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Zwei Leben - Unser Kampf - Severus Snape

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Harry Potter Severus Snape
31.01.2022
25.06.2022
31
240.000
44
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
16.06.2022 6.289
 
~* Wie jede Woche gibt es den kurzen Hinweis: Vergesst nicht, Harrys Sicht der Dinge bei Enoraá zu lesen! *~

Es vergingen Minuten. Warum vergingen Minuten? Wie lange konnte Cimny brauchen, um das Weasley-Mädchen abzusetzen und ihm Harry hierherzubringen? Trotz der enormen, inneren Unruhe stand er nach wie vor an der gleichen Stelle, das Gefühl nicht loswerdend, dass das ein verdammt dummer Fehler war. Hätte er das nicht bewilligen dürfen? Hätte er ablehnen sollen?

Das sanfte Plopp seiner Hauselfe riss ihn aus dem Mahlstrom des Zweifels und auch wenn er eigentlich wusste, dass Harry natürlich nicht aussehen würde, wie Harry aussah, sondern eben wie das Weasley-Mädchen, war er kurz über den Anblick erschrocken. Nur der Kosename weckte ihn.

»Sev«, hauchte sein Gefährte im falschen Körper – und einige Terze zu hoch.

»Ginny«, sagte er, die Nase leicht kräuselnd. Zwar waren sie abgeschirmt, aber er durfte nichts riskieren. »Fertig im Badezimmer?«

»Mädchen brauchen eben manchmal länger«, erklärte Harry mit falscher Stimme und zupfte blinzelnd an seinem grässlichen Kleid herum, ehe er Severus aufmerksam musterte.

»Dinge, die mich kaum weniger interessieren könnten«, brummte Severus und sah zum Fenster. Das war nach wie vor geschlossen. »Zwei Kindernamen«, verlangte er von Harry. Es war Harry, oder? Er würde die Kindernamen der Zwerge nennen, nicht? Natürlich regte das Skepsis in Harry, aber am Ende war es besser, auf Nummer sicher zu gehen.

»Ich wusste nicht, dass wir schon so weit sind, aber mir würden Edward und Dianthea gut gefallen. Etwas ungewöhnlich, ich weiß.« So, wie Harry das Kinn reckte, war er des Spielchens bereits müde.

»Nach dem gestrigen Abend sollte auch Ihnen bewusst sein, wie weit wir sind«, sagte er dumpf und ging auf Ginny-Harry zu, ihn aus nächster Nähe anblickend. »Die Namen sind gut.« Damit wendete er sich ab. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass Greyback hier gelegentlich Mäuschen spielt«, sagte er tonlos. »Und ich schätze nicht, belauscht zu werden. Egal in wessen Gesellschaft.«

»Und ich dachte immer, Hunde seien in der schule verboten.«

»Bedauerlicher Weise gilt das nicht für Werwölfe«, meinte Severus leise. »Haben Sie im Bad alles gefunden und alles an seinen Platz zurückgebracht?«, fragte er weiter. Verdammt, er wusste doch, dass sie nicht belauscht wurden… aber er kam gerade nicht hin, diese Farce fallen zu lassen. Der Anblick war einfach… falsch. Allerdings erschien es ihm in jeder Variante gerade unpassend, direkt danach zu fragen, ob Ginny gut angekommen und bei ihrer Familie war.

»Ich würde eine größere Badewanne vorziehen«, erwiderte Harry trocken, was Severus durchaus verwirrte. Badewanne? Größer? Er wendete sich um und sah Harry entgegen, der Anblick der jungen Frau allerdings ließ ihn den Blick zumindest direkt wieder abwenden. »Es tut mir leid«, sagte er kaum hörbar. »Ich hätte nicht einfach…« Er brach ab und runzelte die Stirn.

»Ich glaube, ich kann nicht ganz folgen«, gestand sein Gegenüber ein wenig hilflos.

»Das kann ich dir kaum anlasten«, erwiderte der Tränkemeister. »Ist sie… gut angekommen?«, fragte er leise.

»Ja«, erwiderte Harry nach einem leisen Seufzen. »Alles läuft gut, dort.« Was wiederum Severus seufzen ließ.

»Dir ist hoffentlich bewusst, dass… das hier«, setzte Severus an und deutete auf sie beide, »das Bild sein muss, welches wir zeigen.« Er leckte sich über die Lippen. »Er geht hier ein und aus, wie es ihm beliebt.«

»Ja, natürlich. Ich bin trotzdem lieber hier, selbst wenn ich den ganzen Tag die Klappe halten muss und in irgendeiner Ecke sitze«, versicherte der Jüngere.

»Sofern er nicht plötzlich nach Hogwarts kommt, ist das genau deine Aufgabe. Sie haben nur noch eingeschränkten Respekt vor mir«, sagte Severus leise. »Greyback kam ungefragt mit Miss Weasley ins Büro. Ein Geschenk des dunklen Lords.« Er sah wieder zum Fenster. Er war jetzt deutlich paranoider, mit Harry an seiner Seite.

»Habe ich gehört«, murmelte Harry, sich unschlüssig in seinem fremden Körper regend.

»Ich habe sie nicht angefasst«, sagte Severus finster, die Hände zu Fäusten ballend. »Allerdings… habe ich meine Antwort. Sie… Dianthea… Ist meine Tochter.« So ungern er es auch zugeben wollte… es war wahr. Die Worte des dunklen Lords waren sehr eindeutig gewesen und so wie Harry nickte, hatte er es wohl nicht mehr in Frage gestellt.

»Sie kümmern sich um beide.« Nun nickte Severus. »Ich… würde gerne etwas anderes von dir hörne. Zu einer gewissen… anderen Dame

»Tot«, murmelte Severus und schluckte. »Dafür habe ich den Basiliskenzahn nicht mehr.«

»Wir brauchen ihn nicht mehr. Gibt es eigentlich den Hut noch?«, fragte Harry ihn nachdenklich.

»Natürlich. Ein magisches Artefakt wie dieses lässt sich nicht so leicht zerstören, wie manch einer meint.« Sein Blick machte klar, dass es wohl durchaus versucht worden war.

»Also… warten wir?«, fragte er leise.

