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⋙Dear Stepbrother⋘

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Mix
OC (Own Character) Puma D. Ace / Gol D. Ace
08.02.2022
14.06.2022
10
44.803
1
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.02.2022 4.019
 
Huhu^^

Und willkommen zurück zu dear stepbrother. Ich muss ehrlich sagen, ich mag die Story, gerade weil teenager doch mal dazu neigen, die Dinge nicht unbedingt mit dem Kopf anzugehen, sondern eher impuksiv.
Ich hoffe ihr bleibt auch dran und ich hoffe wir alle werden noch viel Spaß mit der Story haben.
Ich stelle das übliche für Scarlett hin und wünsche sehr viel Spaß beim lesen.

Bis dahin,
Eure Angel





⋙ 1.Brief [Bitte kein Chaos]⋘


Angel war in Gedanken und machte sich auf den Weg ins Badezimmer. Sie war wieder beim zukünftigen Zusammenleben. Die letzten drei Wochenenden waren sie schon hier gewesen und schienen das Haus zu mögen. Sie hatten zwei Gästezimmer bereits etwas umgeräumt und Jugendzimmer daraus gemacht. Sie kam beim Bad an und öffnete die Tür. Sie blickte dann auf und sah einen Hintern. Sie blinzelte einige Male, bevor sie dann nach oben sah. Sie erblickt schwarze Haare und schrie dann einmal auf, wodurch die Person, welche Ace war, sich erschreckt umdrehte und wegrutschte. Er kam unbequem auf dem Boden auf und starrte der Braunhaarigen geradewegs in die Augen. „Kannst du nicht abschließen?“ Damit zog sie die Tür wieder mit einem lauten Knall zu und atmete tief ein und aus. Das war fast schon zu viel für ihr armes Herz. Wieso kann dieser Idiot nicht abschließen? Sie lehnte sich an die Wand gegenüber vom Bad und versuchte sich zu beruhigen. Der Hintern war schon verdammt heiß gewesen, darauf schüttelte sie den Kopf, welcher feuerrot war. Nach einigen Minuten hörte sie die Badezimmertür und sah dennoch nicht auf. Sie konnte es einfach nicht.
„Sorry. Hab ich echt vergessen.“ Angel blickte unsicher zu ihm auf und seufzte dann. Sie mochte diesen Kerl ja schon irgendwie, auch wenn sie nicht viel miteinander sprachen, außer am Essenstisch, doch da war er immer super nett, auch wenn er die schräge Angewohnheit hatte beim Essen einzupennen. Dennoch hatten diese Sommersprossen und diese unglaublich dunklen Augen fast schon eine magische Anziehungskraft auf sie. Die Braunhaarige wusste, dass sie sich irgendwann sehr gut mit ihm verstehen würde. Was daraus werden würde, dass musste man mehr als klar abwarten. Denn bekanntermaßen bestand ein Mensch nicht nur aus einem Körper, sondern auch aus Charakter und der war eben das berühmte Zünglein an der Waage.
„Schon gut, denke einfach nächstes Mal dran.“ Ihre Antwort kam nach einer ganzen Weile der Stille und doch erschien sein Blick besorgt. Sie ging dann einfach ins Bad und schloss ab. Sie machte sich für das Bett fertig und ging danach in ihr Zimmer. Angel wollte noch etwas zeichnen, bevor sie sich endgültig schlafen legen würde. Sie vertiefte sich in ihre Zeichnungen und genoss die Musik. Als sie bemerkte, dass sie vollkommen in Gedanken versunken anfing Ace zu zeichnen, schlug sie schnell eine andere Seite auf und schloss einen Augenblick die Augen. Sie zeichnete dann ein Kleid, dass ihr spontan in den Sinn kam. Plötzlich riss ein Klopfen sie aus ihren Gedanken und es konnte nur einer ihrer Brüder sein, innerlich hoffte sie auf Ace, doch sie wurde enttäuscht. Es musste ausgerechnet der Blonde sein, denn sie einfach nicht leiden konnte. Sabo war ihr von Grund auf unsympathisch. Er lehnte sich an die geschlossene Tür und grinste sie an, während sie desinteressiert die Augenbraue hob. Wollte der Kerl sie provozieren oder was war sein verdammtes Problem?
