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The Business ► Light a Fire

von Bettyna
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
25.02.2022
25.09.2022
62
217.272
16
Alle Kapitel
83 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.09.2022 3.852
 
Chapter 61 ► Miami, Magic City


Zwei Wochen später war es dann soweit.

Liv und Mister Duncan trafen sich normal im Büro, doch der Tag begann nicht so wie gewöhnlich. Es gab keine normale Besprechung, denn viel Zeit hatten sie nicht. Sie sammelten Unterlagen ein, überprüften letzte Details und die Flugverbindung. Weil alles planmäßig angekündigt war, schlossen sie alles ordnungsgemäß ab und fuhren dann eine Stunde später gemeinsam in die Tiefgarage.

Liv hatte einen großen und einen kleinen Koffer dabei. Es war ihr fast peinlich, so viel Gepäck für drei Übernachtungen dabei zu haben, anders als bei ihrem Urlaub, der sogar einen Tag länger gedauert hatte. Doch für den Aufenthalt am Strand hatte sie nichts weiter als ein paar Bikinis, T-Shirts und kurze Hosen, zwei Paar Sandalen und Badeschlappen, ein Strandtuch und ihre täglichen Gebrauchsartikel dabei gehabt. Diesmal war sie jedoch geschäftlich unterwegs und hatte für jeden Tag ein anderes Outfit eingepackt plus Wechselkleidung, falls sie sich mal irgendwann bekleckerte. Auch ihre Abendgarderobe war im Koffer verstaut, welche sie im Hotel frisch aufbügeln lassen würde. Dann hatte sie auch noch mehrere Paar Schuhe dabei und zwei zusätzliche Handtaschen. Und natürlich kam das ganze andere übliche Zeug noch mit obendrauf.

Mister Duncans Gepäck bestand aus einem mittelgroßen Koffer, dazu jedoch drei Kleidersäcken, die wahrscheinlich seine Anzüge und Hemden enthielten. Dass er sich als Mann auch so eine ausufernde Garderobe mitnahm, sagte viel über das Meeting und dessen Wichtigkeit aus. Er hatte seine Aussagen über das hohe Niveau der Veranstaltung also nicht leichtfertig getätigt. Sie verstauten das Gepäck in seinem privaten Wagen, denn er würde Liv mit zum Flughafen nehmen. Die Brünette sah das Auto zum ersten Mal aus der Nähe und atmete beinahe ehrfürchtig ein. Es war kein klassischer Sportwagen, sondern ein dunkelgraues, niedriges, gestrecktes Coupé mit langen, eleganten Linien und weichen Übergängen. Die Front hatte den für die Marke typischen, markanten Kühlergrill und schmale Scheinwerfer, welche wie raubtierartige Augen wirkten. Die großen Felgen wirkten fast filigran. Nichts erschien hart an diesem Fahrzeug, es wirkte fast… sinnlich und geheimnisvoll, so, wie dessen Besitzer, der sie beobachtete, wie sie wiederum seinen Wagen musterte. Dezent wandte sie sich ab, um einzusteigen und dem eh schon aufwühlenden Gefühl zu entgehen, dass sie ergriffen hatte, als er ihr angeboten hatte, mit ihm zu fahren.

Innen wartete wenig verwunderlich eine Ausstattung vom Feinsten auf sie. Tatsächlich hatte sie noch nie in so einer Nobelkarosse gesessen. Ein edles Armaturenbrett aus dunklen modernen Materialien, ausschließlich digitale Anzeigen, harte und doch bequeme Sportsitze. Sie war froh, einen Hosenanzug zu tragen, denn mit einem Rock in dieses Auto einzusteigen, würde eine echte Herausforderung sein. Die Scheiben waren getönt und sie fühlte sich drinnen sehr sicher. Mister Duncan stieg nur Sekunden später auf der Fahrerseite ein.

