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2022 02 08: Liebe tut weh [by Sira-la]

Kurzbeschreibung
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P12 / Het
Olivia "Liv" Moore
08.02.2022
08.02.2022
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682
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4 Reviews
Dieses Kapitel
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08.02.2022 682
 
Tag der Veröffentlichung: 08.02.2022
Titel der Geschichte: Liebe tut weh
Song: „Damn Bitch warum muss ich so verliebt sein“ von fliggsy
Autor: Sira-la
Kommentar des Autors: Diese kleine Szene spielt zwischen der Bootsparty und dem eigentlichen Beginn der Serie.



Liebe tut weh


Liv wusste, dass sie ein Problem hatte, noch bevor sie ihren Teller abgewaschen hatte. Eigentlich hätte sie etwas anderes essen sollen, irgendjemand anderes, und nicht ausgerechnet diese junge Frau. Aber an all den anderen Menschen, die im Moment in der Gerichtsmedizin gelagert waren, hatte sie sich schon bedient, und sie musste vorsichtig sein, damit ihr Boss nicht bemerkte, dass Teile der Gehirne verschwanden.
Das änderte nur leider nichts daran, dass sie jetzt ein Problem hatte. Zwei Monate war diese vermaledeite Bootsparty her. Sieben Wochen und vier Tage, dass sie sich von Major getrennt hatte. Liv war gerade erst halbwegs darüber weggekommen – vermutlich auch mit etwas Hilfe ihrer vorherigen Mahlzeit, ein Eigenbrötler, der der Liebe abgeschworen hatte. Diese junge Frau dagegen – Liv wusste, was mit ihr passiert war, woran sie gestorben war. Der Heiratsantrag im Lieblingsrestaurant und der Autounfall auf dem Heimweg. Der Verlobte lag im Krankenhaus, die Frau hier, zumindest vorläufig.
Liv verstaute ihr Geschirr zurück im Schrank, nahm sich einen Lappen und trocknete das Waschbecken geflissentlich, bis kein einziger Wassertropfen mehr zu sehen war. Scheinbar würde sie in den nächsten Tagen sehr auf Sauberkeit und Ordnung bedacht sein. Liv spürte bereits den Drang, die ganze Gerichtsmedizin einer Grundreinigung zu unterziehen. Noch stärker war allerdings der Drang, zu Major zu fahren. Verdammte Scheiße, sie liebte diesen Mann. Sie wollte zu ihm, ihn küssen, ihn umarmen, ihn nie wieder loslassen.
Ihre Hand zitterte, als sie nach einem Stift griff und Dr. Chakrabarti eine Notiz hinterließ, dass sie sich nicht gut fühlte und deshalb früher nach Hause gefahren war. Sie musste nach Hause. Am besten wäre es, wenn sie sich in ihrem Zimmer einsperrte und erst wieder rauskam, wenn der Effekt dieses Gehirns etwas abgeklungen war.

***

Liv wusste, dass sie ein Problem hatte. Sehnsucht schien ihr Herz zu zerquetschen, als sie die Haustür anstarrte. Irgendwo war sie falsch abgebogen, und statt vor dem Appartement-Gebäude, in dem Peyton lebte und wo sie selbst vor sieben Wochen und drei Tagen eingezogen war, stand sie jetzt vor dem Haus, das sie mit Major zusammen bewohnt hatte. Sie konnte Bewegungen hinter dem Küchenfenster wahrnehmen.
Major.
Liv müsste nur aussteigen, die Straße überqueren und klopfen. Dann würde er ihr die Tür öffnen und sie könnte sich entschuldigen und ihn küssen und ihm alles erklären und dann würde ihr Herz nicht mehr so wehtun bei jedem Gedanken an ihn. Warum tat Liebe so weh? Warum …
Ein Jogger mit einem kleinen Hund an der Leine lief vor ihrem Auto vorbei. Die Vision überfiel sie ohne Vorwarnung. Zwei Kinder, die auf die Straße rennen. Quietschende Reifen. Der Laternenmast. Dunkelheit.
Liv schnappte nach Luft. Ihr Blick fokussierte sich wieder auf das Küchenfenster. Jetzt bewegten sich die Vorhänge nicht mehr. Dafür schien der Fernseher zu laufen, wenn sie das Flackern aus dem Fenster daneben richtig deutete. Sie griff nach dem Türgriff. Mit der anderen Hand umklammerte sie das Lenkrad. Sollte sie wirklich aussteigen? Sie hatte Major das Herz gebrochen, als sie gegangen war, das wusste sie. Er verdiente eine Erklärung, eine echte Erklärung. Aber konnte sie ihm wirklich sagen, was mit ihr passiert war?
Liv sah auf ihre Hand. Ihre Hand ohne Ring am Finger, denn den hatte sie Major zurückgegeben. Sie liebte ihn so sehr, dass es wehtat. Und jeder Tag ohne ihn schmerzte noch mehr als der vorhergehende. Aber würde es ihm nicht noch schlechter gehen, wenn er erfuhr, dass sie auf dieser verdammten Party gestorben war? Dass sie ein Zombie war?
Langsam, sehr bewusst, legte Liv ihre zweite Hand zurück auf das Lenkrad und griff nach dem Schlüssel. Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie den Motor startete. Es war egal, wie sehr sie ihn zurückwollte. Egal, wie sehr sie ihn liebte. Major verdiente ein Leben, eine Familie, Kinder. Sie liebte ihn. Und deshalb konnte sie ihm nicht die Wahrheit sagen.
Niemals.
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