protagonisten küssten fiel mir die Gabel aus der Hand. Den Teller stellte ich schnell auf den Tisch bevor er ebenfalls den Weg nach Süden antreten würde.
Den ganzen Tag war das Thema nicht wieder auf den Tisch gekommen, und jetzt lag es auf dem Silberteller vor mir. Nur, dass der Mann dazu fehlte. Und da war ich fast froh drüber. Das hätte peinlich werden können.
Den Rest meiner Mahlzeit ließ ich stehen. Der Appetit war mir spontan abhandengekommen. Aber so wie ich mich kannte, würde es wahrscheinlich keine halbe Stunde dauern, bis er wieder da war.
Wollte ich das alles? Ihn küssen, mit ihm zusammen sein, einen Teil meines Lebens verbringen? Ich war Realist genug um nicht gleich an ‚den Rest meines Lebens‘ zu denken.
Es hatte sich so gut mit ihm angefühlt, aber ich war mir nicht sicher, ob das eine Zukunft hatte. Ich, die Chaosqueen und er, der Bulle. Ganz großes Kino. Und genau da gehörte es auch hin. Ins Kino. Aber bitte nicht in mein Leben. Ich wollte einfach meine Ruhe. Einen guten Job mit dem ich über die Runden kam, ein paar Freunde und ein schönes Heim. Ich brauchte nicht zwingend ein Häuschen im Grünen mit Garten, Hund und Kind. Aber ein Mann an meiner Seite wäre schon schön.
Und da waren meine Gedanken auch schon wieder bei Robert.
Er hatte von Anfang eine gewisse Anziehung auf mich gehabt. Da war sofort ein tiefes Vertrauen da gewesen, das ich so bisher nicht gekannt hatte. Dazu hatte er einen interessanten und tollen Job, und er sah gut aus. Eigentlich war er zu perfekt um wahr zu sein.

Ich schrieb Robert eine Nachricht, in der ich nachfragte, ob ich wegfahren dürfe, oder ob ich den Kommissaren noch für irgendetwas zu Verfügung stehen müsse.
Eine Antwort bekam ich nicht sofort, denn er war ja noch arbeiten.
Als auch nach einer Stunde noch nichts kam, konnte ich mir ein Seufzen nicht verkneifen. Aber das hatte ja auch Zeit. Obwohl ich die Buchung schon gerne abschließen wollte.

Als mein Handy klingelte schrak ich hoch. Automatisch griff ich nach meinem Handy und starrte verwirrt auf das Handy. >Robert<
Erleichtert nahm ich ab und begrüßte ihn.
Zuerst entschuldigte er sich, dass er sich nicht eher gemeldet hatte und gab mir dann eine Antwort auf meine Frage. Ich durfte weg. So schnell würde es eh zu keiner Verhandlung kommen und meine Aussage war niedergeschrieben. „Wo willst du denn hin?“ fragte er im Anschluss.
„Am Starnberger See habe ich was gefunden.“ Erzählte ich ihm.
„Ach so. Du willst… alleine?“
Die Frage verwirrte mich. Wer sollte auch schon mit? Meine Familie war weit weg und hier hatte ich noch keine Freunde. Oder wollte er etwa mit? Oder sollte ich nur nicht alleine weg, weil er sich um mich sorgte?
„Ally?“ kam es aus der Leitung. Ich hatte nicht geantwortet.
Ich machte mich kurz bemerkbar, gab ihm aber keine Antwort darauf.
Als mein Kopf den Film startete, dass wir ja tatsächlich gemeinsam Urlaub machen könnten, denn immerhin ging es ja nur um ein paar Tage, musste ich Kichern.
„Lachst du mich aus?“ fragte er verwundert.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast