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Children Of War

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Het
Brandon "Bran" Stark Catelyn "Cat" Stark Eddard "Ned" Stark OC (Own Character) Roose Bolton Sansa Stark
13.02.2022
04.02.2023
104
188.594
11
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Dieses Kapitel
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25.01.2023 2.246
 
Jaime Lannister torkelte durch die Gassen Winterfells, machte kurz an einem Misthaufen halt, um zu pinkeln, und taumelte dann weiter. Er hätte wohl von dem eigenartigen Schnaps, den dieser primitive Pfahlbautrottel mitgebracht hatten, Abstand nehmen sollen. Ganz offensichtlich war das Teufelszeug – nach nur wenigen Gläsern hatte er keinen seiner sieben Sinne mehr beisammen gehabt. Nicht umsonst trank Jaime normalerweise kaum etwas, aber er hatte sich von Tyrion und Sandor Clegane mitreißen lassen. Und nun war er sich nicht mehr sicher, wo es zu seiner verdammten Unterkunft ging. An einer Weggabelung blieb er fluchend stehen und spähte unsicher nach rechts und links, bis er meinte, die Umrisse des Gebäudes mit den Schlafkammern zu erkennen. Brennende Kohlenkörbe erleuchteten flackernd seinen Weg. Wie durch einen Nebelschleier nahm er wahr, dass ein Gewicht an seiner rechten Hüfte fehlte. Er tastete nach seinem Schwert und fand es nicht; er musste es in der Großen Halle vergessen haben.

Erneut blieb er stehen und zauderte. Sollte er umkehren und es holen? Er entschied sich dagegen. Es würde schon niemand wagen, sich das allseits bekannte Schwert Witwenklage des Königsmörders anzueignen. Es würde morgen immer noch da sein, also setzte er seinen Weg durch die Finsternis fort.

Er erreichte das Haus und ging schwankend den Flur entlang, bis die Tür seiner Kammer vor ihm auftauchte. Es war die letzte Tür, die er jemals öffnen sollte, denn dahinter wartete der Tod.
               
                                                                                                                       ***

Skylar war sofort, nachdem Bran endlich eingeschlafen war, auf ihr Gemach geeilt, wo sie sich aufwändig schminkte und insbesondere ihre Augen mithilfe von grauem Lidschatten und eines schwarzen Stiftes verfremdete. Dann betonte sie ihre Wangenknochen, veränderte die Kontur ihrer Lippen und trug rötliche Farbe auf Letztere auf. Sie löste die straffen Flechten ihres Haares, bürstete sie und arrangierte sie zu einer wallenden, gelockten Mähne.

Sie wusste, wie Cersei Lannister aussah – auch, wenn sie diese noch nie persönlich getroffen hatte. Jeder wusste, wie Cersei Lannister aussah, und Skylar gedachte, die Illusion so perfekt wie nur möglich zu gestalten.

Schließlich kramte sie aus den hintersten Tiefen ihres Kleiderschranks aufreizende, knappe rote Unterwäsche, die sie noch aus Dorne besaß – ebenso wie die glitzerig rote Maske, hinter der sie die obere Hälfte ihres Gesichts verbergen würde und die sie vorerst in die Tasche ihres Umhangs schob.

Sie steckte auch zwei Königskelche und den Schlauch mit Schaumwein ein, den sie am Nachmittag heimlich im Weinkeller befüllt hatte, ehe sie verstohlen das Haus verließ, um durch die nächtlichen Schatten zu Jaime Lannisters Gemach zu schleichen.

Winterfell schlief nicht. Trotz der fortgeschrittenen Stunde waren immer noch recht viele besoffene, lallende und gröhlende Menschen unterwegs. Skylar zog die Kapuze tiefer in die Stirn und wich einem Paar aus, welches neben einer Regentonne lautstark kopulierte, und vermied es, irgendjemanden ihr Gesicht sehen zu lassen.

