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Contagious Pt. 2: Afterlife

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Thriller / P18 / MaleSlash
Choi Jongho Jeong Yunho Jung Wooyoung Kang Yeosang Kim Hongjoong Song Mingi
25.02.2022
02.07.2022
12
23.761
1
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23.06.2022 2.923
 
Kapitel X: Mayday

Jung Wooyoung

„Soll das jetzt eine Freak Show werden?“, fragte Yeosang ungeniert nach und kassierte sofort einen mahnenden Blick von Wooyoung.

„Soll ich hier etwa der Freak sein?“, fragte er gereizt nach. Abwehrend hob Yeosang seine Hände und blickte zwischen Wooyoung und Yunho hin und her.

„Da bin ich mir noch nicht sicher.“

„Du hast ernsthaft allen aus deiner Gruppe bescheid gesagt, dass sie vorbeikommen sollen, damit sie sehen, wie du an der Flut von Erinnerungen zusammenklappst und dann wahrscheinlich zum Kotzen ins Klo rennst.“, zischte Yunho und lehnte sich anschließend seufzend gegen die Rückenlehne des Sofas. Sie befanden sich in dem Appartement von Yeosang und Wooyoung. Es war kurz nach Mittag. Im Grunde genommen warteten sie nur noch auf Hongjoong und Mingi. Die beiden wollten es sich auf keinen Fall entgegen lassen, dass (-Zitat von Mingi-) Yunho irgendeinen komischen Voodoo-Zauber an Wooyoung durchführte.

„Jaa. Was soll das? Du hast doch Jongho auch mitgebracht.“, meinte Wooyoung verteidigend und zeigte mit dem Zeigefinger auf den Jüngeren, welcher in einer Hand einen Eimer bereithielt und in der anderen Hand Taschentücher.

„Jongho kommt überall mit. Wir sind wie Pech und Schwefel.“, entgegnete Yunho sofort, woraufhin auch Jongho sich nicht mehr zurückhielt.

„Genau. Yunho ist Schwefel und ich bin Pech. Haha…“

„Was soll das eigentlich mit dem Eimer?“, fragte Yeosang skeptisch und verschränkte seine Arme vor der Brust. Gelassen lehnte er an der Wohnzimmerwand.

„Für den Notfall… Falls Yunho uns hier krepiert.“, meinte Jongho trocken. Fragend sahen die anderen zwei zu dem Ältesten, welcher leise seufzte und sich kurz in die Hände klatschte.

„Eine Erinnerungsblockade zu lösen ist-“

Mit einem leisen Quietschen ging die Wohnungstür auf und zwei weitere Personen traten in das Appartement ein. Hongjoong zerrte Mingi hinter sich her, welcher jammernd und entschuldigend ins Wohnzimmer geschleift wurde.

„Tut mir leid für die Verspätung. Mingi hat das geheime Casino im 13. Stockwerk gefunden und wurde dort von Jisung abgezogen.“, gab Hongjoong zähneknirschend von sich.

„Youngjo hat es mir gezeigt. Er ist schuld.“, versuchte Mingi sich noch zu wehren, doch gegen einen wütenden Hongjoong kam niemand an. Mit einem eiskalten Blick, welcher selbst die Hölle hätte zufrieren können, wurde Mingi in die Ecke des Raumes verbannt. Der Leader selbst lehnte sich neugierig neben Yeosang an die Wand. Kurz herrschte Stille, bis Yunho sicher gehen konnte, dass man ihn nicht noch einmal unterbrechen würde. Also setzte er erneut an, während er sich von seinem Platz erhob: „Eine Erinnerungsblockade zu lösen ist im Grunde einfacher, als sie zu errichten. Zumindest würde ich dabei nicht fast sterben, was damals der Fall gewesen war.“

Leicht schluckte Wooyoung aufgrund dieser Worte. Yunho hatte sich damals in Lebensgefahr gebracht, um die Erinnerungen von San und ihm zu blockieren. Stumm beobachtete er, wie sich der Ältere vor ihn stellte und seine Hände links und rechts an Wooyoung’s Kopf legte.

