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Der unsichtbare Feind (Teil 2)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Neville Longbottom Remus "Moony" Lupin Severus Snape
19.02.2022
30.09.2022
15
91.106
30
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
23.09.2022 4.196
 
~* Guten Morgen zusammen! Vorab möchte ich mich entschuldigen, eure Reviews bisher nicht beantwortet zu haben. Ich habe mich die vergangene Woche absolut nicht in der Lage gefühlt, irgendwas zu schreiben oder meinen Verstand zu benutzen. Nach 15 gemeinsamen Jahren musste ich vergangenen Sonntag meinen Kater gehen lassen, der, seit ich daheim auszog, an meiner Seite war. Ihr könnt euch sicher das Loch vorstellen, dass nun in meiner Brust anstelle meines Herzens prangt.
Ich werde eure Reviews noch beantworten, nach und nach. Seid mir deshalb bitte nicht böse!

Die liebe Enoraa hat mir den freundlichen Lutz geschrieben, um eine richtige Dynamik ins Gespräch zu bekommen und ich finde, das ist uns gut gelungen! *~

Bordeaux. Ein Ort, eine Farbe, ein Wein, und viel zu viele aneinandergereihte Vokale mit einem 'x' am Ende. Sowas fiel auch nur Franzosen ein. Wie hieß die Schule noch gleich? Bordeauxton? Irgendwas in der Art war es gewesen! Aber immerhin war die Farbe schön und stand Harry außerordentlich gut, solange es sich eher im rötlich violetten Farbspektrum aufhielt und nicht zu sehr ins rot-pink ging. Ein Hemd war außerdem immer ansehnlich und wenn es dann auch nicht einfach nur schnöde weiß war, sah man sogar stilvoll und lässig zugleich aus.

Das Interview mit Lutz Endellab stand heute nach tagelangem Forschen und kaum schlafen bevor und irgendwie war er furchtbar aufgeregt. Nachdem er Montag die Einladung bekommen, den schwarzen Fleck entdeckt und sich seither körperlich so gut es ging von Severus entfernt hatte – immer unter der Prämisse, dass er weiterforschen musste und den Kopf für mehr einfach nicht frei hatte -, war er angespannt. Das dämliche Buch über unumkehrbare Flüche hatte ihm nicht geholfen und Remus’ Bemühungen, Informationen zusammenzutragen, waren ebenfalls noch nicht wirklich zielführend gewesen. Der Werwolf war einer Sache auf der Spur, glaubte er, aber was es war, ließ er sie noch nicht wissen. Harry wusste ja selbst, dass man in fünf Tagen keine Wunder erwarten durfte. Acht Tage waren erst seit Arthurs Zusammenbruch vergangen. Für Harry jedoch – nun auch selbst betroffen - fühlte es sich an als würde die Zeit davoneilen. Er musste sich richtig zwingen, Okklumentik zu nutzen, damit Severus nichts von diesen  Gedanken an den schwarzen Fleck mitbekam und auf heile Welt zu spielen, während er Todesangst hatte, war auch nicht leicht. Es war auch nur eine Frage der Zeit, bis der Fleck sich so weit vergrößert hatte, dass der Ärmel ihn nicht weiter verbarg. In den ersten 48 Stunden war er auf die dreifache Größe angewachsen, hatte sich aber nur sprenkelig um den Arm herum und etwas gen Ellbogen ausgeweitet. Danach waren Flecken an Beinen, Hüfte und Oberarm hinzugekommen. Wie viel Zeit mochte ihm bleiben, bis er wie Arthur zusammenbrach? Schon jetzt fühlte er sich reichlich matt und er fror in unregelmäßigen Abständen, ganz gleich, wie dick eingemummelt er war. Lediglich heiße Getränke und Speisen linderten diese Kälte ein wenig.

»Nervös?«, fragte Severus, der ihn spätestens seit dem gestrigen Abend nicht mehr so recht aus den Augen zu lassen schien. Ob er was ahnte? Vier Tage keinen Sex, keine körperliche Annäherung, nur flüchtige Küsse und leichte, unverfängliche Berührungen. Das war äußerst ungewöhnlich für ihn, nicht? Selbst unter dem Vorwand, dass er den Kopf nicht frei hatte, weil er forschen wollte und so besorgt war.