„Hey Schönheit.“ Die Braunhaarige verschränkte die Arme und schwieg einfach. Sie versuchte ihn zu ignorieren. Er war ein Arsch mit Ohren und so einem würde sie bestimmt nicht auf den Leim gehen. Sie war kein Mädchen für eine Nacht und davon mal abgesehen, war Sabo sowieso nicht ihr Typ. Sein Charakter für den Arsch und sein Äußeres war auch kaum besser. „Du weißt, wir sind ja nicht blutsverwandt, also wieso lernen wir uns nicht etwas besser kennen und sehen was passiert?“ Sie musste sich für ihn wohl dringend eine Kastrationszange besorgen. Wie sonst sollte sie das Zusammenleben mit ihm überleben? Patchwork klang auch nur auf Papier wirklich toll und funktionierte nur in Filmen immer, wo es dann mit einem Happy End endet. Das hier war die Realität und diesen Idioten da irgendwie zu bekehren war absolut zwecklos. Zu dem sah Angel darin keinen Sinn.
„Kein Interesse.“ Es war kaum mehr als ein Zischen und sie wollte sich einfach ihrer Zeichnung widmen, als ihr diese wenige Sekunden später entrissen wurde. Das war ein Schritt zu weit. „Hey, sofort wieder hergeben.“ Noch sagte sie es ruhig und hielt die Hand auf. Sie würde ihm nicht mehr als zwei Chancen geben, wenn er es ihr dann nicht wiedergab, dann hätte er eine sitzen. Die Braunhaarige wusste sich zu verteidigen und wenn er es darauf anlegte, dann würde er schon spüren, was er davon hat.
„Nein, keine Lust. Was haben wir denn da?“ Er schlug die erste Seite auf und begann es durchzublättern.
„Sabo, ein letztes Mal. Gib es zurück oder ich trete dir in die Weichteile.“ Sie baute sich bedrohlich vor ihm auf, auch wenn sie deutlich kleiner war als er. Sie war auch kaum größer als 1,60m und doch würde sie ihm schon zeigen, was es hieß sie zu provozieren. Angel sollte man eben nicht reizen, denn dann konnte es ungemütlich werden. Im Moment war er in ihrem Zimmer und damit waren es auch ihre Regeln.
„Nein, ich will es mir ansehen.“ Er grinste sie provokant an und schien es darauf anzulegen. Sie schritt auf ihn zu und legte ihm die Hände auf die Schultern. Der Blonde blickte sie direkt an und sie lächelte einfach.
„Ich will das aber nicht.“ Sie sagt es vollkommen ruhig und rammte dann ihr Knie in seinen Bauch. Sie hatte ihn gewarnt und er schrie kurz auf. Dann ließ er ihr Skizzenbuch fallen und sie hob es auf, während er sich den Bauch hielt. Da flog die Tür auf und Ace stand mit einem Glas Milch in der Hand. Er schien in dem Moment vor ihrer Tür gewesen zu sein, als Sabo aufgestöhnt hat.
„Was geht denn hier ab?“ Der Blonde rappelte sich wieder auf und die Braunhaarige hatte sich wieder an ihren Schreibtisch gesetzt. Sie wollte eigentlich nur ihre Ruhe haben und doch schien der Blonde dieses Wort einfach nicht zu kennen. Es nervte sie massiv.
„Dein Bruder macht sich an meinen Sachen zu schaffen.“ Sie flüsterte es und warf einen Seitenblick auf den Sommersprossigen, der nun wütend seinen Bruder anstarrte. Für Zwillinge waren sie wirklich unterschiedlich. Wie Tag und Nacht. Äußerlich, wie innerlich.
„Verzieh dich.“ Es kam bedrohlich über die Lippen von Ace und er schien es wirklich so zu meinen. Es war keine Warnung, sondern eine mehr als klare Drohung. „Brauchst du noch einen Kinnhaken, bevor das in deinem Gehirn ankommt?“ Sie konnte ein Schnaufen von Sabo wahrnehmen und der Sommersprossige schien schon fast zu knurren. Es war mehr als seltsam. Sie konnten sich gut verstehen und an sich schien Ace seinen Zwilling zu mögen, doch in dem Punkt verstand er absolut keinen Spaß. Es war zwischen ihnen eine waschechte Hassliebe auf einem Niveau, wie es die Braunhaarige nicht mal für möglich gehalten hatte.
„Du verdirbst mir jeden Spaß.“ Mit diesen Worten verließ er das Zimmer von ihr und sie seufzte erleichtert auf. Sie warf noch immer einen leichten Seitenblick auf Ace.
„Tut mir leid, er ist leider so.“ Sie nickte nur und bedankte sich noch, bevor sie ihm eine gute Nacht wünschte und er das Zimmer verließ. Sie ließen ihren Kopf auf den Schreibtisch sinken, bevor sie ein wenig später müde ins Bett ging. Diese Brüder würden sie noch echt schaffen und das konnte nur in einem Streit ausarten. Sie wusste nicht, ob das wirklich eine gute Idee war, wenn sie alle unter einem Dach lebten.