Es gelang ihr, ungesehen in das Gemach des Königsmörders vorzudringen, wo ein Feuer im Kamin geschürt worden war. Dafür war vermutlich der Diener verantwortlich, und es passte Skylar nicht, dass die Kammer relativ hell ausgeleuchtet wurde. Stirnrunzelnd stellte sie beide Königskelche auf die Kommode, goss aber vorerst nur einen davon voller Wein, bevor sie die Maske aufsetzte. Danach legte sie den Umhang ab, stieg aus den Stiefeln, zog ihr Kleid aus und verbarg alles unter dem Bett, um sich auf selbigem niederzulassen und eine aufreizende Pose einzunehmen. Wie zufällig ließ sie die rote Unterwäsche verrutschen, so dass eine ihrer Brustwarzen sichtbar wurde.

Sie glaubte nicht, dass es allzu schwierig werden würde. Immerhin hatte sie mit diesem Vorgehen schon Erfahrung. Podwyn, der Ritter ihres Vaters, der damals Alyce vergewaltigt hatte, war auf die gleiche Art und Weise gestorben. Der Unterschied war nur, dass Podwyn genau gewusst hatte, wen er vor sich hatte, aber zu dämlich gewesen war, die Scharade als solche zu durchschauen. Er hatte – dumm und schwanzgesteuert, wie er nun einmal gewesen war - tatsächlich angenommen, Skylar würde sich ihm freudig hingeben, und also ahnungslos die Königskelche mit ihr geleert. Da sie Podwyn möglichst nicht in sich haben wollte, foppte sie ihn und hüpfte kichernd durch seine Kammer, darauf wartend, dass das Gift seine Arbeit verrichtete.

Die sogenannte Rache des Königskelchs ließ nicht lange auf sich warten, was das Gift so attraktiv machte. Die meisten Gifte entfalteten ihre Wirkung eher langsam, teilweise über Stunden oder Tage, nicht aber der Königskelch, und deshalb hatte sie ihn ausgewählt. Außerdem wuchs er im Götterhain, so dass theoretisch jeder Zugriff darauf hatte, was die Tätersuche erschweren würde – wenn es überhaupt jemand fertigbrachte, das Gift zu identifizieren.

Zwar bekam Podwyn sie zu fassen und drückte sie auf das Bett, aber noch ehe er den Akt vollziehen konnte, schoss ein Schwall Blut aus seinem Mund und durchtränkte das Kopfkissen, dann brach er tot auf Skylar zusammen. Angeekelt schob sie den Toten von sich herunter, der mit einem dumpfen Klatschen auf den Steinboden prallte; sie wischte sich das Blut ab, sammelte ihre Sachen ein, kleidete sich an und verließ den Tatort.

Jaime Lannister hingegen würde annehmen, er habe Cersei vor sich. Er war auf jeden Fall betrunken und desorientiert genug, um auf die Maskerade hereinzufallen. Das stellte Skylar sich zumindest vor, während sie zufrieden feststellte, dass das Feuer niederbrannte und die Kammer angenehm düster wurde.

Zeitgleich stieg die Giftkonzentration im Königskelch von berauschend zu betäubend, dann wurde sie tödlich. Aus diesem Grund musste man ihn, falls man sich zu berauschen wünschte, unverzüglich austrinken, und für ungeübte Konsumenten endete das nicht selten fatal.

Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete sich die Tür, und der Königsmörder stolperte rülpsend in den Raum. Er schwankte und starrte perplex die Frau auf dem Bett an, dann rieb er sich die Augen, nur um Skylar erneut anzustieren. Sie räkelte sich und lächelte einladend, ehe sie sich aufsetzte und die Träger des knapp geschnittenen Leibchens komplett herunterrutschen ließ. Ihr Haar fiel wie ein Vorhang nach vorne, ein güldener, gewellter Wasserfall.

In Jaimes Kopf fand eine Art seltsamen Kurzschlusses statt, als er Skylar betrachtete. Was ging hier vor? Ein Teil von ihm wusste, dass es unmöglich war, aber diese Lady auf seinem Bett mit ihrer feuerroten Unterwäsche und der gleichfarbigen Glitzermaske hatte gespenstische Ähnlichkeit mit Cersei, wie sie früher einmal ausgesehen hatte. Die Gesichtszüge, die er sehen konnte, wirkten beinahe identisch, und die Augen hinter den Schlitzen der Maske funkelten verführerisch. „Cer… Cersei?“ stotterte er.

