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Allein ist die Einsamkeit

von Nihil
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12 / Gen
19.02.2022
07.08.2022
4
3.037
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05.08.2022 971
 
Durch den Magen geht so viel...
Einige mögen dabei vielleicht an Liebe denken, ich aber war am verhungern.

So viele Vorräte an Dosen, Nudeln und anderem haltbaren Zeug ich auch hatte,... (Weil ich nie Angst haben wollte, dass etwas schlecht werden könnte. Um ehrlich zu sein war mir das MHD auch egal. Als ob zahlen bestimmen könnten, wann etwas schlecht wird.
Scheiße, ich hatte schon Dosen aus dem Keller meines Vaters zu Mittag, die hergestellt wurden, als er in meinem Alter war)
...ich musste Einkaufen. Oder zumindest Nahrung besorgen. Denn wenn man Wochenlang Zuhause bleibt und nicht mitbekommt, wie alle Menschen verschwinden, dann hat man irgendwann kein Essen mehr.

Die Frage war das "WIE"?! Denn da draußen ist niemand, die Geschäfte dürften alle zu sein und ich wusste ja nicht wo ich sonst was herbekommen sollte.
Vielleicht war es nur vorübergehend, vielleicht tauchen plötzlich alle wieder auf... vielleicht erwischen mich die Nachbarn bei frischer Tat, wenn ich ihre Wohnung plündere, weil ich zu viel Angst habe, mich zu weit von meiner Wohnung zu entfernen.
Verdammt, ich will doch nicht als Straftäter enden.
Aber aus Angst verhungern ist auch keine wirkliche Option...
Natürlich wisst ihr genau, was ihr an meiner Stelle machen würdet. Ihr lest ja nur, was ich schreibe. Aber in dieser Situation tatsächlich zu stecken macht das ganze ungemein kompliziert.

Ich war ja bereits draußen und lebe noch. So viel Angst musste ich also nicht haben... ABER ICH HATTE SIE TROTZDEM...
Drei Stunden lang suchte ich mir Kleidung aus um raus zu gehen. Es musste sportlich sein, falls ich dazu gezwungen sein würde, zu rennen.
Aber zu viel Haut zeigen schien mir auch nicht recht. So komplett Schutzlos...
Bis ich also fertig war, war der halbe Tag schon um. Aber ich ging tatsächlich raus... wie wenn ich zur Arbeit gehen würde. Einfach den üblichen Weg am hellichten Tag spazieren, ...schweißgebadet vor Angst, mit Augen die absolut jeden kleinsten Winkel beobachteten. Einen ewig langen Weg entlang.

So stand ich nun also vor diesem großen Kasten von Gebäude in dem ich eigentlich arbeite. Ein Block aus Stein dessen Fenster nur auf dem Dach zu finden sein würden. Aber durch das Glas der Drehtüren konnte man all' die Leckereien sehen, die nur darauf warteten, in meinem Magen zu landen.
Ich musste nur einen Weg rein finden...
Leichter gesagt als getan. Aber der Vorteil ein Angestellter zu sein: ich wusste welche Tür kaputt genug war um mit einem Stück Metallschrott einen Weg rein zu finden.
(Um dann instinktiv in das Büro von meinem Chef zu spazieren, weil dort die Kaffeemaschine stand.
Tatsächlich hätte ich mir fast einen Kaffee gemacht, wenn Strom vorhanden wäre. Aber ich machte mich eher an den Papieren zu schaffen, in der Hoffnung auf Informationen warum ich alleine zurückgeblieben bin.)
Zu finden waren aber nur Bestellzettel und Werbung die aussagten, dass zu der Zeit als niemand mehr da war, jemand hätte da sein müssen.
Klar, ich, der die Bestellungen erledigt, wäre da gewesen, hätte man mich rein gelassen... Aber wo wären denn die Menschen die die Bestellungen dann abholen und bezahlen? Wo waren die Kollegen die mir mein Material gebracht hätten... oder die Sicherheitsfirma von denen mich einer hätte rein lassen müssen?
Zumindest wusste ich jetzt, alle waren unvorbereitet verschwunden.
Keine angenehme Info, doch Wissen soll bekanntermaßen Macht sein.

(Nächste Station; Verkaufsbereich)
Wie sehr ich in dem Moment wünschte, meine Nachbarn geplündert zu haben.
Von außen sieht ja alles recht ordentlich aus. Aber durch das Glas kann man nicht bis zum anderen Ende des Gebäudes sehen.
Der Gestank hätte mich fast wieder zurück durch die Tür geschleudert, so heftig roch es.
Das gesamte Fleisch in der Theke war bereits hundert Tode gestorben. Fliegen überall, Gestank von Verwesung im gesamten Laden. Die Theken wurden befüllt aber durch das Verschwinden meiner Kollegen nicht mehr geleert.
Ich hätte mich fast übergeben.
...Und hätte mir eine reinhauen können, dass ich keinen Wagen oder Korb mit rein genommen hatte.
Also bin ich in die Schreibwahrenabteilung, weil da Körbe sind, um wieder zurück zu den Lebensmitteln zu gehen. Aber natürlich den Teil wo alles schön verpackt in den Regalen liegt, bis das MHD ablaufen würde. Natürlich gab es jetzt niemanden mehr, der das alles Kaufen und/oder wegwerfen könnte.

[Korb voll, ich zufrieden, dass ich nicht verhungern werde. Zeit Heim zu gehen.]

Wenn da nicht plötzlich ein Geräusch aus der Getränkeabteilung gekommen wäre.
Nichts was einfach so passiert, wie ihr Euch wohl denken könnt.
Ich würde schätzen es war ein Haufen Glasflaschen die plötzlich umgeworfen wurden.
Schwer zu sagen, wenn das, woran man sich eigentlich erinnert, die panische Angst ist, welche das Herz wie eine Kettensäge startet.
Die scheiß Angst, gepaart mit Instinkt und (fragt nicht) dem Geschmack von Kaffee im Mund, trieben mich ins Büro zurück. Tür verschlossen (Korb sicher und fest in meiner Hand.)

Ich hatte recht behalten, da war etwas. Es war nah, nur die Metalltür durch von mir entfernt. Ich konnte Schatten im Türschlitz sich bewegen sehen und bildete mir ein, ein eher unnatürliches Atmen zu hören.
Aber die Tür selbst wurde nicht angerührt, nichtmal Schritte waren zu hören.
Aus Angst selbst Schatten unter der Tür zu erzeugen, hielt ich mich von der Tür fern. Einzig den Türgriff runter zu drücken würde dazu führen, dass man zu mir rein kommen könnte.
Aber ich blieb still, in der Ecke kauernd mit meinem Korb in der Hand.

Erst als mein Herz wieder Ruhe fand, begannen die Gedanken in meinem Kopf wieder Karussell zu fahren.
Wie könnte ich das Gebäude verlassen ohne durch diese Tür zu treten? Das Fenster natürlich. Die Büros der Abteilungsleiter haben alle Fenster, auf der Rückseite des Gebäudes wo Kunden durch Sträucher und Bäume keinen Einblick hatten.
Zweifellos wäre ich einfach raus geklettert. Wenn es draußen nicht schon dämmern würde...
Im Dunkeln wollte ich gewiss nicht draußen sein.
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