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Slushy Slash

von Nahweh
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Erotik / P18 / MaleSlash
Alexander von Falkenstein Holger Martin
17.02.2022
26.02.2022
5
8.231
2
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10 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
17.02.2022 1.248
 
Hallo allerseits,
das erste Kapitel ist noch relativ unschuldig. ;)
Viel Spaß beim Lesen!

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Alexander von Falkenstein staunte ein wenig über sich selbst, aber wie der Schweiß an seinen Schläfen und sogar unter dem T-Shirt über seine Haut lief und ein sanftes Kitzeln hinterließ, gefiel ihm. Außerdem wummerten die Bässe angenehm in seinem Magen, und als Bibi ihn nun bei der Hand fasste, während sie mit einem lauten „Wuuhuuu!“ wie wild anfing zu hüpfen, fühlte es sich an, als würde die Energie der Musik direkt in seine Blutbahn fließen. Der Kies auf der Tanzfläche in der Mitte des Hofes wurde zum Trampolin und die bunten Lichter in den Bäumen flackerten zwischen den Bewegungen des ausgelassenen Tanzes, dem sich nicht nur Alex und Bibi, sondern auch Holger, Freddy und eine Handvoll weiterer Partygäste hingaben.

Keuchend wollte Alex nach dem Lied ein paar Schritte zurücktreten, um eine Pause einzulegen, aber er stieß dabei gegen Holger, der ihn lachend mit in den Rhythmus des nächsten Songs zog, der bereits begonnen hatte. Fast taten die verzerrten Gitarren, die aus den Boxen dröhnten, ein wenig in den Ohren weh, aber Alex leistete keinen Widerstand, als sein Körper sich wie von selbst weiter bewegte. Dass er eigentlich jetzt schon außer Atem war, rückte völlig in den Hintergrund, und er war überrascht, wie viele der Textzeilen er mitsingen konnte.

Plötzlich wurde er an der Schulter angerempelt, und er sah wieder in das grinsende Gesicht von Holger. Offensichtlich war der völlig absichtlich gegen ihn gestoßen, denn er federte bereits in den Beinen und machte sich zum nächsten Sprung bereit. Der Grafensohn atmete durch; er hatte diese „Pogo“ genannten wilden Rangeleien schon ein paar Mal auf verschiedenen Tanzflächen beobachtet, aber bislang nie mitgemacht. Heute schien allerdings zum ersten Mal in seinem 25-jährigen Leben eine andere Instanz in ihm die Kontrolle übernommen zu haben, und schon fand er sich in der selben rhytmisch vibrierenden Haltung wieder wie der große Blondschopf. Als wären sie Wogen im stürmischen Meer tobten sie beim nächsten Anschwellen der Musik aufeinander zu, prallten voneinander ab, taumelten umher, sprangen erneut los, stießen gegen weitere Tanzende… Freddy und einer seiner Kumpels waren gleich voll dabei, während einige andere lachend etwas zurückwichen und dem Rausch der vier in ihrer Mitte zusahen.

Als auch dieses Lied zuende ging und etwas ruhigere Klänge den Hof erfüllten, stolperte Alexander endlich in Richtung des Büffets, um sich etwas zu Trinken zu besorgen. Da es bereits spät am Abend war, sah das Angebot etwas ausgedünnt aus, und er stieß auf der Suche nach einer Erfrischung fast die leeren Limoflaschen um. „Hier“, lachte Bibi plötzlich neben ihm und reichte ihm eine halbvolle Flasche Wasser. „Danke“, krächzte der Dunkelhaarige nur, bevor er deren Inhalt in einem Zug leerte. „Besser?“, erkundigte sich die Hexe. Er nickte, „Fast gut…“, und machte einen Schritt zur Seite, um die Getränkekästen unter die Lupe zu  nehmen, die neben dem Tisch standen. Dort entdeckte er doch noch einige Flaschen Radler und holte zwei hervor, von denen Bibi dankend eine annahm. Alex öffnete die Kronkorken und sie stießen an, bevor sie einige Schlucke hinunterstürzten. Die Nacht war schon ohne das Tanzen eine der wärmsten des Jahres.

„Geht es dir gut?“, fragte die blonde Hexe nun, und ihr Gegenüber erwiderte verblüfft: „Klar! Dir nicht?“ Bibi lachte. „Doch, danke der Nachfrage! Ich wollte nur sichergehen.“ Alex funkelte sie herausfordernd an: „Meinst du etwa, nur weil Tina in Neuseeland ist, werde ich ein Jahr lang zum Trauerkloß?“ – „Quatsch! Aber ich gebe zu: Ich hatte nicht gedacht, dass du heute überhaupt herkommst.“ Der Angesprochene hob die Augenbrauen: „So viele Partys finden in Falkenstein ja nun auch wieder nicht statt, dass ich ständig Gelegenheit hätte, unter Leute zu kommen.“ Bibi nickte verstehend: „Also lieber auf dem Martinshof feiern – trotz Tinas Abwesenheit – als überhaupt nicht? Dann sind wir uns ja einig.“ Beide grinsten, und Alex leerte seine Flasche, um dann aufzuhorchen. „Oh, ich glaube, dass ist Freddys Lieblingsband, die da läuft. Das kann nur gut werden!“ rief er und lief wieder in Richtung Tanzfläche. Auf dem Weg kam ihm Holger entgegen, und die beiden klatschten wie Fußballspieler beim Auswechseln lachend ab.

