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Zwei Leben - Unser Kampf - Severus Snape

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Harry Potter Severus Snape
31.01.2022
25.06.2022
31
240.000
44
Alle Kapitel
70 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
20.06.2022 4.582
 
Trigger-Warnung: Dieses Kapitel bezieht sich in expliziter Weise Gewalt und Zwang in sexueller Hinsicht. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist.
* * *
Informationen und Ressourcen für Menschen, die derartige Erfahrungen gemacht haben findet ihr unter
Weisser Ring

~* Der Montag ist vorbei und es ist Zeit für ein neues Kapitel das, wie an der Triggerwarnung erkennbar ist, wieder richtig ans eingemachte geht. Wie nähern uns dem Ende unaufhörlich...

Vergesst nicht, Harrys Sicht der Dinge bei Enoraá zu lesen! Sie hat hier einen sehr makabren Voldemort ins Kapitel gespendet! *~

Harry um vier Uhr am Morgen zu wecken war eine Untat. Für ihn und auch für den jungen Mann. Aber vier Stunden Schlaf mussten ihm gerade genügen. Es würde vom zeitlichen Abstand gut passen, was die Einnahme des Vielsafttrankes anging. Vier, acht, zwölf, sechszehn… und um zwanzig Uhr konnte sich Harry in seinem Körper zumindest noch etwas wohlfühlen, bevor er schlief.

Ein wenig entspannter durch den hochwertigen Whiskey seines Freundes streichelte er über Harrys Arm, bis dieser langsam erwachte und sich zu ihm drehte. Statt eines Guten Morgen erhielt er allerdings eine sinnlose Frage.

»Hast du getrunken?«, murmelte Harry, schön fest und warm in seine Decke eingewickelt.

»Nicht viel«, erwiderte Severus. »Es hilft ein wenig beim Schlafen.«

Harry brummte allerdings eher unzufrieden, auch wenn er noch furchtbar verpennt klang. »Ich nicht?«, fragte er. Severus, noch auf der Bettkante sitzend, zog die Brauen etwas zusammen. In Ginnys Körper? Er wusste es nicht. Was sollte er also antworten?

»Ich weiß es nicht«, gestand er daher aufrichtig. »Anderer Körper, andere Stimme, anderer Geruch…« Dass er selbst nach dem Whiskey roch, merkte er nicht einmal. »Ich bin müde, Harry. Bitte…« Seinem Wunsch wurde direkt Gehör geschenkt.

»Okay«, murmelte Harry, sich theatralisch mühsam vom Bett schiebend, um mitsamt Kleid und Trank im Bad zu verschwinden. Severus musste sich auch noch entkleiden und etwas frisch machen, solange Harry das Bad jedoch vereinnahmte, konnte er sich auch einfach ein wenig an das Kopfende des Bettes lehnen und ausharren. Oder einschlafen.

»Severus?«, weckte ihn Ginnys Stimme und auch wenn er gerade erst eingenickt war, schreckte er ziemlich direkt hoch, das rot umrahmte Gesicht seines Gegenübers blinzelnd betrachtend. Er schüttelte den Kopf und fuhr sich durchs Haar. Der Anblick verstörte ihn, nach wie vor. Es machte ihm ein ganz unwohles Gefühl in der Brust.

»Ich…« Er würde sie nicht anfassen. Niemals. Entsprechend erhob er sich aus dem Bett und umrundete sie mit einem großzügigen Abstand, um wieder in Richtung Büro zu tigern.

»Wo willst du hin? Du… wolltest doch schlafen«, rief ihm Ginny nach. »Ich habe dich nur geweckt, weil… naja, ich dachte du solltest dabei nicht sitzen.«

Verwirrt hielt Severus inne und schlug die Lider herab, konzentriert seine Gedanken sortierend. Seit wann duzte ihn das Weasley-Mädchen und warum sprach sie… Der Tränkemeister seufzte leise und wendete sich wieder zu der rothaarigen Person um, die zwar aussah wie Ginny, es jedoch nicht war.

»Harry?«, fragte er lahm, doch deutlicher von dem Alkohol betroffen als er zunächst hatte weißmachen wollen.

»Jah«, zog Harry seine Antwort in die Länge, was mit der Mädchenstimme echt furchtbar in Severus' Ohren klang. »Wie viel… genau trinkst du denn so, um zu schlafen, dass du das vergessen hast?«, fragte er, eine Braue kritisch anhebend.