◦→↔←◦


So zogen die Wochen ins Land und schließlich zogen sie bei ihnen ein. Es war nun drei Monate her und auch Weihnachten hatten sie als neue Patchwork-Familie verbracht. Auf gewisse Weise hatte es die Braunhaarige schon genervt. Dennoch war sie froh, dass ihre Mutter endlich wieder glücklich war. Mit ihren beiden Stiefbrüdern würde sie schon klar kommen. Von Ace wusste sie noch immer so gut wie nichts und Sabo ging ihr mit seinen Avancen gehörig auf den Zeiger. Er war absolut nicht ihr Typ und das würde sich so schnell nicht ändern. Nun wohnten sie alle unter einem Dach und ehrlich, sie konnte nicht einmal sagen, wie sie das jemals heil überstehen sollte oder ob einfach alles wie immer weitergehen würde, was dann bedeuten würde, sie würden aneinander vorbeileben.

◦→↔←◦


So kam der Montag, an dem die Brüder den ersten Schultag an der Schule von Angel sein würden und sie musste die beiden zur Schule bringen. Sie sah schon Vivien wie üblich mit einem Zopf, der ihre lockigen Haare zusammenhielt. Die Kleine erblickte Angel und kam direkt auf sie zu, bevor sie breit anfing zu grinsen und das hieß nicht unbedingt was Gutes. „Hey Angel, gleich zwei Jungs auf einmal, so kennt man dich gar nicht.“ Die Braunhaarige musst leise kichern und umarmte sie dann erst einmal, um sie zu begrüßen. Schon hörten sie Schritte und irgendwie konnte sie schon erahnen, wer es war.
„Sie an, die Streberin mit zwei Jungs, gebt euch nicht mit der da ab.“ Es war Rebecca oder wie sie Angel liebend gerne nannte, die Bitch. Nun im Grunde war sie es auch. Sie glaubte, dass man sich mit Geld alles kaufen konnte. Sie lebte in Belgravia und im Chester Square, nur drei Häuser neben dem von der Braunhaarigen. Das an sich war schon nervig genug, doch waren beide so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während die Bitch sich gerne alles mit ihrem Geld kaufte, war die Braunhaarige durch ihre Erziehung bodenständig geblieben. Daher war die Strategie, ignorieren so gut es eben möglich war und das funktionierte an manchen Tagen doch erstaunlich gut.
„Die zwei sind meine Stiefbrüder und ich habe sie nur hierher begleitet. Zisch ab, Rebecca.“ Sie versuchte sie einfach zu ignorieren, doch dann hörte man wieder ihre Schritte und sie stand vor Angel. Sie stemmte ihr Hände in die Hüfte und sah sie eiskalt an.
„Du Büchermade hast mir gar nichts zu sagen.“ Man konnte den Sommersprossigen knurren hören und die Braunhaarige sich nicht wirklich erklären warum. Vermutlich merkte er, dass sie ähnlich gestrickt war, wie sein werter Zwillingsbruder. Das würde zu mindestens Sinn ergeben. Dennoch wagte sie zu bezweifeln, dass sie ihm irgendwas bedeuten würde. Immerhin redeten sie beide äußerst selten und dann über so oberflächliche Dinge, dass beide nichts von dem jeweils anderen wusste. Mit anderen Worten waren sie, obwohl sie bereits zusammenwohnten, noch immer Fremde.
„Verzieh dich und lass sie in Ruhe.“ Sie hörte die Stimme von Ace und sah ihn nun genau an. Er hatte die Arme verschränkt und wirkte fast wie ihr Bodyguard. Was war denn nun mit ihm los?
„Na Schönheit, wie geht es dir an diesem wundervollen Tag?“ Darauf stöhnten sowohl Ace als auch Angel auf und mussten sich kurz deswegen angrinsen. In der Hinsicht dachten sie zumindestens ähnlich.
