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All I ever wanted ...

Kurzbeschreibung
OneshotFamilie, Schmerz/Trost / P16 / Gen
15.02.2022
15.02.2022
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Dies ist mein Beitrag zu der ersten Runde "Filmzitate" vom Thron der Schreibkunst 2.0 der lieben Spinatwachteln Romy & Tine!
Die Vorgaben für diese Runde waren:
Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann dich. – Fightclub
Das Zitat soll als grundlegende Inspiration dienen und im Text eingearbeitet werden - Abwandlung der Pronomen ist erlaubt.
Die Gesamtzahl der Wörter beträgt 2.635 laut  "zeichenzähler.de".
Da meine Muse bis zum Ende nicht wollte und erst kurz vor knapp mit einer, relativ, passenden Idee um die Ecke kam, entschuldige ich mich vorweg bei jedem Grammatikwichtel, welcher auf dieser Reise das zeitliche segnete.
Ruhe in Frieden!
Ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Lesen!



»♥«


02. Mai 2020
Das kleine rote Lämpchen des Anrufbeantworter war wir eine Vorwarnung des Sturmes, welches kurz darauf über ihn hereinbrechen würde. Ein Sturm, welcher mit jeder voranschreitenden Minute weiter anschwellen würde. Er hatte sowieso schon zu viel Zeit verstreichen lassen. 15:03 zeigte das Display an, insgesamt vier verpasste Anrufe. Alle von seiner Mutter. Der einzige Grund, wieso er überhaupt noch ein Telefon mit Anrufbeantworter besaß, könnte sie mit dem tragbaren kabellosen kleinen Telefonen namens Handy nicht wirklich etwas anfangen. Mittlerweile war es 15:17. Er musste sie unbedingt zurück rufen.
„Alyos?“
„Ja, Mama – ich bin es.“
Wer denn sonst? Doch diesen Gedanken sprach er nicht aus. Zum einen um seiner Mutter nicht noch mehr Gründe zu geben sich aufzuregen, zum anderen ließ der Wortschwall ihrerseits keine Lücke dazu.
„Endlich höre ich von dir. Warum bist du denn nicht an das Telefon gegangen? Mein Junge, ich habe mir schon Sorgen gemacht. Du hast doch heute frei, oder etwa nicht?“
Hatte er nicht, war aber im Grunde nicht von Bedeutung. Seit gut einem halben Jahr wurde seine Arbeitsstelle vom Büro im Firmengebäude in die kleine Kammer ihrer Wohnung gezogen. Die Firma hatte ihn einen Laptop dafür mit auf den Weg gegeben, sollte er so gut die Zeit zwischen Marleen und der Arbeit aufteilen können. Doch auch seine Arbeit bedeutete nicht automatisch, er sei 24/7 Zuhause.
„Ich war einkaufen, Mama.“
„Hast du meine Nachricht abgehört?“ Reine rhetorische Frage. Ob er es getan hatte oder nicht, sie würde es ihm nun so oder so mitteilen. Aloys Blick glitt zu der Tüte, welche er neben sich abgestellt hatte. Der Einkauf musste weggeräumt und die Mahlzeit für Marleen und ihn zubereitet werden. Keine Zeit, seiner Mutter lange zuzuhören. Er hatte sie lieb, aber keine Zeit.
„Wie geht es Marleen?“
„Den Umständen entsprechend gut. Zustand weiter derselbe.“
„Ich weiß, dass ihr mich vermutlich nicht besuchen kommen könnt …“
„Nein.“
„Aber wie wäre es, wenn ich euch die Tage meine leckere Hühnersuppe vorbei bringe und dir etwas unter die Arme greife?“
„Nein.“
Seine Mutter schwieg einen Moment. Alyos wusste, sie meinte das Angebot nur gut. Keine Frage. Doch er konnte sie hier nicht gebrauchen. Elenor Wagner war mittlerweile 83 Jahre alt und selber nicht mehr allzu gut zu Fuß unterwegs. Nicht, dass er sie nicht sehen wollte, er hatte einfach nur keine Zeit.
„Ich weiß, du meinst es nur gut, Mama-“, begann er sich zu erklären, während in seiner Stimme etwas Ungeduld mitschwang. Das Essen … keine Zeit! „-aber du musst dir wirklich keine Umstände machen. Marleen und ich haben genug zu essen. Sobald es ihr besser geht kommen wir dich besuchen, in Ordnung?“
„Versprochen?“
„Versprochen.“
Ein Versprechen, welches er ihr am Ende eines jeden Telefonat gab. Weil es sie beruhigte und sie ihn dann meistens in Frieden ließ. Zumindest für die nächsten zwei oder drei Tage. Auch dieses Mal ging sein Plan auf. Elenor seufzte leise. Eben noch klang sie wie die Mutter, welche ihren Teenager zurecht wies. Nun wie die ältere Damen die sie nun einmal war.
„Ich vermisse dich nur, mein Junge.“
„Bald, Mama – ja? Bald geht es Marleen besser und dann besuchen wir dich. Versprochen.“