"Haben Sie alles, Liv?", fragte er, obwohl sie das alles schon geklärt hatten. Sie bestätigte es trotzdem und schon erklang das tiefe Schnurren des Motors. Geschmeidig lenkte Mister Duncan den Wagen nach draußen. Das Stück durch die Innenstadt kamen sie nur langsam voran, doch nach der Auffahrt auf die Interstate Richtung Süden konnte er richtig Gas geben und zeigen, was das Auto drauf hatte – natürlich nur bis zum zulässigen Tempolimit. Die Geschwindigkeit war jedoch kaum zu merken. Liv ertappte sich, wie sie mit ihrer Hand über die Innenseite der Tür strich und auch Mister Duncan schien dies nicht zu entgehen.

"Es ist ein gepanzerter Wagen. Nach dem Unfall habe ich mich entschieden, vorsichtshalber so einen anzuschaffen", erklärte er von sich aus, was Liv dazu brachte, ihn anzusehen. Er schaute konzentriert auf die Straße, schien aber trotzdem alles andere auch im Blick zu haben.

"Haben die polizeilichen Ermittlungen eigentlich noch irgendetwas ergeben?", wollte sie wissen, da er es schon von selbst ansprach. Natürlich hatte sie das schon längst brennend interessiert, doch es hatte sich einfach keine Möglichkeit ergeben, zu fragen. Sie bemerkte, dass sich seine Hände fester um das Lenkrad schlossen.

"Nein, nicht wirklich. Der Unfallverursacher ist weiterhin verschollen", antwortete er knapp, doch wenn das so war, dann gab es dazu auch nicht mehr viel zu sagen.

"Vielleicht wurde er bei dem Manöver auch verletzt. Er konnte dann natürlich nicht in ein Krankenhaus fahren, weil das sicherlich einen Verdacht auf ihn gelenkt hätte und deshalb ist er untergetaucht", spekulierte sie und sah Mister Duncan nachdenklich nicken. Den Rest der Fahrt verbrachten sie in Schweigen, doch das war nicht unangenehm. Es dauerte auch nicht lange, bis sie beim Flughafen ankamen. Der CEO hatte für sich einen exklusiven Parkplatz in einem bewachten Bereich reserviert, der auch vom Terminal nicht weit entfernt war.  

Sie waren mit gutem Vorsprung da. Mister Duncan rief Matt an, um zu fragen, wo er blieb und dieser sagte, dass sie gerade erst aus der Firma losgefahren waren. Deshalb setzten sich Liv und der Dunkelhaarige noch in ein Café, um etwas zu trinken. Liv war über den natürlichen Umgang mit ihrem Chef überrascht. Im Büro waren sie schon eingespielt, doch außerhalb davon hatten sie sich erst wenige Male getroffen und das war immer ein bisschen… steif gewesen. Nun jedoch war es anders und das war für sie nicht selbstverständlich.

Liv zeigte ihm eine E-Mail von der Organisation des bevorstehenden Meetings. Sie warnten davor, dass es einen Auflauf von Journalisten geben würde, die nicht nur fachliches Interesse hatten, sondern auch die Klatschpresse bedienten. Zu den erwarteten Rednern gehörten ein paar CEOs von berühmten Firmen, die es durchaus durch ihr ausschweifendes Leben in die Schlagzeilen der Regenbogenblätter geschafft hatten. Doch Mister Duncan winkte schlicht ab. Soweit Liv wusste, war die Öffentlichkeit noch nicht groß auf ihn aufmerksam geworden. Über Suchmaschinen fand man im Internet nur zwei, drei Bilder von ihm, darunter das offizielle Foto von der Firmenwebseite.

"Das stellt also kein Problem dar. Wenn wir erst im Hotel sind, werden dort keine Reporter Zutritt erhalten. Das Interesse wird auch schnell wieder nachlassen und die Presse wird sich trollen. Falls Sie sich also unbemerkt die Stadt ansehen wollen, können Sie das tun, aber ich weiß nicht, ob es Zeit dafür geben wird", kommentierte er mit einem amüsierten Blick. Liv fühlte sich ertappt und zog die Schultern ein wenig hoch.

