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Inspiration? Warum!

von FableTN
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
28.02.2022
28.02.2022
1
1.908
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28.02.2022 1.908
 
1). Realismus ist ein Problem.

Ja, das habt ihr richtig gelesen. Die Realität ist langweilig. Immer. Wenn sie spannend wäre, dann bräuchten wir keine Geschichten um ihr zu entfliehen. Die sogenannte Sensationsgeilheit wäre nicht existent, wenn unsere Realität immer und zu jeder Zeit faszinierend und aufregend wäre. Aus diesem Grund gab es Bauerngeschichten, Hexenverbrennungen, Seemansgarn, Legenden von riesigen Monstern, und so weiter. Damals hatten die Leute einfach keine Ahnung. Niemand ist mit einem großen Team von Wissenschaftlern auf See gefahren um eine halbjährige Studie über Sirenen anzuleiern, da man wirklich nicht Gefahr laufen wollte wirklich einer zu begegnen, denn man wusste es nicht besser.
Und diese Geschichten waren schlicht und ergreifend unterhaltsamer als Sturm, Felsen, Wasser in der Lunge.
Wenn man heute jemandem etwas von Sirenen auf hoher See erzählt, bekommt man den Vogel gezeigt, denn es gibt ja keine Beweise. Und da liegt das Problem. Der moderne Mensch glaubt jeden Scheiß bereits zu wissen, weil er das mal in einer Doku gesehen hat. Das große Zeitalter des Fortschritts, der Wissenschaft und von 90 Prozent Steuern pro Jahr, brachte uns bei, das wir alles das ausschließen müssen, was nicht wissenschaftlich bewiesen wurde. Wenn wir heute eine Wolke mit einem Gesicht sehen, ist das nun einmal aufgestiegenes Regenwasser, welches durch steile Windgeschwindigkeiten in mehreren Kilometern atmosphärischer Höhe eine Form angenommen hat, die der Anatomie eines Menschen ziemlich ähnlich sieht.
Aber das ist wirklich Langweilig. Wer genau hindert euch denn daran einfach einen … Windgeist, Gott, den ewig währenden Hass der Stiefmutter oder euren Chef darin zu sehen? Letzeres lässt auf schwere mentale Probleme mit dem Arbeitsumfeld schließen, aber lassen wir das.

Um gute Ideen zu haben, müsst ihr zunächst einmal aufhören immer nur das offensichtliche in wortwörtlich allem zu sehen. Lasst den Realismus einfach mal zu hause und öffnet euch für die Möglichkeiten die in jedem einzelnen Impuls eurer Umwelt stecken.
Schon mal davon gehört, alles mit den Augen eines Kindes zu sehen? Fein. Und warum ist das so wichtig? Weil es für Kinder eine bestimmte Frage gibt, welche sie im Normalfall nicht oft genug stellen können.

2). Warum?

Was für ein Übergang.
Nachdem wir also geklärt haben wo das Problem liegt, kommen wir zur Lösung. Der schlichten Frage warum.
Eine X-beliebige Situation enthält alle Ideen die ihr braucht, wenn man sie oft genug fragt.
Denn das ›Warum?‹ zieht sich zwangsweise durch den gesamten Block einer Geschichte. IMMER.
Alles das in einer Geschichte passiert, hat einen Sinn, dient einem Zweck, löst ein Problem, erzeugt ein Problem, beschreibt den Charakter oder das Umfeld der Protagonisten.

Die Pistole die im ersten Akt gezeigt wird, muss im dritten Akt abgefeuert werden.


Schon mal gehört. nicht wahr?
Die Warum‘s sind der Faden an dem alles aufgezogen wird. Macht euch mal den Spaß, nehmt euch eure liebste Geschichte (oder eine eurer eigenen) zur Brust, fangt hinten an und schlüsselt den gesamten Plot rückwärts mithilfe von »Warum?« auf. Denn schließlich hat alles einen Grund.
Nur die Realität darf es sich erlauben so was wie »Keine Ahnung, hab ich halt immer schon so gemacht« zu sagen. Außer natürlich es beschreibt den vollkommen statischen Lebensweg eines Charakters, aber lasst uns nicht abschweifen.
Übertragen wir dieses System also jetzt einmal auf eine stinknormale Alltagssituation und machen etwas vollkommen einzigartiges daraus.

Frau parkt ein. Spannende Situation an und für sich. Aber warum tut sie das?
Und warum kann sie es nicht?
Tut nicht so als ob ihr widerstanden hättet.
Spass beiseite, beide Fragen deuten jedoch bereits in eine Richtung.
Gehen wir das mal durch.
Sie parkt ein. Wo? Supermarkt.
Wann? Sagen wir es ist schon spät.
Warum also? Um Einzukaufen vermutlich.
Aber warum um diese Zeit?
Weil sie vorher nicht dazu kam?
Warum nicht? Stress? Beziehungsprobleme?
Warum? Arbeit? Sie arbeitet zu viel und hat zu wenig Zeit für ihren Freund/Mann?
Warum? Weil sie tiefliegende Komplexe über ihren mangelnden Wert als Mensch hat wenn sie nicht genug arbeitet? Weil er ihr durch sehr viel Sex seine Zuneigung zeigen möchte, nicht weiß wie er es sonst machen soll, und es geht ihr eigentlich auf die Nerven aber sie möchte ihm nicht wehtun?