„Bist du dir immer noch sicher?“, fragte Yunho vorsichtshalber nochmal nach. Selbstsicher nickte Wooyoung ihm zu. Jetzt gab es keinen Rückzug mehr. Yunho holte noch einmal tief Luft und konzentrierte sich. Wooyoung merkte eine seltsame Wärme in seinem Kopf, während seine Sicht vor ihm verschwamm. Etwas panisch packte er die Unterarme des Älteren, doch das brachte ihm nicht mehr viel, als alles um ihn herum plötzlich schwarz wurde. Wild blinzelte er bis unerwarteterweise ein neues Szenario vor seinen Augen erschien.


Flashback

Durch Wooyoung’s Körper ging ein Ruck und er bewegte sich ohne, dass er sich wirklich kontrollieren konnte. Yunho öffnete ihm die Wohnungstür. Ein besorgter Blick lag in seinen Augen, während Wooyoung stumm eintrat und eine schwere Tasche mit sich führte.

„Er ist in seinem Zimmer.“, sagte der Ältere hastig und folgte Wooyoung eilig. Der Jüngere stürmte, ohne zu zögern in den Raum seines Freundes. Kurz blieb sein Herz stehen. Der Anblick schmerzte ihm ungemein in seinem Inneren. San lag schweratmend in seinem Bett. Schweiß rann seine Stirn hinab. Fiebrig wanderten seine Augen ziellos in seinen vier Wänden umher.

„Was war dieses Mal geschehen?“, fragte Wooyoung erstaunlich ruhig nach, während er die Tasche neben dem Bett abstellte und sich selbst davor kniete. Sanft legte er seine rechte Hand auf die nasse Stirn seines Freundes. San fixierte schwach den Jüngeren und lächelte kraftlos.

„Die heutige Dosis hat ihn umgehauen. Die letzten Male hatte er eigentlich alles ziemlich gut weggesteckt, aber Dr. Byun hatte ihn bereits gewarnt, dass sein Körper irgendwann den Punkt erreichen würde, an welchem er es nicht mehr bekämpfen könnte.“, erklärte Yunho hastig, „Mir fiel nichts anderes ein, als dich anzurufen. Schließlich kennst du dich mit Erste-Hilfe-Maßnahmen am besten aus.“

Da hatte Yunho wohl recht, dachte sich Wooyoung und öffnete seine Tasche. Er gab es zwar nicht gerne zu, aber er musste von der Arbeit einige Utensilien mitgehen lassen, sonst hätte er San kein bisschen helfen können. Er konnte ihm den Umstand nur erleichtern. Also holte er ein kleines zerlegtes Gestell heraus, welches er schnell aufbaute und einen Infusionsbeutel mit Kochsalzlösung daran anbrachte. Gekonnt nahm er sich den linken Arm von San und legte die Blutdruckmanschette an. Professionell machte er sich an die Arbeit einen Zugang zulegen. Wooyoung konnte konzentriert und ruhig arbeiten, erst nachdem er fertig wäre, würde der Schrecken auf ihn herunterregnen und ihn lähmen. Aber währenddessen würde er, wie eine geölte Maschine laufen.

Nur im Augenwinkel bekam er mit, wie Yunho sich an der Wand heruntergleiten ließ und hilflos seine Arme um seine Beine schlang. Es musste ihn fertig machen, seinen besten Freund so zusehen.