"Tatsächlich würde ich mich gerne ein wenig umsehen, wenn ich schon mal dort bin, aber Sie haben Recht, das wird schwierig bei den vielen offiziellen Terminen", gab sie ernüchtert zu. Sie hatte in den letzten Tagen immer mal wieder im Internet nach den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Miami gesucht und sich eine Liste zusammengestellt, welche sie wahrscheinlich wieder vergessen konnte. Schließlich bezahlte Mister Duncan die Rechnung und sie gingen in Richtung der Check-In Schalter, wo sie letztendlich auch auf den Rest der Gruppe trafen.  

Sie begrüßten sich und gaben dann ihre Koffer auf. Weil sie schon im Vorfeld online eingecheckt hatten, mussten sie nur noch durch die Sicherheitskontrolle, was jedoch auch nicht allzu lange dauerte. Während sie auf das Boarding warteten, schien jeder seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Mister Duncan und Matt unterhielten sich hin und wieder, Nathan brütete über seinem Tablet und die andere Frau, welche wahrscheinlich die Älteste in der Runde war, hörte Musik oder einen Podcast über Kopfhörer.  

Liv ging noch am Boden zur Toilette. Sie war schon ein paar Mal geflogen, doch sie war nicht so abgebrüht, dass sie keine leichte Aufregung verspürte. Doch vielleicht war das auch der Gesamtsituation geschuldet. Bisher hatte sie sich gut abgelenkt gefühlt, der geschäftige Morgen, die Fahrt mit Mister Duncan und der kurze Austausch mit ihm. Überhaupt war dies nicht die erste Dienstreise nach dem ziemlich desaströsen Trip nach Hartford. In der Zwischenzeit hatte es immer mal wieder kurze Auswärtstermine mit höchstens einer Übernachtung gegeben, bei denen sie sich nach dem 'offiziellen' Teil aber aus dem Weg gegangen waren. Das alles war im Frühjahr gewesen, den Sommer über hatte es wegen der Ferienzeit tatsächlich gar keine Geschäftsreisen gegeben. Nun hatte sich die Situation zwischen ihnen jedoch deutlich gebessert und Liv war mehr als nur ein bisschen nervös, was die Tage bringen würden, vor allem, wenn sie daran dachte, was sich alles in ihren Koffern befand…

Sie schaute sich im Spiegel an, ob ihre Haare noch in Ordnung waren und zog den taillierten grauen Blazer zurecht, den sie trug. Auch ihre hochgeschlossene hellblaue Bluse mit der Schleife am Kragen saß noch gut und war nicht zerknittert, da zahlte sich die Qualität aus. Als sie wieder zu den anderen stieß, musste wohl gerade ihr Flug aufgerufen worden sein, denn es standen alle auf.  

"Gerade rechtzeitig, Liv, sonst hätte ich Farah schicken müssen, um Sie zu holen", scherzte Matt, als ob es nicht noch jede Menge Zeit gegeben hätte. Gemeint war ihre fünfte Mitreisende.

"Da hätte sie sich bestimmt bedankt. Wollen Sie damit etwa implizieren, dass ich zu lange gebraucht habe?", gab sie gespielt entrüstet zurück.

"Nein, natürlich nicht, aber Sie sind schon sehr schick angezogen, das muss man Ihnen lassen – im Gegensatz zu einer anderen Person von früher…", erwiderte er. Was sollte das denn? Wollte er ihr einfach nur so ein Kompliment machen? Matt war seit sie ihn kennengelernt hatte, ein sehr aufmerksamer Mann gewesen. Vielleicht war das für ihn selbstverständlich, oder aber…

"Sie spielen doch nicht etwa an auf…", meinte sie mit verschwörerisch gesenkter Stimme. In Matts Augen blitzte es. Es schien, als verstünden sie einander auch ohne viele Worte.

"Ja, genau. Wir waren einmal zu Dritt auf einem Kongress und es war so peinlich. Jeder hat getuschelt. Sie hatte keine Ahnung gehabt, wie man sich passend kleidete, oder sie hat es absichtlich nicht gemacht. Die knappen Kleidchen waren definitiv nicht das richtige Outfit für eine geschäftliche Veranstaltung gewesen", plauderte er aus dem Nähkästchen und ebenso leisem Ton, damit Mister Duncan es nicht hörte. Die Rede war natürlich von Katie. Liv schluckte. Würden sich ein paar Leute daran erinnern und sich nun wundern, dass er eine neue Assistentin hatte? Ihre Augen huschten zu dem CEO, der in seinem tadellosen anthrazitfarbenen Outfit aussah, wie aus einem Modemagazin entsprungen.

