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Zwei Leben - Unser Kampf - Severus Snape

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Harry Potter Severus Snape
31.01.2022
25.06.2022
31
240.000
45
Alle Kapitel
71 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.05.2022 12.860
 
~* Wie jede Woche gibt es den kurzen Hinweis: Vergesst nicht, Harrys Sicht der Dinge bei Enoraá zu lesen! In diesem Kapitel lohnt es sich aufgrund der völlig auseinandergehenden Gedankengänge sehr! *~


Eine Wunschvorstellung. Zwar quälten ihn keine Albträume oder Panikattacken, wohl aber das unangenehme Körpergefühl und nicht zuletzt durch Harrys Bemühungen, den quengelnden Ted zufriedenzustellen und mit neuer Windel zu versehen war Severus einfach... wach. Hatte er beim ersten Mal noch regungslos zugesehen, wie Harry sich liebevoll um das Bündel kümmerte, so war er beim zweiten Mal wortlos aus dem Bett aufgestanden und ins Badezimmer geschlichen, voller Unbehagen und dem Gefühl, man könne ihm seine Befindlichkeit einfach ansehen. Müde - es war furchtbar spät gewesen, als sie überhaupt geschlafen hatten – widmete er sich einer kurzen Dusche, um das unsägliche Gefühl ein wenig fortzuwischen. Es drückte unangenehm, wenn er ging und stand und saß. Er war zu verkrampft gewesen. Seine eigene Schuld, nicht Harrys. Dennoch war das Gefühl einfach unerträglich und nach der kurzen Dusche wieder in Shorts und Shirt zurückzukehren, während Harry halb schlafend das Baby auf der Schulter liegen hatte, machte Severus klar, dass das hier definitiv nicht war, was er für sein Leben gewollt hatte. Und doch beinhaltete es Harry und damit würde er es akzeptieren und ertragen. Er konnte nur beten, dass dieses Gefühl der Resignation nicht der gleiche Ausgangspunkt für negative Empfindungen war, wie es wohl einst bei seinem Vater gewesen sein musste.

»Sag mal... er kann einzelne Todesser rufen, ohne, dass der Rest es mitbekommt, oder?«, fragte Harry ihn, in kreisenden Bewegungen den Rücken des Kindes reibend.

»Du stellst Fragen«, murmelte Severus, sich zum Bett schleichend, um sich darauf niederzulassen und Harry ein wenig zuzudecken, damit er nicht ganz auskühlte. »Ja, kann er. Warum?«

»Wenn das mit Draco funktioniert hat und er ihn ruft... wäre es für ihn, als wäre er tot, oder?«, wollte Harry wissen. »Er... scheint ja nicht aktiv mitzubekommen, ob jemand mit dem Mal nun stirbt oder nicht?«

Severus nickte sachte. »Es sind nur Vermutungen und Hoffnung«, erinnerte er Harry. »Doch ich denke, dass es so ist. Schon jetzt fordert das dunkle Mal mit seinen Eigenschaften viel Kraft von ihm. Ich denke, eine dauerhafte Überwachung würde selbst ihn zu sehr fordern. Ich hoffe, dass er einfach denkt, Draco sei tot, so leid es mir für Narzissa und Lucius auch tut.« Just in dem Moment spuckte Klein Lupin über Harrys Schulter. Allein das Geräusch ließ Severus das Gesicht verziehen und den Blick beiläufig abwenden. Warum kamen bei Säuglingen aus allen Körperöffnungen ekelerregende Dinge?

»Wie ist das Verhältnis der Todesser insgesamt? So alles in allem? Untereinander?«, fragte Harry unbekümmert weiter, das Gesicht des kleinen Jungen säubernd.

»Es ist wie überall«, erwiderte Severus. »Dort, wo Freundschaften, Partnerschaften oder Familienbande aufrichtig existieren, ändert sich das nicht wirklich. Allerdings werden die wenigsten aufrichtigen Zauberer und Hexen zu Todessern. Es ist immer Argwohn dabei, wenn es nicht wie bei Lucius und Draco enge Familienbande gibt. Argwohn, Furcht. Niemand will als Verräter gelten, niemand will angreifbar sein. Es ist gar einfach, in seinen Rängen zu versuchen, jemanden ans Messer zu liefern, um seine eigene Haut zu schützen, wenn man weiß, dass es jeder so handhaben würde. Es gibt einige Individuen, die vollkommen allein dastehen, so wie Bellatrix. Ich hatte den Eindruck, dass Personen wie sie dem dunklen Lord sowohl sehr gefallen als auch ein Dorn im Auge sind. Ihnen kann man nichts nehmen... aber sie sind aufopferungsvoll und loyaler als alle anderen.« Severus atmete tiefer durch. »Vertrauen genießt wohl niemand von einem anderen Todesser.« Vermutlich war das, was er mit Lucius geteilt hatte, schon über jedes Maß vertrauensvoll gewesen. Fast freundschaftlich.

»Ein kluges System«, murmelte Harry. »Wenn ich niemandem vertraue, wende ich mich auch an niemanden, wenn ich Zweifel habe. Aber… Bellatrix war doch verheiratet, nicht?«

»Sei nicht naiv«, bat Severus leise. »Reinblüter haben nicht die Wahl, ob und wen sie heiraten. Bellatrix wurde genauso mit siebzehn verlobt, wie Narzissa oder Andromeda.« Er presste die Lippen zusammen. Seine eigene Mutter hatte da ein bisschen mit der Tradition gebrochen, irgendwie. »Rodolphus ist ihm genauso hörig, wie sie. Zwischen ihnen herrscht jedoch genau die gleiche Distanz und Rivalität wie zwischen allen anderen.« Er runzelte die Stirn nun tief und zog eine Grimasse. »Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ihr Kind wirklich von ihm war.«

»Ihr Kind?«, fragte Harry, offenbar ahnungslos und sehr, sehr dünn.

»Delphini. Sie wurde Ende März geboren«, merkte er stirnrunzelnd an. »Hast du es nicht bemerkt?«, fragte er sehr viel leiser.

»Sie war nicht schwanger, als ich... sie sah...« Harry schluckte hart. »Jedenfalls nicht sichtbar. Und das müsste kurz vor der Geburt gewesen sein... oder kurz danach?«

»Danach, schätze ich. Kurz, nehme ich an. Sie hat es wohl gut zu verbergen gewusst vor jenen, die diese Schwäche nicht an ihr sehen durften. Es wird gemunkelt, dass Delphini nicht Rodolphus, sondern sein Kind ist.« Severus atmete leise aus, eine gewisse Anspannung deswegen nicht ganz von sich schütteln könnend. Was auch immer der Hintergrund und wer der Vater war, das Kind war zu keinem friedlichen, guten Leben verdammt.

»Ich weiß gerade nicht, was absurder oder verstörender ist«, murmelte Harry, nachdem er Ted wieder in die Wiege gelegt und sich mit der Decke eingewickelt auf das Bett gesetzt hatte. »Das Bellatrix ihr Kind Delphini nennt... oder dass er Sex hat.« Der junge Mann schüttelte sich und auch Severus hielt nicht damit hinter dem Berg, wie sehr es ihn ekelte.

»Am Ende ist auch er nur ein Mann«, murmelte er. »Ich will mir gar nicht vorstellen, was jemand wie er sich darunter vorstellt. Faktisch... hat Bellatrix eine Tochter, wo auch immer sie nun sein mag. Ich weiß nicht, ob Rodolphus noch lebt«, gestand er ein. »Bellatrix meinte einst, sie würde mit Freude ihre Söhne opfern, um dem dunklen Lord zu dienen, als sich Narzissa wegen Draco besorgt zeigte und den unbrechbaren Schwur von mir verlangte«, fuhr der Tränkemeister fort. »Möglicherweise lebt das Kind nicht einmal mehr.« Sei es aus Neid, Hass oder Willkür... die Chancen standen für das Kind nicht gut.

»Wenn es sein Kind war… kann ich mir kaum vorstellen, dass sie noch lebt. Was sollte er schon mit einer Tochter wollen. Dank seiner Mutter sind Frauen schließlich nicht besonders viel wert in seinen Augen. Und es… wäre vermutlich gnädiger, als ihr ein Leben mit ihm aufzubürden«, murmelte Harry, direkt abwinkend, um damit das Thema zu ersticken. Severus war hier allerdings etwas bewusst, das Harry vermutlich vergaß: der dunkle Lord konnte das Kind zu einem Horkrux machen, wie einst Harry. Wenn das geschah. »Wie auch immer… meine Idee ist damit dahin. Ich hatte überlegt, ob es vielleicht noch andere Todesser gibt, die, würde man ihnen das Mal nehmen, sich, wenn schon nicht auf unsere Seite schlagen, aber doch neutral verhalten würden. Das hat sich damit erledigt.«

»Allenfalls Lucius«, sagte Severus ernst. »Wenn er Aussicht darauf hätte, seine Frau und Draco in Sicherheit zu wissen, würde das Stand heute wohl sein Bedürfnis nach Anerkennung, Macht und Status übersteigen. Draco erwähnte, er würde sich von einer scheiternden Idee in die nächste schleppen. Es dauert nicht lange, bis er zu viele Fehltritte gemacht hat.« Dann würde der dunkle Lord ihn töten. Oder Narzissa quälen, jetzt, wo Draco weg war. Unruhig regte sich Severus, die Augen mit zusammengezogenen Brauen schließend. Furchtbares Gefühl. Er würde sich am liebsten kerzengerade hinlegen.

»Gehen wir davon aus... wir würden ihn holen. Hätten wir die Möglichkeit? Und... Narzissa?« Mit gerunzelter Stirn öffnete Severus die Augen, kritisch nachdenklich in den Raum vor sich starrend. War es möglich? Hatten sie die Möglichkeit? Die Chance, dass Lucius aus Furcht vor einer Falle etwas Dummes tat, war nicht klein.

Muskeln spannten sich nun unter seiner Haut als Harrys sanfte Berührung ihn wieder ein wenig in die Gegenwart zerrte. »Es ist möglich, aber nicht ungefährlich«, sagte er. »Mit den Hauselfen allein... zu riskant. Ich denke, ich könnte ihn überzeugen...« Aber das Risiko... das war einfach riesig.

»Aber sicher bist du nicht«, murmelte Harry unglücklich. »Drücken wir erstmal die Daumen, dass es Draco nachher gleich gut geht.« Das hoffte Severus wirklich und bei Merlins Bart, er hoffte, dass drei Zauberer reichten, um dieses Werk des dunklen Lords nachhaltig zu zerstören.

»Ich konnte nichts mehr sehen«, sagte er. »Ich war gestern Abend bei ihm, habe den Verband neu angelegt... es ist nur die Andeutung einer Narbe zu sehen. Kein Mal.« Das machte ihm aufrichtig Hoffnung. Für Draco. Für sich? »Das Bedürfnis, Lucius einfach mit Gewalt aus Hogwarts zu reißen, ist riesig. Das dunkle Mal entfernen, ihn zusammen mit Draco und Narzissa irgendwo unterbringen und sie einfach... leben lassen. Als die Familie, die sie sein könnten, wäre er nie aufgetaucht.« Trotzdem ihre Hochzeit arrangiert gewesen war, hatten Lucius und Narzissa sich geliebt. Vermutlich war Draco eines der wenigen, reinblütigen Kinder der Liebe. Aber Lucius war genau wie er jung, naiv und gewillt gewesen, etwas in der Welt zu verändern. Mit fatalen Folgen für so viele.

»Vielleicht ist es genau das, was wir tun sollten. Bisher haben wir nur reagiert, wenn er uns Anlass gegeben hat… aber nach dem was du vorhin sagtest… könnte Lucius ohnehin bald der Anlass sein. Nur das er vermutlich keine Gnadenfrist bekommt. Die Gefahr ist, ohne Anlass, vermutlich sogar deutlich geringer… sofern Draco uns sagen kann, wo seine Mutter sich aufhält und wir an sie herankommen«, schlug Harry vor, Severus zum Staunen bringend.