»Total«, seufzte Harry und zuppelte zum einhundertsten Mal an seinem Kragen herum. Solange sein Ärmel nicht hochrutschte, würde niemand etwas sehen. Der Bluterguss unter seinem Auge hatte sich in den ganzen Tagen durch alle Farben des Regenbogens gefärbt und sich noch gut über die Wange hin ausgebreitet. Aber er verblasste bereits ein wenig, war nicht mehr Dunkellila, sondern nur noch blau und grün, an den Ausläufern Gelb. Dummer Flummi. Doofer Sev!

»Beantworte nichts, was du nicht beantworten willst«, mahnte ihn Severus zum einhundertsten Mal. »Und versuch, dich so klar zu formulieren, dass es nicht falsch verstanden werden kann.«

»Ich weiß«, brummte Harry verärgert. »Ich bin kein Kind mehr, Severus.« Und doch wollte er gerade nur wie ein kleines Kind im Arm gehalten und getröstet werden als wäre er furchtbar gestürzt und habe sich das Knie aufgeschlagen. Unmöglich. Mit überschatteten, waldgrünen Augen blickte er seinen Gefährten ernst an. »Ich werde aufpassen.«

Severus entglitt ein Seufzen. Er trat näher und hob die Hand an Harrys Wange, sanft darüber streichelnd. »Vielleicht solltest du den Termin verschieben«, murmelte der Tränkemeister. »Du wirkst… erschöpft und nicht ganz beisammen.« Womit er wohl nicht unrecht hatte, aber… besser würde es wohl auch nicht mehr. Das konnte der Tränkemeister jedoch nicht wissen.

»Ich mach das jetzt, Sev. Ich sag nicht fünf Minuten vorher ab, sowas macht man nicht«, murmelte Harry. »Das wird schon irgendwie.«

»Sicher?« Severus sah ihn nun auf diese Weise an, die Harry nur zu gut kannte: Severus lauschte, ob Harrys Gedanken etwas verrieten. Aber er war vorbereitet, Tag und Nacht, er würde nichts durchkommen lassen. »Ist… ist mit uns alles in Ordnung?«, fragte der Mann schließlich leise, die Stirn leicht kraus gezogen.

»Ja, verdammt«, brummte Harry zurück. »Nur weil ich meine Gedanken zusammenhalte und mich darauf konzentriere, Arthur zu helfen, hat das nichts mit uns zu tun!« Und doch brach Severus' Angst und Zweifel ihm ein wenig das Herz. Was tat er ihm nur an?

Was folgte, war ein kurzes Stocken seines Gegenübers, dann ließ dieser die Hand sinken und trat zurück. »Viel Erfolg«, sagte Severus leise. »Ich warte mit Abendessen auf dich.«

Jetzt tat es Harry wirklich leid, Severus so angefaucht zu haben. Andererseits musste er nicht immer alles auf sich und sie beide beziehen. Es gab manchmal auch andere Dinge in der Welt, die wichtig waren. Genau. Harry brauchte kein schlechtes Gewissen haben!

»Danke. Bis später«, sagte Harry, sich zu Severus hochstreckend, um ihn flüchtig zu küssen, ehe er in seine Schuhe schlüpfte und die Wohnung und schließlich das Schloss in den gemeinen Nieselregen dieses Novembertags zu verlassen, um nach Hogsmeade aufzubrechen, wo er sich gleich mit Lutz Endellab im 'Drei Besen' treffen wollte. Einen Tisch hatte er bereits reserviert. Einen, der etwas abseits gelegen stand und nicht zu viele neugierige Blicke erlaubte. Er begrüßte Madame Rosmerta auch nur kurz, dann setzte er sich bereits auf den Stuhl, der dem Kamin am nächsten war und rieb sich wärmend über die Arme, die sich anfühlten als seien sie aus Eis. Oder Glas.

