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Happily ever after - Fortsetzung

Kurzbeschreibung
SammlungHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
15.02.2022
05.11.2022
4
7.969
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15.02.2022 1.865
 
NIKOLAS POV
Immer lauter werdende Flüche dringen aus der Ankleide an mein Ohr. Kurz überlege ich, ob ich mich in die Gefahrenzone wage oder doch lieber direkt die Flucht ergreife und entscheide mich für die zweite Option. Weil ich eben ganz genau weiß, dass ich Ellen gerade überhaupt nicht helfen kann. Je weiter ihre Schwangerschaft kommt und je größer damit auch die Kugel wird, die sie vor sich herschiebt, desto ungnädiger wird sie jeden Morgen mit sich selbst, wenn sie passende Klamotten fürs Büro sucht.

Und ich weiß auch genau, ich kann sagen, was ich will, das will sie in dem Moment sowieso nicht hören. Ich glaub, eigentlich weiß sie genau, wie fasziniert ich von ihrem Körper bin. Also, grundsätzlich. Aber im Moment erst recht. Mit jedem Tag wächst ihre Kugel, mittlerweile im neunten Monat weiß ich gar nicht mehr, wo das die nächsten Wochen noch hinführen soll! Aber gleichzeitig liebe ich das Gefühl, das sich in mir ausbreitet, wenn ich Ellen ansehe und mir jedes Mal zwangsläufig vorstelle, dass unsere Tochter da drin heranwächst und bald bei uns sein wird. Und ich glaube, trotz aller Beschwerden, die Ellen plagen und trotz allem Gejammer über unpassende Klamotten, liebt sie selbst das genauso sehr.

Nichtsdestotrotz beeile ich mich jetzt, um meine Überraschung für Ellen und Emily in der Küche vorzubereiten. Immerhin ist heute ja Valentinstag. Und ich hab mir sagen lassen, Verliebte machen da sowas.
Nicht, dass mir das besonders wichtig wäre, aber ich weiß eben genau, wie viel Ellen es bedeutet, dass ich so gut wie keine Gelegenheit auslasse, ihr nicht nur zu sagen, sondern ihr auch zu zeigen, dass ich sie liebe. Und dass sie eben insgeheim auch auf so romantische Gesten steht, wie so einen Tag zu zelebrieren.
Deswegen habe ich gestern noch ein paar Blumen besorgt, die ich jetzt schnell aus dem Versteck im Keller holen muss, bevor ich den Tisch decke und uns für einen Wochentag ein etwas spezielleres gemeinsames Frühstück kredenze, als das normalerweise der Fall wäre.

Ich eile die Kellertreppe wieder hoch, stelle die Blumen jeweils vor Ellens und Emilys Platz ab und hole alles aus den Schränken, was den beiden Damen des Hauses gute Laune garantieren soll.
Dass ich für heute Abend einen Tisch bei unserem Lieblingsfranzosen reserviert hab, muss Ellen ja noch nicht wissen. Ein Ass im Ärmel zu haben lohnt sich ja gelegentlich.

ELLEN POV
Dankbar, endlich diese engen und hohen Schuhe loswerden zu können, lasse ich mich ächzend auf den Küchenstuhl fallen. Runterbeugen klappt schon eine Weile nicht mehr so gut. Und obwohl ich meine Stiefeletten in den letzten Jahren immer heiß und innig geliebt habe, merke ich jetzt, dass sie in den nächsten Monaten wohl oder übel eine Pause haben werden. Vielleicht sollte ich die letzten zwei Wochen auch im Büro auf bequemere Schuhe umsteigen?
Den Gedanken daran verwerfe ich sofort wieder. Kommt gar nicht in Frage! Ich verfluche ja jeden Morgen schon meine Klamotten. Wie gerne würde ich wieder in meine wahnsinnig gutaussehenden Hosenanzüge passen? Wie gerne würde ich meinen Blazer auch mal wieder schließen können? Geschweige denn meine Blusen tragen, die nicht sofort an ein Zelt erinnern wie diese Tunikateile, die ich mir vor ein paar Monaten schon zugelegt habe?
Ich meine, das sieht ja alles sicher noch halbwegs schick aus und ich glaube tief in mir drinnen auch nicht, dass mich jemand wegen meiner Klamotten nicht mehr für voll nehmen würde als Staatsanwältin. Trotzdem. Ich selbst, ich wäre einfach gerne nicht so eingeschränkt in meiner Auswahl.