»Darauf läuft es zwangsläufig hinaus«, stimmte er zu. »Es ist schwer, zu sagen, wann er wieder nach Hogwarts kommt. Ich soll ein besonderes Auge auf Mr. Longbottom haben. Er scheint etwas mit ihm vorzuhaben«, merkte er an. »Vermutlich werden wir also nicht ewig warten.« Leider wusste er nach wie vor nicht, was der dunkle Lord mit dem Gryffindor vor hatte. Sie mussten sich also geduldig zeigen.

Als es plötzlich hart klopfte, kräuselte Severus verärgert die Lippen. »Das kann nur einer sein. Kenne deinen Platz«, schnarrte er Harry an, mit donnernden Schritten das Schlafzimmer verlassend, um mit dem Wink seines Zauberstabs die Tür zu seinem Büro zu öffnen – ohne die Tür zum Schlafzimmer geschlossen zu haben. Sollte Fenrir ruhig sehen, dass Ginny da war.

»Deine Gesellschaft ist nicht, was ich begrüße«, ließ Severus den Werwolf wissen. »Ich hoffe, es ist wichtig.«

»Warum verschließt du die Tür magisch?«, knurrte der Werwolf übellaunig und erhaschte einen kurzen Blick auf die verängstigte Frau in Severus' Schlafzimmer.

»Entgegen der landläufigen Meinung, ich würde zu nachlässig mit den mir anvertrauten Schlammblütern oder Blutsverrätern umgehen, habe ich kein gesteigertes Bedürfnis, das Mädchen hier frei hinausspazieren zu lassen«, sagte Severus kalt. »Sofern das also dein einziges Anliegen war…«

»Du könntest einfach dafür sorgen, dass sie nicht mehr spazieren kann«, schlug der Werwolf vor, sichtlich Gefallen an der Vorstellung findend.

»Tu mit deinen Gespielinnen, was dir gefällt und halt dich aus meinen Angelegenheiten raus«, meinte Severus tonlos.

»Sie scheint dich aber ja schon zu langweilen… wenn du dich lieber im Schloss herumtreibst? Oder vermisst du dein Kerkerloch so sehr?«, fragte Fenrir weiter.

»Natürlich langweilt sie mich«, knurrte Severus mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck. »Sie hat nichts zu bieten.« Er reckte sein Kinn ein wenig. »Es gibt Dinge in meinen alten Gemächern, die ich hier wissen möchte und nicht in den Händen eines Stümpers. Dinge, von denen ein ungebildeter Flohsack nicht viel versteht.«

Ihm wurde mit einem dunklen Knurren begegnet, die widerwärtigen Zähne des Werwolfs präsentierte dieser in einer drohenden Gebärde. Severus jedoch blieb ganz ruhig. »Du hältst dich für so schlau«, schnurrte Fenrir. »Und so wichtig.« Doch statt ihn weiter anzugehen, ging der Kerl nun zur Tür. Severus mahnte sich, ihn einfach nur ausdruckslos anzusehen, ohne etwas Weiteres zu sagen. Damit wäre er ihn wieder los und das begrüßte er doch am Ende.

Stoisch sah er dem Scheusal hinterher, bis dieser die Tür geöffnet hatte und aus seinem Büro verschwunden war. Erst mit dem Klacken des Riegels im Schloss erlaubte sich der Tränkemeister, leise zu seufzen und seiner falschen Ginny entgegenzublicken. »Du erkennst die Problematik?«, murmelte er kaum hörbar. Harry griff seine Sorge, belauscht zu werden, direkt auf, indem er zur Tür sah und eine Geste zu seinem eigenen Ohr vollzog. Severus nickte knapp. »Solltest du also auf die Idee kommen, abhauen zu wollen, wird sich Greyback mit Freude darum kümmern, dass du nie wieder irgendwo hinläufst.« Er sprach nach wie vor sehr leise – alles Andere wäre auch zu auffällig gewesen.

»Das können Sie nicht machen«, empörte sich Harry passend, sehr zu Severus’ Zufriedenheit. Das musste Fenrir reichen, nicht? »Sie können mich hier nicht festhalten!« Gut, das war völlig ausreichend. »Sie Verräter! Ich werde mich Ihnen nicht beugen! Und dem stinkenden Werwolf erst recht nicht!«

Severus schlief das Gesicht ein. Warum mussten Gryffindors immer übertreiben? Kannte denn niemand ein Maß aus diesem roten, nervtötenden Haus?! Er war für den Moment auch zu fassungslos, um zu reagieren. Harrys trotzige Haltung in Ginnys Körper half da nicht. Leider sorgte genau diese Verzögerung dafür, dass die Tür wieder aufflog, die Severus natürlich noch nicht wieder magisch verriegelt hatte. Wäre die Tür nicht derart massiv, wäre sie am Gemäuer wohl zerschellt. So schlug sie nur gegen die Steinmauer und erfüllte das Büro mit einem lauten Knall.

»Bist du zu schwach, um dich gegen deine Hure zur Wehr zu setzen?«, polterte der Werwolf, der forsch wieder ins Zimmer getreten war und sich angriffslustig vor ihnen aufbaute. In Severus’ Kopf überschlugen sich derweil die Gedanken – bislang war es nie nötig gewesen, sich zu rechtfertigen oder jemanden zu schützen, denn in Gegenwart anderer Todesser oder Gefolgsleuten des dunklen Lords hatte er niemanden gehabt, der beschützt hätte werden müssen. »Ich übernehme das gern für dich, Verräter«, zischte der Werwolf, in Harrys Richtung ansetzend.

Das war der Moment, in dem die Situation eindeutig kippte. Severus verpasste Harry einen Rückhandschlag ins Gesicht, zeitgleich hatte er seinen Zauberstab gezückt und schnürte damit die Kehle des Werwolfs zu, diesen in die Luft erhebend. Er baumelte und strampelte hilflos, sich gegen die unsichtbare Macht nicht wehren könnend.

»Das Maß und der Zeitpunkt einer Bestrafung obliegt nicht dir«, sagte Severus eisig. »Die Blutsverräterin ist ein Geschenk des dunklen Lords. Wage dich, sie anzurühren, und du wirst dir wünschen, Bellatrix würde sich mit dir und deiner Bestrafung auseinandersetzen und nicht ich.« Er schleuderte den riesigen Mann mühelos gegen eine der nackten Wände. Das Geräusch dieses Aufpralls war ekelerregend, schien auf den Werwolf jedoch nicht den gewünschten Effekt zu haben. Warum waren Werwölfe so viel robuster als Zauberer?