Es fühlte sich für Wooyoung wie eine Ewigkeit an, bis er endlich die Infusion gelegt hatte und San erschöpft eingeschlafen war. Erst dann wurde Wooyoung’s gesamtes Gemüt zu Boden gerissen. Eine schwere Last lag auf seinen Schultern, als er sich mit seinem Gesäß auf den Teppichboden sinken und seinen Kopf nüchtern hängen ließ. Wooyoung tat sein Herz weh. Egal, wie viele wundervolle und liebevolle Momente die beiden verbanden. Die Momente, in welchen ihn die Angst einholte, überschatteten alles. Es war kräfteraubend. Wooyoung würde es vor San nie laut aussprechen, aber er hatte Angst vor der Zukunft. Diese Furcht fraß sich allmählich durch seinen Kopf, bis hin zu seinem Herzen. Es war alles doch so schwierig.

Leise seufzte Wooyoung, legte seine Hände vor sein Gesicht und schloss die Augen. Das war anstrengend. Kurz fühlte er sich weggetreten, bis er wieder seine Augen öffnete. Alles war schwarz, auch als er seine Hände sinken ließ. Überraschenderweise saß er nicht mehr auf dem Boden, sondern stand gerade auf seinen Füßen. Leicht erzitterte er, als eine kurze Brise ihn umgab. Er befand sich eindeutig nicht mehr in San’s Zimmer, sondern draußen.

Sanft legten sich Hände an seine Oberarme. Vorsichtig wurde er irgendwohin gelenkt.

„Gleich sind wir da. Noch ein paar Schritte.“, erklang San’s Stimme hinter ihm. Wooyoung wurde bewusst, dass sein Freund ihn irgendwohin brachte. Nun merkte er auch, dass er eine Augenbinde trug. War das eine Überraschung? Befand er sich erneut in einer anderen Erinnerung?

Ehe er sich versah, verschwanden die Hände wieder und stattdessen wurde ihm die Augenbinde abgenommen. Kurz war Wooyoung’s Sicht ein wenig verschwommen, bis er dann doch seine Augen in die Ferne richtete. Sprachlos klappte ihm sein Mund auf. Vor ihm bot sich der atemberaubende Blick auf ganz Seoul bei Nacht. Die Lichter strahlten hell in der Dunkelheit.

„Wow…“, hauchte Wooyoung begeistert, „San… Das ist unglaublich.“

„Dann gefällt es dir? Ich war mir zuerst nicht sicher…“, nuschelte der Ältere leicht verunsichert. Wooyoung drehte sich zur linken Seite, wo San etwas nervös dastand. Wooyoung konnte nicht an sich halten und warf sich sofort in die Umarmung seines Freundes. Fest schlang er seine Arme um dessen Nacken.

„Ob’s mir gefällt? Und wie! Das ist so schön! Danke, Sannie~“

Glücklich drückte Wooyoung sein Gesicht in die Halsbeuge des Älteren und genoss die Nähe zu San. Wollig kuschelte er sich an den Älteren, sog dessen Duft ein und ließ sich in die angenehme Wärme fallen. San fühlte sich für ihn wie Nachhause kommen an. Es war das schönste Gefühl auf dieser Welt, den es verband so viel mehr als nur Liebe und Zuneigung. Es war Geborgenheit und Vertrauen.

Wooyoung ließ sich fallen, schloss erneut seine Augen. Auch wenn alles für einige Augenblicke schwarz um ihn herum wurde, so überfluteten ihn wenige Augenblicke später unzählige Erinnerungen, von denen er gedacht hatte, dass sie gar nicht existieren würden. Es war viel. Vielleicht in diesem Moment zu viel, aber Wooyoung hielt durch. Er hielt durch, bis er wieder seine Augen öffnen konnte.

Flashback Ende



Vorsichtig schlug er seine Augen wieder auf und wurde schlagartig vom Licht geblendet. Er merkte nur am Rande, wie Yunho’s Hände von seinem Kopf verschwanden und der Ältere wacklig einige Schritte rückwärts wankte. Sofort eilte Jongho mit Eimer und Taschentüchern bewaffnet zu Yunho, welcher sich wieder auf das Sofa fallen ließ. Vor Wooyoung erschienen Yeosang und Hongjoong, welche ihn wie ein Alien anstarrten.