„Gleich den besten ersten Eindruck. Dein Zwilling hat sich nicht im Griff.“ Der Sommersprossige grinste noch immer und zuckte mit den Schultern. Was sollte man auch groß dagegen machen? Man konnte nur hoffen, dass er irgendwann mal mit der Masche aufs Maul fliegen würde. Sie wandte sich wieder Vivien zu und musste an etwas Bestimmtes denken, worauf die Braunhaarige zu grinsen begann. „Wie läuft es mit Shuraiya?“ Die Kleine lief prompt rot an und sah zu Boden. Im Grunde war das schon mehr als genug Antwort. Doch Angel kam nicht umhin vor Stolz zu grinsen.
„Wir haben diesen Samstag noch mal ein Date.“ Sie quietschte es schon fast. So lange war sie nun schon in den Draufgänger verliebt und obwohl alle ihn für einen Arschloch hielten, so hatte er beweisen, dass er auch anders konnte. Besonders dann, wenn es um die Kleine ging. Er konnte ziemlich sauer werden, wenn jemand es wagte ihr wehzutun. Als die Braunhaarige das bemerkt hatte, hatte sie ein Date eingefädelt. Und siehe da alles schien gut zu verlaufen.
„Super, ich freu mich für dich.“ Angel umarmte sie und sie erwiderte es. Dann spüren beide an ihren Hüften eine Hand.
„Guten Morgen, meine Hübschen.“ Sofort entspannten beide sich und genossen das Gruppenkuscheln. Der Hellblonde löste sich dann und die beiden Mädels lösten sich voneinander. Benn strahlte an dem Morgen wie ein Honigkuchenpferd. Was auch immer mit ihm los war. „Ja, ich habe gute Laune, weil mir danach ist.“ Manchmal fragte sich Angel schon, ob er Gedanken lesen kann, weil er an manchen Tagen die perfekte Antwort auf ihre Gedanken hatte, aber vermutlich kannte er sie einfach nur schon lange genug.
„Wir finden das dir gute Laune eh viel besser steht.“ Sie redeten noch einige Minuten, bevor die Klingel zum Reingehen ertönte. „Ich muss meine Stiefbrüder zum Direktor bringen. Wir sehen uns in der Klasse.“ Ihr besten Freunde nickten und gingen dann vor, während Angle zu Sabo sah, der noch immer mit Rebecca am Flirten war. „Komm, Gossenromeo. Ich zeige euch den Weg zum Direktor.“ Sie hörte das tiefe Lachen von Ace und sah zu ihm.
„Du gefällst mir. Sehr schön.“ Er schien seine Freude daran zu haben, seinen Bruder damit aufzuziehen, wie er so drauf ist. Sicherlich war es mehr als berechtigt und verdient, aber manchmal konnte man deswegen gar nicht glauben, dass sie Zwillinge waren. Selbst äußerlich sahen sie absolut nicht so aus.
„Beleidige mich nicht.“ Sie hörte die Worte des Blonden und sah ihn einfach kalt und mit verschränkten Armen an. Sie hatte wenig Interesse daran, einem wie ihm, der sich so benahm, auch nur den Ansatz von Respekt entgegenzubringen. Er hatte es sich bei Angel eindeutig verspielt und das auf lange Sicht.
„Ich mach bekanntermaßen, was ich will. Aber vor allem behandle ich jeden, wie er mich behandelt. Jetzt beweg dich, Kanalcasanova.“ Damit ging sie vor und hörte Sabo noch immer fluchen, doch sie ignorierte es. So brachte sie beide zum Direktor und ging dann in ihre Klasse, wo beide wenig später vorgestellt wurden. Das kann ja ein lustiges Jahr werden und das dachte sie mehr als ironisch.