Dieser Werwolf im Speziellen war sehr robust und nun auch sehr wütend. Auf allen Vieren – sich zu einem Menschen aufzurichten war wohl nicht zielfördernd - knurrte Fenrir den Tränkemeister nun an, der völlig unbeeindruckt blieb. Äußerlich zumindest.

»Geh«, verlangte Severus vollkommen tonlos von Fenrir, seinen Zauberstab nicht für einen Zauber erhoben. Er wirkte alles in allem wirklich nicht so als wolle er Fenrir weiter angreifen.

Genaugenommen nahm Severus den Werwolf nicht einmal ernst. Dass das den grobschlächtigen Mann mit den grotesken Zügen nicht gefiel, war mehr als deutlich zu erkennen. Hass funkelte in den kleinen Augen als er sich wieder aufrichtete und schließlich mit donnernden Schritten das Büro des Schulleiters verließ. Die Tür polterte kaum in ihren Angeln, da versiegelte Severus sie magisch und wendete sich an Ginny-Harry.

»Und Sie«, sprach er Harry an. »Lernen Ihren Platz nun kennen.« Eiseskälte, die sehr viel mehr an den Professor Snape erinnerte, den Harry kannte, denn an seinen Gefährten. Severus zog kurz die Brauen hoch, den Zauberstab noch nicht wegsteckend... stattdessen machte er eine wischende Bewegung zum Schlafzimmer und griff sich an den Hals, auf Harry deutend. »Schrei«, forderte er mittels Legilimentik direkt in Harrys Gedanken. »Das Schlafzimmer ist mittels Luftmagie abgeschirmt. Lauf.«

Harry tat sofort, wie ihm geheißen und stolperte los, nachdem er ohrenbetäubend schrill geschrien hatte. Im nächsten Augenblick flog ein Stoffbündel an Harrys Kopf vorbei und knallte dumpf gegen die Wand, während er mit ausholenden, autoritären Schritten dem vermeintlichen Mädchen nachsetzte, seinen Gefährten damit direkt ins Schlafzimmer treibend. Kaum, dass Harry gegen die Tür geknallt und schließlich in dem Zimmer verschwunden war, folgte er hinein und schlug die Tür hinter sich zu. Seine schwarzen Augen ruhten leicht geweitet auf Ginny-Harry, deren Anblick ihn irgendwie... nervös machte.

»Bist du verletzt?«, fragte er kaum hörbar. Trotz Zauber wollte er sich kein lautes Reden angewöhnen. Dennoch... Sein Rückhandschlag war sicher nicht ohne gewesen.

»Tut mir leid, aber... ehrlichgesagt wäre es anders nicht wirklich authentisch gewesen. Ich bin kein guter Schauspieler«, gestand Harry. Das stimmte zwar, allerdings war der Gedanke, Harry geschlagen zu haben, gerade wie ein Nadelstich in seiner Brust. Bedauerlicher Weise konnte er sich Harry so auch nicht nähern.

»Wir müssen achtsam sein«, bemängelte Severus. »Du verlässt das Schlafzimmer nicht.« Der Befehlston war gekonnt. Jahrelange Übung. Ob es Harry unangenehm war?

»In Ordnung. Tut mir leid«, erwiderte Harry leiser. »Ich bleibe hier.«

»Gut.« Severus sah zu Harry, dann schüttelte er den Kopf und wendete den Blick ab. »Ich hoffe, das ist bald vorbei. Dein Anblick macht mich fertig«, murrte der Tränkemeister.

»Glaub mal... für mich ist das auch komisch.« Severus hörte Stoff und Haare rascheln. »Ähm... ich sollte nicht zaubern, oder?«

»Nein«, erwiderte Severus trocken. »Und es wäre sicherer, wenn du deinen Zauberstab nicht am Körper trägst, solange wir nichts Akutes planen.« Severus wendete sich wieder zu Ginny-Harry, die Geste mit Zauberstab und der Hand im Haar bemessend. Er nahm ein schmales Lederband aus der Schublade des Nachttisches und reichte es Harry, damit dieser sich das Haar zusammenbinden konnte. »Du wirst abends zuerst schlafen«, erklärte er. »Ich schlafe, wenn du ausgeruht bist.« Sie mussten ihre Rolle spielen. Irgendwie.

»Wohin mit dem Stab?«, fragte ihn sein Gefährte mit der Frauenstimme.

»Ganz gleich. So, dass du schnell drankommst, wenn es Not tut«, sagte er. »Sollte sich jedoch eine Situation wie gerade eben wiederholen, wäre es schlecht für uns beide, wenn du einen Stab bei dir trägst, den du bei deiner Schenkung an mich definitiv nicht hattest.«

»Beschissener Kontext«, meinte Harry, Severus ein knappes Schmunzeln damit abringend. Harry schob seinen hölzernen Zauberstab unter das Kopfkissen und war damit mal wieder unbewaffnet. An Harrys Stelle wäre Severus dezent angefressen deswegen.

»Sorge nur dafür, dass das nicht der einzige Zauberstab ist, den sie entdecken können. Wie viel Trank hast du noch?«, fragte er. Zur Antwort kramte Harry einen magisch verkleinerten Rucksack unter seinem Kleid hervor, was für sich genommen bereits sehr unangenehm war für Severus. Das Versteck missfiel ihm irgendwie.

»Ich hoffe, du hast noch mehr davon?« Der junge... die junge Frau ihm gegenüber präsentierte die Reste wenig feierlich.

»Ja, wir kommen eine Weile aus. Wenn du nachts nichts verbrauchst, gut ein Drittel länger als ohnehin schon.« Severus sah nachdenklich zur Tür. »Ich weiß nicht, wie gefährlich es wäre, in der Nacht du selbst zu sein.«

»Ich weiß nicht«, murmelte Harry unglücklich. »Alle Optionen scheinen mir eher unangenehm zu sein. Zumal mir das Kleid nicht besonders gut passt. Obwohl sie größer ist, sind meine Schultern einfach zu breit«, seufzte Harry.