»Das ist... absurd«, murmelte er, allerdings nicht abgeneigt klingend. Es war absurd und damit... wenig voraussehbar. »Dir ist klar, dass sie vermutlich nicht hierbleiben können?«, sagte er stirnrunzelnd. »Weasleys und Malfoys unter einem Dach... das ist noch unwahrscheinlicher als all das hier«, sagte er, sie beide und dann Ted in seine Geste miteinfließen lassend.

»So wie ich das sehe, hängt das nur an den Malfoys. Und wenn Draco hier am sichersten ist, glaube ich, dass Lucius da gar nicht mal so viel zu sagen hat. Sie sollen ja nicht plötzlich beste Freunde werden.«

Severus stieß leise die Luft aus, sich in die Nasenwurzel kneifend. »Das alles eskaliert«, murmelte er unzufrieden. »So war das alles nicht gedacht.«

»Was? Du wolltest nie in einem Haus voll mit den unterschiedlichsten Charakteren und Menschen leben? Na, das überrascht mich aber«, meinte Harry mit vor Sarkasmus triefender Stimme. »Es ist doch nicht für ewig. Und du hast immer noch dein Labor, in dem es niemand außer mir wagt, dich zu belästigen. Wenn das alles vorbei ist… können wir machen, was auch immer wir wollen. Ohne lästige andere Menschen.« Harrys sanftes Streicheln über seinen Rücken half da nur bedingt, wirklich. Er brummte nur leise und erhob sich, um sich Kleidung aus dem Schrank zu holen und packte sich wie gewöhnlich in Hemd, Robe und Umhang. Seit die ersten Leute hier eingezogen waren, hatte er keine Muggelkleidung mehr getragen.

»In genau dieses Labor fliehe ich jetzt«, sagte er leise. »Ich will eine Essenz fertigstellen und danach nach Monteriggioni, Zutaten kaufen, bevor ich Draco wecke«, erklärte er. Nach dieser Nacht... war ihm das alles einfach zu viel. Er war kein geselliger Typ, der mit allen gemeinsam am Tisch saß und quatschte. Seine Gruppenaktivitäten hatten im Regelfall Folter oder Tod nach sich gezogen. Darüber hinaus hatte Arthur seine Vorräte mal wieder geschmälert. Er braute zu wenig und verbrachte zu viel Zeit mit anderen Dingen.

»Klar. Ich werde wohl mal mit den anderen sprechen… schauen, was ich so in Erfahrung bringen kann«, murmelte Harry unglücklich. Severus, der die Gedanken des Jüngeren kaum überhören konnte, wendete sich ihm zu, ernst und konzentriert dreinblickend.

»Wir werden gemeinsam zu Mittag und zu Abend essen«, versprach er ihm. »Wir werden am späten Nachmittag trainieren und wir werden gemeinsam die Nacht verbringen. Es tut mir leid, dass wir nicht gemeinsam frühstücken«, sagte er gedämpft, »aber gerade brauche ich mein Labor, Harry.« Wider Erwarten erntete er keinen nachsichtigen Blick von Harry, sondern ein schiefes Lächeln.

»Ist schon gut, weißt du? Nur weil ich weinerlich bin, musst du kein schlechtes Gewissen haben«, versicherte ihm der Jüngere. »Es sind ein Dutzend andere Leute im Haus, denen ich auf den Zeiger gehen kann. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Das ist in Ordnung. Aber aufs Abendessen und die Nacht freue ich mich!«

Severus erwiderte nach kurzem Zögern das Lächeln nicht weniger schief. »Ich mich auch. Bis später«, sagte er leise, sich zu Harry hinabbeugend, um ihn ganz flüchtig auf die Lippen zu küssen. »Lass dich von den Flüchtigen auf Stand bringen, wie es aktuell in England aussieht, ja?«, bat er noch, während er sich löste und mit einer letzten Berührung an Harrys Wange den Raum schließlich verließ, um zu dieser wirklich unheiligen Uhrzeit in den Keller zu marschieren.



Kaum, dass die Essenz hergestellt war, verzog sich Severus in den Garten, um nach Monteriggioni zu apparieren. Er ließ sich etwas Zeit in dieser von Zauberern und Hexen dominierten Muggelstadt, gönnte sich ein Brötchen mit Kräutern zum Frühstück und kaufte dann regelrecht die Vorräte des hiesigen Handels leer. Es störte ihn, nur so viel zu haben, wie er auch verbrauchte. Er wollte richtige Vorräte, sodass er jederzeit die notwendigsten Tränke brauen konnte. So wurde der magische Beutel mit allerlei Zutaten gefüllt, seien es Krötenaugen, Fledermaus-Fingerknöchel, Salamanderblut, Affodilwurzel, Billywig-Stachel, Einhorn-Hornmehl, Greifenklauenpulver, mehrere Lenkpflaumen, Schlafbohnen, Wermut, Baldrian, Lavendel... Die Einkaufsliste war endlos und das Ergebnis war ein deutlich schlankerer Geldbeutel. Dafür war sein Beutel gut gefüllt und wie er so das Geschäft verließ und in die angenehme Sonne blinzelte, fragte er sich unweigerlich, wie er weitermachen sollte. Nach einigem Zögern ging er schließlich in ein Geschäft, in welchem es Zubehör für Babys gab und fand dort so viele Dinge, dass er völlig überfordert, wieder rückwärts rausstolpern wollte, hätte ihn nicht eine junge Verkäuferin ganz optimistisch in den Laden gelotst und mit einer kleinen Tüte an Dingen erst wieder hatte gehen lassen. Er hatte keine Ahnung, ob das wirklich klug gewesen war, andererseits... schadete es vermutlich auch nicht, oder?

Er hatte viel zu viel Zeit vertan. Er hatte mit Harry Mittagessen wollen, der Sonnenstand sagte ihm allerdings eindeutig, dass er den Zeitpunkt verpasst hatte. Ob Harry wohl warten würde mit dem Essen? Vermutlich nicht. Es gab so viele Leute, mit denen er reden und essen konnte und nicht zuletzt Dean Thomas und Seamus Finnigan waren in der Schule mit Luna seine Freunde gewesen, wenn auch nicht so innig, wie Ron oder Hermine.

In der Seitengasse, in jenem kleinen Hinterhof disapparierte er mit all den Einkäufen, unweit der Apparier-Schutzgrenze erscheinend. Gerade noch hörte er ein Zischen, dann sah er sich mit einem Lichtstrahl konfrontiert, den er reflexartig zur Seite wischte. Ein Fluch. Sofort war er in Alarmbereitschaft, bereit, sich bis zum Tode zu verteidigen. Statt einer Armee aus schwarzgewandeter Todesser waren es jedoch nur Charlie und George Weasley, die ihre Zauberstäbe erhoben hatten, sowie Harry. Wessen Zauber er abgelenkt hatte, wusste Severus nicht. Was er wusste, war, dass die Weasleys ihre Zauberstäbe gegen Harry gerichtet hatten, der nach Luft ringend einfach in sich zusammenklappte.

Severus hatte noch nie zuvor erlebt, dass sich eine Welt in eine andere Farbe als Grau tauchen konnte. Rot. Das war die Farbe, die seine Welt nun hatte und die alles in ihm dominierte. Zorn, Hass, Liebe. Alles war Rot. Es brauchte keinen halben Herzschlag, da flogen beide Weasleys durch die Luft, hoch und meterweit. Keine Zurückhaltung seinerseits. Ein Schrei erklang. Entfernt.

»Severus, nicht!«, herrschte ihn Minerva an.

»Ich bringe die beiden rein. Kingsley!«, rief Molly. Für nichts von alledem hatte Severus gerade ein Ohr.

»Schmerztrank!«, fauchte er in Richtung der beiden Frau, nachdem eine kurze, magische Sichtung ihm verriet, was kaputt war. »Sofort!« Sein Tonfall ließ keinerlei Widerspruch zu und machte mehr als deutlich, dass er bereit war, diesen verdammten Ort in Schutt und Asche zu verwandeln, wenn Harry jetzt erstickte. Wortlos wirkte er mit einer fast zärtlichen Geste ein Anapneo, damit zumindest die Atmung wieder funktionierte. »Versuch, ganz flach und gleichmäßig zu atmen«, flüsterte er. »Die Schmerzen sind gleich weg... dann kümmere ich mich um deine Verletzung«, versprach er. Er bemühte sich, dass nichts von der Panik, die er verspürte, bei Harry ankam. »Ganz ruhig«, flüsterte noch einmal, als sich von hinten eine Stimme erhob.

»Nein, Mum, lass mich! Ich mach das schon!«, wehrte sich Charlie, humpelnd mit einer Phiole in der Hand auf Severus zusteuernd, der ihn im Augenwinkel bemerkte und so finster anfunkelte, dass es ein Wunder war, dass der junge Rotschopf nicht augenblicklich tot umfiel. Es war nur der Wink seines Zauberstabs, der den Trank aus den Händen des Mannes riss und auf ihn zu sausen ließ. Der schwarze Stab blieb gefährlich erhoben. Gerade konnte er für nichts garantieren, sollte Charlie näherkommen.

Leider brauchte er zum Entkorken zumindest mal eineinhalb Hände, sodass diese Drohgebärde sich für den Moment verlief. Den Korken fest in der hohlen Hand haltend, setzte er die Phiole seitlich an Harrys Mund. »Immer nur ein Schluck«, erklärte er, was nun folgte, damit Harry wusste, dass er jetzt nicht mehrfach schlucken musste… und winkelte die Flasche an, damit etwas von der helfenden Flüssigkeit in Harrys Mund floss. Der Kampf, den Harry austrug, um den kleinen Schluck zu trinken, konnte Severus ihm nicht abnehmen… wohl aber konnte er ihm Zeit geben, wieder zu atmen, sobald er geschluckt hatte und das Ganze mehrfach zu wiederholen, bis Harry eine akzeptable Dosis von fünf ganzen Schlucken intus hatte. »Es hilft gleich«, hauchte er und sah sich mit dem Gedanken konfrontiert, dass Harry wollte, dass er die Flasche wieder abgab. Idiot.

»Denk an dich«, knurrte er leise und strich ihm sachte durch sein Haar. »Ist es besser?«, wollte er wissen. Wenn Harrys Schmerzen einen humanen Rahmen erreicht hatten, konnte er die Knochen richten. Natürlich konnte Harry ihm kaum richtig antworten… aber das musste er auch nicht. Das Brummen reichte.

»Das wird jetzt vermutlich trotzdem wehtun… aber es sollte in einem erträglichen Rahmen sein«, flüsterte der Tränkemeister, mit dem Zauberstab über seiner Brust schwebend. Charlies Zauber hatte ihn hart getroffen, aber es war leicht zu richten und bedurfte keiner zusätzlichen Tränke. Stumm wirkte er die Zauber, die notwendig waren, richtete die Knochen, die sich magisch wieder an Ort und Stelle zurückschoben und verwuchsen. Er selbst mochte sich nicht gern vorstellen, wie schmerzhaft das war. Es würde Harry für Tage außer Gefecht setzen, bis alles wieder stabil verwachsen war.

Dass seine Zauber gelungen waren, sah er an den Zügen des jüngeren Mannes, die vor Schmerz erst völlig verkrampften und verzerrt waren, ehe sie nach einem heftigen Keuchen entspannten. Harry sackte in sich zusammen und atmete. Severus schob sich den Schmerztrank in die Manteltasche, ehe er die Arme unter Harrys Körper schob und ihn sachte auf seine kräftigen Arme hob. Gemeinsam mit ihm kam er wieder auf die Beine und… sah in Mollys und Charlies besorgte Gesichter. »Gehen Sie mir aus den Augen«, sagte er so dunkel und unheilvoll zu Charlie, wie dieser es wohl noch nie zuvor gehört hatte. Ein falsches Zucken und die Familie Weasley wäre noch einmal deutlich kleiner.

Harry, der verstrahlt lächelte und noch etwas Mühe hatte, zu atmen, wurde von Severus an der blassen Molly und an den anderen, in der Küche und Salon verweilenden Leuten vorbeigetragen. Dabei machte Severus keinen Hehl aus seinem Zorn und obwohl er vorsichtig ging, schien sein Umhang ein Eigenleben entwickelt zu haben und bauschte derart um seine Beine, als trüge er die Verantwortung dafür, Severus' Zorn ein Gesicht zu geben.