"Oh je…", wusste Liv nur zu sagen, weil sie sich gerade nicht auf das Gespräch UND Mister Duncan konzentrieren konnte.

"Keine Sorge, sie Beide passen wunderbar zusammen, da gibt es sicherlich schnell ein neues Gesprächsthema. Oh, ich glaube, wir können einsteigen. Sie sind doch auch Priority Group Zwei, oder?", fragte er und obwohl Liv das auswendig wusste, holte sie aus ihrer Handtasche ihre Boardkarte, damit sie den Blick abwenden konnte. Sie biss sich ärgerlich auf die Unterlippe. Jetzt fing auch Matt noch damit an! Mit einem "Wir sehen uns dann in Miami!"-Gruß zu Farah und Nathan, welche erst in dem nächsten Schub mit dem Einstieg beginnen konnten, gingen die anderen Drei zum Gate, wo sie an der Schranke ihr Flugticket scannten und dann die Gangway zum Flugzeug passierten.

Geflogen war Liv also schon ein paar Mal, doch nie etwas anderes als Economy. Das Platzangebot in der Business Class war beeindruckend. Breite Sitze mit bequemen Armlehnen, viel Beinfreiheit und zusätzlichen Abstellflächen und einem Bildschirm vor jedem Platz. Alles schön designt und mit viel Stil. Man fühlte sich mehr wie in einem riesigen Wohnzimmer, als in einem Flieger. Mister Duncan wies ihr den Fensterplatz zu, auch wenn sie nicht wusste, ob das auch wirklich ihrer Reservierung entsprach, weil sie die Platznummern nirgends erspähen konnte. Sie nahm es jedoch gerne an.

Über den Monitor flimmerten verschiedene Daten. Die Flugzeit betrug zwei Stunden und fünfundvierzig Minuten. Das Wetter und die Windströmungen waren günstig. In Miami herrschten immer noch sommerliche Temperaturen, es war fast zehn Grad wärmer als in Philadelphia. Viele leichte Sachen hatte Liv nicht dabei, doch weil sie das Hotel wohl eh nicht verlassen würde, war das wenig problematisch. Kaum hatten sie sich gesetzt, da holte Mister Duncan seinen Laptop heraus und begann zu arbeiten. Ob er wohl noch an seiner Präsentation feilte? Auch diesmal hatte Liv wieder viel vorbereitet und Vorschläge gemacht, der CEO hatte seine Folien eingefügt und dann hatten sie sich sogar zusammengesetzt, um es gemeinsam zu bearbeiten. Sie hatte Diagramme, Grafiken und Tabellen genau nach seine Vorstellungen erstellt und auch zwei oder drei Mal ihre eigenen Ideen eingebracht. Sie kannte seinen Vortrag also schon ziemlich gut und war der Meinung, dass er damit einen exzellenten Einblick in das Portfolio von 'Duncan Technologies' geben und die Stärken der Firma perfekt beleuchten würde, ohne zu viel zu verraten.

Dann ging es auch schon los. Die Maschine rollte auf die Startbahn, die Flugbegleiter führten die obligatorischen Sicherheitsanweisungen durch. Dann standen sie in Startposition. Der Schub der Triebwerke drückte Liv in ihren Sitz und bescherte ihr beim Abheben nur ganz kurz einen flauen Magen, bevor das tolle Gefühl des Fliegens einsetzte. Sie konnte sich kaum vom Fenster losreißen, denn die Aussicht von oben auf die immer kleiner werdenden Städte und Landschaften war faszinierend. Alibimäßig checkte sie ab und zu auf ihrem Tablet ihre Mails, aber es war nichts dabei, was sie lange beschäftigte, weshalb sie immer wieder nach draußen linste.  