„Na? Machst du schlapp?“, fragte der blonde Martinshofbewohner die Hexe am Büffet, als er sich ebenfalls ein Getränk nahm und den Schweiß von der Stirn wischte. „Pff“, erwiderte die Angesprochene und knuffte ihren ‚Beinahe-Bruder‘ in die Seite, „Gib zu, dass du auch weit davon entfernt bist, so sehr Duracell-Häschen zu spielen wie unser Grafensohn.“ Sie deutete zu Alex, der sogar noch begeisterter über die Tanzfläche sprang als Freddy. Holger schmunzelte bei dem Anblick und erwiderte: „Stimmt, ganz so nötig habe ich es dann auch wieder nicht. Außerdem bin ich ja nun der Älteste hier und muss den Überblick behalten.“ Die junge Hexe brach in Lachen aus: „Du magst ja fast 30 sein, aber wie ich dich kenne, bin ich es wieder, die am Ende daran denken muss, die Scheinwerfer auszuschalten. Dabei bin ich hier nur zu Gast!“ Sie setzte ein gespielt empörtes Gesicht auf, das der junge Mann neben ihr prompt durch einen herzerweichenden Hundeblick zu besänftigen versuchte. Mit übertrieben unterwürfiger Geste bot er ihr eine Handvoll Salzstangen an.

Grinsend stopften sich beide die Münder mit Knabberzeug voll und schauten wieder zu den Tanzenden hinüber, die nun eine Miniaturversion einer Polonaise veranstalteten. Alex hielt sich mit einer Hand an der Schulter seines Vordermanns fest und tat, als würde er mit der anderen ein Lasso schwingen, wobei er auch seine Hüften beeindruckend kreisen ließ. „Wowaff hat eff tfu meiner Tfeit niff gegeben“, mümmelte Holger, und Bibi verschluckte sich fast vor Lachen. „Wir haben doch deine Mutter nicht ins Schloss ausquartiert, damit du hier an ihrer Stelle die Spaßbremse spielst!“ Der Angesprochene beeilte sich, die Salzstangen hinunterzuschlucken und entgegnete: „Oh, das habe ich nicht vor, keine Angst!“ Er nahm noch einen Schluck aus seinem Glas und zwinkerte Bibi vielsagend zu, dann machte er sich wieder auf den Weg zur Tanzfläche. Anscheinend hatte er es eilig zu demonstrieren, dass auch er einen nicht zu verachtenden Hüftschwung bieten konnte.

Es wurde noch eine ganze Weile gemeinsam getanzt und gelacht, bis sich die anwesenden Falkensteiner Bekannten nach und nach verabschiedeten, zum Schluss auch Freddy und seine Kumpels. Als der selbsternannte Sheriff die Musik ausschaltete, um seinen Laptop einzupacken, der ihnen als DJ-Pult gedient hatte, merkte Bibi erst, wie müde sie war. Holger nahm das Gähnen der Hexe als Signal, schnell alle leeren Chipstüten in die bereitstehenden Mülleimer zu stopfen und die letzten fast leergegessenen Platten und Schüsseln vom Büffet in die Küche zu tragen. Zwar könnte das gründliche Aufräumen bis zum nächsten Vormittag warten, aber herumflatternden Plastikmüll oder Essensreste, die irgendwelche Tiere anlockten, wollten sie nicht im Hof hinterlassen.

Als er die Küche wieder verließ, stieß Holger fast mit Alex zusammen, der einen Stapel Teller hereinbrachte. Der Grafensohn schien immernoch Energie zu haben und fragte mit blitzenden Augen: „Trinken wir gleich noch einen Absacker?“ – „Ich bin raus, ich will ins Bett!“, erwiderte Bibi, die hinter ihm mit einigen angebrochenen Packungen Knabberzeug ins Haus kam. „Dann schlaf gut, Bibi. Ich bin dabei, Alex“, erwiderte Holger und schob sich an diesem vorbei in Richtung Haustür. Als Bibi kurz darauf einen letzten Blick auf den Hof warf, hatte Holger tatsächlich die Partybeleuchtung ausgeschaltet. Im sanften Licht der Außenlaterne saßen die beiden jungen Männer auf einer Bierbank nahe der Tanzfläche und schienen schon ganz in ihr letztes Getränk vertieft zu sein. Auf ihr „Gute Nacht!“ winkten sie der Hexe kurz zu und steckten dann wieder die Köpfe zusammen.
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