»Ich bin müde«, brummte Severus und trat erneut mit Bogen an Harry vorbei, um ins Bad zu gehen. »Du wärst genauso verwirrt«, warf er noch nach, ehe er sich im Bad damit befasste, sich zu entkleiden und frisch zu machen und schließlich mit frischem Shirt wieder ins Schlafzimmer zu kommen.

»Ich bin immer noch Harry«, warf ihm die Mädchenstimme entgegen. »Ich soll dann vermutlich lieber nicht am Bett sitzen?«, wollte er wissen.

»Sitz, wo immer du willst«, seufzte Severus. »Nur… komm mir nicht zu nahe, bitte.« Er sank ins Bett und ins Kissen, dass jetzt nach Harry duftete. »Falscher Geruch… falscher Körper… ich würde gern den nächsten Tag erleben und nicht an einem Herzinfarkt sterben, wenn ich mit ihr im Arm erwache«, säuselte er, die Augen bereits geschlossen. Dank des teuren Whiskeys und der langen Tage war Severus schnell eingeschlafen und konnte so die guten vier Stunden bis zum Frühstück gut nutzen, um sich ein wenig zu erholen.



Der Tagesablauf war immer gleich, ob mit oder ohne Harry. Severus frühstückte, dann arbeitete er die Schülerakten durch und kategorisierte die Kinder danach, wie nützlich sie für den dunklen Lord und die Zaubererwelt waren. Sechs Tage verließ er das Büro nicht, sechs Tage schlief er in den Morgenstunden, wechselte sich mit Harry ab, trank ein wenig Whiskey und schlief komatös. An diesem Tag jedoch sollte es offenbar anders ablaufen. Severus schlief noch, da erklangen die Flammen des Kamins im Büro des Schulleiters. Nichts, was er hörte. Dafür schlief er zu tief. Wenn Alkohol einen Vorteil hatte, dann, dass der Schlaf tief und zumeist traumlos war. Leider war er oft auch zu wenig erholsam.

Als die Decke sich auf ihm bewegte und sich schließlich ein warmer Körper über ihn schob, brummte er leise. Er war viel zu müde für solche Spielchen. Konnte Harry nicht noch ein wenig warten? Ihm noch eine halbe Stunde mehr Schlaf gönnen? Das Brummen wurde deutlicher als sich weiche, warme Finger über seine leicht stoppeligen Wangen bewegten. Finger, die eindeutig zu schmal, eindeutig zu weich waren.

Severus wurde schlagartig wach und riss die schwarzen Augen auf, entsetzt in das Gesicht der Rothaarigen blinzelnd, die sich halb auf ihm positioniert hatte. »Was…?«, keuchte er und packte die Oberarme der jungen Frau, um sie von sich zu werfen, auf das Bett neben sich. Wie jeden Morgen dauerte es einen Moment, bis er realisierte, dass es Harry war und nicht Ginny. Diesen Morgen jedoch bekam er keine Zeit dafür, denn kaum, dass er Ginny-Harry neben sich aufs Bett gestoßen hatte, spürte er die Präsenz des dunklen Lords an der Tür. »Herr«, sagte Severus mit vom Schlaf ganz rauer Stimme, die Zunge noch ganz belegt vom Alkohol.

»Wie ich sehe, schätzt du es nicht, von deiner Gespielin geweckt zu werden. Sie tat es auf meinen Befehl hin. Findest du keinen Gefallen mehr an ihr?«, fragte der dunkle Zauberer mit einem Tonfall, der nichts Gutes verhieß. Dünnes Eis. So früh am Tag.

Severus' Gedanken überschlugen sich, nicht ganz klar im Kopf, vor allem aber hundemüde, war das Denken nicht unbedingt leichter. »Ich schätze es nicht, wenn eine Blutsverräterin, während ich schlafe, mir so nahekommt«, flüchtete sich Severus schleppend. Schluckte er es? Offenbar. Offenbar schien die ganze Situation jedoch andere Gründe zu haben, als nur, ihn wecken zu lassen.

»Nun bist du ja wach«, war die nüchterne Antwort des dunklen Lords.

»Herr?«, fragte Severus, sich bemühend, aufzustehen. »Wie… kann ich Euch dienen?« Weg von Ginny-Harry.

