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Die Polizeiparty

von Laila
Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
05.02.2022
05.02.2022
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Hallo zusammen,

hier kommt mein Beitrag.
Das Zitat kannte ich nicht und ich habe es auch nicht nachgelesen, sondern mich von meiner Fantasie inspirieren lassen.
Mein Dank geht an Jule fürs Betalesen und meiner Freundin aus Finnland für die Namen und alle Information zu den Waldpflegern.

Viel Spaß beim Lesen.



Jussi warf einen Blick auf das Bett und seufzte leise.
Extra für diesen Abend hatte er sich einen Anzug samt Hemd gekauft. Nun betrachtete er den Stoff und ein Hauch Unsicherheit stieg in ihm auf.
Sicher, er war jetzt schon vier Jahre mit Sören zusammen und er liebte diesen Mann über alles. Es war auch nicht das erste Mal, dass sie zusammen ausgingen. Aber heute war der Ball der Waldpfleger und Sören hatte Jussi gebeten mitzukommen.
Ein paar der Kollegen kannte er schon und die waren auch nett.
Aber es gab da noch andere. Ein paar Männer, die keine Schwulen mochten.
Sören akzeptierten sie, aber nicht ihn als seinen Partner.

Sie hatten sich auf einem Wikinger-Fest kennengelernt. Ohne seine Freundin Dani hätte er wohl nie mit Sören gesprochen. Sie hatte Sören in einem Zelt entdeckt, das Wikinger-Sachen und alte Schätze verkaufte. Dort spielte er auf einer Gitarre, während ein anderer Mann dazu sang. Er klang wundervoll und die beiden waren stehen geblieben.
Dani hatte Sörens Blicke bemerkt, die er Jussi geschenkt hatte, und hatte ihn dann zu ihm gestoßen. Sie waren zusammengeprallt und Sören hatte sofort seine Chance genutzt.
Sören war ein Bär von einem Mann, wie Jussi ihn gerne nannte. Groß und kräftig, mit Muskeln, die gut definiert waren und zu ihm passten. Er war eine beeindruckende Erscheinung, die sich nichts sagen ließ.
Rein äußerlich passten sie gar nicht zusammen. Sören, der große, starke Mann, und Jussi, der schmächtige Tischler. Er liebte seinen Beruf und brauchte dabei auch Kraft. Aber er sah so eben nicht aus.
Dennoch war er anders. Er war schon ruhiger und zurückhaltender gewesen wie Sören.
Sein Liebster arbeitete mit den Waldpflegern eng zusammen und kümmerte sich um die Nationalparks in Finnland. Dort gab es unzählige Wetterschutzhütten, die immer wieder versorgt wurden. In diesen Hütten gab es Decken und Lebensmittel, genau wie Brennholz.
Aber auch um die Waldtiere kümmerte er sich. Sein Team reparierte Zäune und päppelte Wildtiere auf. Zur Zeit gab es eine kleine Wildentenzucht.
Wieder seufzte Jussi und strich über den weichen Stoff des Hemdes.
Es war dunkelblau, da Sören diese Farbe an ihm liebte. Der Anzug selber war schwarz. Das Sakko saß richtig gut und er würde es wieder tragen, auch wenn ihm diese Sachen sonst nicht zusagten.
„Und bist du bereit, mein Schatz?“
Sören kam frisch geduscht aus dem Bad und trug nur ein Handtuch um die Hüften.
Jussi zuckte leicht zusammen. Sein Freund sah toll aus. Die langen roten Haare fielen ihm auf den Rücken und seine Haut schimmerte noch leicht feucht.
Die Rune für Glück prangte auf seiner Brust. Daneben war das Zeichen für Stärke und Kraft.
Sören hob eine Braue und kam langsam näher.
„Jetzt mach dich nicht verrückt. Es wird schon werden. Wenn es dir gar nicht gefällt, verschwinden wir wieder“, sagte er.
Seine Finger strichen über Jussis Wange und dieser schloss die Augen.
„Ach, komm schon, mein Schatz. Ich möchte gerne mit dir tanzen.“
Die Worte waren so leise, dass sich Jussi auf die Lippen biss. Er wusste, dass er keine Angst haben musste, aber dennoch war er sich unsicher.
Langsam öffnet er die Augen und sah seinem Freund genau in die grünen Augen.
„Ich werde mich extra für dich schick machen und dann werden wir tanzen. Aber so lange möchte ich nicht bleiben“, gab Jussi zurück.
Sein Freund nickte und küsste ihn.
„Ich liebe dich“, flüsterte Sören zwischen zwei Küssen.
„Ich liebe dich auch“, gab Jussi zurück.

