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Siziliania Odair

von Wusilo
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Fantasy / P12 / Mix
Annie Cresta Finnick Odair Mags OC (Own Character)
07.02.2022
06.06.2022
6
11.035
2
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07.02.2022 1.704
 
Hallo, das ist meine erste FF. Ich freue mich auf eure Anmerkungen, Eindrücke, Ideen…


Die Sonne scheint durch das Bullauge und kündigt den neuen Arbeitstag an. Mein Bruder muss schon längst auf der See sein, also mein Bruder Finnick, mein anderer älterer Bruder Camilo schläft bestimmt noch und mein Zwillingsbruder Milo wahrscheinlich auch, sie sind halt auch keine Fischer. Niemand in meiner Familie ist Fischer oder Fischerin, nur Finnick. Ich selbst bin Brandungsarbeiterin und die älteste Person dort, aus einem sehr grausamen Grund, in der Brandung fängt man mit fünf Jahren an und die meisten stürzen an ihrem ersten Arbeitstag in den Ozean, so tief das sie nie wieder gesehen werden. Zwölf ist für die Brandung ein beachtliches Alter. Elaija wurde vom Kapitol die Arbeit verwehrt, was wir versucht haben, sie darf nicht arbeiten, unserer Mutter war das schnell nicht mehr so wichtig, so hilft Elaija ihr jetzt im Haushalt. Florence und Rubia arbeiten mit ihrem Drillingsbruder Camilo und mit Milo zusammen in der Fabrik, die Fabrik in der der Fisch verpackt wird. Meine drei Jahre jüngere Schwester Wanda arbeitet im Transport und meine sechs Jahre jüngere Schwester Lyra arbeitet mit mir in der Brandung. Unseren Vater kennt niemand von uns, höchstens Finnick und Elaija, aber vermutlich wissen sie auch nichts. Ich habe zu dem Thema eine einfache Meinung, wir haben nie einen Vater gebraucht und werden ihn auch nie brauchen!
Der Vorhang zu meiner Koje wird zur Seite geschoben und Elaija kommt mit geflochtenem schwarzen Haar und leuchtenden meergrünen Augen zu Vorschein. „Willst du heute noch zur Schule oder doch Vollzeit arbeiten, meine Qualle?“, fragt sie, ich schüttele den Kopf. Zur Schule gehen zu dürfen ist hier in den Slums von Distrikt 4 ein absolutes Privileg und meine Mutter musste lange verhandeln, damit wir alle den Zugang zu Schulbildung haben. Ich springe also aus der Koje und beginne eine Bluse und einen Rock aus meiner Schublade zu kramen. Im Genevra (so wird unser Teil des Slums genannt) sieht alles immer extrem edel und reich aus -obwohl wir zu den aller ärmsten Teilen von Panem gehören-, das liegt daran, dass alles was es gibt mit viel Liebe und nach traditionellen Regeln gemacht wird, sei es Essen oder Kleidung, das meiste wird über Generationen vererbt und gepflegt, so gehörte der Rock den ich heute trage meiner Großmutter. Mein langes bronzenes Haar binde ich zu einem lockeren Knoten und stecke zur Fixierung goldene reich verzierte Stäbe mit rosanen und blauen Bändchen rein. Der Vorhang, der die zweite Tür bildet, öffnet sich und Finnick tritt ein, „Ich bin alles losgeworden!“, lächelt er. Auf dem Gesicht meiner Mutter macht sich ein lächeln breit, „Dann können wir heute Abend vielleicht etwas essen!“, sagt sie. Die Aussicht auf Essen heut Abend ist gut! „Freuen können wir uns später, jetzt müssen wir zur Schule!“, erinnert uns Elaija. Wir nicken artig und schnappen uns unsere Taschen. Ich schlüpfe in die blauen und zu meinen Kleidern passenden Ballerinas. Und folge meinen Geschwistern durch Distrikt 4. Hinter uns sehe ich das Meer glitzern, es erinnert mich jeden Tag an das alte Lied:

Glitzernd und ruhig liegt sie da
Die mächtige See
Sie ist so wunderbar
Die mächtige See