»Für den Moment soll dir gedient werden«, erwiderte sein Herr eisig, keinen Hehl aus seiner Verärgerung machend. Severus schlief das Gesicht regelrecht ein, ausdruckslos sah er in Zeitlupe von ihm zu der zusammengekugelten, jungen Frau. Er taumelte, musste sich sogar am Bettrahmen festhalten. In seinem Kopf überschlugen sich die Dinge, sein Körper fühlte sich plötzlich ganz taub und fremd an. Der Tränkemeister wusste, dass er sich beugen musste, wenn er nicht den Zorn des dunklen Lords auf sich ziehen wollte… aber… wie könnte er? Kein Muskel wollte ihm gehorchen, nichts an ihm bewegte sich. Stattdessen wurde sein Atem schwer und angestrengt, obwohl er stand und sich nicht rührte. Allein die Vorstellung, mit einer jungen Frau, einer Schülerin zu schlafen, war… entsetzlich. Egal welcher Geist darin steckte.

Der Zorn des dunklen Lords schien allmählich den Raum auszufüllen und versprach nicht, hier glimpflich davonzukommen. »Muss ich also davon ausgehen, dass Greyback mir die Wahrheit berichtet hat?«, knurrte der dunkle Lord.

»Dass er bereit war, Euer Geschenk mutwillig zu zerstören?«, fragte Severus ganz ruhig. Noch immer konnte er seinen Körper nicht bewegen. Selbst wenn es Harry gewesen wäre, der da lag… vor dem dunklen Lord Sex zu haben, zählte nicht zu seinen favorisierten Tätigkeiten. Wenn nur sein Kopf anständig funktionieren würde!

»Dass du mein Geschenk nicht benutzt«, knurrte der dunkle Lord, den Elderstab deutlich in seinen langgliedrigen, widerwärtigen Fingern drehend.

Severus fand gerade keine Worte zur Erwiderung, das Einzige, dass ihm einfiel und sie beide vielleicht gut wegkommen ließ, würde zumindest keinen Sex beinhalten. »Komm her«, schnarrte er zu Ginny-Harry, auch wenn ihm bei dem Anblick des nackten Körpers reichlich unwohl wurde. Auch seinem Gegenüber schien es kaum besser zu gehen. Eckige Bewegungen, ein gesenkter Blick. Mit zusammengebissenen Zähnen zog Severus seine Shorts hinab, nur ein erschlafftes Glied präsentierend. »Worauf wartest du?«, fuhr er Harry an, sich weiterhin nicht wegbewegend. Verstand Harry? Wenn er ihm so Lust bereitete… reichte es vielleicht?

Dass selbst das für sie beide unangenehm war, brauchten sie beide nicht auszusprechen. Es war dennoch sehr viel besser, als Sex zu haben. Leider regte sich erst einmal gar nichts als er berührt wurde, weder mit den Händen noch mit den weichen Lippen der Frau. Es war nicht unangenehm, das nicht… aber der Anblick war falsch und sorgte dafür, dass der kleine, positive Reiz sofort verging.

»Ich frage mich, ob ich mich wohl undeutlich ausgedrückt habe, wozu ich sie dir geschenkt habe«, sinnierte der dunkle Lord eisig. »Oder benötigst du eine Demonstration? Vielleicht hat dich deine lange… Abwesenheit ein paar Dinge vergessen lassen?« Severus wurde übel.

»Herr«, brachte er hervor. »Es liegt… nicht viel Zeit zwischen dem letzten Mal, und diesem…«, versuchte Severus sich herauszureden. Er war nur ein Mann. Er konnte nicht permanent Frauen begatten.

»Soweit ich mich erinnere«, fuhr ihn der dunkle Lord finster an, Harry von Severus fortzerrend und am langen Haar auf die Beine reißend, »warst du zuletzt noch ein Zauberer.« Ginny-Harry stieß einen erschrockenen, gequälten Laut aus. Er warf Harry auf das Bett und kniete sich mit einem Bein halb auf ihn, die eigene Robe zur Seite zerrend, den Zauberstab auf sich richtend. Harry begann sofort panisch zu werden und versuchte, von dem dunklen Lord fortzukommen, doch der schien nicht bereit, das zuzulassen.

Innerlich stöhnend bewegte sich Severus vor. »Herr«, sagte er so fest er konnte. »Beschmutzt Euch nicht mit dieses Blutsverräterin. Er griff selbst nach seinem Zauberstab und atmete tief durch. »Ich werde Euch nicht enttäuschen.« Das hier durfte nicht passieren. Niemals. Nein. Koste es, was es wolle, aber das durfte er Harry nicht antun lassen.