Sie bekamen Getränke und einen kleinen Snack serviert und die Zeit flog so schnell dahin wie die Maschine, sodass es bald auch wieder zur Landung überging. Der Flugkapitän gab noch ein paar Informationen durch und dann setzten sie auch schon wieder auf. Wie Liv schon vermutet hatte, war das Wetter schwül-warm, was man schon auf dem Flughafen trotz Klimatisierung merken konnte.

Die Organisation des Symposiums hatte ihnen einen Shuttlebus bereitgestellt, welcher sie dann nahtlos zum Veranstaltungsort brachte, nachdem sie ihre Koffer von der Gepäckausgabe abgeholt hatten. Tatsächlich waren mit dem gleichen Flieger noch zwei weitere Personen einer anderen Firma angekommen, mit denen sie bisher jedoch keine Berührungspunkte gehabt hatten. Nach einer Viertelstunde waren sie am Hotel angelangt und beim Aussteigen blieb Liv tatsächlich die Luft weg – und das nicht wegen der ungewohnten Hitze.

Das Fünf-Sterne Hotel hatte einen wunderschönen Außenbereich mit Palmen, einer kleinen Parkanlage und Wasserspielen. Auch die Lobby war bis in die letzte Ecke absolut edel und modern, mit viel Glas, Marmorböden und raffinierten Lichtinstallationen. Es tummelten sich bereits sehr viele Leute dort und man hörte von überall Grüße durch die Halle schallen. Sie gingen zur Rezeption, wo es eine kleine Schlange gab, da viele Personen auf einen Schlag einchecken wollten. Während sie anstanden, blickte Liv sich um und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

"Wow, Rachel würde sicherlich alles geben, jetzt auch hier zu sein. Ich traue mich gar nicht, ihr Fotos zu schicken", sagte sie zu Nathan, neben dem sie gerade stand. Er nickte.

"Ja, schon als sie das Hotel recherchiert hat, war sie total neidisch", antwortete er und klang etwas genervt. Anscheinend hatte seine Freundin ihm da ziemlich penetrant in den Ohren gelegen. Nach ein paar Minuten kamen sie auch dran und bekamen ihre Zimmerschlüssel. Sie waren tatsächlich ein bisschen im ganzen Haus verteilt, nur Liv und Mister Duncan hatten ihre Unterkünfte auf der gleichen Etage. Deshalb sprachen sie sich ab, dass sie sich zum Veranstaltungsbeginn wieder im Konferenzraum treffen würden und schwärmten dann aus.

Die Zimmer von Liv und Mister Duncan lagen sich am Gang genau gegenüber. Nachdem die Brünette die Tür geöffnet hatte, kam sie von einem Staunen ins nächste. Nicht umsonst war dies ein Fünf-Sterne Hotel, denn das Zimmer war wirklich groß und absolut geschmackvoll eingerichtet: Zeitlos schöne Designermöbel, helle Farben, perfekte Sauberkeit. Bevor sie irgendetwas durcheinander brachte, machte sie Bilder von der Einrichtung und auch von dem atemberaubenden Ausblick, denn man sah bis ans Meer und auf die Miami vorgelagerten Inseln. Danach hatte sie fast zwei Stunden Zeit, ihre Koffer auszupacken, damit ihre Sachen nicht allzu sehr verknitterten. Dabei überprüfte sie auch gleich, was alles außer ihrem Kleid noch eine Auffrischung brauchte, doch es gab sonst nichts, weil alles andere die Reise gut überstanden hatte. Sie machte sich noch ein wenig frisch und schaute dann auf den Plan, was heute alles noch anstand. Es gab eine offizielle Begrüßung aller Teilnehmer mit Stehempfang und einem Fingerfood Buffet. Außerdem gab es zwei allgemeine Vorträge über die Entwicklungen in der Branche von verschiedenen Blickwinkeln aus – also alles eher locker.  

Nur mit ihrer Handtasche bewaffnet, in die ihr Tablet trotzdem gut hinein passte, machte sie sich auf den Weg. Unterwegs traf sie im Aufzug andere Teilnehmer des Meetings und es wurde darüber geplaudert, ob man eine gute Anreise gehabt hatte. Unten am Eingang des Saales angekommen, gab es einen langen Tisch, an dem Liv sich registrieren konnte und wo sie auch ein Namensschild bekam, welches ihre Zugehörigkeit auswies: "Liv Gwenn, Duncan Technologies, CEO Personal Assistant", stand darauf. Sie klemmte es sich an ihr Revers.  