Abgesehen davon, dass nicht nur meine Kleiderwahl eingeschränkt ist. Ich selbst, ich fühle mich zunehmend auch eingeschränkt. Ständig brauche ich Hilfe, werde immer unbeweglicher, muss ständig auf Toilette und wenn ich vor Gericht ein Plädoyer halte, kommt es mir immer so vor, als ob alle Welt einem Wal beim ungelenken Aufrichten zugucken muss, wenn ich mich zum Sprechen aus meinem Stuhl quäle und meine Robe so weit fällt, dass ich vermutlich dreimal so dick wirke, wie ich eigentlich bin.
So sehr ich mein Baby liebe, ich glaube, ich bin froh, dass es so langsam dem Endspurt entgegengeht. Mein Mutterschutz, der in zwei Wochen beginnt, besiegelt für mich unweigerlich den Start davon.

„Hallooooo! Ich bin daaa!“ tönt es aus dem Eingangsbereich und sofort schleicht sich ein Lächeln auf mein müdes Gesicht, während Nikolas in Richtung Küche gelaufen kommt.
Die Blumen, die immer noch auf der Kücheninsel stehen, haben mich gleich beim Hereinkommen wieder an Nikolas unglaublich süße Überraschung heute morgen erinnert. Abgesehen davon, dass er sich wirklich alle Mühe gibt, mir zu helfen und alles abzunehmen, was ich nicht mehr schaffe, versucht er auch alles, mir ein gutes Gefühl zu geben, dass ich mich eben nicht rund um die Uhr wie ein gestrandeter Pottwal fühle. Und das nicht nur, um mich zu besänftigen. So wie er mich jeden Tag ansieht, weiß ich genau, dass er mich, meinen Körper und unser Kind darin abgöttisch liebt und was er tut und sagt wirklich so meint.

„Hey na?“ erwidere ich seine Begrüßung, nachdem er sich zu mir gebeugt und mir einen leichten Kuss auf die Lippen gedrückt hat.
„Wie war’s heute bei euch? Lief am Tatort alles gut?“ erkundige ich mich nach dem neuesten Fall meines Teams, das mir schon vor ein paar Wochen verboten hat, unnötige Außeneinsätze zu begleiten und mich nur noch anruft, wenn es unbedingt nötig ist, dass ich als Staatsanwältin dazukomme. Umso neugieriger bin ich auf alle Informationen, die ich nicht nur Herrn Grüns ausführlichen Berichten, sondern auch Nikolas Erzählungen entnehmen kann.
Noch so ein Ding, worauf ich mich freue, wenn ich dann irgendwann – in gefühlt unglaublich langer Entfernung – wieder so richtig mit einsteigen kann!
„Ja klar, alles super. Frau Dr. Holle und ihr Team waren eben mit der Spurensicherung fast durch als ich weg bin, Herr Grün ist auch nochmal ins Büro, die zwei werden dich und uns dann bestimmt morgen mit allen wichtigen und unwichtigen Erkenntnissen wunderbar unterhalten…“
Natürlich kann mein Freund einen Seitenhieb auf die Gründlichkeit seines Chefs nicht unterlassen, den ich wie immer mit einem Augenrollen kommentiere.

„Okay super!“ lasse ich verlauten und wechsele das Thema, indem ich mich anstrenge, aus dem Stuhl aufzustehen und in Richtung Sofa zu wechseln. Mich da jetzt hinlegen und nicht mehr aufstehen, der Inbegriff meiner heutigen Idealvorstellung eines Feierabends. Auch wenn mein Würmchen das sicher nicht zulassen wird und mich zwischendurch noch unzählige Male auf die Toilette jagen wird.
Nikolas beobachtet mich irgendwie argwöhnisch, als ich mich ächzend und seufzend vorsichtig in den Kissen niederlasse.
„Ist alles in Ordnung? Brauchst du was?“ äußert er sofort seine Bedenken.
„Hm? Ne, alles gut. Ich werde mich hier einfach nicht mehr wegbewegen, bis ich ins Bett gehe. Dann ist alles super und mein Rücken und meine Füße werden mich hoffentlich nicht mehr so quälen wie den Tag über…“ lasse ich meine Versicherung in seine Richtung mit einem leichten Lächeln verklingen.

Was seine besorgte Miene aber irgendwie überhaupt nicht auflöst. Im Gegenteil. Nikolas hat zwar neben mir Platz genommen und mir geholfen, mich so zu positionieren, dass ich meinen Kopf auf seinem Schoß ablegen kann, seine Hand, die aber fast schon gewohnheitsmäßig und total automatisch auf meiner überdimensionalen Kugel landet, streicht heute nicht wie sonst total ruhig und verträumt darüber, sondern huscht irgendwie unruhig hin und her, während ich in seinem Körper eine nicht zu deutende Anspannung ausmachen kann.
Ich lege meinen Kopf so in den Nacken, dass ich zu ihm hochschauen kann und lasse meine Hand über seinen Arm wandern, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen.
„Ist alles in Ordnung? Du wirkst so angespannt? Ist das noch der Fall?“
„Hm?“ Nikolas war wirklich in Gedanken, wendet sich aber jetzt mir zu.
„Ne ne, alles gut. Wirklich.“ sagt er, aber ich merke genau, dass trotzdem irgendwas in ihm gärt.