»Das hast du bereits«, lautete das Urteil des Scheusals. Severus' Eingeweide zogen sich zusammen, aber zumindest stieß er Harry wieder auf das Bett und zog sich von ihm zurück. Wie betäubt wirkte Severus den Zauber auf sich, der sein erschlafftes Glied willig und hart werden ließ. Eine weitere Geste, die Severus nicht gegen Harry direkt richtete. Der Zauber war stumm gezaubert, doch Harry konnte spüren, was er tat: Es fühlte sich an, als drängten zärtliche Finger an seine Mitte, um ihn etwas auf das vorzubereiten, was ihm bevorstand. Severus zog Harry am Fußgelenk zum Bettrand, dank der Präsenz des dunklen Lords konnte er nicht einmal Legilimentik nutzen, um Harry vorzubereiten oder gar, um sich zu entschuldigen.

»Auf den Bauch«, zischte er Ginny-Harry an. Dann musste er sie nicht ansehen. Als ob es das besser machen würde. Würde es nicht. Alles hier dran war schlimm, einfach nur… schlimm. Harry kam seiner Aufforderung auch nach, glücklicher Weise… und wie Harry so im falschen Körper unter Severus lag, fühlte sich der Tränkemeister hundeelend. Es nutzte jedoch nichts, denn der wachsame Blick des dunklen Lords lag nach wie vor auf ihnen, sodass er sich selbst leicht befeuchtete, an Ginny-Harrys Mitte brachte und langsam und vorsichtig ihre Körper verband.

Harry empfand hoffentlich keinen Schmerz und er konnte nur hoffen, dass Ginny Weasley keine Jungfrau mehr war, sodass es für Harry dank seines zuvor gewirkten Zaubers nicht schmerzhaft würde, sollte dieses Problem nicht bestehen. Es würde jedoch nichts daran ändern, wie furchtbar sich Harry wegen dieser Handlung fühlen musste... und wie fern diese Empfindung sein mochte, war es doch nicht einmal sein Körper!

Nun war er gänzlich nüchtern, trotz der Promille in seinem Blut und wie er nun begann, sich für den Akt zu bewegen, schaltete sein Verstand auf Autopilot. Selbstschutz. Er musste das hier einfach hinter sie beide bringen, damit der dunkle Lord endlich verschwand und sie in Frieden ließ. Er hatte sie beide völlig unerwartet überrumpelt, sie hatten keine Möglichkeit, sich zu wehren...

Harry dabei nicht wehzutun, ihn nicht einfach stumpf und roh zu nehmen, wie man es vielleicht erwartete, war alles, was er tun konnte, um das hier für sie beide erträglicher zu machen.

Severus spürte zu seinem Entsetzen, wie Harry in Ginnys Körper unter ihm verkrampfte und sich in der Decke vergrub, keinen Ton von sich gebend. Wie erbärmlich war er, Severus Snape, bitte? Statt seinen Zauberstab zu sich zu rufen, zu erheben und den dunklen Lord anzugreifen, tat er seinem jungen Gefährten diese Abscheulichkeit an!

Nichts an dieser Situation reizte ihn, nichts davon erregte ihn. Es gab nichts Gutes an dieser Situation. Es dauerte einfach nur eine Ewigkeit stumpfer Bewegung, bis sein Körper sich mechanisch ergoss, ohne, dass der Höhepunkt mehr tat, als in seinem Gemächt zu kribbeln. Es geschah, weil es eine Körperreaktion war. Weil es geschehen musste. Er pulsierte kaum, gab keinen Ton von sich. Nur seine Bewegungen hörten abrupt auf, schwer atmend innehaltend. War es vorbei? Endlich? Er musste sich hart zusammenreißen, um seine ausdruckslose Miene zu bewahren und sich nicht erschöpft auf Harry zu stützen als plötzlich die Stimme des dunklen Lords erklang.

»Wir verabschieden Morgen die Schüler der Abschlussklasse. Du wirst die Verkündung der zukünftigen Berufswege übernehmen und die Schlamm- und Halbblüter die auserwählt wurden, Teil unserer Gemeinschaft zu bleiben, ihren zukünftigen Besitzern zuteilen. Deine Beurteilung der Abschlussklassen sollte fertig sein. Wir beginnen um elf Uhr auf dem Uhrenplatz. Nach dem Frühstück wirst du jedoch bereits Longbottom zu dir holen und ihn bei dir behalten. Nimm ihm seinen Zauberstab ab, stell ihn notfalls unter den Imperius und lasse ihn keine Sekunde aus den Augen. Er wird während der gesamten Verkündung neben dir stehen. Seine weiteren Pläne werde ich persönlich verkünden«, erklärte der Zauberer kalt und ohne die Option, zu widersprechen.