Unsere Heimat
Die mächtige See
Ort der Seefahrt
Die mächtige See

Die uns gibt Leben
Die mächtige See
Mit ihrem Segen
Die mächtige See

Hat so viel Magie
Die mächtige See
Das glaubst du nie
Die mächtige See


Es ist einfach und alle kennen es, im Chor singen wir es immer zu Beginn. Es soll daran erinnern das die See über alles herrscht, man könnte es streng genommen also auch als rebellisch ansehen, macht aber niemand.
Als wir bei der Schule ankommen teilen sich unsere Wege, denn ich gehe nur mit Milo in eine Klasse. Die Konzentration hat wie immer am Tag vor der Ernte ihren Tiefpunkt erreicht, genauso wie die Stimmung. Die Lehrer*innen wissen um die Situation und lassen uns heute deshalb in Ruhe. In der Schule gibt es nur für die Kinder die zahlen Essen, das heißt für uns gibt es nichts, ich habe mich dran gewöhnt und stehe deshalb mit Milo und ein paar anderen Kindern aus dem Genevra in einer Ecke des Hofes und starre in die ferne, wir alle haben Tesserassteine und unsere erste Ernte ist morgen. Ich persönlich verdränge das Ganze bis ich gezogen werde, was hoffentlich nie passieren wird. Milo hingegen ist extrem unruhig und steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, damit ist er natürlich nicht der einzige, hin und wieder brechen Kinder unvermittelt in Tränen aus und sind nur sehr schwer zu beruhigen. Als Milo irgendwann in Tränen ausbricht platzt mir endgültig der Kragen, so wird das mit der Verdrängungsstrategie nichts und das letzte was ich will ist vor allen anderen in Tränen ausbrechen. „Reiß dich zusammen!“, fahre ich ihn deshalb auf Jevrem, eine der vielen gesprochenen Sprachen in Distrikt 4 an. „Wenn eine Person für die Spiele gemacht ist, dann du Odair!“, ruft Zeven mir zu. Ich weis das es als Beleidigung gemeint ist und sich auf mein kaum bis garnicht vorhandenes Mitgefühl bezieht, ich tue seine Beschimpfung mit einem Schulterzucken ab und widme mich wieder meiner Aufgabe. Das gibt ihm zwar bestimmt das Gefühl recht zu haben, aber mir kann egal sein was Zeven von mir denkt. Er ist eine Nervensäge und ich bin Siziliania Odair, er sollte erstmal mit sich selbst klarkommen bevor er anfängt andere zu beschimpfen, wenn er mit sich selbst klarkommt ist unsere Feindschaft, die sich überall zeigt, auf einem anderen Level, aber gerade habe ich die Oberhand und das muss sich auch nicht unbedingt so schnell ändern.
Nach der Schule gehe ich mit Lyra zur Brandung, während Finnick nach Haus, die Drillinge und Milo in die Fabrik und Wanda zu den Transportstellen geht. Die Brandung: wieder den Tod kleiner Mädchen ansehen, mir macht das inzwischen fast nichts mehr aus, aber Lyra…ihr macht das extrem viel aus, das heißt wenn ein Mädchen in die Gischt fällt und nicht mehr wieder kommt ist sie so geschockt das sie nicht mehr weiterarbeiten kann. Ich ziehe mir den Anzug an und checke ein, sichere mich so gut wie möglich an provisorisch von uns angebrachten Seilen und setze meinen Fuß auf den Fels. Ich klettere nach einem Rhythmus, als würde ein Lied spielen, manchmal singe ich sogar. Hin und wieder muss man auch von einem Felsvorsprung zum anderen springen, mir hat mal jemand gesagt ich könnte ungewöhnlich gut klettern, ich weis nie was ich von sowas halten soll. Plötzlich ein platsch, ich schnelle herum, ein Mädchen ist gefallen, sie ist doof gefallen, so doof, dass sie das Licht der Welt nie wieder erblicken wird. Einige der anderen sehen unglaublich geschockt aus, ich klettere weiter, höher, weiter weg von dem Ort an dem das tote Kind liegt. „Jetzt nicht die Fassung verlieren!“, ermahne ich mich. Ich muss den Rhythmus bewahren, sonst passiert mir das gleiche.