»Du kannst nackt schlafen, wenn du wieder du bist«, sagte Severus trocken. »Ich würde es bevorzugen, dich nicht im Kleid sehen zu müssen.« Von allen Dingen, die er bereit war für Harry hinzunehmen, aber ihn im Kleid mochte er nicht sehen wollen.

»Hmpf«, entwich es Harry missmutig. »Da wir nicht gleichzeitig schlafen, wird es wohl gehen«, räumte er am Ende jedoch ein.

»Ich werde sicher niemanden des Nachts zu dir lassen«, versprach Severus. »Es gibt auch keinen Grund, des Nachts nach einer Blutsverräterin zu sehen.«

»Naja, wir wissen, dass es eine Person gibt, die du wohl nicht daran hindern kannst. Aber dann hau mir einfach mental eine rein, dann bin ich direkt wach und kann den Trank schlucken. Auch wenn das Gesicht zugegeben sicherlich amüsant wäre.«

»Ich würde behaupten, dass er überraschter kaum sein könnte. Vielleicht wäre das Chaos der beste Plan.« Severus schüttelte sachte den Kopf. »Er wird nicht nach dir sehen. Er hat kein Interesse an dir, solange du nicht verschwindest.« Im Grunde hatte Severus ziemlich freie Handhabe hier, wenn es nicht den einen oder andere Spitzel geben würde. Aber damit musste er jetzt leben.

»Na schön,… denkst du, dass du mir was zu Lesen geben kannst?«

Die buschigen, dunklen Brauen des Tränkemeisters ruckten in die Höhe. »Bediene dich im Büro. Ich will vermeiden, außerhalb dieser Räume Dinge zu tun, die nicht auf meiner Agenda stehen.« Er biss die Kiefer fest aufeinander. Arbeit, die er hasste.

»Ha... Ginny«, stöhnte Severus leise. »Niemand wird etwas einzuwenden haben, wenn du liest. Komm«, sagte er und deutete auf den Nebenraum, das Schulleiterbüro. »Ich habe Sie lieber lesend als Rachepläne schmiedend«, meinte Severus, wieder im abhörbaren Bereich des Raumes. »Lesen Sie, lernen Sie. Vielleicht sind Sie eines Tages für die Gesellschaft brauchbar.« Ja, diese Rolle fiel ihm wirklich von allen Rollen am leichtesten. Er beobachtete Harrys Auswahl kurz, dann nickte er sie ab und ließ Harry mit seiner Wahl - Magische Geschöpfe vor unserer Zeit - zurück ins Schlafzimmer gehen. Natürlich bedurfte es dazu einen Wink von ihm, aber lieber war Harry dahingehend übervorsichtig als irgendetwas zu ruinieren.

Nach den vier Stunden, die Severus’ Vielsafttrank anhielt, flog ganz ohne Harrys Zutun die Flasche in sein Sichtfeld – Severus tat nämlich gerade alles lieber als Schüler weiter zu kategorisieren. Es half nur nichts, denn er musste trotzdem Ergebnisse vorweisen und wie der Tag sich so zum Abend neigte, kam ein junger Mann an die Tür, leise anklopfend. Natürlich wusste Severus bereits, dass es ein Schlammblut-Schüler war, der jetzt als Hauselfenersatz agierte, weshalb er die Tür aus der Ferne für ihn öffnete.

»Professor Snape«, katzbuckelte der verängstigte, junge Mann in seiner blassgrauen Montur. »Sie waren nicht beim Abendessen. Mr. Greyback schickt mich mit Ihrem Abendessen«, stammelte er. Severus verengte nur kritisch die Augen.

»Sie können gehen, McLeod«, sagte Severus tonlos, mit einer Geste den jungen Mann regelrecht rauswerfend. Das Tablett entschwebte derweil dessen Händen. Nur zu gern verschwand der junge Mann – wer täte das nicht? Severus konnte da nicht einmal zornig sein. Er war keine besonders angenehme Erscheinung oder Gesellschaft. »Von der Töle geschicktes Essen nehme ich sicher nicht an«, murmelte der Tränkemeister finster, das Tablett zum Schreibtisch fliegen lassend. »Vielleicht haben unsere Hauselfen Mitleid mit uns.« Er kehrte erschöpft wirkend ins Schlafzimmer ein, den nach wie vor in Ginnys Körper gehüllten Harry anblickend. »Greyback hat uns Essen geschickt«, meinte er trocken. »Denkst du, irgendeine Hauselfe in Italien hat Mitleid mit uns?«

»Mir würden wenigstens vier namentlich einfallen«, meinte Harry schmunzelnd. »Und eine hier im Raum ganz bestimmt auch.«

»Natürlich!«, erklang es aus dem Nichts. Severus stöhnte leise.

»Du solltest dich doch ausruhen, Cimny«, mahnte er kopfschüttelnd.

»Cimny hat geruht, Master Snape. Jetzt wartet Cimny.« Sie erschien und zog an ihrem Kleidchen. »Die Master haben Hunger?«, fragte sie, nun Harry ganz aufmerksam musternd. »Cimny bringt gern Etwas von Mrs. Weasley hier her!«

»Siehst du«, meinte Harry ganz sanft.

»Tragisch genug, dass du die ganze Zeit hier wartest, Cimny… aber ja, bitte. Ich bezweifle, dass wir das Abendessen sonst Überleben und ich habe nichts hier, um Gift zu offenbaren.« Severus sah kurz abschätzend zum Fenster.

»Cimny ist bald wieder da! Nicht verhungern!«, bat sie und ploppte fort, die beiden Männer unter sich allein lassend.

»Und, willst du ein Magiezoologe werden?«, fragte Severus leise, sich auf die Bettkante sinken lassend. Er saß den ganzen Tag, aber eine Bettkante war eben doch noch einmal etwas anderes als ein Sessel.

»Den Gedanken hatte ich wirklich schon mal«, räumte Harry ein. »Nur die meisten wirklich interessanten Viecher haben die blöde Angewohnheit, mich fressen zu wollen.« Die schmalen Schultern der Rothaarigen wanderten in die Höhe.