»Ja, Herr. Wie Ihr wünscht«, sagte Severus so gleichmütig, wie es ihm möglich war.

»Was sie angeht, solltest du etwas mehr Willen beweisen oder ich muss annehmen, dass du mein Geschenk nicht zu schätzen weißt«, fügte der dunkle Lord noch an, ehe er sich zurückzog und das grüne Leuchten des Flohfeuers kurz sein Büro erhellte.

Severus' Zähne klapperten beinahe, so angespannt war er. Er zog sich von Harry zurück, zog seine Shorts hoch und taumelte von Ginny-Harry zurück, sich ins Haar fahrend. Zu viel. Es war alles zu viel. Er sollte morgen die Kinder in die Hände ihrer Vergewaltiger geben? Anderen Kindern eine Zukunft aufzwingen, die sie nicht begehrten? Und was war das mit Neville? All diese Gedanken versuchten, sich präsent vor das Desaster zu schieben, was er angerichtet hatte und nun reglos auf dem Bett lag.

Was wollte der dunkle Lord mit Longbottom und was für Pläne hatte er mit diesem, dass er diese nicht weiter verkündete? Severus gefiel das nicht und auch wenn er nicht glaubte, dass es irgendwie gutgehen konnte nach dem, was gerade geschehen war, so war er doch davon überzeugt, dass sie morgen zuschlagen mussten.

Harry richtete sich unterdessen langsam auf und wirkte so angespannt und fertig, dass es Severus' Herz zerriss. Er konnte kaum atmen bei dem Anblick des geschändeten Frauenkörpers und zog sich mit angehaltener Luft noch weiter zurück. Wie sehr würde Harry ihn jetzt verabscheuen? Konnte Harry ihm seine Feigheit nachsehen? Konnte… konnten sie das überwinden, was geschehen war?

»Bin im Bad«, presste Harry leise hervor, nachdem er es geschafft hatte, mit zusammengebissenen Zähnen aufzustehen… dann verschwand er allein im Bad und verschloss die Tür hinter sich.

In Severus regten sich mehrere Gedanken dazu, was er tun sollte und konnte. Harry betonte immer wieder, dass Severus ihn nicht von sich stoßen sollte. Jetzt hatte Harry genau das mit ihm getan. Zurecht, wenn Severus darüber nachdachte. Dann wollte er auch nicht, dass er ihm hinterherkam, richtig? Hilflos stand er da… und schaffte es einfach nicht, sich irgendwo hinzubewegen. Nicht, solange er nicht wusste, dass es Harry einigermaßen gut ging. Er war quasi eine Litfaßsäule, nicht mehr denkend oder handelnd, bis Harry wieder ins Zimmer kam. Als er selbst. Wie? Oh. Es war Morgen. Ja. Er hätte den Trank nehmen müssen. Sie hatten Glück gehabt, dass das Ganze nicht noch länger angedauert hatte…

»Harry«, brachte Severus mit brechender Stimme hervor, seinen Gefährten anblinzelnd. Würde er ihn… sich umarmen lassen? Die Antwort bekam er prompt, denn Harry warf sich ihm nach einigen deutlichen Schritten direkt entgegen und schlang die Arme um den Tränkemeister als würde er ohne diese Umarmung jetzt ertrinken und bei allem, was gut und heilig war, Severus erging es genauso. Er umschlang Harry mit seinen kräftigen Armen, leicht zitternd, die Nase in dem wuscheligen, schwarzen Haar vergrabend. Er hielt Harry so fest, wie er es konnte, ohne ihn zu zerquetschen. Er brauchte diese Nähe jetzt so dringend und bei Merlin, er wollte ihn nicht loslassen. Er wollte nicht an den Schreibtisch, wollte nicht an die Arbeit. Er wollte Harry nicht allein lassen oder ihn zwingen, sich nach alledem noch einmal in Ginny zu verwandeln…



Es vergingen Äonen, kleine Ewigkeiten, die sie einander nur stumm umschlungen hielten. Severus spürte längst, dass Harry weinte und sein Shirt tränkte, aber er schaffte es nicht, etwas zu sagen oder zu tun, dass über diese Geste hinausging.