Mit wehendem Umhang betrat kurz darauf ein beleibter Zauberer mittleren Alters den beliebten Pub, sah sich für einen Moment aufmerksam um und trat dann zielstrebig auf Harrys Tisch zu. Das musste wohl dieser Endellab sein. Sein apfelgrüner Reiseumhang war reichlich farbenfroh, was bei diesem Wetter, zu dieser Jahreszeit ein wenig deplatziert wirkte. Ein wenig erinnerte er ihn an Lockhart. Wobei die Kimmkorn ja auch gern grün getragen hatte.

»Mr. Potter!«, rief er begeistert aus, während sein ganzer, massiver Körper sich durch die Bewegung noch in Wallung befand. Ein wenig erinnerte er ihn damit an Dudley. Seine Stimme klang zumindest recht angenehm, seine Augen waren groß, braun und von Begeisterung erfüllt und selbst sein schütteres, braunes und vor der Abreise vermutlich gekämmtes Haar schien vor Aufregung um seinen Kopf zu wogen als wäre es lebendig. Ob er mit einer Medusa verwandt war?

Harry verengte die Augen sofort missvergnügt bei der Begrüßung und starrte den Mann mit unverhohlenem Ärger an. »Es heißt 'Snape'«, war seine Begrüßung, vollkommen tonlos und trocken. Ob er gehen sollte? Der Einstand war jedenfalls nicht geglückt.

Endellab schien sich regelrecht an seiner Spucke zu verschlucken. »Mr. Snape, selbstverständlich! Bitte verzeihen Sie meine Unachtsamkeit!«, bat der Mann duckmäuserisch und hatte zumindest den Anstand, rot zu werden. Allerdings trat er auch nur von einem Fettnäpfchen ins Nächste. Wie konnte ein Journalist so unvorbereitet sein?

»Professor Snape wäre die korrekte Adressierung, Mr. Endellab«, korrigierte Harry weiterhin trocken. Ihm war nach wie vor kalt, obwohl es hier wirklich nicht kalt war. Ein üppiges Kaminfeuer sorgte schon dafür, dass man sich eines Umhangs entledigen und ohne Bommelmütze herumsitzen konnte. Aber das Voranschreiten des verdammten Glases schien ihm die Körperwärme nachhaltig zu entziehen, für den Moment war er jedoch verärgert genug, um nicht zittern zu müssen.

Endellab öffnete derweil den Mund... schloss ihn dann aber erst einmal wieder. »Soll ich vielleicht noch einmal hereinkommen?«, fragte er, durchaus verschmitzt. »Ich möchte ja nicht so enden, wie der, der Ihnen das blaue Auge verpasst hat«, fügte er an, heiter über seinen eigenen Witz lachend.

Verwirrt hob Harry seine Hand ein wenig, entschied sich aber dafür, den Bluterguss an seinem linken Wangenknochen nicht mit der Linken zu berühren, da beim Hochrutschen des Ärmels bereits die Ränder des Glases sichtbar würden. Stattdessen zog er den Ärmel etwas über sein Handgelenk und rieb angespannt über den Stoff. »Nein, schon gut. Entschuldigen Sie, die Woche war lang.« Er zwang sich zu einem schiefen Lächeln.

Der Reporter winkte ab.  »Wir werden uns schon verstehen«, sagte er zuversichtlich. »Danke, dass Sie sich Zeit für mich genommen haben. Ich muss gestehen, ich wollte schon lange ein Interview mit Ihnen führen«, erklärte er und zwinkerte ihm auf viel zu vertraute Weise zu. Harry fühlte sich plötzlich unbehaglich und wusste nicht genau, warum. »Wo habe ich denn nur...« Er kramte in seinem Umhang, ehe die allseits bekannte, giftgrüne Schreibfeder und ein kleiner Block ihren Weg herausfanden und beides neben ihm in der Luft schwebte. Das war Harry noch vertrauter als dieses merkwürdige Zwinkern.

»Das ist…« Harry runzelte die Stirn sehr tief. »Hat Rita Kimmkorn Ihnen diese Feder gegeben?«, fragte er missvergnügt, vermehrt an den Rändern des Glases unter dem Bordeauxroten Stoff seines Hemdes herumknibbelnd. Er mochte die Feder nicht… sie schrieb falsche Dinge auf, ganz gleich wie sehr er sich bemühte, die Dinge gut zu formulieren!

