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Red Lights

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Romance / P18 / Het
Bang Chan
04.03.2022
29.06.2022
43
44.293
6
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
23.06.2022 1.199
 
Sie musste zugeben, dass sie keinen blassen Schimmer hatte, wer da eigentlich vor ihr saß. Aber wenn das tatsächlich der Mann gewesen sein soll, der es geschafft hatte, jemanden wie Chris zu überwältigen, war er entweder mächtig gerissen oder hatte eine Waffe benutzt.
Körperlich schien er selbst Danbi unterlegen.
"Sie haben etwas, das mir gehört.", sprach sie daher selbstbewusst auf den älteren bebrillten Herren ein, den man eher an der Spitze eines Großkonzernes vermuten würde als in so einem Laden.

Überrascht schaute er zu ihr auf, öffnete bereits den Mund, um etwas zu entgegnen. Wurde jedoch dabei gestört von Chris, der noch viel überraschter ausrief: "Danbi. Das bist doch du, oder?"
Ein kurzer, aber heftiger Zug an der Kette um seinen Hals ließ ihn japsend wieder verstummen.
Entsetzt starrte Danbi erst auf den schwer atmenden Sänger, danach sofort zu dem Mann, welcher dafür verantwortlich war.
"Du redest nur, wenn ich es erlaube.", sprach dieser ruhig, aber bestimmt, zog wie zur Untermalung seiner Anweisung noch einmal an der Kette.

Diesmal war Danbi jedoch schneller, griff nach der Hand des Alten und drückte fest zu.
Im Augenwinkel konnte sie einen Schatten ausmachen. Ein Mann im Anzug, ähnliche Ausmaße wie die Türsteher am Eingang tauchte aus einer der Ecken auf, hielt genau auf sie zu.
Möglichst unbeeindruckt sah Danbi von dem Muskelprotz wieder zu dem Alten.
"Rufen Sie Ihre persönliche Leibgarde zurück und ich sehe darüber hinweg, dass Sie mein Eigentum entwendet haben.", sagte sie mit eisigem Blick.

"Ihr Eigentum?", lachte er auf. "Ich habe den Jungen eben erst legal erworben."
"Legal, natürlich.", erwiderte Danbi schnippisch. "Warum, glauben Sie, kennt er meinen Namen?"
"Das tue ich wirklich. ", rief Chris sofort aus.
"Nicht reden!", wies Danbi ihn harsch an und wider erwartend gehorchte der Sänger augenblicklich. Ein Umstand, den sie sich zu Nutze machte und dem Alten ein süffisantes Lächeln schenkte.
Der legte frustriert die Stirn in Falten, gab dem muskelbepackten Typen im Anzug jedoch gleichzeitig ein kurzes Handzeichen, um sich zurück zu ziehen.

"Wenn es wirklich so ist, wie Sie sagen.", begann er schließlich, ließ sie dabei nicht aus den Augen. "Weshalb ist er nirgends als Ihr Eigentum markiert?"
Seinem Blick standhaltend überlegte Danbi krampfhaft, was gemeint war. Und vor allem, was die passendste Erklärung wäre.
"Sie haben keine Ahnung, wer er ist, oder?", fragte sie beinahe belustigt, war wenig erstaunt über die Verblüffung im Gesicht ihres Gegenübers. "Bedauerlicherweise ist er eines dieser heutzutage viel zu übertrieben in den Himmel gehobenen Idole. Eine Markierung würde dementsprechend nur Fragen aufwerfen, finden Sie nicht auch?"

Der Alte begutachtete Chris eingehend. Wohl, um in seinen Erinnerungen zu graben, ob er ihn schon mal irgendwo gesehen hatte.
"Wirklich schade, dass Sie vor dem Erwerb nicht darauf hingewiesen worden sind.", sprach Danbi gelassen weiter. "Gute Händler bieten normalerweise auch keine gebrauchte Ware an.", sie ließ endlich seine Hand los, demonstrierte ihm allerdings nochmals ihre Stellung, indem sie stattdessen besitzergreifend die Haare von Chris ergriff, ihn leicht zu sich zog.
Den Kopf an ihren nackten Oberschenkel gedrückt, spürte sie sein Zittern. Weshalb sie automatisch begann, ihn zur Beruhigung im Nacken zu streicheln.

Mit hochgezogener Augenbraue beobachtete der Alte ihr Tun, merkte beinahe spöttisch an: "Wo lernt man, dass eine derart intensive Beziehung der Erziehung förderlich sein sollte?"
"Im Stripclub.", antwortete Danbi knapp. "Je besser ich mich kümmere, desto lukrativer ist diese Beziehung."
Für einen Moment schien er sprachlos, fing sich aber recht schnell wieder.
"Ich habe viel Geld für dieses Prachtexemplar bezahlt.", warf er ein.
Danbi zuckte kurz mit den Schultern: "Sicherlich nur ein geringer Betrag im Vergleich zu dem, was sie als Stammgast hier lassen."

