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Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Der Hacker Hannah Donford OC (Own Character)
01.02.2022
24.06.2022
16
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01.02.2022 1.936
 
Langsam kam sie zu sich, öffnete die Augen und sah sich um.
Wo war sie?
Was war passiert?
Sie lag auf einem Sofa, die Hände mit Klebeband vor ihren Körper gefesselt.
Vor ihr stand ein Couchtisch, darauf ein Stapel  Zeitungen und Papiere, mehrere benutzte Teller, drei Tassen, Pizzakartons…
Links und rechts davon stand je ein Sessel.
Aber wie magisch wurde ihr Blick angezogen von der Person, die nicht weiter als vier Meter von ihr auf einem Schreibtischstuhl saß.
Sie hatte ihr den Rücken zugedreht und starrte auf einen der vier großen Monitore, die auf den beiden Schreibtischen standen.
„Hey Persephone, sie ist wach?“
Jule hatte nicht damit gerechnet, dass noch eine weitere Person anwesend war, aber jetzt sah sie, dass von rechts ein Mann auf sie zukam, während sich die Frau auf dem Schreibtischstuhl zu ihr umdrehte.
„Na endlich“, meinte die Frau, die wohl Persephone sein musste. „Immerhin haben wir viel zu besprechen.“
Der Mann hatte sich auf einen der Sesel gesetzt, Persephone steuerte nun auf den anderen zu und Jule versuchte sich aufzusetzen.
Es war als hätte sie nur Nebel im Kopf und irgendwie war ihr übel.
Sie saß nun, lehnte sich gegen die Rückenlehne und schloss die Augen für einen Moment.
Hoffentlich hörte das Zimmer schnell auf sich zu drehen, sonst müsste sie sich mit Sicherheit übergeben.
„Stell dich nicht so an“, hörte sie Persephone sagen. „Assassine hat dich hierher gebracht, weil wir beide ein paar Fragen an dich bezüglich Tennessee haben.“
„Bezüglich wem?“, fragte Jule und öffnete ihre Augen wieder.
„Verzeihung, er nennt sich ja seit neustem Jake.“ Persephone grinste, allerdings konnte Jule darin nichts freundliches erkennen, es wirkte eher gehässig. „Wo ist er?“
„Wer?“, hakte Jule nach. Bei den ganzen unbekannten Namen konnte sie nicht folgen.
„Jake, wer sonst“, bluffte nun der Mann, der wohl besagter Assassine war.
Sie dachte einen Moment nach. „Ich kenne keinen Jake.“
Persephone lachte auf. „Stell dich nicht dumm. Wir wissen alles. Von Jakes verschwundener Halbschwester Hannah, von deinen und seinen neuen Freunden in Duskwood. Jessy, Dan, Cleo, Thomas, Lilly, Richy. Wir wissen, dass Jake Kontakt zu dir aufgenommen hatte und dass du ihm mit dieser scheiß I am Jake Aktion den Arsch gerettet hast. Also, wo ist er?“
Jule sah von Persephone zu Assassine, versuchte zu erkennen, ob sie das ernst meinten, was hier los war.
„Ich kenne keinen Jake“, sagte sie erneut. „Und auch die anderen Namen sagen mir nichts. Wo liegt Duskwood, was ist dort?“
„Du musst ihn ja wirklich mögen, wenn du auch jetzt noch für ihn lügst. Womit hat er dir so den Kopf verdreht? Waren es sein lieben Worte, wenn er denn mal ein wenig persönlicher wurde? Oder seine Fähigkeiten? Wie nötig musst du es haben, wenn du dich von ein paar Flitversuchen einlullen lässt.“ Persephone schüttelte den Kopf. „Wir kennen eure Chatverläufe. Jake ist gut, aber in letzter Zeit etwas nachlässig. Glaub bloß nicht, das liegt an dir. Er will nur Hannah finden. Die paar Krümel, die er dir vor die Füße geworfen hat, waren doch nur um dich bei Laune zu halten.“
Jule versuchte sich daran zu erinnern, ob sie schon jemals mit einem Jake geschrieben hatte, vielleicht in einem Forum oder irgendeinem Chat.
Aber da war nichts.
Sie erinnerte sich nicht einmal daran, wie sie hierhergekommen war.
Sie war auf dem Weg zu ihrer Arbeit, dann ist plötzlich alles weg.
„Ich glaube ihr verwechselt mich“, sagte sie leise. „Ich kenne keinen Jake und habe nie mit einem geschrieben.“
Nun war es Assassine, der lachte. Dunkel und bedrohlich, ein wenig amüsiert.
„Wir haben unsere Arbeit gemacht. Jule Carson, 25, Tierarzthelferin, 285 Greenwichstreet  in Woodhill.“
Jule senkte den Blick.
All die Angaben waren korrekt, trotzdem kannte sie keinen Jake und hatte keinen Kontakt zu ihm.
„Willst du uns immer noch erzählen, dass du ihn nicht kennst?“
Persephone stand nun direkt vor ihr.
„Es tut mir leid. Aber ich sage die Wahrheit. Ich kenne ihn nicht.“
Tränen traten ihr in die Augen, schon bevor Persephones Hand laut gegen ihre Wange klatschte.
Sie wusste nicht, was hier gespielt wurde, hatte keine Ahnung, wie sie da wieder raus kommen sollte.
Entsetzt sah sie auf, traf Persephones eisigen Blick.
„Eines solltest du wissen Jule…“ Ihre Stimme war mehr ein Zischen, als sie Jules Namen aussprach. „… Ich bekomme immer was ich will. Und ich will Jake. Du bist mir egal, nur Mittel zum Zweck. Wenn du nicht redest, werde ich Jake zu mir locken, mit dir als Druckmittel. Du kannst dich jetzt entscheiden. Rede oder leide.“
Jule öffnete den Mund, blieb aber stumm.
Der Kloß in ihrem Hals war zu groß geworden und sie konnte kein weiteres Mal beteuern, dass sie Jake nicht kannte.
„Wie du willst.“ Persephone lief davon zu ihren Schreibtischen und setzte sich wieder auf den Schreibtischstuhl. „Dann eben Plan B.“
Grinsend drehte sie Jule wieder den Rücken zu und Assassine stand auf.
Er griff Jules Oberarm, zog sie auf die Beine und dann hinter sich her durch den Raum zu einer Türe.
Als sie an den Monitoren vorbei kam sah Jule ein Bild von sich selbst.
Es diente als Profilbild in einem der sozialen Netzwerke.
Ein Schauer lief ihr über den Rücken, aber sie hatte kaum Zeit darüber nachzudenken, denn Assassine öffnete die Türe und zog sie in den kleinen, leeren, fensterlosen Raum.
„Genieß dein neues Zuhause“, meinte er grinsend, zog ein Handy aus der Hosentasche und machte ein Foto von Jule.
Dann schloss er die Türe und Jule hörte, wie er kurz danach einen Schlüssel umdrehte und das Schloss einrastete.
Alleine, in der Dunkelheit und Stille, ließ sie sich auf ihre Knie sinken und verlor den Kampf gegen die Tränen.



