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Noch einmal tanzen

von Schrotti
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Florian David Fitz OC (Own Character)
26.02.2022
24.11.2022
53
80.495
5
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
24.11.2022 1.536
 
Der restliche Tag verging schneller, als ich erwartet hatte. Zurück im Hotel gönnten Bella, Sara und ich uns eine Massage, danach machten wir es uns auf Bellas Balkon gemütlich, wo wir uns ein leichtes Mittagessen gönnen wollten.
Als es klopfte und ein Kellner einen Wagen mit verschiedenen Köstlichkeiten ins Zimmer schob, verspürte ich auf einmal ein unangenehmes Kribbeln im Magen. Es wurde noch stärker, als der Kellner auf eine Pappschachtel zeigte.
„Das wurde für sie abgegeben.“, lächelte er. „Aus Stella Maris.“
Bella klatschte begeistert in die Hände und nahm die Schachtel vom Wagen, während der Kellner das Zimmer schon wieder verließ. Sie reichte sie mir.
Sara grinste mich breit an.
„Mach auf!“, forderte sie mich auf. „Sieh nach, ob der Blumenkranz gut geworden ist.“
Ich schüttelte den Kopf. Mittlerweile hatte sich das Kribbeln zu Krämpfen entwickelt.
„Ich kann nicht.“, sagte ich leise kopfschüttelnd.
Meine beiden Freundinnen sahen mich besorgt an.
„Was ist los?“, fragte Bella.
„Ich weiß nicht, mir ist schlecht, ich muss mich setzen.“
taumelnd wankte ich zum Bett und ließ mich eilig darauf fallen.
Bella und Sara warfen sich Blicke zu, dann sahen sie mich wieder an.
„Ist das die Aufregung? Kommt sie jetzt doch?“, fragte Sara und hockte sich neben mich.
Vorsichtig legte sie eine Hand auf mein Bein, während Bella mir ein Glas Wasser brachte.
„Trink mal was.“, forderte sie mich entschieden auf. „Du hast bestimmt nicht genug getrunken heute.“
Ich nahm da Glas, musste es aber sofort wieder zurück geben, so sehr zitterten meine Hände.
„Ich kann Flo nicht heiraten.“, sprach ich dann das aus, was ich seit dem ersten Kribbeln im Magen auf einmal mit absoluter Gewissheit wusste.
Beide Frauen sahen mich entgeistert an, dann stand Sara entschlossen auf.
„Das ist nur die Aufregung.“, sagte sie. „Komm, wir gehen raus an die frische Luft, du isst was, und dann geht’s dir gleich wieder besser.“
Aber Bella erkannte, dass das nicht die Lösung des Problems war. Sie setzte sich neben mich.
„Warum denkst du, dass du ihn nicht heiraten kannst?“, fragte sie ruhig.
Ich sah sie verzweifelt an. Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich fast, aber ich konnte keinen davon richtig fassen.
Ich atmete tief ein und aus.
„Ich weiß es nicht. Es ist so ein Gefühl.“
„Was denn für ein Gefühl?“, fragte Sara. „Das ist die Hochzeitspanik, das kennt jede Braut.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Das ist keine Hochzeitspanik.“
„Ja was denn sonst? Heute morgen warst du noch ganz happy und aufgeregt. Sogar vor fünf Minuten warst du noch happy und aufgeregt. Das ist genau das, was viele Frauen haben, kurz bevor sie heiraten. Männer übrigens auch. Das ist total normal. Flo sitzt vielleicht auch gerade auf seinem Bett und wird von Simon und Elyas beruhigt.“
Wieder schüttelte ich den Kopf.
„Mir ist schlecht.“
Ich hatte es noch nicht ganz ausgesprochen, als ich schon aufspringen und ins Bad rennen musste. Eine Sekunde später und ich hätte es nicht mehr bis zur Toilettenschüssel geschafft.
Nachdem ich mich erbrochen hatte, rappelte ich mich mühsam hoch, spülte mir den Mund aus und wusch mein Gesicht. Dann betrachtete ich mich im Spiegel.
Es war nicht mehr das Gesicht, dass mir vor 20 Jahren entgegen geblickt hatte. Natürlich nicht.
Das Gesicht damals hatte so viele Hoffnungen und Träume und Wünsche gehabt, die sich fast alle um Flo gedreht hatten.
Was war seither alles passiert. Kein einziger dieser Träume hatte sich erfüllt. Wir hatten es immer wieder geschafft, sie zu zerstören. Wieso sollte es diesmal anders werden?
Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen, dann öffnete ich sie wieder und ging zurück ins Zimmer, wo Bella und Sara mir nervös entgegen blickten.
„Ich glaube auch, dass es die Nerven sind Paula.“, sagte Bella vorsichtig.
„Das, oder du bist schwanger.“, bemerkte Sara trocken.
„Nein.“, meinte ich leise während ich mich wieder aufs Bett setzte.
„Was nein?“
„Ich kann ihn nicht heiraten.“, wiederholte ich. „Es geht einfach nicht.“
„Und warum nicht?“
Bella sah mich fragend an, während Sara nach Luft schnappte und anscheinend jetzt erst kapiert hatte, dass ich es wirklich ernst meinte.
„Es ist Flo.“, sagte ich und dachte, das würde alles erklären. Anscheinend tat es das aber nicht.
„Ja eben. Du und Flo. Paula und Flo. Ihr gehärt zusammen, das weiß jeder. Und du weißt es auch.“
„Wenn wir wirklich zusammen gehören würden, dann wären wir doch schon viel früher zusammen geblieben. Wir haben 20 Jahre verstreichen lassen. 20 Jahre! Wieso sollte es denn jetzt gut gehen, wenn es all die anderen Male nicht funktioniert hat?“
Ich merkte selber, wie mich eine Art Panik überkam. Sie bahnte sich einen Weg durch meinen Magen und stieg in Wellen hoch bis in meine Kehle. Am liebsten hätte ich geschrien. Oder geheult. Oder beides.
