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Cursed

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / Het
Kento Nanami Megumi Fushiguro OC (Own Character) Ryomen Sukuna Satoru Gojo Yuji Itadori
05.02.2022
07.08.2022
29
91.722
16
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Dieses Kapitel
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27.03.2022 2.067
 
Noch am selben Tag hing die Blondine über einem alten, fast zerbröselnden Buch. Sie stricht mit den in weißen Handschuhe steckenden Händen über das alte Material. Suki saß hier schon einige Stunden und recherchierte, um ihr Versprechen Yuji gegenüber halten zu können. Die Hinweise, die sie gefunden hatte, waren zwar dünn gesät, aber es gab auf jeden Fall schon vor mehr als 500 Jahren Versuche Besessene von ihren Flüchen zu befreien. Zwar verwiesen diese Schriften immer wieder auf ältere Aufzeichnungen, die Suki jedoch nicht zugänglich waren oder sich nicht in Tokio, sondern in Kyoto oder irgendwo anders am anderen Ende des Landes befanden, aber es war auf jeden Fall mehr vorhanden. Eine wirklich klare Spur gaben jedoch alle Schriften, die sie durchforstet, hatte nicht wirklich. Es handelte sich zumeist um vage Beschreibungen der Verfahren, die angewendet wurden oder man spekulierte über die benutzten Vorgehensweisen.
Man musste dem Wirt, den meisten Quellen zufolge, mit irgendeiner Methode, die je nach Autor oder Ära variierte, die Fluchkraft des Fluches entziehen, aber man musste, die des Gefäßes, in jedem Falle unangetastet lassen. Klang einfach, aber war es scheinbar nicht. Wie aus mehreren Manuskripten hervorging, gestaltete sich die Trennung der Fluchkräfte mit zunehmender Stärke des Fluches schwerer. Was im Falle von Yuji nun bedeuten würde, dass es sich um eine der schwierigsten Trennungen handeln musste, die jemals praktiziert wurden. Ein weiteres Problem, das sich zusätzlich zum Schwierigkeitsgrad manifestierte, stellten die ihr vollkommen unbekannte Techniken dar. Kein Magiemeister, der Suki bekannt war, wendete eine dieser Techniken an. Das sollte also noch etwas mehr an Recherchearbeit in Anspruch nehmen. Seufzend stand Suki auf und ging in eine andere Ecke des Archivs, um etwas zu den Familien zu finden, in denen es solche Techniken angewendet wurden. Vielleicht gab es ja eine Möglichkeit, eines der Verfahren auf ihre Technik umzumünzen. Wie schwer es am Ende werden würde, konnte die Jujuzistin nicht abschätzen. Vielleicht lag es auch gar nicht in ihrer Macht, ihr Versprechen in die Tat umzusetzen.

Gerade als die Lehrerin bei Familien ankam, deren Techniken ihr eventuell weiterhalfen, hörte sie ein klingel aus ihrer Hosentasche. Jemand hatte ihr wohl eine Nachricht geschrieben. Die Blondine holte das kleine Gerät aus ihrer Hose und ließ das Display mit einem Knopfdruck aufleuchten. Tatsächlich hatte jemand ihr eine Nachricht hinterlassen. Als sie Yuji als Absender identifizierte, wusste die Jujuzistin auch sofort schon, warum der Schüler sie kontaktierte: „Das hätte ich beinahe vergessen“, sie öffnete die Nachricht und lächelte leicht, als sie das Geschriebene überflog. Er war also zusammen mit Nobara und Megumi im Zimmer des Schwarzhaarigen. „Wie schön, dass er nach den Vorkommnissen am Nachmittag nicht alleine ist.“ Mit flinken Fingern tippte sie als Antwort auf die Frage des Jungen, dass sie alle eine Pizza bekommen konnten, sie aber wissen musste, was sie alle haben wollten. Die Magiemeisterin steckte das Gerät dann, während sie wartete, wieder zurück in ihre Tasche. Es machte Suki glücklich, dass der Rosahaarige sich nicht zu sehr von den Vorfällen der letzten Woche herunterziehen ließ. Man konnte wirklich von Glück sprechen, dass er Junge eine so positive Einstellung allem was passiert gegenüber hatte. Es handelte sich hier keinesfalls um eine Selbstverständlichkeit. Davon abgesehen, dass jeder andere bei dieser Fingerfood-Aktion gestorben wäre, glaubte Suki, dass nur wenige die mentale Stärke hatten, diesem Teufel standzuhalten.