»Du musst deinen Schwerpunkt ja nicht auf Drachen oder Basilisken legen.« Severus hob eine Braue. »Es gibt wenig Magiezoologen, die sich auf die eher kleinen Geschöpfe verstehen. Murtlaps, Niffler, Billywigs und dergleichen.«

»Wer weiß? Vielleicht flute ich dein Haus in Italien ja mit einer Wagenladung Niffler?«, schlug Harry mit abartiger Unschuld vor. »Interessiert hat es mich immer. Selbst die gefährlicheren Tiere, die Hagrid uns gezeigt hat, mal von den verdammten Spinnen abgesehen.« Harry war begeistert, Severus konnte nur mit dem Kopf schütteln.

»Ich nutze zwar gern ihre Ingredienzien, ansonsten dürfen diese magischen Geschöpfe sich gern außerhalb meiner Reichweite aufhalten«, meinte Severus trocken. »Allein die ganzen Haustiere in Hogwarts sind ein Grauen.« Überall Haare und Gewusel. Er mochte es ruhig. Tiere gehörten nicht in Gebäude.

»Also kaufen wir das Feld nebenan, damit ich meine Tiere dort unterbringen kann?«, fragte Harry amüsiert nach.

»Wenn es dich glücklich macht, kaufe ich das Land ringsum«, sagte Severus mit gehobenen Brauen. »Aber was für Tiere willst du dort unterbringen?« Bitte keine Mondkälber!

»Keine Ahnung, das sind noch keine ernsthaften Überlegungen«, versicherte Harry ihm direkt. »Es ist nur… naja. Das erste Mal überhaupt scheint es eine Chance darauf zu geben, und… plötzlich gibt es so viele Möglichkeiten.« Eine Wahl zu haben, wenn man nie zuvor eine hatte… nachvollziehbar, dass Harry damit ein wenig ins Straucheln kam.

»Ich wäre für eine Herde Einhörner«, meinte Severus daher lächelnd. »Wenn sie einem etwas von ihrem Blut geben, hat man ausgesorgt. Auch ihr Mähnen- und Schweifhaar oder ein paar Raspel von ihrem Horn sind quasi unbezahlbar.«

Berechtigter Weise runzelte sein junger Gefährte die Stirn, sogar ein wenig hilflos die Schultern hebend. »Aber sie bräuchten ein bisschen Wald, nicht nur offene Fläche. Und ich glaube es dauert lange, bis sie einem so vertrauen, wie es die Einhörner hier mit Hagrid taten.«

»Tatsächlich leben Einhörner, wie die meisten Huftiere, eher auf freier Steppe. Aber der Wald schützt sie vor Jägern und vor Muggeln«, erklärte er im Professoren-Modus. »Allerdings wäre es vermutlich nahezu unmöglich, eine Herde Einhörner ausreichend vor Muggeln zu verbergen. Es hilft der beste Abschirmzauber nichts, wenn ein Muggel direkt auf sie zuläuft.« Zum Zeichen seines Verständnisses nickte Harry leicht.

»Was wohl auf die meisten magischen Tierwesen zutrifft. Man müsste schon ein richtiges Reservat für sie anlegen, mit unzähligen Schutz- und Muggelabwehrzaubern.« Der Gedanke war gar nicht so übel. Ein Reservat, das einem unablässig mit Ingredienzien versorgte und gleichzeitig die Geschöpfe schützte… das war ein Sieg, für beide Seiten.

»Im Grunde… Hogwarts«, sagte Severus seufzend. Hogwarts war genau das. Ein Reservat für die magischen Geschöpfe, die dort lebten, weil sie anderswo nicht genügend Schutz fanden. »Wusstest du, dass einer der größten Zentauren-Stämme in der Toskana lebt?«, meinte Severus nachdenklich, Harry damit offensichtlich arg überraschend.

»Nein«, gestand der Jüngere. »Wo? Ich meine… wie leben sie?«, wollte Harry wissen.

»Südwestlich von Siena ist ein sehr großes Waldareal, in dem sie überwiegend leben. Allerdings sind Zentauren keine Geschöpfe, die regulär ortstreu bleiben, sondern viel durch das Land ziehen. Aufgrund der dichten Besiedlung durch die Muggel tun sie das allerdings nur noch des Nachts. Ein erstaunlicher Anblick, wenn nahezu zweihundert Zentauren wandern.« Vor allem in sternenklaren Vollmondnächten war es ein atemberaubender Anblick.

»Zweihundert! Wie viele leben hier? Um die fünfzig?«, hakte der junge Gryffindor erstaunt nach. »Und wie ist die Rechtslage in Italien? Hier ist es ja eher… nun, schwierig.«

»Die meisten europäischen Länder sind sehr viel weniger engstirnig als Großbritannien«, erklärte Severus. »Was mitunter auch daran liegen mag, dass der Platz auf dem Festland nicht derart eingeschränkt ist, wie auf einer Insel.«

Ein Plopp erklang und Cimny erschien mit einem großen Tablett, vollgestellt mit zwei Tellern die Braten, Rotkohl, Soße und Kartoffeln präsentierten.

»Danke, Cimny«, sagte Severus, sich erhebend, um ihr die Sachen abzunehmen. »Nun ruh dich aus. Wir werden in Ruhe essen und noch etwas reden. Ich rufe dich, wenn ich deine Hilfe brauche«, gelobte der finstere Mann sanft, woraufhin die kleine Elfe nickte und verschwand. »Hunger?«, fragte Severus, den Teller zum Bett bringend. Natürlich gab es hier keinen Esstisch. Sie mussten im Sitzen auf dem Bett essen.

»Verhungern werden wir nicht«, meinte Harry belustigt, mit dem Abendessen beginnend.

»Nein, Mrs. Weasley würde dich nie verhungern lassen und da ich irgendwie mit dranhänge, mich wohl auch nicht.« Er schüttelte den Kopf, selbst mit dem Essen beginnend. Natürlich schmeckte es wundervoll und wieder einmal vermisste er die Gelegenheit, einfach zu kochen oder zu brauen.

»Gut für dich«, erwiderte Harry schmunzelnd. Da sie beide ausnahmsweise schwiegen, schafften sie es sogar, eine Mahlzeit ohne etwaige Unterbrechungen zu sich zu nehmen. Ein Sieg auf ganzer Linie. »Wenn ich den Trank jetzt noch einmal nehme, hält er bis Mitternacht«, meinte der junge Zauberer ganz nachdenklich, noch immer mit der falschen Stimme sprechend.