»Ich will nicht loslassen«, flüsterte Harry irgendwann widerwillig.

»Dann lass nicht los«, hauchte Severus mit unglaublich dünner Stimme, dankbar die warme Wange seines jungen Gefährten an seinem Hals spürend.

»Was, wenn jemand kommt… und Essen bringt?«, fragte Harry kaum hörbar.

»Außer ihm kommt niemand herein… und wenn doch, bringe ich diese Person um«, flüsterte Severus so überzeugend, wie es ihm möglich war. »Es… tut mir so leid…«, flüsterte er, die Augen selbst zusammenkneifend, damit nichts passierte.

»Nicht«, hauchte Harry leise. »Er hat uns beide gequält…« Leider wahr, und doch machte es das nicht besser. Definitiv nicht. Aber was sollte Severus sonst sagen? Was sollte er sonst tun? Er war sich sicher, dass er, wenn er Harry jetzt losließ, zusammensacken würde. Oder er ging stoisch an seine Arbeit und tat Dinge, die er bereuen würde.

»Morgen... Wir bringen es morgen zu Ende.« Dahingehend waren sie beide sich einig. Severus nickte ganz sachte.

»Nur… wann?«, fragte er leise.

Harry atmete tief durch, bevor er antwortete. »Keine Ahnung… am einfachsten wäre es, wenn er dir zuhört. Mit dem Tarnumhang kann ich mitkommen, ohne, dass mich jemand sieht… wenn ich genau hinter ihm stehe…«

»Er ist kein aufmerksamer Zuhörer… aber ein begeisterter Redner«, murmelte er. »Wir sollten warten, bis er verkündet, was er mit Longbottom vorhat.« Zur Bestätigung schmiegte sich Harry wieder etwas deutlicher an und nickte sachte.

»Gut«, stimmte er zu.

»Wir… werden das vielleicht nicht überleben«, flüsterte Severus kaum noch hörbar. »Je nachdem, wie viele Todesser vor Ort sind.«

»Die Hälfte wird disapparieren, wenn er fällt. Vielleicht mehr.«

»Sie können nicht disapparieren«, flüsterte Severus zurück. »Entweder, sie ergeben sich, oder sie kämpfen bis zum Tod. Tod oder Askaban.«

»Dann brauchen wir Hilfe«, sagte Harry widerstrebend, Severus ein Seufzen abringend.

»Das bräuchten wir. Aber es ist Wahnsinn, Harry. Der Moment, in dem wir zuschlagen, ist nicht festgeschrieben… die Anderen wären nicht ausreichend in der Nähe, oder sie wären es und sehr in Gefahr.«

»Die Hauselfen können sie bringen. Eine Hauselfe unsichtbar in der Nähe zu haben, sollte gehen, oder bei mir unter dem Tarnumhang.«

»Er weiß von den Hauselfen. Er weiß von Minerva und den Weasleys. Er wird sie erwarten. Du bist mit mir der einzige, den er nicht erwarten wird.« Trotz seiner finsteren Worte löste sich Harry ein wenig und streckte sich, um ihn sanft zu küssen. Ganz sachte nur.

»Dann nur wir beide.« So ungern Severus es auch zugab, Harry hatte Recht.

»Nur wir beide…«

»Ich liebe dich… und ich bin froh, dass ich das Erkennen durfte«, flüsterte Harry, sich wieder an Severus schmiegend, der bereitwillig die Arme wieder etwas enger um ihn schlang. Er wollte und konnte jetzt nichts sagen. Seine Stimme würde verraten, wie viel Angst er hatte und wie traurig ihn die Aussicht machte, vermutlich mit Harry zu sterben. Also hielt er ihn stattdessen nur fest in seinen Armen.

Harrys Gedanken klopften deutlicher gegen seine, ein gutes Zeichen dafür, dass Harry nicht mehr so angespannt war. Warum auch immer er dachte, dass James und Sirius ihn im Tod den Kopf abreißen wollen würden.

»Musst du noch irgendetwas für diese Farce morgen vorbereiten?«, wollte Harry wissen. »Ansonsten… leg dich bitte mit mir hin.« Harry klang so furchtbar erschöpft, dass Severus nicht anders konnte, als zuzustimmen.

