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Im Zauber liegt die Wahrheit

von weha
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
Böse Königin / Regina Mills Emma Swan
23.02.2022
20.06.2022
13
30.501
17
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Dieses Kapitel
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10.04.2022 1.821
 
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Noch nie zuvor in ihrem Leben war Emma so unternehmungslustig gewesen. Jeden Tag nach Arbeit unternahm sie etwas mit Henry oder mit ihren Eltern und hin und wieder feierte sie nachts mit Ruby im Rabbit Hole. Egal wie müde sie bereits war, sie wollte nicht zur Ruhe kommen. Denn in den Momenten, in denen sie nichts tat und keine Ablenkung hatte, dachte sie an Regina. Und das wollte sie nicht. Noch immer schwirrten Reginas Worte in ihrem Kopf umher und die konnte sie nur verdrängen, wenn sie mit anderen zusammen war und Unterhaltung hatte.
„Es macht dir Angst weil du weißt wie echt es war!“
Genervt seufzte sie. Sie stand erst seit einer Minute unter der Dusche und schon hörte sie wieder Reginas Stimme. Sie hatte keine Angst! Nein, sie wusste doch, dass das alles nicht echt gewesen war. Es war ein Zauber gewesen, sonst nichts. Sie hatten nicht ihre normalen Leben gelebt, sie waren nicht sie selbst gewesen. Wäre sie es gewesen, hätte sie Hook nach so langer Zeit vermisst anstatt Regina zu küssen.
Ein erneutes Seufzen entkam ihr. Sie hatte Regina geküsst. Und auch wenn es nicht echt angefangen hatte, als ihr verzaubertes Sein Regina geküsst hatte, so hatte der Kuss doch hier in Storybrooke geendet und auch da hatte er sich noch wundervoll angefühlt. Sie hasste sich selbst dafür, vor allem weil sie nicht wusste ob sie ihren Freund betrogen hatte. Ihre Lippen hatten Reginas berührt und zwar hier in Storybrooke, als die echte Emma Swan. Also war der Kuss doch echt gewesen, oder?
„Es macht dir Angst weil du weißt wie echt es war!“
Regina hatte damit den Kuss gemeint und tief in ihrem Inneren wusste Emma, dass Regina damit recht hatte. Es war echt gewesen. Zumindest für einige Sekunden.
Schon wieder seufzte sie. Wenn sie auf ihren Körper hörte, der immer reagierte sobald sie an den Kuss dachte, wusste sie, dass es nach wie vor echt war. Nicht nur für ein paar Sekunden.
In Emma machte sich eine Sehnsucht breit und für einen Moment wünschte sie sich und Regina zurück aufs Land. Dorthin wo sie alleine wären, wo sie sich wieder ungestört und offen unterhalten könnten und wo sie sich erneut küssen würden.
Augenblicklich wich die Sehnsucht, als Wut in Emma aufkochte. Wenn Regina nicht so stümperhaft gezaubert hätte, wäre sie jetzt nicht in diesem Schlamassel und in diesem Gefühlschaos. Sie wäre mit Hook glücklich. So wie zuvor. Aber seit sie in ihrem wahren Leben zurück war, mied sie ihn so gut es ging. Zwar verbrachten sie die Nächte zusammen, zumindest wenn Emma sie nicht durchfeierte, aber es gab keine Zärtlichkeiten mehr zwischen ihnen. Emma wich jedem Annäherungsversuch mit schwachen Ausreden aus, auch wenn sie wusste, dass das nicht ewig so weitergehen konnte. Irgendwann würde Hook sie zur Rede stellen. Und was, wenn er sich trennen würde?
Emma japste schockiert nach Luft und verschluckte sich sogleich am Wasser aus dem Duschkopf. Hustend drehte sie das Wasser ab und stieg aus der Dusche. In ein Badetuch gehüllt musterte sie sich im Spiegel. Was, wenn Hook sich trennen würde, dachte sie erneut. Sie hatte schon immer mit Verlustängsten zu kämpfen gehabt. Noch mehr, seit sie eine Familie hatte, Menschen, die sie liebten und ohne die sie nie wieder sein wollte. Bis vor kurzer Zeit hatte auch Killian zu diesen Menschen gehört. War das noch immer so?
In Emma kroch Panik empor, als sie darauf keine eindeutige Antwort wusste. Das war nicht gut. Das war ganz und gar nicht gut. Sie wusste noch nicht einmal seit wann sie darauf keine Antwort geben konnte.  
„Es macht dir Angst weil du weißt wie echt es war!“
Doch. Sie wusste seit wann.

