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Der Blick ins Herz

von Jessindia
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / FemSlash
Böse Königin / Regina Mills Emma Swan
08.03.2022
08.03.2022
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Reginas Finger zitterten. Der Kern des kreisenden Steines in dem Energiefeld zwischen ihren Händen wandelte sich von schwarz zu grau. »Ich kann es nicht mehr aufhalten, der Stein wird blasser. Wir sind verloren.«
Emma betrachtete ihre Eltern, die ihre Arme nach ihr ausstreckten. Henry umklammerte seine Oma. Emma machte einen Schritt auf die drei zu und blickte in ihre vertrauten Augen, die mit Tränen gefüllt waren. Gleich würde es vorbei sein. Die letzten Minuten ihres Lebens waren angebrochen. Ein Stich durchzog ihr Herz.
Sie sah zu Regina. Ihre Blicke trafen sich.
Emma schaute erneut zu ihrer Familie, beugte sich zu Henry und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. »Ich liebe euch«, flüsterte sie.
Abrupt drehte sie sich um und schritt auf Regina zu. In ihren hellen braunen Augen lag Verwunderung. »Was tun Sie, Miss Swan? Gehen Sie zu Ihrer Familie.«
»Nein. Ich lasse dich jetzt nicht allein.« Emma streckte ihre Arme aus. Sie zögerte noch einen Moment, doch dann griff sie nach Reginas Händen und drückte sie sanft.
Regina starrte sie an. »Emma, ich …«
Sie hat mich Emma genannt.
Emma spürte die Wärme von Reginas Händen auf ihrer Haut und dann Hitze, wie die Glut eines Feuers. Sie blickte hinunter.
Das Energiefeld verwandelte sich. Es wurde größer und heller. Der Stein vibrierte.
Emma sah Regina in die Augen und plötzlich bemerkte sie darin einen Ausdruck, den sie sonst nur wahrgenommen hatte, wenn Regina mit Henry zusammen war. Er war liebevoll.
Ein Bersten war zu hören. Funken stoben. Eine Lichtexplosion blendete Emma. Ihre Finger glitten über Reginas, versuchten noch, sie zu halten, bis sie ins Leere griff und eine Druckwelle sie nach hinten schleuderte.

Energie durchflutete jede Faser ihres Körpers. Bilder zogen vor ihrem inneren Auge vorbei, ein dunkler Strudel voller Erinnerungen. Doch es waren nicht ihre.
Ein junger, hübscher Mann, der im Sterben liegt. Ein Name wird geflüstert. Daniel. Cora, fallend durch einen Spiegel, in ein unbekanntes Nichts. Tränen, die auf den Boden tropfen. Das Grinsen von Rumpelstilzchen. Ein pochendes Herz. Und über allem Dunkelheit.
Emma griff sich an die Brust. Der Schmerz war kaum auszuhalten. So viel Trauer und Wut. Wie konnte ein einzelner Mensch diese Gefühle ertragen? Plötzlich wurde sie sich gewahr, dass sie auf den Boden des Schachtes zufiel. Sie streckte ihre Arme nach vorne. Ein weiteres Bild flackerte in ihrem Innern auf. Im Kern des Strudels war ein Lichtschein zu sehen. Ein Gesicht. Henry. Und dann blickte sie sich selbst in die Augen. Sie sah den Moment, als sie Regina zum ersten Mal begegnet war.

Emma schlug auf dem Boden auf. Ein ziehender Schmerz durchfuhr ihre Handgelenke und ihre Knie.
Ich kann noch etwas spüren.
Was war passiert?
Vorsichtig stützte sie sich auf und sah zur Seite. Ihre Eltern blickten ihr entgegen. Henry sprang auf und fiel ihr in die Arme.
»Du hast uns gerettet!«
Emma umarmte ihren Sohn und blickte zum anderen Ende des Schachtes. Regina richtete sich auf und sah sie an.
»Das waren wohl Regina und ich, zusammen.«