Erst oben im Zimmer, nachdem die Tür geschlossen war, erlaubte sich Severus ein leises Seufzen und legte Harry vorsichtig auf das Bett ab, ihm vorsichtig durchs wuschelige Haar streichelnd. »Ich dachte, die Idiotie hätten wir gestern Abend für einen Monat oder zwei ausgeschöpft«, murmelte er.

»Wir haben geübt«, nuschelte sein junger Gefährte lallend. Severus schloss die Augen, die Decke sanft über Harrys Beine ziehend.

»In der Tat«, murmelte er. »Zu gut, wie mir scheint.« Es machte keinen Sinn, Harry mit Vorwürfen zu überschütten. »Mr. Weasley kann von Glück reden, dass ich ihn nur weggesprengt habe.« Es gab da deutlich tödlichere Flüche…

»Ich war zu langsam«, kam es von Harry, der die Augen wieder geschlossen hatte. »War meine Schuld.« Die Finger des Tränkemeisters zuckten. In ihm war kurz das Bedürfnis da, Harry bei den Schultern zu packen und ihn anzuschreien, ob ihm klar war, was für einen Scheiß er da von sich gab, besann sich allerdings darauf, wer und was er war und seufzte nur innerlich.

»Ja.« Es war Harrys Schuld. Er hätte da nicht mitmachen dürfen. Charlie und George waren keine Lehrer, waren nicht geschult, die Fähigkeiten und Grenzen anderer Personen einzuschätzen. Sie waren keine Meister der Verteidigung. Er hatte Harry gesagt, sie würden gemeinsam trainieren…

»Molly hat mir Ted weggenommen… ich wollte was machen«, schniefte Harry leidend, aber das ließ Severus nicht gelten.

»Es ist trotzdem idiotisch gewesen«, murmelte er. »Warum hat Molly dir Ted weggenommen?« Das ergab für ihn gerade keinen Sinn, immerhin kümmerte sich Harry gut und war der Pate!

»Weil er ein Baby ist und Mütter lieben Babys«, seufzte Harry, sich kurz etwas zur Seite drehend. Gerade wollte Severus ihn sanft zurückbeordern, da kullerte er schon selbst wieder auf den Rücken. »Ich wollte ihn nicht hergeben… aber sie hat geweint…«, murmelte Harry etwas angestrengt. Das ließ Severus die Augen für einen Moment schließen. Sie hatte ihre Kinder fast alle verloren. Wie musste der Anblick eines kleinen Waisen dann wohl sein? Ob ein Teil von ihr sich vielleicht sogar wünschte, ihn aufnehmen zu können? Um sich um das Baby kümmern zu können?

»Für den Augenblick… ist es wohl gut, dass sie sich kümmert. Sowas sollte allerdings nicht zur Regel werden«, murrte der Tränkemeister. Es machte Harry unglücklich und damit war es nicht gut. Das Stirnrunzeln seines jungen Gefährten irritierte ihn allerdings, genauso wie dessen deutlicher Gedanke darüber, dass es Severus wohl eher recht sein müsste, wenn Ted nicht da war.

»Wann bin ich wieder fit?«, fuhr Harry in seine eigenen Gedanken.

»Wenn du wieder auf der Seite liegen kannst«, brummte Severus. »Der Knochen ist weitestgehend verheilt, aber du hast noch Blutergüsse und Prellungen von dem Zauber zurückbehalten. Das wird ein paar Tage dauern.« Hart, aber ein Fakt. Dummheit wurde bestraft und nachdem er sich am Morgen noch so erwachsen gezeigt hatte, musste sein jugendlicher Leichtsinn nun solche Folgen haben.

»Tage?«, ächzte Harry fassungslos, Severus immer weiter mit seinen Gedanken überrollend. Das nahm allmählich wieder überhand.

»Harry«, mahnte Severus. »Deine Gedanken!« Klar, mit dem Schmerztrank war es schwierig, die unter Kontrolle zu halten, aber dennoch… etwas Mäßigung! »Wenn etwas passiert, dann ohne dich. Wer sich um Ted kümmert? Ein halbes Dutzend Leute hier bietet sich, ohne zu zögern an, außerdem bin ich auch noch da. Und du übst erst einmal gar nichts mehr.« Er nahm Harrys Hand sanft in seine Hände. »Du hättest vorhin einfach ersticken können, Harry…« Es war wirklich nicht leicht, seine Stimme beherrscht zu halten. Nicht zu beben. Nicht hart zu schlucken. Dass Harry nichts sagte, machte es wahrlich nicht besser.

Das plötzliche Klopfen riss Severus aus seinen Gedanken und ließ ihn eher zögerlich zur Tür treten, diese öffnend. Er sah sich unerwarteter Weise mit seinem Patensohn konfrontiert. »Du bist wach?«, fragte Severus überrascht, bis ihm einfiel, dass es weit nach Mittag war und jeder Betäubungszauber irgendwann seine Wirkung verlor.

»Schon eine Weile. Lebt Saint Potter noch?«, fragte Draco zynisch, in seine übliche Kleidung gehüllt.

»Draco«, mahnte Severus finster. »Verschwinde, wenn dein einziges Anliegen ist, schlechte Stimmung zu verbreiten. Die ist bereits existent, auch ohne deine halbherzigen Bemühungen.« Überrascht hob Draco die Brauen, dann wendete er sich ab und ging zur Treppe, Severus wortlos in der Tür stehen lassend.

»Geh ihm nach«, murmelte Harry hinter ihm und offenbarte sich mit einem Arm über dem Gesicht als Severus sich umdrehte.

»Nein. Er muss lernen, dass er, wenn er in der Gesellschaft nicht untergehen will, seine Arroganz und Überheblichkeit zurückschrauben muss«, brummte Severus finster. »Das können ihm die Weasleys und all die anderen Gryffindors in diesem Haus gern beibringen. Dazu braucht es mich nicht.« Er kam zurück und setzte sich wieder auf die Bettkante. »Ich werde später mit ihm sprechen, wenn du schläfst.«

»Sev, denkst du… nicht, dass er… dass er vielleicht eifersüchtig ist?«, fragte Harry, den Arm langsam senkend.

»Ich weiß es nicht, Harry«, erwiderte Severus. Es war ihm doch selbst alles einfach nur zu viel. »Möglich. Möglicherweise ist er auch einfach zu stur. Ich weiß es nicht.« Nur, weil er mit Harry sprach und sich bemühte, war er nicht plötzlich geschickt darin, mit Menschen umzugehen und all sowas.

»Es tut mir leid, Severus«, murmelte Harry mit Gedanken, die Severus wieder nur innerlich seufzen ließen. Okklumentik war ganz eindeutig kein Thema mehr, wenn Harry einen Schmerztrank intus hatte.

»Das hoffe ich«, gestand er. »Dann tust du es nicht wieder.« Er berührte wieder Harrys Hand. »Ich will dich nicht verlieren. Vor allem nicht wegen solcher… Dummheiten.«

Harrys deutlich tieferes Durchatmen sagte Severus, dass es bereits half, was er mit Magie vollbracht hatte. »Ich bin müde«, gestand er leise.

»Dann schlaf. Ich bleibe noch«, erwiderte Severus. Draco lief vermutlich eher nicht weg, so ohne Zauberstab.

»Danke«, erwiderte Harry, seinen Kopf etwas ins Kissen kuschelnd. Severus streichelte sachte die Hand des Jüngeren, ihn stumm betrachtend. Ein Zauber. Ein wenig Leichtsinn. Er hätte tot sein können. War Harry wirklich bereit für Nagini und den dunklen Lord? Oder waren all seine Worte über Ted und Severus… nur heiße Luft? War seine Motivation, zu kämpfen, nicht mehr stark genug? Severus kniff sich in die Nasenwurzel, im Kopf selbst unglaublich erschöpft wegen der vorangegangenen Nacht.  Aber letztlich… hatte Harry Recht: Er musste mit Draco in aller Ruhe reden und hoffen, dass dieser sich nicht weiter so stur anstellte.

Entsprechend erhob sich der Tränkemeister schlussendlich, um das Zimmer zu verlassen. Wehenden Umhangs, wie es sich gehörte. Wohin war Draco wohl gegangen? Die Küche war nicht unbedingt sofort ersichtlich. Dennoch glaubte er, dass der Geruch von Speisen und einem Kesselfeuer wohl wie eine Landkarte für das Haus waren, sodass er sich in den Salon begab.

Draco war hier tatsächlich anzutreffen, recht blass wirkend und am Fenster stehend. Ob er wohl mit Vollgas in die rothaarige Familie gerauscht war? Ein Kulturschock, keine Frage. Und sicher war es für einen Malfoy, der stets gelernt und eingetrichtert bekommen hatte, dass die Weasleys Blutsverräter waren und weit weniger wert als ein Malfoy, nicht angenehm, sich plötzlich deren Gnade ausgesetzt zu sehen. Graue, kühle Augen sahen auf, als er die Bewegung an der Tür wahrnahm. Er hob den Kopf, allem voran jedoch das spitze Kinn. Ganz eindeutig war Draco nicht daran interessiert, irgendein Fehlverhalten einzugestehen.

»Setz dich«, wies Severus seinen Patensohn mit der absolut gewohnten Betonung an, akzentuiert und kühl.

Ob er nun willig war, der Anweisung nachzukommen oder es schlicht seine Erziehung entsprach, war in diesem Moment nicht wirklich offensichtlich. Er schritt beherrscht zu einem der Stühle, setzte sich aufrecht, die Hände auf den Holzlehnen ruhig abgelegt – exakt so, wie ein Lucius Malfoy sich setzen würde. Sein Blick ruhte aufmerksam auf Severus und doch hatte eine deutliche Veränderung in dem jungen Mann stattgefunden. Die letzten zwei Jahre waren nicht spurlos an ihm vorbei gegangen. Er war schmal, fast dürr, seine Züge hart. Ähnlich wie Harry wirkte er damit häufig älter, als er es in Wahrheit war.

Dass der Anblick Severus traurig stimmte, daraus machte der Tränkemeister keinen Hehl. Er setzte sich selbst jedoch nicht – dazu fühlte sich seine Kehrseite nach der Nacht einfach nicht... richtig genug an. »Wie geht es dir? Hast du Schmerzen?«, wollte er zunächst wissen. Durch den Verband, das Diptam und den Schmerztrank durfte vermutlich kaum noch etwas zu spüren sein, aber gerade der Schmerztrank würde irgendwann nachlassen und die innenliegende Heilung sich schmerzlich bemerkbar machen.

»Es geht mir gut«, lautete die einstudierte Antwort. Ein krasser Unterschied zwischen Draco und Harry: Draco sah nicht weg. Er hielt den Blick auf seinen Gesprächspartner gerichtet, die Augen geöffnet, der Ausdruck darin ruhig und kühl. Ja, was war er nur für ein feiner, abgerichteter Schoßhund des dunklen Lords. Man mochte brechen.

»Gut«, erwiderte Severus und nahm nun selbst Platz. »Du hattest Fragen. Frag«, forderte er Draco jetzt auf. Immerhin musste der sich ja mehr als eine Frage darüber stellen, was zur Hölle hier los war, was sie planten und warum er Harry duzte.

»Weißt du etwas von meinen Eltern?« Und da war Draco. Der, der hinter der Fassade steckte. Der, der das dunkle Mal nicht freiwillig bekommen hatte. Und ebenfalls anders als Harry: er stellte eine Frage und wartete auf die Antwort, nicht fünf Fragen, von denen er bis zur Antwort die Hälfte schon beinahe wieder vergessen hatte.

»Nein. Nicht mehr als das, was du mir mitgeteilt hast. Ich erwäge, daran zeitnah etwas zu ändern. Wo hält sich deine Mutter auf?«, erkundigte sich Severus ganz sachlich.