◦→↔←◦


Schließlich kam endlich die Mittagspause und sie sah, wie der Blonde sich direkt sein Revier absteckte. Der Typ konnte echt nur mit seinem Schwanz denken. Dieser Junge machte sie jetzt schon irre. In der Cafeteria roch es wie immer. Nach Schweiß, Essen und Parfüm. Die Mischung konnte einem an schlechten Tagen echt das Essen vermiesen. „Wie läuft das Zusammenleben denn so?“ Die Braunhaarige stocherte in ihrem Essen und seufzte dann, denn die Frage war wahrlich nicht leicht zu beantworten. Ihre Mutter liebte Roger und aus dem Grund wollten Amber und Angel irgendwie mit ihren neuen Brüdern klar kommen, doch der Eine telefonierte lieber und der Andere war absolut unausstehlich mit seiner Art und Weise. Es konnte eigentlich nur in einem absoluten Chaos enden. Wo auch sonst?
„Es ist nervig und manchmal habe ich das Gefühl, dass es mit den beiden nur schief gehen kann.“ Sie flüsterte es fast nur und erntet leicht verwirrte Blicke. Was nicht wirklich erstaunlich war, weil beide die Jungs seit einem Tag kannten und somit das Ausmaß nicht einschätzen konnten. Doch die Braunhaarige roch schon Streit an allen Ecken und Enden. Denn die beiden schienen das zu ihrem Hobby gemacht zu haben. Sie stritten regelmäßig und das riss an den Nerven von allen. Roger schien das logischerweise schon gewöhnt zu sein.
„Sag mal stehst du etwas auf Ace?“ Mit einem Klirren fiel ihr die Gabel aus der Hand und sie sah zu dem Hellblonden. War er nun allen guten Geistern verlassen? Sie revidierte ihre Aussage und wünschte sich, dass er nicht mehr so oft gute Laune haben würde. Wenn das zu solche abstrusen Gedanken führte, dann lieber nicht.
„Was? Spinnst du? Ich kenne ihn doch nicht einmal. Ich wäre dir verbunden, dass nicht weiter zu vertiefen.“ Sie sah ihn absolut wütend an und das war eine wirkliche Seltenheit. Denn alle drei waren im Grunde ein Herz und eine Seele. Benn hob beschwichtigend die Hände und schien die Braunhaarige beruhigen zu wollen. Er kannte sie eben und wusste, dass er es mit der Frage wohl doch etwas übertrieben hatte. Sicherlich sah der Sommersprossige verdammt gut aus, doch das war eben nicht alles. Zu dem wusste sie doch kaum etwas über ihn. Er konnte genauso einen an der Klatsche haben, wie sein werter Zwillingsbruder, wer wusste das denn schon?
„Aus welchem Stadtteil stammen sie denn?“ Es war die Kleine, die offenkundig versuchte die Stimmung etwas aufzulockern.
„Greenwich, soweit ich weiß. Ich rede eigentlich so gut wie nie mit ihnen. Ace ist meistens sowieso am Telefonieren.“ Damit zuckte die Braunhaarige kurz mit den Schultern und nahm ihre Gabel wieder auf, um weiter ihr Mittag zu essen. Sie wollte keine weiteren Gedanken daran verschwenden, wie es noch werden könnte.
„Lustig finde ich ja, dass du und Rebecca immer noch in der gleichen Straße wohnen.“ Vivien erinnerte sie wieder daran, was sie mitunter am meisten verfluchte. Die Tatsache, dass sie und die Bitch im Grunde nichts Gemeinsames hatten, außer der Tatsache, wie viel Geld sich auf dem Bankkonto ihrer Eltern befand. Doch wie sie damit umgingen, das war wohl der entschiedenste Unterschied. Angel schwieg darauf einfach und beide wussten auch genau den Grund dafür.