07. Mai 2020
„Herr Wagner.“
Aloys hielt inne die nächste Stufe nehmen zu wollen und drehte sich um. Nur noch weitere fünf Stufen trennten ihn zu seiner eigenen Wohnung, weitere fünf in die andere Richtung von der Person, die er am Liebsten ignoriert hätte. Doch konnte er es nicht, widersprach das jeglicher Höflichkeitsregel seinen Nachbarn gegenüber. Und besonders dieses Exemplar war mit Vorsicht zu genießen.
„Frau Hoffmann, einen schönen guten Tag wünsche ich Ihnen.“
Er schenkte ihr ein höfliches Lächeln, welches sie erwiderte. Ihre Augen musterten ihn forschend. Frau Hoffmann war die Art von ältere Dame, die alles mit Skepsis beäugte, was nicht in ihr normales Umfeld gehörte. Sei es spielende Kinder auf der Straße, die sonst nicht zu hören waren oder ein Auto, welches sie keinem in der Wohngegend zuordnen konnte. Oder eben der Moment, wenn ein langjähriger Nachbar sie einfach links liegen ließe.
„Wie geht es Ihrer Frau?“
„Es geht ihr den Umständen entsprechend gut, Frau Hoffmann. Wie geht es Ihnen?“
„Gut, gut. Nur die neuen Nachbarn von Gegenüber … was das wohl für welche sind?“
Aloys nickte ihr nur zustimmend zu, während sie ihm eine Tirade darüber hielt, welch abscheuliche Familie in den Wohnblock gegenüber eingezogen sei. Die Kinder viel zu laut und die dazugehörigen Eltern seien doch eben jene, die dem Staat nur auf der Tasche liegen würden. In ihr eigenes Land sollen sie zurück und nicht ehrliche deutsche Staatsbürger ausnehmen. Die gute alte Frau Hoffmann, gab er gedanklich ein Kommentar ab, aufmerksam, akribisch und unterschwellig rassistisch. Ob nun aus bösen Absichten oder aus alter Erziehung durch die sie es nicht besser wisse sei dahin gestellt. Aloys selber teilte ihre Ansichten nicht, korrigierte sie aber auch nicht. Jede Diskussion würde nur unnötige Zeit bedeuten. Zeit, die er nicht hatte, während Marleen auf ihn wartete.
„Bitte entschuldigen Sie, Frau Hoffmann, aber ich würde nun zu meiner Frau wenn Sie erlauben. Sie erwartet meine Rückkehr bereits …“
Frau Hoffmann unterbrach ihren Redeschwall und stützte sich auf dem Besen ab, welchen sie in der Hand hielt. Ihr Blick ruhte einen Moment wieder auf ihm, bevor sie nickte. „Aber natürlich. Wie unhöflich von mir. Bitte grüßen Sie ihre Frau. So eine liebevolle Person. Möge es Ihr bald besser gehen.“
„Vielen Dank.“
Ein höfliches Nicken in ihre Richtung, bevor er nun die letzten fünf Stufen hinauf stieg, welche ihn von seiner eigenen Wohnung trennten. Hörte, wie Frau Hoffmann in ihre eigene Wohnung trat und die Tür schloss, als er selber die Haustür mit einer kleinen Drehung des Schlüssels öffnete.
„Ich bin wieder Zuhause, Schatz!“

