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Alte Rechnung

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Freundschaft / P12 / Gen
Dr. Julia Salomon Inka Kubicki Kilian Hirschfeld Michael Kelting Sami Malouf
28.02.2022
04.03.2022
9
14.104
3
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28.02.2022 1.478
 
Es war der erste Biss in ihr Brötchen, als das Telefon klingelte. Sie hatte gestern bis drei Uhr einen Verdächtigen verhört. Obwohl es kein Ergebnis gebracht hatte, sollte sie sich heute ausruhen. Zumindest heute Morgen und erst später zum Dienst kommen. Ausgerechnet Kelting hatte ihr gesagt, dass sie zu Hause bleiben solle. Sie hatten dann noch abgesprochen, was heute Morgen zu tun war.
Kriminalhauptkommissarin Madeleine Konrad und er hatten keinen guten Start. Er hat nicht anerkannt das sie befördert worden ist, während er übergangen wurde. Sie hatte ihn provoziert. Einerseits um „Eier“ zu zeigen, andererseits um ihn zu Fehlern zu zwingen. Allerdings war er gut. Irgendwann hatten sie ihren Status quo akzeptiert und einfach nebeneinander her gearbeitet ohne sich zu behindern, sich zu nerven oder zu provozieren. Kleinere Sticheleien gab es aber immer mal. Nun war Kelting am Telefon.
„Konrad!“ meldete sie sich.
„Guten Morgen Kollegin Konrad!“ sagte ihr Kollege, der immer so sprach als würde er im Stechschritt marschieren. „Wir haben die Tatwaffe!“
Sie legte das Brötchen weg. „Bitte?“
„Ja. Wir konnten Fingerabdrücke und DNA-Spuren sichern. Wir werden ihn gleich mit den neuen Spuren konfrontieren. Das Geständnis dürfte dann nur noch Formsache sein.“
„Moment“ beschwerte sie sich. „Das ist mein Fall und den bringe ich auch zu Ende!“
„Sie könnten den Start in den Tag mit einer neuen Leiche beginnen. Eine Tote Frau wurde im Gelände des Güterbahnhofsgefunden!“
„Im Güterbahnhof?“
„Ja. Sie nehmen am Besten die Zufahrt an der westlichen Einfahrgruppe, ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit die Leiche zu finden sehr schlecht.“
„Ich werde doch wohl die Polizeiwagen sehen können.“
„Die Fläche der gesamte Anlage ist fast zweihundertsechzigtausend Quadratmeter groß. So schön die Aussicht auch ist, dass sie dort verloren gehen, sollte der Mordfall ja irgendwann mal gelöst werden.“
„Vielleicht springe ich ja auf einen der Güterzüge und genieße die Freiheit“ sagte sie.
„Keine schlechte Idee. Damit sie allerdings keines von beiden in die Tat umsetzen, werde ich Frau Aksu vorbeischicken. Die wird ihnen den Weg schon zeigen.“
„Wann ist sie da?“
Es läutete an der Haustür.
„Sollte das ihre Türklingel sein, dann ist das unsere junge Kollegin!“ meinte er trocken und legte auf.
Sie legte das Handy an die Seite, danach biss die Kommissarin wieder in das Brötchen. Eigentlich hätte sie gerne ihre Jacke geschnappt und wäre mit der Kollegin gefahren, aber das ging nicht so einfach. Sie wusste, dass sie noch auf die Toilette musste und dann wollte sie auch noch die zweite Brötchenhälfte essen. Einen Kaffee benötigte sie auch noch. Es half nichts, aber die Kollegin musste rein kommen.
Als sie die Tür geöffnet hatte, sah sie in das Gesicht von ihrer Kollegin. „Guten Morgen Aylin. Kommen sie rein!“
„Guten Morgen Frau Konrad!“
„Kommen sie bitte kurz mit rein. Ich habe noch einen Kaffee der auf mich wartet“ Sie war wieder auf den Weg zurück in die Küche. „Möchten sie auch einen?“ fragte sie.