Mit einem breiten Grinsen ließ Sören das Handtuch fallen und drehte sich ein wenig.
Er wusste, dass es für Jussi schwer war sich zu überwinden und er würde alles tun, um seinen Liebsten abzulenken.
Dieser starte ihn überrascht an und grinste dann. Sein Freund war einfach wunderschön und sie hatten ja auch noch ein bisschen Zeit bis zu dem Ball.
Als Finger über seinen Leib fuhren, vergaß er alles um sich herum und konzentrierte sich auf Sören.
Weiche Lippen küssten seine und er gab sich ihnen hin. Wenig später fand er sich auf ihrem großen Bett wieder und Sören befreite ihn von seiner Kleidung.
Sie küssten sich, berührten sich und konnten nur noch fühlen.

Erst viel später, als sich ihr Atem beruhigt hatte, sah Jussi auf die Uhr und fluchte leise.
„Jetzt müssen wir uns aber beeilen.“
Sören brummte leise und erhob sich.
„Los, komm mit duschen. Zu zweit geht es schneller.“
Jussi hob eine Braue und strich seinem Freund über die Brust.
„Das habe ich aber anders in Erinnerung.“
Dennoch folgte er ihm. Zusammen traten sie unter die Dusche und wuschen sich gegenseitig. Danach zogen sie sich an.
Kurze Zeit später standen sie angezogen in ihrem Schlafzimmer und Jussi warf einen Blick in den Spiegel. Seine blonden Haare saßen noch nicht so richtig, aber das war ihm jetzt egal.
So langsam wurde er doch nervös.
Sören trug eine schwarze Stoffhose und dazu ein weinrotes Hemd. Das schwarze Sakko rundete das Bild perfekt ab.
Das lange, rote Haar hatte er zu einem Zopf zusammengebunden.
„Du siehst scharf aus“, raunte Sören.
Jussi wurde ein wenig rot und zuckte dann leicht die Schultern.
„Du aber auch. Da drehen sich nachher wieder alle nach dir um.“
Sören lachte und reichte ihm die Hand.

Als sie später im Auto saßen, legte Sören die Hand auf Jussis Knie. Es war nur eine kleine Geste, aber sie drückte alles aus.
Sein Freund war nervös, das konnte er deutlich spüren. Aber er wusste auch nicht, wie er ihm die Angst nehmen sollte.

