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Ein Anflug von Mut

von DoeQuill
Kurzbeschreibung
OneshotFamilie / P6 / Gen
die Maus Riepischiep Lucy Pevensie OC (Own Character) Prinz Kaspian X.
10.03.2022
10.03.2022
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Dieser Oneshot ist ein Beitrag zum Wichtelprojekt Alles Gute zum Geburtstag 8.


Wunsch meines Wichtelkindes Buecherwurm12:
Gespräche über Narnia. Was haben die Geschwister alleine außerhalb der Bücher noch erlebt?

Danke RivischesEtwas für die Betalesung.



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Ein Anflug von Mut


„Was meintest du eigentlich damit?“, versuchte Prinz Kaspian so beiläufig wie möglich das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Riepischiep schaute zu seinem Freund auf, der nun zu dem kam, was ihn eigentlich interessierte.
„Du bedanktest dich bei Lucy für etwas. Es ging um deinen Bruder.“ Der junge Mann konnte seine Neugierde nun nicht mehr verbergen.
Riepischiep überlegte kurz, während er neben seinem Freund durch die Apfelwiesen nahe des Schlosses schlenderte. Seid die Pevensies Narnia verlassen hatten, waren die Zwei oft zusammen spazieren. Sei es wegen beruflicher oder privater Angelegenheiten. Denn mit der Abreise der Geschwister hatte Kaspian Susanne und Riepischiep Lucy als Gesprächspartner verloren. Wobei beide für den jeweils anderen sehr viel mehr als das gewesen waren.

„Es passierte, kurz nachdem wir Lucy und ihre Geschwister das erste Mal trafen. Während du und Peter euch auf den Angriff des Schlosses vorbereitet habt, und zugegeben, ich mich diesbezüglich ebenfalls sehr aktiv eingebracht hatte, hat Lucy meinen Bruder Ranu kennengelernt“, begann die Maus.



Ranu hockte in der Ecke. Zusammengekauert. Hoffte, man würde ihn nicht bemerken. Seit Prinz Kaspian die Truppen sich versammeln lassen hatte, war auch er hier. Hier in diesem unterirdischen Verschlag. Anders wollte er es nicht nennen. Mit den Pfoten hielt der Mäuserich seinen Schwanz fest. Er klammerte sich geradezu daran. Im Gegensatz zu seinem Bruder Riepischiep war er nämlich ganz und gar nicht mutig. Er besaß weder Selbstbewusstsein noch Selbstwertgefühl. Er, Ranu, war ein Niemand und das durfte gerne auch so bleiben.
So hockte er also da. Wollte eigentlich gar nicht hier sein, war es aber, weil es andernorts weitaus gefährlicher war. Er zuckte zusammen, als sich Lucy zu ihm gesellte und ihn ansprach. Ranu wollte eigentlich mit niemandem reden, denn das bedeutete, er wurde wahrgenommen, und am liebsten wäre er unsichtbar geblieben. Daher schaute er das Mädchen nur nach oben schielend mit weit geöffneten Augen an.

„Hey, alles in Ordnung?“, hatte sie ihn gefragt. Ranu konnte nicht antworten, daher nickte er bloß. Lucy war nicht überzeugt, aber das war vorhersehbar. Ranu hätte sich selbst auch nicht geglaubt. Trotzdem hoffte er, sie würde einfach gehen. Auf noch jemanden, der ihm sagte, er solle sich nicht direkt ins Fell machen, konnte er verzichten. Ja er war ängstlich und feige. Doch wenn man das immer wieder unter die Nase gerieben bekam, förderte das Ganze nicht unbedingt das eigene Selbstwertgefühl. Dabei meinten die Anderen es nicht einmal böse und wenn Riepischiep es ihnen mal wieder erklärte, fühlte er sich wie ein Jungtier, das sich nicht selbst vertreten konnte. Denn scheinbar konnte er nicht einmal das. Doch Lucy war anders. Sie war nicht grob in ihrer Ausdrucksweise wie die Minotauren oder stolz, was bei ihm schnell den Eindruck von Arroganz erweckte, wie Zentauren. Ihre Stimme war sanft und obwohl Lucy um einiges größer als er war, hatte er das Gefühl, auf Augenhöhe mit ihr zu sein.
Lucy hatte sich zu ihm gesetzt, nachdem er sich doch dazu entschieden hatte, ihr zu erzählen, was nicht in Ordnung war. Und obwohl er ihr ursprünglich sein Herz nicht ausschütten wollte, tat er es doch. Und während er es tat, hätte er sich ohrfeigen können. Es war nicht das erste Mal, dass er einer wildfremden Person sein Innerstes offenbarte, eine Schwäche, für die er sich in Grund und Boden schämte. Zumal er selbst dann nicht aufhören konnte zu reden, wenn er sich bewusst war, dass er vielleicht lieber den Mund halten sollte. Also erzählte er und erzählte. Bis er schließlich aufhörte. Unsicher schielte er zu Lucy hinauf, die ihm aufmerksam zugehört hatte.
„Ranu, du bist eine ganz tolle Maus und jeder, der was anderes sagt, hat keine Ahnung.“ Lucys Blick ließ keine Zweifel daran, dass sie es ernst meinte. Mit offenem Mäulchen schaute der Mäuserich zu ihr auf. Natürlich hatte er das schon oft gehört, doch Lucy war eine der Wenigen, bei denen er wahrlich das Gefühl hatte, das es ernst gemeint war.