Keine Minute später piepte ihr Handy wieder. Der Mann an der Rezeption warf ihr, hinter seiner klobigen Brille hervor, einen warnenden Blick zu. Leicht verdrehte Suki die Augen. Wie konnte man bitte so unentspannt sein? Stören konnte sie hier keinen, wenn sie alleine war. Diesen Mann mitten in seiner Midlifecrisis ganz bestimmt nicht. Der machte auf jeden Fall nichts anderes, außer den ganzen Tag Candy Crush zu spielen, über seine Frau meckern und den Rest seines angestauten Frusts an unschuldigen Archivbesuchern auszulassen. Ein weiteres Mal holte sie das Mobiltelefon hervor, stellte es zuerst stumm, damit der Typ nicht noch den Mund aufmachte und ging dann die Bestellung der Schüler durch und gab diese in ihre Lieferapp ein. Zusätzlich zu den Pizzen der Kinder bestellte sich auch die Blondine ein Paar mit Fleisch gefüllte Teigtaschen. Danach widmete sich die Magiemeisterin wieder ihren Recherchen in der Hoffnung heute noch weitere hilfreiche Informationen zu finden.

Eine gute halbe Stunde später stand Suki auf den Lieferjungen wartend auf dem Schulhof. Sie sah einen jungen Mann die Treppe zur Schule hochlaufen und dieser blieb dann recht außer Atem vor ihr stehen und reichte ihr die Bestellung. Lächelnd nahm Suki die Lieferung entgegen und reichte dem Mann im Austausch den zu bezahlenden Betrag und noch zusätzlich etwas Trinkgeld. Als der Lieferjunge dann die Treppe herunter verschwunden war, machte sich Suki auf den Weg zu den Unterkünften der Schüler. Schon von draußen konnte sie erkennen, dass sich die Schüler immer noch in Megumis Zimmer befanden. Zielstrebig fand die Blondine ihren Weg durch das Wohngebäude, klopfte vor der entsprechenden Tür angekommen an diese und rief: „Pizza ist da!“ Nur einen Augenblick später öffnete Megumi die Tür. Beim Anblick des Schwarzhaarigen ließ Suki beinahe die Kartons fallen, so skurril war das Bild, das sich ihr bot. Der Junge trug eine Tuchmaske mit Tigermuster und seine Haare hatte er mit einem pinken Haarband zurückgeschoben. Ihr Blick schweifte am ungewohnt aussehenden Fushiguro vorbei zu den beiden anderen Anwesenden. Genau wie dieser hatten diese jeweils eine Gesichtsmaske aufgelegt und ihre Haare auf mit einem Band nach hinten fixiert. Ein Schmunzeln schlich sich auf die Züge der Jujuzistin. „Hätte ich gewusst, dass ihr hier ein Wellenessstudio aufmacht, dann hätte ich mich auf dafür angemeldet“, kommentierte sie, die Lage, die sie hier vorfand. „Ich hatte nicht vor, das hier mitzumachen. Das ist auf ihrem Mist gewachsen! Ich habe mich nur auf ein paar Filme eingelassen, mehr nicht“, kam es rechtfertigend von Megumi, der dabei nach hinten auf Nobara mit der Leopardenmaske zeigte. Diese zuckte nur leicht mit den Schultern und entgegnete unbeeindruckt: „Du hattest jederzeit die Chance, nein zu sagen!“ Suki drückte, dann Megumi die Kartons in die Hand und sah dann zu Nobara und Yuji: „Er kann euch eben nichts abschlagen. Gebt nichts auf sein Gemecker, der findet doch bei allem, was!“ Die Zwei im Raum begannen zu lachen und Yuji sagte nun zum ersten Mal etwas: „Das wissen wir und dafür mögen wir ihn!“ Der Blick des Schwarzhaarigen verfinsterte sich. Er trat einen Schritt an das Fluchgefäß heran und stellte die Kartons hinter ihm auf den Tisch. „Haltet einfach eure Klappen, das nervt echt!“, kam es leicht angesäuert von Megumi. Schmunzelnd betrachtete Suki die Szene noch einen Moment und verabschiedete sich dann von den Schülern. Diese bedankten sich bei ihrer Lehrerin und stürzten sich sofort auf das Fastfood.