* * *

Seit drei Tagen wurde in der Stadt gefeiert. Das Granny’s war mit Fahnen und Laternen geschmückt. Sie wehten im Frühlingswind, der den Duft von Kirschblüten in sich trug.
Für einen Moment blieb Regina stehen und blickte durch das große Fenster. Die Zwerge hoben ihre Trinkbecher. Henry saß bei einem von ihnen auf den Schultern und lachte. Jemand strich ihm über den Arm. Es war Emma. Schnell ging Regina weiter, doch plötzlich drang das Stimmengewirr der Feiernden laut zu ihr. Jemand musste den Laden verlassen haben.
»Regina!«
Es war ihre Stimme. Und wie jedes Mal, wenn Emma ihren Namen aussprach, traf sie dieser Ton in ihrer Bauchmitte, ohne, dass sie etwas dagegen tun konnte.
Langsam drehte sie sich um.
»Ich habe dich ein paar Mal angerufen.«
Regina wich Emmas Blick aus. »Ich war beschäftigt. Nach so einem Ereignis hat man als Bürgermeisterin einiges zu tun.«
Emma legte den Kopf etwas schief. »Sollte eine Bürgermeisterin nicht zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern feiern? Ich habe dich kein einziges Mal im Granny’s gesehen seit …«
Regina blickte Emma an.
Das Emma ebenfalls nicht zu wissen schien, was eigentlich genau passiert war zwischen ihnen, beruhigte sie. Was ihr jedoch weiterhin Sorgen machte, war die Ungewissheit, was Emma in dem Moment der Verbindung gesehen und empfunden hatte.
Regina hatte in Emmas Innerstes geblickt. In den vergangenen drei Tagen war sie diesen Moment immer wieder durchgegangen, doch sie konnte einfach keine Erklärung für das finden, was sie als Letztes gesehen hatte, als der Strudel sie zu Emmas tiefster und leuchtendster Erinnerung gezogen hatte.
»Regina? Ist alles in Ordnung?«
Regina straffte ihren Rücken. »Sicher. Ich wollte in den nächsten Tagen zu euren Feierlichkeiten dazu kommen.«
»Du weißt, ich merke, wenn jemand lügt.«
»Auch wenn wir es anscheinend irgendwie geschafft haben den Auslöser zu zerstören, war ich auch diejenige, die ihn geschaffen hat. Das wissen die anderen genau und werden mir das nicht so schnell verzeihen. Wie vieles andere.«
»Jeder hat einen zweite Chance verdient.«
»Bist du deswegen zu mir gekommen in diesem Moment? Weil du mir, kurz vor unser aller Ende, noch zeigen wolltest, dass ich eine zweite Chance verdient habe?« Ihr Ton klang schärfer, als sie es beabsichtigt hatte.
Plötzlich wurden Emmas Wangen blass. Sie schüttelte den Kopf und sah Regina dann direkt in die Augen. »Ich wollte bei dir sein.«
Regina schluckte, dann lachte sie auf, als könne sie damit diesen Satz überdecken, wegwischen, doch Emma hatte ihn wirklich gesagt.
Emma machte einen Schritt auf sie zu. »Und was ist mit dir?«
»Was soll mit mir sein?« Ihr Körper versteifte sich. Emma war ihr so nah. Regina spürte diese einnehmende Energie, die von ihr ausging. Weswegen sie immer die Distanz zu ihr warte, denn diese Schwingungen lösten in ihr eine Sehnsucht aus, der sie nicht nachgeben wollte. Die Sehnsucht, Emma zu halten und sie ganz nah bei sich zu spüren.
»Du hast mich zum aller ersten Mal Emma genannt und du wolltest etwas zu mir sagen, als … als sich unsere Hände berührt haben.«
Zeitgleich blickten sie für einen Moment hinunter.
Erneut spürte Regina das angenehme Kribbeln. Emmas Haut war so weich gewesen und der Druck ihrer Hände so sanft und liebevoll.
Regina machte einen Schritt zurück und fuhr sich durch das Haar. »Ich erinnere mich nicht.«
Emma atmete laut aus. »Du entscheidest dich weiterhin für deine Lügen. Aber ich will das nicht mehr, Regina. Nicht, nach diesem Erlebnis. Ich bin dankbar für diesen Moment, denn ich habe in dein Herz gesehen. Und ich weiß nun, dass die Frau, mit der ich mir meinen Sohn teile, noch einen wahren Funken Liebe in sich hat.«
Emma drehte sich um, doch Regina griff nach ihrem Arm. »Emma, was hast du gesehen?«
Emma zögerte einen Moment, doch dann entwand sie sich ihrem Griff.
»Wenn du mir meine Frage beantwortest, dann bekommt du auch eine Antwort auf deine.« Sie drehte sich um und lief zurück zum Granny’s.
Mit wild klopfendem Herzen blickte Regina ihr hinterher, bis Emma in dem Diner verschwunden war.