»Ich denke nicht, dass um diese Uhrzeit noch jemand herkommen wird«, erwiderte Severus. »Die Notwendigkeit dazu sehe ich also nicht.« Das schien Harry zu erleichtern… klar, wer wollte schon im Körper seiner Exfreundin schlafen?

»Sag mal, wie ist das eigentlich… so als Schulleiter. Ich weiß, dass das Schloss in gewisser Weise auf dich hört. Aber…. Inwieweit? Was könntest du das Schloss bitten zu tun, abgesehen davon, die Verteidigung zu eröffnen?«

Eine gute Frage, die Severus gar nicht gern beantworten wollte. »Ich weiß längst nicht alles – es hat keine offizielle Einweisung durch den vorherigen Direktor gegeben«, gestand er. »Allerdings weiß ich von einigen Räumen, die nur dem Schulleiter zugänglich sind. In einem Korridor befinden sich beispielsweise die Zimmer der Gründer im Ursprungszustand, mit ihren Portraits, ihrer alten Kleidung und dergleichen«, erklärte er. »Außerdem gibt es einen Notfallzauber, der jegliche Magie im Schloss augenblicklich unterdrücken kann für eine gewisse Zeit.«

»Das ist so cool!«, rief Harry aus. »Stimmt es, dass der Schulleiter auch Zugang zu Helga Hufflepuffs geheimen Garten hat? Und Slytherins Labor?«, sprudelte es aus Harry heraus.

Unweigerlich empfand Severus eine gewisse Verlegenheit. »Ja«, gestand er. »Und das Labor von Salazar Slytherin sucht seinesgleichen«, fügte er an. Er war mehr als einmal dorthin geflüchtet während seiner ersten Amtszeit. »Rowena Ravenclaws Sternenbibliothek ist auch beachtlich und die Rüstkammer und das Duellierfeld von Godric Gryffindor ebenfalls. Es gibt allerdings noch einen fünften Gründer, der jedoch starb, bevor Hogwarts erstmals eröffnet wurde. Wusstest du das?«

»Nein… hat er deswegen kein Haus bekommen? Er wird nicht in Eine Geschichte Hogwarts erwähnt«, erklärte Harry überrascht. »Man… ich wünschte, du könntest mir das alles zeigen«, gestand der junge Mann.

»Vielleicht kann ich es, nachdem er gestürzt wurde«, murmelte er. »Bis man mich in Gewahrsam nehmen will, wird ein wenig Zeit ins Land streichen.« Severus sah wieder kurz zum Fenster. »Das fünfte Haus wäre von Azroan Albanoth gegründet worden, wäre in einem purpur gekleidet gewesen und hätte wohl einen Bären als Wappentier gehabt, ganz wie das Wappen der Familie Albanoth«, erklärte Severus weiter. »Ob es auch ein Artefakt gibt, wie das Schwert oder den Pokal… ist allerdings fraglich. Soweit ich weiß, ist Azroan kein Mann gewesen, der Besitztümer geschätzt hat. Seine Räumlichkeiten sind regelrecht spartanisch.«

»Nie von ihm gehört. Wer war er? Wofür hätte sein Haus gestanden und warum weiß niemand von ihm?«, wollte Harry wissen.

»Da nichts über seine Todesursache bekannt ist…« Severus schüttelte den Kopf. »Hätte ich das Zimmer nicht gefunden, wüsste ich auch nichts von ihm. Es gibt nur sehr wenig Material dort, das Informationen enthält. Vielleicht hat er den Unmut von einem anderen Gründer auf sich gezogen…« Wissen konnte man es nicht. »Ich könnte dir nicht sagen, wofür sein Haus steht. Altruismus vielleicht. Würdest du sein Zimmer sehen im Vergleich zu denen der anderen vier Gründer, würdest du glauben, in der Kammer eines Mönchs gelandet zu sein«, warf Severus stirnrunzelnd ein. Die meisten, wirklich herausragenden Charaktereigenschaften von Personen waren bei den vier Gründern jedoch bereits bedient.

»Ugh«, stöhnte Harry leise. »Warte kurz.« Und dann war er schon ins Badezimmer verschwunden, wenig später als er selbst zurückkehrend. In Shorts und ansonsten ziemlich nackt. Das war fies.

»Denkst du wirklich, die Gründer hätten sich gegenseitig umgebracht? Ich meine… Slytherin haben sie ja auch nicht umgebracht, sondern ihn gehen lassen, nicht?« Wow, eiskalt.

»Ich erwäge eher, dass es Slytherin selbst getan haben könnte. Sie schienen sich nicht besonders… grün«, erklärte er. »Zumindest ging das aus Notizen des Gründers hervor.« Mit dieser eher knappen Antwort wollte er es gern dabei belassen, denn jetzt, wo Harry wieder er selbst war, war das, was vor seinem eigenen Aufbruch los gewesen war, viel präsenter.

»Die Portraits sind vermutlich auch nicht besonders redselig, mh?«, wollte Harry wissen, Severus antwortete jedoch nicht verbal. Stattdessen schüttelte er sachte den Kopf, eine Hand an Harrys Wange hebend.

»Es tut mir leid, dass ich dich geschockt und zurückgelassen habe«, flüsterte er beklommen. Die Schuld in seiner Brust fühlte sich plötzlich an wie ein Messer, dass langsam gedreht wurde und ihn tödlich verletzte.

»Jah, das… war irgendwie blöd«, murmelte Harry zurück, ohne aufzublicken.

»Ich weiß nicht, ob ich deine Vergebung erneut verdient habe… aber ein Teil von mir hat seither auf nichts anderes als auf deine Vergebung gehofft«, brummte er leise. »So sinnbefreit es auch wirkt.« Doch die Hoffnung starb zuletzt, grundsätzlich.