»Im Ferienhaus. Wenn sie es darf. Wenn nicht, ist sie im Anwesen.« Draco beherrschte sich sehr gut. Seine Gedanken waren ganz ruhig und selbst bei genauerem Hinsehen unauffällig. Er hatte sehr gut gelernt, sich unterhalb der Wahrnehmung zu bewegen, unauffällig zu sein, keine ungewollte Aufmerksamkeit zu erregen. Sein Vater war ihm ein gutes Vorbild gewesen. Gerettet... hatte es ihn am Ende nicht.

»Welche Hauselfe ist bei ihr?«, wollte Severus wissen. »Deine Worte über deinen Vater haben mich nachdenklich gestimmt. Jeder weitere Fehltritt könnte seinen Tod bedeuten. Allerdings muss ich, wenn ich ihn entführe, gleichzeitig deine Mutter holen lassen, um sie zu schützen.« Er schürzte die Lippen, die Augen verengend. »Willst du das?«

Draco wiegte den Kopf leicht. »Meistens ist Melly bei ihr. Wenn es ihr gut genug geht.« Das Seufzen blieb nur gedacht, es wurde nicht ausgeführt. Es erreichte Severus dennoch. Natürlich drangsalierte der dunkle Lord auch die Hauselfen, häufig einfach nur, weil sie sich ihrer Pflicht wegen zeigen mussten. Und so wenig die Familie auch von ihren Hauselfen halten mochte, eine Hauselfe, die sich nicht bewegen konnte, nahm man nicht mit sich. »Entführen... du willst ihm auch das Mal wegnehmen?« Draco wirkte skeptisch. Vermutlich war er sich noch nicht einmal sicher, ob es wirklich gänzlich funktioniert hatte. »Aber wenn die Möglichkeit besteht...« Er nickte sachte. »Wir haben nur ausgerechnet in Italien keinen Besitz«, fügte er an. In Frankreich, den USA und in vielen anderen Ländern war das anders, wie Severus wusste.

»Bereust du es?«, erwiderte Severus und nickte auf seinen Arm hinab. »Dein Vater ist ein Idiot, wenn er noch immer daran festhält, zu altem Ruhm zurückzukehren, Draco. Seine Wahl ist simpel: Hier bleiben, in Sicherheit mit seiner Frau und dir, ohne das Mal, oder dortbleiben und früher oder später sterben – und das wohl kaum durch uns.« Severus stieß die Luft leise aus. »Er war es, der mich zu meinem Mal gebracht hat. Wenn ich es bin, der ihn von seinem Befreien kann, werde ich alles daransetzen. Es muss Enden.«

Draco schwieg für einige Momente, den Blick nicht von Severus abwendend. »Wenn du... wenn ihr das könnt, dann tut es. Hätte Potter den Kampf gewonnen...« Er unterbrach sich, einen Moment regelrecht verhärmt aussehend, aber er brachte seinen Satz nicht zu Ende. »Vater hält sich, außer zu Besprechungen, permanent in Hogwarts auf, fast ausschließlich im Schulleiterbüro.«

»Ganze Sätze«, mahnte Severus den jungen Mann. »Was wäre gewesen, wenn Harry den Kampf gewonnen hätte?« Man hätte Lucius und Narzissa genauso nach Askaban gebracht, wie Draco. »Das nahm ich bereits an.« Severus zögerte einen Moment. »Erzähl mir bitte von Lucius’ Arbeit als Schulleiter. Knüpft er daran an, was ich versucht habe, in erträglichen Grenzen zu halten...?«, wollte er wissen.

Draco zog die Nase minimal kraus, eine Regung, die er nie gänzlich hatte ablegen können. »Mutter und ich, wir waren quasi schon weg. Sie hält nichts mehr in England.« Nein, sie hatten offenbar verschwinden wollen, weit weg von England, von alle dem. »Kommt darauf an, wie viel deiner Zeit du mit Trinken verbracht hast«, knurrte Draco. »Die fehlenden Lehrer wurden entsprechend den Wünschen des dunklen Lords ersetzt. Es gibt niemanden mehr mit ungeklärtem Blutstatus, sie haben sogar Filch ersetzt. Muggelkunde findet nun für jede Klassenstufe drei Mal in der Woche statt. Aber die Bestrafungen sind weniger geworden. Niemand lässt sich etwas zu Schulden kommen, und die jüngeren Schüler sind dank den Übungen der Älteren ohnehin zu erschöpft«, berichtete er emotionslos, aber aufrichtig.  Damit hatte sich also nicht viel zu dem geändert, was schon zu Severus’ Zeiten als Alltag eingeläutet worden war.

Dass Lucius seine Emotionen, seine Niederlagen, seine Unfähigkeit und seine Ängste in Alkohol begrub, ließ Severus’ Magen verkrampfen, insbesondere nach vergangener Nacht. Abhängigkeiten veränderten einen Menschen. Wäre es wohl besser gewesen, wären Draco und Narzissa geflohen?

»Deine Eltern und du, ihr könnt hierbleiben, bis alles vorbei ist«, sagte Severus tonlos, seine eigenen Emotionen perfekt verbergend, wie an jedem Tag seines Zaubererlebens. »Glaubst du, dass deine Eltern das Schaffen?« Vielleicht, wenn er Draco emotional unter Druck setzte, dass er an ihn und seine Anpassungsfähigkeit glaubte, konnte dieser seine Vorurteile überwinden?

Man sah Draco an, wie wenig er davon hielt. Sicherlich spielten dabei andere Dinge eine Rolle, nicht nur die Anwesenheit jener verfeindeten Familie. Als Malfoy plötzlich ein Bittsteller zu sein, musste fast noch härter sein. »Sie sorgt schon dafür, dass er es schafft«, entgegnete er letztlich.

»Mehr brauche ich nicht zu wissen«, sagte Severus leise. »Ich werde versuchen, deine Eltern hierherzubringen, Draco. Ich und auch sie werden deine Hilfe benötigen. Nicht zuletzt stellst du ein ganz eigenes Bindeglied dar und deine Bemühungen werden direkten Einfluss auf deine Eltern nehmen.« Er atmete tief durch. »Dieses Saint Potter muss aufhören.«

»Meine Hilfe? Ich wüsste nicht, wo ich hier ein Bindeglied sein soll«, brummte er. »Was ist passiert?«, fragte er jetzt und fixierte Severus fest. »Was ist passiert, dass du, ausgerechnet du, dich, wenn Potty eins auf die Nase bekommst, verhältst wie ein wildgewordener Hippogreif? Ich habe es gesehen. Vom Fenster aus.«

Auch wenn Severus es nicht wollte, seine Zähne knirschten. »Ja, deine Hilfe«, knurrte er. »Du hast, genauso wie all die anderen, keine Ahnung von Harry, seiner Aufgabe, dem Kampf mit ihm«, knurrte Severus weiter. »Sag mir eines, Draco: Willst du, dass der dunkle Lord fällt und deine Familie und du leben könnt, wie vor seiner Wiederauferstehung 1994?«, wollte er wissen. »Daran mache ich fest, was ich dir erzähle.« Schlimm genug, dass Draco seine Reaktion gesehen hatte, bevor er sich erklären konnte.

»Jah... der gute, alte Harry...«, spottete er leise. »Du weißt, dass ich das Mal niemals wollte. Du weißt, dass ich nichts von dem jemals wollte. Ich habe versucht ihm zu helfen, verstehst du das?« Er schüttelte den Kopf, ohne, dass sein perfektes Haar sich auch nur ansatzweise von seinem Bestimmungsort fortbewegte. »Ich will nicht leben wie vorher. Ich will weg, ich will mit alle dem nichts mehr zu tun haben. Mein Vater hat lieber seinen Zauberstab auf mich gerichtet, um mich umzubringen, anstatt sich um uns zu kümmern. Sich um sie zu kümmern. Und doch verstehe ich nicht, was sein Fall mit deinem Verhalten zu tun hat. Oder schleimen wir uns jetzt bei Potter ein, damit er nachher ein gutes Wort für uns einlegt? Das sind eher Taktiken, die mein Vater sich ausgedenkt, nicht du. Nicht bei Potter.«

Severus musste seufzen, nachdem Draco endlich geendet hatte. Heute war eigentlich nicht wirklich ein guter Tag für solche Gespräche. Er würde sich lieber zu Harry ins Bett legen, die Nacht und die damit verbundenen Qualen verdrängen und dann auf den Plan treten, wenn es ihn nicht alles kostete, seine Rolle perfekt zu spielen. »Vorweg: Wenn der dunkle Lord gestürzt ist, könnt ihr, deine Eltern und du, gehen, wohin auch immer ihr wollt«, hielt er ruhig fest. »Was Harry angeht...« Severus zog die Nase etwas kraus, das Kinn trotzig reckend. »Es war meine Aufgabe, über ihn zu wachen, seit er nach Hogwarts kam. Meine von Dumbledore anvertraute Aufgabe. Bis der Tag kommt, an dem sich Harry opfern muss, an dem er sterben muss, damit der dunkle Lord wieder sterblich wird.« War das zu begreifen?

»Wir haben alle gesehen, dass er augenscheinlich tot war. Meine Mutter hat mir erzählt, wie es ablief, im Wald. Grob. War er also auch noch zu blöd zum Verrecken?«

Severus spürte, wie seine Muskeln sich verspannten, wie er kurz davor war, seine Hände wütend zu Fäusten zu ballen. »Draco«, flüsterte er so dunkel, so drohend, dass er selbst nicht einmal wusste, ob er nicht gleich aufstehen und den jungen Mann am Kragen packen und gegen die Wand schleudern würde. Er hatte ihm Kleidung bringen lassen, die ihm gehörte, hatte sich bemüht, Dracos Start hier angenehm zu gestalten... aber solche Aussagen reizten ihn immens. »Harry ging in den Wald, bereit, sich für alle anderen töten zu lassen. Was auch immer geschah, dass er es überlebte, er lebt und der Teil des dunklen Lords, der in ihm versiegelt war, starb. Er musste dafür bereit sein, zu sterben, musste sich bereitwillig opfern. Damit war seine verfluchte Aufgabe erfüllt. Und dennoch griff er auch danach zum Zauberstab und kämpfte. Du warst dort, du hast gesehen, dass er am Ende war. Dass er nicht aufgab. Wie kannst du ihn als blöd bezeichnen, wenn er auch für dich und deine Freunde gekämpft hat?«, wollte er finster wissen. »Hättest du den Mut gehabt, dich ihm entgegenzustellen? Dich töten zu lassen, um auch nur deine Eltern zu retten, geschweige denn irgendwelche Mitschüler, Lehrer, Halbblüter oder dergleichen?«

»Ist es jetzt also meine Schuld?«, hielt Draco dagegen. »Ich habe ihm meinen Zauberstab zugeworfen! Ich habe versucht ihm zu helfen! Ich kann nichts dafür, dass er es nicht geschafft hat. Und um den Rest habe ich ihn nicht gebeten. Warum muss ich mich jetzt vor dir rechtfertigen?«, fragte er verständnislos. »Warum hältst du plötzlich zu ihm? Warum ist plötzlich das was ich tue falsch?« So gesehen war seine Empörung vermutlich verständlich. Sechs Jahre lang hatte jeder in seinem direkten Umfeld genauso gehandelt. Harry Potter, der Dorn im Auge, der am besten einfach starb, und wenn er schon nicht den Anstand hatte, das zu tun, wenigstens noch als Punchingball herhalten konnte. Und Severus Rolle hatte das hervorragend unterstützt.

Gern hätte Severus genervt die Augen verdreht. Er tat es nicht. »Nein, und es geht hier nicht um Schuld oder Unschuld, sondern darum, dass Harry, ganz unabhängig von einer persönlichen Meinung zu ihm, viel geopfert hat, um all denen zu helfen, die ihn unter anderem gequält, ignoriert, vorgeführt, ausgenutzt oder misshandelt haben«, sagte Severus tonlos, ehe er seufzte und sich nach hinten, gegen die Rückenlehne sinken ließ, einen Ellbogen auf die Armlehne gestützt. Seine Finger bedeckten einen Teil seines Gesichtes, während er mit sich rang, Worte zu finden, die Dracos Fragen beantworten mochten.