„Nur mit dem Unterschied, dass Angel nicht abgehoben ist.“ Es war Benn, welcher das sagte und die Braunhaarige konnte ihn deswegen nur angrinsen. „Ich meine ganz ehrlich, das ist das Nobelviertel, wer ist da bitte noch bodenständig? Willst du da eigentlich auch später noch wohnen?“ Diese Frage war interessant, denn an sich wussten bis jetzt nur alle, dass sie in Mailand studieren wollte, doch von ihrem Entschluss immer dort leben zu wollen, hatte sie noch keinem so wirklich erzählt. Außer Amber. Vermutlich würde sie ihr das Haus später mal überlassen und sie könne dann mit Shachi ihre Kinder dort großziehen. Die beiden würde die Braunhaarige noch verkuppeln. Darin war sie auch irgendwie Meisterin geworden.
„Nein, ich werde das Haus vermutlich Amber überlassen. Mein Traum ist es irgendwann in Mailand zu leben und meine Mode zu kreieren.“ Damit sahen beide sie nun dann erstaunt an und doch begann die Kleine sehr breit zu grinsen. Sie war so die Verrückte der anderen Art.
„Ich sehe es schon vor mir. Du bist so talentiert, das wäre ich auch gerne.“ Darauf konnte die Braunhaarige nur noch breiter grinsen, denn sie wusste eine Sache mit Sicherheit, zu ihren beiden besten Freunde würde sie immer Kontakt halten.
„Du wirst die Journalistin meines Vertrauens. Ich gebe dann nur dir Interviews.“ Angel zeigte mit der Gabel auf sie und aß dann weiter. Dennoch hörten sie den Hellblonden lachen.
„Oh man. Ihr beide.“ Er hielt sich den Bauch und schien kaum mehr Luft zu kriegen. Was auch immer ihm heute so gute Laune machte, er sollte mehr davon konsumieren. Denn in der Regel war er wegen seiner sexuellen Orientierung recht traurig unterwegs. Es lag nicht daran, dass er sich schämte, es lag viel mehr an seinen Eltern. Katholische Priester eben. Wer konnte schon sagen, wie sie es aufnehmen würden. Es würde Gerede geben und auch wenn es ihm relativ egal war, er hatte am meisten Angst, dass eine bestimmte Person ihn dann meiden könnte. Seine erste Liebe, das war das eigentliche Hauptproblem. Denn in seinen Augen Ekel und Abneigung sehen zu können, machte ihm fast schon panische Angst.
„So sind wir eben.“ Angel würde wohl immer dankbar sein, bei den beiden die sein zu können, die sie in Wahrheit war. Sie musste sich nicht verstellen und sie waren eben ihre zweite Familie.
„Ganz genau, ich bin die Reporterin der Herzen.“ Damit machte Vivien eine ausladende Handbewegung und die Braunhaarige musst kichern, als sie sah, wie Benn die Augenbraue hob.
„Ganz bestimmt bist du das.“ Angel versank in ihren Gedanken, denn auch sie beschäftigte die Frage schon eine Weile. Sie würde in diesem Jahr achtzehn werden und doch war sie noch nie wirklich verliebt gewesen. Sie hatte manchmal Zweifel, ob sie überhaupt dazu im Stande war. Konnte sie überhaupt lieben? War sie noch normal?
„Was hast du, Sweetie?“ Sie hörte die Stimme der Kleinen und blickte zu ihr. Sie musterte sie besorgt und doch lächelte die Braunhaarige sie einfach an.
„Ich frage mich, ob ich mich eines Tages wirklich noch verliebe.“ Sie flüsterte es fast nur und dann haute der Hellblonde auf den Tisch. Nicht wirklich stark und doch ausschlaggebend. Sein Gesicht zierte ein breites Grinsen, eines, womit er sie immer aufbaute. Es funktionierte immer, denn dadurch ging es ihr oft gleich viel besser.
„Mit Sicherheit.“ Er sprach es einfach so aus und grinste noch immer dieses eine Grinsen, auch Vivien lächelte sie an. „Das wird schon. Und der Typ, in den du dich verliebst, der sollte verdammt noch mal froh darüber sein.“ Darauf konnte sie nur lachen und sie genossen gemeinsam die restliche Pause. Sie sprachen über alles möglich und vor allem darüber, dass nach diesem Schuljahr schon ihr Abschlussjahr folgen würde.