Bleib stark mein Kind
Bleib stehen selbst im stärksten Wind
Besserung naht
Wenn man nur die Ruhe wart

Sieh auf die See
Sie liegt ruhig da
Tut so niemandem weh
Doch die Stürme sind immer nah

So bleib wachsam
Denn manchmal hält nicht der Damm
Und ein Sturm zieht auf
Da freut sich zwar niemand drauf

Doch es ist die Wahrheit
Das es machmal geschieht
Doch noch ist es weit
Bis du brauchst was ich die gerade riet

Ich schaffe es tatsächlich ohne die Fassung zu verlieren oder zu stürzen mit Lyra nach Hause. Daheim gibt es tatsächlich etwas zu essen, eine Suppe mit Nudeln. „Wir danken den Göttern und magischen Geistern dieser Welt für diese jede weitere Mahlzeit.“, predigt meine Mutter, wir sind stark religiös geprägt hier im Genevra. „Singen wir heute wie immer für euch.“, beendet sie ihre Rede.

Ein Dank an alle Götter dieser Welt
Wir hoffen das es euch gefällt

Ihr gabt uns Leben
Ihr lehrtet uns weben

Das Wasser ist von euch geschaffen
Genauso wie die stärksten Waffen

Die Macht kommt von euch allein
Es ist Dionysos Wein

Zeus Himmel
Poseidons Meer

Ihr seid das größte Macht Gewimmel

Wir fragen wer
Wer schuf diese Welt
Die uns so gefällt
Es wart ihr
Also danken wir

Singen wir das Lied, insgesamt spielt Musik hier eine extrem große Rolle, gesungen und getanzt wird immer und zu allem.
Dann ergreift meine Mutter wieder das Wort und beginnt über das unvermeidliche Thema zu reden:
„Wenn morgen jemand von euch gezogen wird.“, beginnt sie.
„Was nicht passieren wird!“, schaltet Finnick sich ein.
„Dann seid ihr alle sehr gut vorbereitet, ihr habt den traditionellen Neunkampf gelernt, kennt eure Waffen auswendig, könnt mit wenigen Ressourcen auskommen, seht umwerfend aus und könnt gut reden, ihr seid stark, wenn ihr wolltet könntet ihr die Spiele an einem Tag beenden!“, beendet sie ihre Motivationsrede.
„Sehr selbstbewusst.“, ist mein trockener Kommentar. Auf ihre Weise hat sie recht, aber sie hat übertrieben.
„Ihr werdet wirklich nicht gezogen und wenn doch gibt es immer irgendwelche Karrieretribute, die sich freiwillig Melden!“, klinkt Elaija in das Gespräch ein.
„Was wenn nicht?“, fragt Milo hoffnungslos.
„Dann sind wir noch da.“, meint Finnick.
„Nein!“, rufe ich, „Ich will nicht das ihr das für mich macht!“
„Du könntest es nicht verhindern.“, gibt Florence zu bedenken, für Rubia, Camilo und sie ist das morgen schon die Zweite Ernte. Für Finnick die Dritte und für Elaija die Fünfte.
„Alles ist gut!“, rufen Elaija und Finnick wie aus einem Munde.
„Alles ist gut…“, echot Milo tonlos.
„Scheiß Stimmung.“, merkt Camilo an.
„ich denke es ist am Besten wenn jetzt alle schlafen gehen!“, meint unsere Mutter mit einem scharfen Unterton, der uns symbolisiert das das Gespräch hiermit beendet ist.
Milo bricht in Tränen aus, er kann nicht mehr. Finnick steht auf und nimmt ihn fest in den Arm, irgendwie ist es immer wieder witzig zu sehen, dass Milo, der ja wirklich nur zwei Jahre jünger ist, Finnick gerade mal zur Schulter geht, wobei ich mich auf die Spitze stellen müsste um so groß zu sein wie Milo. Liegt wohl daran das Finnick ungewöhnlich groß und wir beiden ungewöhnlich klein sind.
Ich befolge den Befehl meiner Mutter und mache mich zum schlafen gehen fertig. Als ich im Bett liege, höre ich noch lange die Versuche von Finnick und Elaija Milo zu beruhigen, irgendwann nicke ich aus Müdigkeit weg.
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