»Ich muss noch ein wenig vorbereiten… aber das hat auch später noch Zeit«, murmelte er, sich wieder von ihm lösend. Er roch zwar immer noch nach Whiskey, war auch immer noch ein bisschen duselig… aber der Schreck und die Anspannung hatte das meiste von seiner leichten Trunkenheit vertrieben. Er zog Harry an der Hand mit sich zum Bett, sich gemeinsam mit ihm unter die Decke kuschelnd, wobei er die Tür doppelt und dreifach magisch sicherte. Niemand würde hier reinkommen. Ein Alarmzauber auf den Kamin… fertig. Er hielt Harry angespannt im Arm, die Bilder und Geräusche von dem vorangegangenen nicht aus seinem Kopf vertreiben könnend, obwohl es Harry und nicht Ginny-Harry war, den er hielt. Er atmete immer wieder gedehnt ein und aus, aber entspannen konnte er sich nicht mehr ausreichend, um einzuschlafen. Also wachte er über Harry.



Es war noch keine Mittagszeit, da weckte Severus Harry durch ganz sachte Berührungen an dessen Schulter. Mehr wagte er nach dem Morgen nicht. Es wartete noch etwas Arbeit auf ihn und da er nicht wusste, ob der dunkle Lord erst das mit Neville durchkauen wollte oder Severus den Vortritt ließ, all die Mitschüler aus Harrys Jahrgang zu verdammen, wollte er nicht nur halb vorbereitet sein.

»Fünf Minuten«, bat ihn Harry leise brummelnd, keinen Millimeter von Severus abrückend. Erst einige Augenblicke später sprach er weiter. »Wozu gibt es eigentlich Magie, wenn man doch selbst arbeiten muss«, brummte er unzufrieden.

»Weil Magie kein Herz und keinen Verstand hat, Entscheidungen zu treffen«, erwiderte Severus, der ruhig neben ihm ausgeharrt hatte. »Kommst du klar?«

»Und wenn ich nein sage? Es ändert doch nichts«, murmelte Harry, sich mit zerflauschtem Haar unzufrieden aufrichtend. »Muss ich den Trank nun noch nehmen?«

»Ich kann es später machen«, sagte Severus. »Ich… würde es nur gern hinter mich bringen.« Was die zweite Frage anging, so schwieg er für einen Augenblick und atmete tiefer durch. »Nein.« Das wollte er Harry nicht antun. Und sich auch nicht. »Behalte ihn immer in der Nähe. Lass die Badezimmertür offen, die Schlafzimmertür geschlossen. Sollte jemand klopfen, oder er kommt hergefloht, lass ich die Badezimmertür zufliegen. Dann nimmst du den Trank.«

»Mache ich«, versprach Harry sofort mit mehrfachem Nicken. »Und äh… ich würde Cimny gerne was zu essen holen lassen.« Was sinnvoll klang.

»Mach das«, sagte er und erhob sich, um ins Badezimmer zu verschwinden. Er hatte keinerlei Appetit. Hunger, ja. Aber keinen Appetit. Das würde sich auch nicht innerhalb einiger Minuten ändern. Vielleicht konnte er irgendwann am Nachmittag was essen… für den Augenblick musste Harry das allein machen. Er selbst widmete sich nun dem Alltag: Erleichtern, rasieren, duschen, ankleiden und wieder ins Schlafzimmer tigern, wobei er direkt die Tür zum Büro anstrebte und in selbiges verschwand, um in ernüchternder Arbeit zu versinken und weiter Individuen nach ihrem Erbmaterial zu klassifizieren und die Talente in sinnvolle Berufsbahnen zu lenken.

Der Nachmittag  war unlängst durch als Severus sich einen Schluck Whiskey eingoss und trank. Es war der Versuch, sich vielleicht besser konzentrieren zu können, wenn das Übel des Morgens etwas betäubt war. Dass aus dem Schluck ein halbes Glas wurde und er dennoch nicht weiterkam, weil es ihm schwerfiel, gutherzige Mädchen zu etwas zu machen, dass auf der gleichen Stufe stand wie Hauselfen, ignorierte er, stattdessen mit geschlossenen Augen in seinem Stuhl hängend. Und wenn er improvisierte? Ja, vielleicht war das besser. Dann fühlte es sich nicht so schäbig an, nicht so… berechnend. Seufzend erhob sich Severus, die Akten verärgert beiseite wischend und leerte das Glas, ehe er ins Schlafzimmer ging, wo Harry sicher schon auf ihn wartete.