»Ihr habt mir das beigebracht«, sagte Draco nun leise. »Ich bin, wie ich bin, wegen euch. Und deine Unterstützung, deine Zustimmung, war alles worauf ich mich verlassen konnte.« Dracos Verhältnis zu seinem Vater war nie liebevoll gewesen, oder von Zuneigung geprägt. Lucius hatte die Regeln aufgestellt und seine Anerkennung für deren Einhaltung, hatte Draco von Severus bekommen. Er ballte die blassen Hände zu Fäusten. »Also was erwartest du von mir? Was soll ich tun? Sag es mir, Severus, denn ich weiß es nicht. Ich weiß nicht mehr, wie diese Welt funktioniert und was sie von mir erwartet.« So hart die Worte auch gesprochen waren, offenbarten sie eben doch die tiefe Verzweiflung, die wohl am Ende jeder empfand, der unfreiwillig in diesen Krieg geraten war, der keine perfide Befriedigung daran fand. Aber Draco würde tun, was er immer getan hatte – das, was man von ihm erwartete.

Mit schwerem Herzen schlossen sich Severus’ Augen hinter seinen Fingern. »Ich weiß«, flüsterte er leise. »Ich hoffe, eines Tages kannst du mir verzeihen.« Er schluckte hart. »In erster Linie würde ich mir wünschen, dass du du bist, ohne zu glauben, du müsstest von irgendjemandem irgendeine Erwartung erfüllen«, gestand er. »Darin steckt die Hoffnung, dass du vielleicht keine Notwendigkeit mehr siehst, immer weiter gegen Harry zu feuern.«

»Ja, und als nächstes verteile ich Weihnachtsgeschenke an Waisenkinder«, seufzte Draco. »Beantworte bitte meine Frage. Was ist das mit dir und Potter?«

Unbehagen machte sich in Severus breit. Wie sollte er das Draco erklären? Er war so streng nach alten Regeln erzogen worden, dass es dort keinen Platz gab für Männer wie ihn und Harry. Aber was nutzte es jetzt noch, ein Geheimnis daraus zu machen? Draco hatte seine Reaktion gesehen und auch, dass Severus an Harrys Bett gewartet hatte.

»Ich liebe ihn«, sagte er also leise, bereit für Hohn, Verachtung, Ekel. »Schon seit...« Er seufzte. »Seit ich gezwungenermaßen mit ihm trainieren musste, damals im fünften Jahr, begann ich, mehr und mehr Faszination zu empfinden und weniger... Hass.«

Dracos erste Reaktion bestand aus Skepsis. »Du liebst ihn«, wiederholte er trocken. »Klar.« Offenbar war Draco davon nicht überzeugt und wer konnte es ihm nach allem vorangegangenen verdenken? Mühsam senkte Severus die Hand, Draco ernst anblickend. Seine Mundwinkel waren ganz verkniffen, ansonsten sah er Draco einfach nur... an.

Draco stieß die Luft aus. »Aha. Na... dann ist ja alles erklärt?« Draco sah nicht so aus, als sei für ihn irgendetwas erklärt. Natürlich, selbst wenn Severus so empfand, und es war wohl nicht so offensichtlich, was genau er da nun empfand und wie weit das alles reichte, erklärte es noch nicht, wie die beiden nun zueinanderstanden.

»Ist es?«, fragte Severus tonlos. »Du siehst nicht so aus.« Der Tränkemeister atmete tiefer ein und aus.

»Es ist gar nichts geklärt, Severus!«, herrschte der Jüngere ihn an. »Was soll das auch erklären? Weiß er es? Weiß es der Rest, der hier rumlungert? Spielt es überhaupt irgendeine Rolle? Oder rechtfertigt es einfach nur, warum ich plötzlich freundlich zu ihm sein soll?«

Von dem plötzlichen Ausbruch des jungen Zauberers überrascht, hob Severus die Brauen. »Er weiß und erwidert es«, sagte Severus. »Wie auch die Weasleys und Professor McGonagall.« Der Rest war ja gerade erst angekommen. »Es spielt insofern eine Rolle, als das ich nicht zulassen werde, dass jemand Harry schadet«, fuhr er tonlos fort. »Deine Freundlichkeit allerdings hat nur bedingt damit zu tun. Du solltest schlichtweg aufhören, steif und irrational hochnäsig, selbstverliebt und herablassend zu sein, wenn du im Leben nicht genauso einsam und ohne Rückhalt sein willst, wie dein Vater nun. Man gewinnt keine loyalen Freunde, keine Allianzen, wenn man jeden von oben herab behandelt und auch wenn ich den Fehler gemacht habe, die Regeln deines Vaters stets fortzuführen und dich dafür zu loben, so war das nicht für die Ewigkeit gedacht. Es hat dich auf das unvermeidliche Aufeinandertreffen mit ihm und den Todessern vorbereitet, Draco. Nicht auf das Leben. Es hat dafür gesorgt, dass du bis heute überleben konntest. Jetzt lebe

Der junge Zauberer starrte seinen Paten an. In den grauen Augen war so viel zu lesen, und doch nichts wirklich klar. »Potter«, murmelte er, in einem Tonfall, von dem fraglich war, ob er sich diesen jemals abgewöhnen konnte. Er hatte seine ganz eigene Tonierung für diesen Namen erschaffen. »Ausgerechnet Potter?«, hakte er ungläubig nach. Er hob die Hand und rieb sich die Stirn. »Dir ist klar, was mein Vater dazu sagen wird? Dass er komplett durchdrehen wird? Du bist sein bester... vielleicht sogar sein einziger Freund. Wenn er herausfindet, dass du schwul bist...« Er schüttelte den Kopf. Offenbar konnte er sich nicht einmal selbst ausmalen, was dann passieren würde. Es ehrte ihn, dass er es versuchte, dass er sich diese Gedanken machte... aber am Ende war es sinnlos, sich diese Gedanken auszumalen.

»Ausgerechnet er«, stimmte Severus leiser zu. »Mir ist sehr wohl bewusst, wie sich reinblütige Familien halten und wie geächtet ein schwuler Mann ist. Glaubst du, nur weil ich ein Halbblut bin, habe ich durch die reinblütige Seite meiner Familie nicht gelernt, als was für ein Dreck ein Schwuler gilt?« Er kräuselte die Lippen. »Er wird wütend sein. Enttäuscht. Vielleicht angewidert. Vielleicht wird er mich verachten und aus seinem Leben ausschließen«, schloss Severus. »Wenn das der Preis dafür ist, dass ihr von ihm befreit seid, und ich mit Harry nach seinem Fall irgendwo leben kann, wo das keine Rolle spielt, muss ich diesen Preis wohl bezahlen. Es wäre nicht der höchste Preis, den ich in meinem Leben bezahlt habe.« Das klang bitterer, als beabsichtigt. »Mrs. Weasley und Professor McGonagall haben mir schon einen kleinen Einblick gegeben, wie vermeintlich tolerante Hexen darauf reagieren. Ich bin bereit.«

Draco gab hörbar ein Geräusch von sich, dass quasi alles bedeuten konnte. Er schüttelte den Kopf leicht, wirkte aber selbst nicht halb so empört über das Coming-Out wie man vielleicht hätte erwarten können. Die Tatsache, dass es nun ausgerechnet Harry sein sollte, schien ihn wesentlich mehr mitzunehmen.

»Draco«, sagte Severus leise. »Ich weiß, dass... es unfair ist, dich darum zu bitten, nachdem ich sagte, dass ich mir wünsche, dass du keine Erwartungen mehr erfüllen sollst... Aber... es wäre ein Zeichen von Größe, boshafte, herablassende oder beleidigende Gedanken nicht mehr auszusprechen, wenn ich oder Harry zuhören. Wir trainieren für den Kampf gegen den dunklen Lord, wohl wissend, dass das hier vermutlich unsere letzten Tage sind. Ich würde es bevorzugen, sie nicht in Streit und Zwietracht zu verbringen.«

Draco sah müde wieder zu ihm. »Du kannst einem auch jeden Spaß im Leben nehmen«, seufzte er und strich sein ohnehin perfekt liegendes Haar glatt. »Warum musst du dich ausgerechnet an jemanden hängen, der keine fünf Meter geradeaus gehen kann, ohne dabei drei Mal fast umgebracht zu werden?«, fragte er erstaunlich gestresst wirkend.

»Ich hoffe für dich, dass du die Antwort darauf eines Tages selbst erfährst«, sagte Severus ganz ruhig. »Man sucht es nicht aus. Es passiert einfach.« Er zupfte an seinem Ärmel, sodass der weiße Hemdsärmel wieder gleichmäßig zu sehen war.

»Du weißt, dass es in meiner Welt so nicht läuft«, entgegnete er ruhig. Jemand wie Draco verliebte sich nicht. Er wurde verheiratet und fertig. Im besten Fall würde er seine zukünftige Partnerin nicht vollkommen unerträglich finden. Und das war es dann. Dass das nicht längst passiert war, lag wohl auch nur daran, dass die Pläne des dunklen Lords nicht so liefen, wie sie sollten.

»Ich bezweifle, dass deine Mutter noch geneigt ist, an den alten Riten festzuhalten«, erwiderte Severus stumpf.

Wieder stieß Draco ein leises Geräusch aus. Alte Riten hin oder her... Er bezweifelte, dass sein Vater davon ablassen würde, und das machte es dann auch nicht besser. »Wie...« Er schüttelte den Kopf. Das alles war so merkwürdig!

»Nichts von alledem hier war geplant. Er hat mich getötet, weil er glaubte, ich sei der Herr des Elderstabs. Harrys Handeln hat mich vor dem Tod bewahrt und ich im Angesicht des drohenden Fehlschlags das Seine. Wir flohen, um zu gesunden und erneut zu kämpfen. Alles Weitere...« Er ließ den Blick durch den Raum schweifen. »...passierte einfach. Aber es führte auch dazu, dass du nun in Sicherheit bist, wie viele andere auch. Nicht, dass ich auch nur einen von ihnen hier haben wollen würde.«

Draco öffnete den Mund, zwang sich sichtbar war, und schloss ihn wieder, die Augen sichtbar verdrehend, aber immerhin bemühte er sich. Der brummte missvergnügt. »Ich muss auch freundlich von den Weasleys reden?«, vergewisserte er sich trotzdem lieber noch mal. Vielleicht ging das ja durch?

»Wenn du mich aus dem Fenster beobachtet hast, dürftest du gesehen haben, wie ich reagiert habe«, meinte er tonlos. »Sie sind mir gleich. Behandle Professor McGonagall mit Respekt, das rate ich dir. Alles Andere...« Er hob die Brauen ein wenig.

Draco fand zwar, dass das ziemlich widersprüchlich war... immerhin schien es damit ja auch nur wichtig zu sein, die gut zu behandeln die Severus nun mochte... aber gut. »Gibt es eine Scheune?«, erkundigte er sich also ganz unschuldig. Das würde doch ohnehin eher den Wohngewohnheiten der Weasleys entsprechen? Leider wurde sein boshafter Gedanke und Severus amüsiertes Schmunzeln unterbrochen und das auch noch von einem der verhassten, roten Haarschöpfe, gepaart mit dem Weinen eines Kleinkindes.

»Severus, hier sind Sie! Sie müssen Ted nehmen!«, legte die Frau fest, von der Draco so wenig hielt. Der Adressat dieser Aussage blinzelte von seinem Stuhl der heranwackelnden Molly entgegen und hatte drei Herzschläge später plötzlich ein weinendes Kind auf dem Arm.

»Mrs. Weasley«, setzte er stockend an, da plärrte Teddy bereits lautstark los. Sein schwarzer Blick war vollkommen hilflos. »Was soll ich...«, stammelte er.

»Sind Sie nun Harrys Partner, oder nicht?«, fragte sie, aufgebrachter als ein weinendes Kind es bei einer siebenfachen Mutter vermutlich anrichten konnte. »Es ist ihnen vielleicht entgangen, aber während Sie sich für Harry eingesetzt haben, haben Sie meinen Sohn schwer verletzt. Ich kann mich nicht um ihn und um Ted kümmern!« Und damit... drückte sie ihm den weinenden Jungen in die Arme, um ohne weitere Diskussion wieder zu verschwinden.