* * *

»Das ist sie ja wieder, unsere Heldin.« Grumpy hob seinen Bierkrug und klopfte Emma auf die Schulter. Emma zwang sich zu einem Lächeln, doch ihre Lippen zitterten. Enttäuschung wogte durch ihre Adern. Sie war bereit gewesen, mit Regina über ihr Erlebnis zu sprechen, doch sie brachte ihr wieder nur Lügen entgegen.
Sie schob sich zwischen den Feiernden zum Ende des Tresens durch, um etwas Ruhe zu haben und ließ sich auf den letzten Hocker in der Reihe sinken.
Die Türglocke erklang und plötzlich wurde es ruhig im Laden.
Regina hatte den Raum betreten. Alle blickten zu ihr.
»Guten Abend«, sagte Regina. »Ich habe gehört, Sie feiern zu Ehren unseres schönen Städtchens.«
»Und zu Ehren von Emma!«, rief jemand.
Reginas Gesichtsausdruck war regungslos.
»Meine andere Mum war auch an der Rettung beteiligt«, hörte sie Henry rufen. Er saß immer noch bei einem der Zwerge auf den Schultern.
»Aber ohne sie, hätten wir das Problem gar nicht erst gehabt. Sie hat bei der Erschaffung des Zaubersteins nur an sich gedacht und an keinen von uns.«
Zustimmende Rufe schallten durch den Raum.
Emma betrachtete Reginas Gesicht. Ihre Lippen waren fest aufeinander gepresst.
»Ich bin hier, um mit Ihnen auch einen Neuanfang zu feiern.«
Jemand lachte auf. »Und das soll alles vergessen machen?«
Regina schluckte. Ihre Augen verdunkelten sich und Emma spürte einen Stich in ihrem Magen. Regina verletzten diese Worte, auch wenn das niemandem auffallen würde. Nur Emma bemerkte diese Nuancen bei ihr, weil sie Regina wirklich sehen wollte und das seit dem ersten Moment an.
Emma sprang von dem Hocker. »Hört jetzt auf!«
Etliche Köpfe drehten sich zu ihr.
Sie schob sich an dem Tresen entlang und stellte sich vor Regina. »Merkt ihr nicht, dass jede Bosheit, neue hervorruft? Regina hat den ersten Schritt getan und ist hier her gekommen, obwohl sie wusste, was sie erwartet. Ihr unterstellt ihr immer nur schlechtes, wie soll sie sich da jemals ändern wollen?«
»Wie viele Chancen willst du dieser Frau eigentlich noch geben?«, ertönte eine Frauenstimme von ganz hinten.
»So viele, wie nötig sind«, sagte Emma.
Das Gemurmel schwoll an.
Emma spürte eine Hand an ihrem Arm. »Warum tust du das?«
»Weil du mir etwas bedeutest. Auch wenn ich dir anscheinend ziemlich egal bin.«
Regina drückte sanft ihren Arm. Ein Kribbeln breitete sich von dieser Stelle über Emmas Körper aus und sie verfluchte sich dafür.
»Das bist du nicht. Du bist mir nicht egal, Emma.«
Sie sahen sich an.
Der Ausdruck in Reginas Augen war mild und erinnerte Emma an ihre erste Begegnung. Genauso hatte Regina sie damals angesehen, bevor sie erfahren hatte, dass sie Emma und somit die leibliche Mutter von Henry war.
Regina zog ihre Hand weg. »Ich habe dir gerade nicht die Wahrheit gesagt. Ich habe nicht vergessen, was ich in dem Schacht zu dir sagen wollte. Ich wollte dir danken, dass du zu mir gekommen bist. Doch ich habe mich nicht getraut. So wie ich mich nie traue, über meine wahren Gefühle zu sprechen.«
Emmas Hals wurde ganz trocken. »Ich habe sie gespürt. Deine ganze Wut und Trauer. Wie hältst du das aus ohne darüber zu sprechen?«
Reginas Blick schweifte in die Ferne. »Mein Herz ist kalt und leer.«
»Das stimmt nicht. Ich habe ihn gesehen, den Funken in deinem Inneren. Regina, sieh mich an. Ich kenne dein Herz.«
Einen Moment lang sahen sie sich in die Augen.
»Trotzdem bin ich hier nicht erwünscht. Ich werde gehen.«
Emma drehte sich ganz zu ihr um. »Ich komme mit dir. Ich schulde dir noch eine Antwort und die sollst du bekommen. Aber nicht hier.«
Gemeinsam verließen sie das Diner und liefen ein Stück schweigend die Straße entlang. Die Dämmerung war hereingebrochen und die Laternen warfen orangene Lichtkegel auf den Bürgersteig.
Emma blickte zu Regina. Der Wind griff in ihr Haar und einzelne ihrer schwarzen Strähnen wurden für einige Augenblicke in die Luft gewirbelt. Emma wollte danach greifen und sie ihr hinter das Ohr streichen, so, wie sie es schon hundert Mal in ihrer Phantasie getan hatte. Doch immer wieder hatte sie diese Bilder verdrängt und tief in sich vergraben.
Emma blieb stehen und Regina tat es ihr nach.
Bewusst atmete Emma tief ein und wieder aus, doch sie spürte bereits, dass ihre Stimme brüchig klingen würde. »Während unserer Verbindung habe ich in dein Herz gesehen und im tiefsten Inneren waren da Henry und … ich. Die Erinnerung, als wir uns das erste Mal begegnet sind, war der Kern. Nur er hat geleuchtet, alles andere bestand aus Dunkelheit.«
Regina schloss für einen Moment die Augen.