Endellab sah recht überrascht zu seiner Feder, ehe er erneut lachte. »Aber nicht doch, jeder Reporter beim Tagespropheten besitzt so eine«, versprach er. »Sie ist gut erzogen.« Das blieb zu hoffen, vor allem aber abzuwarten.

Die Feder strich um Endellabs Kinn, ehe sie sich wieder in eine wartende Position begab, bereit, alles niederzuschreiben. »Also, Professor Snape – wie geht es Ihnen? Ihr Leben scheint nach wie vor sehr aufregend zu sein?«

»Mir geht es… hervorragend«, sagte Harry nach kurzem Zögern. »Der Schulalltag als Lehrer ist sehr viel abwechslungsreicher als seinerzeit als Schüler«, erklärte er. »Da geht hier und da auch mal was… daneben.« Er würde sich hüten, Remus' und Severus' kleine Streitigkeiten irgendwie zu erwähnen. Schlimm genug, dass die beiden immer neue Wege fanden, das auszukaspern. Dass er von einem wütenden Flummi erwischt worden war, wollte er lieber nicht zum Besten geben.

»Fühlen Sie sich wohl, zurück an Hogwarts? Man hörte, Sie hätten in Ihrem Abschlussjahr einige Probleme zu überwinden gehabt.« Die Feder neben seinem Kopf schrieb unterdessen fleißig mit und dieses Mal konnte Harry auch nicht sehen, was sie niederschrieb, weil sie sich mit ausreichend Abstand gegenübersaßen.

»Ich habe und werde mich immer wohl fühlen, wenn ich in Hogwarts bin, Mr. Endellab. Neben meinem Haus, dass ich mit Severus bewohne, ist Hogwarts mein Zuhause. Die Probleme, von denen Sie sprechen, sind allseits bekannt und überwunden und hatten nichts mit Hogwarts zu tun, sondern nur mit mir selbst.« Ja, er war so richtig gut vorbereitet! Nichts Verfängliches sagen!

Endellab nickte jedenfalls wieder einmal. »Viele waren überrascht, dass Sie Ihren Schulabschluss nachgeholt haben und nicht direkt einen Meister für Verteidigung anforderten. War Ihnen das persönlich wichtig?«, fragte er weiter.

Harry schwieg einen Augenblick und dachte nach. Warum war er nach Hogwarts zurückgekehrt, hatte den Abschluss gemacht? Nicht, weil er es gemusst hätte. Nicht, weil er es gewollt hätte. Irgendwie war das ein passiver Zwang gewesen, ein Arrangement von Minerva und den Anderen. Jetzt im Nachhinein war er allerdings froh darum. »Zunächst nicht. Ich hatte kein Bedürfnis, im Rollstuhl nach Hogwarts zurückzukehren, während meine Freunde tot sind und einfach weiterzumachen, als sei nichts gewesen. Aber gerade, weil ich zurückkehrte, wollte ich es am Ende auch richtig machen. Für meine Freunde, die keinen Abschluss machen konnten. Für mich und meine Zukunft. Für Hogwarts, dass mir ein Zuhause war und dem ich jetzt, als Lehrer, was zurückgeben kann.« Vielleicht schwoll ihm gerade ein bisschen stolz die Brust.

»Sehr bewegende Worte, Mr. Snape«, lobte Endellab. »Sie konnten Ihren Verlust also überwinden? Inwiefern hat Ihnen Ihre Beziehung dabei geholfen?«, fragte er weiter, die Stimme nun durchaus einfühlsam.

»Professor«, korrigierte Harry säuerlich, nachdem der Mann ihn wieder falsch adressiert hatte. Also wirklich!