Severus klappte der Mund ungläubig auf, das Bündel ziemlich exakt so haltend, wie es gerade in seinen Arm gelegt worden war. Das passierte gerade nicht wirklich, oder? Hilfe?

Dracos nun eher belustigter Gesichtsausdruck machte es vermutlich nicht besser. Severus wollte knurren! »Ihr habt euch ja ziemlich beeilt«, stellte er begeistert fest, richtig grinsend bei dem Anblick. Klar, so wie die Weasley es formuliert hatte, klang es natürlich, als sei das Harrys Baby.

»Woher diese perfide Begeisterung?«, zischte Severus. »Darf ich vorstellen? Dein Neffe 2. Grades mütterlicherseits, Edward Remus Lupin«, brummte er, den Knirps hilflos wiegend.

Dracos Belustigung schmälerte die Bemerkung nicht. »Hast du mich als Kind auch so festgehalten? Dir ist klar, dass er dumm wird, wenn du ihn fallen lässt?« Wieder verkniff er sich einen Kommentar, dieses Mal in Harrys Richtung, und damit blieb er auch unterdrückt.

»Deine Mutter hat dich erst aus den Händen gegeben, als du deinen Kopf bereits selbstständig gehalten hast«, gab Severus stumpf zurück. »Ich habe mich nicht darum gerissen, ein sabberndes, schreiendes Bündel zu halten.« Er biss verzweifelt die Zähne zusammen, gegen die Angst ankämpfend, die diese Hilflosigkeit in ihm hervorrief. Immer wieder hallte da die Frage: Was war der Auslöser bei seinem Vater gewesen, so zu werden, wie er war?

»Oh man, du bist ja total hilflos«, stellte Draco fest und kam auf die Füße, zu ihm tretend. Severus sah ihm skeptisch entgegen, sagte jedoch nichts. »Du musst das schon richtig machen. So. Beine da hin, Kopf da hin. Wenn du schon weißt, dass er den Kopf noch nicht halten kann, solltest du das für ihn machen.« Und Schwupps, schon lag der Knirps ganz ordentlich in Severus linkem Arm, der perplex schwieg. »Andromeda halt es also nicht geschafft, mh?« Nicht, dass er mit seiner Tante je Kontakt gehabt hätte. Aber sie war irgendwo... weit weg, eben doch die Schwester seiner Mutter.

»Nein, sie ist tot«, erwiderte er leise. »Woher weißt du, wie... man ein Baby hält?«, fragte er skeptisch.

»Und du behauptest, du kennst meine Mutter«, entgegnete Draco, anstatt direkt zu antworten. »Ich kann das, seit ich fünf bin. Der einzige Grund, aus dem es tatsächlich eine Puppe in unserem Haus gab.« Nur weil er keine Geschwister hatte, hieß das nicht, dass er nie welche hätte haben sollen.

Verwirrt runzelte Severus die Stirn, seinen Patensohn musternd. »Nicht so sehr, wie ich sollte, scheint mir«, murrte er. »Eine Puppe?« Teddy plärrte immer noch. »Weißt du auch, was er braucht? Warum er schreit?«, fragte er verzweifelt.

Draco beobachtete das ungleiche Paar nachdenklich. »Er stinkt jedenfalls nicht. Halt mal deinen kleinen Finger an seine Lippen«, schlug er vor, ohne weiter auf die Puppe einzugehen. War doch im Grunde auch logisch. Man musste ja mit irgendetwas üben, und eine Puppe eignete sich dazu eben am besten, nur erschloss sich das Severus nicht, der selbst nie geplant hatte, Kinder zu haben. Zumindest aber folgte er Dracos Anweisung und hob seinen kleinen Finger zögerlich an die kleinen, weichen Lippen des weinenden Kindes. Sofort grabschten die kleinen, knubbeligen Hände nach seiner Hand. Augenblicklich lutschte er an dem Finger herum, wodurch endlich Stille einkehrte. Faszinierend.

»Harry«, sagte er leise, »ist sein Pate...« Das erklärte wohl besser, warum Harry und er sich kümmerten.

»Irghs... naja, nach dem Werwolf und dem Muggel macht das wohl auch nichts mehr.« Die Familie auf dieser Seite war ohnehin schon verkorkst, zumindest aus Sicht eines Reinblüters. »Also auf jeden Fall hat der Knirps Hunger. Und da ich mal nicht annehme, dass Potter sich zum Säuger weiterentwickelt hat, muss es irgendwo was für ihn geben. Bring ihn mit«, forderte er Severus auf und orientierte sich kurz, durch welche Tür er noch einmal hereingekommen war. Das fiel Draco allerdings viel leichter als Harry, er war große Häuser gewöhnt, auch wenn Severus ihm ohne große Not hätte sagen können, wohin er sich hätte wenden müssen. Stattdessen folgte er seinem Patensohn.

In der Küche waren sie glücklicherweise alleine, nur hieß das auch, dass ihnen niemand helfen konnte. »Wo steht das Zeug denn?«

»Was fragst du mich?«, brummte Severus, den Finger noch immer darbietend. »Es gibt so Pulver«, erklärte er stirnrunzelnd. »Ich glaube, Harry hat es oben? Er hat ihn heute Nacht gefüttert«, erinnerte er sich. »Oder er hat es mit heruntergebracht?« Er schüttelte den Kopf und zog seinen Zauberstab. »Accio Milchpulver«, sagte er und prompt ratterte eine der Schranktüren. »Dort.«

Draco trat zum Schrank und zog das Päckchen hervor, das er direkt mal auf den Kopf drehte, um zu lesen. Das sollte helfen, wenn man keine Ahnung hatte. Er sah wieder nach oben in den Schrank und zog eine Trinkflasche hervor. »Leute ohne Hauselfen... wie merkt man sich sowas alles«, murmelte er dabei vor sich hin, während er Milchpulver in die Flasche gab und diese dann achtsam auffüllte. Dieses Mal beobachtete Severus genau, was geschah. Draco schüttelte die Flasche kräftig und... seufzte. »Ich habe keinen Zauberstab, also musst du das warm machen. Auf der Packung steht, siebenunddreißig Grad soll die Flasche haben. Hier ist ein Thermometer und man soll auf der Hand ausprobieren, dass es nicht zu heiß ist.«

Es war nur ein kurzes Zögern, da war sein Zauberstab verschwunden und Dracos Zauberstäbe aus seiner Manteltasche hervorgeholt. Er wirkte selbst unfreiwillig zurückhaltend, immerhin konnte Draco damit dann disapparieren oder jemanden angreifen. Aber er vertraute seinem Patensohn. »Die gehören dir«, sagte er leise.

Draco sah ihn überrascht an, ehe er die Hand danach ausstreckte und beide Stäbe an sich nahm. Der rieb mit dem Daumen über das Holz seines ersten Stabes... Würde er ihm noch gehorchen? Kurz entschlossen richtete er ihn auf die Flasche – nichts explodierte. Der umfasste sie mit der Hand. Warm. Also tröpfelte er ein bisschen des Inhalts auf seine Hand. »Probier mal« Und damit drückte er Severus das Fläschchen in die freie Hand, sich lieber wieder den Zauberstäben zuwendend.

Da der Tränkemeister mit dem nörgeligen Kind beschäftigt war, fokussierte er sich darauf, die warme Milch zu testen, ehe er sie Ted darbot, der sofort ziemlich eifrig zu trinken begann. »Bei Merlin, mach langsam, Kind«, murmelte er.

Draco warf ihm einen skeptischen Blick zu, ehe er seinen alten Zauberstab ein wenig schwang und Dinge im Raum bewegte. Es schien zu klappen. Zufrieden steckte er beide Stäbe weg und lehnte sich dann lässig gegen die Küchenanrichte, während Severus wie in Trance zusah, wie die transparente Flasche mit weißem Inhalt wieder transparent wurde, weil der weiße Inhalt in einem kleinen, rosa Bündel verschwand. Da er das jetzt schon mehrfach bei Harry gesehen hatte, stellte er die leere Flasche beiseite, Ted vorsichtig wie ein rotes, dünnwandiges Feenei an seine Schulter legend, damit er seinen Rücken reiben konnte. Permanent sah er dabei drein als würde er jeden Augenblick nach Askaban eskortiert.

»Beißt er?«, erkundigte sich Draco. »Oder warum schaust du, als hättest du ein Drachenjunges auf der Schulter hängen?« Lustig. Wirklich.

»Das kannst du nicht verstehen«, erwiderte Severus angespannt. »Ich hatte nie vor, irgendwann ein Baby auf dem Arm zu halten. Dass dein Vater mich zu deinem Paten gemacht hat, war schon eine große Ausnahme«, brummte er leise. »Ich will ihm nicht schaden.«

Draco sah ihn skeptisch an - natürlich konnte er das nicht verstehen. »Lass ihn nicht fallen, das sollte für den Anfang reichen. Sag mal... haben seine Haare gerade die Farbe gewechselt?«, fragte er und beugte sich vor. »Er hatte doch gerade noch hellbraune Haare, oder?« Jetzt waren sie eindeutig blond!

»Nymphadora Tonks war seine Mutter. Er ist offenbar ein Metamorphmagus, wie sie«, murmelte Severus, ihn weiter brav festhaltend, als es plötzlich gurgelte... und warm auf seiner Schulter wurde, als ein Teil der Mahlzeit freundlich in weißbraun über seine Schulter hinablief. Severus erstarrte regelrecht. »Das hat er gerade nicht gemacht«, flüsterte er kaum hörbar.

Draco öffnete den Mund und zeigte dann, wie gut er wirklich gelernt hatte, seine Züge zu kontrollieren, in dem er nicht lachte. »Ähm... ich meine mich zu erinnern, dass das normal ist. Man hat dazu eigentlich so... Tücher«, erklärte er so ernst wie nur möglich, obwohl er sich innerlich vermutlich vor Lachen auf dem Boden wälzte.

»Tuch. Ja. Gut.« Severus legte sich das Kind wieder auf den Arm, sich mit einem Wink seines Zauberstabs säubernd, ehe er ein Tuch nahm, um Ted jetzt noch zu säubern. »Soll er jetzt schlafen?«, fragte er hilflos.

»Keine Ahnung? So kleine Kinder machen doch kaum etwas anderes. Du wirst schon merken, ob er einschläft? Wann hat er die letzte frische Windel bekommen? Sonst musst du das vermutlich bald noch machen.«

»Keine Ahnung«, knurrte er jetzt. »Mrs. Weasley hatte ihn, wie dir vielleicht aufgefallen ist.«

Draco hob nur die schmalen Schultern. »Du wirst schon riechen, wenn es so weit ist. Potter liegt also noch flach?« So unbeholfen wie Severus war, konnte man nur darauf schließen, dass sich dieser sonst um den Jungen zu kümmerte.

»Der Weasley hat seinen Brustkorb zertrümmert«, sagte der Tränkemeister dunkel. »Ich habe die Brüche gerichtet und geheilt, aber die Blutergüsse und Prellungen werden ihn sicher zwei, drei Tage vollständig lahmlegen.« Er räusperte sich. »Vielleicht nimmt Mrs. Weasley ihn gleich wieder.«

»Rede dir das ruhig ein. So angefressen, wie sie klang, glaube ich das ja nicht. Warum auch? Sie ist nicht besonders nah mit ihm verwandt...«

»Sie ist eine Mutter«, erwiderte Severus tonlos. »Sie hat ihn Harry vorhin regelrecht entrissen und geweint. Warum sollte sie ihn jetzt von sich stoßen?«, fragte er Draco.

»Weil du ihren Sohn zermatscht hast?«, gab Draco trocken zurück.

»Er hat meinen Gefährten fast getötet!«, fauchte Severus... was Ted sofort losplärren ließ. »Bei Merlin«, stöhnte er leise und wiegte das Baby in seinen Armen entschuldigend. »Solange ich ihn habe, kann ich nicht arbeiten oder irgendwas aktiv für deine Eltern planen«, murmelte er missmutig.

Draco hob eine helle Braue, ehe er tief seufzte. »Wenn du ihn wickelst, halte ich ihn für eine Weile«, brummte er. »Ausnahmsweise!«, schob er allerdings direkt hinterher, was Severus blinzelnd zu seinem Patensohn blicken ließ. Hatte Draco das gerade wirklich gesagt? War das wirklich sein Patensohn?