Sara sah mich fragend an.
„Ich habe keine Ahnung, was los ist Paula. Kannst du uns mal mit deine Gedanken nehmen? Ich verstehe nämlich kein Wort.“
Es wird wieder scheitern.“, sagte ich und sah meine Freundin an. „Das ist doch Unsinn!“, entfuhr es ihr eine Spur zu laut. „Wie kommst du denn darauf?“
„Du warst doch dabei. Es scheitert immer!“
„Das waren doch ganz andere Umstände. Okay, es ist das ein oder andere Mal schief gegangen. Aber das ist Jahre her. Ihr seid jetzt beide viel reifer, viel erfahrener. Ihr kennt euch in und auswendig. Und vor allem ihr liebt euch. Ehrlich Paula, was du jetzt sagst, ist Unsinn! Ich kenne kein Paar, dass sich so liebt wie ihr. Ich war sogar immer ein bisschen neidisch auf euch. Solche großen Gefühle kenne ich nicht, habe ich nie erlebt. Klar war ich auch in Dixie verliebt, aber sowas wie ihr hatten wir nie. Bei euch war das alles so viel tiefer und intensiver.“
„Vielleicht ist das genau das Problem?“, fragte ich leise, nicht fähig, Saras Worte richtig aufzunehmen. „Wir sind dabei, eine Familie zu werden. Luca liebt Flo schon jetzt innig. Conrad wird sich an unser Familienleben gewöhnen. Wenn wir uns dann wieder trennen, leiden nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder.“
„Aber ihr werdet euch nicht trennen.“, sagte nun Bella. „Warum auch? Sara hat recht. Ihr liebt euch. Ihr habt aus euren Fehlern gelernt. Seit ihr wieder zusammen seid, gab es keine Krisen mehr, keine großen Streits, kein Drama. Ihr lebt die perfekte Beziehung die sich jeder wünscht.“
„Ja eben! Das kann doch nicht gut gehen!“
„Natürlich kann es das, und das wird es auch!“, beharrte Bella. „Du hast Panik, kein Wunder. Hätte ich an deiner Stelle bestimmt auch. Ihr hattet wirklich ausgesprochen viele Höhen und Tiefen. Sehr tiefe Tiefen. Kein Wunder, dass dich das schreckt. Aber das ist alles vorbei. Ihr habt eure Zukunft vor euch! Zusammen. Als Paar und als Familie.“
Ich hätte ihnen so gerne geglaubt, aber alles in mir schrie danach, weg zu laufen. Zum Flughafen zu fahren, den ersten Flug hier weg zu nehmen und nach Hause zu fliegen. Oder irgendwo hin. Nur weg von diesem Druck und der Enge in meiner Brust.
„Ich muss raus.“,  presste ich mühsam hervor.
„Sag ich ja.“, meinte Sara sofort. „Lass uns raus gehen, auf den Balkon. Was essen, was trinken, dann sieht die Welt gleich...“
Ich sprang auf und unterbrach sie.
„Nein, ich muss richtig raus. Gebt mir ein bisschen, ich muss nachdenken.“
Ohne ihre Antwort abzuwarten, rannte ich fast zur Tür und verließ das Zimmer und kurz darauf das Hotel.
Erst als ich mit meinen nackten Füßen den Strand berührte und  das warme Meerwasser meine Knöchel umspülte, verlangsamte ich meinen Schritt.
Das Wasser beruhigte mich, so langsam konnte ich meine Gedanken wieder sortieren und fassen. Aber das, was ich da sortierte, gefiel mir nicht. Mit jedem neuen Gedanken wurde nur noch deutlicher, dass ich Flo, die Liebe meines Lebens, der einzige Mann mit dem ich zusammen sein wollte und konnte, nicht heiraten konnte.
Was sollte ich nur tun? Wie könnte ich ihm das nur begreiflich machen, ohne ihn zu verletzen? Er würde das niemals verstehen, ich verstand es ja selber kaum.
Ich musste mit ihm reden. Ich wollte ihn sehen und ihm erklären, dass wir nicht heiraten konnten.
Alleine der Gedanke an dieses Gespräch schnürte mir schon wieder die Kehle zu. Wenn er es nicht verstehen würde, wäre es vorbei mit uns. Und wieso sollte er es auch verstehen?
Nach allem was er für mich getan hatte. Diese Reise organisiert , unsere Freunde eingeflogen und vor allem dafür gesorgt hatte, dass unsere Kinder an dem eigentlich wichtigsten Tag unseres Lebens bei uns sein konnten.
Ich verstand es ja nicht mal selber.
Ganz langsam machte ich mich auf den Weg zu ihm. Es konnte gut sein, dass ich in wenigen Minuten erneut die Liebe meines Leben verlieren würde, und dieser Gedanke ängstigte mich zu Tode. Ich konnte nicht noch einmal durch das tiefe Tal gehen, durch das ich nach unseren Trennungen hatte gehen müssen. Aber ich konnte ihn auch nicht heiraten, egal wie oft er behauptete, dass wir uns nicht mehr trennen würden. Die Angst davor war einfach zu groß.
Mit heftig klopfendem Herzen stand ich nach wenigen Minuten vor der Tür, hinter der Florian sich vermutlich gerade auf die Hochzeit freute.
Ich betete inständig, dass er mich trotz der Entscheidung, die ich getroffen hatte, nicht verlassen würde.
Ich atmete noch einmal tief durch, dann klopfte ich an.
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