»Bitte entschuldigen Sie! Professor Snape, natürlich. Also…?«

Wieder verstummte Harry für einen Moment, nachdenklich über seinen Unterarm reibend. »Sehr«, sagte er schließlich. »Weniger nur der Partnerschaft wegen als der Gegenwart und der Hilfe, die mir dadurch zuteilwurde. Die Partnerschaft hatte für mich… einen besonderen Mehrwert. Sie gab mir eine noch größere Perspektive, als nur zu arbeiten, wenn ich meinen Abschluss habe.«

»Viele haben sich jedoch gerade wegen dieser Beziehung um Sie gesorgt«, erinnerte der Reporter nun. »Zuletzt hieß es sogar, Sie könnten England gänzlich den Rücken kehren.«

»Hausgemachte Sorgen«, sagte Harry finster. »Es gab nie auch nur den leisesten Grund für Sorgen, Mr. Endellab, und ich möchte, dass diese Art der Beiträge auch aufhören. Das hat Severus nicht verdient. Er hat mir immer nur gut getan, seit ich wieder nach Hogwarts zurückgekehrt bin.« Davor… ja gut, das war halt einfach ziemlich mies gewesen, aber das brauchte er ja nicht gesondert zu erwähnen.

»Hat Ihr Partner denn Einfluss darauf genommen, welche Art Lehrer Sie heute sind und sein wollen? Vielen unserer Leser ist er schließlich selbst als Lehrer vertraut«, fragte Endellab dann weiter. Er saß die gesamte Zeit recht regungslos da, sein Blick war freundlich, aber aufmerksam auf Harry gerichtet.

»Was? Ja… Nein!«, sagte Harry blinzelnd. »Es war gemeinhin bekannt, dass ich vorhatte, Auror zu werden und das war im Rollstuhl nun mal keine Option mehr. Er, aber auch andere haben mir die Option aufgezeigt, selbst zu unterrichten und da kam dieses Fach meinen bisherigen Berufswünschen einfach am nächsten. Es war auch immer mein bestes und liebstes Fach.« Außer im sechsten Jahr, als Severus es unterrichtet hatte, aber auch das musste er heute nicht breittreten.

Endellab lächelte nachsichtig. »Ich meinte eher, Ihre zukünftige Art zu unterrichten«, erklärte er freundlich, was Harry sofort etwas rot werden ließ.

»Natürlich. Entschuldigen Sie«, murmelte er, sich deutlicher über den Unterarm reibend. Allmählich war ihm wirklich verdammt kalt und auch unwohl. Ob er sich Butterbier bestellen sollte? »Die Art, wie ich unterrichten will, habe ich mir selbst zusammengeträumt. Remus Lupin war mir außerdem ein großes Vorbild, darüber hinaus hatte ich ziemlich viele Lehrer in dem Fach, die ein gutes Beispiel dafür waren, wie ich es nicht tun wollte.«

»Ah, ja, der allseits beliebte Mr. Lupin. Freuen Sie sich, dass er wieder unterrichten darf? Haben Sie ihm geholfen, entsprechende... Missverständnisse auszuräumen?«

Das Stirnrunzeln von Harry wurde tiefer. »Was für Missverständnisse?«, fragte er skeptisch.

»Es ist ja allseits bekannt, dass und warum Mr. Lupin die Schule als Lehrer während Ihrer eigenen Schulzeit verlassen musste«, führte der Journalist aus.

Mit ziemlich feindseligem Blick verschränkte Harry die Arme vor der Brust, den wohlgenährten Mann mit dem schütteren Haar fest anblickend. »Er ist ein Werwolf, und?« Er stieß leise die Luft aus. »Er hat sich in der Schlacht um Hogwarts verdienter gemacht als die meisten Erwachsenen im Ministerium es je tun könnten. Dass er wieder als Lehrer eingestellt wurde, ist einzig seinen Taten und seinem Charakter zuzuschreiben, sowie der guten, von Professor Dumbledore inspirierten Offenheit unserer Schulleiterin.«

Endellab blieb entgegen Harrys Ausbruch ganz ruhig und räusperte sich nur, schief lächelnd. »Verziehen Sie, ich muss meine Fragen klarer formulieren... ich meinte die Missverständnisse in Ihrem letzten Schuljahr, die Mr. Lupin nach Askaban führten.«

Die verschränkten Arme lösten sich wieder und Harry fuhr sich leicht gestresst über die Züge. Er musste sich mehr konzentrieren, sich besser auf den Mann fokussieren. »Ich sag ja, eine lange Woche«, murmelte er. »Da brauchte ich nichts auszuräumen«, erklärte Harry leise. »Pansy Parkinson hat ziemlich deutlich gemacht, dass sie ihn unter einem Imperius hatte. Er war unschuldig.«

Wieder nickte der Journalist, während seine Feder die ganze Zeit fleißig schrieb. Harry musste schon zugeben, dass es angenehmer war, dass der Gesprächspartner nicht ständig den Blick auf die Notizen senken und schreiben musste, sondern alles einfach nebenbei geschah.