»Wenn er schläft, ist das in Ordnung, nur wach...« Draco musste also nicht. »Mrs. Weasley hätte mir wenigstens zeigen können, was sich tun soll. Wie wickelt man ein Baby?«, murmelte er.

Draco verzog das Gesicht angewidert. »Das mache ich nicht«, sagte er sofort. »Das ist ekelhaft!«

»Achwas!« Severus schüttelte jetzt den Kopf, seinen Sarkasmus brav an die Leine legend. »Ich werde ihn hoch ins Bett bringen, bis er stinkt und dann wird Harry vielleicht wach sein und mir sagen, was ich tun muss«, schloss er. »Kommst du allein klar mit all den Rotschöpfen?«

»Ich bewege mich einfach nicht«, brummte Draco zurück. »Beziehungsweise, erst einmal nicht hier weg. Ich brauche etwas zu Essen.« Klar, er hatte am Vortag nur etwas Obst gegessen.

»Es sollte noch Essen da sein«, sagte er und deutete auf die Töpfe. »Bedien dich. Ich bin oben. Drei Türen links von dir. Klopf leise«, merkte er an, sich mit dem noch immer weinerlichen Jungen im Arm von Draco lösend, um endlich nach oben zu gehen. Die Bewegung sorgte dafür, dass Teddy endlich etwas ruhiger wurde und auf seinem Arm ein wenig zu dösen begann, sodass Severus es wirklich wagte, zu Harry ins Zimmer zu gehen. Der hatte sich wohl ein wenig umplatziert, schlief jedoch noch immer. Das war gut. Schlaf heilte.

Dann allerdings sah er sich mit dem Baby-Bett konfrontiert. Reinlegen und wieder rausnehmen. Würde er das unfallfrei schaffen? Er wusste es nicht und... landete letztlich mit dem Kind im Arm auf einem der Stühle. Er konnte auf diese Weise Harry beobachten... und das Kind konnte schlafen. Pläne. Er brauchte einen Plan für Lucius und Narzissa. Wie sollte er sie holen? Einfach mit Minerva nach Hogwarts apparieren? Und dann Narzissa holen?

»Sev?«, erklang plötzlich Harrys Stimme, womit er ihn aus seiner Überlegung holte.

»Ich bin hier«, sagte Severus hauchdünn. Ted schlief. Das war gut. Das sollte sich jetzt nicht ändern! Also musste er still sein, oder?

»Alles okay?«, fragte Harry nuschelnd. Er war nicht besonders gut zu verstehen und dank der Decke, die er sich fast in den Mund steckte, wurde es nicht besser.

»Ja...«, erwiderte der Tränkemeister. »Schlaf ruhig weiter.« Wenn er müde war – und das war bei dem Schmerztrank nicht unwahrscheinlich – sollte er schlafen. »Oder hast du Schmerzen?« Das merkwürdige Geräusch interpretierte der Tränkemeister mal als Verneinung, denn ein Ja klang definitiv anders.

»Was sagt Draco?«, fragte sein junger Gefährte neugierig.

»Genug. Es ist alles geklärt«, erwiderte Severus. »Ted schläft«, mahnte er Harry. »Wir sollten ihn nicht wecken...« Natürlich würde er Harry vernünftig antworten, aber wenn er redete, bewegte er sich und er war laut und das würde das kleine Schreidings vermutlich bald wecken und das bedeutete mitunter, Windeln zu wechseln und das... wollte er rausschieben, solange es ging.

»Du hast ihn?«, fragte Harry, noch leiser als schon zuvor. Severus brauchte keine Magie, um Harrys Überraschung und Neugierde zu erahnen.

»Mrs. Weasley hat ihn mir in die Hände gedrückt. Er hat gerade gegessen und schläft jetzt«, murmelte er. Er wollte wirklich nicht, dass der Knirps erwachte. Konnte Harry nicht bitte einfach für eine Weile still sein?

»Okay, gut«, hauchte Harry, sich im Bett zusammensinken lassend, um offenbar weiter zu ruhen. Gut, das bedeutete Stille und damit war erst einmal sichergestellt, dass Ted auch schlief.

Dachte er. Denn keine halbe Stunde später begann das Kind, wieder zu weinen und da er weder müde, noch hungrig sein konnte, ahnte Severus, dass es jetzt Zeit würde. Er wollte aber nicht, dass es Zeit war. Zeitumkehrer... wo waren sie, wenn man sie brauchte?!

»Ted«, murmelte Harry, noch ganz benebelt. Na wunderbar. Wirklich. Severus kräuselte seine Lippen verärgert. Jetzt war Harry wieder wach! Und Ted! Beide sollten einfach nur schlafen, verdammt!

»Schlaf«, brummte Severus. Wenn der jetzt noch zusah, würde Severus definitiv nervös werden. Wie hatte Harry das in der Nacht gemacht? Er hatte ihn auf... auf... wie hatte er? Selbst im Halbschlaf hatte er nicht darauf geachtet. »Ich suche Mrs. Weasley«, sagte er kaum hörbar.

»Warum?«, fragte Harry besorgt.

»Weil ich keine Ahnung habe, wie man Windeln wechselt«, gestand Severus leicht gereizt. Zu viele Geständnisse, zu viel von allem heute.

»Ich kann...«, wollte Harry sagen, ächzte aber unter dem Druck und vermutlich auch Schmerz seiner Bewegung.

»Du kannst gerade gar nichts«, knurrte Severus. »Leg dich hin!«, forderte er.

»Nein... wohl nicht«, stimmte Harry resigniert zu. Severus mochte sich nicht vorstellen, wie sich Harry dabei fühlte. Es ging nur nicht anders. Er wollte aufstehen und hinausgehen, um Molly zu suchen, aber etwas hielt ihn zurück. War es die Verzweiflung, die er spürte? War es die Anspannung? Die Angst, jemand könne sein Dilemma sehen? Was es auch war, es brachte ihn dazu, den Knirps auf eine kleine Decke auf das Bett zu legen – alles andere ließ er herbeischweben – und machte sich dann dran, in einem langwierigen, von verkrampften Handlungen dominierten Prozess die Windel zu wechseln. Prompt hatte er ein Problem. Wechseln... neue Windel. Hier war keine! Wo waren die Windeln? Waren die Windeln leer?

»Windeln«, hauchte Severus fassungslos. Er kannte es nicht, planlos zu sein. Er hatte immer einen Plan. Seine Hangriffe saßen. Er wusste, was er tat. Außer jetzt. Jetzt war er hilflos, planlos, überfordert.

»Guck mal im Badezimmer, linker Schrank. Da habe ich alles reingestellt... Windeln, Tücher, Cremes«, erklärte Harry ihm leise. Cremes? Severus blinzelte. Das Kind war sauber und die stinkende Windel geruchsmäßig isoliert. Aber Cremes?

»Creme...?«, fragte er lahm.

»Damit der Po nicht wund wird«, erklärte ihm Harry ächzend, richtig gepresst klingend.

»Bleibst du liegen?«, knurrte Severus nochmal. »Ich helfe dir gleich, dich umzulegen! Überanspruche deine frisch verwachsenen Knochen nicht!« Er war gestresst. Und er hasste es, gestresst zu sein. Eincremen. Jetzt sollte er das Kind noch eincremen. Die Creme kam auch herangeschwebt. Klar, er hatte sie ja auch gerufen. Aber zum Eincremen nutzte man Hände und... da schüttelte es ihn. Es war das eine, das Kind mit einem Lappen zu säubern... aber eincremen? Ihn anfassen? Nicht nach dieser Nacht! Bei Severus schlossen sich alle Türen, er wich sogar von dem Baby zurück. Wieder sah er vor seinem inneren Auge den Verfall seines Vaters, der irgendwann begonnen hatte und darin gegipfelt war, wie dieser über ihn hergefallen war. Wann hatte es begonnen?

»Severus!«, rief Harry, den er jetzt ruckartig mit großen, dunklen Augen ansah. »Du kannst deinen Zauberstab benutzen... oder ihn zu mir rüber legen...«, bot Harry ihm an. Ted blubberte derweil amüsiert und machte ganz ungelenke, unkoordinierte Bewegungen. Zauberstab. Ja, er war irgendwie ein Zauberer. Damit tat er Ted nichts, richtig? Wenn er ihn mithilfe seiner Zauberei eincremte, herrschte zwischen ihnen die gleiche Distanz, wie zuvor. Ja, das klang vernünftig und er war ein herausragender Zauberer... also nutzte er seine Zauberei genau dafür! Ted einzucremen! Der kicherte, empfand es also als angenehm, sollte man meinen... und Severus hatte Zeit, sich wieder zu fangen.

»Du tust ihm nichts, Severus. Du hast dich gut um ihn gekümmert. Danke«, besänftigte ihn Harry zusätzlich noch ein wenig, wodurch der Tränkemeister tatsächlich etwas die Spannung aus seinen Schultern fahren ließ. Harry wusste schon so viel und gefühlt wusste er doch... nichts. Er ahnte nicht, welche Prozesse in Severus’ Kopf von statten gingen. Severus selbst konnte es kaum einschätzen. Er antwortete weiterhin nicht, dafür waren seine Kiefer zu fest aufeinandergepresst. Die Windel musste noch angezogen werden und auch wenn das am Ende nicht ganz richtig und etwas schief war, so war zumindest erstmal die Umgebung vor plötzlichen Angriffen seitens Ted geschützt.

Wie sehr es ihn heute alles anstrengte. Er wollte nur in seinen Keller und Tränke brauen. Ein paar Tage lang nichts anderes machen als Frieden im Brauen finden. Sein sicherer Keller. Warum war er so weit entfernt und warum nur war es gerade unverantwortlich, dies auch nur zu wollen?

Fahrig packte er das Kind wieder ein, das jetzt irgendwie auf dem Bett lag. Aufheben... mit Vorsicht. Wenn er das jetzt schaffte, ginge das später sicher auch. Also ins Bettchen. Er musste doch schlafen, oder? Severus nahm, Harry ziemlich ausblendend, das Kind wieder auf die Arme und brachte es in die Wiege, wo er ihn, wenn auch umständlich, wieder ablegte. Da war eine Decke, also deckte er das Kind vorsichtig zu, das jetzt, wo es in der Wiege lag, ganz zufrieden blinzelte. Goldblondes Haar und intensive, blaue Augen. Das sah schon hübsch aus, irgendwie. Ob die Decke so gut war? Sollte man die bis unter das Kinn ziehen? Oder reichte es bis zu den Schultern? Oder nur zur Brust? Er hatte nicht darauf geachtet, als Harry ihn gebettet hatte und fragen... könnte er. Aber er könnte auch einfach völlig fertig mit seiner Welt hier stehen und sich an der Wiege festhalten, sich damit beruhigend, dass seine ersten, wirklichen Begegnungen mit Ted zwar nicht perfekt gewesen waren, aber er... nicht schlecht reagiert hatte. Dass Harry irgendwie noch wach war, ihn sehen konnte, wie er in die Wiege sah, der Gedanke kam ihm nicht. Dazu war seine Welt zu verquer.

Es waren lange Minuten, die er so dastand und seine Gedanken bewusst ganz glättete, gerade zog und das Schlechte daraus verbannte. Es war wie Okklumentik, aber es diente in erster Linie dem Schutz vor sich selbst, sodass er nach einer Weile endlich steif ins Bad gehen und sich die Hände waschen konnte. Er mied den Blick in den Spiegel. Ihm war bewusst, dass er von der Nacht Augenringe haben musste und vermutlich etwas gestresst wirkte. Aus Gründen. Lange hielt er sich allerdings nicht im Bad auf, denn immerhin war da noch sein Gefährte. Noch immer steif, aber deutlich gefasster kehrte der Tränkemeister also ins Schlafzimmer zurück, um sich an Harrys Seite auf die Bettkante zu setzen. Stumm.