Innerlich muss ich die Augen verdrehen, weiß aber ganz genau, dass es nichts bringen würde, Nikolas weiter zu bedrängen. Vielleicht braucht er einfach nur noch ein bisschen, um auch gedanklich voll und ganz Zuhause anzukommen. Immerhin stand er vor ner halben Stunde noch am Tatort eines Mordes, das kriegen wir alle nicht so schnell aus dem Kopf, wie wir uns das manchmal wünschen würden.
Sanft lasse ich meine Hand weiter über seinen Arm kreisen, bin aber umso erstaunter, als er kurze Zeit später ebenso sanft, aber bestimmt, meine Hand nimmt und auf meinem Bauch ablegt. Anschließend hebt er genauso sanft aber bestimmt meinen Kopf an, steht auf und lässt mich alleine auf dem Sofa zurück.

Mit einem „Muss nochmal kurz los, bin bald wieder da.“ verschwindet er keine Minute später auch schon aus der Haustür und lässt mich gedankenschwer zurück.

Zwei Stunden später liege ich weiterhin auf dem Sofa, meine Gedanken kreisen immer noch. Selbst wenn ich mich inzwischen doch eigentlich an Nikolas Marotten gewöhnt habe – so ganz lässt mich sein abrupter Abgang nicht los.
Plötzlich höre ich den Schlüssel im Schloss und richte mich so gut und so schnell es geht auf, neugierig, wer da denn kommen mag. Emmi ist schon kurz nach Nikolas Abgang aus der Schule wiedergekommen und kurze Zeit später eigentlich wieder zu einem Mädelsabend aufgebrochen. Die erwarte ich so schnell nicht wieder. Kann also eigentlich nur Nikolas sein.

Und richtig. Verborgen hinter einem riesen Karton und beladen mit zwei weiteren Tüten stolpert mein Freund zur Haustür rein, sodass ich mich vom Sofa quäle und beschließe, ihm zu helfen.
„Was hast du denn gemacht? Einen Laden überfallen oder hast du jetzt vor, Lebensmittel zu bunkern?“ frage ich ihn, als ich das Logo auf der Box erkenne.
Doch das Einzige, das Nikolas erwidert ist bloß ein „Du ziehst dir jetzt deine liebsten und bequemsten Klamotten an und dann treffen wir uns gleich auf dem Sofa wieder, okay?“
Ich weiß genau, dass jeglicher Widerspruch zwecklos wäre, also füge ich mich lieber und watschele schwerfällig die Treppe hoch.

Zehn Minuten später komme ich wieder runter und staune nicht schlecht, als ich das Wohnzimmer betrete. Mein knallharter Ruhrpottbulle hat offenbar seine romantische Ader entdeckt und seine niedliche Überraschung von heute morgen selbst sowas von übertroffen!
Auf allen Tischen stehen Kerzen, der Couchtisch selbst ist über und über voll mit allen Leckereien, die mein absolutes Lieblingsrestaurant zu bieten haben. Dazu liegt meine Lieblingskuscheldecke auf dem Sofa bereit und Nikolas steht – zur Hälfte nervös, zur Hälfte stolz wie Oskar – mitten im Raum und schaut mir erwartungsvoll entgegen.

„Was…?“ ist das Einzige, was ich mit einem ungläubigen Fingerzeig auf das Szenario herausbekomme. Ich begreife gar nichts mehr. Schon gar nicht, nach seinem abrupten Abgang vorhin.
„Naja…“ setzt Nikolas an.
„Eigentlich hatte ich für uns zwei heute Abend einen Tisch reserviert. Aber als du vorhin gesagt hast, du willst heute nicht mehr vom Sofa runter, da musste ich mir ja was anderes einfallen lassen. Also hab ich das Essen einfach hergeholt.“

Mein Herz pocht wie wild und ich habe das Gefühl, überzusprudeln vor Liebe zu diesem Mann. Mein aufmerksamer, im tiefsten Herzen hochromantischer Inspektor!
Ich laufe zu ihm hinüber und ziehe ihn so nah an mich heran, wie die Kugel das noch zulässt. Sofort versinken wir in einem innigen Kuss, der all das zum Ausdruck bringt, was weder er noch ich gerade mit Worten sagen können.
Eins ist klar – Nikolas schafft es immer wieder, meine Liebe zu ihm in neue Höhen zu befördern!
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