»Du weißt, dass ich dir irgendwie nicht lange böse sein kann«, warf Harry zu Severus' Erleichterung ein. »Es ist nur… du machst es nicht gerade weniger… kompliziert, weißt du? Ich schaffe es endlich, dir zu sagen, wie ich empfinde… und fünf Minuten später lässt du mich sitzen. Das ist…« Geräuschvoll entwich dem jungen Mann die Luft, die vergleichsweise schmalen Schultern hoben sich an. »Ich fühle mich dir viel ferner als vorher… jedes Mal wieder… und das fühlt sich ehrlich gesagt nicht gut an…«, schüttete Harry ihm sein Herz endlich aus. Vermutlich gab es dazu eine Million sinnvoller Antwort, Severus jedoch konnte nur hilflos dreinblicken, die buschigen Brauen leicht gekräuselt. Er hatte sich entschuldigt. Mehr als das war nicht möglich, richtig? Wie schon so oft gedacht und gefühlt… sollte er vielleicht besser nicht an Harrys Seite sein. Zu dessen Schutz. Entsprechend senkte Severus nun den Blick und stieß sehr leise den Atem aus.

»Ich… habe ein bisschen das Gefühl, dass es an mir ist, Sachen wieder in Ordnung zu bringen.« Fast ein wenig verzweifelt suchte Harry nun den Blick des Älteren. Severus gewährte ihm diesen Blickkontakt. »Es ist nur so… ich könnte ein bisschen Hilfe gebrauchen…«

»Du weißt, dass ich in diesen Dingen keine besonders große Hilfe bin«, sagte der ältere Mann leise. »Ich bin formidabel darin, soziale Bindungen zu zerstören. Alles andere liegt mir nicht.«

»Jah nur… was, wenn ich es irgendwann nicht mehr alleine hinbekomme? Ich… möchte wirklich gerne, dass es funktioniert, Severus. Aber… irgendwie ist das so ein Zwei-Mann-Ding.« Womit Harry wirklich nicht Unrecht hatte.

»Und was soll ich tun?«, fragte Severus. Er hatte sich doch entschuldigt.

»Was möchtest du denn tun?«, entgegnete Harry. »Ich meine… was würdest du tun, wenn nichts gewesen wäre?« Mit einer unwirschen Geste fuchtelte er zwischen sich und Severus herum, sie beide und die Räumlichkeit einschließend.

»Ich würde dich küssen«, sagte Severus recht lapidar. »Weil wir im Zentrum der Hölle einen weiteren Tag überlebt haben.« Das rang Harry allerdings nur ein kleines, schiefes Lächeln ab.

»Und warum machst du das dann nicht?«, wollte dieser wissen.

»Weil man niemanden küssen sollte, der zurecht wütend sein kann. Ich weiß nicht, wie gut ich mit einer Ablehnung dieser Art zurechtkommen würde…«, gestand Severus, sich sehr unwohl mit diesem Grad der Ehrlichkeit fühlend. Das ging zu nah. Nun folgte ein Kopfschütteln, allerdings lächelte Harry noch.

»Ich glaube du hast noch nicht so richtig kapiert, dass dich zu küssen meine Lieblingsbeschäftigung ist, oder? Ich weiß, du findest das manchmal unangebracht, aber wenn es nach mir geht, können wir immer knutschen. Absolut immer. Auch wenn ich sauer auf dich bin. Davon abgesehen, dass ich nicht wirklich sauer war, ich habe mir einfach nur große Sorgen um dich gemacht«, erklärte der junge Mann ausführlich, woraufhin Severus nicht zögerte und erneut Harrys Wange berührte, ehe er sich ihm entgegen lehnte und ihn mit einem ganz sanften, zärtlichen Kuss langsam auf das Bett niederliebte. Es war gut, dass Harry den Kuss sofort erwiderte und unter seinem Umhang eine leise Verbindung zu seinem Körper suchte, indem er seine Hand auf seinen Rücken legte und mit der anderen in sein Haar fuhr. Das Seufzen war aufrichtig und sprach von Erleichterung auf Harrys Seite, weshalb Severus den Kuss noch einen langen Moment aufrechterhielt.

Irgendwann jedoch musste er den Kuss trennen… das war wichtig und sinnvoll. »Vergibst du mir?«, fragte er kaum hörbar. Diese Worte… damit hatte es angefangen, nicht? Mit Harrys Vergebung. Es fühlte sich an als läge es Monate, Jahre zurück… dabei waren es nur Wochen.

Harry reagierte unterdessen wirklich wie im Bilderbuch, indem er seinen Blick warm erwiderte und mit seiner Nasenspitze zärtlich die Nase des Tränkemeisters rieb. »Ich vergebe dir«, flüsterte Harry. Zum Dank und als Zeichen von Severus' Erleichterung versiegelte dieser wieder die Lippen mit Harrys, dieses Mal sehr viel inniger. Er hatte ihn schützen wollen, als er ihn zurückließ… aber jetzt, hier, im Zentrum der Hölle, war Harry der einzige Ort, an dem Severus sich wohlfühlen konnte.

Eine angenehme Wärme erfüllte ihn jetzt wieder, als Harry seinen Körper deutlicher auf sich zog und er die Konturen des Körpers seines kleineren Gefährten sehr deutlich spüren konnte. Da entglitt ihm doch glatt ein Seufzen. Dennoch erlaubte er es sich nicht, sich ganz abzulegen. Schlafen… würden sie getrennt. Aus Sicherheitsgründen.

»Wie kannst du nur bezweifeln, dass ich dich küssen wollen würde«, seufzte Harry nach dem Kuss leise.

»Ich bin ein paar Tage älter und hormonell wohl ein wenig abgeklärter«, brummte Severus, sich von Harry herunterschiebend. »Zorn ist mächtig und in der Lage, jedes gute Gefühl zu zerstören. Zorn… kann aus einem guten Menschen einen schlechten Menschen machen.«

»Ich war lange nicht mehr zornig auf dich«, widersprach Harry ganz leise, seine deutliche Beule in den Shorts gar nicht kaschierend. »Eigentlich nur ein Mal und da war es auch noch unangebracht. Aber… denkst du, es ist wirklich Zorn, der… einen böse macht?«, fragte Harry.