Harry griff sanft nach seiner Hand und die Wärme, die diese Berührung ihm brachte, begrüßte der ältere Zauberer sehr. »Danke«, flüsterte Harry. »Es tut mir leid, dass ich dir das auflaste...«

»Du hast dich nicht mit Absicht verletzen lassen«, widersprach Severus. »So ist es in einer Partnerschaft. Man unterstützt sich.« Er wünschte selbst, er würde nicht so steif klingen. »Kannst du gut atmen?«, wollte er sanfter wissen. Für drei Minuten nicht an das Baby denken... das würde er begrüßen.

»Es geht, solange ich mich nicht bewege«, gestand Harry. »Bewegen… ist blöd.« Zumindest war er ehrlich.

»Dann beweg dich nicht. Ich bring dir gleich was zu trinken und später was zu essen hoch«, sagte er. »Du musst deinem Körper die Zeit geben, zu heilen.« Er verstummte kurz. »Ich werde Lucius und Narzissa holen«, flüsterte er dann. »Bevor es zu spät ist.«

Harry schluckte wie erwartet und hatte sichtlich Not, diesen Gedanken zu verdauen. »Was sagen die anderen dazu?«, fragte er leise.

»Nichts. Sie wissen nichts davon. Ich werde das allein machen, Harry. Narzissa kann ich über ihre Hauselfe in Sicherheit bringen lassen und Lucius… es macht keinen Sinn, jemanden dabei zu haben.« Lucius würde nur blocken und sich danebenbenehmen, vor allem, wenn er betrunken war.

»Nimmst du bitte den Tarnumhang?«, fragte er leise, mehrmals tief durchatmend.

»Ich kann ihn mitnehmen, aber ich denke, wenn ich am frühen Morgen gehe, wird er nicht notwendig sein«, sagte er sanft. »Er verbringt laut Draco die meiste Zeit allein im Büro des Schulleiters.« Und da krauchten vermutlich eher selten irgendwelche Todesser herum.

»Okay«, resignierte Harry wieder. Dass er nicht seufzte, war alles. Aber es musste sein… wenn er nicht riskieren wollte, dass Lucius starb. Weder durch eigene Unvernunft oder aus einer Laune heraus. Später würde er nach Cokeworth gehen, für den Fall, dass dort weitere Flüchtige eintrafen… und am Morgen würde er die beiden Malfoys holen.

Harrys unsortierte, nicht zurückgehaltene Gedanken schwappten sanft gegen Severus' Verstand, sodass der Tränkemeister innerlich seufzen musste.

»Draco… freut sich bestimmt?« Harry klang hoffnungsvoll. Leider irrte er.

»Bei seiner Mutter? Ja. Bei seinem Vater… bin ich nicht überzeugt. Lucius scheint zu trinken«, murmelte Severus unglücklich und rückte ab, um Harry mal die Schuhe auszuziehen, die er gerade noch in Gedanken bemängelt hatte.

»Hey! So laut… denke ich gerade gar nicht«, murmelte Harry seufzend, woraufhin Severus nur knapp nickte. Es war wirklich nicht übermäßig laut, aber doch hörbar. »Naja… wundert dich das wirklich?«, fragte Harry noch leise nach.

»Nein«, sagte Severus prompt. »Es ist eine angenehme Flucht vor der Realität und wenn man kein Tränkemeister ist und sich mit Schmerztränken oder Beruhigungstränken oder aufputschenden Tränken behelfen kann… eine gute Alternative, um diese Last zu ertragen«, schloss er tonlos, was Harry ziemlich blinzeln und wie einen Fisch den Mund öffnen und wortlos wieder schließen ließ, um sich zu sammeln.

»Ich meinte eher…, dass er richtig beschissen aussieht«, murmelte er jetzt kleinlaut.

»Ja, eine gängige Folge einer Sucht jeglicher Art«, erwiderte er leise. »Ich…« Er griff in seine Manteltasche, die Flasche mit dem Schmerztrank herausnehmend, um sie neben Harry abzustellen. »Ich hoffe, er fängt sich.«

»Die Flasche muss nicht hier sein«, meinte Harry. »Aber… ich bin stolz auf dich, weißt du?« Irrsinn, auf etwas, das selbstverständlich war, stolz zu sein, aber gut. »Wenn er eine Weile hier ist, kann er sich vielleicht wieder fangen.«

»Vielleicht. Vielleicht werden sie auch kurzfristig nach Frankreich oder in die USA ausreisen – dort haben sie eigene Wohnsitze.« Das wäre vermutlich gut und sinnvoll, gingen sie dorthin.

»Ich hoffe, Draco und sein Dad raufen sich wieder zusammen.« Das wünschte sich auch Severus, aber wirklich beziffern… konnte er es nicht. »Übrigens… scheinen seine Pläne generell nicht so zu laufen, wie er es sich wünscht. Es gibt ein neues Gesetz, dass Zauberer und Hexen verpflichtet anzugeben, wenn sie andere Zauberer und Hexen kennen, die Kontakt zu Muggeln haben. Das scheint nur eines der Dinge zu sein, an dass sich einfach generell niemand hält. Und das Verschwinden einer hochangesehenen Geisel wie Professor McGonagall hat ihn wohl ziemlich lächerlich gemacht. Gleich darauf noch Arthur Weasley. Es läuft nicht so gut für ihn. Er bekommt seinen Willen ausschließlich mit Gewalt.«

Severus hob überrascht die Brauen, nachdenklich vor sich hinstarrend. »Das macht Mut zur Hoffnung, dass, sobald sich ein Kampf zusammenbraut, mehr Leute hinter uns stehen als nur die, die hier sind«, merkte er an. Vielleicht würden sich genügend erheben, als das sie beide nur mit dem dunklen Lord vorliebnehmen mussten.

»Es kommt noch besser. Er wollte Zaubereiminister werden, vermutlich um lästige Laufburschen loszuwerden. Blöderweise hat das gesamte Gamot seine Plätze aufgegeben und demnach waren nicht mehr genug Leute da, um sein Amt zu bezeugen. Demnach können im Moment nicht einmal reguläre Verhandlungen abgehalten werden, mit denen man eine gewisse… Normalität vorgaukeln könnte. England ist viel mutiger, als ich es erwartet hätte.« Harrys unterdrücktes Schmunzeln ließ auch Severus leise schmunzeln.

»Nachdem sich vor einem knappen Jahrhundert die Gesetze lockerten, die es untersagten, dass Muggel und Zauberer und Hexen liiert sein und einen regelmäßigen Kontakt pflegen dürfen, hat sich viel Positives in der Zaubererwelt entwickelt. Das wollen die Wenigsten aufgeben, denn obwohl unter Reinblütern nach wie vor Muggelstämmige und Halbblüter verpönt sind, kennt doch jeder irgendwie eine Hexe oder einen Zauberer, der durch ihn benachteiligt würde… das heißt nicht jeder gut und das…« Er seufzte. »…das ist gut. Sehr gut sogar.«

»Und es zeigt auch seine komplette Fehleinschätzung. Ihm ging es ja nie darum, sich Gedanken zu machen, wie er Leute kontrollieren kann, außer mit Angst. Und wir sind nun einmal nicht mehr im Mittelalter.«

Severus runzelte nun die Stirn, Harry kritisch betrachtend. »Eine einzige, gut präsentierte Hinrichtung wäre absolut ausreichend, um die Waagschale in diesem Kräftegleichgewicht völlig neu zu verteilen«, sagte er. »Angst ist nicht allein ausreichend, aber sie ist eine sehr große, treibende Kraft. Hätten sie Minerva oder Aberforth hingerichtet, hätte das viele unsichere Gemüter zu kopfloser Gefolgschaft gemacht.«

»Vielleicht, aber diese Pläne haben nicht funktioniert. Und jetzt hat er noch ein ganz anderes Problem. Draco als Aberforth auszugeben, muss dazu gedacht gewesen sein, den Spion in seinen Reihen aufzudecken. Es waren gerade einmal drei Todesser auf dem Hof. Und die haben aufrichtig gekämpft. Es muss auch ein Test der eigenen Leute gewesen sein, gleichsam ein Versuch, Informationen darüber zu erhalten. Nun weiß er noch immer nicht, wo das Leck ist… und er hat Draco verloren, ohne Informationen zu bekommen. Nach dem er zwei wichtige Geiseln und Bellatrix verloren hat. Ziemlich viele Rückschläge innerhalb sehr kurzer Zeit, plus die Gegenwehr in England. Das macht ihn enorm gefährlich.« Das wusste Severus bereits und ja, ihm war klar, dass jede ihrer Taten das Risiko erhöhte, dass der dunkle Lord etwas Dummes tat. »Aber es bringt ihn auch in eine Situation, über die ihm die Kontrolle fehlt.«

»Umso wichtiger ist es, Lucius aus dem Schussfeld zu holen, da er für Bellatrix' Tod und vermutlich für Dracos Scheitern verantwortlich gemacht wird«, mahnte Severus. »Wie auch immer wir weitermachen, Zeit für lange Trainingstage haben wir nicht mehr.« Das war ein Spiel auf Zeit, zu riskant.

»Nein, wir müssen handeln. Weiß Draco nichts über Nagini?«, fragte er leise.

»Ich weiß es nicht. Ich habe noch nicht gefragt. Erst einmal müssen seine Eltern da raus. Vielleicht kann Lucius mir was sagen. Ich will Draco da raushalten…« Der Junge hatte nichts von alledem gewollt und er wollte mit nichts davon zu tun haben, wie er gesagt hatte. Das würde er berücksichtigen.

»Ich sehe zu, dass ich schnellstmöglich wieder fit bin«, versprach Harry und sah kurz etwas nervös zur Wiege. »Wie äh… weit hast du die Decke hochgezogen?«, fragte er unruhig, sodass Severus die Stirn runzelte. Was?

»Zwei Fingerbreit unter seinem Kinn endet die Decke«, sagte er langsam. War das in Ordnung?

»Okay«, erwiderte Harry eher zögerlich, als wäre er sich nicht sicher. »Könntest du mir was zu trinken geben, bitte?« Severus, der selbst zur Wiege und wieder zu Harry sah, leckte sich unsicher über die Lippen.

»Ich hole dir sofort was. Wie hoch sollte die Decke maximal sein?«, fragte er selbst unsicher.

»Molly sagte was von Brusthöhe… es soll nicht zu warm werden und die Decke darf nicht ans Gesicht kommen«, erklärte ihm Harry, woraufhin sich Severus sofort erhob und zur Wiege ging, um zu prüfen, wie hoch die Decke lag. Er korrigierte sie auch direkt sanft ein wenig. »Molly?«, hakte er nach. »Hieß es nicht gestern noch Mrs. Weasley?«

»Äh… ja, nein. Ich meine, sie… Hat mir, als sie mir alles wegen Ted gezeigt hat, gesagt, ich soll sie endlich duzen. Und naja… jetzt bin ich volljährig, also… ist es wohl okay.«

Severus sah über die Wiege zu Harry rüber, beobachtend, wie unsicher er sich regte. »Das ist… gut.« Für Harry. Die Weasleys waren wie eine Familie für ihn gewesen… also war es gut. »Ich hole dir Trinken und Essen hoch. Tee?«, fragte er und löste sich, um steif zur Tür zu schreiten. Da Harry nickte, machte sich Severus nun also auf den Weg, seine Quest zu vollenden: Einmal Abendessen und einmal Tee für Harry und eine ordentliche Portion Abendessen für Severus, der heute noch nichts weiter, außer das Kräuterbrötchen gegessen hatte.

*~ Ich habe gute und schlechte Neuigkeiten! Wir haben gestern das letzte Kapitel dieser FF fertig geschrieben und könnten nun, wenn ihr wollt, täglich/alle 2 Tage/2x pro Woche ein neues Kapitel rausgeben. Es wären jetzt inkl. Epilog noch 9 Kapitel.
Und für die, die das Konzept dieser zwei Sichtweisen mögen: Wir hatten Gedankengrütze und gerade bereits eine andere Variante von "Zwei Leben" im Beginn - und es ist kein Snarry, aber dennoch Maleslash. Jemand Interesse dran? Je nach Feedback, werden wir sie ggf. sonst erst fertig schreiben, ehe wir sie (täglich) veröffentlich! ~*
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