17. Mai 2020
Er betrachtete einen Moment lang die Einladung vor ihm auf dem Tisch so, als wäre sie von einem anderen Stern. Die Einladung zu der Geburtstagsfeier seiner langjährigen Freundin Karla. Der 50. Geburtstag, ein wahrlicher Grund zu feiern. Nett von ihr, dass sie an ihn und Marleen gedacht hatte bei der Auswahl der Gäste zu diesem Ehrentag. Wirklich, sehr nett von ihr. Mit einem letzten großen Schluck leerte er seine Kaffeetasse, bevor er aufstand und besagte Tasse in die Spüle stellte. Er würde Karla später absagen. Oder vielleicht schon jetzt, dann hätte er es hinter sich. Er würde sie nicht anrufen, nur eine kurze Nachricht über WhatsApp. Mit einer Entschuldigung, in welcher er ihr beteuern würde, dass er sehr gerne gekommen wäre. Aber Marleen war eben nicht fit genug für eine Geburtstagsfeier. Und er könnte sie nicht alleine lassen. Eine Betreuung einstellen kam nicht in Frage. - auch nicht für eine Art Babysitter seiner Ehefrau. Egal, wie oft er diesen Vorschlag schon gehört hatte blieb er unerhört. Er würde sich um sie kümmern. Bei der Ehe hatte er ihr geschworen in guten und schlechten Tagen für sie da zu sein.

Vielen lieben Dank für deine Einladung, Karla!
Hat mich gefreut, dass du an uns denkst.
Leider muss ich dir aber absagen. Wie du ja weißt, geht es Marleen nicht besser und ich kann sie nicht alleine lassen.
Sobald es geht stoßen wir gemeinsam auf dein Wohl an.
Viele Grüße
Aloys


30. Mai 2020
„Guten Morgen, mein Schatz.“
Er beugte sich vor und küsste Marleen behutsam auf die Stirn. Sie schlief noch, tat sie das in letzter Zeit öfter. Ihre Krankheit machte ihr deutlich zu schaffen. Umso mehr musste er für sie da sein. Er war ihr Ehemann. Und er würde es alleine schaffen, keine Frage.
Er war heute wieder früher auf den Beinen gewesen und hatte bereits Brötchen geholt. Auch frische Blumen hatte er mitgebracht und sie in einer Vase an ihr Bett gestellt. Orange und gelbe Gerbera – wie sie es am Liebsten hatte. Hatte sie noch schlafen lassen, sollte sie gesund werden. Und Schlaf war immer noch die beste Medizin. Seine Mutter hatte erneut eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, er würde sie später wieder abweisen. Sie brauchten keinen Besuch. Sie schafften das beide alleine. Zudem bedeuteten zu viele Menschen von außen zu viele fremde Keime. Und das würde der Gesundheit seiner Frau mehr schaden, als ihr zu helfen. Dabei sollte sie gesund werden.
So leise wie möglich zog er den Rollladen hoch und kippte das Fenster um die frische Morgenluft herein zu lassen.
„Heute gibt es frischen Orangensaft, den magst du doch so gerne. Und wenn du möchtest kann ich dir deine Haare flechten. Zu zwei Zöpfen, oder zu einem?“
Sein Blick glitt hinaus in den Garten. Er müsste sich mal wieder um den Rasen kümmern, dieser wuchs schon in alle Richtungen wild gen Himmel.
„Du kannst sie auch offen tragen, wie du möchtest mein Schatz. Nach dem Frühstück kann ich dir aus deinem Lieblingsbuch vorlesen. Oder deine CD anstellen die du so liebst. Und wenn du wieder gesund bist, dann tanze ich wieder zu unserem Lied mit dir.“
Er war nicht der beste Tänzer, doch liebte er es, wie ihre Augen immer leuchteten, wenn er mit ihr über die Tanzfläche wirbelte. Es war ihr immer egal gewesen, dass er ihr hier und da auf die Füße trat, wenn er es aus dem Takt kam. Dafür liebte sie das Tanzen einfach viel zu sehr. Und er liebte sie.
Alyso wandte sich vom Fenster um und trat zu seiner Frau ans Bett, strich ihr einmal sanft durch das Haar. Dann holte er ihren Rollstuhl, half ihr sich zu setzen. Langsam wurde sie wach, dauerte es immer. Ihre Augen schaffte sie dabei kaum zu öffnen, doch störte er sich daran nicht. Der Krebs setzte seiner Frau zu. Sie war schwach, doch er war hier. Er fing sie auf.
„Na komm – gehen wir dich einmal frisch machen und dann frühstücken, ja?“ Er beugte sich zu ihr, hauchte ihr einen Kuss auf den Haarschopf. Atmete ihren Duft ein. Vertraut. „Ich liebe dich, Marleen.“
Sie beide würden das schaffen und den Krebs besiegen. Ganz bestimmt.