◦→↔←◦


„Hey, darf ich mich setzen?“ Der Sommersprossige sprach einen blonden Jungen an, der recht einsam dort herum saß. Er hatte hier noch keine Freunde und auf die Gesellschaft seines idiotischen Zwillings konnte er wirklich verzichten. Zu der Braunhaarigen wollte er sich auch nicht setzen. Sie saß dort mit ihren besten Freunden und sie unterhielt sich mit ihnen.
„Sicher.“ Die Stimme von dem Jungen riss ihn aus seinen Gedanken und so setzte er sich ihm gegenüber. „Du bist der Stiefbruder von Angel, oder?“ Darauf konnte er nur nicken und wieder gingen seine Gedanken zu Angel. Sicherlich, sie war nicht so abgehoben, wie er anfangs befürchtet hatte und doch schien sie vom Zusammenleben nicht viel zu halten. Doch darauf hatte keiner von ihnen Lust. Besonders Ace war traurig, nun relativ weit von seiner Freundin entfernt zu sein. Doch er würde versuchen sie so oft zu sehen, wie es nur gehen würde.
„Ja. Mein Name ist Ace.“ Er sprach es einfach aus und sah ihn abwartend an.
„Sehr cool. Ich bin Marco.“ Drauf nickte er und irgendwie passte der Name zu ihm. Ace hatte es ihm Gefühl, er würde sich sehr gut mit ihm verstehen, da war er sich absolut sicher. Denn an sich waren beide irgendwie schon auf einer Wellenlänge. Dennoch brannte ihm eine Frage auf der Seele, auch wenn das nicht die feine englische Art war.
„Freut mich. Was denkst du denn über Angel?“ Er schien nachzudenken und legte den Kopf kurz schief.
„Sie ist einmalig, das steht fest. Sie ist extrem hilfsbereit und nett.“ Er sprach es recht zügig und ohne Zweifel aus und damit bestätigte sich der Eindruck, den die Braunhaarige auf ihn gemacht hatte. Doch dann wurde der Blick von Marco fragend. „Sag mal wohnt ihr nicht zusammen?“ Er hob die Augenbraue und der Gedanke war mehr als berechtigt, denn dafür dass sie schon viele Wochenende bei ihnen verbracht hatten und schon seit Anfang der Winterferien bei ihnen lebten, hatte der Sommersprossige außergewöhnlich wenig mit seinen Schwestern gesprochen. Im Grunde war er die meiste Zeit mit anderen Dingen beschäftigt.
„Ja, wir reden nur so gut wie nie. Ich telefoniere abends meistens mit meiner Freundin Viktoria, die eigentlich zu ihrer Mutter hier in die City of Westminster ziehen will, aber so ganz will es nicht klappen. Ihre Mutter hat einen Mann in Paddigton kennengelernt, will jedoch erst hierherziehen, wenn sie hier in der Nähe einen Job gefunden hat. Wir wollen uns aber so häufig sehen, wie es nur geht.“ Er versuchte seine Situation so gut es geht zu erklären und auch wenn es keine Rechtfertigung war, sich nicht mal mit seinen Stiefschwestern zu unterhalten, so war es ihm doch wichtiger seine Beziehung zu pflegen. Immerhin gab es viel zu besprechen und er war eben recht frisch verliebt.
„Und deswegen hast du nie Zeit dich mal mit Angel oder Amber zu unterhalten?“ Darauf nickt der Sommersprossige und aß etwas von seinem Mittagessen. „Verstehe.“ Somit unterhielten sie sich noch eine ganze Weile und verstanden sich tatsächlich sehr gut, mehr als gut sogar. Dennoch bemerkte Ace, dass Marco etwas zu belasten schien. Doch darauf würde er ihn erst viel später ansprechen, wenn sie sich etwas besser kannten. Erstmal hatte er einen neuen Bekannten an seiner neuen Schule, der vielleicht auch sein Kumpel werden könnte.
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