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Geiselnahme

von Tinka10
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Ann-Christine "AC" Heffner Dr. Claas Steinebach Michael Kelting Sami Malouf
28.02.2022
27.06.2022
16
20.868
3
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23.06.2022 916
 
„Prepaid-Handy, keine Chance.“ Sami ließ sich neben Michael auf die Bettkante sinken. Dieser schüttelte den Kopf. „Ich versteh das nicht. Das sieht Claas überhaupt nicht ähnlich. Wenn er bei einem seiner Freunde übernachten würde, hätte er sich doch kurz gemeldet. Und dann diese komische Nachricht…“ Er konnte sich einfach keinen Reim darauf machen. Dass es sich dabei um einen Teil des Junggesellenabschieds handeln sollte, glaubte er keine Sekunde lang. Und ebenso wenig glaubte er daran, dass Claas ihn gerade wirklich betrog und betrunken mit einem anderen Mann in ein Hotel gegangen wäre. Zwei Alternativen, die er also ausschließen konnte. Aber wie zum Teufel war dann dieses Foto entstanden? Noch immer plagte ihn ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend. Irgendetwas konnte hier nicht mit rechten Dingen zugehen. „Claas‘ Handy ist ausgeschaltet. Orten dürften wir ihn sowieso nicht…“ Sami klang mutlos. Auch er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Claas fremdgegangen wäre. Bei den beiden war alles in Ordnung und soweit er wusste, waren sie sich in all den Jahren treu gewesen. Außerdem freute sich Claas ebenso sehr auf die anstehende Hochzeit wie Michael – wenn nicht sogar noch mehr. Das würde er nie und nimmer aufs Spiel setzen.

Ihn beschlich ein Gedanke. „Gibt es irgendeinen Exfreund oder eine Exliebschaft, die was gegen eure Hochzeit haben könnte?“ Michael lachte freudlos auf. „Ich bin seit fast zwanzig Jahren mit Claas zusammen. Es würde mich stark wundern, wenn ihm das heute noch jemand nachträgt. Außerdem war er längst Single, als wir uns kennengelernt hatten. Also kein verschmähter Ex…“ Er brach ab, weil ihm gerade etwas eingefallen war. Sami merkte, dass es in Michaels Kopf ratterte und sah ihn gespannt an. „Claas hat mal was von einem Kollegen erzählt, der ihm ziemlich deutliche Avancen gemacht hat. Muss schon vor ein paar Jahren auf einem Kongress gewesen sein. Er war wohl recht hartnäckig, hat ihn danach aber in Ruhe gelassen. Die Sache war wohl damit gegessen. Wenn sie sich danach wiedergesehen haben, hat er sich nicht weiter an ihn herangemacht. Das Ganze wird sich mit Claas‘ Abfuhr erledigt haben.“ Sami runzelte die Stirn. „Man kann Menschen nicht hinter die Stirn gucken. Erinnerst du dich an den Namen?“ Michael dachte kurz nach, zuckte dann aber resigniert mit den Schultern. „Claas ist ein attraktiver, intelligenter Mann. Wäre ich Single, hätte ich auch mein Glück bei ihm versucht. Habe ich damals ja genauso gemacht, nur dass ich Glück hatte und er noch nicht vergeben war. Ich würde da nicht zu viel reininterpretieren.“ „Und trotzdem hat er dir davon erzählt. Das Ganze muss ihm also nachgegangen sein, sonst hätte er sich doch gar keine Gedanken mehr darum gemacht. Dir fällt der Name wirklich nicht mehr ein?“

Michael grub in versteckten Erinnerungen. „Irgendwas Nordisches… Nils… oder Sven? Nein, jetzt hab ich’s wieder. Finn. Nachnamen weiß ich wirklich nicht. Arbeitet in der Rechtsmedizin in Hamburg.“ „Na das ist doch schon mal was.“ Sami tippte die Schlagwörter in eine Suchmaschine am Handy ein und wurde fündig. „Dr. Finn Hansen. Norddeutscher geht es wohl kaum. Könnte er das sein?“ Er streckte Michael ein Foto hin. Ihn lächelte ein Mittvierziger an, der zugegebenermaßen wirklich gut aussah. In seinem weißen Kittel, gebräunter Haut und strohblondem Haar machte er eine gute Figur. Weiße Zähne strahlten und blaue Augen blitzten. Der Inbegriff eines gutaussehenden Hanseaten. „Könnte passen. Claas hat nur erwähnt, dass er ziemlich nordisch aussieht. Und recht attraktiv ist. Dass er so attraktiv ist, hat er allerdings verschwiegen.“

„Ich ruf da jetzt an“, sagte Sami bestimmt. „Hast du mal auf die Uhr geguckt? Um die Uhrzeit ist da doch keiner mehr.“ „Irgendeinen Pförtner werde ich schon erwischen. Und die wissen immer über alles Bescheid.“ Er tippte die Nummer an, die auf der Homepage angegeben war und begann kurz darauf zu sprechen. Das Telefonat dauerte nicht lang. „Dr. Hansen ist im Urlaub. Seit vorgestern. Ich hatte Recht mit den allwissenden Pförtnern.“ Einerseits war er stolz auf sein Ermittlungsergebnis, andererseits verstärkte es aber sein mulmiges Gefühl, das er bei der ganzen Sache hatte. Auch Michael legte die Stirn in Falten. „Er kann nichts vom Junggesellenabschied gewusst haben. Claas hat ihn meines Wissens nicht auf seiner Liste an Wunschkandidaten gehabt, die kenne ich alle. Und warum sollte er ihn auch dabeihaben wollen? Sie sind ja nicht miteinander befreundet, nur flüchtige Bekannte. Glaubst du wirklich, dass dieser Finn mir das Foto geschickt hat?“ Sami sah ihn ratlos an und zuckte mit den Schultern. „Ich habe absolut keine Ahnung. Aber wir haben sonst keinen Anhaltspunkt. Und es könnte durchaus passen…“ Erneut betrachteten sie das Foto, untersuchten, ob es irgendwelche Auffälligkeiten im Raum gab oder der Ausblick aus einem Fenster irgendwelche Rückschlüsse auf Claas‘ Aufenthaltsort geben würde. Aber nichts gab ihnen auch nur den leisesten Hinweis darauf, wo er gerade stecken könnte. Zwar wusste der Oberkommissar, dass die beiden Handys ausgeschaltet waren, dennoch tippte er jeweils eine Nachricht an jedes Gerät und schickte sie ab. Wie erwartet erschien nur ein Häkchen. Sie hängten also irgendwo im Nirgendwo und kamen nicht an.  

Michael seufzte frustriert auf. „Mittlerweile wäre es mir lieber, ich würde wirklich an den Mist glauben, der da steht. Dann könnte ich einfach nur sauer auf Claas sein und meine Wut an irgendetwas auslassen. Aber so… Ich hab schon wieder so eine Scheißangst um ihn.“, gab er ungewohnt offen zu. Sami verstand ihn gut. Er war ebenso hilflos wie sein Freund und Kollege. Aber momentan sah es so aus, als müssten sie abwarten und einfach nur hoffen, dass es Claas gut ginge.
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