Auf einer Bank auf dem Hof angekommen, packte nun auch die Blondine endlich ihr Essen aus. Seit dem Frühstück hatte sie das Gefühl, nur Mist gegessen zu haben. Schokolade und andere Snacks taten es eben nicht auf Dauer. Die Halbrussin war ein Mensch, der etwas Vernünftiges zu sich nehmen musste. Am besten mit sehr viel Fleisch. Eigentlich reichte ihr nur Fleisch. Von ihr aus konnte das ganze Gericht nur aus Fleisch bestehen, wenn ihr die Nase danach stand. Vielleicht lag es daran, dass sie in ihrer Kindheit hauptsächlich russisches Essen zu sich genommen hatte, was mitunter doch recht fleischlastig war, zumindest das, was ihre Mutter regelmäßig zubereitete. Verwundern würde das niemanden, denn das Essen, was ihr Vater kochte, oder viel eher zusammenbraute, war ungenießbar. Also blieb das Kochen wohl oder übel an ihrer Mutter hängen. Das Talent jedes Nahrungsmittel nur mit dem Versuch es zuzubereiten zu versauen, hatte er ihr wohl vererbt, denn kochen konnte auch Suki nicht. Allein die hohe Dichte an Restaurants, Lieferservices und das eingefrorene Essen ihrer Mutter hielten bei der Jujuzistin eine einigermaßen ausgewogene Ernährung aufrecht.
Sie holte den Styroporkarton aus der Plastiktüte und öffnete das Behältnis. Gierig zog sie den Duft des noch warmen Essens ein. Wie sie gefüllte Teigtaschen aller Art doch liebte, zumindest mit Fleischfüllung. Bedächtig nahm sie sich eine kleine Teigtasche und führte sie zum Mund. Ihre goldenen Augen schlossen sich und sie biss genüsslich hinein. Der Geschmack füllte ihr Inneres sofort und sie verzog das Gesicht. So sollte das nicht schmecken. War das Tofu, was hier so anders schmeckte, als es sollte? Suki wollte doch Fleisch! Genervt sah die Magiemeisterin die Teigtasche in ihrer Hand an und stellte fest, dass es sich tatsächlich um Tofu handelte. „Das kann doch nicht wahr sein! Die haben mir einfach das falsche Essen gebracht“, meckerte die Jujuzistin erbost.
Sogleich griff sie nach ihrem Telefon und wählte die Nummer des Lieferservices, bei dem sie bestellt hatte. Das Freizeichen ertönte einige Male. Mit jedem Tuten wurde die Wut der Frau immer größer. Nach einigen weiteren Tönen meldete sich eine freundliche Stimme: „Herzlich willkommen bei unserem Lieferdienst, was kann ich für Sie tun?“ Kaum hatte der Mann am anderen Ende ausgeredet, fing Suki auch schon an in einem ziemlich unfreundlichen Ton zu antworten: „Seid ihr Idioten in der Lage irgendetwas richtigzumachen? Ich habe Fleischfüllung bestellt und kein scheiß Tofu. Was soll ich damit?“ Es herrschte einige Sekunden Stille. Der Mitarbeiter schien wohl zu warten, ob die junge Frau noch weiter machen würde oder schon fertig war. „Es tut uns wirklich leid, dass bei ihrer Bestellung etwas nicht unseren Standards entsprach. Wenn sie uns die Bestellnummer nennen, dann kann ich gerne veranlassen, dass sie die georderten Speisen erhalten“, kam es ruhig vom Mann am Telefon.