"Gutes Argument.", bekräftigte er ihr schmunzelnd, wodurch sich tiefe Falten um seine Augen bildeten. Zumindest für einen kurzen Moment, ehe er wieder ernst wurde, hinzugefügte: "Geben Sie mir einen Beweis."
"Was?", stutzte Danbi.
"Dass er Ihnen so viel bedeutet.", erklärte er, wedelte dabei unbestimmt mit der Hand in ihre Richtung.
"Ich bin hergekommen, reicht das nicht als Beweis?", hakte sie verwirrt nach, schaute dabei kurz zu Chris herunter. Als müsse sie sich vergewissern, dass er auch jedes Wort hörte.
Der Alte lehnte sich in seinem Plexiglasstuhl zurück, musterte sie ausdruckslos:"Sie können schließlich auch lügen. Als Stripperin sind Sie schließlich prädestiniert für ein hervorragendes Schauspiel."

"Gutes Argument.", meinte nun Danbi, versuchte sich dabei an einem ähnlichen Lächeln. Da ihr Gegenüber allerdings seine Miene nicht mal für einen Bruchteil verzog, wurde ihr schon ein wenig mulmig.
Genauso, dass er weiterhin erwartungsvoll zu ihr aufsah. Stumm.
Mehrere Atemzüge lang starrten sich beide einfach nur an. Zumindest für außenstehende Beobachter. Sie selbst wussten allerdings, dass sie einen Kampf ausfochten.
"Ich habe eine Menge Geld investiert.", wiederholte der Alte.
"Das erwähnten Sie bereits.", wies Danbi ihn knapp darauf hin.

Er verzog die Mundwinkel zu einem winzigen Lächeln, das diesmal jedoch nicht seine Augen erreichte: "Denken Sie nicht, ich hab eine kleine Show verdient?"
Ausdruckslos blickte sie ihn an.
"Das kennen Sie ja schon.", fügte er kühl hinzu, ließ keinerlei Zweifel aufkommen, wie ernst er seine Worte meinte.
Das war keine Frage, selbst wenn es sich so anhörte. Sondern eine knallharte Anweisung.
Mit einem leichten Nicken ging Danbi einen Schritt zurück, ließ sich auf die Knie fallen, genau vor Chris.

Aufgrund der Augenbinde wirkte der vollkommen unsicher, neigte den Kopf erst in eine, dann die andere Richtung.
Erst, als sie sein Gesicht in beide Hände nahm, schien er sich wieder zu beruhigen.
"Dan...", wollte er sagen, doch legte sie ihm schnell den Daumen auf die Lippen, strich sanft, beinahe zärtlich darüber.
Sie spürte seine schnellen Atemzüge, sah gleichzeitig, wie seine nackte Brust sich hob und senkte.
Im Augenwinkel bemerkte sie, dass der Alte ungeduldig die Arme vor dem Oberkörper verschränkte.

Mit angehaltenem Atem lehnte sie sich vor, streifte mit den Lippen die von Chris.
Es war nur ein Spiel, nichts ernstes.
Diese Worte sprach Danbi immer wieder zu sich selbst, einem Mantra gleich, während ihre Zungenspitze über seine bebende Unterlippe strich.
Nur ein Spiel.
Auch, als sie seine eigene Zunge spürte, die die Bewegung erst imitierte, schließlich zwischen Danbis Lippen glitt.
Atemlos zog sie Chris an sich, vertiefte den Kuss, welcher immer leidenschaftlicher und ekstatischer wurde, sie sich in seiner Hitze, seinem Geschmack verlor.

"Das reicht jetzt."
Die unbekannte männliche Stimme hinter ihnen sorgte nicht nur dafür, dass Danbi abrupt innehielt. Sondern sich auch so schnell von Chris löste, dass der vorn über fiel, genau in ihre Arme.
Verwirrt drehte sie den Kopf so weit wie möglich, um den Besitzer der Stimme ausfindig zu machen.
Mitten im Raum stand in einen teuer wirkenden Maßanzug gekleideter Mann, über den sie bereits so viel gehört hatte, dass sie definitiv keine Lust hatte, ihm jemals zu begegnen.
"Kibum.", sprach nun auch der Alte wieder. Die Ehrfurcht in seiner Stimme nicht zu überhören.
Ein Umstand, der Danbis Kehle endgültig zuschnürte.
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