„Alles okay?“, fragte der Leader neugierig.

„Erinnerst du dich noch an uns?“, setzte Yeosang hinterher und winkte mit seiner linken Hand vor Wooyoung’s Gesicht umher. Machte er wirklich so einen seltsamen Eindruck? Schielte er? Oder hatte er einfach einen überforderten Blick in seinen Augen?

„Ehhhh… Alles okay.“, bekräftigte Wooyoung knapp und schob Hongjoong und Yeosang aus seinem Sichtfeld, „Was ist mit Yunho?“

Mit diesen Worten richteten sich alle Augenpaare auf den Älteren, welcher sich einige Taschentücher vor die Nase hielt. Jongho stellte mit einem scheinbar erleichterten Blick den Eimer beiseite.

„Es geht, oder?“, fragte der Jüngste nach und erhielt ein leichtes Nicken als Antwort. Yunho nahm die Taschentücher kurz weg und ermöglichte so den Blick auf das Blut, welches sich auf diesen befand.

„Ehmm... Soll das normal sein?“, fragte Mingi aus der hintersten Ecke skeptisch. Jongho wechselte schnell die Taschentücher aus und blickte zu den anderen hoch.

„Vergleichsweise ist das nicht der Rede wert. Ich hab bei ihm schon schlimmeres gesehen.“, gestand der Jüngere ehrlich.

„Ich hab es doch schon erwähnt. Meine Fähigkeiten beschädigen mich von innen, wenn ich sie einsetze. Nasenbluten ist da noch die harmlose Variante.“, erklärte Yunho knapp und schnäuzte sich anschließend die Nase. Wooyoung fühlte sich kurz schlecht. Wegen ihm war das dem anderen passiert.

„Sachen gibt's auch. Ich wollte das ja alles zuerst nicht glauben.“, gestand Hongjoong und sah fragend zu Wooyoung, „Konntest du dich wirklich an alles wieder erinnern?“

Zustimmend nickte der Angesprochene. Er hätte erwartet, dass die Erinnerungen ihn mehr beeinflussen würden, aber er musste zugeben, dass er irgendwie mit der Wahrheit klar kam. Vielleicht lag es daran, dass Wooyoung all dies bereits in einem ähnlichen Ausmaß erwartet hatte.

„Super, dann haben wir das ja geschafft. Darf ich dann etwas anmerken? Ich glaube nämlich, dass San noch am Leben ist und dass wir ihn su-“

„BUMM!!“

Stille herrschte. Yeosang wurde erfolgreich von einem lauten Geräusch unterbrochen. Automatisch gingen alle Blicke zur Wohnungstür. Yunho schmiss seine blutigen Taschentücher in den Eimer und stand alarmiert auf. Mingi, welcher am nächsten an der Tür stand, schlich sich mit vorsichtigen Schritten zu eben dieser. Hongjoong zog seine Pistole, welche an seinem Gürtel befestigt war, und entsicherte sie. Gekonnt warf er diese seinem Freund zu, welche sie fing und sich bereit vor die Tür stellte, um anschließend durch den Spion zusehen. Mit leicht wankenden Schritten begab sich Yunho ebenfalls zur Tür. Er schien noch ein wenig mit den Folgen des Lösens der Erinnerungsblockade zu kämpfen.

„Und?“, zischte Hongjoong leise den beiden Größeren zu, welche ihn anschließend anmaulten leise zu sein. Der Leader verdrehte seine Augen und zog zur Sicherheit ein Balisong. Yeosang schnappte sich seinen Baseballschläger, während Jongho ebenfalls eine Pistole entsicherte. Alle waren ziemlich gut bewaffnet, auch Wooyoung schnappte sich sein Long-Range-Gewehr, welches an der Wand lehnte, und entsicherte es. Aus den Augenwinkeln sah er, dass auch Yunho ein Wurfmesser gezückt hatte.