„Ja. Warum hast du mich so lange warten lassen, Jaime?“ schnurrte die Lady, stand auf und trat so dicht an ihn heran, dass er warmen Vanilleduft riechen konnte. Ihr Haar streifte ihre schmalen Hüften, umspielte die Taille. „Ich bin unten ganz nass, und das ist nur deine Schuld“, sagte sie und schürzte schmollend die Lippen. „Wirst du dich wohl darum kümmern, oder muss ich es mir zum dritten Mal an diesem Abend selbst machen?“ Jaime vermochte keine Ordnung in sein irrationales Gedankenchaos zu bringen, als sie sich auch schon auf die Zehenspitzen stellte und ihn küsste. Ihre Zunge war in seinem Mund, ehe er wusste, wie ihm geschah.

Sie war Cersei, und doch nicht Cersei.
Sie war nicht Cersei, und doch war sie Cersei.

Selbst für Cerseis Verhältnisse verhielt sie sich auffallend lüstern. „Erinnerst du dich, als wir es auf Vaters Schreibtisch getrieben haben?“ gurrte sie und presste sich an ihn. „Wie hart du warst?“

„Natürlich“, brachte Jaime mühsam hervor. Das war etwas, wovon definitiv nur Cersei und er wussten, wodurch seine Verwirrung ins Uferlose gesteigert wurde. Dann aber übernahm ein primitiver Teil seines Gehirns das Kommando. Was genau hier vorging, begriff er nicht, möglicherweise war diese irgendwie unwirkliche Cersei mit dem viel zu straffen Bauch und dem zu zierlichen Körper ja nur ein Schemen, eine dem Alkohol entsprungene Phantasie. Oder aber er wurde von einer Art Sukkubus heimgesucht. Anscheinend ging im Norden ja alles mögliche Gelichter um.

So oder so konnte er sein wachsendes Verlangen nicht mehr verleugnen. Sie benahm sich derart verführerisch, dass seine Hose trotz der Volltrunkenheit unangenehm zu spannen anfing. Und ob Sukkubus oder Hirngespinst, beides zählte wohl kaum als Betrug an Cersei. Er fasste nach der Lady und löste das Leibchen, welches ohnehin kaum etwas verbarg. Verschwommen nahm er zur Kenntnis, dass auch ihre Brüste eher denen der jungen Cersei glichen, nicht der Cersei, die fünf Kinder geboren, vier begraben hatte und mit dem sechsten schwanger ging. Die Brüste der jugendlichen Cersei vor ihm waren nur etwa apfelgroß, prall und fest, die kleinen rosa Brustwarzen standen keck hervor, schienen ihn aufzufordern, an ihnen zu lutschen.

Er wollte wieder nach ihr greifen, doch sie entwand sich ihm und schwebte elfengleich zur Kommode hinüber, wo sie irgendetwas in eine Art roten Becher füllte. „Ich möchte, dass du zuerst einmal mit mir trinkst“, lockte sie, legte den Kopf mit Cerseis Mund schief und reichte ihm einen der seltsamen Becher. „Danach darfst du alles mit mir tun, was du willst. Und wenn ich sage, alles, dann meine ich das auch so.“ Ihr Augenaufschlag versprach den Himmel auf Erden. Sie setzte ihren Becher an die Lippen und trank, also tat er es ihr gleich, versessen darauf, ihr auch noch dieses rote Höschen herunterzureißen und in sie einzudringen. Wahrscheinlich war sie auch ebenso eng, wie Cersei es in jungen Jahren gewesen war.

Allerdings tanzte sie nun um ihn herum und entwischte ihm immer wieder, neckisch zwinkerte sie ihm zu und sprang auf das Bett, nur um auf der anderen Seite wieder herunterzuhüpfen und sich jedes Mal zu entziehen, wenn er sie fassen wollte. Jaime ließ sich lachend auf das Spielchen ein und verfolgte sie quer durch den Raum, bis plötzlich ein nagender Schmerz seine Eingeweide durchzuckte und dafür sorgte, dass er sich krümmte. Der kalte Schweiß brach ihm aus. Kaum hatte er sich wieder aufgerichtet, stach es in seiner Brust, als würde er von tausend Messern durchbohrt, und er schmeckte Blut.