»Hey«, begrüßte ihn der neue Bücherwurm, das Buch sanft schließend.

»Hey«, murmelte Severus finster. Er war nicht übermäßig gut gelaunt nach der Arbeit und vermutlich auch keine gute Gesellschaft. Aber wenn er das entschied, stieß er Harry wieder von sich und das wollte dieser nicht, also ließ er es. Dass Harry nun das Gesicht verzog, als er sich zu ihm begab, verhieß nichts Gutes. Der Morgen hatte Harry offenbar eingeholt.

»Ich… ich fasse dich nicht an«, murmelte er reumütig. »Du brauchst… keine Angst zu haben.« Er ließ sich mit etwas Abstand auf der Bettkante nieder, den Oberkörper nach vorn gebeugt und die Ellbogen auf seinen Oberschenkeln aufgestützt.

»Ich habe keine Angst vor dir«, versicherte ihm Harry. »Denk das nicht.« Eine Bitte, die Severus ausschlagen musste. Vielleicht war es keine Angst, aber vermutlich war da Abscheu in Harry. Ekel. Alles andere wäre unnatürlich.

»Soll ich glauben, dass das alles nichts verändert?«, fragte er dünn, das schwarze Haar wie Vorhänge um sein Gesicht hängend. Er starrte auf seine Hände. »Dreiviertel«, murmelte der Tränkemeister.

»Dreiviertel was?«, fragte Harry, ein wenig näherrutschend. Severus blieb derweil, wo er war, nur auf seine sauberen, ruhigen Hände blickend.

»Dreiviertel deiner Mitschüler… habe ich klassifiziert… genau das zu erleben was heute früh geschah«, sagte er. »Viele sind bereits bei ihrem… Herrn. Der Rest… folgt morgen.« Der Schmerz, den Horror vom Morgen… erlebten andere Schüler bereits seit Anfang Mai.

»Severus…« Harry berührte den Unterarm des Tränkemeisters sachte. Severus reagierte nicht darauf. Er spürte es kaum. »Wir sorgen dafür, dass es aufhört. Vergiss das nicht. Und danach gehen wir weg. Niemand von denen wir uns wiedersehen und wir beide wissen, wie es wirklich war.« War das so? Am Ende war es doch wieder nur Severus' Feigheit gewesen, die so vielen Leid beigebracht hatte… und nicht zuletzt auch Harry.

Severus stieß die Luft leise aus. Der schwere Geruch von teurem Whiskey begleitete das. »Ich improvisiere den Rest. Ich will nicht weiter daran arbeiten. Es ist… nicht richtig«, murmelte er.

»Es spielt ohnehin keine Rolle. Nach Morgen spielt nichts davon mehr eine Rolle, weil er nicht mehr da sein wird… die Kinder werden in Sicherheit gebracht.« Harry rutschte noch näher, bis sie Seite an Seite saßen. »Ruhen wir uns aus. Wir müssen morgen fit sein.«

»Es ist nicht einmal Abend«, brummte Severus. »Es könnte jederzeit jemand herkommen… ich…« Er zuckte im Handgelenk. »Ich… kann nicht ruhen. Es ist zu riskant.« Solange Harry keinen Vielsafttrank intus hatte, war es zu riskant.

»Nicht, wenn… ich den Trank nehme«, warf Harry unglücklich klingend ein.

»Nein!«, begehrte Severus sofort auf, den Kopf ruckartig zur Seite bewegend, um Harry anzustarren. »Ich will dieses Gesicht… diesen Körper… nie wieder sehen…« Er biss die Zähne fest aufeinander. Er würde alles tun, um dieses Mädchen nie wiedersehen zu müssen.

Zu seiner Überraschung widersprach Harry ihm nicht, sondern umschlang ihn einfach mit seinen warmen Armen, ihn mit sich niederziehend. Zuerst wehrte sich Severus' Körper… dann gab er nach und lag auf dem Rücken, von Harrys sanften Fingern gekämmt. »Ruh dich aus«, murmelte Harry. »Ich passe auf.«

Widerwillig brummte Severus, sich mit dem Gesicht bei Harry an dessen warmer, wohlduftenden Halsbeuge vergrabend. »Ich kann nicht ruhen«, murrte er noch leise. »Es ist zu riskant…« Und doch war nach wenigen Augenblicken die Atmung des Tränkemeisters ganz ruhig geworden.
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