Ein Weilchen blieb es still. Mingi trat zur Seite, um Yunho ebenfalls durch den Spion sehen zu lassen. Knapp zuckte Mingi mit seinen Schultern. Er schien nichts gesehen zu haben. Wooyoung konnte die Stille nicht aushalten und begab sich zu den beiden.

„Siehst du etwas?“, fragte er unnötigerweise. Yunho verneinte, wandte seinen Blick aber nicht vom Spion ab.

„Du spürst aber etwas, oder?“

„Irgendein Viech ist da...“, murmelte der Ältere langsam, bis er erschrocken zusammenzuckte. Schnell packte er die Arme von Wooyoung und Mingi, um diese hastig von der Tür wegzuziehen. Da knallte es auch schon laut und irgendwas schlug gegen die Wohnungstür. Erneut knallte es heftig, als auch schon die Tür aus den Angeln fiel. Was dort in das Appartement kam, verschlug allen außer Yunho und Jongho die Sprache. Mingi schrie sogar panisch auf.

„Scheiße!! Was ist das?!“, spie er aus, als das Monster bereits laut schrie und weiter in die Wohnung kroch. Es hatte ledrige Flügel und erinnerte mehr an ein prähistorisches Wesen. Mit seinen milchigen Augen krabbelte es ihnen schnell entgegen. Yeosang rannte bereits in die Küche, gefolgt von Hongjoong. Jongho seufzte unbeeindruckt und schoss dem Wesen direkt in ein Auge, wodurch es einen Satz rückwärts machte. Es war dann doch recht unspektakulär als Yunho sein Wurfmesser zielgenau auf das Monster warf und das Messer den dünnen Hals durchtrennte. Das Wurfmesser blieb in der Decke stecken, während der abgetrennte Kopf auf dem Wohnzimmerboden landete. Blut besudelte den Boden und auch die Wände.

„Igitt! Was ist das für ein Teil?“, entkam es Mingi, welcher näher an das Ungetüm trat, auch Hongjoong und Yeosang blickten wieder um die Ecke.

„Man nennt sowas hier einen Ptera. Das ist die Kurzform für Pteranodon. Es sieht halt wie ein Dinosaurier aus.“, erklärte Jongho sachlich, „Vögel, die wegen dem Virus mutiert sind.“

„Ich dachte, wir wären hier sicher. Wo kam dieser Ptera her?“, dachte Yeosang laut nach. Wooyoung's Augen hafteten auf dem Monster, bis es ihm dann wieder einfiel. Er hatte es vor lauter Aufregung wegen seiner Erinnerungen vergessen.

„Ich hab es ganz vergessen. Im Treppenhaus auf Höhe des 17. Stockwerks gab es marode Holzbretter vor einem Fenster. Könnte das möglich sein?“, hakte Wooyoung nach. Yunho seufzte und massierte sich seinen Nasenrücken.

„Kann sein. Ptera kommen von oben und nicht von unten. Wir sind hier im 12. Stockwerk. Es ist ausgeschlossen, dass das hier der einzige Ptera war. Außerdem können die Zombie-Hunde Fassaden hochklettern. Wer weiß, was hier noch reingekommen ist.“, gab Yunho zu bedenken.

„Wir müssen nach unten und die anderen warnen, wenn es noch nicht zu spät ist. Es ist Mittag, die meisten sind dort unten.“, setzte Hongjoong hinterher.

„Es ist wahrscheinlich die beste Idee. Was ist mit euren Nachbarn?“, fragte Jongho und deutete auf den Flur, den man nun durch die kaputte Tür sehen konnte. Schnell deckten sie sich noch mit einigen Waffen, die im Appartement waren, ein und traten hinaus. Yunho und Jongho gingen voran, da diese etwas mehr Kampferfahrung an den Tag brachten, zumindest Yunho. Jongho schien aber einiges von dem Älteren gelernt zu haben.