Die Lady war beim Fenster stehengeblieben und beäugte ihn lauernd, raubtiergleich.

Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen, Blut tropfte von seinen Lippen, und mit einem Mal fühlte er sich vollkommen nüchtern. Er war hereingelegt worden, und man hatte ihn vergiftet. Wie hatte er nur so leichtgläubig sein können? Das da beim Fenster war kein Gespenst und auch kein Sukkubus, sondern eine ordinäre Giftmörderin, ausstaffiert als Cersei, die mit Sicherheit von irgendjemandem – mutmaßlich Catelyn Stark – geschickt worden war. Schon damals in dem Käfig in den Flusslanden war Jaime von der dunklen Vorahnung befallen worden, dass seine Nemesis eines Tages Stark heißen würde. Catelyn war seinerzeit drauf und dran gewesen, ihn zu töten, weil er ihren Sohn aus dem Fenster geschubst hatte. Aber sie hatte sich ihre Rache bis heute aufgespart; diese Hyäne von einer Frau hatte jahrelang gewartet, bis er Oberwasser gehabt und sich unangreifbar gefühlt hatte.

Aber da hatte sie sich getäuscht. Vermutlich würde er trotzdem sterben, aber dieses Attentat würde nicht geheim bleiben, und das Haus Stark würde untergehen. Cersei würde dafür sorgen. Er würde sich diese Attentäterin schnappen, sie hinaus auf den Flur schleifen und sein Gefolge wecken, ehe er endgültig zusammenbrach. Seine Männer würden alles Weitere in die Hand nehmen und diese kleine Dirne an seine Schwester ausliefern, die das Mädchen schon zum Reden bringen würde.

Skylar bemerkte mit Entsetzen, wie Jaimes Blick aufklarte, berechnend wurde. Er stand zwischen ihr und der Tür und blockierte den Ausgang. „Wer… bist du?“ Seine Stimme kam gurgelnd und pfeifend, als er einen Schritt auf sie zumachte, dann noch einen, um nach ihr zu grapschen. Die Situation wurde immer prekärer. Skylar wich zur Seite aus, peilte erneut die Tür an. Panik stieg in ihr auf, und ihr Herz raste. „Oh nein“, machte Jaime und schnitt ihr abermals den Weg ab. Wann fiel er denn endlich um? Sie tauchte unter das Bett und riss ihren Dolch aus der Scheide. Der Königsmörder versuchte, sie in die Ecke zu drängen, und ihr Herumgefuchtel mit dem kleinen Dolch beeindruckte ihn nicht.

Sie täuschte einen Ausfall nach rechts vor, und als er – verlangsamt vom Alkohol und der Wirkung des Gifts – sich dorthin wandte, sprang sie auf das Bett und wollte zur Tür hechten. Aber Jaime machte sich erstaunlich schnell ebenfalls auf den Weg dorthin, um ihr die Flucht zu verunmöglichen. Als er an ihr vorbeilief, sprang sie ihm in wilder Verzweiflung in den Rücken und rammte ihm den Dolch seitlich in den Hals. Er schrie kurz auf, bis sein Schrei von einem blubbernden Geräusch abgelöst wurde. Das Blut spritzte aus der durchtrennten Halsschlagader, er sank auf alle Viere und tastete nach der Wunde, als wolle er sie mit den Fingern schließen.

Dann sackte er zusammen, er versuchte, über den Boden zur Tür zu robben, aber Skylar schnitt ihm den Weg ab und trat ihm auf die Finger, so dass es hässlich knackte. Sie beugte sich nach vorne, um in einer Art lieblichen Singsangs in sein Ohr flüstern zu können. „Das hier passiert, weil Ihr Bran vom Turm gestoßen habt. Was man nicht alles für die Liebe tut, nicht wahr?“

Jamies Augen weiteten sich in plötzlicher Erkenntnis, er zuckte noch ein paar Sekunden lang, und schließlich war es vorbei.

Skylar raffte ihre Kleidung und die übrigen Gegenstände zusammen, zog sich hastig an und floh. Zurück in ihrem Gemach, verbrannte sie die Unterwäsche, die Maske und die Königskelche und wusch das Blut aus ihren Haaren und von ihrem Körper.
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