Let´sSchwätz
Unbekannt
Offline


[Img0157.jpg]


Ungeduldig wartete Jake darauf, dass Nymos die Bilddatei überprüft hatte, öffnete sie dann, als alles okay war und starrte ungläubig auf das Foto.
Jule.
Er hatte Jule.
Da stand sie, die Hände gefesselt, das verängstigte Gesicht nur erhellt vom Blitzlicht der Kamera.
Wie hatte das passieren können?
Sofort öffnete er den Chat mit ihr.

Let´sSchwätz
Jule
Online


Jule?



Er legte das Handy auf den Schreibtisch und nun flogen seine Finger über die Laptoptastatur.
Hoffentlich hatte sie ihr Handy bei sich, dann könnte er sie orten.
Erschrocken zuckte er zusammen, als sein Handy piepste, öffnete irritiert den Chat, denn Jule hatte geantwortet.

Let´sSchwätz
Jule
Online


Hey Jake.
Was gibt’s?
Hast du was neues?

Nein, nicht direkt.
Alles okay bei dir?


Ja.
Warum fragst du?
Alles okay bei dir?

Da bin ich mir gerade nicht sicher.
Versprich mir bitte vorsichtig zu sein.
Bleib am besten Zuhause.


Okay.
Aber warum?

Ich muss da zuerst noch etwas prüfen
Ich melde mich später wieder.




Der rote Pfeil auf dem Bildschirm blinkte über Jules Wohnhaus.
Sie war also zuhause.
Aber was war das dann für ein Foto?
Erneut sah er es an.
Das war sie, kein Zweifel, das war Jule.
Dennoch klickte er am Laptop auf den Ordner mit ihrem Namen und öffnete eines der Bilder, die er im Internet von ihr gefunden hatte, um die beiden  Bilder besser vergleichen zu können.
Vielleicht hatte er sich ja getäuscht und die beiden Frauen sahen sich nur sehr ähnlich.
Das Foto auf seinem Laptop war größer und zeigte nur ihren Kopf, das Bild, welches er geschickt bekommen hatte, zeigte sie komplett und das Gesicht war nicht sehr gut zu erkennen, aber es reichte um sicherzugehen.
Die gleiche Haarfarbe, die gleichen geschwungenen Augenbrauen, die Sommersprossen, der Leberfleck seitlich am Kinn, er war sich sogar sicher, dass die Augenfarbe stimmte, obwohl ihre Augen auf dem Ganzkörperbild dunkler wirkten.
Etwas stimmte nicht, ganz und gar nicht.