„Emma? Schatz?“
Emma blinzelte verwirrt und blickte zu ihrer Mutter, die ihr an einem Tisch im Diner gegenüber saß.
„Entschuldige, was hast du gesagt?“
„Wo bist du denn schon wieder mit deinen Gedanken? Henry hat dich schon mehrmals versucht anzusprechen.“
„Sorry, Kleiner.“ Sie sah von ihrer Mutter zu ihrem Sohn, der neben Snow saß.
„Schon gut“, sagte er und lächelte sie nachsichtig an, als würde er mal wieder mehr verstehen als er sollte. „Ich wollte dir nur sagen, dass du morgen zum Essen eingeladen bist.“
„Was?“ Emma schmunzelte. „Hast du eine Taschengelderhöhung bekommen von der ich nichts weiß oder gibt dir Granny einen Rabatt?“
„Doch nicht hier“, meinte er kopfschüttelnd. Dann wurde sein Grinsen frecher. „Aber wir können uns gern über mein Taschengeld unterhalten.“
„Nichts da, Kleiner. Du bekommst mehr als du ausgeben kannst.“
„Ach, mir würde schon einiges einfallen um das Geld wieder loszuwerden. Es gibt eine Menge neue Videospiele.“
„Zurück zum Thema“, blockte sie ab. „Also kommt die Einladung in Wahrheit von Granny? Essen aufs Haus?“
„Wofür hältst du mich?“, fragte Henry empört. Snow neben ihm kicherte leise. „Wenn ich dich einlade, dann richtig.“
„Kleiner, du sprichst in Rätsel.“
„Ich koche für dich.“
„Du? Bitte was?“
„Na gut. Mom kocht. Aber ich helfe ihr und somit leiste ich meinen Beitrag bei der Einladung.“
„Deine… deine Mom?“ Emma verschluckte sich beinahe an ihrer eigenen Spucke. „Ich… morgen kann ich nicht.“
„Wieso?“, wollte er wissen. Er musterte sie so argwöhnisch und Emma war klar, dass er ihr kein Wort glaubte. Selbst Snow schien ihre Zweifel zu haben. Nun gut, Emma hatte noch nie gut lügen können.
„Was ist zwischen dir und Mom passiert?“
„Wie… wie meinst du das?“, stammelte sie.
„Als ich Mom den Vorschlag gemachte habe, hat sie zwar zugesagt, war aber genauso nervös wie du. Außer, dass sie sich mehr gefreut hat, finde ich.“
„Das hat sie?“
„Emma?“, mischte sich nun ihre Mutter ein. „Henry hat recht. Du reagierst eigenartig. Ist etwas vorgefallen? Du und Regina, ihr habt euch doch so gut verstanden.“
Bis wir uns geküsst haben, dachte Emma.
„Nein, nichts ist vorgefallen“, log sie. „Sorry Kleiner, ich habe da etwas verwechselt. Ich lasse mich gern zum Essen einladen.“
Emma hasste es zu lügen, aber das hier war so etwas wie eine Notlüge gewesen. Wie hätte sie sonst erklären können was zwischen Regina und ihr los war?
Sie würde niemals verraten, dass Regina so einsam war um eine Zauberformel zu sprechen und sie würde schon gar nicht über diesen Kuss sprechen, der Emmas Leben aus den Angeln gehoben hat.
„Okay, cool.“ Henry nickte begeistert. „Dann bring morgen Hunger mit. Mom und ich backen Lasagne.“
Lasagne…
Wieder dachte Emma an die Zeit am Reiterhof zurück. Damals hatte Regina eine Lasagne gemacht. Emma war die Rezeptur bekannt vorgekommen und doch hatte sie nicht gewusst, wo sie schon jemals so gut gegessen hatte. Jetzt wusste sie es wieder. Es war Reginas Rezept gewesen. Die unechte Regina hatte nach Rezept der echten gekocht. Wie konnte das sein? War vielleicht doch nicht alles Zauberei gewesen?