„Starker schwarzer Kaffee wiegen junge Eltern in Gold auf!“ sagte die Frau, die nach ihrem Mutterschutz nun wieder im Dienst der Mordkommission war, während der Vater in Elternzeit gegangen war.
„Wie geht es Kilian mit seiner Entscheidung?“
„Der Glückliche darf sich um unseren Sohn kümmern.“
„Er macht das gut?“
Sie nahm die Tasse entgegen. „Vielleicht ist es mein Glück, dass Kilian ohne Vater aufgewachsen ist. Er macht an ihm wohl alles wieder gut, was er selbst…“
„Hey. Ich kenne Herrn Hirschfeld auch etwas und wenn ich sie beide zusammen sehe… Bei Beamten und Menschen im Staatsdienst ist es von je her für einen Mann kein Problem in Elternzeit zu gehen. Warum sollten sie beide das nicht ausnutzen?“
„Sehen das die Kollegen von ihm demnächst genauso?“
„So verschroben er auch sein mag, aber Kelting ist fortschriftlicher als sie denken und Kollege Malouf allemal!“ sagte die Frau mit den blonden Haaren.
„Danke!“ sagte sie und trank von ihrem Kaffee. „Wissen sie eigentlich warum der Kollege Malouf heute noch nicht da war?“

Er atmete tief durch, dann öffnete sich die Tür. Die Frau mit den blonden streng nach hinten geklemmten Haaren schaute ihn an. Ihr Blick war prüfend und teilweise auch eisig.
„Sami Malouf von der Kriminalpolizei. Sind Herr Johannes oder Frau Rebecca Bordemann vielleicht im Haus.“
Die Frau musterte ihn und er hatte das Gefühl gleich würden die Bäume ihre Blätter abwerfen, weil die Temperatur merklich fiel. Dann bemerkte er eine Bewegung hinter ihr.
„Frau Ammann?“ fragte Johannes Bordemann.
„Der Herr Malouf von der Kriminalpolizei ist da und möchte mit ihnen oder ihrer Tochter sprechen!“
Er erkannte Kilian Hirschfelds Vater sofort wieder. Im Gegensatz zu der letzten Begegnung trug er dieses Mal allerdings kein Gerät mit sich herum, was ihn mit Sauerstoff versorgen musste.
„Kommissar Malouf?“ Die Anrede war zwar nicht korrekt, aber das war für ihn nicht so wichtig.
„Guten Tag Herr Bordemann. Hätten sie vielleicht einen Moment Zeit für mich?“
„Papa… Was…?“ Dann kam auch seine Tochter in das große Foyer. Er hatte es bei dem Einsatz schon einmal gesehen, als ihre Mutter und der engagierte Attentäter überwältigt und verhaftet worden waren.
„Ich muss nach meiner Herztransplantation noch aufpassen…!“
Aus seiner Anzugjacke zog ein einen zusammen gefaltetes Blatt Papier heraus sowie ein FFP2-Maske. „Ich bin vorbereitet. Außerdem habe ich hier einen entsprechenden Schnelltest von heute Morgen.“
Sie schauten sich eine ganze Zeit an. Schließlich nickte der Hausherr seiner Haushälterin zu, die den Weg frei machte. Bevor er das Haus betrat legte Sami Malouf sich die Maske an, wurde allerdings von Johannes Bordemann zurückgehalten. „Schon gut. Folgen sie uns auf die Terrasse und halten sie Abstand.“
Obwohl er sofort hätte durchgehen können, wartete er noch einen Moment und zog sich auf dem Weg durch das Haus zumindest seine Maske über. Er setzte sie direkt wieder ab, als er draußen auf der Terrasse stand.
„Dürfen wir ihnen etwas bringen?“ fragte Rebecca Bordemann freundlich.
„Nicht nötig. Danke!“
„Was wollen sie von uns!“
Wie sollte er anfangen? Es war wohl am besten, wenn er keine großen Umschweife machte.