„Scheiße Ass. Wir haben ein Problem.“
Jule konnte selbst in ihrem „neuen Zuhause“ die Unruhe und einen Anflug von Panik in Persephones Stimme hören.
„Was denn?“ antwortete Assassine deutlich leiser.
„Jule“, antwortete Persephone nun ebenfalls leiser und Jule drängte sich gegen die Türe, damit sie hören konnte, was die beiden über sie sprachen.
„Hier. Jake und Jule schreiben miteinander und alles ist okay.“
Es knallte und Jule zuckte zusammen.
„Wie kann das sein?“, fragte Assassine. „Wir haben die richtige.“
„Anscheinend doch nicht“, gab Persephone zischend zurück. „Und jetzt?“
„Plan C“, antwortete Ass. „Gib mir ein paar Stunden, mir fällt schon was ein.“
„Und was machen wir mit ihr?“
„Das gleich wie bisher geplant“, gab Assassine zurück.
Als nur noch das Klappern der Tastaturen zu hören war, zog Jule sich wieder von der Türe zurück und lehnte sich gegen die Rückwand der Abstellkammer.
Dass die beiden nun wussten, dass sie diesen Jake wirklich nicht kannte, hatte ihre Situation in keinster Weise verbessert.


Es wurde bereits dunkel und Jake saß seit Stunden vor seinem Rechner und seinem Laptop.
Schon die zweite Kanne Kaffee hatte er leer, die dritte lief bereits durch.
Es hatte eine Weile gedauert, aber dann hatte er sich einen Plan gemacht, um nichts zu übersehen.
Es gab einiges zu überprüfen und meistens arbeite er an zwei Dingen gleichzeitig.
Er suchte im Internet nach weiteren Bildern von Jule um zu sehen, ob jemand damit eine gute Fotomontage gebastelte hatte, gleichzeitig lief ihr Bild durch ein Gesichtserkennungsprogramm.
Vielleicht sah ihr ja tatsächlich jemand zum verwechseln ähnlich.
Er hatte die Bilddatei untersucht, die Metadaten ausgelesen, versucht herauszufinden, wann und wo das Foto gemacht wurde.
Wann hatte er herausgefunden. Heute, kurz bevor er es erhalten hatte.
Wo oder von welchem Medium konnte er nicht feststellen.
Jetzt war der unbekannte Absender dran.
Wer hatte ihm das Bild geschickt? Vielleicht konnte er dann auch erahnen, warum.
Nebenher schrieb er mit Jule, deren Standort er jede halbe Stunde kontrollierte, versuchte auch in Hannahs Fall weiterzukommen.
Als der Kaffee fertig war, füllte er seine Tasse und griff automatisch nach einer Tiefkühlpizza um sie in den Backofen zu schieben.
Den vierten Tag infolge, aber er hatte kaum Alternativen.
Heute war definitiv einer dieser Tage, an denen selbst er an seine Grenzen kam, an denen er an sich zweifelte und ernsthaft darüber nachdachte einfach aufzugeben.
Aber zu viele Leute verließen sich auf ihn.
Hannah, Hannahs Freunde, Jule.
Jule.
Noch bevor Thomas damals Jule angeschrieben hatte, hatte er selbst die Nummer zurückverfolgt und Jules Namen und Adresse herausgefunden.
Dank der sozialen Netzwerke hatte er auch innerhalb weniger Minuten ihr Bild.
Ein Bild von dem er mittlerweile träumte, welches er vor Augen hatte, wenn er mit ihr schrieb oder an sie dachte.
Ein Bild, in das er sich verliebt hatte.
Und jetzt dieses neue Bild von ihr.
Ein Bild, dass ihn aus der Bahn warf, über das er nicht nachdenken durfte.
Schnell warf er einen Blick auf das Fenster, welches im Hintergrund seines Laptops geöffnet war.
Jule war noch immer zuhause.
Und sie hatte ihm auch erst vor zwanzig Minuten geschrieben. Es ging ihr gut, sie sah sich einen Film an.
Ein wenig beruhigt widmete er sich wieder seinem Rechner.
Viel Equipment hatte er nicht mitnehmen können, als er halsüberkopf abtauchen musste, seinen Verfolgern beinahe nicht mehr entkommen wäre.
Aber er musste eben mit dem auskommen, was er nun zur Verfügung hatte.
Und das schnell, denn er hätte seinen Aufenthaltsort schon lange wieder wechseln sollen, musste spätestens Morgen seine Zelte hier abbrechen und weiterziehen.
Auch wenn Lillys und Jules Aktion ihm einen Vorsprung verschafft hatte, ließen seine Verfolger sicher nicht ganz von ihm ab.
Es gab für sie tausende von Spuren, denen sie nachgehen mussten, aber die Chance blieb, dass eine von ihnen sie direkt hierher führte.
Langsam füllte sich das kleine Appartement mit dem Duft der Tiefkühlpizza und sein Magen grummelte weil er sich noch einige Minuten gedulden musste, da piepste sein Handy.
Wieder war es Unbekannt, der diesmal eine Nachricht geschickt hatte.
Drei Sätze, 22 Worte, die ihm den Boden unter den Füßen wegzogen.
 
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