Tage vergingen. Tage, die im Leben einer Maus weit aus wertvoller sind als im Leben eines Menschen. Denn während der Mensch teilweise über 100 Jahre alt werden konnte, so werden die meisten Mäuse nicht älter als ein Bruchteil davon. Zumindest nicht jene, deren Gattung Ranu und Riepischiep angehörten, weshalb Ranu und Lucy von da an viel Zeit zusammen verbrachten. Nach und nach blühte der junge Mäuserich auf, denn Lucy hatte etwas an sich, das ihm Mut gab.



„Lucy? Bist du wach?“ Riepischiep sprach leise. Er wollte das Mädchen nicht wecken, das in der Sonne gegen den Fels gelehnt saß und die Augen geschlossen hatte. Ranu lag eingerollt auf einem der Vorsprünge. Sein kleiner Brustkorb hob und senkte sich langsam und gleichmäßig.
Lucy öffnete die Augen und flüstere zurück: „Was gibt es, Riepischiep?“
„Kann ich kurz mit dir reden?“
Lucy vergewisserte sich, dass sie Ranu nicht geweckt hatte, dann stand sie auf und folgte dem Nager.
„Worüber möchtest du mit mir reden? Geht es um den misslungenen Angriff auf das Schloss?“, fragte sie mit gesenkter Stimme. Sie waren weit genug weg, um Ranu nicht zu wecken. Trotzdem empfand Lucy es als angebracht, leise über das Thema zu reden. Sie wollte es respektvoll behandeln, nicht nur weil um sie herum Angehörige der Gefallenen herumliefen - laufen konnten - und ihren Aufgaben nachkamen.
Doch Riepischiep wollte mit ihr nicht darüber reden. Er schüttelte das kleine Köpfchen.
„Du und mein Bruder. Ihr versteht euch gut“, begann er und Lucy lächelte.
„Ja. Ich mag Ranu gerne. Warum fragst du?“ Das Mädchen ahnte, das der Mäuserich auf etwas hinaus wollte.
„Ich hab ihn seit dem tragischen Tod unserer Eltern nicht mehr so glücklich, so ... unbeschwert gesehen.“ Riepischiep wählte seine Worte sorgfältig. „Weißt du ... Ich habe durch meine Pflichten und den Kampf für meine Überzeugungen Ranu vernachlässigt. Das tut mir leid, weshalb ich ihn hierher holte und so viel Zeit mit ihm verbringe, wie mir möglich ist.“ Riepischiep bereute seine jugendliche Nachlässigkeit zutiefst. Doch darauf wollte er nicht hinaus.
„Weißt du, Lucy. Ich glaube Ranu ist viel mutiger, als er denkt. Nur weil er Angst hat, bedeutet es nicht, dass er nicht mutig sein kann.“ Er machte eine kurze Pause. Dachte kurz nach, bevor er fortfuhr. „Ranu hat immer gedacht, ich sei eine furchtlose, mutige Maus. Aber ... Damals, als unsere Eltern starben ... Als Telmarer sie töteten und ich Ranu in letzter Sekunde retten konnte ... Seit damals, seit er so ist, wie er ist ... Ranu sagt seitdem, ich sei die furchtloseste und mutigste Maus, die er kenne ...“ Wieder schwieg er eine Weile und Lucy wagte nicht, etwas zu sagen. Riepischiep war noch nicht fertig. Das wusste sie. Der Mäuserich war stehen geblieben, hob den zuvor gegen Boden gesenkten Kopf. In seinen Augen funkelten die Tränen.
„Ich hatte in meinem Leben noch nie so viel Angst gehabt.“



Kaspian schaute den Mäuserich mit großen Augen an. Er hätte dem Nager Angst nicht zugetraut, denn auch der Kronprinz, mittlerweile König von Narnia und Telmar, hatte Riepischiep stets als furchtlosen Helden wahrgenommen. Riepischiep spürte den Blick in seinem Rücken und blieb ebenfalls stehen. Er drehte sich um, sah Kaspian eine Weile in die Augen, ohne ein Ton von sich zu geben. Dann lief er langsam weiter und fuhr fort.