„Herr Bordemann. Es geht um ihren Sohn Kilian. Ich weiß auch, dass ich vieles riskiere. Entweder sie werfen mich direkt wieder raus und beschweren sich beim Polizeipräsidenten oder sie bedanken sich bei mir.“
„Im Moment ist die Wahrscheinlichkeit mich an den Polizeipräsidenten zu wenden deutlich größer“ meinte der Hausherr genervt. „Warum setzten sie sich so für ihren Kollegen ein? Hat er sie geschickt?“
„Nein und dass ich mich so für ihn einsetze hat einen guten Grund. Es ist knapp zwei Jahre her, als ich versucht habe einen Freund davon abzuhalten zu fliehen, weil er in ein Auto eingestiegen ist, von dem ich wusste, dass die Bremsen nicht funktionieren. Ich habe mich ihm in den Weg gestellt. Kilian ist herangestürzt und schob mich weg. Das ich hier stehe, habe ich ihm zu verdanken!“
„Wunderbar… Dann habe ich ihm nicht nur zu verdanken, dass mein bester Freund tot und meine Frau im Gefängnis sitzt, sondern auch, dass sie mir jetzt auf die Nerven gehen!“
„Bei allem Respekt, Herr Bordemann. Kilian ist bei dieser Aktion so schwer verletzt worden, dass es lange nicht klar war, ob er es überhaupt überlebt, geschweige denn er wieder zurück in den Dienst kann.“ Er schaute kurz zu Rebecca – Kilians Schwester – die merklich erschrocken war. Auch seinen Vater lies es nicht kalt. „Und dass ihre Frau im Gefängnis sitzt, dass hat sie sich selbst zuzuschreiben. Wäre ihre Tochter nicht gewesen, hätte Kilian wohl nie erfahren, wer seine Eltern sind.“
„Geschenkt!“
„Herr Bordemann. Ihre Ärzte – so haben sie gesagt – haben sie eigentlich schon aufgegeben. Es erschien ihnen als ein Wunder, dass sie so lange gelebt haben und nun haben sie sogar ein neues Herz bekommen.“
„Ja, allerdings frage ich mich manchmal warum!“
„Vielleicht kann ich ihnen eine Antwort darauf geben“ sagte Sami Malouf. „Können sie sich noch an die Frau erinnern, die durch einen Schuss den Attentäter außer Gefecht gesetzt hat.“
„Eine ihrer Kolleginnen… Klar!“
„Sie hat nicht nur geschossen, weil sie Polizistin ist. Sie wollte Kilian retten.“
Nun reagierte Rebecca zum Ersten mal direkt auf etwas, was er gesagt hatte. „Sie meinen, sie ist Kilians…?“
Malouf lächelte sanft. „Ja. Sie und Kilian sind zusammen.“ Er wartete einen kleinen Moment. „Und das ist nicht alles!“
„Was soll das heißen?“ fragte Johannes Bordemann.
„Aylin Aksu – so heißt seine Freundin – hat vor drei Monaten einen Jungen zur Welt gebracht.“
Rebecca stand auf und auch Kilians Vater zeigte eine deutliche Reaktion. Die Nachricht nahm er überrascht auf, aber keinesfalls unangenehm. Seine Tochter konnte ihre Freude über die Nachricht kaum zurück halten.
„Moment… Kilian… Dann bin ich ja… Ich meine…!“
„Ja. Sie sind Tante geworden“ sagte Malouf lächelnd und schaute dann zu ihm. „Und sie sind Großvater. Sie haben einen Enkel!“
Er schaute vor sich. Ihm schien die Nachricht überwältigt zu haben. Malouf holte einen Zettel heraus und gab ihn Rebecca. „Das ist die Adresse von den bei… den Dreien. Ich bin mir sicher, dass sie ihn sehen wollen.“ Er wandte sich um. „Ich finde alleine raus!“
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