* * *

Regina öffnete die Augen wieder und sah Emma in ihr Gesicht. Ihr Gesicht, von dem sie jede Besonderheit kannte, denn sie hatte jede Möglichkeit genutzt, Emma zu betrachten, wenn sie in ihrer Nähe gewesen war. Die schmalen, dunkelroten Lippen, die blassen Wangen mit den kaum sichtbaren Sommersprossen und die feinen Lachfalten neben den Augen.
»Ich liebe Henry. Er ist mein Sohn und du bist seine leibliche Mutter. Er hat seine Wurzeln von dir.«
»Was hast du gesehen, Regina?«, flüsterte Emma.
»Ich sah mich, aber wir beide haben diese eine besondere Verbindung, Henry.«
Emma schüttelte den Kopf. »Ich habe alles gespürt, was du empfindest bei jedem Atemzug.« Emma streckte eine Hand aus und griff nach ihrer.
Regina wollte sie wegziehen, doch Emmas Finger wieder auf ihrer Haut zu spüren, machte sie bewegungsunfähig.
»Was fühlst du jetzt?«
Reginas Hand begann zu zittern.
Sie durfte nicht schon wieder fliehen, durfte Emma nicht wieder enttäuschen, doch wenn sie blieb, brauchte sie einen Halt. Sie machte einen Schritt auf Emma zu und zog sie an sich. Für einen Moment versteifte sich Reginas Körper, doch dann ließ sie es zu, Emmas Nähe ganz und gar zu spüren. Sie legte ihre Hände auf ihren Rücken und vergrub ihr Gesicht in Emmas Haar. Es duftete nach Lavendel und Sommerregen.
»Ich kann nicht …«
Emma schlang ihre Arme um Regina. »Was kannst du nicht?«, fragte sie leise.
Doch Regina schwieg.

* * *

Emmas Herz klopfte schnell. So nah war Regina ihr noch nie gewesen. Emma spürte Reginas Haar an ihrer Wange und ihren Atem an ihrem Hals. Ihr Parfüm, welches nach Rosen und Orangen duftete, vermischte sich mit dem Geruch des Frühlingsabends und ließ ihre Knie weich werden. Langsam strich sie mit einer Hand über ihren Rücken. Reginas Atmung beruhigte sich. Emma fuhr mit ihren Fingerspitzen in Reginas weiches Haar, teilte die dunklen Strähne, bis sie ihre Haut berührte. Sie wartete einen Moment, doch Regina ließ diese Berührung zu, lehnte sich ihr Hand sogar ein wenig entgegen. Hoffentlich merkte sie nicht, dass Emmas Finger leicht zitterten.
Nach ihrer Erklärung gerade, hatte Emma erwartet, dass Regina wieder weglaufen und auf Distanz gehen würde.
Emma wusste, warum Regina sich selbst in Emmas Herz gesehen hatte und es hatte nichts mit Henry zu tun.