„Lucy hat mir geraten, es Ranu zu erzählen. Aber ich tat es nicht. Ich denke, ich hab mich zu sehr geschämt. Doch dann kam der Tag, an dem wir Lucy und Susanne in den Wald geschickt haben.“

Unruhig ging Ranu auf und ab, während er sich selbst für seine Unfähigkeit ausschimpfte. Die Mädchen waren kürzlich aufgebrochen, allerdings von Telmarern verfolgt worden. Die anderen Narnianen standen bereit. Bereit zum Kampf und er hockte hier. Unfähig, etwas zu tun. Sobald die Schlacht begann, wenn sie denn begann, sollte er fliehen. Riepischiep selbst hatte ihm das geraten. Denn wegen seiner Freundschaft zu Lucy war er geblieben und zugegeben, auch wegen seines Bruders, dem er langsam wieder näher gekommen war. Jener Bruder, der nun da stand und ihm kurz zusah, ehe er eingriff.
„Hör auf, Ranu“, sagte er mit strengem Ton, sodass der Angesprochene stehen blieb und zu ihm aufschaute. Riepischiep trat an ihn heran, griff ihn an den Schultern und wiederholte mit sanfterer Stimme, was er zuvor gesagt hatte.
„Hör auf. Du kannst viel mehr als du dir zutraust. Du bist schlau, du bist mutig ...“ Die zwei Brüder sahen einander tief in die Augen. Riepischieps Blick war fest und bestimmt. Ranus Blick zuerst voller Zweifel und dann voll Erstaunen. Sein Bruder meinte ernst, was er gesagt hatte.
„Aber...“, versuchte sich Ranu herauszureden, doch Riepischiep unterbrach ihn mit einem Kopfschütteln.
„Ranu. Mutig zu sein bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern diese zu überwinden.“
„Aber ... Du hast nie Angst ...“, versuchte Ranu es erneut. Verstummte aber, als sein Bruder den Kopf senkte.
„Als Mutter und Vater damals starben, hatte ich Angst. Ich hätte auch dich fast verloren.“ Ranu starrte ihn mit großen Augen an. „Also ...“, versuchte er zu antworten, doch eigentlich wusste er nicht, was er sagen sollte. Es änderte für ihn so viel.
„Ranu, Lucy bedeutet dir viel. Du machst dir Sorgen um sie. Geh zu ihr. Schau nach, ob sie es geschafft hat. Niemand verlangt von dir, das Schwert zu schwingen, und wenn du zu große Angst hast, nach ihr schauen zu gehen, dann bleib hier. Aber wenn ihr was zugestoßen ist und du aus Angst hierbliebst ... Du würdest es dir nie verzeihen ...“
Riepischiep wusste, dass sich die Mädchen gut selbst verteidigen konnten, doch er wusste auch, das es Ranu nicht wirklich beruhigen würde, und es war nicht so, das Ranu nicht mit dem Schwert umgehen konnte. „Also. Was wirst du tun?“, forderte der große Bruder den kleineren heraus.
„Ich gehe!“, verkündete Ranu, wobei er sich selbst mit den Worten zu überzeugen versuchte. Riepischiep schmunzelte und zog ihn in die Arme. „Du schaffst das und wenn dich jemand angreift, dann versteckst du dich einfach. Im Wald gibt es genug Löcher, in die dir keiner folgen kann.“
Ranu drückte seinen Bruder noch einmal fest, bedankte sich und machte sich auf den Weg. Vorsichtig tastete er sich voran. Darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden.

„Er hat Susanne auf ihrem Rückweg getroffen und ist mit ihr dann zusammen zurückgekommen. Doch allein, dass er den Mut aufgebracht hat, Lucy zu folgen ...“
Glücklich rieb sich Riepischiep die Augen.
Kaspian schwieg erst.
„Es freut mich, das dein Bruder seinen Mut wiederfand.“
„Ohne Lucy wäre das nicht möglich gewesen“, erwiderte Riepischiep.
„Scheint wohl, als hätten wir alle mit den Geschwistern unsere eigenen kleinen Abenteuer erlebt“, deutete Kaspian unbewusst seines an.
Beide schwiegen. Schritten gemeinsam die Wiese entlang und ließen die Ruhe, die Sonne und friedliche Atmosphäre auf sich wirken.
„Woher wusstest du eigentlich, das sich Lucy und Ranu direkt so gut verstanden haben? Hat Lucy dir das erzählt?“, durchbrach Kaspian die Stille nach einer gefühlten Ewigkeit. Riepischiep lächelte.
„Nein. Es war Ranu. Er hat mir sehr lebhaft dargestellt, wie sie sich kennengelernt haben und was dann war.“
Kaspian schmunzelte in sich hinein. Sein Freund hatte ihm also die ganze Zeit das wiedergegeben, was Ranu ihm erzählt hatte. Wobei Kaspian das nicht schlimm fand. Nur amüsant.
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