»Wie empfinden Sie heute die Stimmung in Hogwarts? Ist vom Krieg noch viel zu spüren, oder haben unsere Kinder mit diesem dunklen Kapitel abgeschlossen?«, kehrte Endellab schließlich zu ernsteren Fragen zurück.

»Die ersten Jahrgänge haben vom Krieg nicht so viel mitbekommen. Nur Muggelstämmige hier und da. Die höheren Jahrgänge jedoch haben teils noch Anzeichen von Belastungsstörungen und benötigen Auszeiten von meinem und Professor Lupins Unterricht in Verteidigung. Vor allem aber sind die Grenzen zwischen den Häusern nicht mehr so klar gezogen, wie noch vor vier Jahren. Wenn es Rivalitäten gibt, dann sind diese auf persönlicher Ebene und nicht mehr durch die Hauszugehörigkeit unterstützt. Der Krieg hat also nicht nur negative Spuren hinterlassen.«

Endellab lächelte ihn aufrichtig an. »Sie nehmen also Rücksicht auf einzelne Schüler? Finden Sie, dass Hogwarts während Ihrer eigenen Schulzeit mehr in der Pflicht gewesen wäre, Sie zu unterstützen?«

Schlagartig wurde Harry etwas blasser und angespannter. Seine Kiefer mahlten kurz aufeinander als die düsteren Vorwürfe, die seine Gedanken so oft vergiftet hatten, wieder präsent wurden. Die lange Therapie jedoch half noch immer, er schaffte es, die Gedanken umzusortieren und als einen Fakt der Vergangenheit zu betrachten, den zu bedauern keinem Zweck folgte. »Nehme ich. Wir. Die anderen Lehrer auch.« Er atmete tief durch. »Ich hätte mir seinerseits mehr Unterstützung gewünscht. Von Hogwarts. Vom Ministerium. Vom Tagespropheten. Jeder der drei Institute hat auf seine eigene Weise temporär versagt und mir jegliche Unterstützung versagt oder mir das Leben schwer gemacht«, sagte Harry dunkel.

»Seien Sie sich unseres Bedauerns versichert«, bat Endellab direkt. »Viele Dinge sind in den letzten Jahren vor Ihrem grandiosen Sieg leider falsch gelaufen und es herrschte viel Missinformation.« Allerdings schien das Thema für ihn damit auch erledigt zu sein. »Nun werden Sie als noch sehr junger Lehrer direkt mit der besonderen Sorge um einen Schüler konfrontiert... wie geht es Ihnen damit? Informieren Sie sich regelmäßig über das Befinden von Arthur Vent?«

Alarmiert ruckte Harrys Kopf hoch, dem Blick des Mannes für einen langen Moment begegnend. »Woher wissen Sie von Mr. Vent?«, fragte er scharf. Der Reporter blinzelte ihn an.

»Vitreis Pellis ist eine extrem seltene und dadurch leider auch sehr berühmte Krankheit... sofern ein Fall auftritt, ist immer das Ministerium zu informieren und demnach natürlich auch die Medien.«

Das machte leider Sinn, wenn es ihn auch nicht glücklich machte. Der eiserne Griff um seinen Unterarm wurde systematisch deutlicher, während er sich bemühte, eine neutrale Miene zu machen und weiter ruhig zu atmen. Er spürte, wie hier und da Muskeln zitterten, weil er so fror. Er musste das hier bald beenden und ins Bett. »Einen Schüler krank zu sehen, geht jedem Lehrer sehr nahe«, sagte Harry leise. »Wissen Sie… Wir sehen sie jeden Tag von früh bis spät. Dementsprechend informieren wir uns natürlich täglich über sein Wohlbefinden, sorgen uns um ihn.«

Wieder folgte zustimmendes Nicken des Reporters. »Drücken wir ihm die Daumen. Wie stellen Sie sich also Ihre Zukunft vor, Professor Snape? Haben Sie Pläne? Oder wollen Sie erst einmal alles auf sich zukommen lassen?« Auch Endellab schien sich durchaus dem Ende des Interviews zu nähern.