Emma hatte Regina an dem Tag ihrer ersten Begegnung in die Augen gesehen und darin so vieles wahrgenommen, in das sie sich sofort verliebt hatte. Leidenschaft, das innere Feuer, einer starken und doch so zerbrechlichen Frau, ihre Wut und Trauer und die innige Liebe zu Henry, ihre Sehnsucht, ihren Schmerz und doch ihren starken Willen, für das zu kämpfen, was ihr wichtig war. Und mit jedem Moment in ihrer Nähe, hatte Emma Reginas Facetten gespürt und kennengelernt, viel Gutes, was die anderen nicht mehr sahen, weil sie es nicht sehen wollten. Doch Emma hatte Regina nie aufgegeben, hatte immer wieder ihre Nähe gesucht, in ihrem Blick geforscht und ihre Energie bewusst wahrgenommen. Sie hatte diesen Kern der Liebe immer gespürt und nun hatte sie Reginas leuchtendste Erinnerung gesehen, die, ihrer ersten Begegnung.

War es nur ihr Wunschdenken, dass diese Erinnerung die gleiche Bedeutung für Regina hatte, wie für sie selbst?
»Ich danke dir«, flüsterte Emma.
Regina löste sich leicht von ihr und die kühle Luft, die so plötzlich ihren Körper wieder komplett erreichte, jagte Emma einen Schauer über den Rücken.
»Wofür?«
»Ich danke dir, dass du mir gegenüber endlich ehrlich bist. Du hast mich heute sehr verletzt, als du mir nicht die Wahrheit sagen wolltest. Irgendwann wäre der Punkt gekommen, da hätte ich dir nicht mehr verzeihen können und wir hätten uns für immer verloren.«

* * *

Für immer verloren. Die Worte stachen schmerzvoller in Reginas Körper, als es jede Pfeilspitze je getan hatte. Sie machte einen Schritt rückwärts. Tränen stiegen ihr in die Augen. Nein. Sie vergrub das Gesicht in ihren Händen.
Emma war so aufrichtig und liebevoll und was war sie? Sie war immer noch die böse Königin, die es nicht schaffte, über ihre Gefühle zu reden, aus Angst, diese könnten sie schwach machen. Aber Emma war der sanfteste Mensch, den sie je kennengelernt hatte, sie würde Regina nicht verletzen.
Behutsam zog Emma Reginas Hände nach unten. »Was ist mit dir? Habe ich etwas falsches gesagt?«
Regina schüttelte den Kopf. »Nein, aber ich. Im Schacht, da wollte ich dir nicht dafür danken, dass du zu mir gekommen warst. Ich habe dir vorhin erneut nicht die Wahrheit gesagt.«
Emma ließ ihre Hände los. Schlagartig waren ihre Wangen ganz blass.
Regina machte einen Schritt auf sie zu. »Ich wollte dir sagen, was ich für dich empfinde. Ich liebe dich, Emma. Ich liebte dich vom ersten Moment an, als ich dich sah. Du bist der Kern meines Herzens.«
Emmas Lippen zitterten. »Warum hast du nie mit mir darüber geredet?«
»Ich wollte nicht wieder verletzt werden.«
Emma nahm Reginas Gesicht in ihre Hände. »Ich liebe dich. Ich bin für dich da. Für immer.«
Regina zog Emma erneut an sich und endlich fanden die Tränen ihren Weg über ihre Wangen.
Emma strich diese mit den Fingerspitzen fort und neigte sich ganz nah zu ihr, bis ihre Lippen sich berührten. Der Kuss war zärtlich und ihren Körper erfasste eine Wärme, wie Regina sie noch nie gespürt hatte.
Emma löste sich langsam von ihr und streichelte ihre Wangen.
»Nun erfüllst du mein ganzes Herz«, flüsterte Regina.
Emma lächelte. »Und nirgendwo wäre ich lieber.«
 
 
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