Hier jemanden zu finden, war nicht einfach. Liv ging langsam durch die Masse von Leuten, spähte hier und da auf die anderen Namensschilder und las sogar ein paar ihr bekannte Namen, sprach aber niemanden an, weil sie sich erst mit ihren Begleitern treffen wollte. Beim Umsehen entdeckte sie eine Bühne am seitlichen Ende des großen Raumes und überall verteilte Stehtische und auch ein paar Sitzgelegenheiten. Weil sich der Saal im Erdgeschoss befand, war die Außenwand komplett verglast und man gelangte von dort zu einer großzügigen überdachten Terrasse, welche auch gut bevölkert war. Plötzlich fasste jemand sie von hinten am Ellenbogen.

"Lassen Sie uns nach draußen gehen", sagte Mister Duncan neben ihr und dirigierte sie durch den Raum. So ohne Vorwarnung an sie heranzutreten, hatte Livs Puls hochschnellen lassen. Doch es wandelte sich in ein gutes Gefühl, ihm so nahe zu sein, weshalb sie sich einfach führen ließ. Im Außenbereich trafen sie tatsächlich auf Matt und die Anderen. Anscheinend hatten er und Mister Duncan vorhin noch miteinander kommuniziert.

Sie kamen kaum dazu, sich über ihre bisherigen Eindrücke auszutauschen, da traten zwei Personen auf sie zu, welche Liv auch schon persönlich kennengelernt hatte: Mister Collins und Misses Santos von 'Libra Microsystems'. Sie unterhielten sich eine Weile lang sehr nett über verschiedenen Dinge. Mister Collins sagte, dass er sich schon auf Mister Duncans Vortrag freute und wünschte Matts Schützlingen viel Erfolg bei der Posterpräsentation.

Es passierte aber auch das, was Liv schon befürchtet hatte.

"Ah, sieh an, Alec Duncan. Und das ist…? Oh, wie ich sehe ist Ihre persönliche Assistenz neu besetzt."

"Zumindest weiß die Neue, wie man sich anzieht – eigentlich schade. Ob sie trotz dessen auch ähnliche andere Qualitäten hat?" Zwei Männer von einer Firma, welche Liv nur vom Namen her kannte, waren näher gekommen und redeten anzüglich grinsend über sie, als hätte sie keine Ohren. Dies brachte ihre Wangen zum Glühen, jedoch nicht aus Verlegenheit.

"Das ist geschmacklos. Ich wüsste nicht, dass jemand Sie um einen Kommentar gebeten hat", gab sie bissig zurück und wunderte sich selber, dass ihr diese blöden Sprüche so sauer aufstießen, da sie eigentlich nicht viel vom Gerede Anderer hielt. Es ging aber nicht nur um sie. Anscheinend sahen die Männer in ihr einen Ersatz für Katie, doch gleichzeitig schienen sie auch Mister Duncan als nichts anderes als einen unverbesserlichen Schwerenöter zu sehen. Doch nicht nur sie war alles andere als amüsiert. Mister Duncan schob sich mit einem einzigen großen Schritt vor sie.  

"Wagen Sie es nicht noch einmal, meine Assistentin derart zu beleidigen. Verschwinden Sie sofort!", knurrte er beinahe. Um sie herum entstand eine bleischwere Stille, in welcher der Dunkelhaarigen und die Kerle sich gegenseitig abschätzig musterten. Erst, als es wirklich unangenehm wurde, zogen sich die Kerle tatsächlich zurück, wirkten dabei jedoch keineswegs schuldbewusst. Anscheinend waren sich die Männer gegenseitig wirklich nicht besonders wohlgesinnt. Als Mister Duncan sich wieder umdrehte, war sein Blick noch voller Wut.