Und jetzt denkt ein paar Sätze zurück. Wenn sie unter diesem Stress steht, parkt sie schlecht ein, weil sie fertig ist und nur noch schnell etwas einkaufen muss.
Warum muss sie das? Weil sie sich das selbst immer aufbürdet es nach der Arbeit noch zu tun. Niemand zwingt sie, außer sie selbst.
Warum? Wegen dem oben genannten Komplex.

Die Liste geht weiter. Ihr seht, Aus »Frau parkt schlecht ein« ist eine gestresste Businesslady mit Beziehungsproblemen geworden. Das funktioniert mit absolut jeder Situation.
Aber durch ihre mangelnden Fähigkeiten beim Einparken hatte diese Situation ja noch etwas besonderes, nicht wahr? Ein Fünkchen Glanz, wenn man so will, welches sie von anderen Situationen abhebt. Aber jetzt kommt der Trick:
Diese Frau ist so besonders wie jeder andere. An jeder Situation, jedem Menschen, jeder Straßenplanke, jedem Ort, gibt es etwas besonderes. Eine Geschichte. Ihr müsst euch nur fragen warum ist X, so wie X ist und nicht anders.
Das funktioniert allerdings auch mit Liedtexten, Melodien, Bildern, körperlichen Zuständen, und wortwörtlich allem, das ihr euch vorstellen könnt.
Natürlich hat man als Fantasy-Autor mehr davon, aber wir haben ja generell mehr Freiheiten als irgendjemand sonst.

Das Wort warum kennt man übrigens auch als »Weswegen«. Nehmt ihr das einmal auseinander, kommt ihr bei »wes weges« raus. Also, woher, von welchem Weg kommt es.
Wenn man sich das vor Augen führt, wird es noch einmal ein wenig klarer weswegen, das so verdammt gut funktioniert.
Aber da ich will, dass ihr das auch wirklich, kapiert bringe ich euch ein vollständiges Beispiel. Gleich hier. Gleich jetzt. Voll improvisiert. Ich nehme einfach jedes mal die erst beste Idee.


3). Beispiel.

Nachdem ich jetzt darüber geredet habe, das es mit allem geht, machen wir es ruhig mal ein wenig schwerer.

Hellbender



Nicht nur ein wirklich gutes Lied von Infrasound Music, sondern auch ein ziemliches Klischee. Von daher perfekt.
Wenn wir da herum bauen, sagt uns das Wort bereits dass etwas ähnliches wie eine Hölle in diesem Setting existiert.
Und das die Geschichte und der Protagonist zwangsweise in irgendeiner Weise damit zu tun haben. Zudem, kann man interpretieren, dass entweder die Regeln dieser Umgebung, oder aber die bisherigen Umstände auf die ein oder andere Weise von den Geschehnissen in Frage gestellt werden. Denn wenn man etwas verbiegt - beispielsweise Regeln - dann hat das immer Konsequenzen.
Fangen wir also vorne an:
Hölle: Warum? Könnte eine Metapher sein. Meine erste Idee wäre entweder ein Kriegsschauplatz, oder eine Art Ghetto.
Warum Kriegsschauplatz?
Diese Umgebung wurde wegen reicher Bodenschätze extrem oft umkämpft, aber weil das Gelände äußerst unzugänglich ist, (sagen wir eine Sumpfige Gegend) gab es lange Zeit keine klaren Sieger.
Eine der beiden Seiten hat aber irgendwie einen Vorteil für sich rausschlagen können und es geschafft die Position dauerhaft zu halten. Ein Lager wurde errichtet, und Kriegsgefangene der anderen Partei wurden versklavt um die Bodenschätze zu ernten.
Warum?
Weil sie einen Wert beinhalten. Bleiben wir Klischeehaft und sagen es sind rohe Edelsteine irgendeiner Art.
Soweit so gut.
Und warum biegt man jetzt die Hölle? Vermutlich, weil man keine Lust mehr auf diese Behandlung hat. Sklavenrevolte. Klassisches Muster. Da die Sklaven diejenigen waren, die rausgehen mussten und unter Umständen durch die Umgebung ihr Leben verloren, waren sie auch diejnigen welche das Umfeld besser kannten als die Soldaten.
Gehen wir mal einen Schritt weiter und sagen die Sklaven drehen den Spieß um. Sie machen aus diesem Gefangenen-Lager ein Wiederstands Hauptquartier.
Warum? Weil es sehr lange gedauert hat diesen Platz einzunehmen und zu befestigen. Und hier kennen sich die ehemaligen Sklaven aus. Diese Position, gegen ihre Erschaffer eingesetzt, birgt extreme strategische Vorteile.
Zudem sitzen sie auf den Bodenschätzen, die ihre Sklaventreiber haben möchten - und ihr Heimatland natürlich auch. Wenn sie nun aber ihr Heimatland mit diesen Schätzen beliefern, können sie sich im Gegenzug mit Ausüstung beliefern lassen, um das Lager weiter zu befestigen.
Warum? Weil keiner dieser ehemaligen Soldaten Lust auf weiteren Krieg hat, aber gewillt ist, seine neu gewonnene Freiheit zu verteidigen.
Und ihr Heimatland hatte ja in der ganzen Zeit nichts von den Bodenschätzen, sie werden also äußerst gewillt sein, sich auf einen Handel einzulassen.
Warum einen Handel?
Nun, wenn es ohne befestigte Siedlung bereits extrem schwer war in dieser Gegend zu kämpfen, wird es mit befestigter Siedlung zum Vorteil des Gegners, beinahe unmöglich sein. Ein Handel ist ihre beste Alternative.
Mit der Zeit wächst die Siedlung zu einer eigenständigen Stadt heran, gut befestigt in alle Richtungen und in ihrer Beschaffenheit einzigartig.
Sie wird unabhängig. Inmitten der wirren des Konflikts gibt es diesen Ort der nach seinen ganz eigenen Regeln lebt und durch die Kontrolle über die Bodenschätze haben sie eine erstklassige Basis um mit anderen Parteien zu verhandeln.
Somit haben wir bereits einen beliebig großen Schauplatz mit beliebig vielen Möglichkeiten, je nachdem was die Eigenschaften dieser Bodenschätze sind.
In irgendeiner Weise müssen sie natürlich auch mit dem Protagonisten in Zusammenhang stehen. Warum? Weil er einen Grund haben muss in der Stadt zu sein. Am Ende führen die Warum‘s ziemlich sicher wieder auf die Bodenschätze zurück.