Nachdem Emma ihre Mittagspause mit ihrer Mutter und mit ihrem Sohn verbracht hatte, hatte sie die ereignislose Nachmittagsschicht im Sheriffbüro übernommen. Am Abend fuhr sie zu Golds Laden.
„Was verschafft mir die Ehre?“, fragte Gold, als er Emma bemerkte.
„Ist Belle da?“
„Ich bin hier!“ Belle trat aus dem Büro in den Verkaufsraum und lächelte Emma an. „Hallo Emma. Schön dich zu sehen.“
„Hi Belle. Sag mal… können wir reden?“
„Natürlich! Was gibt es denn?“
„Nicht hier.“ Emma blickte entschuldigend zu Gold. „Es ist nicht so, dass ich Ihnen nicht traue… Na gut, ich traue Ihnen nicht. Nichts für ungut. Belle“, sagte sie und sah ihre Freundin wieder an. „Gehen wir ein Stück spazieren?“
„Sicher.“ Sie gab Gold einen Kuss auf die Lippen. „Bis später Rumpel.“
„Bis später“, murmelte er und sah den beiden verwirrt hinterher. Normalerweise wurde er um Rat gefragt, nicht seine Liebste.
„Was ist denn los, Emma?“, fragte Belle, nachdem sie ein paar Schritte gegangen waren.
„Das muss unter und bleiben, okay?“
„Ich verrate nichts.“
„Gut.“ Emma seufzte leise, als sie in die Ferne blickte. „Du weißt in der Theorie genauso viel wie Gold über Magie. Du hast alles gelesen, was es zu lesen gibt.“
„Naja, ich bin mir sicher, dass es da draußen noch das ein oder andere Buch für mich gibt.“ Belle kicherte leise, ehe sie wieder ernst wurde und Emma ansah. „Was willst du wissen?“
„Ich wurde verzaubert“, begann Emma.
„Was?“
„Aus Versehen!“, verharmloste Emma schnell. „Ein Zauberspruch ist schief gegangen und ich war mit einer Person für mehrere Wochen weg. Hier stand währenddessen die Zeit still.“
„Wo warst du? Geht es dir gut?“
„Ich war an einem schönen Ort. Also ja, es geht mir gut. Ich habe dort eine sehr schöne Zeit verbracht und bin dort jemandem näher gekommen. Also… also wir haben uns geküsst.“
Belle sagte nichts, starrte Emma aber aus großen Augen an.
„Als der Kuss geendet hat, waren wir plötzlich wieder in Storybrooke.“
Belle blieb stehen und hielt Emma am Arm fest. „Ihr seid durch den Kuss zurückgekommen?“
„Durch? Nein.“ Emma schüttelte den Kopf. „Ich sagte während.“
Ein kleines Schmunzeln zeigte sich auf Belles Lippen, aber sie sagte dazu nichts.
„Was?“, fragte Emma. „Verstehst du das? Wie kann ich in eine andere Welt gezaubert werden und dann wieder hierher zurückkommen, ohne dass jemand den Fluch oder den Zauber gebrochen hat? Gibt es Zauber mit Enddatum? Hast du darüber schon mal etwas gelesen?“
Belle sah sie an, öffnete den Mund und wollte gerade etwas sagen, als sie ihn doch wieder zuklappte und den Kopf schüttelte.
„Was?“, fragte Emma erneut.
„Du solltest selbst darüber nachdenken, Emma. Geh das Ganze nochmal in deinem Kopf durch. Hör auf dein Herz und versuche zu verstehen.“
„Du weißt also mehr als ich? Belle, bitte! Ich dreh noch durch. Sag mir was du weißt.“
„Emma. Du bist die Tochter von Snow White und Prinz Charming. Du bist die Retterin. Du warst schon in verschiedensten Welten und hast Sachen gesehen, an die du vor ein paar Jahren noch nicht geglaubt hast. Du besitzt Magie. Du musst nur glauben, Emma. Dann kannst du deine Fragen selbst beantworten.“
„Willst du damit sagen, dass ich mich mit meiner Magie selbst wieder hierher gebracht habe?“
„So etwas in der Art“, sagte Belle und lächelte. „Du wirst es rausfinden.“

„Du wirst es rausfinden“, grummelte Emma genervt. „So etwas in der Art.“ Was sollen Belles Worte überhaupt bedeuten? War es nun ihre Magie gewesen oder nicht?
Sie wollte nicht nochmal mit Regina darüber reden. Vor allem hatte Emma ihr vor einigen Tagen gesagt, dass sie beide das Ganze vergessen sollten. Da konnte sie doch nicht selbst die eigenen Regeln brechen, oder? Sie musste es selbst herausfinden. Nur wie? Sollte sie doch mit Regina reden?
Seufzend stand sie vor Reginas Haus. Selbst wenn sie nochmal mit Regina reden würde, dann bestimmt nicht heute. Heute würde sie nur mit Regina und Henry zu Abend essen und anschließend wieder nach Hause fahren. Sie würden über Henry reden, über die Schule und Videospiele. Aber ganz sicher nicht über Magie. Und schon gar nicht über den Kuss.
Sie atmete noch mehrmals tief durch, bis sie sich endlich soweit gesammelt hatte und ihren Finger auf die Klingel drückte.
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