Seine Zukunft war jetzt allerdings nicht unbedingt das Thema, dass ihm am meisten behagte. Nicht, wenn man quasi schwarzviolett auf schweinchenrosa stehen hatte, dass man bald sterben würde, wenn man nicht plötzlich ein Heilmittel für eine unheilbare Krankheit fand. »Soweit kann ich gerade nicht denken«, gab Harry zu. »Ich habe mein Haus, ich habe meinen Ehemann, meine Arbeit und meine Freunde. Das ist ein erfülltes Leben, dass ich kaum noch erfüllter sehen kann«, brabbelte er sich also irgendwie zusammen. Klang hoffentlich nachvollziehbar. Er war ja glücklich mit Severus, wenn nicht gerade sowas furchtbares durch Hogwarts rauschte wie Vitreis Pellis.

»Sie haben keine Pläne für eine Familie?«, hakte der Mann mit leicht schiefgelegtem Kopf nach.

Diese Offenheit überraschte Harry nun doch. Ihm klappte der Mund runter, den er aber wegen des aufkommenden Zähneklapperns wieder schließen musste. »Ich bin schwul, Mr. Endellab – da ist nicht viel mit Familiengründung. Severus ist meine Familie. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen«, presste er eher leise hervor, weil seine Stimme allmählich doch bebte. »Entschuldigen Sie, haben Sie noch viele Fragen? Mir ist zugegebenermaßen etwas kalt und ich bin müde, wenn Sie also…«, murmelte er.

Der Reporter schlug jedoch nur die Hände geschäftsmäßig zusammen.

»Vielen Dank, Professor Snape. Das wären schon meine Fragen gewesen. Möchten Sie noch etwas anfügen? Anderenfalls überlasse ich Sie Ihrer wohlverdienten Ruhe und dem Wochenende.«

Harry überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf. »Nein, ich denke, es ist alles gesagt. Vielen Dank für ihr Interesse, Mr. Endellab. Ich freue mich auf den Artikel und hoffe, dass er eine Inspiration für Jüngere sein wird«, meinte er, sich auf die Beine bringend, um dem Reporter die zittrige und leicht kaltschwitzige Rechte entgegenzustrecken. Der zögerte einen Moment, eher er doch Zugriff und ihm die Hand schüttelte.

»Schönen Abend, Professor Snape.«



Wieder im Schloss angekommen, war das Gespräch noch wie ein Echo in seinem Kopf. Die Fragen, die er eigentlich gar nicht hätte beantworten sollen, ärgerten ihn am meisten. Sie machten deutlich, dass das mit Severus noch immer ein ziemliches Thema war. Warum? Warum konnten sie nicht einfach hinnehmen, wen er liebte? Was betraf es sie? Niemandem wurde dadurch wehgetan oder irgendetwas weggenommen! Hätte er sie besser nicht beantworten sollen? Er musste außerdem unbedingt mit Minerva sprechen. Es war unangenehm gewesen, auf dem falschen Fuß erwischt und mit diesem Thema konfrontiert zu werden, von dem er nicht einmal wusste, dass es publik gemacht worden war.

»Ich hoffe, du hast Hunger mitgebracht«, begrüßte ihn Severus warm als Harry gerade durch die Wohnungstür geschlichen war. Er schlotterte wie ein zitternder Ginsterbusch, das Gefühl in seinem Magen war überdurchschnittlich flau. An Essen war gerade kein noch so kleiner Gedanke zu verschwenden.