Ich denke als Demonstration sollte das völlig ausreichen. So funktioniert das mit fast allem. Sogar mit dieser Frage, wenn man kreativ sein will. Natürlich ist das jetzt auch nicht gerade ein bahnbrechendes Setting, aber das war ja auch nicht das Ziel.
Und das ist noch nicht alles. Das Warum hat noch mehr auf Lager.

4. Warum Namen?

Ja, auch Namen lassen sich aus dem Warum herleiten. Wird langsam ein bisschen abwegig, oder?
Denken wir doch einmal kurz darüber nach, was genau Namen eigentlich sind. Spezifisch die Namen von Städten, Flüssen, Gebirgen, Landschaften, und sogar Dinge wie Ehrentitel.
Es gibt da bereits ein geniales Video drüber, also halte ich es kurz.
Der Punkt ist: Die Namen von Städten und Landschaften werden im Normalfall durch denjenigen vergeben, der an ihnen residiert. Der Hintergrund der Namen bildet dabei eine Eigenschaft ab, die man dieser Gegend zubilligt.
Sagen wir das ein Volk von Ur-Einwohnern einen Fluss für die Personifikation einer Wassergöttin hält, dann wird er sicherlich einen Namen tragen der in ihrer Sprache so etwas wie »Strom der Göttin« oder vielleicht sogar »Atem der Göttin« etc. bedeutet. Namen haben einen Idellen oder geographischen Hintergrund. Weil mir gerade kein besseres Beispiel einfällt nehmen wir mal den Kilimandscharo.
Der Erstbesteiger Hans Meyer taufte den Berg in der Kolonialzeit zur »Kaiser-WIllhelm-Spitze«, weil es zu dieser Zeit nun einmal In war Dinge für Herrscher und Vaterland in Besitz zu nehmen.
Dieser Name hat ein ziemlich klares »Warum« in sich. Und so ist das mit allen anderen Namen auch. Ja, auch mit Namen von Charakteren sollte es so sein.


Ich hoffe dieser kleine Einblick in die Welt der unendlichen Ideen hat euch geholfen, selbst ein Gefühl dafür zu bekommen und ihr steht nicht mehr andauernd vor irgendwelchen kreativen Tiefpunkten.
Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal wo ihr irgendetwas lest das ich verbrochen habe, haha.

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Tja, wer hätte es gedacht. Ich schreibe immer noch. Wenn auch nicht mehr so häufig. Ob ich demnächst wieder mehr schreibe weiß ich auch noch nicht. Aber dieses Essay hier liegt mir schon seit längerer Zeit am Herzen, weil ich so viel Zeug sehe das Satz für Satz um Ideen kämpft.

Wenn euch das geholfen hat, dann lasst mir doch einen Kommentar dar.
Oder auch nicht. Ich gehe dann einfach ganz automatisch davon aus, dass es hilfreich war. xD

Bis zum nächsten Mal. :)

uNICOrn out.
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