Souverän lenkte Sören den Audi in eine Parklücke vor der Wache. Dann stellte er den Motor ab und nahm Jussis Hand in seine.
„Egal, was jetzt passiert, ich liebe dich. Wir werden diesen Abend genießen. Und wenn es dir hier nicht gefällt, fahren wir woanders hin“, erklärte er leise.
Tief sah er Jussi an und spürte dessen Hitze und Aufregung.
„Danke, mein Schatz. Ich kann gar nicht sagen, was mir das bedeutet. Zusammen schaffen wir das. Ich wollte schon lange mal wieder mit dir feiern gehen“, erwiderte Jussi.
Dann nickte er sich selber zu und wollte die Tür öffnen, aber Sören war schneller.
Dieser stand plötzlich neben der Beifahrertür und öffnete sie galant.
Auf den fragenden Blick hin zuckte er die Schultern.
„Macht man das nicht so? Ich dachte, man hält seinem Date die Tür auf.“
Nun musste auch Jussi lachen.
„Ich wusste schon immer, dass du charmant bist.“
Zusammen gingen sie auf das Gebäude zu. Sören nahm wieder Jussis Hand. Ihm war egal, was die anderen dachten. Immerhin waren sie ein Paar und schon eine Weile zusammen.
Im Inneren herrschte schon reine Partystimmung.
Da jeder seine Partnerin oder seinen Partner mitbringen durfte, war es auch recht voll.
Sören drängte sich durch die Leute, grüßte hier und da ein paar Kollegen. Jussi hatte er dabei die ganze Zeit an der Hand.
Der Saal war schön geschmückt und es spielte bereits eine Band.
Jussi warf einen Blick auf die Bühne und grinste. Die Sängerin kannte er. Es war die Straßensängerin aus dem Kaufhaus. Dort stand sie immer mit einem Keyboard und es hörte sich gut an.
„Komm mit, Sweaty, ich will dir ein paar Kollegen vorstellen“, sagte Sören.
Er zog Jussi an sich und küsste ihn auf die Nase. Dieser grinste und legte eine Hand auf Sörens breite Brust.
„Entschuldige mich, ich geh mal kurz brechen. Wenn ich die sehe, kommt mir alles hoch.“
Die Worte waren laut genug, dass Jussi sie hörte. Zaghaft wandte er den Kopf und sah zwei Männer zusammenstehen. Einer von ihnen machte ein Würgegeräusch und deutete auf ihn.
Jussi biss die Zähne zusammen und wurde immer kleiner. Es war sicher nicht das erste Mal, dass man sie dumm anmachten, aber es tat weh. Vor allem hier bei der Polizei. Von denen erwartete der junge Mann einfach mehr Toleranz.
Neben ihm knurrte Sören und drückte seine Hand.
„Sag mal, spinnst du, Eino? Wie kannst du es wagen, so mit uns zu reden? Du weißt ganz genau, dass ich mit Jussi zusammen bin.“
Wütend funkelte er seinen Kollegen an, der einen Schritt zurück machte.
Er kannte Sören gut genug, aber er mochte diesen Jussi nicht. Wenn dieser eine Frau wäre… nun da wäre es auf jeden Fall anders.
„Ist ja schon gut. Reg dich wieder ab. Ich habe mich nur mit Lauri und Toumas unterhalten. Such dir lieber eine Frau“, brummte Eino.
Jussi zuckte erschrocken zusammen und wollte zurückweichen, aber Sören hielt ihn fest.
Der Gedanke, dass Sören auf Frauen stehen konnte, behagte ihm gar nicht. Also drängte er sich näher an ihn.
„Ich stehe nicht auf Frauen“, knurrte Sören. „Akzeptiert das endlich. Ich liebe Jussi. Er ist mein Leben und meine Zukunft.“ Dann schwieg er wieder und sah sich um. Auch die anderen Kollegen waren näher gekommen.
Viele von ihnen mit gesenktem Kopf und betretener Miene. Nur Eino, Lauri und Toumas waren Gegner seiner sexuellen Neigung. Ständig wollten sie ihm Frauen aufdrängen. Einmal hatten sie sogar ein Date mit einer drallen Blondierten organisiert.
„Ich will keinen Streit. Das hier sollte eine Party werden.“
Ein paar andere nickten zustimmend, nur Eino sah nicht danach aus. Dabei hatte er kaum etwas getrunken. Ihm passte es einfach nicht. Er fand es widerlich, wenn zwei Männer zusammen waren. Nun gut, er konnte Sören nicht unterstellen, dass dieser eine Frau wäre. Aber bei Jussi war er sich nicht so sicher. Diese weichen Gesichtszüge. Das kinnlange, blonde Haar und die blauen Augen. Für ihn war Jussi mehr Frau als Mann.
„Mir egal. Such dir eine Frau. Der da“, er deutete auf Jussi, „ist keine Frau und kann dir doch nicht geben, was du brauchst.“
Stolz hob er den Kopf und grinste böse, als er Jussis Blick sah.
Sören schnaubte und ballte die Hände zu Fäusten. So hatte er sich den Abend nicht vorgestellt. Er wollte doch nur mit Jussi einen schönen Abend haben und nicht Ärger mit den Kollegen.
Gerade als er darauf antworten wollte, trat Ela Hintsa in den lockeren Kreis und sah in die Runde.
Sie war die Chefin des Bezirkes und der Wache. Wie immer sah sie perfekt aus. Ihr altersloses Gesicht wirkte im Moment streng, als sie Eino musterte.
Sie trug ein langes, dunkelblaues Abendkleid und hatte die Haare hochgesteckt. Zu dem besonderen Anlass trug sie auch Ohrringe und eine Kette. Sonst trug sie nie Schmuck.
„Was geht hier vor? Eino? Sören? Wir wollen ein Fest feiern und keinen Streit vom Zaun brechen“, sagte sie.
Ela sah jeden an und in ihrem Blick lag eine gewisse Strenge.
„Jeder darf seinen Partner mitbringen. Das gilt auch für Sören. Versuch deine Vorurteile zu überdenken und lern Jussi richtig kennen. Er ist ein sehr netter, junger Mann“, fügte sie hinzu.
Eino biss sich auf die Zunge, sagte aber nichts. Dennoch hatte er den Anstand beschämt den Kopf zu senken.
„Es tut mir leid, Ela. Wir wollten keinen Ärger machen. Aber ich werde Jussi nicht verstecken. Ich liebe ihn und ich will die Zeit mit ihm genießen.“
Seine Stimme klang fest, als er seiner Vorgesetzten in die Augen sah.
Ela war zu einer guten Freundin und Mentorin geworden.
Sie nickte langsam und ein kleines Lächeln huschte über ihre Züge.
Dann wanderte ihr Blick zu Eino und sie sah ihn aufmunternd an.
Dieser brummte immer noch und sah sich hilfesuchend um. Aber seine Freunde hatten sich abgewandt und wollten nichts damit zu tun haben.
„Ich finde das einfach nur widerlich. Entschuldigen werde ich mich aber auf keinen Fall. Unser Sören könnte jede Frau haben und nicht diesen Kerl. Einfach eklig. Aber gut, ich sage nichts mehr dazu“, erklärte Eino.
Er würde nicht klein beigeben.
Ela schnalzte missbilligend mit der Zunge und schüttelte dann den Kopf.
„Nun gut. Ich kann dich nur bitten, mehr Akzeptanz und Respekt zu zeigen. Wir wollen eine Party feiern. Am Montag kommst du aber nochmal in mein Büro und wir reden darüber“, meinte Ela.
Sie nickte ihm zu und wandte sich dann an Jussi.
„Du bist hier auf jeden Fall willkommen. Und nun werden wir feiern.“
Damit klatschte sie in die Hände und bat die Band um Musik.
Jussi errötete leicht, blieb aber aufrecht stehen. Es tat gut, wenn jemand für einen eintrat.
Eino sah nicht glücklich aus, aber das war Jussi im Moment egal. Er hatte Sören an seiner Seite und dieser küsste ihn auf das linke Ohr.
„Ich bin sehr stolz auf dich“, raunte Sören.
„Danke dir. Das tat gut. Ich hätte nur nie gedacht, dass es so schlimm sein könnte“, gab er leise zurück.
Sören nickte verstehend.
Es war ja nicht so, dass Jussi schwach oder ängstlich war, er war eben nur etwas zurückhaltender.
Als Lauri und seine Freundin Terhi zu ihnen traten, hob Sören eine Braue.
Terhi gab ihrem Freund einen Schubs und dieser blickte zerknirscht drein.
„Ich wollte mich entschuldigen. Das war nicht richtig. Natürlich ist es nicht eklig, das zwischen euch. Ich weiß ja, dass du mich nicht anfasst. Lasst uns was trinken“, sagte er und reichte Jussi die Hand.
Etwas erstaunt ergriff er sie und lächelte.
Auch Toumas kam näher und reichte erst Sören und dann Jussi die Hand.
„Auch mir tut es leid. Es war nicht fair. Es ist euer Leben und ihr könnt tun, was ihr wollt.“