»Ehrlich gesagt… würde ich gerade lieber ins warme Bett«, murmelte Harry leise zurück, seine Schuhe unachtsam in die Ecke schleudernd und aus seinem Umhang fließend. Alles fühlte sich viel eckiger und merkwürdiger an. Dass solche Worte seinen Ehemann sofort auf den Plan rufen würden, hätte er sich wohl denken können, allerdings war sein Verstand gerade wohl nicht mehr so ganz beisammen, sodass er regelrecht erschrak als Severus vor ihm auftauchte, der obsidianschwarze Blick von Sorge gezeichnet.

»Was ist passiert?«, wollte der Ältere wissen, Harrys Hand sachte nehmend und an seine Lippen führend.

»Nichts… das Interview war durchwachsen, aber ich denke, es war okay… mir ist einfach nur etwas kalt, weil ich so müde bin«, erklärte Harry ausweichend. Die Nächte waren nach wie vor kurz, weil er so viel las und nachdachte, und dementsprechend war es wohl nachvollziehbar, dass er müde war. Das musste auch Severus so sehen, nicht? Er brauchte sich nicht zu sorgen. Es war ja alles in Ordnung… zumindest von dem, was Harry ihn wissen ließ.

»Du bist blass«, stellte Severus fest. »Noch blasser als vorhin. Sicher, dass alles in Ordnung ist?«

War er blasser? Harry wusste es nicht, er hatte nicht in den Spiegel gesehen, vorn im Flur. Aber wenn Severus das sagte, dann war es wohl leider so. Diese magische Fluchkrankheit schien seinem Körper gerade immer mehr abzuverlangen. Wie konnte kein Lehrer was bei Arthur mitbekommen haben, wenn es ihm schon so zusetzte? Wie hatte er nichts mitbekommen können?!

»Ja, alles in Ordnung. Nichts, was eine Mütze voll Schlaf nicht wieder richtet«, meinte Harry schief lächelnd. »Ich leg mich hin, ja? Frühstücken wir morgen mit den anderen in der großen Halle?« Das würde ihm ersparen, von allzu vielen Fragen zum heutigen Abend gequält zu werden, was sein Wohlbefinden anging. Dann konnte er außerdem allen von dem Interview berichten.

Sichtlich unzufrieden nickte der Tränkemeister und berührte Harrys Hand mit seinen Lippen. »In Ordnung. Wenn du etwas brauchst, ruf mich. Ich forsche so lange weiter«, sagte er leise, Harry schließlich entlassend, der nur zu dankbar ins Schlafzimmer floss, seine Brille in den Nachttisch stopfte und sich mit komplettem Pyjama unter der dicken bordeauxroten Decke, die quer über dem Bett lag und genügend Platz für sie beide versprach, zu einem winzigen Harry-Ei zusammenrollte. Er liebte dieses Bettzeug, es war weich, es war warm, es glänzte leicht und mit den eingewobenen Goldfäden war es schon fast ein bisschen Gryffindor-Werbung. Harry wusste, dass Severus Rottöne nach wie vor nicht unbedingt gern mochte, es war einfach nicht seine Lieblingsfarbe. Dass er immer mehr rote Farbtupfer in ihrem Hogwartsalltag zuließ, sprach jedoch dafür, dass er lernte, solche kleinen Kompromisse einzugehen und sich davon nicht immer gleich den Tag versauen zu lassen. In dieser bordeauxroten Bettwäsche hatten sie schon so verdammt guten Sex gehabt, endlos lange gekuschelt und geredet und einfach eine schöne Zeit in trauter Zweisamkeit genossen. Unweigerlich musste sich Harry jetzt jedoch fragen, ob er in einigen Tagen oder Wochen in dieser bordeauxroten Bettwäsche ganz zu einem Klumpen aus diesem kalten, tödlichen Glas vergehen und nie wieder erwachen würde.


*~ Da ja jedes Kapitel hier mit einer Farbe beginnt und aufhört, und ich langsam ein bisschen in Farbnot gerate (deswegen gibt es ja schon solche Farben wie blaugrün... bordeaux...) - welche Farbe hättet IHR gern irgendwie verwurschtelt? Denn: Ich überlege mir vorher selten, wie ich eine Farbe auch am Ende einbaue und improvisiere jedes Mal, was eigentlich ganz lustig ist.  ~*
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