08. Juni 2020
Es polterte laut an der Tür. Aloys versuchte es zu ignorieren, während er Marleen einen Löffel der Suppe hin hielt, welche er gekocht hatte. Tomatensuppe mit Reis, das liebte sie am Meisten. Nach der Hühnersuppe seiner Mutter, aber Elenor durfte nicht vorbei kommen. Keiner durfte das. Auch die Menschen vor seiner Haustür sollten gehen und sie beide in Ruhe lassen.
Gedämpftes Worte, glaubte jedoch Frau Hoffmanns Stimme zu hören. Hatte er sie etwa verärgert, weil er sie doch einmal nicht gegrüßt hatte? Weil er sie einfach übersehen hatte? Erneutes Poltern an der Tür, ein lautes Klopfen. Stimmen drangen nun lauter zu ihm.
„Polizei! Herr Wagner, öffnen Sie die Tür oder wir sehen uns gezwungen sie aufzubrechen.“
Er ignorierte sie, schenkte Marleen nur ein Lächeln. „Noch einen Löffel, mein Schatz, ja? Du musst etwas essen, damit du wieder gesund wirst.“
„Herr Wagner, öffnen Sie die Tür – sofort!“
Immer noch ignorierte er die Stimme, das erneute Poltern und zum Schluss das laute Knacken, als das Türschloss aufgebrochen wurde. Sah erst auf, als die Polizei bei ihm in der Küche stand. Ein leicht genervtes Seufzen entwich ihm, als er zu den Beamten sah. „Wie kann ich Ihnen helfen, Offizier? Sehen Sie nicht, dass meine Frau und ich gerade unser Mittagessen genießen. Ich würde Sie bitten Abstand zu halten. Meine Frau hat Brustkrebs, bereits gestreut. Zu viele Keime von außen schaden ihr, wenn Sie verstehen.“
Die Polizisten antworteten nicht. Ihre Blicke waren vor Entsetzen geweitet. Einer von ihnen sprach in sein Funkgerät. Etwas von einem möglichen Tötungsdelikt. Aloys verstand kein Wort, wurde seine Mimik immer genervter. Warum störte man sie bitte beim Mittagessen?
Ein weiterer Polizist trat näher an ihn heran, wirkte immer noch überfordert und geschockt von dem Szenario, welche sich ihm bot. Mit Mühe schien er den Impuls unterdrücken zu müssen, sich die Hand vor die Nase zu halten.
„Herr Wagner? Sie sind vorläufig festgenommen wegen Verdacht auf Ermordung Ihrer Ehefrau Marleen Wagner.“