Damit machten sie sich auf den Weg zur Bar und Toumas organisierte einen typisch finnischen Likör und ein Bier.
Die kleine Runde wurde noch durch Ela ergänzt.
Zusammen hatten sie viel Spaß. Sie lachten viel, während des Essens. Der Alkohol floss und sie konnten alle lachen.
Es war schon spät, als Terhi Jussi auf die Tanzfläche zog. Der junge Mann wollte zuerst ablehnen, aber Terhi hielt ihn fest.
Sören verfolgte die beiden mit Blicken, musste aber schmunzeln. Auch Lauri sah das Ganze lockerer.
„Wollen wir tauschen? Du Jussi und ich Terhi?“
Lauri grinste und erhob sich. Sören folgte ihm und zog Jussi auf der Tanzfläche an sich. Sie begannen, sich im Takt zu wiegen, und Jussi schmiegte sich an seinen Freund und atmete dessen Duft ein.
„Ich liebe dich“, raunte Sören.
„Ich liebe dich auch“, gab Jussi zurück.
Es war ein schöner Abend. Von Eino sahen sie nicht mehr viel, aber das war beiden egal. Ela würde das schon klären. In dem Punkt war auf seine Chefin Verlass.
Grinsend drehte er sich mit Jussi im Arm. So war der Abend perfekt.

ENDE


Zitat: „Entschuldige mich, ich geh mal kurz brechen.“
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