Wie konnte der Typ so gelassen sein? Es ging hier schließlich um sein Versagen. „Hören sie mir jetzt mal zu. Ich will meine Teigtaschen gleich richtig und nicht erst, nachdem ich noch ein weiteres Mal auf eine Lieferung warten musste. Schenken Sie sich also ihr überfreundliches Gehabe und…“, weiter kam sie nicht, denn ihr wurde das Handy aus der Hand gerissen und eine ruhige weibliche Stimme sprach: „Entschuldigen sie, die Frau. Sie ist, wenn sie hungrig ist, nicht mehr Herrin ihrer Sinne. Erstatten sie ihr einfach den Betrag und dann passt das.“ Mit diesen Worten beendete die Frau den Anruf und scrollte durch das Handy der Blondine. „Musst du dich da jetzt einmischen, Ieiri? Ich hätte das schon allein geklärt“, sagte die Blondine vorwurfsvoll und hielt ihre ausgestreckte Hand vor ihre Freundin. Diese schaute noch kurz durch das Handy und gab es dann zurück. Unbeeindruckt  zündete sich die Ärztin eine Zigarette an und nahm den ersten Zug. Nachdem sie den Rauch in die Luft gepustet hatte, entgegnete sie ihrer Kollegin: „Ja, wahrscheinlich wäre der arme Kerl dann gestorben, weil du angefangen hättest, ihn auf Russisch zu beleidigen, nur weil du deine Bestellung falsch aufgegeben hast.“ Ja, sie hatte recht. Suki hätte als nächsten Schritt die Schimpfworte ausgepackt. „Verdient hat er es aber. Ich habe eindeutig Fleisch bestellt und nicht sowas!“, damit nahm sie ihr Handy und besah die Bestellung nochmal. Sie hatte tatsächlich falsch bestellt.
„Jetzt komm runter. Du bist ja so angespannt. So habe ich dich ja ewig nicht mehr erlebt“, stellte die Brünette fest und setzte sich auf die Bank neben Suki. Kurz nahm sie einen Zug an ihrer Zigarette und fuhr dann fort: „Das letzte Mal als ich dich so erlebt habe, war als du vergangenes Jahr nach den Vorfällen aus Kyoto zurückgekommen bist. Da warst du genauso reizbar.“ Ein Schnauben verließ den Mund der Halbrussin. Die Situationen waren ja nun wirklich nicht vergleichbar. Sie ist gerade Meilen weit davon entfernt wirklich Trauer zu empfinden. „Red keinen Unsinn, ich bin nur gestresst und angespannt. Der Unterricht in der Zehnten ist einfach nur scheiße, weil sich der Dreckfluch einmischen muss“, entkräftete Suki die Aussage ihrer Freundin. Kaum war sie etwas mehr als eine Woche wieder zurück in der Schule, war das Einzige, an das sie denken konnte, ein richtig langer Urlaub irgendwo, wo sie keiner stressen konnte. „Ignoriere ihn doch einfach, ist ja nicht so als hättest du keine Erfahrung damit, nervige Dinge auszublenden“, entkam es Shoko gelassen. Normalerweise hatte sie ja recht. Es fiel ihr nie schwer wirklich nervtötende Menschen auszublenden, aber dieser Fluch war eben auf einem anderen Level penetrant. Kein Mensch, den sie bis jetzt kennengelernt hatte, kam an diese Stufe heran.
„Ja, recht hast du ja. Hast du Bock, was Trinken zu gehen? Ich brauch das heute echt?“, fragte Suki die andere Frau und sah sie erwartungsvoll an. Ihr Gegenüber begann zu lächeln und nickt: „Wie könnte ich da schon nein sagen.“ Damit machten sich beide Frauen hoch motiviert auf den Weg, sich das ein oder andere Glas Alkohol zu gönnen.
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