»Zorn, Schimmel auf der Frühstücksmarmelade, ein Lego-Stein unter dem Fuß, wenn das geliebte Haustier auf eine Biene tritt…«, erklärte Severus so ernst er konnte, ein Schmunzeln jedoch nicht unterdrücken könnend. »Aber in erster Linie ist es wohl der Zorn, der einen wirklich böse werden lässt. Zorn ist eine Emotion die, wenn man sie nie bewältigt, angestaut ein regelrechtes Eigenleben entwickelt und jegliche, positive Empfindung verdrängt. Es verklärt die Sicht auf die Welt und vergiftet den Verstand.« Severus atmete tief durch. »Vergebung… ist die einzige Möglichkeit, davon zu genesen.«

»Wenn man denn genesen möchte«, murmelte sein Gefährte und nahm Severus' Hand sachte in seine, diese liebevoll drückend. »Wenn es so einfach mal immer wäre. Du weißt, dass ich dir immer vergebe… wenn du gewisse Grenzen nicht überschreitest.« Erneut drückte Harry seine Hand.

»Habe ich das nicht längst?«, fragte Severus finster, die Stirn nun tiefer runzelnd. Eigentlich dürfte Harry ihm nicht gänzlich vergeben.

»Ich bin hier, oder? Von allen Orten der Welt, an denen ich sein könnte.«

»Dass du nicht ganz zurechnungsfähig bist, haben wir bereits erörtert«, stellte Severus tonlos fest. »Ich habe dich vorhin geschlagen. Ich habe…« Er zog die Brauen zusammen und seufzte.

»Hör auf«, warf Harry ein, bevor Severus weitersprechen konnte. »Du kannst das hier nicht mit einer normalen Situation vergleichen. Es ist wichtig, dass wir nicht auffliegen… und schau mal.« Harry deutete auf seine Wange. Sie war noch immer etwas gerötet, aber weder deutlich geschwollen, noch dunkel verfärbt. »Was glaubst du, wie ich aussehen würde, wenn du es Greyback überlassen hättest?«

Er hatte Recht, irgendwie. Dennoch war der Gedanke überaus unangenehm. Dementsprechend seufzte Severus gleich noch einmal. »Schlimmer«, räumte er ein. »Dennoch…« Er sah zur Tür zu seinem Büro, die Kiefer fest aufeinandergepresst. »Haben sie es dir gesagt? Was… in diesem Büro passiert ist?«

»Was meinst du genau? Mit… den Hauselfen? Oder den Muggelgeborenen?«, wollte Harry wissen.

»Sowohl, als auch«, murmelte Severus finster.

»Keine Details. Ich weiß nur, dass Italien gerade den letzten Hauselfen, die das Glück hatten, nicht an Hogwarts gebunden zu sein, Schutz bietet und, dass du vier Muggelgeborene befreit hast, auch wenn die es anfangs gar nicht kapiert haben.«

Severus konnte nicht anders, er musste aufstehen und die Spannung in seinem Körper mit ein paar Schritten wieder abbauen. »Er ließ sie mich alle rufen, damit er sie töten kann. Muggelgeborene sind nun der Ersatz für sie«, knurrte er. »Ich richte gerade über die Zukunft der Schüler. Ich entscheide, wer zur Zucht genutzt wird, und wem ein freies Leben gewährt wird.« Severus schüttelte den Kopf leicht. »Sie werden mir nicht vergeben…« Sie würden sich immer daran erinnern, dass er, Severus Snape, ihr Schicksal mit Tinte auf Pergament gekritzelt hatte.

»Severus. Es wird keine Rolle spielen. Wir beenden das. Verzugsweise nicht erst in einem Jahr. Und danach muss so vieles geklärt werden. Außerdem… spielt es keine Rolle, ob du das tust. Wenn du es nicht tust – was auch immer er von dir verlangt – schafft er dich aus dem Weg und lässt es jemand anderen tun. Und hätte wohl jemand anderes die freien Hauselfen verschont? Hätte jemand anderes die vier Leute rausgebracht, trotz der Gefahr, selbst aufzufliegen? Das Schuljahr ist fast um, ich weiß… aber die Kinder, die jetzt aus der Schule abgehen… würden das auch, wenn du gerade nicht hier wärst.«

»Glaubst du, es interessiert ein Halbblut, warum ich sie ins Bett eines Reinblüters geschickt habe?«, fragte Severus. »Sie wird sich ihr restliches Leben nur daran erinnern, dass Severus Snape ihr Leben mit seiner Entscheidung dahin geändert hat, gegen ihren Willen genommen zu werden, bis sie für die Pläne des dunklen Lords schwanger würde.« Severus verzerrte das Gesicht angewidert. »Und für all die toten Hauselfen… macht es auch keinen Unterschied mehr.« Und selbst, wenn er keinen Schüler je wiedertreffen würde… er würde sich erinnern.

»Welches Datum ist heute?«, fragte Harry stattdessen leise, Severus' Einwände und Schuldgefühle einfach mit dieser Frage in den Hintergrund schiebend.

»Siebzehnter Juni«, war die sehr knappe Antwort des Schulleiters, der sich nun wieder von der Tür abwendete und zu Harry sah, das Gesicht bemüht frei von Emotionen. Die Antwort schien allerdings keine weiterführenden Gedanken bereitzuhalten, denn Harry schwieg und kratzte sich nur am Kopf.

»Leg dich hin und schlaf etwas«, bat Severus ihn jetzt leise. »Ich werde so lange wachen, damit niemand unerwartet hier auftaucht.« Er zwang sich dazu, einen Mundwinkel zu heben. »Ich wecke dich in den frühen Morgenstunden, zum Abwechseln.«

»Bleibst… du hier?«, fragte Harry leise. »Ich… habe nicht so gut geschlafen, die letzten Tage«, gestand er ein.

»Ich…« Severus zog die Stirn kraus. »Bis du eingeschlafen bist?«, schlug er vor. »Ich wäre sonst nicht in der Lage, zu reagieren, wenn jemand eindringt…« Vor und Nachteil von Geräuschdämmender Zauberei.

»Danke.« Harry klang nicht so richtig überzeugt, aber dennoch dankbar. Severus setzte sich auf die Bettkante ans Kopfende, wo er sich an das Kopfteil anlehnte, dass aus fast schwarzem Holz gefertigt war und klischeehaft viele Intarsien zeigte, die man mit Zauberern, Hexen und Hogwarts im Besonderen verbinden konnte. Er blieb, bis Harry eingeschlafen war, ihn noch ein wenig betrachtend… dann kehrte er in das Büro zurück, wo er sein Teufelswerk wiederaufnahm, zu später Stunde begleitet von dem goldenen Whiskey, den Lucius Malfoy hiergelassen hatte.
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