"Danke, Mister Duncan", sagte Liv leise zu ihm und legte ihm, nach einem nur kurzen Zögern, ihre Hand auf den Unterarm. Schon wieder war da dieses leichte, euphorische Flattern in ihrem Bauch. Dass er sie so verteidigt hatte, rechnete sie ihm sehr hoch an, obwohl es eigentlich nur dummes Gehabe gewesen war, auf das sie keinen Deut zu geben brauchte. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass es sie innerlich traf, dass es soweit kommen musste. Mister Duncan sah sie daraufhin an und sein Ausdruck wurde wieder etwas weicher.  

"Wenn diese Typen wieder etwas von Ihnen wollen, zögern Sie nicht, es mir zu sagen", raunte er ihr eindringlich zu, was sie ihm mit einem Nicken versprach. Sie hoffte zumindest, dass so eine ähnliche Szene nicht noch einmal vorkommen würde, und doch wusste sie auch, dass sie sich in Mister Duncans Nähe sehr sicher fühlen würde. Sich wieder von ihm abzuwenden fiel ihr in diesem Moment ziemlich schwer…

"Ich denke, darauf brauchen wir etwas zu trinken", sagte Matt auflockernd, der sicherlich auch alles mitbekommen hatte und warf ihnen auch einen entsprechend forschenden Blick zu. Eine Bedienung war gerade zu ihnen getreten und hielt ihnen ein Tablett mit verschiedenen Getränken entgegen. Liv schälte sich erst schnell aus ihrem Blazer – dafür war es hier draußen viel zu warm! – und nahm sich dann ein Sektglas. Alle anderen wählten dasselbe, außer Nathan, der sich mit einem Wasser begnügte. "Na dann, auf dass das Symposium ein Erfolg wird", fuhr der stellvertretende Geschäftsführer fort und sie stießen miteinander an. Als Liv dabei wieder Mister Duncan ansah, lag sein Blick schon auf ihr. Er wirkte nachdenklich und seine Laune schien gedrückt. Was wohl durch seinen Kopf ging? Ließ ihn die vorherige Begebenheit nicht los? Sie konnte nicht anders, als leicht zu lächeln, denn sein vorheriges Verhalten, ach was, schon sein Verhalten während des ganzen Tages ließ sie sich in seiner Gegenwart sehr leichtfüßig fühlen. Er schaute wegen ihrer Reaktion erst ein wenig irritiert drein, dann umspielte auch seine Mundwinkel ein Schmunzeln. Vielleicht hätte Liv etwas gesagt, oder er, doch in ihrer Nähe erklang die Stimme eines Mitglieds der Organisatoren, dass sich alle in den Saal begeben sollten, weil die Eröffnungsveranstaltung bald beginnen würde. Sie schlossen sich also den anderen Leuten an und gingen wieder hinein und so nahm der Abend seinen Lauf, mit viel Zuhören, Essen, noch mehr Zuhören, mehr Essen und Trinken, deutlich angenehmeren Gesprächen und endete dann irgendwann dem erschöpften Fall ins Bett nach diesem langen, ereignisreichen Tag.

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Hallo ihr Lieben,

da ist es, das langersehnte Meeting in Miami! :D

Aber von Anfang an: Ich hoffe, man erkennt durch die Beschreibung, was für ein Auto ich meine, zumindest die Marke. Einfach war das jedoch nicht ^^' Ich mag es irgendwie nicht so sehr, die Klarnamen zu verwenden, ich mache hier ja auch keine Werbung. Aber es ist mein Traumauto, das sag ich euch xD

Der Kongress ist wirklich eine Veranstaltung der Superlative, was die Location und die Teilnehmerzahl angeht. Natürlich tummeln sich da ziemlich viele Leute herum, auch welche, die Alec nichts so wohlgesinnt sind. Leider bekommt Liv das sofort zu spüren... Doch Alec lässt das nicht unkommentiert und verteidigt sie vehement. Obwohl die Atmosphäre dadurch einen Dämpfer bekommen hat, war diese Tat für Liv sehr bedeutend... ^-^

Das Meeting zieht sich durch mehrere Kapitel, es wird also noch viel passieren! Ich hoffe ihr bleibt gespannt! ;D Lasst mir gerne Feedback da, wenn ihr möchtet :)

Bis zum nächsten Mal und viele liebe Grüße
Bettyna ❥
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