21. Juni 2020
Mit einem abfälligen Schnauben ließ er den Obduktionsbericht sinken und suchte den Blick seiner Partnerin. Yuki hatte ihn zuvor gelesen und schien nur darauf gewartet zu haben, dass auch Lias ihn zu ende studiert hatte.
„Unfassbar, oder?“
Seine Stimme klang angriffslustig, doch kannte man Lias gut genug wusste man, dass er einfach nur überfordert war. So einen Fall hatten sie in ihrer Laufbahn noch nicht gesehen. Nicht, dass sie mit ihren gerade einmal Anfang Dreißig schon die Anzahl an Fällen aufweisen konnten. Und dennoch würde er seine Hand dafür ins Feuer legen, dass dies nicht das klassische Klientel war, mit welchem sie sonst arbeiten würden.
„Sie starb in der Nacht auf den 08. April. Zwei Monate hat er noch mit ihr zusammen gelebt. Mit einer Leiche. Hat sie gepflegt, umsorgt …“
Lias schüttelte nur den Kopf, immer noch ungläubig.
Yuki hatte sich in ihrem Schreibtischstuhl zurück gelehnt, ihr Blick ruhte dabei noch auf ihrem langjährigen Partner, welcher an ihrem Schreibtisch gelehnt stand.
„Nach Aussagen von Elenor Wagner sei Ihr Sohn bereits als Teenager sehr anhänglich bei Beziehungen gewesen und dieses Verhalten hätte sich nicht gebessert, als er Marleen Wolf traf. Nun bedenke, die beiden waren fast 25 Jahre verheiratet.“
„Noch lange kein Grund eine Leiche zu verschweigen.“
„Das nicht, aber-“ Während sie sprach griff Yuki zu einem weiteren Dokument und überreichte es ihrem Kollegen. Lias überflog dieses, während sie weitersprach. „-der zuständige Psychologe hat bestätigt, dass Herr Wagner eine ausgeprägte Form von Verlustangst leidet. Er konnte es nicht ertragen seine Frau zu verlieren.“
Yukis Blick glitt einmal in Richtung Fenster, während sie mehr oder weniger nachdenklich ins Nichts starrte.
„Alles was wir besitzen, besitzt irgendwann uns.“
„Was?“
Lias wurde nicht ganz schlau aus den Worten seiner Kollegin. Wäre nicht das erste Mal, dass Yuki für ihn in Rätseln sprach. Er hatte nur in den über fünfzehn Jahren der Partnerschaft gelernt, es mit einem Schulterzucken abzutun, sollte sie es ihm nicht erklären. Dieses Mal zeigte sie jedoch erbarmen.
„Es ist doch ganz einfach. Herr Wagner hat seine Frau geliebt. Er hatte Jemanden, zu dem er gehörte, aber besonders gehörte sie ihm. Ihre Liebe war alles, was ihn ausmachte. Ihre Liebe zu verlieren, dieses Wissen zuzulassen, hätte ihn zerstört. Sie war ihr Besitzt, er war in ihren Händen bis zum Schluss. Er wollte einfach nicht verstehen, dass er seinen Besitzt verloren hatte und er selber niemanden mehr gehörte.“
Immer noch kam Lias nicht wirklich mit, doch das gewöhnte Schulterzucken folgte. Yuki war mehr der Kopfmensch von ihnen beiden. Sie würde schon eine Logik in dem Ganzen sehen, die durchaus Sinn  machte. Nur eben nicht für ihn.
„Er wird also übermorgen in die örtliche Psychiatrie eingewiesen?“
Er wedelte einmal mit dem Dokument um zu bestätigen, woher er diese Information hatte. Yuki nickte ihm zu, bevor sie es ihm abnahm und in den vorgesehen Ordner zurück legte.
„Gefängnis macht wenig Sinn. Ja, er hat eine Straftat begangen indem er die Totenruhe störte. Und dennoch braucht er vor allem psychologische Hilfe. Dieser Mann hat sich wochenlang eingeredet, seine Frau sei noch am Leben. Wenn die Nachbarin nicht irgendwann einen seltsamen Duft wahrgenommen hätte, wäre es bestimmt noch wochenlang so weitergegangen. Gut verdeckt hat er es ja.“
„Dieser Fall bereitet mir echt Kopfschmerzen. Deutschland bereitet mir Kopfschmerzen. Ich bin froh, wenn unsere Zeit im Auslandsdienst vorbei ist und wir wieder nach Hause können…“
Mit einem Seufzen stieß Lias sich von dem Schreibtisch ab und hielt ihr die Hand hin. „Na komm, special Snowflake, lass uns etwas zu Essen aus der Kantine holen. Ich habe Hunger – du nicht?“
Yuki schob seine Hand nur zur Seite und strafte ihn mit einem kalten Blick, hasste sie es solch einen Spitznamen dank ihrer fast weißen Haare zu bekommen. Dennoch nickte sie Lias zu. Sie kannte ihn ja nicht anders.
„Essen klingt gut.“
Auch, wenn die deutsche Küche kein Vergleich zu Japanischen war. Es war in Ordnung. Vielleicht würde sie sich das eine oder andere Gericht merken. Wenn auch manch andere Dinge nicht von Belangen waren.
Den Fall Alyos Wagner würden Lias und sie jedoch niemals vergessen.
 
 
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