„Alles rein.“, gab Yunho den Flur frei. Yeosang begab sich sofort zur linken Tür und klopfte laut dagegen.

„Rowoon-Hyung! Bist du da?!“, rief Yeosang, erhielt aber keine Antwort. Die meisten Einwohner im Dystopia schlossen ihre Türen zum Glück nicht ab, weshalb Yeosang einfach die Türklinke hinab drückte.

„Ich schau nur kurz nach.“, meinte er knapp, als Wooyoung sich ihm anschloss. Hongjoong schnappte sich Mingi, um in dem Appartement von Bobby nachzusehen. Yunho und Jongho gaben ihnen auf dem Flur Rückendeckung.

Also betraten Yeosang und Wooyoung gemeinsam das Appartement des ehemaligen Schauspielers. Es sah im Grunde genauso aus, wie ihr eigenes Appartement. Das Tageslicht schien durch die vergitterten Fenster. Im Flur und auch im Wohnzimmer gab es keine Spur von Seokwoo. Yeosang steuerte die anderen Zimmer an, während Wooyoung es sich nicht nehmen lassen konnte und sich neugierig im Wohnzimmer umsah. Rowoon schien ein sehr ordentlicher Mensch zu sein. Wooyoung's Blick wanderte zu einer kleinen Pinnwand aus Kork. Scheinbar hatte der Ältere einige Erinnerungsstücke gesammelt. Es hingen Polaroids dort, die deutlich Rowoon und eine weitere Person zeigten. Wooyoung erinnerte sich, dass der andere auf den Fotos, der Drehbuchautor Kang Chanhee war. Sie sahen auf den Polaroids verliebt aus.

„Traurig, oder?“, erklang Yeosang’s Stimme neben ihm. Wooyoung hatte gar nicht bemerkt, wie dieser sich neben ihn gestellt hatte.

„Ja, sie sahen gemeinsam glücklich aus.“, gab Wooyoung zu und irgendwie wanderten seine Gedanken kurz zu San. Jetzt, wo er sich an alles wieder erinnern konnte, vermisste er seinen Freund noch mehr als zuvor.

„Niemand ist da. Wahrscheinlich ist er beim Außendienst-Trupp.“, murmelte Yeosang und zog Wooyoung mit sich hinaus aus der Wohnung. Kaum standen sie wieder auf dem Flur, deutete Jongho ihnen seinem Taschenlampenkegel zu folgen. Das Licht wanderte über den Boden. Wooyoung schluckte angespannt, als er mit seinen Augen der Blutspur folgte. Sie ging weiter bis ins Appartement von Bobby. Genau in diesem Moment kamen Hongjoong und Mingi aus der Wohnung. Mingi’s Gesicht war kalkweiß, während Hongjoong eher nüchtern auf sie zutrat.

„Der laute Knall, den wir zuerst gehört haben, schien aus der Wohnung zukommen.“, meinte der Leader trocken und schüttelte seinen Kopf, „Das Viech schien zuerst dort gewütet zu haben.“

„Sind sie alle-“, begann Yeosang ungläubig.

„-tot.“, beendete Mingi den Satz und sah betreten auf den Boden. Wooyoung wollte es nicht glauben.

„Wir sollten das Appartement abschließen. Wer weiß, ob sie nicht auch als Infizierte wieder auferstehen.“, entgegnete Yunho und zog die Tür zu. Yeosang und Hongjoong schalteten beide noch jeweils ihre Taschenlampen an. Auf dem Flur würde es sonst zu finster werden. Yunho interessierte sich nicht dafür. Er konnte schließlich auch in der Dunkelheit alles perfekt sehen.

Dann würden sie wohl ihren Weg ins Erdgeschoss antreten. Was sie dort erwarten würde, konnte keiner erahnen.
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